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Schlagwort-Archive: Geschichte

Laini Taylor – Muse of Nightmares

Die Dilogie „Strange the Dreamer“ von Laini Taylor war ursprünglich als Einzelband vorgesehen. Acht Monate, nachdem sie mit dem Schreiben begonnen hatte, konnte sie die kleine Stimme in ihrem Kopf, die ihr zuflüsterte, dass die Geschichte zu groß war und in einen 1.000-Seiten-Wälzer auszuarten drohte, jedoch nicht mehr ignorieren. Glücklicherweise waren sowohl ihre Agentin als auch ihr Verlag einverstanden, das Projekt zu splitten. Als Einzelband wäre es vielleicht unter dem Titel des zweiten Bandes „Muse of Nightmares“ erschienen – die Idee einer Muse der Albträume war vor über 20 Jahren nämlich der erste Lebensfunke dieser zauberhaften Geschichte.

Sarai erkannte vor langer Zeit, dass der prächtige Palast hoch über Weep, in dem sie mit ihren Geschwistern lebt, ein goldener Käfig ist. Ihr Gefängnis zu verlassen, schien unmöglich. Erst als ihr Lazlo Strange begegnete, schöpfte sie Hoffnung. In seinen Träumen verliebten sie sich und kosteten von der Freiheit, nach der sich Sarai so lange sehnte. Wenig später, im Chaos der furchtbaren Tragödie, die den Palast der Mesarthim und ganz Weep erschütterte, offenbarte sich Lazlo als der Lichtblick, an den sie und ihre Geschwister nicht mehr zu glauben wagten. Er könnte ihre Familie befreien. Nur Minya weigert sich, Weep den Rücken zu kehren. Zerfressen von Hass lechzt sie nach Rache und wird nicht ruhen, bis jeder Mann, jede Frau und jedes Kind der Stadt für das Unrecht bezahlt, das sie ihr und ihresgleichen antaten. Will Sarai die Fesseln der Vergangenheit ablegen, muss sie die Person, der sie ihr Leben verdankt, verraten. Sie muss Minya an den Ort locken, an dem sie eine Göttin ist: In das Reich der Träume. Doch Minyas Erinnerungen sind dunkel und schmerzhaft und nicht einmal die Muse der Albträume weiß, ob sie ertragen kann, was sie in ihrem Geist sehen wird …

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Montagsfrage: Lieber Mini als Maxi?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Die Lieferung der Küche verzögert sich. Natürlich. Ich habe vorletzte Woche Freitag beim Händler angerufen, weil wir immer noch keinen Termin hatten. Angeblich wurden unsere Möbel letzte Woche fertiggestellt. Theoretisch sollte ich heute einen Anruf von der Montagefirma erhalten, um die Lieferung abzusprechen. Je nachdem, wie deren Kapazitäten aussehen, kann es sein, dass die Küche erst nächste Woche kommt. Großartig. Ich weiß, zwei Wochen Verzögerung sind in der aktuellen Situation vergleichsweise gering, aber ich ärgere mich trotzdem. Nicht nur, weil wir dann einen Monat aus Kisten gelebt haben und uns nur sehr eingeschränkt ernähren konnten, sondern vor allem, weil wir von der Verzögerung gar nicht erfahren hätten, hätte ich nicht angerufen. Als wir die Küche geplant und beauftragt haben, wurde ein Wunschtermin für letzte Woche vereinbart. Mir ist durchaus bewusst, dass für den Händler keine Verbindlichkeit besteht, diesen einzuhalten, doch sie hätten uns zumindest rechtzeitig Bescheid geben können, dass es länger dauert. Dann hätten wir nämlich anders planen und den Abbau der alten Küche sowie die baulichen Vorbereitungen verschieben können. Ich finde es nicht sehr kundenfreundlich, dass sie uns nicht informiert und auf dem Laufenden gehalten haben. Das fuchst mich, schließlich haben wir ihnen bereits eine Menge Geld überlassen.

Glücklicherweise habe ich heute allerdings auch gute Nachrichten: Der Jahresrückblick 2020 geht morgen online! Ein Tusch bitte! Ich bin sehr stolz darauf, dass ich neben der Arbeit so fleißig daran geschraubt habe und zügig fertig geworden bin. Euch erwarten wieder einmal eine Menge Zahlen, noch mehr Buch-Schwärmerei und ein paar Erkenntnisse, die sogar mich überrascht haben. Schaut morgen auf jeden Fall vorbei, wenn ihr wissen wollt, wie mein Lesejahr 2020 war!

Vor meiner ausführlichen Jahresstatistik steht heute aber erst einmal die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise an, denn die lasse ich natürlich nicht ausfallen!

Sind Buch-Adaptionen in der Form von Mini-Serien vielleicht besser als Buch-Adaptionen in der Form von Filmen?

Komme ich heute durch mit „Ist mir egal“? Nein? Na gut, okay, dann etwas ausführlicher.
Mich interessieren Verfilmungen nicht. Es gibt selbstverständlich ein paar wenige Ausnahmen, aber normalerweise sehe ich einfach nicht ein, wieso ich mir Zeit für eine Geschichte nehmen soll, die ich entweder schon kenne oder die ich im Original, also als Buch, kennenlernen möchte. Das Buch ist meist ohnehin wesentlich besser. Mir ist schon klar, dass viele Menschen dankbar dafür sind, wenn ein Buch verfilmt wird, weil sie es dann nicht lesen müssen und ich sehe ein, dass einige Bücher die zusätzliche Aufmerksamkeit brauchen, um die wichtige Botschaft, die sie vermitteln, einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen, zum Beispiel „The Hate U Give“ von Angie Thomas. Aber ich persönlich kann mit Verfilmungen wirklich wenig anfangen und darum ist mir auch egal, wie Bücher nun adaptiert werden, ob als Film oder als Serie.

Grundsätzlich erkenne ich die Vorteile einer Adaption als Serie, weil eine komplexe Geschichte eben nicht auf zwei bis drei Stunden zusammengestrichen werden muss, doch meiner Erfahrung nach führt das oft dazu, dass sich die Drehbuchschreiber_innen massive Freiheiten erlauben. Man denke an „True Blood“ und „American Gods“. Wird die Quintessenz einer Geschichte verfälscht, ärgert mich das, weshalb ich auch um Serien-Adaptionen für gewöhnlich einen weiten Bogen mache. Darum ist mir völlig schnuppe, ob es sich bei der Adaption um eine (Mini-)Serie oder einen Film handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir sowohl das eine wie auch das andere ansehe, ist verschwindend gering.

Zieht ihr die Adaption eines Buches als Serie der Adaption als Film vor?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen produktiven Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Kai Meyer – Die Fließende Königin

Der „Merle-Zyklus“ zählt zu Kai Meyers populärsten Werken. Die Reihe, die als Trilogie seit 2002 als abgeschlossen galt, 2019 aber eine späte Fortsetzung erhielt, wurde innerhalb kürzester Zeit in ca. 25 Sprachen übersetzt und sogar bis nach Japan exportiert. Meyer und sein Verlag Loewe waren selbst überrascht, wie gut sich die Bücher international verkauften und das, obwohl der 2001 erschienene erste Band „Die Fließende Königin“ eine Art Gegenentwurf zur „Harry Potter“-Reihe darstellte, die damals ihren legendären Hype erfuhr. Loewe hatte Meyer gebeten, eine Fantasy-Jugendtrilogie zu verfassen; der Autor erklärte sich dazu bereit, wollte aber ausdrücklich weder einen „Harry Potter“-Verschnitt noch Tolkien-Fantasy schreiben. Loewe war einverstanden – das Konzept ging auf und der „Merle-Zyklus“ entwickelte sich zu einem deutschen Welterfolg.

Einst war Venedig eine funkelnde Metropole voller Magie. Meerjungfrauen planschten in den Kanälen, Zauberei flirrte durch die verschlungenen Gassen und steinerne geflügelte Löwen flogen über die Dächer. Nach 30 Jahren der Belagerung ist vom Glanz der Vergangenheit allerdings nicht viel geblieben. Allein die Macht der Fließenden Königin hindert die Ägypter daran, die Stadt einzunehmen. Sie ist das Flüstern der Wellen, die Kraft der Strömung – und manchmal bewahrt sie kleine Mädchen vor dem Ertrinken. Merle war noch ein Baby, als sie in einem Weidenkorb auf dem großen Kanal ausgesetzt wurde. Im Waisenhaus lernte sie früh, dass die Welt für Kinder wie sie wenig Güte bereithält. Sie ist dankbar, mit 14 Jahren eine Lehrstelle bei dem berühmten Spiegelmacher Arcimboldo zu erhalten. Niemals hätte sie sich träumen lassen, dass das Schicksal Venedigs auf ihren Schultern lasten könnte. Kurz nach Beginn ihrer Lehre erfährt sie zufällig von einer Verschwörung gegen die Fließende Königin und plötzlich ist Merle die Einzige, die zwischen ihrer Heimat und den Ägyptern steht. Kann ein Waisenmädchen eine ganze Stadt retten?

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Paula Hawkins – The Girl on the Train

Paula Hawkins suchte lange, bis sie ihre literarische Stimme fand. Sie arbeitete 15 Jahre als Wirtschaftsjournalistin, bevor sie begann, ihre schriftstellerische Karriere zu verfolgen und startete dann keineswegs sofort als Thriller-Autorin durch. Nein, ihre ersten vier Romane unter dem Pseudonym Amy Silver zählen zur Chic-Lit. „The Girl on the Train“ war ihr Versuch, zum ersten Mal als sie selbst zu schreiben, als Paula Hawkins. Es ist das Buch, das sie weltberühmt machte und dessen immenser internationaler Erfolg – übersetzt in 35 Sprachen, über 20 Wochen auf dem ersten Platz der britischen Bestsellerliste und 2016 von DreamsWorks verfilmt – die Bezeichnung „Phänomen“ definitiv rechtfertigt.

Rachel Watson ist ein Wrack. Wochentags pendelt sie mit dem Zug um 08:04 Uhr nach London und 17:56 Uhr wieder zurück, obwohl sie längst arbeitslos ist. Auf dem Heimweg trinkt sie normalerweise. Jedes Mal fährt sie an dem hübschen, gepflegten Vorort vorbei, in dem sie selbst vor nicht allzu langer Zeit lebte, an dem Haus, in dem ihr Ex-Mann Tom mit seiner neuen Frau Anna und ihrem Baby wohnt. Aus dem Zugfenster heraus schaut sie Nachbar_innen zu, die eigentlich ihre sein sollten und malt sich ihre Leben aus. Ein junges, vitales Paar hat es ihr besonders angetan. Sie kennt ihre Namen nicht. Sie nennt sie Jess und Jason. Doch eines Tages beobachtet Rachel etwas, das ihr Bild der beiden zutiefst erschüttert. Wenig später wird Megan Hipwell – Jess – als vermisst gemeldet und Rachel wird das Gefühl nicht los, dass ihr Verschwinden mit diesem winzigen, schockierenden Moment zusammenhängt. Impulsiv beschließt sie, nicht länger nur eine Beobachterin zu sein – aber wird man ihr glauben? Ihr, der Frau aus dem Zug?

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Verfasst von - 10. November 2020 in Krimi, Rezension, Thriller

 

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Sarah Pinborough – Mayhem

Jack the Ripper ist wohl der berühmteste Serienmörder aller Zeiten. Über 130 Jahre nach seinen Verbrechen ist die Faszination für ihn ungebrochen und überstrahlt die Tatsache, dass die fünf ihm zugeschriebenen Prostituierten-Morde in London-Whitechapel 1888 nicht die einzigen Taten waren, die die Stadt in Angst und Schrecken versetzten. Zwischen 1887 und 1889 spülte die Themse in verschiedenen Stadtteilen die zerstückelten Körperteile von vier Frauen an. Diese Fälle wurden als „Thames Torso Murders“ bekannt. Trotz Parallelen zu den Ripper-Morden war der Polizei aufgrund des abweichenden Modus Operandi klar, dass sie es wahrscheinlich mit einem zweiten, zeitgleich agierenden Mörder zu tun hatten. Zur Ermittlungseinheit gehörte in beiden Fallserien der Chirurg Dr. Thomas Bond, der als einer der ersten Profiler der Kriminalgeschichte gilt. Dennoch wurden die Themse-Torso-Morde nie aufgeklärt – der ideale Ausgangspunkt für Sarah Pinboroughs historischen Mystery-Krimi „Mayhem“.

1888 treibt ein Mörder sein Unwesen in London. Seine Opfer sind die Schwachen, die Verlorenen, diejenigen, die niemand vermisst. Man nennt ihn Jack the Ripper. Dr. Thomas Bond ist mit der grausigen Aufgabe betraut, die Leichen zu obduzieren. Was er auf seinem Untersuchungstisch sieht, raubt ihm den Schlaf und treibt ihn in die verrufenen Gefilde der Opiumhöhlen. Doch als in der Themse weitere Leichen gefunden werden, zerstückelt und verstümmelt, ergreift ihn ein Entsetzen, das nicht einmal der süße Qualm zu lindern vermag. Ein zweiter Mörder ist am Werk. Während die Polizei nach dem Ripper fahndet, versucht Dr. Bond, das Rätsel um die zweite Mordserie zu lösen. Seine Ermittlungen führen ihn zu einem Priester, der behauptet, der Täter sei kein Mensch, sondern eine uralte Kreatur des puren Bösen. Sagt er die Wahrheit? Jagt Dr. Bond keinen Mann – jagt er ein Monster?

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Snorri Kristjánsson – Swords of Good Men

Ich habe eine etwas schwierige Vorgeschichte mit Wikinger-Romanen. Als ich 2015 begann, mich in diesem Subgenre herumzutreiben, hoffte ich, endlich meine Tür zur historischen Fiktion zu finden. Leider waren diese Experimente nicht von Erfolg gekrönt. Deshalb beschloss ich, mich für einen letzten Versuch in die Hände eines echten Nordmannes zu begeben: Snorri Kristjánsson, ein in Island geborener Schriftsteller, der einige Jahre in Norwegen lebte, bevor er mit seiner Frau nach Schottland zog. Sein Debütroman „Swords of Good Men“ sollte es besiegeln – entweder, er würde mich für die Wikinger gewinnen oder verlieren.

Nach zwei Jahren auf Reisen mit seinem Cousin Geiri Alfgeirsson zieht es Ulfar Thormodsson zurück nach Schweden. Noch eine letzte Station müssen sie absolvieren, bevor sie heimkehren: die westnorwegische Hafenstadt Stenvik, deren Fürst Sigurd Aegisson dem norwegischen König Olav Tryggvason die Treue schwor. König Olav ist ein fanatischer Anhänger des Weißen Christengottes und entschlossen, sein Reich bis zum letzten Mann zu missionieren, notfalls mit dem Schwert. Seine Armee nähert sich Stenvik von Osten; er plant, den Hafen einzunehmen, um seinen Feldzug fortzuführen. Von ihrem Lehnsherrn haben die Männer und Frauen nichts zu befürchten – wohl aber von dem Bund legendärer Krieger, der schwor, die alten Götter und Gebräuche zu bewahren. Angeführt von einer mysteriösen Frau mit rätselhaften Kräften segeln sie mit über 60 Schiffen nach Stenvik, um die Stadt zu erobern und Olavs Armee aufzulauern. Plötzlich finden sich Ulfar, Geiri und ganz Stenvik in einer brutalen Belagerung wieder und müssen ausharren, bis König Olavs Truppen eintreffen. Doch Zwietracht und Verrat schwächen die Reihen der Verteidiger, bis nicht mehr eindeutig ist, ob der Feind vor den Mauern steht – oder dahinter.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Fazit

Es ist vollbracht. Mein Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ ist abgeschlossen. Acht Wochen. 22 Beiträge (diesen eingeschlossen). Ich kann es noch gar nicht fassen. Für euch ist dieses Finale wahrscheinlich weniger spektakulär als für mich, aber ihr befindet euch ja auch in der vorteilhaften Position, lediglich die Früchte meiner Arbeit zu sehen. 😉 Ich habe monatelang geschuftet und all meine Leidenschaft für Literatur, Fantasy und Robert E. Howard in diese Beitragsreihe gesteckt. Verzeiht mir, dass ich mich jetzt, am Ende, ein wenig sentimental fühle.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Chronologien

Ordnung in Robert E. Howards Geschichten zu bringen und besonders Conan in einer schlüssigen Chronologie zu organisieren, ist aus verschiedenen Gründen fordernd und kompliziert. Aspekte wie Reihenfolge oder Kohärenz hatten für Robert als Pulp-Autor keine Priorität, weil er wahrscheinlich gar nicht damit rechnete, dass irgendjemand versuchen könnte, seine Conan-Erzählungen zusammenhängend am Stück zu lesen. Pulp Magazine erschienen meist monatlich oder mit größeren Zeitabständen und veröffentlichten ausschließlich abgeschlossene Geschichten. Jede Ausgabe bot den Leser_innen neue literarische Abenteuer, die vielleicht wiederkehrende Figuren enthielten, grundsätzlich aber selten intensive Verbindungen zu früheren Publikationen herstellten. Daher konnte sich Robert vermutlich nicht vorstellen, dass seine Beiträge eines Tages, lange nach dem qualvollen Tod des Pulp Marktes, zusammengetragen und gebündelt veröffentlicht werden würden und gab sich keine Mühe, eine offensichtliche Chronologie einzuarbeiten.

Außerdem muss sein schriftstellerisches Konzept für Conan in Betracht gezogen werden. Er hatte gar nicht vor, Conan eine abgeschlossene, lückenlose Biografie auf den Leib zu schneidern. Für ihn gab es im Werdegang des Cimmeriers lediglich drei feste, nicht verhandelbare Säulen, die er in den ersten drei Geschichten „The Phoenix on the Sword“, „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“ definierte: Conan sollte gegen Ende seines Lebens König von Aquilonia sein, er sollte bereits sehr früh in seiner Karriere mit dem Übernatürlichen in Kontakt treten und er sollte als Barbar von dem Moment an, da er mit ihr konfrontiert wurde, in permanentem Konflikt mit der angeblichen Zivilisation stehen. Alle Stationen, die Conan zwischen diesen Stützpfeilern absolviert, waren Roberts persönliche schriftstellerische Spielwiese. Durch den Verzicht auf eine konkret umrissene Biografie gestattete er sich selbst maximalen Freiraum und konnte sich nach Lust und Laune Abenteuer einfallen lassen, da er nicht gezwungen war, zeitliche oder geografische Logik herzustellen. Die Schlüsselphrase lautet „Irgendwann in seinem Leben“. Conan konnte als Söldner, Dieb, Pirat, Rebellenführer, Soldat und König quer durch das hyborische Zeitalter ziehen, weil Robert nur andeutungsweise festlegte, wann er wo welche Position einnahm. Er war in der Lage, ihm jede Rolle zuzuschreiben, weil niemand beweisen kann, dass Conan aufgrund temporärer oder räumlicher Beschränkungen keine Gelegenheit hätte, eine oder mehrere davon zu erfüllen. Selbst wenn er ihn als Koch, Henker oder Schmied hätte inszenieren wollen, wäre das prinzipiell möglich gewesen.

Meiner Meinung nach war diese Unverbindlichkeit ein brillanter Schachzug, der die Darstellung von Conan als fleischgewordenem Mythos optimal unterstützt. Lesen wir heute über legendäre Figuren der Historie, akzeptieren wir vorbehaltlos, dass unter Umständen nicht alle Fakten überliefert oder belegt sind und einige ziemlich fantastisch anmuten. Wir können zum Beispiel anhand weniger, unbewiesener Anekdoten nur vermuten, wie Alexander der Große seine Jugend verbrachte. Conan ist mit derselben Einstellung zu behandeln. Roberts Geschichten sollten mündlichen Überlieferungen ähneln, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf inhaltlichen Wahrheitsgehalt erhoben. Kämpfte Conan tatsächlich gegen einen Affenmenschen? Wer weiß. War er vor seiner Eroberung des Throns von Aquilonia zuletzt als Söldner unterwegs? Vielleicht. Die Unkenntnis der genauen Abläufe unterstreicht seinen mythischen Status und ich bin mir absolut sicher, dass Robert das beabsichtigte. Es ist bezeichnend, dass beispielsweise keine Geschichten existieren, die beschreiben, wie und wann Conan König wurde oder er seine Diebeslaufbahn einschlug.

Es muss Robert amüsiert haben, als Conan-Fans begonnen, den Lebensweg des Barbaren anhand der spärlichen Hinweise in seinen Geschichten nachzuzeichnen. Den Anfang dieser Bemühungen erlebte er nämlich noch mit; der erste Vorschlag für eine Chronologie wurde bereits 1936 von den beiden Science-Fiction-Autoren P. Schuyler Miller und John D. Clark in dem Essay „A Probable Outline of Conan’s Career“ vorgelegt, die ihn Robert vor seinem Tod zur Korrektur schickten. Nachdem sich Conan als Franchise etablierte und über die Jahrzehnte immer mehr Erweiterungen der Saga erschienen (unter anderem natürlich von L. Sprague de Camp), wurde die Chronologie zunehmend kompliziert, weil auch andere Schriftsteller_innen den gewaltigen inhaltlichen Spielraum seiner diffusen Biografie für sich nutzten, um ihre eigenen Adaptionen zu ergänzen. Soweit ich weiß, hielten sich alle an die grundlegenden Eckpunkte seines Lebens und Charakters – beispielsweise hat wohl nie jemand versucht, aus Conan einen Koch zu machen – aber innerhalb dieses Rahmens schrieben sie zahlreiche Abenteuer. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, zumindest die wichtigsten und populärsten Neuveröffentlichungen in die Chronologie zu integrieren, was wiederum zu einer Revision der Version von Schuyler Miller und Clark sowie zu gänzlich neuen Vorschlägen führte. Bis heute gibt es allerdings keine Chronologie, die jede einzelne Conan-Geschichte (Original und Franchise) sinnvoll berücksichtigt.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Ausgaben

Ab heute möchte ich euch beibringen, wie ihr Conan lesen könnt. Da durchschnittliche Leser_innen mit diversen Komplikationen konfrontiert werden, wenn sie planen, ihre Bibliotheken mit Robert E. Howards Geschichten über den Cimmerier zu erweitern, möchte ich all mein erworbenes Wissen einsetzen, um euch diese Aufgabe zu erleichtern. Meine Leseanleitung ist garantiert nicht die einzig wahre Herangehensweise an den berühmten Barbaren und ich versuche gar nicht erst, diesen Anspruch zu erfüllen. Vielmehr ist sie ein unverbindlicher Wegweiser, der euch mit Tipps und Ratschlägen dabei unterstützen soll, eure Annäherung an Conan so sinnvoll und logisch wie möglich zu gestalten. Ihr könnt einen Teil meiner Vorschläge nutzen, ihr könnt alle befolgen oder auch keinen. Das ist ganz euch überlassen. Dieser Beitrag ist lediglich ein Referenzdokument, auf das ihr zurückgreifen könnt, solltet ihr Hilfe benötigen.

Die Anleitung teilt sich in zwei Abschnitte. Im heutigen ersten schildere ich die aktuelle Situation auf dem Buchmarkt und schlage euch Ausgaben drei verschiedener Verlage vor, mit denen euer Einstieg in Conans hyborisches Zeitalter meiner Meinung nach glücken kann. Im morgigen zweiten Abschnitt behandeln wir eine Auswahl an Chronologien, die seit Ende der 1930er Jahren vorgelegt wurden und an denen man sich bei der Lektüre von Conan orientieren kann. Wieso das wichtig ist, haben wir in den vorangegangenen Beiträgen bereits angerissen – jetzt sprechen wir ausführlich darüber.
Mein Anliegen ist, dass ihr am Ende der Leseanleitung, die darüber hinaus den lang herbeigesehnten Schlussakkord dieses umfangreichen Blogprojekts darstellt, bestens gewappnet seid, um Conan selbst kennenzulernen. Ich hoffe, ich kann euch um einiges schlauer und aufgeklärter in die Welt entlassen. Seid ihr bereit? Dann auf zum letzten Akt.

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Robert E. Howard – The Conan Chronicles

Heute werde ich berichten, wie die Conan-Geschichten von Robert E. Howard auf mich wirkten und wie sie mir gefielen. Diese Rezension unterscheidet sich von meinen üblichen Buchbesprechungen, weil ich beschlossen habe, theoretische Hintergründe komplett auszuklammern. Es ist einfach nicht nötig, auf diese Aspekte einzugehen, weil die Rezension im Rahmen meines umfangreichen Blogprojekts zu dem vermutlich berühmtesten Barbaren der Kulturgeschichte und dessen Schöpfer erscheint. Wer sie „in Echtzeit“ am Veröffentlichungstag liest, dürfte demzufolge bereits über ein recht detailliertes Bild dieses Themenkomplexes verfügen. Wer hingegen später darüber stolpert, sollte zumindest das Kapitel „Conan: Der texanische Barbar“ lesen, um eine kontextuelle Einordnung zu erhalten, denn diese werde ich heute nicht vornehmen. Heute werde ich mein Herz sprechen lassen und meinen Kopf ausschalten – oder es zumindest versuchen.

Bevor ich mein Herz befrage, was es von Conan hielt, möchte ich allerdings ein paar Sätze zu meinen Ausgaben verlieren, denn wie wir in den späteren Beiträgen des Blogprojekts lernen werden, ist es keineswegs unerheblich, welche Versionen der Geschichten man liest. Sorgt euch nicht, falls ihr mit diesen Informationen jetzt noch nicht allzu viel anfangen könnt; ich verspreche euch, spätestens nach dem Kapitel zu Roberts Vermächtnis, das nächste Woche online gehen wird, ergeben sie Sinn.
Derzeit besitze ich „The Conan Chronicles“ als Doppelausgabe des britischen Verlags Gollancz. Der erste Band „The Conan Chronicles“ erschien 2008 im Rahmen ihrer „Ultimate Fantasies“- Reihe, der zweite Band „The Hour of the Dragon“ 2001 im Rahmen ihrer „Fantasy Masterworks“-Reihe. Enthalten sind alle 21 Geschichten, fünf Fragmente, das Gedicht „Cimmeria“, die Essays „The Hyborian Age“ und „Notes on Various Peoples of the Hyborian Age“ sowie eine Karte des hyborischen Zeitalters. Anhand der Urheberrechtsverzeichnisse in beiden Bänden gehe ich davon aus, dass ich Roberts Originaltexte ohne Überarbeitungen und Ergänzungen von L. Sprague de Camp gelesen habe.

So, Theorie beiseite, Vorhang auf für Conan.

Das hyborische Zeitalter war vom Geräusch singender Schwerter untermalt. Es war eine Epoche der Gewalt und des Blutvergießens, der Kriege, Aufstände, wilder Magie und mythischer Kreaturen. Doch ein Mann fürchtete weder Mensch noch Bestie. Ein Mann, geboren auf den gnadenlosen Schlachtfeldern Cimmerias, dem ein außergewöhnliches Schicksal bestimmt war. Er war ein Barbar, groß und stark wie ein Löwe. Seine Feinde erzitterten vor dem Klang seiner Stimme und der Schärfe seiner Waffen. In seinen blauen Augen brannten Abenteuerlust, Ehrgeiz und Heldenmut. Er bereiste die ganze Welt, war ein Dieb, ein Soldat, ein Pirat, ein Söldner, ein König und beuge sein Knie vor niemandem. Noch heute erzählt man von seinen Taten. Noch heute erinnert man sich an seinen Namen, der erst zum Mythos und dann zur Legende wurde: Conan.

Es war amüsant, nach so langer Zeit meine Notizen zu meiner zweibändigen Sammlung aller originalen Conan-Geschichten zu konsultieren. Ihr müsst verstehen, dass ich den ersten Band „The Conan Chronicles“ vor beinahe zwei Jahren gelesen habe, den zweiten Band „The Hour of the Dragon“ vor etwa anderthalb Jahren. Oh ja, so lange geht das schon mit mir und Conan. Ich ahnte bereits nach der Lektüre des ersten Bandes und einer kurzen Recherche zum Autor, dass eine normale Rezension nicht ausreichen würde, um allen Aspekten des Fantasy-Klassikers gerecht zu werden. Dennoch verfasste ich meine Notizen wie sonst auch, weil ich damals noch nicht wusste, wie genau ich die Besprechung und alle zusätzlichen Informationen organisieren wollte. Das heißt, ich habe Conan bewertet lange bevor ich mir all das Hintergrundwissen aneignete, durch das wir uns nun gemeinsam in diesem Blogprojekt arbeiten. Rückblickend finde ich es sehr unterhaltsam, welche Richtung meine Gedanken einschlugen, was mir auffiel, was ich bemängelte und was ich mochte.

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