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Schlagwort-Archive: Gefühl

Montagsfrage: Die Sache mit Karl May

Hallo ihr Lieben! 🙂

Die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise beantworte ich müder als gewöhnlich. Wenn ihr dem wortmagieblog schon eine Weile folgt, wisst ihr auch warum: Wieder einmal bin ich dem Wahnsinn des Super Bowls erlegen! Ganz genau, ich habe mir die Nacht um die Ohren geschlagen und mit ein paar Freunden und dem Lieblingsmenschen zugesehen, wie die Kansas City Chiefs die San Fransisco 49ers um den Titel brachten! Ich liebe dieses Spektakel, es ist jedes Jahr aufs Neue ein großer Spaß, obwohl der Tag danach… Nun ja. Ich fühlte mich schon mal frischer. Weniger untot. 😉 Trotzdem bleibt mir keine Zeit für faules Rumgammeln, denn ich habe heute noch einen wichtigen Termin. Wie angekündigt war ich letzten Dienstag beim Orthopäden und habe mich untersuchen lassen, um herauszufinden, woher die Schmerzen in meinen Schienbeinen kommen, die mich beim Laufen behindern. Der Arzt musste nur einen Blick auf meinen linken Fuß werfen, um zu erkennen, dass er ein kleines bisschen krüppelig ist. 😀 Offenbar habe ich einen Knicksenkspreitzfuß. Das heißt, ich brauche Einlagen. Heute habe ich einen Termin zur exakten Laufanalyse. Dabei sollte sich zeigen, wie ich meinen Fuß belaste und inwiefern die Einlagen meine Problemzonen ausgleichen müssen. Ich bin ziemlich gespannt auf das Ergebnis und hoffe, dass ich direkt danach individuelle Einlagen im Sanitätshaus in Auftrag geben kann. Je früher ich wieder schmerzfrei laufen kann, desto besser, denn mir fehlt mein zielgerichtetes Workout. Mal ein lockerer, kurzer Lauf zwischendurch ist ja nett, aber auf Dauer will ich weiter an meiner Leistungsfähigkeit arbeiten, was mit den Schmerzen einfach nicht möglich ist. Drückt mir die Daumen, dass ich bald wieder voll durchstarten kann!

Können Autor_innen über etwas außerhalb ihrer eigenen Erfahrungen schreiben? Müssen sie sogar?

Antonia interpretiert diese Frage ziemlich philosophisch. Ich hingegen, als alte High Fantasy – Schlachtenveteranin, sage: selbstverständlich. Liegt doch auf der Hand. Die Fantasy, ach was sag ich, die gesamte fiktive Literatur an sich würde nicht existieren, gäbe es nicht ein paar mutige Leute, die über Erlebnisse, Themen und Situationen schreiben, die ausschließlich ihrer Vorstellungskraft entspringen. Oder kennt ihr jemanden, der/die schon einmal wirklich gegen einen echten Drachen kämpfte? Nein. Natürlich nicht. Der Grund, wieso diese rational betrachtet haarsträubenden Geschichten trotzdem funktionieren, ist das, was Antonia „unterschwellige Thematik“ nennt – ich nenne es Konflikt. Jedes Buch, jede Erzählung braucht einen Konflikt, um spannend zu sein und uns anzusprechen. Wieso ist das so? Weil wir ganz tief im Inneren primär nicht von authentischen, wirklichkeitsnahen Erfahrungen lesen wollen, sondern von Gefühlen. Emotionen sind das Salz in der Suppe; sie sind die Motivation, uns auf Schilderungen einzulassen, die weder die Person, die sie schrieb, noch wir selbst vielleicht jemals erlebten. Das heißt nicht, dass Atmosphäre, glaubhafte Handlung, sympathische Figuren und all die anderen Punkte, die ich so gern in meinen Rezensionen analysiere, nicht wichtig wären, aber an erster Stelle steht das nachvollziehbare Vermitteln von Empfindungen. Deshalb sind wir fähig, uns in fiese Bösewichte hineinzuversetzen und zähneknirschend zuzugeben, dass sie möglicherweise gar nicht so böse sind, deshalb können wir über den Tod einer fiktiven Figur Tränen vergießen, deshalb werden wir am Ende einer langen Buchreihe sentimental.

Lesen hat unheimlich viel mit Resonanz und Empathie zu tun. Wir reagieren auf emotionale Beschreibungen, weil wir mit den Figuren fühlen können. Wir können uns vorstellen, wie sie empfinden und finden einen Widerhall dieser Emotionen in uns selbst. Es gibt nicht viele Lebewesen auf diesem Planeten, die überhaupt dazu in der Lage sind, daher ist Empathie an sich bereits ein kleines Wunder. Das Verfassen fiktiver Geschichter ist meiner Ansicht nach der Gipfel der Empathie. Sich Situationen auszudenken, die man selbst nicht erlebte und diese dann auch noch auf eine Weise zu schildern, die es Leser_innen erlaubt, genau das zu fühlen, was der Autor oder die Autorin sie fühlen lassen will, ist Magie. Wir vergessen das oft, deshalb finde ich es wichtig, sich hin und wieder vor Augen zu führen, was für ein einzigartiges Phänomen wir beim Lesen erleben.

Ich finde demzufolge, dass Autor_innen durchaus über Erfahrungen schreiben können und sollten, die sie selbst nicht erlebten. Für mich ist das völlig offensichtlich, denn spätestens seit Karl May wissen wir, dass eine lebhafte, empathische Fantasie weit schwerer wiegt als ein reicher Erinnerungsschatz.

Glaubt ihr, dass Autor_innen über Erfahrungen schreiben können, die sie nicht selbst erlebten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen ernergiegeladenen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe“ oder „kurze Zusammenfassung“. Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp“ kann ich nicht dienen – wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

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Verfasst von - 14. Januar 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Fröhliche Weihnachten!

Ihr Lieben,

ich wünsche euch wunderbare, besinnliche und stressfreie Weihnachten! Verbringt einen denkwürdigen Tag in den Armen eurer Liebsten, haltet inne und genießt die einzigartige Atmosphäre, die das Fest der Liebe in euren Herzen erweckt.

Für mich ist es das erste Weihnachten ohne Chilli. Zum ersten Mal darf ich ihr nicht dabei zusehen, wie sie voller Begeisterung und unter Einsatz ihrer Zähne Geschenke auspackt. Ich konnte ihr keinen Adventskalender besorgen. Es wird kein Weihnachtsgassi am Heiligabend geben. Ich weiß noch nicht, wie ich mich deswegen fühle. Ich kann nicht leugnen, dass Weihnachten dieses Jahr viel von seinem Zauber verloren hat. Der Lieblingsmensch und ich haben uns angestrengt, trotzdem Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, haben geschmückt, Plätzchen gebacken und Weihnachtsfilme geschaut und ja, das waren Momente, die ich sehr genossen habe. Dennoch reichte ein Blick, um mich daran zu erinnern, dass Chilli fehlt. Ein leerer Platz, der niemandem gehört.

Ich weiß, dass sie nicht wollen würde, dass ich traurig bin. Sie würde wollen, dass ich Weihnachten feiere und der Liebe mein Herz öffne. Nur ist meine Liebe für sie noch immer mit diesem übermächtigen Gefühl von Verlust, von Trauer verbunden und daran zu denken, wie ihre Augen strahlten, wenn wir sie zu Weihnachten mit Leckereien und Geschenken verwöhnten, schmerzt. Ich möchte aber auch nicht auf diese bittersüßen Erinnerungen verzichten. Es ist kompliziert.

Vielleicht muss ich damit leben, dass Weihnachten 2019 für mich ein bisschen weniger hell leuchtet. Alles ist gedämpfter, etwas trüber und eher nachdenklich als fröhlich. Vielleicht ist es allerdings auch die ideale Zeit, dem Universum für die wundervollen Jahre zu danken, die mir mit ihr vergönnt waren. Eine Zeit, um in mich zu gehen und mich sanft in meine Liebe für sie zu hüllen, sie zu schätzen und zu teilen. Vielleicht sollten wir alle denen gedenken, die nicht mehr unter uns sind.

In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr den Geist von Weihnachten lebendig haltet. Nicht nur die fröhliche, grelle Seite dieses Festes, sondern auch die ruhigere, etwas dunklere Seite, die uns vor Augen führt, dass wir dankbar sein sollten für all das, was wir haben. Sendet einen Gruß ins Jenseits, schenkt einem Fremden ein Lächeln, vergebt einen alten Groll. Seid selbstlos und großzügig.

Und erinnert euch an Chilli. Schickt ihr einen Gedanken in den Hundehimmel, damit sie weiß, dass sie niemals vergessen wird.

Ich vermisse dich furchtbar meine Prinzessin. Weihnachten ohne dich ist nur ein Schatten dessen, was es einmal war. Aber die bedingungslose Liebe, die du jeden Tag gelebt hast, soll mir ein Vorbild sein, besonders heute. Du warst meine Heldin und wirst es immer sein. Frohe Weihnachten mein Schatz.

Frohe Weihnachten auch für euch ihr Lieben. Ich umarme euch alle voller Wärme und Herzlichkeit.

🎅 🕯 🎄 Alles Liebe von mir und dem Lieblingsmenschen 🎄 🕯 🎅

 
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Verfasst von - 24. Dezember 2019 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 4: «Ich bin ein Schriftsteller»

«Ich bin ein Schriftsteller»

Ich muss den heutigen Beitrag mit einer Einschränkung beginnen: Ich möchte darauf verzichten, euch den äußerst bewegten Werdegang von Peter Handke detailliert darzulegen. Das würde zu weit führen und ist für die Thematik des Literaturnobelpreises nicht relevant. Es genügt, euch mitzuteilen, dass er einer der bekanntesten deutschsprachigen Autor_innen ist, ihm der Durchbruch 1966 mit „Die Hornissen“ gelang und er stets eine gewisse Exzentrik an den Tag legte, die ihn veranlasste, seine Kolleg_innen und den Literaturbetrieb im Allgemeinen scharf anzugreifen. Seine Fehde mit dem verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist legendär. Er war streitbar und schreckte nicht davor zurück, auch mal zuzuschlagen, wenn ihm etwas nicht passte, so zum Beispiel den FAZ-Journalisten Jochen Hieber. Heute lebt Peter Handke zurückgezogen in einem kleinen französischen Dorf bei Versailles.

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Was uns hier heute interessieren soll, ist Peter Handkes enge Bindung an die ehemals jugoslawischen Staaten, die im Erbe seiner Mutter, einer Kärntner Slowenin, begründet ist. Er wurde 1942 in Griffen geboren, eine Gemeinde, die seit Ende des 6. Jahrhunderts Ziel slowenischer Siedlungswellen war. Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile der slowenischen Bevölkerung in KZs deportiert, woraufhin Griffen Vergeltungsmaßnahmen des slowenischen Widerstands erlebte. Diese Eindrücke prägten die frühste Kindheit von Peter Handke und entfachten in ihm eine Sympathie für das ehemalige Jugoslawien, die wiederum dazu führte, dass er weite Teile des Staates bereiste. Anfang der 1990er steigerte sich sein Interesse zusätzlich durch die politische Situation.

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Kim Harrison – Blutsbande

Rezensionsheader Blutsbande

„Blutsbande“ ist für mich der letzte „Rachel Morgan“-Band. Ich breche die Reihe ab. Ich habe wirklich versucht, mit der Protagonistin Rachel auszukommen, aber es funktioniert nicht. Wir passen nicht zusammen. Ein geeigneter Moment, um zurückzuschauen und euch zu erzählen, wie die Reihe entstand. Der erste Band „Blutspur“ begann als Kurzgeschichte, die Kim Harrison schrieb, als sie unter ihrem echten Namen Dawn Cook veröffentlicht werden wollte. Anfang der 2000er war der Kurzgeschichtenmarkt äußerst bizarr. Harrison wusste, dass sie dieses Level niemals erreichen würde, also schrieb sie die merkwürdigste Szene, die ihr einfallen wollte, steckte eine Hexe, einen Pixie und eine Vampirin in eine Bar und wartete ab, was passierte. Ihre Kurzgeschichte trug den Titel „Life is a Bowl of Cereal“ und wurde später das erste Kapitel von „Blutspur“. Obwohl ich es sympathisch finde, dass „Rachel Morgan“ ihren Anfang mit einer Trotzreaktion nahm, hindert es mich dennoch nicht daran, Rachel nun Lebewohl zu sagen.

Endlich ist Rachel Morgan die haltlosen Vorwürfe des Hexenzirkels los. Dummerweise bringt ein offizieller Status als Dämon allerdings haufenweise bürokratische Unannehmlichkeiten mit sich. Rachel darf nicht mal Autofahren. Deshalb überlegt sie nicht lange, als ihr die Inderland Security einen Deal anbietet: hilft sie ihnen dabei, eine grausige Mordserie aufzuklären, bekommt sie ihren Führerschein zurück. Die ritualisierten Morde weisen auf dämonische Aktivitäten hin, Rachel erkennt jedoch schnell, dass die Tatorte inszeniert sind. Nicht von Dämonen, nicht von Inderlandern, sondern von Menschen. Eine radikale Hassgruppe entführt Hexen und experimentiert mit ihnen, um einen Weg zu finden, alle Übernatürlichen vom Antlitz der Erde zu tilgen. Bisher ohne Erfolg. Bisher. Denn jetzt, da Rachel die Ermittlungen übernommen hat, befindet sich die eine Zutat, die dazu beitragen könnte, alle Inderlander auszulöschen, in greifbarer Nähe: Rachels Blut …

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Herman Melville – Moby-Dick

Rezensionsheader Moby-Dick

Der Mann, der niemals irgendwo gescheitert ist, kann nicht groß werden. – Herman Melville

Die Biografin Laurie Robertson-Lorant schrieb über Herman Melville, man könne ihn entweder als gescheiterten Schriftsteller charakterisieren oder als verkanntes Genie und Visionär. Melville gehört zu den tragischen Figuren der Literaturgeschichte, die erst weit nach ihrem Tod die Anerkennung erlangten, die sie verdienen.

1819 in New York geboren, nach einer Kindheit, die vom Bankrott seines ehemals wohlhabenden Vaters geprägt war, fuhr Melville im Alter von 20 zur See und erlebte fünf äußerst turbulente Jahre auf Handelsschiffen, Walfängern und sogar einer Kriegsfregatte. Er desertierte, heuerte wieder an, war Teil einer Meuterei, wurde ins Gefängnis geworfen, floh und bereiste weite Teile des Atlantiks und Pazifiks. Er war ein Abenteurer. Zurück in New York verarbeitete er seine Erlebnisse in zwei erfolgreichen, überwiegend fiktiven Reisedokumentationen, „Typee“ (1846) und „Omoo“ (1847). Leider stellten diese beiden Romane bereits den Höhepunkt seiner literarischen Karriere dar, an den er nie wieder anknüpfen konnte. Nicht einmal mit dem Buch, für das er heute am besten bekannt ist: „Moby-Dick“.

Melville litt unter der gesellschaftlichen Zurückweisung, erkrankte an Depressionen und konnte sich nur schwer mit der Missachtung der Kritiker abfinden. Dennoch gab er das Schreiben niemals auf, veröffentlichte weiterhin Romane und Kurzgeschichten und wandte sich vermehrt der Lyrik zu. Als er im September 1891 im Alter von 72 Jahren starb, hinterließ er die unveröffentlichte Gedichtsammlung „Weeds and Wildings“ und ein fragmentarisches Manuskript namens „Billy Budd“, das erst 1919 von seinem Biografen Richard Weaver entdeckt und 1924 überarbeitet veröffentlicht wurde. Bei seinem Tod war der kurzzeitige literarische Star Herman Melville längst in Vergessenheit geraten. Die New York Times widmete seinem Nachruf lediglich ein paar Zeilen.

Rückblickend geht man davon aus, dass Melville seiner Epoche zu weit voraus war. In seinen Werken finden sich Techniken und Stilmittel, die erst in den 1920er Jahren populär wurden und seine zeitgenössische Leserschaft überforderten. Es überrascht daher nicht, dass Melville auch erst anlässlich seines 100. Geburtstags wiederentdeckt und sein literarisches Schaffen neubewertet wurde. Seitdem gilt er als Vorreiter der Moderne und als einer der Väter der US-amerikanischen Literatur, an dem sich Literaturwissenschaftler_innen aus verschiedensten Perspektiven abarbeiten.

„Moby-Dick“, Melvilles monumentaler Roman, erschien 1851. Die Druckgeschichte des Buches wirkt aus heutiger Sicht absurd: der Setzer arbeitete bereits daran, während Melville noch schrieb und Korrekturen anordnete. Das ursprüngliche Manuskript ist nicht erhalten, ein für Melville-Forscher_innen unglücklicher Umstand, weil „Moby-Dick“ zwar in England und den USA mit nur etwa einem Monat Abstand originalveröffentlicht wurde, sich die beiden Ausgaben jedoch stark unterschieden. Die britische Ausgabe wurde Opfer der Zensur, die „antiroyalistische“ und religionskritische Passagen strich. Außerdem fehlte der Epilog. Die US-amerikanische Ausgabe hingegen verzichtete auf viele der nachträglichen Änderungen, weil diese nicht mehr eingearbeitet werden konnten. Trotz dessen konnten beide Versionen ein literaturhistorisches Novum vorweisen. Die britische Ausgabe erschien unter dem unspezifischen Titel „The Whale“; auf dem US-amerikanischen Cover war „Moby-Dick; or, The Whale“ zu lesen. Damit war dies der allererste Roman, dessen titelgebende Hauptfigur ein Tier war, noch dazu mit Eigennamen.

Für mich entwickelte „Moby-Dick“ über die Jahre ohne mein Zutun eine beinahe unheimliche Eigendynamik. Ich hatte immer vor, das Buch zu lesen, dieses Schwergewicht unter den Klassikern. In meiner Vorstellung lag ich im hohen Alter auf meinem Sterbebett und flüsterte „Aber den Wal, den hab ich gelesen“. Das mag seltsam klingen, aber ich glaube, dass viele Leser_innen sich literarische Meilensteine setzen, die sie im Laufe ihres Lebens unbedingt abhaken wollen. Für mich war es eben „Moby-Dick“.
Im Juni 2015 lachte mich eine günstige deutsche Ausgabe von dem Wühltisch eines Antiquariats an, die ich freudig und kurzentschlossen mit heimnahm. Es war das letzte Mal für lange Zeit, dass mir das Buch positive Emotionen vermittelte.

Anfangs betrachtete ich den Wal in meinem Bücherregal mit der üblichen Zutraulichkeit. Ich vertraute darauf, dass seine Zeit kommen würde und setzte mich nicht unter Druck. Doch die Jahre vergingen und irgendwie gelang es dem Wal, zunehmend Raum in meinem Hinterkopf einzunehmen und darin herumzuspuken. Wann immer das Thema auf Bücher kam, die ich längst gelesen haben wollte, schlug er heftig mit seiner Schwanzflosse und machte auf sich aufmerksam. Ich stellte fest, dass mich die ausstehende Lektüre einschüchterte. Es ist ein dickes Werk von über 800 Seiten, geschrieben in einer Zeit, in der Eingängigkeit noch nicht als Ziel der Literatur verstanden wurde. Ich begann, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit anderen Leser_innen über „Moby-Dick“ zu sprechen, um aus ihren Erfahrungen eine Ahnung dafür zu entwickeln, was mich erwartete und meine Ängste zu lindern. Leider hatte diese Taktik eher den gegenteiligen Effekt. Langweilig und langatmig sei der Wal, eine Qual und überhaupt keine angenehme Lektüre.

Mir schlotterten die Knie. In meinem Kopf verwuchs sich das Buch „Moby-Dick“ mit seinem tierischen Titelhelden und ich verwandelte mich in eine abstruse Version von Kapitän Ahab: das Subjekt der Begierde und der obsessive Jäger (bzw. die Jägerin), auf ewig vereint in einem unvollendeten Tanz. Ich hatte die Befürchtung, niemals bereit zu sein. Ich sehnte und bangte dem Moment gleichermaßen entgegen.

Dann wurde ich im Juni 2019 nach meinen „SuB-Leichen der Schande“ gefragt, also nach ungelesenen Büchern, die ich schon lange vor mir herschiebe. Der weiße Wal in meinem Kopf flippte aus. Er veranstaltete einen spektakulären Zirkus und überflutete mich mit Wellen des schlechten Gewissens. Ich begriff, dass ich längst bereit war. Meine Sorgen, mein Respekt vor der Lektüre, blockierten mich. Als mir das klar wurde, regte sich endlich mein alter Freund, der Trotz. Ich ärgerte mich über mich selbst und entschied, dass ich dem Wal nicht länger erlauben wollte, munter vorwurfsvoll durch meinen Geist zu planschen. Es reichte. Daher nahm ich im Juli 2019 meinen ganzen Mut zusammen und holte ihn aus dem Regal. Ich würde es schaffen. Ich würde „Moby-Dick“ lesen und den weißen Wal erlegen. Komme, was da wolle.

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Verfasst von - 24. September 2019 in Klassiker, Rezension

 

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Thilo Corzilius – Ravinia

Rezensionsheader Ravinia

Thilo Corzilius‘ Debütroman „Ravinia“ erschien 2011, während seines Studiums der Evangelischen Theologie. Ein Jahr später erhielt er sein Diplom und war ein wenig verloren, denn er hatte entschieden, doch kein evangelischer Pfarrer werden zu wollen. Das Schreiben füllte die Lücke. Als freier Schriftsteller veröffentliche Corzilius bis 2017 Romane und Kurzgeschichten. Er war erfolgreich genug, um sein Leben zu finanzieren, aber was für andere die Erfüllung eines Traums darstellt, befriedigte den jungen Theologen nicht. Deshalb hängte er seine Vollzeit-Autorenkarriere 2017 an den Nagel, ließ sich zum alt-katholischen Priester weihen und wurde Vikar in Freiburg im Breisgau. Ich finde das interessant, denn normalerweise läuft es ja umgekehrt: aus dem Hobby wird ein Beruf. Ich bin gespannt, ob Corzilius zukünftig dennoch Bücher veröffentlichen wird.

Wieso schenkt jemand einer 16-Jährigen einen altmodischen Schlüssel? Natürlich ist Lara mit den gelegentlichen Verrücktheiten ihres Großvaters vertraut, aber dieses seltsame Geschenk ist selbst für ihn ungewöhnlich. „Victoria Street, Edinburgh“ ist in den Schlüsselkopf eingraviert. Neugierig beschließt Lara, den Schlüssel an der erstbesten Tür auszuprobieren, die ihr begegnet: ihrer Haustür. Sie staunt nicht schlecht, als der Schlüssel nicht nur passt, sondern die Tür zu ihrem Haus plötzlich auf die Victoria Street in Edinburgh führt. Unmöglich! Oder nicht? Dort angekommen, trifft sie den exzentrischen alten Schlüsselmacher Mr. Quibbes und seinen Gesellen Tom, die ihr seelenruhig erklären, dass ihr Schlüssel magisch und nicht der einzige seiner Art ist. Mr. Quibbes bietet ihr an, bei ihm in die Lehre zu gehen und sie in die Geheimnisse seiner Zunft einzuweihen. So lernt Lara Ravinia kennen, eine magische Welt, eine Zuflucht für alle mit besonderen Talenten. Doch Ravinia ist in Gefahr. Die Stadt droht, von einer Verschwörung in ihren Grundfesten erschüttert zu werden – und Lara ist die einzige, die sie aufhalten kann.

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