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Schlagwort-Archive: Fanatismus

Montagsfrage: Dystopische Favoriten?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Oh Mann, dieses Mal kam die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise wirklich spät. So spät, dass ich sie nur gesehen habe, weil ich zufällig Spätschicht hatte und deshalb eben erst (kurz vor 01 Uhr) nach Hause gekommen bin. Streng genommen ist jetzt bereits Dienstag, aber ich meine mich zu erinnern, dass es irgendwann mal hieß, man hat eine Woche Zeit für die Beantwortung. Heute gibt es die Montagsfrage bei mir also an einem Dienstag, aber grämt euch nicht, die übliche Rezension ist vorbereitet und kommt später noch. Zusätzlich. Wenn es wieder hell ist. 😉

Was ist deine Lieblingsdystopie und warum?

Dystopien sind ein recht weitgefasstes Genre, das laut Wikipedia jede „fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung mit negativem Ausgang“ abdeckt. Ich habe oft Schwierigkeiten, Dystopien und Postapokalypsen auseinanderzuhalten, weil sich die Grenzen gern fließend gestalten. Ich neige dazu, einfach jede negative Zukunftsvision als Dystopie einzuordnen, obwohl mir Literaturwissenschaftler_innen dafür vermutlich auf die Finger hauen würden.

Antonia erwähnt in ihrem Beitrag sowohl die großen Klassiker des Genres wie „1984“, als auch die modernen Varianten, die vor einigen Jahren einen unfassbaren Hype erlebten, Stichwort „Panem“. Ich habe beide Spielarten auf Herz und Nieren getestet und musste feststellen, dass ich mich nicht entscheiden könnte, was mir besser gefällt, weil sie unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. Die älteren Vertreter richten sich an ein erwachsenes Publikum, die neueren sind auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichtet. Je nachdem, ob mir der Sinn eher nach einer ernsteren Herangehensweise steht oder ich Lust auf Emotionen-zentrierte Young Adult-Literatur habe, wähle ich meine Dystopien aus.

Deshalb ist die beste Dystopie meiner Meinung nach eine Geschichte, die beides vereint. Meine liebste Dystopie überhaupt ist die „Chaos Walking“-Trilogie von Patrick Ness. Die drei Bände „The Knife of Never Letting Go“, „The Ask and the Answer“ und „Monsters of Men“ sprechen originell und emotional mitreißend zahlreiche Themen gesellschaftlichen Zusammenlebens an, erzählen von Liebe, Hass, Freundschaft, Heimat und Fanatismus und überzeugen durch einen einzigartigen Schreibstil. Es verschlug mir die Sprache, ich war geflasht und bin es noch. Diese Trilogie ist der Beweis, dass Jugendliteratur stets über das Potential verfügt, über die Klischees des Genres hinauszuwachsen und etwas Großartiges zu erschaffen. Wann immer jemand über YA herzieht, möchte ich ihm oder ihr diese drei Bücher in die Hand drücken und süffisant grinsen. Ich bin noch immer verliebt und bis heute ein bisschen traurig, dass „Chaos Walking“ in Deutschland unter dem Titel „New World“ so wenig Beachtung fand. Vergesst Katniss, vergesst Tris, vergesst sie alle. Die wahren Stars der Dystopien sind Todd und Viola.

Ich hoffe sehr, dass ich eure Neugier jetzt soweit anstacheln konnte, dass ihr loszieht und herausfindet, worum es in der Trilogie geht. Sie ist wirklich etwas Besonderes und das sage ich, obwohl ich einige der Klassiker ebenfalls gelesen habe. Ginge es nach mir, fände sie sich in jedem gut sortierten Bücherregal.

Welche Dystopie konnte euer Herz erobern?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen eine perfekte neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Steven Erikson – Die Stadt des blauen Feuers & Tod eines Gottes

Nach der Zerstörung Mondbruts fanden die Tiste Andii in Schwarz-Korall eine neue Heimat. Sie hüllten die Stadt in ewige Nacht, eine Reminiszenz an Kurald Galain. Doch Mutter Dunkel ist noch immer taub für die Nöte ihrer Kinder. Vor den Toren Schwarz-Koralls entstand der Kult des Erlösers: aus ganz Genabackis pilgern Menschen zum Grabhügel des gefallenen Schild-Amboss Itkovian und bitten um seinen Segen. Der Erlöser stellt keine Ansprüche. Er schließt ausnahmslos jede Seele in seine Arme. Er ist wehrlos, verletzlich gegenüber denjenigen, die seinen Kult zu missbrauchen gedenken. Denn Itkovian ist nicht der einzige Aufgestiegene, dessen Einfluss in Schwarz-Korall spürbar ist. Aus den Tiefen des Chaos steigt der Sterbende Gott empor, der süßes Vergessen verspricht. Seine Anhänger_innen planen, den Erlöser zu überwältigen und Schwarz-Korall zu übernehmen. Mehr denn je brauchen die Andii die Führung ihres Lords Anomander Rake, dieser schaut jedoch sorgenvoll nach Darujhistan.
In der Stadt des blauen Feuers kündigt sich eine gewaltige Konvergenz an. Reisende nähern sich der Metropole, Schlitzer kehrt in Begleitung seiner Gefährten zurück in die Straßen seiner Jugend, malazanische Veteran_innen und die Assassinengilde liefern sich blutige Scharmützel, das Azath-Haus speit Totgeglaubte aus und in der Ferne ist das Geheul furchteinflößender Hunde zu hören. Darujhistan ist in Aufruhr. Leben und Tod tanzen Hand in Hand und noch immer giert der Verkrüppelte Gott nach jedem Fetzen Macht, dem er habhaft werden kann. Im Schatten der Konvergenz richtet er seinen Blick auf das verfluchte Schwert Dragnipur, dessen schwarzes Herz tausende Seelen knechtet. Sein Träger ist Anomander Rake und so obliegt es dem Sohn der Dunkelheit, Schwarz-Korall und Darujhistan gleichermaßen vor dem Gift zweier wahnsinniger Götter zu bewahren. Ein Gott muss sterben, damit ein anderer aufgehalten werden kann.

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Jonathan Maberry – Fire & Ash

„Fire & Ash“ ist der letzte Band der postapokalyptischen Geschichte rund um den Teenager Benny Imura. Gerüchten zufolge ist die Reihe „Rot & Ruin“ jedoch nicht abgeschlossen. Angeblich kündigte der Verlag Simon & Schuster für 2018 und 2019 jeweils einen neuen Band an. Diese beiden zusammenhängenden Bände sollen im gleichen Setting neue Charaktere und eine komplett neue Handlung vorstellen. Ich fand keine Belege für diese Behauptung, weder beim Verlag, noch auf Jonathan Maberrys Website. Der einzige Hinweis sind Einträge für die Bücher auf Goodreads und ich habe keine Ahnung, woher diese Informationen stammen. Ich werde wohl einfach abwarten müssen, ob sich die Gerüchte bewahrheiten.

Louis Chong ist tot. Alle in Sanctuary wissen, dass Benny Imuras bester Freund starb, als er sich infizierte. Nur Benny weigert sich, ihn aufzugeben. Würde nur endlich jemand versuchen, Dr. McReadys Unterlagen oder am besten die Wissenschaftlerin selbst zu finden, könnte das Heilmittel entwickelt werden, das nicht nur Chong, sondern die ganze Welt retten würde. Leider wird Sanctuary von verstockten Soldaten geleitet, denen die Wünsche eines Teenagers nicht das Geringste bedeuten. Benny hält es nicht mehr aus. Begleitet von Nix, Lilah und Riot macht er sich auf eigene Faust auf die Suche nach der letzten Chance, die Chong hat. Draußen im Rot and Ruin müssen sie jedoch feststellen, dass sie nicht die einzigen sind, die sich für McReadys Forschungsergebnisse interessieren. Der psychopathische Saint John und die Mitglieder der Night Church suchen ebenfalls nach dem Heilmittel, das in den falschen Händen zu einer gefährlichen Massenvernichtungswaffe werden könnte. Der Wettlauf um das Schicksal der Menschheit hat begonnen.

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Montagsfrage: Schlägt dein Herz für Antagonisten?

montagsfrage neu

Guten Morgen ihr Lieben!

Ich bin für Frühschichten nicht geschaffen. Früh ins Bett zu gehen, um dann noch früher wieder aufzustehen, liegt mir überhaupt nicht. Trotzdem lässt es sich nicht immer vermeiden – daher sitze ich heute bereits um 04 Uhr vor meinem Rechner, der überlebenswichtige Kaffee steht rechts neben mir und ich brüte über der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja. Es hilft ein bisschen, dass der Lieblingsmensch ebenfalls zur Frühschicht muss und wir gemeinsam aufstehen konnten, aber wirklich viel Trost kann ich daraus nicht beziehen. Der tote Punkt wird kommen. Ich kann nur hoffen, dass ich heute auf Arbeit genug zu tun habe, damit ich ihn gar nicht erst bemerke. Die Chancen stehen gut, schließlich haben wir gestern hier in Berlin gewählt und den großen Parteien prompt einen Denkzettel verpasst. Ich bin gespannt, wie die Zukunft meiner Stadt aussehen und für welche Koalitionspartner sich die SPD als Wahlsieger entscheiden wird.
Nun aber erst einmal genug von der Politik, widmen wir uns unserem Lieblingsthema, dem Lesen:

Gibt es Antagonist_innen, die ihr mehr mögt als Protagonist_innen bestimmter Bücher/Reihen und falls ja, was ist der Grund dafür?

Laut Wikipedia stammt das Wort „Antagonist“ aus dem Griechischen und bedeutet „Gegenspieler“. In der Literatur wird damit die Figur eines Buches beschrieben, die den Protagonisten in seinem Handeln behindert. Glücklicherweise ist diese Definition einigermaßen weit gefasst und schließt vielschichtige Persönlichkeiten ein, statt stumpf in Gut und Böse zu unterscheiden. Dann würde mir die Beantwortung der Frage nämlich recht schwer fallen, weil ich eher selten Bücher lese, die sich durch eine so klare Rollenverteilung auszeichnen. Dank dieser offenen Auslegung bin ich in der Lage, eindeutig mit „Ja“ zu antworten. Es kommt vor, dass mich ein_e Antagonist_in mehr fasziniert als der/die Protagonist_in. Von Sympathie möchte ich nicht sprechen, da diese Formulierung nicht den Kern meiner Empfindungen trifft. Es geht nicht darum, ob ich die Person, die dem Hauptcharakter in die Quere kommt, mag. Es geht darum, dass es mich reizt, herauszufinden, warum sie ihm ins Handwerk pfuscht. Die Motivation einer Figur zu ergründen, die auf den ersten Blick böse wirkt, weil sie ein entgegengesetztes oder anderes Ziel verfolgt, ist unheimlich aufregend, weil mich dieser Prozess hin und wieder zwingt, meine gefasste Meinung zu überdenken.

Das eindrucksvollste Beispiel für einen Fall dieser Art ist sicherlich Ahmann Jardir aus Peter V. Bretts epischer High Fantasy – Saga „Demon Cycle“. Im ersten Band (Rezension HIER) mochte ich Jardir überhaupt nicht, weil er Arlen und ihre Freundschaft verrät. Ich empfand ihn als egoistisch, skrupellos und gierig. Im zweiten Band (Rezension HIER) lernte ich Jardir dann wirklich kennen. Ich sah ihn aufwachsen, begriff seine Kultur und seinen Glauben, sodass ich einsehen musste, dass es aus seiner Perspektive keine andere Möglichkeit gab, als Arlen zu verraten. Jardir ist ein facettenreicher Charakter mit positiven sowie negativen Eigenschaften; ihn einfach als böse abzustempeln, wird ihm nicht gerecht. Ich kann zwar nicht behaupten, dass ich ihn besonders gut leiden kann, weil er einen ungesunden Hang zum Fanatismus hat, aber ich verstehe ihn und nur darauf kommt es an.

Schlägt euer Herz für Antagonisten?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare, komme aber vermutlich erst heute Abend dazu, mich durch eure Beiträge zu wühlen. Habt einen wundervollen Montag! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
10 Kommentare

Verfasst von - 19. September 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Kiran Nagarkar – Gottes Kleiner Krieger

„Gottes Kleiner Krieger“

Gottes kleiner Krieger

Originaltitel: “God’s Little Soldier”

Autor: Kiran Nagarkar

Format: Hardcover

Seitenzahl: 704 Seiten

Verlag: A1-Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN:  3927743887

Genre: Realistische Fiktion & Religion & Philosophie

ausgelesen am: 28.06.2014

Bewertung:

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie ein Mensch zu einem religiösen Extremisten werden kann? Spätestens seit dem 11. September 2001 ist religiös motivierter Terrorismus und der radikale Glaubenskrieg tief und schmerzhaft im öffentlichen Bewusstsein verankert. Wir erleben die Konsequenzen tagtäglich: verschärfte Sicherheitskontrollen an Flughäfen, Überwachung und Kriege in weiten Teilen der Welt. Tatsächlich ist die Anzahl der Kriege auf der Welt aktuell so hoch wie schon seit 1945 nicht mehr. Al-Qaida, die radikal-islamische Hamas, Boko Haram. In regelmäßigen Abständen werden uns die Namen dieser Gruppierungen um die Ohren gehauen. Doch was für Menschen engagieren sich in solchen Netzwerken? Wie ticken sie? Und wie betätigen sich die scheinbar friedlichen Glaubenskämpfer, die eben nicht in den Nachrichten landen?

Kiran Nagarkars Roman „Gottes Kleiner Krieger“ beantwortet diese Fragen mit der Lebensgeschichte des Inders Zia Khan. Von Kindesbeinen an ist er überzeugt, der nächste Erlöser und Prophet des Islam zu sein. Als Sohn eines erfolgreichen Architekten wächst er behütet auf, steht jedoch in ständiger Konkurrenz zu seinem älteren Bruder Amanat. Als die Firma seines Vaters Konkurs anmelden muss und Zafar Khan die Lizenz entzogen wird, muss die Familie in ein ärmeres Viertel in Bombay umziehen. Dank einer besonderen mathematischen Begabung wird Zia allerdings auf ein englisches Internat geschickt. Dort beginnt die abenteuerliche Geschichte seines Lebens. Zia studiert in Cambridge Wirtschaftswissenschaften, jagt Salman Rushdie, wird in den Bergen Afghanistans zum Terroristen, lechzt nach Vergebung und schließt sich einem christlichen Trappistenorden an. Während all der Zeit hält er Kontakt zu seinem Bruder, doch auch dieser kann ihn nicht von seinen Kreuzzügen abbringen. Denn Zia ist überzeugt, Gottes kleiner Krieger zu sein.

Zia Khan ist das beste Negativbeispiel für einen religiös überzeugten Menschen, das man sich nur vorstellen kann. Schon als Kind ist er aggressiv und extrem; das Konzept des Fanatismus zieht sich durch sein gesamtes Leben. Kiran Nagarkars Roman hat mich schockiert und aufgewühlt, er gewährte mir einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt eines überzeugten Gläubigen. Nagarkars Erzählstil steht dabei in krassem Gegensatz zu seinem Protagonisten: ruhig und ausgeglichen schildert er die heiß brennende Überzeugung, die Zia sein ganzes Leben begleitet.
Zia ist ein Einzelgänger, meist wird er respektiert und bewundert, aber nie wahrhaft geliebt, von seiner Familie einmal abgesehen. Alle Menschen, die versuchen, eine echte Bindung zu ihm aufzubauen, hält er auf Abstand; er bleibt innerlich stets für sich selbst und lässt niemanden rein. Im Nachhinein betrachtet überrascht es mich daher nicht, dass auch ich mich nie mit Zia identifizieren konnte. Er ist ein so sturer, verstockter, intoleranter und idealistischer Charakter, dass ich nie die Chance erhalten habe, mich ihm wahrhaft anzunähern. Umso wichtiger ist die Rolle, die Zias Bruder Amanat einnimmt: er erdet die Geschichte, setzt sie in ein realistisches Verhältnis. Amanat macht den LeserInnen erst deutlich, wie abstrakt und surreal Zias Ziele und Pläne sind. Während Zia immer etwas ober- oder außerhalb der Realität zu schweben scheint und seine Entscheidungen oft so weit hergeholt wirken, rackert sich Amanat sein Leben lang mühsam ab; ein Kampf gegen Windmühlen. All sein Tun ist trotz dessen dem Erschaffen gewidmet, wohingegen man Zia kurz als Zerstörer betiteln kann. Ich bin davon überzeugt, einige soziopathische Züge (dissoziale Persönlichkeitsstörung) an ihm entdeckt zu haben. Er ist von allumfassendem Egoismus geleitet, obwohl er beharrlich behauptet, seine Motivation läge darin, andere zu retten und zu bekehren. Das ist schlicht nicht wahr, Zia belügt sich selbst. Es geht ihm nie um das große Ganze, zeitlebens ist sein einziges Anliegen sein eigenes Seelenheil. Dabei schreckt er vor nichts zurück; er ist ein Terrorist, ein Mörder, ein Folterer, Extremist und Radikaler. Auch in diesem Punkt beeindruckte mich Kiran Nagarkar, denn er widerstand der Versuchung all diese Eigenschaften auszuschlachten. „Gottes Kleiner Krieger“ ist vieles, aber niemals voyeuristisch.

Dieser Roman vermittelte mir einen intensiven Eindruck einer Welt, die ich wohl nie völlig verstehen werde. Kiran Nagarkar hat mir viel über die Bedeutung des Glaubens für einige Menschen beigebracht und ganz nebenbei meine Kenntnisse in Weltgeschichte von unten aufgefrischt. In gewisser Weise war es für mich das Gegenbuch zu „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel.
Es ist schwer, für dieses Buch eine Empfehlung auszusprechen, da es thematisch äußerst speziell ist. In meinen Augen müssen interessierte LeserInnen den festen Vorsatz haben, sich auf Zias krasses Leben einzulassen und sich dabei nicht von seinem Fanatismus abschrecken zu lassen. Zia ist keine sympathische, austauschbare Figur, er ist ein höchst individueller, komplexer Charakter und seine Geschichte ist auf schockierende Weise außergewöhnlich. Überlegt euch gut, ob so ein Buch euren Geschmack trifft, bevor ihr zu „Gottes Kleiner Krieger“ greift.
Schließen möchte ich mit einem Zitat von Amanat, welches das Buch in meinen Augen punktgenau beschreibt:

„Auch Du bist […] Deiner Religion treu geblieben: der Religion des Extremismus.“
(„Gottes Kleiner Krieger“, S. 651)

 

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