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Leonie Swann – Garou

2017-01-22-swann-garou

Als ich „Garou“ von Leonie Swann aus dem Regal zog und aufschlug, segelte mir ein altes Lesezeichen entgegen. Ich habe die Fortsetzung des erfolgreichen Schafskrimis „Glennkill“ vor Jahren schon einmal begonnen, dann aber abgebrochen. Ich meine mich zu erinnern, dass das Buch ein Fall von „Nicht auf den Bauch gehört“ war. Ich nahm es mir vor, obwohl ich eigentlich keine Lust darauf hatte. Das war ein Fehler, denn dadurch bildeten sich in meinem Kopf negative Assoziationen, die mich lange Zeit davon abhielten, es noch einmal hervorzuholen. Glücklicherweise habe ich meine Vorurteile letztendlich doch überwunden und fühlte mich bereit, „Garou“ eine zweite Chance zu geben.

So hatten sich die Schafe von Glennkill ihre lang ersehnte Europareise nicht vorgestellt. Die Europäer verstehen offenbar nichts von schaflicher Gastfreundschaft. Sie müssen ihr Winterquartier im Schatten eines französischen Schlosses mit einer Ziegenherde teilen. Ziegen! Jedes Schaf weiß, dass Ziegen verrückt sind. Dass sich Menschen ihrer Verrücktheit anschließen, ist allerdings neu. Hinter vorgehaltener Hand flüstern sie von einem Loup Garou, einem Werwolf, der auf dem Schlossgelände sein Unwesen treiben soll. Ein Wolf im Menschenpelz? Ist das möglich? Die Glennkill-Schafe wollen nicht so recht an die unheimliche Legende glauben, doch als sie eine Leiche im Schnee entdecken, bleibt ihnen keine andere Wahl, als die Dinge selbst in die Hufe zu nehmen. Motiviert durch Kraftfutter und ausgestattet mit solider Schafslogik beginnen sie zu ermitteln, um die Herde und ihre Schäferin Rebecca zu schützen. Die Spuren führen tief in die Geschichte des alten Schlosses. Handelt es sich tatsächlich um einen Loup Garou oder verbergen sich hinter den dicken Mauern weitere Geheimnisse?

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Verfasst von - Februar 28, 2017 in Humor, Krimi, Rezension

 

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Arne Dahl – Zorn

„Zorn“

zorn

Originaltitel: “Hela havet stormar”

Reihe: Opcop #2

Autor: Arne Dahl

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 496 Seiten

Verlag: Piper

Sprache: Deutsch

ISBN: 3492053068

Genre: Thriller & Realistische Fiktion > Politik

ausgelesen am: 05.01.2015

Bewertung:

Ihr wisst ja bereits, dass ich angefangen habe, die Opcop – Reihe von Arne Dahl zu lesen, weil mein Vater sie mir schmackhaft gemacht hat. Was ihr allerdings noch nicht wisst, ist, dass ich „Gier“ wohl kaum gelesen hätte, hätte er nicht gesagt, dass ich es lesen muss, um „Zorn“ zu verstehen. „Zorn“ ist das Buch, um das es mir eigentlich ging; das Buch, auf das ich neugierig war. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass es absolut richtig war, erst „Gier“ zu lesen. Mein Vater hatte Recht, ich hätte andernfalls niemals verstanden, warum sich das Ermittlungsteam aus genau diesen PolizistInnen zusammensetzt und auch ein paar Aspekte der Handlung wären mir schleierhaft geblieben.

Ein plastischer Chirurg wird erhängt in seiner Wohnung in Belgien aufgefunden. Der Tatort ist nahezu klinisch sauber, alles wirkt normal und nicht, als hätte der gefeierte Arzt unter Depressionen und Alkoholismus gelitten. Ist es möglich, dass es gar kein Selbstmord war, sondern Mord?
In einer Stockholmer Kneipe wird der albanische Waffenhändler Isli Vrapi in einer brutalen Schießerei samt seinen Leibwächtern ermordet. Im Chaos ist erst nicht klar, was genau passiert ist, bis sich herausstellt, dass die Schießerei ein kühl und akribisch geplanter Anschlag war.
Auf Capraia, einer italienischen Gefängnisinsel, stolpert ein deutscher Wanderer über die Leiche eines tschechischen Politikers. Der Kommunist wurde vergiftet und erstochen, zusätzlich wurde ihm ein beträchtliches Stück Fleisch aus dem Oberarm gebissen. Von einem menschlichen Gebiss.
Drei Mordfälle, verteilt über ganz Europa. Nun liegt es an der geheimen operativen Europol-Einheit, herauszufinden, ob und wie sie in Verbindung stehen. Doch diese Aufgabe ist gefährlicher als gedacht, denn schon bald gerät die Opcop-Gruppe selbst ins Fadenkreuz…

Ich werde immer ganz blass, wenn ich realisiere, welche Verbrechen unter der Schirmherrschaft der verschiedensten Regierungen möglich waren und sind. Deportation, Experimente, Folter – alles Dinge, die nicht nur im Faschismus durchgeführt wurden, sondern auch in Systemen, die sich nach außen hin mit schönen Worten schmücken wie Gleichheit, Freiheit und Menschenwürde. Kein politisches oder wirtschaftliches System ist humanistisch, das ist eine Illusion. Erinnere ich mich an „Gier“ und vergleiche es mit „Zorn“, so wird mir bewusst, dass der Kapitalismus ebenso diktatorisch ist wie der Kommunismus und Sozialismus. Nur ist es eine andere Form der Diktatur; weniger physisch, eher abstrakt, eine Diktatur des Geldes. Ich denke, in „Zorn“ geht es um diesen Vergleich. Es geht darum, dass all diese Systeme eines gemeinsam haben: sie gehen über Leichen. Dementsprechend greifen die Handlungen von „Gier“ und „Zorn“ nahtlos ineinander; der zweite Band führt die Ereignisse des ersten weiter und fügt ihnen eine weitere Ebene hinzu. Auf diese Weise konzipierte Arne Dahl erneut einen höchst verzwickten Fall, den ich nicht allein lösen konnte. Wieder musste ich dem Ermittlungsteam vertrauen, durch die bereits entwickelten Sympathien fiel mir das allerdings wirklich leicht. Ich fand es spannend und interessant, dass Dahl den Fokus dieses Mal auf andere Einzelpersonen der Opcop-Gruppe lenkte. Ich hoffe sehr, dass er diese Strategie in den weiteren Bänden beibehält, denn so lernt man die Figuren persönlich und intim genauer kennen. Es sind ja noch einige übrig, über die ich noch nicht so viel weiß, wie ich gern wissen würde.
Davon abgesehen, dass der Fall in „Zorn“ ein anspruchsvolles, aufregendes Rätsel ist, fand ich auch das Setting toll. Das italienische Capraia ist nämlich nicht die einzige Gefängnisinsel, die die LeserInnen in diesem Band besuchen. Mich faszinieren Gefängnisinseln; vermutlich, weil ich mir nicht vorstellen kann, dort leben zu müssen und weil sich so viele Mythen und Legenden darum ranken. Die berühmte Faszination des Grauens. In diesem Zusammenhang möchte ich – ohne zu viel zu verraten – darauf hinweisen, dass es hilfreich ist, wenn man „Der Graf von Monte Christo“ gelesen hat oder zumindest grob über den Inhalt Bescheid weiß, denn diese Geschichte ist ein wiederkehrendes Motiv.

Arne Dahl hält in „Zorn“ das hohe Niveau, das ich in „Gier“ bereits kennenlernen durfte, mühelos aufrecht. Seine Fälle sind wie Irrgärten, in denen es nicht nur einen roten Faden gibt, sondern viele. Wenn ich mir vorstelle, wie Dahl seine Romane schreibt, sehe ich ihn vor einem riesigen Whiteboard stehen, über das dutzende, sich kreuzende Fäden gespannt sind und die ein Spinnennetz ergeben, das nur er völlig überblickt. Ein paar Fäden gehen über den Rand hinaus, für potentielle Verwicklungen und Handlungsstränge in den nächsten Bänden.
Okay, Whiteboard und Fäden sind vielleicht unrealistisch, aber ich denke, im Prinzip liege ich gar nicht so falsch. Dahl ist ein kontrollierter, kreativer Autor, dessen politisches Feingefühl wirklich außergewöhnlich ist. Ganz nebenbei konstruiert er auch noch eine Vielzahl sympathischer Figuren, die seine anspruchsvollen Rätsel lässig vorantreiben. Wer politische Thriller mag, kann mit „Zorn“ gar nicht falsch liegen. Doch gebt Acht, denn in seinem intelligenten Labyrinth zieht nur Arne Dahl selbst die Fäden.

 
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Verfasst von - Januar 14, 2015 in Politik, Realistische Fiktion, Thriller

 

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Arne Dahl – Gier

„Gier“

gier

Originaltitel: “Viskleken”

Reihe: Opcop #1

Autor: Arne Dahl

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 528 Seiten

Verlag: Piper

Sprache: Deutsch

ISBN: 3492303102

Genre: Thriller & Realistische Fiktion > Politik

ausgelesen am: 02.01.2015

Bewertung:

Dass ich „Gier“ und „Zorn“ von Arne Dahl lesen wollte, war eine Spontanentscheidung. Ich unterhielt mich mit meinem Vater über seine Leseziele für das Jahr 2015 und er erwähnte, dass er fest vorhabe, den dritten Teil der Opcop – Reihe „Neid“ zu besorgen und zu lesen. Ich wusste natürlich schon lange, dass er ein Fan von Arne Dahl ist, die Buchrücken sind im Regal schwer zu übersehen. Aber ich habe mich nie näher dafür interessiert. Nach all den YA – Dystopien, die ich Ende 2014 gelesen habe, hatte ich jedoch das Gefühl, mal wieder ein Buch für Erwachsene lesen zu müssen. Also stellte ich ihm die entscheidende Frage: „Papa, worum geht es da eigentlich?“

In „Gier“ lernen die LeserInnen die frisch einberufene, streng geheime operative Einheit der europäischen Polizeibehörde Europol kennen. Die Gruppe höchst fähiger PolizistInnen aus ganz Europa ist ein Experiment, um auszuloten, inwieweit aktive grenzübergreifende Polizeiarbeit möglich ist. Schnell ergibt sich ihr erster Fall: während die Mächtigen der Welt auf dem G20-Gipfel in London darüber beraten, welchen Banken erhebliche Geldmittel zugesprochen werden, stirbt direkt vor der Tür ein junger Chinese bei einem seltsamen und schrecklichen Unfall. Noch mit seinem letzten Atemzug flüstert er mysteriöse Worte, die ausgerechnet Arto Söderstedt hört, der der Opcop-Gruppe angehört. Ein paar Tage später wird in einem Londoner Waldstück die bestialisch zugerichtete Leiche einer Amerikanerin gefunden. Gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Toten? Opcop ermittelt und Stück für Stück tritt ein kriminelles Netzwerk zu Tage, das mehr als nur ein wenig furchteinflößend ist…

„Gier“ ist hochgradig politisch, klug und komplex. Der Fall ist so verschachtelt und unberechenbar, dass ich nie wusste, was als nächstes passieren wird. Ich liebte diese Ungewissheit, weil ich mich trotzdem nie ausgeschlossen fühlte. Ich habe aktiv mitgerätselt, konnte all die Hinweise aber nicht zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen – ich musste mich auf das Ermittlerteam verlassen. Obwohl dieses aus 11 verschiedenen PolizistInnen besteht und außerdem eine Reihe lokaler Kontaktmänner und –frauen umfasst, hatte ich keinerlei Probleme, sie auseinander zu halten. Das lag daran, dass sie meines Erachtens nach alle eine individuelle Persönlichkeit besitzen. Natürlich ist es nicht möglich, so viele Personen auf 500 Seiten bis ins kleinste Detail kennenzulernen, aber das habe ich auch nicht erwartet. Es war völlig ausreichend, dass ich von jedem und jeder sofort ein bestimmtes Bild vor Augen hatte. Arne Dahl hat großartige Arbeit geleistet; nicht nur stellt er sie alle vor und präsentiert ihre Stärken und Schwächen, er macht auch elegant deutlich, inwiefern sie sich ergänzen. Dadurch ergab sich für mich zusätzlich schnell ein Eindruck der gesamten Einheit, ihres Charakters und der Art und Weise, wie ihre Mitglieder mit einander umgehen und arbeiten.
Ich bin überzeugt, ohne diese Vielzahl an Figuren hätte „Gier“ darüber hinaus nicht funktioniert. Ich denke, Arne Dahl brauchte so viele Charaktere, weil er die Handlung seines Thrillers sonst nicht hätte aufbauen können. Auch ihre unterschiedliche Herkunft spielt nicht nur auf der persönlichen Ebene eine große Rolle, sondern ist auch in Bezug auf die gesamte Einheit wichtig, weil sie dezent immer in ihre Arbeit einfließt.
Die Triebfeder all der Verbrechen, die in Arne Dahls Roman begangen werden, ist gleichzeitig dessen Namensgeber: Gier. Das globale Geflecht aus egoistischen, profitorientierten, skrupellosen Straftaten kennt keine Tabus und erfindet sich stetig neu. Es weiß alle möglichen Umstände zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dabei ist es so dicht und engmaschig, dass es schwer ist, überhaupt noch zu definieren, wer keinen Dreck am Stecken hat. Ich fand diesen Blick auf unsere Welt und Gesellschaft sowohl realistisch als auch beängstigend. Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: haben wir gegen diese geballte Habgier überhaupt noch eine Chance? Kann unsere Welt je besser sein, solange Geld sie regiert? Natürlich macht es Hoffnung, dass es da draußen Menschen wie die Opcop-Gruppe gibt, dennoch fiel es mir schwer, nicht eine gewisse Entmutigung zu empfinden. Es sind einfach so viele Menschen zu furchtbaren Handlungen bereit, um mit ein paar Scheinen mehr nach Hause gehen zu können. Dementsprechend fand ich das Ende des Thrillers zwar hundertprozentig überzeugend, es hinterließ allerdings auch einen bitteren Beigeschmack, den Arne Dahl vermutlich beabsichtigte.

„Gier“ ist ein beeindruckender politischer Thriller. Ich kann die Begeisterung meines Vaters nun völlig nachvollziehen und schließe mich ihm an: Arne Dahl ist ein hervorragender Autor. Ich war überrascht, dass sich der Roman so leicht und flüssig las und weniger politisches Allgemeinwissen voraussetzt, als ich angenommen hatte. Unvermeidlich ist es jedoch, ein Grundverständnis globaler wirtschaftlicher Vorgänge und Systeme zu haben. Daher glaube ich, dass dieses Buch nicht für alle LeserInnen etwas ist. Wer sich noch nie für das Thema Finanzkrise (Stichwort Lehmann Brothers) interessiert hat, wird kaum Freude daran haben. Es ist anspruchsvoll; Arne Dahl erwartet ein Publikum, das mit all seinen Anspielungen, Andeutungen und Bezügen zur Realität etwas anfangen kann. Wer jedoch ab und zu eine Zeitung aufschlägt und die Wirtschaftsnachrichten nicht überblättert, kann bedenkenlos mit der geheimen operativen Europol-Einheit auf Verbrecherjagd gehen.

 
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Verfasst von - Januar 10, 2015 in Politik, Realistische Fiktion, Thriller

 

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