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Thilo Corzilius – Ravinia

Rezensionsheader Ravinia

Thilo Corzilius‘ Debütroman „Ravinia“ erschien 2011, während seines Studiums der Evangelischen Theologie. Ein Jahr später erhielt er sein Diplom und war ein wenig verloren, denn er hatte entschieden, doch kein evangelischer Pfarrer werden zu wollen. Das Schreiben füllte die Lücke. Als freier Schriftsteller veröffentliche Corzilius bis 2017 Romane und Kurzgeschichten. Er war erfolgreich genug, um sein Leben zu finanzieren, aber was für andere die Erfüllung eines Traums darstellt, befriedigte den jungen Theologen nicht. Deshalb hängte er seine Vollzeit-Autorenkarriere 2017 an den Nagel, ließ sich zum alt-katholischen Priester weihen und wurde Vikar in Freiburg im Breisgau. Ich finde das interessant, denn normalerweise läuft es ja umgekehrt: aus dem Hobby wird ein Beruf. Ich bin gespannt, ob Corzilius zukünftig dennoch Bücher veröffentlichen wird.

Wieso schenkt jemand einer 16-Jährigen einen altmodischen Schlüssel? Natürlich ist Lara mit den gelegentlichen Verrücktheiten ihres Großvaters vertraut, aber dieses seltsame Geschenk ist selbst für ihn ungewöhnlich. „Victoria Street, Edinburgh“ ist in den Schlüsselkopf eingraviert. Neugierig beschließt Lara, den Schlüssel an der erstbesten Tür auszuprobieren, die ihr begegnet: ihrer Haustür. Sie staunt nicht schlecht, als der Schlüssel nicht nur passt, sondern die Tür zu ihrem Haus plötzlich auf die Victoria Street in Edinburgh führt. Unmöglich! Oder nicht? Dort angekommen, trifft sie den exzentrischen alten Schlüsselmacher Mr. Quibbes und seinen Gesellen Tom, die ihr seelenruhig erklären, dass ihr Schlüssel magisch und nicht der einzige seiner Art ist. Mr. Quibbes bietet ihr an, bei ihm in die Lehre zu gehen und sie in die Geheimnisse seiner Zunft einzuweihen. So lernt Lara Ravinia kennen, eine magische Welt, eine Zuflucht für alle mit besonderen Talenten. Doch Ravinia ist in Gefahr. Die Stadt droht, von einer Verschwörung in ihren Grundfesten erschüttert zu werden – und Lara ist die einzige, die sie aufhalten kann.

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Markus Heitz – Die Zwerge

Rezensionsheader Die Zwerge

Markus Heitz tanzt gern auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig. Seine Romane kokettieren mit vielen Genres: in seinem Portfolio tummeln sich Urban Fantasy, Dark Fantasy, Science-Fiction, Thriller, Historische Fiktion und Dystopien. Doch seine Wurzeln liegen in der High Fantasy. Für sein 2002er Debüt „Schatten über Ulldart“ erhielt er den Deutschen Phantastik-Preis. Dennoch gelang ihm der Durchbruch erst 2003 mit „Die Zwerge“. Tatsächlich wurde der Reihenauftakt so erfolgreich, dass Heitz bis heute keine Informationen über ein neues Projekt veröffentlichen kann, ohne direkt nach einer Fortsetzung gefragt zu werden. Mittlerweile existieren fünf Bände; der erste ist für mich ein Reread, weil ich die Reihe vor Jahren schon einmal begonnen habe, ohne sie weiterzuverfolgen.

Zwerge tragen Bärte. Zwerge sind mutig und für jeden Kampf bereit. Zwerge schützen das Geborgene Land vor den scheußlichen Kreaturen Tions. Zumindest steht es so in den Büchern. Tungdil erhielt nie die Gelegenheit, sein Volk kennenzulernen. Er wuchs als Findelkind unter Menschen auf. Er ist ihnen und seinem Mentor, dem Zauberer Lot-Ionan, sehr dankbar, aber solange er nicht einmal weiß, welchem Stamm er angehört, wird er niemals lernen, ein richtiger Zwerg zu sein. Deshalb ist Tungdil aufgekratzt wie selten zuvor, als Lot-Ionan ihn für einen Botengang auf Reisen schickt. Endlich wird er die Welt sehen! Vielleicht wird er sogar andere Zwerge treffen? Doch je weiter ihn sein Weg führt, desto deutlicher kündigen sich düstere Zeiten für das Geborgene Land an. Orks terrorisieren Dörfer und Ortschaften. Albae schleichen meuchelmordend durch die Nacht. Eine dunkle Macht breitet sich gierig in den Königreichen aus. Unversehens stolpert Tungdil mitten in ein Abenteuer, das seine ganze zwergische Entschlossenheit fordert. Er muss beweisen, dass auch er Zwerg genug ist, das Geborgene Land zu verteidigen!

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Verfasst von - 10. September 2019 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Erica Fischer – Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Rezensionsheader Aimée & Jaguar

Homosexualität war im nationalsozialistischen Deutschland strafbar. Im Dritten Reich betrachtete man schwule Männer als entartet und als eine Bedrohung für den Staat, da man fürchtete, sie versuchten, interne Strukturen zu unterwandern und diese von innen heraus zu zerstören. Seit 1934 wurden Homosexuelle verstärkt verfolgt, interniert und ermordet. Laut Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches genügten bereits „begehrliche Blicke“, um eine Verhaftung und teilweise sogar eine sofortige Deportation zu rechtfertigen.

Die Zahl der Verurteilungen stieg bis Kriegsbeginn 1939 stetig an. Wikipedia verzeichnet für das Jahr 1935, in dem §175 in Kraft trat, 2.363 Schuldsprüche – 1938 waren es 9.536. Männer, die auf sogenannte „Umerziehungsmaßnahmen“ nicht wie gewünscht reagierten, wurden in Konzentrationslager verschleppt und gezwungen, ein Symbol zu tragen, das ihre sexuelle Orientierung für alle sichtbar machte: den rosa Winkel. Wie viele schwule Männer in den KZs umgebracht wurden, ist rückblickend schwer zu ermitteln, weil nicht klar ist, wie viele von ihnen für ihre Zugehörigkeit zu einer anderen verfolgten Bevölkerungsgruppe interniert wurden. Schätzungen zufolge wurden etwa 10.000 Schwule in die KZs gebracht, von denen circa 53% die Qualen der Lager nicht überlebten.

Paradoxerweise richtete sich der Hass der Nazis primär auf schwule Männer, nicht auf Homosexuelle im Allgemeinen. Lesbische Frauen waren von Paragraf 175 nicht betroffen; es existieren allerdings Hinweise darauf, dass Lesben aus anderen Gründen inhaftiert und in den KZs für entsprechendes Verhalten bestraft wurden. Dennoch zweifelt der Historiker Alexander Zinn an, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen stattfand. Seine These ist meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen, was ich in der Position der Frau im Nationalsozialismus begründet sehe. Das Dritte Reich war strikt patriarchalisch. Frauen hatten sich um Küche, Kinder und Kirche zu kümmern und sollten sich sonst bevorzugt im Hintergrund halten. Ich glaube, dass die alten Säcke der Parteispitze um Hitler gar nicht auf die Idee kamen, Frauen könnten so etwas wie eine individuelle sexuelle Identität besitzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr völliges Unverständnis des weiblichen Geschlechts, die vollkommene Reduzierung der Frau auf ihre Rolle als Mutter, Ehe- und Hausfrau, Lesben vor einer dem Paragrafen 175 ähnlichen Gesetzgebung schützte. Den Nazis fehlte einfach die Fantasie. Doch selbst wenn ihnen bewusst war, dass sich einige Frauen zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlten, sahen sie darin eventuell nicht dieselbe Bedrohung, die sie in schwulen Männern vermuteten.

Woran auch immer es lag, homosexuelle Frauen konnten ihre Orientierung freier ausleben als homosexuelle Männer, obwohl Denunzierungen selbstverständlich möglich waren. Wie hoch das Risiko konkret war, hing stark davon ab, wie stabil und zuverlässig das soziale Netz der Frauen war. Wer sich in einem eingeschworenen Freundeskreis bewegte und sich sonst nichts zu Schulden kommen ließ, war vor einer Entdeckung relativ sicher. Diese Faktenlage erklärt, wieso Lilly Wust und Felice Schragenheim verhältnismäßig offen in einer lesbischen Beziehung leben konnten.

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Verfasst von - 3. September 2019 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Montagsfrage: Trennung zwischen Geschichte und Autor_in?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Die letzte Woche ist an mir vorbeigerauscht. Unfassbar, wie viel Stress 7 Tage enthalten können. Krümel, der Hund meiner Schwester, war zu Gast, weil sie bis Samstag im Urlaub war. Von Montag bis Donnerstag habe ich gearbeitet, in drei verschiedenen Schichten zu verschiedenen Uhrzeiten. Das war bereits anstrengend, aber händelbar. Eben einfach der normale Wahnsinn. Der Hammer kam am Freitag.

Da Chillis neuste Blutwerte immer noch nicht die gewünschte Verbesserung zeigen, wurden wir zum Ultraschall bei unserem Haustierarzt bestellt, um auszuschließen, dass sie innere Blutungen hat, die bisher übersehen wurden. Der Befund war glücklicherweise negativ, obwohl ihre Milz definitiv vergrößert und verändert ist, was allerdings an der Infektion liegen kann. Der Tierarzt stellte mich vor die Wahl für das weitere Vorgehen: entweder ambulante engmaschige Blutuntersuchungen alle 2-3 Tage oder eine Überweisung in die Tierklinik, um dort eine weitreichendere Diagnostik vornehmen zu lassen. Ich entschied mich für die Klinik, weil ich mittlerweile glaube, die Infektion durch die Blutparasiten (Anaplasmose) ist nicht die einzige Baustelle. Da ist noch mehr. Also fuhr uns eine Freundin kurzfristig nach Zehlendorf, in die Uniklinik der FU. Dort erlebte Chilli die allerschlimmsten Stunden ihres Lebens. Ihr wurden mehrfach größere Mengen Blut entnommen, sie wurde geröntgt, sie wurde noch mal per Ultraschall untersucht. Sie wurde gepiekst, geknufft, hoch- und runtergehoben (was mit ihrem Rücken echt problematisch ist), von A nach B geschickt und zweimal für einen längeren Zeitraum auf den Rücken gedreht. Es brach mir fast das Herz, als sie beim Ultraschall auf dem Rücken in meinem Arm lag, zitterte wie Espenlaub, jammerte und sich wehrte. Es war schrecklich. Immer im Schlepptau natürlich Krümel, denn ich konnte ihn ja schlecht die gesamte Zeit allein lassen. Das ganze Prozedere dauerte etwa 5 Stunden. Wir wurden mit neuen Medikamenten heim geschickt. Sie bekommt ja noch nicht genug Tabletten. Die Ergebnisse der Bluttests stehen noch aus, die erfahre ich am Donnerstag. Wir waren alle fix und fertig, als wir endlich zu Hause waren.

Am Samstag konnten die Hunde ausspannen, ich hingegen nicht, denn ich musste wieder arbeiten. Das heißt, gestern war der einzige Tag der Woche, an dem ich mal ein bisschen runterkommen konnte. Ich habe nichts, aber auch gar nichts geschafft. Seit Tagen schreibe ich an der Rezension zu „Aimée & Jaguar“ und komme nicht voran. Ich habe für nichts richtig Nerven und weiß noch nicht, wie ich den Blog in der nächsten Zeit auf die Reihe kriege. Sollte es also stiller als sonst sein, wundert euch nicht. Hier geht einfach gerade die Post ab.
Die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise beantworte ich heute aber natürlich trotzdem. Ein bisschen Routine tut gut.

Wie wichtig ist der Autor bzw. die Autorin eines Buches?

Die heutige Frage klingt banal, Antonia hat jedoch eine genaue Vorstellung davon, was sie wissen möchte. Sie fragt nach der Interaktion von Autor_in und Geschichte. Sollte man Schriftsteller_innen komplett von ihren abgeschlossenen Werken trennen oder jede Äußerung, die nach dem eigentlichen Schreibprozess getätigt wird, als Gesetz betrachten? Antonia nennt das HP-Beispiel, um zu erklären, was sie meint. „Harry Potter“ ist mit den sieben Bänden eigentlich abgeschlossen. J.K. Rowling hat das Universum der Geschichte im Nachhinein allerdings ständig erweitert, durch das Stück „Das verwunschene Kind“, die Filmreihe „Fantastische Tierwesen“ und diverse Aussagen, wie zum Beispiel, dass Dumbledore homosexuell ist, was in den Büchern nicht erwähnt wurde. Muss man diese Erweiterungen als Teil des Kanons begreifen oder sollte man sie ignorieren?

Persönlich befinde ich mich zwischen diesen beiden Extremen irgendwo in der Mitte. Als High Fantasy – Fan ist es für mich nicht möglich, spätere Ergänzungen von Autor_innen zu ignorieren, weil das bedeuten würde, dass ich Fortsetzungen, die vielleicht andere Figuren fokussieren, sich aber im selben Universum bewegen, nicht lesen könnte. Oder Fortsetzungen, die Jahrzehnte später spielen. In meinem Lieblingsgenre ist es nicht unüblich, noch einmal zu einem Setting zurückzukehren und natürlich werden dabei auch neue Gesetzmäßigkeiten vorgestellt und festgelegt, je nachdem, was die Geschichte verlangt. Spin-Offs, Folgetrilogien, -zyklen oder -reihen gefallen mir sogar sehr gut, weil ich es immer schade finde, all die Arbeit, die im Worldbuilding steckt, lediglich für eine Geschichte zu nutzen und das Potential verfallen zu lassen. Ich finde es spannend, andere Aspekte eines Universums zu beleuchten und neue Ecken zu besuchen. Das gilt natürlich ebenfalls für andere Genres wie Science-Fiction oder Urban Fantasy. In diesem Rahmen bin ich daher offen und freue mich über Erweiterungen.

Beispiele wie „Harry Potter“ hingegen… Hm. Finde ich nicht so toll. Im Nachhinein zu behaupten, alle Leser_innen hätten dieses oder jenes Detail falsch aufgefasst oder neue Fakten zu postulieren, die im Kontext der Handlung eher dünn gerechtfertigt sind und tatsächlich auch keine große Rolle spielen, empfinde ich als… Ich suche nach dem passenden Wort… unlauter. Unglaubwürdig. Im konkreten Fall von J.K. Rowling habe ich immer das Gefühl, sie versucht, die Geschichte, die vor so vielen Jahren schrieb, nachträglich an den Zeitgeist anzupassen, statt zuzugeben, dass sie sich damals keine Gedanken über Diversität oder ähnliches gemacht hat. Es ist eine Sache, ungeklärte Punkte mit den Leser_innen zu erörtern, aber sich einfach hinzustellen und zu behaupten, ein bestimmter Sachverhalt wäre schon immer so gewesen oder gar geplant, erscheint mir falsch und unehrlich. Wenn die Geschichte abgeschlossen ist, sollte man nicht versuchen, etwas anderes aus ihr zu machen, als sie ist. Ich glaube, würde Rowling ein weiteres Buch schreiben, in dem sie alles, was sie anschließend an das Finale der ursprünglichen Reihe geäußert hat, fundiert in den Kontext des Universums einarbeitet, wäre ich versöhnt. Es ist hauptsächlich die Art und Weise, die mich stört, weshalb ich dazu neige, ihre späteren Ausführungen zu ignorieren. Ich möchte mir von ihr nicht erklären lassen, ich hätte gewisse Aspekte einer der bedeutendsten Geschichten meines Lebens vollkommen falsch interpretiert oder gleich ganz übersehen.

Ich nehme also schon eine gewisse Trennung von Autor_in und Geschichte vor. Wenn ein Buch oder eine Reihe abgeschlossen ist, gehört sie den Leser_innen. Es ist uns überlassen, was wir daraus machen. Ray Bradbury hatte zum Beispiel nie vor, mit „Fahrenheit 451“ ein Buch über staatliche Zensur zu schreiben. Er wollte lediglich auf die Gefahren übermäßigen Fernsehkonsums aufmerksam machen. Dennoch hat sich diese Interpretation im allgemeinen Bewusstsein festgesetzt, was meiner Ansicht nach völlig in Ordnung ist und Bradbury sogar schmeichelt. Interpretationen sind subjektiv. Autor_innen können nicht kontrollieren, was Leser_innen aus ihren Büchern mitnehmen und sie sollten es nicht versuchen. Haben sie den Eindruck, dass nicht alles gesagt oder erklärt ist, bitte, dann können sie gern eine Fortsetzung schreiben und die fraglichen Themen darin angehen – überzeugend, plausibel und konsequent. Aber im Nachhinein wilde Theorien aufzustellen, die dann frei durch die Fangemeinschaft geistern, bloß, weil ihnen nicht passt, wie über ihre Geschichte gesprochen wird, das sollten sie meiner Meinung nach unterlassen.

Wie stark trennt ihr Geschichte und Autor_in?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sorgenfreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Wolfgang Herrndorf – Tschick

Rezensionsheader Tschick

Wolfgang Herrndorf beging am 26. August 2013 Selbstmord. Drei Jahre zuvor war bei ihm ein bösartiger Hirntumor (Glioblastom) festgestellt worden. Während dieser drei Jahre führte er ein Blog-Tagebuch namens „Arbeit und Struktur“, in dem er schonungslos offen seine Gedanken zum Alltag mit einer tödlichen Erkrankung festhielt. Ich habe es gelesen. Es war … intensiv. Schmerzhaft. Aber auch witzig und manchmal herrlich belanglos, mit hohem Suchtfaktor. Absolut lesenswert. Herrndorf war ein beeindruckender Mann. Zwischen fatalistisch-makabren Überlegungen, Bestrahlung und Chemotherapie gelang es ihm tatsächlich, zwei Bücher zu verfassen, darunter der hochgelobte Jugendroman „Tschick“. Dieser entstand, weil Herrndorf die grundlegenden Prinzipien der Bücher seiner Jugend modernisieren wollte: Schnell verschwundene erwachsene Bezugspersonen, eine große Reise und ein großes Gewässer. Nun, das große Gewässer ergab mitten in Ostdeutschland wenig Sinn, aber der Rest ist in „Tschick“ durchaus zu finden.

Die Sommerferien sind in vollem Gange und der 14-jährige Maik Klingenberg hat nichts, aber auch gar nichts vor. Seine Mutter ist mal wieder in der Entzugsklinik, sein Vater mit seiner Assistentin auf Geschäftsreise. Maik sitzt vollkommen allein im Haus seiner Familie und bläst Trübsal. Er richtet sich gerade richtig schön im Selbstmitleid ein, als eines Tages ein blauer, verbeulter Lada vor seiner Tür hält und sein Mitschüler Tschick aussteigt. Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow und wohnt in einem Assi-Plattenbau in Hellersdorf. Keine Ahnung, wie der es aufs Gymnasium geschafft hat. Vielleicht Erpressung. Schließlich ist er Russe. Der Wagen ist natürlich geklaut. Und obwohl Maik eigentlich ein anständiger Junge ist, willigt er ein, mit Tschick einfach draufloszufahren. Quer über Deutschlands Landstraßen, durch verlassene oder vergessene Ortschaften, ein Abenteuer, das ihnen haufenweise Ärger einbrockt, ihnen aber auch den Sommer ihres Lebens beschert.

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Montagsfrage: Objektiv, subjetiv, Buchblogger?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe mich in der letzten Woche mal wieder über Amazon geärgert. Normalerweise bin ich eine zufriedene Kundin. Ich weiß, sie behandeln ihre Mitarbeiter_innen unterirdisch, fördern Monopolismus und eigentlich sollte ich nicht beim großen A kaufen, aber es ist einfach zu verlockend, weil sie eben oft sensationell günstige Angebote haben und sich um ihre Kund_innen wirklich bemühen. Nur mit ihrem firmeninternen Logistiker Amazon Logistics gibt es immer wieder Probleme. Vorletzten Freitag habe ich ein Buch bestellt, an das ich gebraucht nur schwer herankomme. Doch da Amazon Logistics Pakete übergeben kann, ohne eine Unterschrift zu verlangen und es mit den Benachrichtigungskarten nicht so genau nimmt, wurde mein Buch laut Website „einem Hausbewohner übergeben“, ohne dass ich wusste, wer genau es nun entgegengenommen hatte. Wohl gemerkt handelte es bei dem Zustelltag um einen Samstag, mein Mann und ich waren beide zu Hause. Es hatte nicht ein einziges Mal geklingelt.

Ein Anruf beim Kundenservice half mir nicht weiter, man versprach mir eine Befragung des Lieferanten und bat mich um Geduld. Man würde sich melden. Das ist natürlich nicht passiert, also rief ich am Mittwoch noch einmal an. Der nette Mann am Telefon sagte, der Zusteller habe sich nicht zurückgemeldet, weshalb wir davon ausgehen müssten, dass mein Paket verloren ging. Sowas kann passieren. Was allerdings nicht in meinen Kopf will, ist, wie es sein kann, dass der firmeneigene Logistiker nicht auf eine Anfrage des Kundenservice reagiert. Wie ist das möglich? Es ist doch dasselbe Unternehmen. Ich verstehe das nicht. Mein Bearbeiter brachte dann eine Ersatzlieferung auf den Weg, die dieses Mal pünktlich und zuverlässig bei mir eintraf, aber der ganze Vorgang bleibt mir ein Rätsel. Solche Vorfälle produzieren Verluste für Amazon und kommen offenbar so häufig vor, dass es auf der Seite ein Video gibt, das erklärt, wie sich Kund_innen verhalten sollen, wenn ihre Sendung trotz „Zugestellt“-Status verschollen ist. Meiner Meinung nach könnte leicht Abhilfe geschaffen werden, wenn die Lieferanten eine Unterschrift verlangen müssten, wie es zum Beispiel bei der DHL der Fall ist. Dadurch wird online vermerkt, wer das Paket hat, das heißt, selbst wenn ich keine Karte bekomme, weiß ich trotzdem Bescheid. Man könnte Amazon und den Kund_innen eine Menge Ärger ersparen. Hattet ihr schon ähnliche Probleme mit Amazon Logistics? Ich bin neugierig, wie oft das tatsächlich passiert, daher würde ich mich über eure Geschichten freuen!

Während ihr über verschollene Pakete nachdenkt, beantworte ich mal fix die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!
Oh und falls ihr euch gefragt habt, wie es Chilli geht: ihre Blutwerte sind besser. Sie ist noch nicht über den Berg, aber das Antibiotikum schlägt an. 🙂

Kann man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen?

Ich wüsste nicht, inwiefern es zwischen Rezensionsexemplaren und Büchern, die ich mir selbst gekauft habe, einen Unterschied gibt, wenn ich sie rezensiere. Ich stimme Antonia zu, dass Rezensionen grundsätzlich eine subjektive Ebene beinhalten, aber diese ist in meinem Fall definitiv nicht präsenter, nur, weil ich ein Buch vom Verlag oder dem Autor bzw. der Autorin bekommen habe. Alle Werke erhalten von mir dieselbe Chance und dieselbe Behandlung. Ich bin ein großer Freund von Fairness. Ich bemühe mich in jeder Besprechung, subjektive Eindrücke als solche zu kennzeichnen und diesen objektive Einschätzungen gegenüberzustellen. Mangelnde Reflexion kommt mir nicht in die Tüte. Ich analysiere immer, warum mir ein Buch gefiel oder eben nicht, denn nichtssagende Rezensionen bringen niemandem etwas. Ich denke, das gelingt mir ganz gut.

Rezensionsexemplare kriegen von mir prinzipiell keine Extrawurst in der Beurteilung und ich glaube auch nicht, dass sich der Kontakt mit den Autor_innen oder mit dem Verlag auf meine Bewertung auswirkt. Deshalb vereinbare ich mit Schriftsteller_innen, die sich mit einer Rezensionsanfrage an mich wenden, immer, dass ich ihnen erst eine Mail mit einer Übersicht über meine Eindrücke schicke, bevor ich mich an eine öffentliche Rezension setze, damit sie selbst entscheiden können, ob ich einen Text verfassen soll oder nicht. Junge Autor_innen haben es da draußen schwer genug, da muss ich nicht zwangsläufig einen Verriss schreiben, der ihrer Karriere potenziell schadet. Die meisten lassen sich darauf ein und sind dankbar für dieses Sicherheitsnetz. Seine Nützlichkeit hat sich bewährt, denn ich habe einige Rezensionsexemplare gelesen, die ich dann nicht besprochen habe, weil mein Urteil vernichtend gewesen wäre. Bei Verlagen handhabe ich das hingegen anders, weil ich der Ansicht bin, dass ich mit einem Unternehmen, das mir ein Buch zur Verfügung stellt, damit ich eine Rezension verfasse, eine Geschäftsbeziehung eingehe. Verzichte ich auf die Besprechung, halte ich meinen Teil des Deals nicht ein. Außerdem glaube ich, dass Verlage sehr genau wissen, dass Rezensionen durchaus negativ ausfallen können. Sie gehen dieses Risiko bewusst ein und deshalb wüsste ich nicht, wieso ich keine ehrliche Besprechung schreiben sollte. Die persönliche Ebene, die zwischen Autor_innen und mir als Bloggerinnen entsteht, fällt hier weg.

Ich würde meine Antwort heute also folgendermaßen zusammenfassen: meiner Ansicht nach beurteile ich Rezensionsexemplare genauso objektiv und subjektiv, wie ich Bücher beurteile, die mir nicht zur Verfügung gestellt wurden.

Wie objektiv sollten Rezensionen eurer Meinung nach sein?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen stressfreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Kevin Hearne – Shattered

Rezensionsheader Shattered

Angehenden Schriftsteller_innen wird oft geraten, das Buch zu schreiben, das sie selbst lesen möchten. Kevin Hearne, Autor der „Iron Druid Chronicles“, nahm sich diesen Ratschlag zu Herzen. Er begann die Reihe um den Eisernen Druiden Atticus, weil er Urban Fantasy – Romane lesen wollte, die sich mit dem irischen Göttergeschlecht der Túatha Dé Danann beschäftigen und keine fand. In dieser Marktlücke sah er seine Chance, denn das Pantheon ist bezüglich seiner Rollenverteilung im europäischen Raum einzigartig: es verzichtet auf patriarchalische Strukturen. Hinsichtlich Einigkeit und Harmonie unterscheiden sich die irischen Götter und Göttinnen hingegen nicht von anderen Pantheons: sie zanken sich mit Inbrunst, was Atticus im siebten Band „Shattered“ schmerzhaft am eigenen Leib erfährt.

Er hätte es wissen müssen. Ein Geschenk der Morrigan, ha! Als Atticus O’Sullivan erkennt, wen die Göttin auf einer Zeitinsel konservierte, entgleisen ihm alle Gesichtszüge. Es handelt sich um seinen alten Lehrmeister. Owen Kennedy war bereits vor 2.000 Jahren ein griesgrämiger Stinkstiefel – Atticus hat so eine Ahnung, dass ihm die Anpassung an die Moderne gar nicht schmecken wird. Während er Owen die Vorzüge von Toiletten, Handys und der englischen Sprache beizubringen und gleichzeitig die Verschwörung in Tír na nÓg aufzudecken versucht, stellt sich Granuaile in Indien einem sensiblen Kapitel ihrer Vergangenheit. Ihr Vater ist vom Geist eines bösen Hexers besessen und läuft Amok. Mithilfe von Laksha muss sie einen Exorzismus an einem Mann durchführen, den sie eigentlich nur aus Briefen und Postkarten kennt. Zu spät begreift sie, dass sie in eine Falle tappt. Ragnarök rückt unaufhaltsam näher und Loki ist nicht dafür bekannt, fair zu kämpfen…

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Montagsfrage: Verlesene Urlaube?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe es geschafft! Der Weiße Wal ist besiegt! Am Samstag habe ich „Moby Dick“ von Herman Melville ausgelesen. Ja, es war langatmig. Manchmal auch ganz schön langweilig. Aber insgesamt fand ich die Lektüre wesentlich verdaulicher, als ich befürchtet hatte. Mehr dazu dann natürlich in der ausstehenden Rezension. Ich wollte euch nur berichten, dass ich den Kampf mit „Moby Dick“ nicht nur überlebt habe, sondern glorreich triumphierte! 😀
Getragen von diesem Hochgefühl starte ich heute in die neue Woche, natürlich wie immer mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Sollte man auf Reisen lesen?

Urlaubsfragen kann ich leider nur theoretisch beantworten, weil ich Chilli zuliebe meinen Urlaub ja maximal auf Balkonien verbringe. Ich fahre nicht weg. Ich finde es einfach nicht richtig, sie wegzugeben, um mir eine schöne Zeit machen zu können. Ich mache mir lieber eine schöne Zeit mit ihr. Seit sie schlagartig alt wurde und ihr ihre Knochen und Gelenke solche Probleme bereiten, dass sie an manchen Tagen kaum laufen kann, ist die Helikopter-Hundemama in mir außerdem mehr denn je überzeugt, dass niemand angemessen für sie sorgen kann außer mir selbst und meinem Ehemann. Ich hätte im Urlaub keine ruhige Minute, weil ich mir permanent Sorgen machen würde. Ich habe ihr versprochen, dass ich sie bis zu ihrem Lebensende niemals länger weggebe, als es unbedingt nötig ist. Eine Urlaubsreise ist nicht unbedingt nötig.

Dennoch gestehe ich, dass ich in den letzten Jahren durchaus zunehmendes Fernweh verspüre, womit wir jetzt auch zur Frage kommen. Ich kann mir vorstellen, recht bald nach Chillis Tod eine Reise zu unternehmen, um zu entspannnen, wieder zu mir zu finden und in einer Umgebung zu trauern, die mich nicht die ganze Zeit an sie erinnert. In meiner Fantasie besteht dieser Urlaub aus Sonne, weißem Sandstrand, türkisblauem Meer, Schlafen, Essen, Yoga und eben ganz viel Lesen. Genau darin liegt für mich die Antwort auf die heutige Frage: es kommt darauf an, was für einen Urlaub man plant, wohin man fährt oder fliegt und welchen Zweck er erfüllen soll. Sollte ich diesen Trip tatsächlich buchen, werde ich ins Reisebüro marschieren und der netten Person hinter dem Tresen sagen, dass ich an den wundervollsten, langweiligsten Ort der Welt fliegen möchte. Keine Kultur. Keine Ausflüge. Hübsch anzusehen, aber ohne Tiefgang. An so einem Ort ist es überhaupt nicht schlimm, den Urlaub zu verlesen.

Reisen, die hingegen dazu gedacht sind, Entspannung und Kultur zu vereinen, sollten meiner Meinung nach nicht ausschließlich hinter den Seiten eines Buches verlebt werden. Es ist völlig okay, Strandtage einzuplanen und dafür ausreichend Lesestoff mitzunehmen, doch ich denke, wenn man schon in einem fremden Land ist, das auf eine reiche Geschichte zurückblickt, sollte man sich auch bemühen, dieses Land kennenzulernen. Ich träume zum Beispiel schon lange von einer Reise nach Schottland oder Irland, was aktuell mit Hund aufgrund der Quarantänebestimmungen ziemlich unmöglich ist. Mal davon abgesehen, dass ich vermutlich keine Strandtage organisieren würde, möchte ich dort in Land, Natur, Leute, Kultur und Mythologie eintauchen. Ich möchte etwas erleben, alle Eindrücke tief in mich aufsaugen und das geht hinter einem Buch einfach nicht. Also würde ich auf exzessives Lesen verzichten, um nichts zu verpassen.

Man erfährt die Welt nicht, wenn man ihr entflieht. Lesen ist eine Form der Realitätsflucht. Ein Urlaub, der der Konfrontation mit der vergangenen und gegenwärtigen Realität des jeweiligen Landes gewidmet ist, sollte meiner Ansicht nach deshalb nicht verschwendet werden, indem man ihr entschwindet.

Was haltet ihr von verlesenen Urlauben?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen jubeltollen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Trudi Canavan – The High Lord

Rezensionsheader The High Lord

Wie viele Autor_innen entwickelte Trudi Canavan früh den Wunsch, Geschichten zu erzählen. Als sie in der Grundschule war, hätte sie allerdings beinahe den Mut verloren. Sie langweilte sich während der Geschichtsstunde der Schulbibliothekarin und beschwerte sich. Diese fragte, ob sie an ihrer Stelle erzählen wolle. Die kleine Trudi nutzte ihre Chance und spann eine Variante von „Die kleine Meerjungfrau“, an deren Ende der Prinz starb. Das gefiel ihrem jungen Publikum gar nicht und sie erfuhr erstmals, wie Fans reagieren, wenn man ihre Lieblingsfigur tötet. Heutzutage begeht Canavan solche Kardinalsfehler natürlich nicht mehr, doch das heißt nicht, dass das Finale ihrer „The Black Magician Trilogy“, „The High Lord“, ganz ohne Verluste auskäme.

Gildenmeister Akkarin hat Sonea in der Hand. Sie hasst den mächtigen Magier, der offiziell als ihr Mentor auftritt und dessen dunkles Geheimnis schwer auf ihrem Gewissen lastet. Doch dann beginnt Akkarin, sein Protegé zu ermutigen, Bücher seiner privaten Bibliothek zu lesen. Verbotene Bücher, die ein völlig neues Licht auf die Geschichte der Magier-Gilde werfen. Sonea findet heraus, dass die Praktiken, die heute als schwarze Magie geächtet sind, einst offen gelehrt wurden – bis eine schreckliche Katastrophe die Gilde überzeugte, diese unter Strafe zu stellen. Akkarin eröffnet Sonea, dass die Mordfälle, die Imardin in Angst und Schrecken versetzen, die Spitze eines uralten Konflikts zwischen der Gilde und den verbannten Magier_innen Sachakas sind, die noch immer nach Rache dürsten. Er behauptet, er allein könne einen Angriff der sogenannten Ichari verhindern und bringt Sonea in eine verzwickte Lage. Entweder, sie vertraut Akkarin und riskiert, für düstere Absichten benutzt zu werden oder sie setzt die Zukunft der Gilde aufs Spiel, indem sie ihn verrät. Wie wird sie sich entscheiden?

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2 Kommentare

Verfasst von - 9. Juli 2019 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Montagsfrage: Kritzeleien im Buch?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe meinen Laptop zurück! Natürlich hat es etwas länger gedauert, als erwartet, aber jetzt steht er hier vor mir samt einer niegelnagelneuen Tastatur. Als der liebe PC-Doktor ihn am Samstag wiederbrachte, hätte ich Luftsprünge machen können und habe direkt den ganzen Abend dem Seriensuchten gewidmet. Es ist wirklich so viel schöner, auf dem eigenen Gerät zu arbeiten, wo Passwörter gespeichert, die richtigen Programme installiert und eben alle meine Bedürfnisse erfüllt sind. Deshalb macht mir die Beantwortung der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise heute besonders viel Spaß!

Buch mit Notiz?

Ich selbst schreibe so gut wie nie Notizen in meine Bücher. Das hat allerdings weniger damit zu tun, dass ich das als Blasphemie empfinden würde, wie Antonia andeutet. Es hängt mit der Arbeitsweise zusammen, die ich mir für meine Rezensionen zurechtgebastelt habe. Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass es für mich wesentlich ergiebiger, produktiver und konstruktiver ist, meine Gedanken erst nach der Lektüre eines Buches zu notieren. Ich lasse meine Eindrücke einer Geschichte gern eine Weile in mir rumoren und sacken, bevor ich sie aufschreibe, denn mein Unterbewusstsein führt mich oft auf ganz erstaunliche mentale Wege, wenn ich ihm die Zeit dazu gebe. Ich habe beobachtet, dass Notizen, die ich während einer Lektüre schreibe, eher oberflächlich sind und mir am Ende nicht so viel bringen. In die Tiefe gelange ich erst, nachdem ich das gesamte Buch kenne und es als Einheit auf mich wirken lasse. Außerdem sind Gedanken, die ich auf einer Seite hege, mit der nächsten vielleicht bereits obsolet, weil sich Sachverhalte und Entwicklungen schnell relativieren können. Deshalb ergibt es für mich keinen Sinn, im Buch herumzukritzeln. Mit einem externen Notizbuch fahre ich deutlich besser.

Ästhetische Überlegungen spielen hierbei eine geringe Rolle. Könnte ich mit Notizen, die während einer Lektüre entstehen, besser arbeiten, hätte ich wenig Hemmungen, diese in dem entsprechenden Buch festzuhalten und ich kann verstehen, dass es einige Leser_innen gibt, die genau das tun. Ich kann mir vorstellen, dass sie mich bei potenziellen späteren Rereads stören und die Wirkung der Geschichte verfremden könnten, doch ich glaube nicht, dass mich das aufhalten würde, wenn ich dadurch bessere Rezensionen schreiben könnte. Ich betrachte Bücher nicht als Heiligtümer, sie sind Gebrauchsgegenstände. Wundervolle, magische Gebrauchsgegenstände, aber immer noch Gebrauchsgegenstände. Ich finde es albern, sie mit übertriebener Ehrfurcht zu behandeln. Ihr Zweck besteht darin, Freude zu entfachen. Wer Freude dabei empfindet, an den Rand des Textes zu schreiben – bitte, nur zu, von mir werdet ihr kein kritisches Wort hören.

Notiert ihr eure Gedanken direkt in Büchern?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fantastischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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