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Marcia Clark – Without A Doubt

Ich begrüße euch herzlich zum dritten und letzten Teil unseres Rezensionsexperiments. In den letzten zwei Tagen haben wir uns mit den Fakten des Falls O.J. Simpson vertraut gemacht. Ich habe euch „The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson” von Jeffrey Toobin und „If I Did It: Confessions of the Killer” von O.J. Simpson vorgestellt und meine Eindrücke mit euch geteilt. Heute kehren wir noch einmal zum Strafprozess gegen Simpson in den Jahren 1994 und 1995 zurück. Seit Beginn meiner Recherchemission war es mir wichtig, ausgeglichenen und umfassend vorzugehen. Deshalb möchte ich heute ein Buch rezensieren, das einen weiteren, einzigartigen Blickwinkel auf den Mordprozess vermittelt. Wir beschäftigen uns mit „Without A Doubt“ von der Chefanklägerin Marcia Clark.


Der Medienrummel in den USA um den Fall O.J. Simpson war gewaltig. Bereits vor Prozessbeginn mutierte die Presse zum 13. Jurymitglied – und manch ein Reporter schwang sich zum Richter und Henker auf. Seriosität und Qualität der Berichterstattung variierten enorm. Die Causa Simpson lockte eine ganze Armee von Schmierfinken aus ihren Löchern, die nicht davor zurückschreckten, Falschinformationen zu verbreiten, Beweismaterial öffentlich zu machen und Zeug_innen stolze Summen für Interviews zu zahlen. Dieser ausufernde Zirkus beeinflusste den Strafprozess maßgeblich. Die Verhandlung wurde live auf dem Fernsehsender Court TV übertragen. Die Juryauswahl wurde durch die flächendeckende Berichterstattung massiv erschwert, weil sich kaum eine Person in Los Angeles finden ließ, die nicht bereits von den Morden an Nicole Brown Simpson und Ronald Goldman gehört oder gelesen hatte. O.J. Simpsons Verteidiger, das „Dreamteam“, nutzten die Presse aktiv, um den Prozess zu ihren Gunsten zu manipulieren. Zeitgleiche, inoffizielle Pressekonferenzen aus dem Stegreif von Robert Shapiro und Johnnie Cochran am Ende eines Prozesstages waren keine Seltenheit.

Die Staatsanwaltschaft musste auf diese Tricks natürlich verzichten. Selbst wenn sie die Medien für sich hätten einspannen wollen – sie durften es nicht. Vielleicht schoss sich die Presse deshalb auf das Team der Anklage ein. Alle Mitglieder sahen sich scharfen Angriffen ausgesetzt, wurden als unerfahren, arrogant und schlicht inkompetent dargestellt. Doch niemand von ihnen erntete so viel Spott, Häme, Bosheit und Kritik wie Marcia Clark.

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Verfasst von - 27. September 2018 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Arne Dahl – Hass

„Hass“ ist der letzte Band der „Opcop“-Reihe von Arne Dahl. Das ist zwar schade, allerdings finde ich es erfrischend, dass eine Reihe mal keine zweistellige Anzahl von Bänden erreicht. Außerdem ist Dahls neustes Projekt bereits verfügbar: „Sieben Minus Eins“ ist sein erster klassischer Ermittler-Thriller und der Auftakt der Reihe „Berger & Blom“. Ich bin ein bisschen skeptisch, weil dieser angeblich komplett ohne politische Einflüsse auskommt, werde dieses Experiment aber vermutlich trotzdem wagen, denn ich bin neugierig und möchte mich nicht von Dahl verabschieden. Schlimm genug, dass ich nun der Opcop-Gruppe Lebewohl sagen musste.

Am Grab von Donatella Bruno leisten Paul Hjelm und die Opcop-Gruppe einen Schwur: sie schwören, Donatellas Mörder zur Rechenschaft zu ziehen und Fabio Tebaldi und Lavinia Potorac zu retten. Zurück in Den Haag stürzen sie sich in die Arbeit und sichten das Material, das Donatella über die ‘Ndrangheta zusammentrug. Unglücklicherweise finden sich in den Unterlagen keinerlei konkrete Hinweise, weder zu Donatellas Verdacht, dass nicht die Mafia Tebaldi und Potorac entführte, noch zu ihrem mysteriösen Informanten. Die Ermittlung steckt in einer Sackgasse. Als Opcop zusätzlich mit einem neuen Fall betraut wird, entscheidet Paul Hjelm schweren Herzens, ihre Kräfte zu splitten. Ein schwedisches Biotech-Labor wurde Opfer eines Cyberangriffs. Die Spur der Industriespionage führt nach China – und zu einem alten Bekannten der Operativeinheit. Skrupellose, höchst unethische, gefährliche Experimente mit menschlicher DNA zwingen die Teams, sich auf der ganzen Welt zu verteilen und parallel zu arbeiten. Aber sie werden nicht aufgeben. Sie werden ihre verlorenen Mitglieder finden und rächen. Denn dieses Mal ist es persönlich.

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Verfasst von - 26. Juli 2017 in Politik, Rezension, Thriller

 

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Sophie Jordan – Uninvited

2015-07-19 - Jordan - Uninvited

Habt ihr schon mal von dem Gen Monoaminooxidase-A, kurz MAOA-Gen, gehört? Vermutlich sagt euch das gar nichts, aber den Ausdruck „Mörder-Gen“ kennt ihr bestimmt. Es gibt Hinweise, dass Mutationen dieses Gens die Gewaltbereitschaft und das Aggressionspotential eines Menschen erhöhen können. Das bedeutet nicht, dass diese Person unweigerlich zum Schläger oder sogar Mörder wird, doch die Veranlagung ist da. In ihrem Roman „Uninvited“ beschreibt die Autorin Sophie Jordan eine Realität, in der diese genetische Veranlagung zur Gewalt das Leben und die Zukunft eines Menschen bestimmt.

Davy Hamilton hatte alles: gute Noten, eine liebende Familie, Freunde und eine Beziehung mit dem begehrtesten Jungen der Schule. Ihr stand eine leuchtende Zukunft bevor. Bis festgestellt wurde, dass sie eine Trägerin des HTS ist, des Homicidal Tendency Syndrome, besser bekannt als das „Killer-Gen“. Während Davy noch zu begreifen versucht, dass ihre DNA sie als Mörderin abstempelt, wird sie auf einen Schlag aus ihrem bisherigen Leben herausgerissen. Sie wird ihrer Schule verwiesen und muss fortan eine spezielle Klasse für TrägerInnen besuchen, in der sie ein für alle Mal begreift, dass die Gesellschaft es nicht gut mit ihresgleichen meint. Eingesperrt und isoliert findet sie jedoch unerwartet Freunde: den gefährlich wirkenden Sean, dessen „H“-Tattoo ein Beleg für seine Gewaltbereitschaft ist und den schüchternen Gil, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte. Als sich die Situation für TrägerInnen im Land zuspitzt, werden die drei nach Mount Haven gebracht; ein Camp, in dem sie beweisen sollen, dass sie trotz des HTS wertvolle Mitglieder der Gesellschaft sein können. Davy glaubt, dass Mount Haven ihre einzige Chance auf ein normales Leben ist – doch liegt sie damit richtig, oder ist das Camp nur eine weitere Grausamkeit der Regierung?

Ich habe die Bewertung von „Uninvited“ nachträglich nach unten korrigiert. Ich fand das Buch toll, aber nachdem einige Tage vergangen waren, fiel mir auf, dass es nur recht blass in meiner Erinnerung blieb. Offenbar hat es mich doch nicht so sehr beeindruckt wie ich anfangs dachte. Im Großen und Ganzen ist es typischer YA-Dystopie-Roman, der sich leicht und flüssig weg las. Sophie Jordan pflegt einen angenehmen, schnörkellosen Schreibstil und die Idee hinter „Uninvited“ ist äußerst spannend. Die Frage, welche Rolle Genetik und Prägung im Leben eines Menschen spielen, beschäftigt die Wissenschaft seit langem. Eine Zukunft, in der völlig normale Personen auf ihre DNA reduziert und unter Generalverdacht gestellt werden, ist durchaus vorstellbar; besonders, wenn die Verbrechenszahlen stetig steigen und die Gesellschaft verängstigt ist. Schade fand ich, dass Sophie Jordan überhaupt nicht auf die Biologie des HTS eingeht. Sie erklärt nicht, was genau es bedeutet, dieses Gen zu tragen, ob es sich um eine Mutation handelt oder wie hoch der Prozentsatz der TrägerInnen in der Bevölkerung ist. Mir ist die bloße Tatsache, dass das HTS in irgendeiner Form existiert, eindeutig zu dünn. Ein wenig engagierte Recherche hätte Wunder wirken können. Auch entfaltet sich die Geschichte trotz des interessanten Ansatzes anders, als ich erwartet hatte, was meiner Meinung nach hauptsächlich an der Protagonistin und Ich-Erzählerin Davy liegt. Davy fehlt Feuer. Sie ist eine Mary Sue – nicht unsympathisch, aber ein verwöhntes Prinzesschen, das mit einer Situation konfrontiert wird, die sie überhaupt nicht bewältigen kann. Vermutlich wäre jede/r mit ihrem Schicksal überfordert gewesen, doch in der Art, wie Davy sich verhält, wird überdeutlich, dass sie in ihrem Leben noch nie ein Problem selbst oder allein lösen musste. Sie weiß nicht im Mindesten, wie sie sich der Tatsache, dass sie das HTS trägt, stellen soll und ist in ihren Ansichten unheimlich festgefahren und unflexibel. Obwohl sie am eigenen Leib erfährt, wie ungerecht die Fixierung auf ein einziges Gen ist, kann sie ihre Vorurteile HTS-TrägerInnen gegenüber einfach nicht überwinden oder hinter sich lassen. Sie sieht sich das ganze Buch über als eine Art Sonderfall, einen Irrtum und unterscheidet scharf zwischen sich und „den anderen“. Sie selbst ist das beste Beispiel dafür, dass die DNA nicht das Geringste über die Persönlichkeit eines Menschen aussagt, geht aber trotzdem weiterhin davon aus, dass alle anderen TrägerInnen potentielle PsychopathInnen und/oder KillerInnen sind, von Sean und Gil vielleicht einmal abgesehen. Und Sophie Jordan gibt ihr durch die Charakterisierung der Nebenfiguren auch noch Recht. Das hat mich wirklich geärgert, weil die Botschaft, die ich mir erhofft hatte, so definitiv unterging.

„Uninvited“ begann vielversprechend, verlor sich meiner Meinung nach jedoch etwa auf der Hälfte. Ich hatte Spaß beim Lesen, aber die Prägnanz der Geschichte verschwand hinter Davys Schicksal, das, obwohl schockierend, letztendlich nur eines von vielen ist. Ich denke, Sophie Jordan hat den Rahmen der Ereignisse etwas zu eng gezogen und sich zu sehr auf Davy konzentriert, die einfach nicht stark genug ist, um die Handlung überzeugend allein zu tragen. Trotzdem möchte ich der Fortsetzung „Unleashed“ eine Chance geben, auch wenn ich es nicht genau erklären kann warum. Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, glaube ich eigentlich nicht, dass sich die Defizite des ersten Bandes im zweiten Band auflösen werden, doch irgendwie lässt mich die Geschichte nicht los.
„Uninvited“ ist eine Dystopie, die sich sehr dicht an unserer Realität bewegt – nicht allzu weit in der Zukunft und beunruhigend vorstellbar. Wer es also realistisch mag, kann durchaus zu diesem Young Adult – Roman greifen und Seite an Seite mit Davy erleben, was es bedeutet, wenn die Welt keine Menschen mehr sieht, sondern nur noch DNA-Stränge auf zwei Beinen.

 
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Verfasst von - 5. August 2015 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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