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Montagsfrage: Nein zu Rassismus

Hallo ihr Lieben! 🙂

Kennt ihr das? Ihr schlagt einen Band einer Reihe auf und noch bevor die Geschichte beginnt, steht dort ein Hinweis, dass zwischen diesem und dem letzten Band eine Kurzgeschichte erschienen ist, die wichtig für das Verständnis der Handlungsentwicklung ist. Das ist mir letzte Woche passiert, als ich mir „Staked“, den achten (und vorletzten) Band der „Iron Druid Chronicles“, von Kevin Hearne vornehmen wollte. Dort heißt es in einem Hinweis des Autors, dass die Handlung nicht an der Stelle ansetzt, an der „Shattered“ aufhörte, weil dazwischen die Kurzgeschichte „A Prelude to War“ liegt, die in der Mini-Anthologie „Three Slices“ erschienen ist und die man lesen sollte, wenn man gewisse Anspielungen in „Staked“ verstehen will. Trotz meines neu gewonnenen Respekts für Kurzgeschichten hat mich das zugegeben ziemlich geärgert. Ich finde es blöd, wenn die Hauptreihe in sich nicht so logisch aufgebaut ist, dass man das zusätzlich erschienene Beiwerk lesen muss, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Dennoch habe ich mich schnell damit abgefunden und mir die Kindle-Version von „Three Slices“ heruntergeladen. „Three Slices“ ist das Ergebnis einer Kollaboration zwischen Kevin Hearne, Delilah Dawson und Chuck Wendig. Alle drei haben Kurzgeschichten im Rahmen ihrer bereits existierenden Reihen geschrieben, in denen ein bestimmtes, recht bizarres Thema eine Rolle spielt: Tyromantie, die Weissagung mit Käse. Als ich das in der Einleitung der Anthologie erfuhr, war ich fast schon wieder versöhnt. Wahrsagerei mit Käse ist einfach so abgedreht, dass ich mich darauf freute, herauszufinden, wie die drei das in ihre Geschichten eingebaut haben. Mittlerweile bin ich natürlich durch und muss sagen, für die „Iron Druid Chronicles“ wäre es nicht nötig gewesen, eine separate Kurzgeschichte zu verfassen. „A Prelude to War“ hätte ebenso gut das erste Kapitel in „Staked“ sein können. Ich weiß allerdings zu schätzen, dass ich dadurch Delilah Dawson und Chuck Wendig kennenlernte, die es wohl beide auf meine Wunschliste schaffen werden.

Ist euch schon mal ähnliches passiert? Wie habt ihr das empfunden? Findet ihr ergänzende Kurzgeschichten im Rahmen einer Reihe gut oder mögt ihr es auch lieber, wenn die Hauptreihe in sich so geschlossen ist, dass ihr frei entscheiden könnt, die Kurzgeschichten zu lesen? Ich bin gespannt, was ihr dazu zu sagen habt.

Erst eimal habe ich jedoch etwas zu sagen, nämlich zur heutigen Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welche Bücher, die gegen Rassismus, Ignoranz und Unwissenheit arbeiten, könnt ihr empfehlen?

Ich habe auch schon überlegt, wie ich diese Themen angesichts der aktuellen Entwicklungen in den USA und den damit verbundenen Diskussionen auf meinen Blog bringen kann. Es fällt mir manchmal sehr schwer, meinen reinen Buchblog nicht für politische Botschaften zu entfremden. Deshalb danke ich Antonia dafür, dass sie mir zeitnah die Möglichkeit gibt, mich heute zu Rassismus und Polizeigewalt zu äußern und meine ganz persönliche Weltsicht zu teilen, bevor ich ein paar Buchempfehlungen ausspreche.

Wann immer ich mich mit Rassismus beschäftige, schäme ich mich für die Weiße Weltbevölkerung. Ich schäme mich für die Historie, ich schäme mich für Unsensibilität, ich schäme mich für überwältigende Unwissenheit und die Weigerung, das eigene Verhalten, speziell den Sprachgebrauch, auch nur minimal anzupassen, um empathisch, einfühlsam und inkludierend zu sein. Ich hasse es, dass so wenigen Weißen ihre privilegierte Position in der globalen Gesellschaft bewusst ist. Ich hasse es, wie viele Weiße sich sofort angegriffen fühlen, wenn sie auf ihr rassistisches Benehmen hingewiesen werden. Ich hasse es, dass ich als Weiße Europärin niemals, niemals, niemals wieder gutmachen kann, was meine, nein, unsere Vorfahr_innen Völkern angetan haben, die eine andere Hautfarbe haben und bis heute antun. Ich fühle mich hilflos und machtlos, weil ich lediglich mein eigenes Verhalten modifizieren und nicht die ganze Welt dazu zwingen kann, historisch und täglich Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß, dass es nicht um Schuld geht und ich weiß, dass es bereits ein Schritt in die richtige Richtung ist, dass ich anerkenne, dass People of Color überall auf unserem Globus Rassismuserfahrungen machen, die ich niemals erleben werde. Aber oft reicht mir das nicht. Ich möchte wirklich etwas verändern und kann nicht, weil es ein systemisches, strukturelles Problem ist, das sich nicht durch meinen guten Willen allein in Luft auflöst. Es ist so unglaublich frustrierend, dass ich kaum Einfluss habe – eine Empfindung, die Menschen, die tatsächlich rassistisch behandelt werden (im Gegensatz zu mir), sicherlich hundertfach verstärkt wahrnehmen. Versteht mich nicht falsch, mir ist bewusst, dass jede Stimme, die sich gegen Rassismus ausspricht, wichtig und bedeutend ist. Aber einen Wandel erreichen wir nur durch eine geeinte Massendynamik, der so viele Faktoren entgegenstehen – wirtschaftlich, sozial, politisch – dass ich mir manchmal die Haare ausreißen und laut schreien möchte.

Ich hasse es auch, dass ich Zweifel daran habe, dass die Black Lives Matter – Bewegung und alle anderen Organisationen, die großartige Arbeit leisten, um diesen uralten, tief verwurzelten Konflikt in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, den Wandel einleiten können, den wir so dringend benötigen. Ich hasse meinen eigenen Zynismus, durch den es mir so schwerfällt, Hoffnung zu entwickeln. Ich möchte glauben, ich möchte hoffen, doch wenn ich mir ansehe, wie viel sich ändern muss, um Rassismus nachhaltig zu überwinden, erscheint mir diese Mammutaufgabe viel zu gewaltig. Das heißt nicht, dass ich deshalb untätig bleibe. Ich bilde mich weiter, ich achte auf mein Verhalten, ich lese und konfrontiere mich immer und immer wieder mit dieser Thematik, weil Aufgeben einfach keine Option ist. Ich habe eine Verantwortung und ich bemühe mich, dieser nachzukommen. Wir alle sollten das.

Damit kommen wir nun zu meinen Empfehlungen, bevor ich mich noch weiter in das Thema hineinsteigere und am Ende wieder Tränen fließen. Ich denke, dass es zwei entgegengesetzte Richtungen gibt, aus denen man sich mit Rassismus beschäftigen kann: einerseits als Vergangenheitsbewältigung und andererseits als Gegenwartskonfrontation. Die beiden Aspekte schließen sich nicht aus, ganz im Gegenteil, meiner Ansicht nach ist es wichtig, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, um die Gegenwart zu verstehen und die Ursachen der heutigen Situation zu durchschauen, was der einzige Weg ist, eine Veränderung zu erreichen. Ich möchte euch heute vier Bücher empfehlen, die verschiedene Punkte auf diesem Spektrum abdecken. Drei davon sind explizit auf die USA ausgerichtet, das vierte widmet sich deutschem Rassismus. Ich habe alle vier gelesen. In meinem Regal befinden sich weitere ungelesene Werke, die zum heutigen Thema passen, aber ich möchte mich auf die Werke beschränken, mit denen ich tatsächlich Erfahrungen gesammelt habe.

Beginnen wir in der Vergangenheit, mit „Beloved“ von Toni Morrison. Toni Morrison, die leider letztes Jahr verstorben ist, war eine Lichtgestalt für die afroamerikanische weibliche Literatur. Sie gewann 1993 als erste afroamerikanische Frau den Literaturnobelpreis. Für „Beloved“ erhielt sie außerdem den Pulitzer-Preis. Das Buch basiert auf der Geschichte von Margaret Garner, eine Sklavin, die 1856 ihre zweijährige Tochter ermordete, um sie vor einem Leben in Sklaverei zu bewahren. Es handelt von der ehemaligen Sklavin Sethe, die Jahre nach ihrem Martyrium noch immer herauszufinden versucht, was Freiheit für sie bedeutet. Sie hadert mit ihren Erinnerungen und mit den Entscheidungen, die sie traf. Mich hat das Buch sehr berührt, weil es nicht nur die grausame Realität der Sklaverei beschreibt, sondern auch das Trauma, das diese für die betroffenen Menschen selbst Jahre später bedeutete. Durch die Abschaffung der Sklaverei war nicht plötzlich alles gut – eine Lektion, die die aktuellen Proteste erneut auffrischen. Es führte mir vor Augen, wie viel Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat und ist deshalb gerade im Moment die ideale Lektüre, um sogar der weißen Bevölkerung zu erklären, welche Dimension das Verbrechen der Sklaverei einnahm, wie tief und nachhaltig die davon ausgelösten Verletzungen sind und welche Konsequenzen es bis heute hat. Auf Deutsch erschien es als „Menschenkind“.

Das zweite Buch ist ebenfalls ein Klassiker: „To Kill a Mockingbird“ bzw. „Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee. Dieses Buch setzt sich im Vergleich zu „Beloved“ mit einer etwas jüngeren Vergangenheit auseinander und behandelt Rassismus im Südstaat Alabama zur Zeit der Großen Depression (also in den 1930er Jahren). Es ist ein Weißes Buch, sowohl bezüglich der Autorin als auch bezüglich der Hauptfiguren, was meiner Ansicht nach allerdings kein Nachteil ist. Die Protagonistin ist die 8-jährige Jean Louise „Scout“ Finch, deren Vater Atticus als Anwalt den Afroamerikaner Tom Robinson vor Gericht verteidigt, dem vorgeworfen wird, eine Weiße Frau vergewaltigt zu haben. Durch die Weiße, kindliche Perspektive hinterfragte Harper Lee (2016 verstorben) Verhalten und Verantwortung der Weißen Bevölkerung im Kontext dieses Prozesses. Es ist ein wunderbares, selbstkritisches Plädoyer für Humanität, das Missstände anprangert, die bis heute aktuell sind.

Eine moderne Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus und Polizeigewalt in den USA bietet hingegen „The Hate U Give“ von Angie Thomas. Selbst wenn ihr keine andere meiner Empfehlungen wahrnehmt, dieses Buch solltet ihr lesen. Unbedingt. Es erschien 2017, ich habe es aber erst im März dieses Jahres gelesen, knapp zwei Monate vor dem Mord an George Floyd. Rückblickend erscheint mir diese Lektüreauswahl deshalb beinahe prophetisch und ich bin dankbar, dass ich den Fall George Floyd dadurch wesentlich besser einschätzen kann. Angie Thomas konnte mir am Beispiel ihrer Protagonistin Starr nachvollziehbar, greifbar und konkret vermitteln, was es heutzutage bedeutet, ein Schwarzer Teenager in den USA zu sein und wie tief Rassismus dort gesellschaftlich verwurzelt ist, wie er sich äußert und warum es ignorant ist, sich selbst als „farbenblind“ zu bezeichnen. Sie ließ mich an Erfahrungen teilhaben, die ich selbst niemals machen werde und brachte mir eine Realität näher, die nicht der meinen entspricht. Ich finde keine Worte dafür, wie wertvoll ich „The Hate U Give“ empfand. Es lehrte mich Demut, es erinnerte mich daran, wie privilegiert ich lebe. Für ihre Ehrlichkeit, ihren Mut und ihre Offenheit gebürt Angie Thomas mein voller Respekt. Wenn ihr wirklich verstehen wollt, was es heißt, in den USA Schwarz zu sein, lest „The Hate U Give“.

Rassismus ist kein exklusiv US-amerikanisches Problem. Rassismus findet sich überall auf der Welt und trotz der deutschen Historie, durch die wir es eigentlich besser wissen müssten, erstarkt auch hierzulande rechter Extremismus bereits seit Jahrzehnten wieder. Während die Politik lange genug auf dem rechten Auge blind war, dürfen wir niemals vergessen, dass es Gründe dafür gibt, dass sich Menschen rassistischen und faschistischen Idealen verschreiben. Um zu verstehen, was in unserem Land passiert, müssen wir verstehen, was diese Menschen antreibt und dass ihr Hass oft ganz persönliche Motivationen hat, die in ihren Biografien zu suchen sind. Es reicht nicht, sie als „rechte Spinner“ abzutun, das verkennt die Gefahr, die von ihnen ausgeht. Wir können nur ändern, was wir begreifen. Darum möchte ich euch zum Schluss ein Buch ans Herz legen, das in den 90er Jahren erschien, zu einer Zeit, in der rechte Gewalt in vielen deutschen Städten eskalierte: „Wir sind auch die kämpfende Front: Frauen in der rechten Szene“ von Sonja Balbach. Es ist lange her, dass ich das Buch gelesen habe, aber an Aktualität hat es nie verloren. Es besteht aus Interviews mit Frauen, die sich ganz offen zur rechten Szene bekennen und versucht, anhand dieser Gespräche herauszufinden, warum diese Frauen sich mit menschenverachtendem Gedankengut identifizieren. Da es ausschließlich die weibliche Perspektive beleuchtet, kann es natürlich keine allgemein gültige, umfassende Analyse der rechten Szene sein, aber es bietet einen Einblick in eine Welt, die für viele sehr schwer nachzuvollziehen ist. Ich fand es hochinteressant und bin bis heute überzeugt, dass wir zuhören müssen, um diese Menschen nicht für immer an Neofaschismus und Neonationalsozialismus zu verlieren. Man kann nun argumentieren, dass es falsch ist, dieser Einstellung eine Bühne zu geben, aber ich glaube, dass es gravierende Folgen hat, sie zu ignorieren. Wir müssen das aushalten, denn wir alle sind mitverantwortlich dafür, dass Rassismus bis heute ein Problem ist und rassistische Ansichten wachsen und gedeihen. Ich wiederhole es noch einmal: wir tragen Verantwortung und diese schließt eben auch diejenigen ein, die wir am liebsten vergessen, verleugnen und verschweigen würden. Es bringt niemandem etwas, so zu tun, als existierte rechte Gewalt nicht, schon gar nicht denjenigen, die von ihr betroffen sind.

Es hat mich viel Zeit gekostet, diesen Beitrag zu verfassen. Ich hoffe, dass sich der Aufwand gelohnt und euch Anreize verschafft hat, euch mit Rassismus literarisch zu beschäftigen. Es ist entscheidend, zu verstehen, dass „Weiß“ überall auf der Welt mit „privilegiert“ gleichgesetzt werden muss und Rassismus etwas ist, gegen das wir alle kämpfen müssen, jeden Tag, im Großen wie im Kleinen. Will man Veränderung, muss man bei sich selbst anfangen. Bücher zu lesen, die für Rassismus sensibilisieren, kann ein wichtiger erster Schritt sein. Hinterfragt euch selbst. Seid mutig, seid laut. Nein zu Rassismus. An jedem Tag, an jedem Ort.

Könnt ihr Bücher empfehlen, die sich gegen Rassismus aussprechen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 5: Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Heute präsentiere ich euch den letzten Beitrag zur Thematik des Literaturnobelpreises. Halleluja, ein Ende ist in Sicht! Ich hoffe, ihr seid bereit für das große Finale, denn obwohl auch ich froh bin, wenn ich mich erneut dem normalen Blogalltag widmen und endlich wieder eine Rezension schreiben kann (Ich vermisse das wirklich!), ist dieser Post für mich ohne Zweifel der wichtigste der ganzen Serie. Heute resümiere ich all die Fakten, die wir in den letzten vier Tagen zusammengetragen haben und stelle euch anhand der Argumente, die sich aus den einzelnen Beiträgen für mich ergaben, mein Fazit vor. Ich werde euch erklären, warum ich glaube, dass der Literaturnobelpreis abgeschafft werden sollte. Schenkt mir ein letztes Mal eure Aufmerksamkeit, es wird Zeit für ein harsches Urteil.

Im ersten Kapitel «Erbschaft mit Folgen» haben wir uns mit dem Testament von Alfred Nobel beschäftigt, das der Auslöser für die Vergabe der Nobelpreise war. Wir haben die Struktur der von ihm verfügten und finanzierten Nobelstiftung aufgeschlüsselt, ihre Zusammenarbeit mit den einzelnen Einrichtungen, die die Preise verleihen, analysiert und die relevanten Statuten für den Vergabeprozess gesichtet. Kurz: Wir haben die rechtliche und organisatorische Basis für die Nobelpreisvergabe allgemein und für die Literaturnobelpreisverleihung im Speziellen identifiziert. Bereits diese nüchterne Faktensammlung offenbarte mir einige problematische Punkte, die das Prozedere meiner Ansicht nach ernsthaft belasten.

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 3: Ein unpolitischer Preis für politische Menschen?

Ein unpolitischer Preis für politische Menschen?

Heute beschäftigen wir uns mit den bisherigen Literaturnobelpreisträger_innen. Wir wollen untersuchen, welche Menschen in der Vergangenheit mit dieser prestigeträchtigen Auszeichnung geehrt wurden und welche Ideale sie verkörperten. Schauen wir doch mal, was die Schwedische Akademie in ihnen sah.

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Erica Fischer – Aimée & Jaguar: Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

Rezensionsheader Aimée & Jaguar

Homosexualität war im nationalsozialistischen Deutschland strafbar. Im Dritten Reich betrachtete man schwule Männer als entartet und als eine Bedrohung für den Staat, da man fürchtete, sie versuchten, interne Strukturen zu unterwandern und diese von innen heraus zu zerstören. Seit 1934 wurden Homosexuelle verstärkt verfolgt, interniert und ermordet. Laut Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches genügten bereits „begehrliche Blicke“, um eine Verhaftung und teilweise sogar eine sofortige Deportation zu rechtfertigen.

Die Zahl der Verurteilungen stieg bis Kriegsbeginn 1939 stetig an. Wikipedia verzeichnet für das Jahr 1935, in dem §175 in Kraft trat, 2.363 Schuldsprüche – 1938 waren es 9.536. Männer, die auf sogenannte „Umerziehungsmaßnahmen“ nicht wie gewünscht reagierten, wurden in Konzentrationslager verschleppt und gezwungen, ein Symbol zu tragen, das ihre sexuelle Orientierung für alle sichtbar machte: den rosa Winkel. Wie viele schwule Männer in den KZs umgebracht wurden, ist rückblickend schwer zu ermitteln, weil nicht klar ist, wie viele von ihnen für ihre Zugehörigkeit zu einer anderen verfolgten Bevölkerungsgruppe interniert wurden. Schätzungen zufolge wurden etwa 10.000 Schwule in die KZs gebracht, von denen circa 53% die Qualen der Lager nicht überlebten.

Paradoxerweise richtete sich der Hass der Nazis primär auf schwule Männer, nicht auf Homosexuelle im Allgemeinen. Lesbische Frauen waren von Paragraf 175 nicht betroffen; es existieren allerdings Hinweise darauf, dass Lesben aus anderen Gründen inhaftiert und in den KZs für entsprechendes Verhalten bestraft wurden. Dennoch zweifelt der Historiker Alexander Zinn an, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen stattfand. Seine These ist meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen, was ich in der Position der Frau im Nationalsozialismus begründet sehe. Das Dritte Reich war strikt patriarchalisch. Frauen hatten sich um Küche, Kinder und Kirche zu kümmern und sollten sich sonst bevorzugt im Hintergrund halten. Ich glaube, dass die alten Säcke der Parteispitze um Hitler gar nicht auf die Idee kamen, Frauen könnten so etwas wie eine individuelle sexuelle Identität besitzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr völliges Unverständnis des weiblichen Geschlechts, die vollkommene Reduzierung der Frau auf ihre Rolle als Mutter, Ehe- und Hausfrau, Lesben vor einer dem Paragrafen 175 ähnlichen Gesetzgebung schützte. Den Nazis fehlte einfach die Fantasie. Doch selbst wenn ihnen bewusst war, dass sich einige Frauen zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlten, sahen sie darin eventuell nicht dieselbe Bedrohung, die sie in schwulen Männern vermuteten.

Woran auch immer es lag, homosexuelle Frauen konnten ihre Orientierung freier ausleben als homosexuelle Männer, obwohl Denunzierungen selbstverständlich möglich waren. Wie hoch das Risiko konkret war, hing stark davon ab, wie stabil und zuverlässig das soziale Netz der Frauen war. Wer sich in einem eingeschworenen Freundeskreis bewegte und sich sonst nichts zu Schulden kommen ließ, war vor einer Entdeckung relativ sicher. Diese Faktenlage erklärt, wieso Lilly Wust und Felice Schragenheim verhältnismäßig offen in einer lesbischen Beziehung leben konnten.

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Verfasst von - 3. September 2019 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Wolfgang Herrndorf – Tschick

Rezensionsheader Tschick

Wolfgang Herrndorf beging am 26. August 2013 Selbstmord. Drei Jahre zuvor war bei ihm ein bösartiger Hirntumor (Glioblastom) festgestellt worden. Während dieser drei Jahre führte er ein Blog-Tagebuch namens „Arbeit und Struktur“, in dem er schonungslos offen seine Gedanken zum Alltag mit einer tödlichen Erkrankung festhielt. Ich habe es gelesen. Es war … intensiv. Schmerzhaft. Aber auch witzig und manchmal herrlich belanglos, mit hohem Suchtfaktor. Absolut lesenswert. Herrndorf war ein beeindruckender Mann. Zwischen fatalistisch-makabren Überlegungen, Bestrahlung und Chemotherapie gelang es ihm tatsächlich, zwei Bücher zu verfassen, darunter der hochgelobte Jugendroman „Tschick“. Dieser entstand, weil Herrndorf die grundlegenden Prinzipien der Bücher seiner Jugend modernisieren wollte: Schnell verschwundene erwachsene Bezugspersonen, eine große Reise und ein großes Gewässer. Nun, das große Gewässer ergab mitten in Ostdeutschland wenig Sinn, aber der Rest ist in „Tschick“ durchaus zu finden.

Die Sommerferien sind in vollem Gange und der 14-jährige Maik Klingenberg hat nichts, aber auch gar nichts vor. Seine Mutter ist mal wieder in der Entzugsklinik, sein Vater mit seiner Assistentin auf Geschäftsreise. Maik sitzt vollkommen allein im Haus seiner Familie und bläst Trübsal. Er richtet sich gerade richtig schön im Selbstmitleid ein, als eines Tages ein blauer, verbeulter Lada vor seiner Tür hält und sein Mitschüler Tschick aussteigt. Tschick heißt eigentlich Andrej Tschichatschow und wohnt in einem Assi-Plattenbau in Hellersdorf. Keine Ahnung, wie der es aufs Gymnasium geschafft hat. Vielleicht Erpressung. Schließlich ist er Russe. Der Wagen ist natürlich geklaut. Und obwohl Maik eigentlich ein anständiger Junge ist, willigt er ein, mit Tschick einfach draufloszufahren. Quer über Deutschlands Landstraßen, durch verlassene oder vergessene Ortschaften, ein Abenteuer, das ihnen haufenweise Ärger einbrockt, ihnen aber auch den Sommer ihres Lebens beschert.

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Michael Schreckenberg – Der Finder

Deutsche Autor_innen zu recherchieren ist oft eine ermüdende Angelegenheit. Die schreibende Zunft unseres Landes scheint schüchtern zu sein: Websites sind schlicht und professionell gehalten, Wikipedia-Artikel enthalten kaum mehr als die Randdaten. Um etwas über die Persönlichkeit des Autors oder der Autorin herauszufinden, muss man mühsam mit der Lupe suchen. Nicht so Michael Schreckenberg. Der Autor des postapokalyptischen Romans „Der Finder“ ist freigiebig mit seinen Gedanken. Er führt einen Blog namens schreckenbergschreibt, in dem er über alles fachsimpelt, was ihn beschäftigt – häufig politische und gesellschaftliche Themen. Ich finde das großartig. Nicht nur schwingen wir in unseren Überzeugungen voll auf einer Wellenlänge, ich verstehe jetzt auch viel besser, wieso „Der Finder“ so und nicht anders genau diese Geschichte erzählt. Weiter so, Herr Schreckenberg! Die ganzen Likes sind übrigens von mir. 😉

Zuerst bemerken sie die Stille. Die gespenstische Abwesenheit menschlicher Geräusche. Dann begreifen ihre Augen, was ihre Ohren längst wissen: sie sind allein. Alle Menschen sind verschwunden. Ganz plötzlich, von heute auf morgen. Nur eine kleine Gruppe Hinterbliebener sammelt sich in Leverkusen. Sie sind keine Fremden. Sie kennen einander seit vielen Jahren. Sie entscheiden, zu überleben. Sie verlassen die Städte, ziehen ins Bergische Land und errichten eine neue, einfachere Zivilisation. Alle bringen sich ein, leisten, was sie können. Daniel ist der Finder ihrer Gemeinschaft. Es ist seine Aufgabe, zu finden, was übrigblieb. Nützliche Gegenstände, kleine Hoffnungsträger, andere Überlebende. Antworten. Doch seine einsamen Reisen sind nicht ungefährlich. Nacht für Nacht erwacht tief im Wald ein unsichtbares Übel mit bestialischem Geheul. Und es kommt näher…

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3 Kommentare

Verfasst von - 12. März 2019 in Dystopie, Rezension, Science-Fiction

 

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[Schlüpftag-Special] Wohltätigkeitsaktion: Tugenden für den guten Zweck

Hallo ihr Lieben! 🙂

Der 19. Dezember ist für mich ein Feiertag, denn der wortmagieblog hat Geburtstag! 🍾 2018 ist das ein besonderer Meilenstein, weil mein Blog dieses Jahr 5 Jahre alt wird. Ich habe das Gefühl, damit eine Schwelle zu überschreiten und endgültig sicher sein zu können, dass ich ihn weiterbetreiben werde. Ich denke, nach dieser langen Zeit besteht nun kein Risiko mehr, dass mir die Puste ausgeht und ich keine Lust mehr habe, Beiträge zu schreiben. Ich habe meinen Rhythmus und meine Stimme gefunden und befinde mich an einem Punkt, an dem ich mit meiner Identität als Bloggerin völlig im Reinen bin. Alles ist gut so wie es ist. Das fühlt sich unglaublich schön an. Irgendwie erwachsen. Der wortmagieblog ist jetzt groß.

Natürlich verdanke ich diese Entwicklung hauptsächlich euch. Ihr – meine Leser_innen, meine Follower_innen – gebt mir das Selbstbewusstsein, an mich und meine Arbeit hier zu glauben. Euretwegen erlaube ich meinen Gedanken, öffentlich gehört zu werden und in die weite Welt hinauszusegeln, weil ich dank eurem positiven Feedback davon überzeugt bin, dass sie es wert sind, dass ich etwas zu sagen habe. Ich weiß, ich erwähne das jedes Jahr, aber ich möchte noch einmal ganz deutlich betonen, dass ich ohne euch niemals so weit gekommen wäre. Ohne euch wäre der wortmagieblog niemals aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Ohne eure Resonanz hätte ich mich nicht auf diese wunderbare Reise zu mir selbst begeben und hätte niemals gelernt, wer ich eigentlich bin – als Leserin, als Bloggerin, als Mensch. Ihr haltet den wortmagieblog mindestens ebenso am Leben wie ich. Ich danke euch von ganzem Herzen. ❤️

Letztes Jahr habe ich anlässlich dieses Freudentags eine neue Geburtstagsaktion ins Leben gerufen. Da der Geburtstag des wortmagieblogs in die Weihnachtszeit fällt, habe ich die Gelegenheit genutzt, um eine Wohltätigkeitsaktion zu initiieren, um Spenden für den Straßenkinder e.V. zu sammeln. Eure Großzügigkeit und Selbstlosigkeit überwältigten mich. Einmal mehr habt ihr bewiesen, wie atemberaubend hilfsbereit die Blogger-Community ist. Die Aktion gefiel euch sehr, ich habe viel Lob erhalten und am Ende konnte ich eine Überweisung über 80€ an den Straßenkinder e.V. schicken. Deshalb habe ich beschlossen, dass aus der einmaligen Aktion eine jährliche Tradition werden soll.

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Verfasst von - 19. Dezember 2018 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Simon Strauß – Sieben Nächte

Simon Strauß wurde 1988 in die kulturelle Elite Deutschlands hineingeboren. Sein Vater ist der populäre Autor und Dramatiker Botho Strauß, seine Mutter die Moderatorin und Autorin Manuela Reichart. Er studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bereits während seines Studiums arbeitete er als freier Journalist für die Baseler Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, bei der er seit 2016 als Feuilleton-Redakteur im Theater-Ressort angestellt ist. 2017 veröffentlichte er seinen Debütroman „Sieben Nächte“ und löste damit eine hitzige Debatte aus. Das Buch unterstütze „die Agenda der Rechten“, wurde in der taz geurteilt. Als ich „Sieben Nächte“ zu lesen begann, wusste ich nichts von dessen Umstrittenheit. Ich wählte es aus, weil ich für eine Challenge ein Buch über die sieben Todsünden lesen sollte.

Sein 30. Geburtstag naht. 30 werden – bedeutet das nicht, erwachsen zu werden, erwachsene Entscheidungen zu treffen? Hausbau, Baumpflanzung, Familiengründung. Von den wilden Zeiten Abschied nehmen. Nur war er niemals wild. Er war niemals rebellisch. Sein Leben wird vorbei sein, bevor er jemals richtig lebte. Doch ein wenig Zeit bleibt ihm noch. Ein wenig Zeit, um alles nachzuholen. Er will seine letzte Chance nutzen, der Angst vor dem Erwachsenwerden ins Gesicht lachen. In sieben Nächten will er die sieben Todsünden begehen. Sieben Mal um sieben Uhr über die Stränge schlagen, habsüchtig, neidisch, wollüstig, hochmütig, träge, zornig und maßlos sein. Intensität spüren, bevor es zu spät ist. Bevor ihn die graue Gewohnheit einholt. Bevor er 30 wird.

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Verfasst von - 6. November 2018 in Biografie, Rezension

 

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Antonia Michaelis – Der Märchenerzähler

Recherchiere ich Autor_innen für meine Rezensionen, freue ich mich immer, wenn ich in ihren Biografien und Interviews etwas finde, das mich mit ihnen verbindet. Bei Antonia Michaelis ist der Kitt zwischen uns allerdings so unwahrscheinlich, dass ich mir ungläubig die Augen rieb. In einem Interview wurde sie gefragt, ob sie sich noch an das erste Buch erinnere, das sie je gelesen habe. Sie antwortete, das wäre mit 5 Jahren ein Buch über drei kitschige kleine Katzen gewesen, die mit einem Wollknäuel spielten. Ich kenne das Buch! Es war auch eins meiner Kinderbücher! Zugegeben, ich weiß nicht, ob wir dasselbe Buch meinen, aber mir gefällt die Vorstellung. Glücklicherweise ist „Drei Kätzchen“ kein Hinweis auf die Qualität von Michaelis‘ eigenen Büchern. Sie überzeugte mich mit „Die Worte der Weißen Königin“ – nun wollte ich sie mit „Der Märchenerzähler“ erneut auf die Probe stellen.

Auf dem Schulhof kursieren über den polnischen Kurzwarenhändler die wildesten Gerüchte. Er schwänzt die Schule. Er lebt in einem Plattenbau. Er verkauft Drogen. Für Anna war ihr schweigsamer Mitschüler kaum mehr als ein verschwommener Schemen am Rande ihrer Wahrnehmung. Bis zu dem Tag, an dem sie die Puppe findet. Plötzlich erhält der polnische Kurzwarenhändler einen Namen. Er heißt Abel Tannatek und verfügt über eine magische Stimme. Er ist ein Märchenerzähler, der sich rührend um seine kleine Schwester Micha kümmert, für die er wundervolle Geschichten erfindet. Schon bald ist Anna von ihm verzaubert und entdeckt Gefühle, die sie niemals für möglich gehalten hätte. Doch sie spürt auch, dass irgendetwas nicht stimmt. Das Märchen nimmt eine beängstigende Wendung. Welche finsteren Geheimnisse verbirgt Abel? Tiefer und tiefer versinkt Anna in einem undurchsichtigen Strudel von Fantasie und Realität und erkennt, dass das Märchen vielleicht kein Happy End haben kann…

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Bret Easton Ellis – American Psycho

„American Psycho“ von Bret Easton Ellis ist einer der weltweit umstrittensten Romane aller Zeiten. In Deutschland erschien das Buch 1991, 1995 setzte es die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index. Über 5 Jahre war es nicht frei erhältlich, bis der Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi) vor dem Oberverwaltungsgericht gegen die Indizierung klagte und gewann. In Australien und Neuseeland müssen Käufer_innen bis heute mindestens 18 Jahre alt sein. Ellis erhielt Morddrohungen, wurde massiv angefeindet und musste sich Misogynie und Sadismus unterstellen lassen. 27 Jahre später ist die Aufregung abgeebbt und „American Psycho“ hat seinen Weg in die Popkultur gefunden. Obwohl er ein Geschöpf der 80er Jahre ist, treffen die vom Protagonisten Patrick Bateman verkörperten gesellschaftlichen Entwicklungen den modernen Zeitgeist. Bateman ist eine Ikone, ein Halloween-Kostüm. Höchste Zeit, ihn kennenzulernen.

Patrick Bateman verbirgt sein wahres Gesicht nicht. Er hat es nicht nötig, sich zu verstecken. Perfekt in der belanglosen Unpersönlichkeit seiner Existenz eingerichtet frönt er seinen abscheulichen Neigungen, ohne fürchten zu müssen, entdeckt zu werden. Er mordet. Er foltert. Die dünne Fassade, die seinen Wahnsinn von seinem Leben als erfolgreicher Banker an der Wall Street trennt, reicht aus, um sein Umfeld zu täuschen. Geblendet von seinem makellosen Körper, seinem teuren Haarschnitt, seiner vollendeten Garderobe und dekadenten Restaurantbesuchen vermutet niemand, was Pat Bateman in Wahrheit ist: ein Schlächter, ein Psychopath. Niemand ahnt, dass sich mitten unter ihnen ein Monster in der Sicherheit der Anonymität eingegraben hat…

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Verfasst von - 30. Oktober 2018 in Horror, Rezension

 

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