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Paul Tremblay – A Head Full of Ghosts

Paul Tremblay bricht eine Lanze für modernen Horror. Im Essay „The H Word: The Politics of Horror” argumentiert er, dass Horror nicht reaktionär und konservativ sein muss, um erfolgreich zu sein. Er hält das Ende von „Der Exorzist“ für einen Fehlschlag, weil Regan und ihre Mutter nach dem schrecklichen Erlebnis der Besessenheit zu den konservativen Werten der Ausgangssituation zurückkehren – die beiden leben glücklich weiter, als wäre nie etwas geschehen. Tremblay diskutiert, dass diese Wiederherstellung des Status quo der Grund dafür ist, dass sich die wenigsten an die letzten Szenen erinnern, während sie Erbsensuppe mit völlig neuen Augen betrachten. Der horrende Charakter einer Geschichte sollte nicht allein durch singuläre Ereignisse entstehen, sondern durch das Wissen, dass nichts mehr so ist wie vorher. Auf dieser Theorie fußt Tremblays Roman „A Head Full of Ghosts“.

Zuerst waren es nur Kleinigkeiten. Marjorie verhielt sich merkwürdig. Nachts schlich sie in das Zimmer ihrer jüngeren Schwester Merry. Sie stahl ihre Kinderbücher. Sie malte unheimliche Bilder. Sie erzählte Merry gruselige Geschichten. Dann wurde es schlimmer. Ihre Eltern schickten Marjorie zu einem Arzt. Nachts schrie sie. Sie erzählte von Geistern in ihrem Kopf, die sie nicht schlafen ließen. Es wurde noch schlimmer. Zwei Wochen verbrachte Marjorie in einem Krankenhaus. Ihr Vater suchte Trost bei der Kirche und traf Vater Wanderly. Als Marjorie zurückkehrte und noch immer nicht sie selbst war, nahmen ihre verzweifelten Eltern die Hilfe des Priesters an. Wenig später zog ein Kamerateam in ihr Haus. Doch auch sie konnten Marjorie nicht helfen.
15 Jahre später erinnert sich Merry an die furchtbaren Monate, die ihre Familie zerstörten. Unterstützt von einer Autorin kehrt sie in das Haus ihrer Kindheit zurück, um herauszufinden, was sie als 8-Jährige nicht verstand: Was ist damals wirklich geschehen? War ihre Schwester besessen?

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3 Kommentare

Verfasst von - 28. Januar 2020 in Horror, Rezension

 

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Montagsfrage: Literarische Neuentdeckung des Jahres?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Puh, ich bin ganz schön erschöpft. Das höhere Arbeitspensum schlaucht mich ziemlich. Wie Anfang des Monats prophezeit habe ich wirklich das Gefühl, zu nichts mehr zu kommen und alle privaten Dinge zwischen Tür und Angel organisieren zu müssen. Zum Glück ist es nur noch diese Woche, dann normalisiert sich das Stresslevel langsam wieder, denn über Weihnachten habe ich frei und zwischen den Feiertagen sind es lediglich ein paar Schichten, die ich ableisten muss. Hoffentlich kann ich doch noch die eine oder andere Rezension fertigstellen, bevor das Jahr vorbei ist. Also, jetzt noch mal den Popo zusammenkneifen, Augen zu und durch, heute mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Welche_r Autor_in war deine literarische Neuentdeckung des Jahres?

Paul Tremblay. Das kann ich wie aus der Pistole geschossen antworten, denn mein allwissender Bauch projizierte seinen Namen in gigantischen roten Leuchtbuchstaben in meinen Kopf, als ich die Frage las. Ich habe 2019 noch mehr tolle Autor_innen kennengelernt, Becky Chambers und Riley Sager zum Beispiel, aber niemand beeindruckte mich so mühelos und nachdrücklich wie Paul Tremblay. Sein Horror-Roman „A Head Full of Ghosts“ hat beste Chancen, mein Jahreshighlight zu werden, weil es einfach ein brillantes Buch ist, das dem Genre eine Tiefe verleiht, die über simplen Grusel hinausgeht. Die psychologisch fundierte, vielschichtige und berührende Geschichte der fragwürdigen Besessenheit eines jungen Mädchens sprengt alle Erwartungen und Klischees, die ich mit dieser Form des Horrors assoziiere und öffnet völlig neue Perspektiven auf Motive, die spätestens seit dem Film „Der Exorzist“ bis zum Erbrechen reproduziert werden. Ich war von der Lektüre dermaßen geflasht, dass ich sofort alle weiteren Bücher des Autors auf meine Wunschliste gesetzt habe. Ich kann euch „A Head Full of Ghosts“ vehement empfehlen; glücklicherweise ist es auch auf Deutsch unter demselben Titel erschienen. Selbst wenn ihr sonst nicht für Horror-Literatur zu haben seid, weil ihr eher zu den Hasenfüßen zählt, ist dieses Buch eine Ausnahme wert, denn ich verspreche euch, die gruseligen Szenen sind nicht allzu heftig, plakativer Horror steht nicht im Vordergrund. Vielmehr geht es um die Tragödie einer Familie, die mein Herz packte und nicht mehr losließ. Lest es. Lernt Paul Tremblay kennen.

Welcher Autor oder welche Autorin war für euch DIE Entdeckung des Jahres 2019?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen angenehmen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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