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Veronica Roth – Insurgent

„Insurgent“

insurgent

Reihe: Divergent #2

Autor: Veronica Roth

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 529 Seiten

Verlag: Katherine Tegen Books

Sprache: Englisch

ISBN: 0062127845

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 16.04.2014

Bewertung:

Da ich die „Divergent“ – Trilogie als komplettes Boxset gekauft habe, war es für mich noch vor der Lektüre des ersten Bandes selbstverständlich, dass ich alle drei lesen werde. Der Auftakt „Divergent“ gefiel mir dann so gut, dass ich auch weiterlesen wollte, obwohl ich gedanklich ein bisschen mit dem Fraktionssystem zu kämpfen hatte. Bevor ich mit „Insurgent“ begann, warf ich einen Blick auf Goodreads, weil ich wusste, dass meine liebste Rezensentin zu dem zweiten Teil bereits eine Einschätzung veröffentlicht hatte. Was ich dort lesen musste, hat mich wirklich beunruhigt. Sie vergab für „Insurgent“ nur einen mickrigen Stern und schrieb von ihrer tiefsitzenden Enttäuschung. Ich konnte es nicht glauben, denn „Divergent“ hatte von ihr vier Sterne erhalten; ein solcher Abfall innerhalb einer Trilogie ist doch sehr ungewöhnlich. Ich gebe zu, ich widmete mich „Insurgent“ mit eher gemischten Gefühlen.

Nach dem Überfall der Erudite auf die Fraktion Abnegation mithilfe gedankengesteuerter Dauntless – Soldaten stehen die Zeichen im „Divergent“ – Universum nun auf Krieg. Tris und Tobias konnten zwar die Simulation beenden und die Mitglieder der Dauntless aus der Kontrolle von Jeanine Matthews befreien, doch die Ereignisse haben die Fraktion komplett gespalten. Darüber hinaus führt Jeanine ihren Feldzug gegen Abnegation und Divergents weiter; Tris und Tobias müssen Verbündete finden, um dem ein Ende zu setzen. Unglücklicherweise sind weder Amity noch Candor bereit, sich in den Konflikt einzumischen und so bleibt dem jungen Paar und ihren Mitstreitern nur eine Wahl: die Fraktionslosen. Diese Allianz birgt jedoch hohe Risiken, denn in einer Gesellschaft, die auf einem Fraktionssystem aufgebaut ist, haben diejenigen, die ohne Fraktion leben müssen, ganz eigene Vorstellungen von Veränderung…

Ich bin so froh, dass ich das Urteil besagter Goodreads – Rezensentin nicht bestätigen kann. Mir gefiel „Insurgent“ sehr gut, obwohl auch ich finde, dass der Roman ein wenig unter dem „Zweites – Buch – einer – Trilogie – Phänomen“ leidet. Ich empfinde es aber als normal, dass der zweite Band oft der schwächste ist, weil er zwischen den aufregenden Ereignissen zu Beginn und dem Finale überbrücken muss.
„Insurgent“ ist unruhiger als Band 1 und für eine Lektüre der Young Adult Literatur recht politisch, schließlich sind Tris und Tobias auf der Suche nach Verbündeten. Ich kann verstehen, dass einige LeserInnen davon abgeschreckt sein mögen, doch ich liebe es, auszuloten, wer wohl welche Interessen verfolgt und welche Partei wie weit zu gehen bereit ist.
Angesichts der Spannungen innerhalb der Gesellschaft in der „Divergent“ – Trilogie wunderte es mich nicht, dass Tris‘ und Tobias‘ Beziehung ins Wanken gerät. Sie distanzieren sich voneinander, kommunizieren nicht wirklich und streiten viel. Ich war in Streitsituationen meistens auf Tobias‘ Seite, weil Tris im zweiten Band nicht einfach zu ertragen ist, obwohl Veronica Roth die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt. Ich fühlte mich ihr sehr nah; ihr Kummer, ihre Trauer und Erschöpfung berührten mich, aber nach dem Tod ihrer Eltern und dem Tod ihres Freundes Will durch ihre eigene Hand entwickelt sie in „Insurgent“ so etwas wie eine Todessehnsucht. Sie sucht die Gefahr und ein Motiv, sich selbst opfern zu können für das große Ziel. Ihr Selbsterhaltungstrieb scheint völlig ausgeschaltet zu sein und das fand ich wirklich nervig. Ich hatte oft das Gefühl, Tris schütteln und anschreien zu wollen, um sie aufzuwecken. Meines Erachtens nach hat Veronica Roth Tris sich hier ein wenig zu sehr im Elend suhlen lassen, denn dadurch verhält sie sich in einem Großteil des Buches übertrieben heroisch; etwas weniger hätte es auch getan.
Ich bin absolut nicht zimperlich und begrüße es normalerweise sehr, wenn AutorInnen den Mut aufbringen, Figuren sterben zu lassen. Doch ganz ehrlich, in „Insurgent“ sterben sogar mir zu viele sympathische Charaktere. Veronica Roth schreibt immer wieder diejenigen aus der Geschichte heraus, mit denen Tris gerade eine Freundschaft begonnen hat und das finde ich einfach schade. Sie braucht Freunde neben Tobias; mir hätte es besser gefallen, hätte Roth auf ein bisschen Dramatik verzichtet und Tris stattdessen etwas Halt zugestanden.

„Insurgent“ fällt nach „Divergent“ ein wenig ab, das lässt sich nicht leugnen. Trotz actionreicher Handlung fehlt der große Knall, dafür wird den LeserInnen einiges politisches Taktieren geboten sowie ein Cliffhanger am Ende, der sich gewaschen hat. Die Erklärung der Dystopie allgemein und der Eigenschaft „divergent“ im Speziellen hebt sich Veronica Roth offenbar für den nächsten Band „Allegiant“ auf, was mir jedoch recht sein soll.
LeserInnen, denen „Divergent“ gut gefallen hat, sind meiner Meinung nach gut damit beraten, auch „Insurgent“ eine Chance zu geben, dabei aber im Hinterkopf zu behalten, dass es eben der zweite Band einer Trilogie ist.

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Veronica Roth – Divergent

„Divergent“

divergent

Reihe: Divergent #1

Autor: Veronica Roth

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 487 Seiten

Verlag: Katherine Tegen Books

Sprache: Englisch

ISBN: 0062024035

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 14.04.2014

Bewertung:

„Divergent“ ist der erste Band einer Dystopie – Trilogie, in deren Mittelpunkt die Jugendliche Beatrice / Tris steht. An ihrem 16. Geburtstag muss sie sich entscheiden, welche Werte ihr Leben in Zukunft bestimmen sollen. Dafür absolviert sie einen Test, der festlegen soll, mit welcher der fünf Fraktionen, in die die Gesellschaft unterteilt ist, sie am ehesten konform geht: Dauntless, Abnegation, Candor, Erudite oder Amity. Doch Tris‘ Testergebnis ist nicht eindeutig; es stellt sich heraus, dass sie „divergent“ ist. Sie wird davor gewarnt, dieses Resultat jemals jemandem mitzuteilen und entscheidet sich für einen Fraktionswechsel. Sie wird eine Initiantin der Dauntless und verlässt ihre Abnegation – Familie. In ihrer neuen Fraktion muss Tris nun drei Phasen der Initiation durchlaufen, an deren Ende sie entweder zu einem vollwertigen Mitglied wird oder fraktionslos ist. Während sie mit der Überwindung ihrer Ängste kämpft, findet sie heraus, dass hinter der Tatsache, dass sie „divergent“ ist, mehr steckt, als sie dachte. Ein gefährliches Geheimnis umringt diese Eigenschaft, das scheinbar mit den politischen Beziehungen zwischen den Fraktionen zusammenhängt. Tris versucht das Rätsel zu lösen und deckt dabei eine haarsträubende Intrige auf.

Was mir als Erstes in „Divergent“ auffiel, war, dass die Geschichte dieser Trilogie wohl von Anfang an auf mehrere Bände ausgelegt war. Veronica Roth lässt sich dementsprechend im ersten Band viel Zeit, bevor die Handlung wirklich Fahrt aufnimmt. In einem angenehm ruhigen Erzählstil vermittelt sie ihren LeserInnen erst einmal einen Eindruck von Tris‘ Charakter und den Umständen in den Fraktionen, wobei die Dauntless natürlich im Fokus stehen. Mir gefiel das sehr gut, obwohl es ein wenig Geduld und Vertrauen erfordert, für die ich meiner Meinung nach aber belohnt wurde, denn in der zweiten Hälfte des Buches steigt der Spannungsbogen rasant an.
Die Idee der Fraktionen an sich fand ich sehr interessant; ich habe jedoch eine Weile gebraucht, um eine Theorie zu entwickeln, die den Gedanken hinter diesem System möglicherweise erklären kann. Ich glaube, Veronica Roth wollte durch die Fraktionen verdeutlichen, wie sehr Menschen dazu neigen, zu kategorisieren und wie unsinnig diese Tendenz im Grunde ist, da Menschen oft viel facettenreicher und vielschichtiger sind, als dass ein System wie das des „Divergent“ – Universums es erfassen könnte. Dafür spricht unter anderem auch Tris‘ Entwicklung, denn sie erkennt im Laufe ihrer Erfahrungen bei den Dauntless, dass Mut, Intelligenz, Ehrlichkeit, Freundschaft und Selbstlosigkeit viel dichter bei einander liegen, als es ihr beigebracht wurde und dass keiner dieser Werte einen anderen ausschließt. Ihr eigener Status als „divergent“ ist in diesem Sinne eine Kritik am gesamten herrschenden Gesellschaftssystem in der Trilogie, denn sie führt den Anspruch der Kategorisierung ad absurdum. So sehr mir die Idee der Fraktionen gefällt, kritisieren muss ich trotzdem die Erklärung, warum diese sich überhaupt gebildet haben. Laut dieser ging es den Fraktionen darum, die eine Eigenschaft zu bekämpfen, die sie jeweils als Geißel der Menschheit ansehen. Bei Dauntless ist das beispielsweise Feigheit, bei Abnegation Egoismus. Das ist in meinen Augen unlogisch. Eine zwangsmäßige Arbeitsaufteilung, aus der sich fraktionstypische Werte entwickelt hätten, wäre wesentlich überzeugender. Insgesamt bin ich noch nicht zufrieden mit den Hintergründen von Roth‘ Dystopie. Bisher fehlt jegliche Erläuterung, wie es zu den aktuellen Umständen kam; ich bin jedoch zuversichtlich, dass diese noch folgt.
Bei „Divergent“ handelt es sich im Untergenre um einen Vertreter der Young Adult Literatur, es ist daher nicht verwunderlich, dass die Charaktere leicht stereotype Eigenschaften und Verhaltensweisen aufweisen. Ich finde jedoch, dass Roth sich erfolgreich bemüht hat, diese nicht zu klischeehaft werden zu lassen, indem sie sie mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert. Unvermeidlich war sicher auch die Liebesgeschichte zwischen Tris‘ und Four; ich muss hier aber gestehen, dass ich diese Form jugendlicher Romantik wirklich mag, weil sie so unschuldig und rein ist.

„Divergent“ ist meines Erachtens nach ein starker Start in eine spannende Dystopie – Trilogie, die neben bereits bekannten Elementen einige neue Ideen aufweist. Ich hoffe darauf, dass im Laufe der nächsten beiden Bände offene Fragen geklärt werden; vor allem, was es mit der Eigenschaft „divergent“ wirklich auf sich hat, denn bis jetzt erscheint mir Roth‘ Auslegung unvollständig.
Ich denke, „Divergent“ ist eine Lektüre für LeserInnen, die sowohl Dystopien als auch Young Adult Literatur mögen und ein wenig Geduld aufbringen können, da nicht alle losen Fäden sofort zusammen geführt werden.

(Nächster Band: Divergent #2 – „Insurgent“ – Veronica Roth – ISBN: 0007442912)

 
3 Kommentare

Verfasst von - 15. April 2014 in Dystopie, Science Fiction, Young Adult

 

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