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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute widmen wir uns dem letzten Abschnitt des Kapitels zu Roberts Vermächtnis und werden erfahren, wie der texanische Autor nach Jahrzehnten der Missverständnisse und Fehlinformationen endlich den Respekt erhielt, den er verdient. Es war ein harter Kampf, dem L. Sprague de Camp und die Etablierung des Conan-Franchise im Weg standen…

Mitte der 1970er Jahre verfügte L. Sprague de Camp über die vollständige, alleinige Kontrolle über Conan. Trotz eines Streits mit Glenn Lord über nicht gezahlte Tantiemen an Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris hielt sich dieser an ihre Vereinbarung und die damit beschlossene Arbeitsteilung. Wer plante, Conan-Material zu veröffentlichen, das sich nicht in der Public Domain befand, kam nicht an L. Sprague de Camp vorbei und dieser dachte nicht einmal im Traum daran, den Forderungen nach Roberts originalen Erzählungen nachzugeben. Er begriff sich selbst als die maßgebende Instanz in Sachen Conan, was er 1977 anhand zwei Ereignissen sehr deutlich machte. In diesem Jahr handelte der Fantasy-Autor und Conan-Purist Karl Edward Wagner einen Deal mit Glenn Lord aus, um die Conan-Geschichten, die in Weird Tales erschienen und nicht mehr urheberrechtlich geschützt waren, im Verlag Berkeley Books zu veröffentlichen. Die Bücher wurden um Essays ergänzt, die klar Partei für Robert bezogen und erklärten, dass seine Werke keiner Überarbeitung bedurften. Leider musste dieses Projekt unvollständig bleiben, denn L. Sprague de Camp weigerte sich, seine Zustimmung zur Veröffentlichung der originalen Geschichten zu geben, die seinem Urheberrecht unterlagen.

Im Januar 1977 wurde außerdem Conan Properties, Inc. gegründet. Diese Firma, die ab sofort offiziell alle Anfragen zu Conan verhandelte, war das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen L. Sprague de Camp und Glenn Lord, die darauf zurückzuführen war, dass de Camp sich übergangen fühlte. Mitte der 70er Jahre kamen die Filmproduzenten Edward Pressmann und Edward Summer auf Lord zu, weil sie die Filmrechte an Conan erwerben wollten. Lord begann, Gespräche mit ihnen im Namen von Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris zu führen und hätte diese vermutlich auch zu einem Abschluss gebracht, hätte de Camp nicht Wind davon bekommen und verlangt, dass Pressmann und Summer nicht mit Lord, sondern mit ihm reden müssten. Pressmann war genervt und wollte mit dem Konflikt der Männer nichts zu tun haben. Er bestand darauf, dass sie sich einigten, damit er fortan nur noch mit einer Person sprechen müsste. Die Gründung von Conan Properties, Inc. (CPI) war ein praktikabler Kompromiss, denn Lord und de Camp saßen beide im Vorstand. Nur wäre dieser Schritt gar nicht nötig gewesen, hätte sich de Camp nicht benachteiligt gefühlt. Über CPI kam der Verkauf der Filmrechte zustande; bis der Film fertiggestellt war, vergingen jedoch noch einige Jahre.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 1)

Wenn wir verstehen wollen, wie es passieren konnte, dass der literarische Conan eine popkulturelle Neuinterpretation erhielt, die dazu führte, dass die Figur heutzutage hauptsächlich mit Arnold Schwarzenegger assoziiert wird und nicht mit ihrem Schöpfer Robert E. Howard, müssen wir die Antwort im Umgang mit Roberts Vermächtnis nach seinem Tod suchen. Nachlassverwaltung und Rechteinhaberschaft gingen über Jahrzehnte durch viele Hände und nicht alle involvierten Parteien hatten tatsächlich die respektvolle Bewahrung von Roberts Andenken im Sinn. Es stellte sich heraus, dass sich speziell mit Conan eine Menge Geld verdienen ließ und einige nutzten seine Popularität aus, um die eigene Karriere voranzutreiben. Irgendwann überschatteten individuelle Deutungen und private, pseudofundierte Ansichten sowohl das Bild, das Robert von Conan gezeichnet hatte, als auch die Fakten, die über Robert als Person bekannt waren. Es dauerte lange, bis die vielen damals entstandenen Missverständnisse, Falschinformationen und Fehlinterpretationen soweit ausgeräumt und aufgearbeitet waren, dass eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit Robert und seinem Werk möglich wurde.

Doch ich möchte nicht vorgreifen. Beginnen wir am Anfang. Denn all die Irrungen und Wirrungen bezüglich seines Vermächtnisses nahmen bereits wenige Tage nach Roberts Tod ihren Lauf, weil sein Vater einen seiner letzten Wünsche nicht achtete.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 4 – Conan: Der texanische Barbar (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute schließen wir die theoretische Analyse der Conan-Geschichten ab. Gestern haben wir erfahren, dass Robert nach 12 Erzählungen eine Auszeit von Conan nahm und etwa sechs Monate später mit „The Devil in Iron“ wieder einstieg. Während dieses Abenteuer eher durchschnittlich ist, zeigte er mit der folgenden Geschichte „The People of the Black Circle“ abermals, dass er ein Meister der Action war…

Weird Tales Ausgabe vom September 1934, in der „The People of the Black Circle“ das Coverfeature war, illustriert von Margaret Brundage, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

„The People of the Black Circle“ war die erste Conan-Novelle und bietet eine komplexe, intelligente Handlung voller Action, Schwertkämpfe und auf Hypnose basierender Magie. Ich erinnere mich an einige epische Szenen. Conan, der zu einer Besprechung durch ein hochgelegenes Fenster erscheint, wutschnaubend und eindrucksvoll. Verfolgungsjagden zu Pferd. Eine sensationelle Belagerungsschlacht vor einem Berg. Wilde, gefährliche Magie. Robert E. Howard konzipierte „The People of the Black Circle“ sehr anschaulich und greifbar; er zeigt seinen Leser_innen, was passiert, statt sie darüber in Dialogen aufzuklären, wie er es zuvor oft tat. Dieser Unterschied ist spürbar und gestaltet die Lektüre rasant und nervenaufreibend. Die wichtigste Figur neben Conan ist Prinzessin Yasmina, die Schwester des Königs von Vendhya, der von den Hexern des Schwarzen Zirkels tödlich verflucht wurde. Yasmina schwört Rache und plant, Conan als ihr Werkzeug einzusetzen. Sie bietet ihm an, seine inhaftierten Männer freizulassen, wenn er dafür den Schwarzen Zirkel unschädlich macht. Wie zu erwarten war, ist Conan von diesem Erpressungsversuch nicht begeistert und entführt Yasmina kurzentschlossen durch das oben erwähnte Fenster (noch so eine epische Szene), um ebenfalls über ein Druckmittel zu verfügen. Die Entführung läuft allerdings nicht ganz wie angenommen, denn Yasmina ist alles andere als eine furchtsame, devote Maid. Sie gibt Conan Kontra, zankt mit ihm und als sie sich letztendlich zusammenraufen, weil sich ihre Interessen dann doch überschneiden, findet er in ihr eine kluge, unabhängige, einfallsreiche Frau, die mit allen Wassern gewaschen ist.

Zum zweiten Mal nach Bêlit versuchte Robert, eine weibliche Figur zu integrieren, deren Persönlichkeit nicht dem typischen Fräulein in Nöten entspricht. Obwohl Yasmina diese Rolle rein strukturell durchaus erfüllt, ist sie kein Opfer, sondern nimmt aktiv Einfluss auf die Handlung. Auch verfällt sie Conan nicht blindlings, wie so viele ihrer Vorgängerinnen. Sie fühlen sich zueinander hingezogen, aber Yasmina behält ihren gesunden Menschenverstand und vergisst niemals ihre Verantwortung gegenüber ihrem Heimatland. Sie ist eine Weiterentwicklung von Bêlit und hätte für Conan eventuell eine wunderbare Partnerin sein können, stünden sie nicht auf gegensätzlichen politischen Seiten. Es ist möglich, dass die Begegnung mit Novalyne Price 1933 Robert zu Yasminas Entwurf inspirierte, ich halte das jedoch für eher unwahrscheinlich, weil Robert meiner Ansicht nach erst spät mit aller Konsequenz aufging, dass Novalyne eine Frau und somit mögliche Partnerin war. Mark Finn konstatiert, dass es ebenso möglich ist, dass er die Nase voll vom Figurentyp des Fräuleins in Nöten hatte, denn er mochte die melodramatischen Romanzen in Westernfilmen nie und beschwerte sich in seiner Korrespondenz offen über die Rolle weiblicher Figuren in Seabury Quinns „Jules de Grandin“ – Geschichten. Diese Erklärung erscheint mir plausibler, weil Novalyne Price erst im Herbst 1934 nach Cross Plains zog und es – soweit ich weiß – nach ihrem ersten Treffen bis dahin keinen Kontakt zwischen ihr und Robert gab. Man sollte Novalynes Einfluss nicht überschätzen; Robert hatte durchaus auch ein eigenes Interesse an starken weiblichen Charakteren.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 4 – Conan: Der texanische Barbar (Teil 2)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Gestern wurden wir Zeug_innen von Conans Geburt und haben erfahren, dass Roberts Behauptung, der Barbar hätte seine Fantasie voll ausschattiert betreten, definitiv geflunkert war. Heute finden wir heraus, wie Conan Weird Tales eroberte, obwohl Farnsworth Wright zuerst nicht allzu begeistert von ihm war…

Antwortschreiben von Farnsworth Wright mit der Ablehnung von „The Frost-Giant’s Daughter“ und den Änderungswünschen an „The Phoenix on the Sword“, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Als Robert E. Howard im Sommer 1932 seine ersten drei Conan-Geschichten an Weird Tales schickte, lehnte Herausgeber Farnsworth Wright „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“ rundheraus ab. An „The Phoenix on the Sword“ verlangte er Änderungen, war aber grundsätzlich bereit, sie zu veröffentlichen. Nun, die Kundschaft ist König, also kam Robert Wrights Wünschen nach, statt auf seiner originalen Version zu bestehen. Das Positive an dieser Überarbeitung war, dass er nun bereits „The Hyborian Age“ konsultieren und einen Teil des darin enthaltenen Hintergrundwissens in „The Phoenix on the Sword“ aufnehmen konnte. Soweit ich es verstanden habe, integrierte er während dieser Überarbeitung auch den mittlerweile als ikonisch betrachteten Auszug aus den fiktiven „Nemedian Chronicles“ als Vorwort, in dem er seinen Leser_innen einen ersten Ausblick darauf gewährte, welchen epischen Helden sie kennenlernen würden:

„Hither came Conan, the Cimmerian, black-haired, sullen-eyed, sword in hand, a thief, a reaver, a slayer, with gigantic melancholies and gigantic mirth, to tread the jeweled thrones of the Earth under his sandaled feet.“

(„Hierher kam Conan, der Cimmerier, schwarzhaarig, mit mürrischen Augen, Schwert in der Hand, ein Dieb, ein Plünderer, ein Mörder, mit gigantischer Melancholie und gigantischer Fröhlichkeit, um die juwelenbesetzten Throne der Erde mit seinen in Sandalen gehüllte Füßen zu betreten.“)

(Howard, Robert E.: The Conan Chronicles Volume 2: The Hour of the Dragon. London: Gollancz, 2001. Seite 295)

Die Änderungen zahlten sich aus, Wright akzeptierte und veröffentlichte „The Phoenix on the Sword“ im Dezember 1932.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 4 – Conan: Der texanische Barbar (Teil 1)

Der große Tag ist gekommen. Wir haben uns endlich zum Herz dieser Beitragsreihe vorgearbeitet. Ab heute beschäftigen wir uns mit Conan, Robert E. Howards berühmtester Schöpfung. Seinetwegen lernte ich Robert E. Howard kennen. Die Kurzgeschichten um den wehrhaften, legendären Cimmerier werden heute von so vielen Autor_innen als Inspiration und Einfluss angegeben, dass ich einfach wissen wollte, wie das bitte mit meinem damaligen Bild von Arnold Schwarzenegger im Lendenschurz zusammenpasste. Ich habe gelernt, dass es überhaupt nicht zusammenpasst. Diese Erkenntnis ist der Grund, warum es diese äußerst umfangreiche Beitragsreihe gibt.

Conan der Cimmerier – oder Conan der Barbar, ein Titel, den er Weird Tales – Herausgeber Farnsworth Wright verdankt – ist eine literarische Figur, die in den beinahe 90 Jahren seit ihrer Entstehung in einem Ausmaß das Opfer popkultureller Verklärung wurde, das kaum vorstellbar und vergleichbar ist. Fragt man heute jemanden nach Conan, erinnert sich diese Person höchstwahrscheinlich an den jungen, aufstrebenden Schauspieler und Bodybuilder aus Österreich, dessen damals stark akzentuiertes Englisch dank der wenigen Dialoge im Film „Conan der Barbar“ von 1982 kein Hindernis war. Alternativ erinnert sie sich vielleicht an Comics, Cartoons und Spiele (Brettspiele, Rollenspiele, Computerspiele) oder an die Neuverfilmung von 2011 mit Jason Momoa in der berühmten Hauptrolle. Kaum jemand weiß, dass Conan ein Star der Pulp – Literatur der 1930er Jahre war und der kreative Texaner, der gerade einmal 30 Jahre alt wurde, ist als sein Schöpfer beinahe ganz in Vergessenheit geraten. Ich betrachte es als meine Aufgabe, dieser ungerechten Entwicklung entgegenzuwirken. Gerade weil Conan immensen Einfluss auf das popkulturelle Bild des Barbaren und auf zahlreiche Autor_innen hat, verdient Robert E. Howard die Anerkennung, die sich daraus ergibt. Darum habe ich dieses Projekt auf die Beine gestellt. Ehre, wem Ehre gebührt.

In diesem Kapitel zu Conan werden wir uns mit mehreren Unterpunkten auseinandersetzen. Wir werden uns einen Überblick über seine Entstehung und Veröffentlichungsgeschichte verschaffen und einige Kurzgeschichten auseinandernehmen, um zu erörtern, wie Robert E. Howard die Themen, die ihn stets beschäftigten, im Kontext dieser Fantasy-Reihe verarbeitete. Danach werde ich von meinen persönlichen Erfahrungen mit Conan im Rahmen einer Rezension zu den beiden Sammelbänden, die ich gelesen habe, berichten. Im nächsten Kapitel werden wir uns Robert E. Howards Vermächtnis ansehen, in dem Conan eine Sonderrolle einnimmt. Abschließend werde ich euch mit einer Conan-Leseanleitung hoffentlich klüger in die Welt entlassen. So sieht der weitere Fahrplan dieser langen Reise aus; ich hoffe, ihr habt Lust und seid gewappnet, tief in die Dimension des berühmtesten Barbaren der Literaturgeschichte einzutauchen.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 4)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Letzte Woche haben wir bereits ein recht breites Spektrum von Roberts Fiktion abgedeckt. Heute müssten wir eigentlich mit Conan starten. Robert E. Howard entwickelte seine Figur 1932 und schrieb die ersten drei Geschichten um den eindrucksvollen Cimmerier. Doch da Conan das Herzstück dieses Projekts ist und eine gesonderte Analyse erhält, gönnen wir uns den Luxus, seine Existenz vorerst zu ignorieren und komplett zu überspringen. Stattdessen möchte ich euch heute zu Beginn eine andere Figur vorstellen, die Robert ebenfalls etwa 1932 entwarf und für deren Schicksal er sich im hyborischen Zeitalter bediente, die fiktive, sagenumwobene Epoche, in der Conan seine Abenteuer erlebt.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Gestern haben wir über Roberts Anfänge als Pulp-Schriftsteller sowie die Geburt von König Kull und Solomon Kane gesprochen und herausgefunden, dass ihm realistische Fiktion nicht lag. Heute analysieren wir seine erste erfolgreiche Serienfigur, seine historische Fiktion und seine Ausflüge ins Horror-Genre, die von seiner Freundschaft zu H.P. Lovecraft inspiriert waren.

1928 bemühte sich Robert E. Howard zusätzlich zu seinen Solomon Kane – Geschichten und seinen misslungenen Experimenten in der realistischen Fiktion, in dem neu gegründeten Box-Pulp Fight Stories veröffentlicht zu werden. Es ist nicht bekannt, wie viele Box-Geschichten er in diesem Jahr schrieb, sicher ist lediglich, dass es mindestens drei waren, von denen er aber nur eine verkaufen konnte. „The Spirit of Tom Molyneaux“ erzählt von dem afroamerikanischen Schwergewichtsboxer „Ace“ Jessel, der im Kampf seines Lebens gegen einen gewissen „Man-Killer“ Gomez antreten muss. Ace droht, zu verlieren, bis er in seiner Ecke des Rings den Geist des legendären Boxers und ehemaligen Sklaven Thomas Molyneaux erblickt. Sein Idol verleiht ihm neue Kraft und neuen Mut – den Ausgang des Kampfes könnt ihr euch sicher denken. Diese Geschichte veranschaulicht, wie Robert das Cross-Genre einsetzte, um sich mit einem neuen Thema vertraut zu machen und seine Erfolgschancen auf dem Pulp-Markt zu maximieren. Er nannte es „splashing the field“: er visierte ein bestimmtes Genre-Pulp an, verwendete allerdings auch Elemente eines anderen Genres, mit dem er sich besser auskannte, um seine Erzählung notfalls einem anderen Magazin anbieten zu können. Diese gezielte Taktik ist dafür verantwortlich, dass viele seiner Werke schwer zu kategorisieren sind. „The Spirit of Tom Molyneaux“ wollte er an Fight Stories verkaufen, da er jedoch noch nicht wusste, was beim Herausgeber ankam, integrierte er Elemente des Übernatürlichen, in dem er ja quasi schon ein alter Hase war. Tatsächlich lehnte Fight Stories „The Spirit of Tom Molyneaux” ab, Ghost Stories nahm sie hingegen an und veröffentlichte sie im April 1929 unter dem Titel „The Apparition in the Prize Ring“.

Fight Stories vom Juli 1929. In dieser Ausgabe erschien „The Pit of the Serpent“, Robert E. Howard wurde aber noch nicht auf dem Cover genannt. © Galactic Central

Trotz einiger Anläufe dauerte es nicht lange, bis Robert Fight Stories knackte. Sein Siegesfeldzug mit Box-Geschichten, die ihm erstmals ein regelmäßiges Einkommen garantierten, begann im Frühjahr 1929 mit „The Pit of the Serpent“. Diese Erzählung stellte den Leser_innen von Fight Stories den Seemann und Boxchampion Steve Costigan vor, der sich schnell zu einer permanenten Serienfigur entwickelte. Costigan ist ein Iron Man, der mehr einstecken kann, als gut für ihn ist, groß und stark, aber nicht besonders klug. Er bereist auf dem Frachter Sea Girl die (exotischen) Häfen der Welt und boxt dort unter amüsanten Umständen gegen seine Kontrahenten. Robert hatte zur humoristischen Fiktion zurückgefunden und endlich eine Formel entdeckt, die funktionierte.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 3 – Mythenschmiede nach Texas-Art (Teil 2)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute gehen wir in die Vollen; wir beschäftigen uns mit Roberts ersten Geschichten und den ersten bedeutenden Figuren, die er entwickelte.

Bevor Robert E. Howard davon träumen konnte, die Literatur zu revolutionieren, musste er sich erst einmal einen Namen machen. Diesen langen, steinigen Weg begann er mit zwei Genres, die ihn sein Leben lang begleiteten: historische Fiktion und lustige Western im Stil der Tall Tales.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 5)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem großen Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Nachdem wir gestern erfahren haben, dass Robert sich zwar einen Namen als erfolgreicher Schriftsteller machen konnte, in der Liebe aber kein Glück hatte, betrachten wir heute den letzten Abschnitt seines kurzen Lebens, das er am 11. Juni 1936 im Alter von 30 Jahren selbst beendete. Sein Suizid kam keineswegs überraschend…

Für uns wirkt es rückblickend, als habe der nahende Tod seiner Mutter Robert E. Howard in eine Depression gestürzt. Mark Finn argumentiert, dass die Anzeichen für eine langanhaltende neurotisch-depressive Störung schon sehr viel früher präsent waren. Seit seiner Kindheit bis in seine späten Teenagerjahre oder frühen Zwanziger hinein hatte Robert Schwierigkeiten mit Albträumen und schlafwandelte. Schlafwandeln ist ein Symptom von Stress, das bei Kindern häufig auftritt, wenn sie mit traumatischen Erfahrungen fertig zu werden versuchen. Dazu können unter anderem Umzüge zählen, aber auch Konfrontationen mit Gewalt oder unsichere Lebensumstände. Robert erlebte all diese Faktoren. Der Ölboom, der Beruf seines Vaters und die ständigen Umzüge hatten zweifellos Einfluss auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit, ebenso wie die viele Zeit, die er allein mit seiner kranken Mutter verbrachte.

Robert E. Howard mit seinen Eltern (späte 1920er oder frühe 1930er Jahre), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Ich habe eingangs erklärt, dass Robert ein sehr enges Verhältnis zu Hester hatte. Was normalerweise positiv gedeutet wird, entwickelte sich in seinem Fall zu einer ungesunden, teilweisen Umkehr der Rollenverteilung in seiner Familie. Robert sorgte für seine Mutter, er kümmerte sich um sie und pflegte sie bereits sehr früh in seiner Biografie. Hester genoss seine Fürsorge. Von ihrem abwesenden Ehemann bekam sie sie ja nicht. Sie vermittelte Robert entweder direkt oder indirekt, dass sie von ihm abhängig war, was dazu führte, dass Robert sich ihr verpflichtet fühlte. Mit diesem Druckmittel in der Hand übte sie ein hohes Maß an Kontrolle über ihn aus. Sie verbot ihm Aktivitäten, die sie für gefährlich hielt, zum Beispiel durfte er als Junge nicht Football spielen und Alkohol war ebenfalls tabu. Er rebellierte durch das Boxen und indem er selbst Bier braute, aber da war es längst zu spät. Alles, was ihn seinen Altersgenossen nähergebracht hätte, verbannte Hester aus seinem Leben. Stichwort Novalyne. Auch sie hätte Hester am liebsten entfernt. Sein Vater intervenierte soweit wir wissen niemals zu seinen Gunsten und beteiligte sich stattdessen daran, seinen Sohn zu gängeln und immer tiefer in die Rolle hineinzudrängen, die er als Junge übernommen hatte.

Isaac akzeptierte Roberts Berufswahl als Schriftsteller erst spät. Es existiert ein Brief vom September 1931, in dem Robert andeutete, ein Literaturstudium sei ihm verboten worden. Es ist nicht bekannt, ob Isaac es grundheraus ablehnte, für eine künstlerische Ausbildung zu zahlen, aber angesichts der Bedeutung, die er den monetären Aspekten von Roberts Karriere beimaß, ist diese Vermutung nicht allzu weit hergeholt. Er wollte, dass Robert Geld verdiente und ließ sich erst davon überzeugen, dass dies mit der Schriftstellerei möglich war, als regelmäßig Schecks eintrafen. Obwohl ich finde, dass sein Wunsch einer soliden wirtschaftlichen Grundlage für Robert prinzipiell legitim ist, verbergen sich darin drei problematische Punkte, die diesen unterlaufen.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 4)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem großen Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute werden wir uns einem tragischen Abschnitt in Roberts Leben stellen…

Ist euch aufgefallen, dass ein Thema in dieser biografischen Abhandlung bisher verdächtig abwesend war? Richtig. Romantische Partnerschaften. Robert E. Howard hatte in seinem kurzen Leben lediglich eine Beziehung. Als Teenager schrieb er einige ironisch-humoristische Gedichte, die darauf hinweisen, dass ihn das weibliche Geschlecht mental durchaus beschäftigte. Diese Texte zeigen aber auch, dass er Mädchen gegenüber unsicher und – das ist meine persönliche Interpretation – irgendwie misstrauisch war. Sie lesen sich, als habe er Frauen tatsächlich als Wesen eines anderen Planeten wahrgenommen, nicht gewusst, wie er mit ihnen umgehen oder sich ihnen nähern sollte und als wäre er auch nicht sonderlich daran interessiert gewesen. In seinen späteren Geschichten finden wir Frauen vor allem in zwei Rollen: entweder, sie sind typische Damen in Nöten, leicht (oder gar nicht) bekleidet und hilflos, oder sie sind feurige Kriegerinnen. Dazwischen gibt es nicht viel, weshalb ich es schwierig finde, aus diesen extremen, gegensätzlichen Beispielen seine persönliche Einstellung Frauen gegenüber abzuleiten. Er war ein Südstaatler, der von seiner Mutter in Südstaatenmanier erzogen wurde, das heißt, er war bestimmt darauf gedrillt, Frauen respektvoll, höflich und als Kavalier zu behandeln, aber ob er sich nach einer romantischen Beziehung sehnte, kann man nur vermuten. Fakt ist, er ließ außer seiner Mutter nur eine einzige Frau nahe an sich heran: Novalyne Price.

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