RSS

Schlagwort-Archive: Cory Doctorow

Montagsfrage: Unverhofft reich?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich mach es heute kurz. Ich habe an diesem Feiertag noch ein bisschen was vor, also folgt jetzt die Antwort auf die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja und dann widme ich mich dem Tagesgeschäft. 😉

Unverhofft reich – welches Buch ist euch nur durch Zufall in die Hand gefallen und entpuppte sich als großartig?

Da fällt mir „Little Brother“ von Cory Doctorow ein. Diesen Jugendroman habe ich auf dem Mängelexemplar-Grabbeltisch einer Buchhhandlung entdeckt und mitgenommen. Lange, bevor ich begann, eine Wunschliste zu schreiben und nur noch danach zu kaufen. Mensch, das muss schon mehr als 5 Jahre her sein. Jedenfalls fand ich das Buch fantastisch. Es ist intelligent und sensibilisiert deutlich für Themen wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Überwachung und Sicherheit innerhalb sowie außerhalb des Internets. Doctorow erklärt bestimmte Mechanismen der Programmierung so, dass sie auch jeder Laie verstehen kann. Die Handlung ist spannend, absolut vorstellbar und heute aktueller denn je. Ich kann es wirklich von ganzem Herzen empfehlen, weshalb ich euch Cover und Klappentext herausgesucht habe.

Little BrotherMarcus, alias «w1n5t0n», ist 17, smart und ein begeisterter Gamer. Als Terroristen die Oakland Bay Bridge in San Francisco in die Luft sprengen, befinden er und seine Freunde sich zur falschen Zeit am falschen Ort. Agenten der Sicherheitsbehörde halten sie für verdächtig und verschleppen sie auf eine geheime Insel, wo sie tagelang verhört, schikaniert und gedemütigt werden. Als Marcus freikommt, hat sich San Francisco in einen Überwachungsstaat verwandelt. Jeder Bürger – ein potentieller Terrorist; Menschenrechte – zweitrangig; Freiheit – ein «Sicherheitsrisiko».
Marcus und seine Freunde können nicht akzeptieren, was geschehen ist – und beschließen, sich zu wehren. Mit Hilfe subversiver neuer Medien organisieren sie sich zu einer «Gamer-Guerilla». Ihr Plan: Sabotage der staatlichen Überwachung. Ihre Waffen: die Zukunftstechnologien. Ihr Ziel: der Sturz der Regierung.

Welches Buch entpuppte sich für euch als unverhoffter Schatz?

Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten; vielleicht entdecke ich beim Stöbern ja noch die eine oder andere brauchbare Empfehlung! 😉
Ich freue mich außerdem wie immer auf eure Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Cory Doctorow – Little Brother: Homeland

„Little Brother: Homeland“

little-brother-homeland-074427041

Reihe: Little Brother #2

Originaltitel: Little Brother: Homeland

Autor: Cory Doctorow

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 480 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453268830

Genre: Thriller > Young Adult & Realistische Fiktion > Politik

ausgelesen am: 26.04.2014

Bewertung:

Meine erste literarische Begegnung mit dem Autor Cory Doctorow war einer dieser Zufälle im Leben, für die man im Nachhinein sehr dankbar ist. Sein Roman „Little Brother“ fiel mir auf einem Grabbeltisch einer großen deutschen Buchhandlungskette in die Hände; ich klopfe mir bis heute selbst dafür auf die Schulter, dass ich mir ab und zu die Zeit nehme, solche Tische mit preisreduzierten Büchern systematisch stapelweise durchzusehen.
Cory Doctorow schreibt sehr moderne Romane, die sich eingängig und nachvollziehbar mit Themen wie Datenschutz, Netzsicherheit und Privatsphäre beschäftigen. In „Little Brother“ zeigt er, wie schnell sich eine Stadt in einen Überwachungsstaat verwandeln kann und dass es nur beherzte Individuen wie Marcus Yallow braucht, um sich dagegen zu wehren. „Little Brother: Homeland“ ist nun die Fortsetzung von Marcus‘ Geschichte.

Zwei Jahre nach den Ereignissen in San Francisco, die Marcus Yallow zu einer Berühmtheit in der Hackerszene gemacht haben, sieht das Leben des jungen Computerspezialisten weniger rosig aus als erwartet: er musste sein Studium abbrechen, findet einfach keinen Job und auch seine Eltern sind arbeitslos geworden. Trotzdem fährt er gemeinsam mit seiner Freundin Ange auf das Burning Man Festival. Es ist dieses Festival mitten in der Wüste, das seine Existenz sogleich verbessert als auch verkompliziert: zwar wird ihm endlich ein Job als Webmaster bei einem unabhängigen Kandidaten für die Senatorenwahl anboten; doch trifft er dort auch Masha wieder, die ihm einen USB – Stick mit hochsensiblen Regierungsdaten übergibt. Marcus muss nun entscheiden, was er mit den Daten anstellt; veröffentlicht er sie, riskiert er damit erneut seine Sicherheit und gleichzeitig seine neue Anstellung. Während er noch darüber grübelt, wie er die Wahrheit ans Licht bringen kann, ohne selbst abermals ins Fadenkreuz der Regierung zu geraten, wird ihm die Entscheidung abgenommen: sein Laptop und das Netzwerk, in dem er die Daten aufarbeiten wollte, werden gehackt und Unbekannte stellen die Informationen für jeden sichtbar ins Internet. Die Lage spitzt sich dramatisch zu und Marcus muss wieder einmal einen Ausweg aus einer Situation finden, in der ihm sowohl die Regierung als auch wirtschaftliche Unternehmen auf den Fersen sind.

Ich bewundere Cory Doctorow zutiefst für seine Fähigkeit, komplizierte technische Vorgänge so zu erklären, dass sie im Grunde auch ein Laie verstehen kann. Er weckt in mir das Interesse und die Neugier für Programmierung und Hacking; er macht mich darauf aufmerksam, dass ich noch viel mehr für meine eigene Sicherheit im Netz tun kann und er vermittelt mir eine Ahnung davon, wie und wo ich anfangen kann, meine Kenntnisse zu erweitern. „Homeland“ führt den Aufruf des ersten Bandes „Little Brother“ nahtlos fort, sich für ein freies und offenes Netz einzusetzen. Der gesamte Roman strotzt nur so vor intelligenter Kritik an Regierung und Wirtschaft und demaskiert das amerikanische System schonungslos. In einer Zeit, in der wir uns in Deutschland mit den Veröffentlichungen des Whistleblowers Edward Snowden und dem daraus resultierenden NSA – Skandal auseinander setzen müssen, verdeutlicht Cory Doctorow scharfsinnig, dass die Datensammelwut von Regierungen und Unternehmen das Symptom eines wesentlich größeren Problems ist. Wir müssen Einschnitte in unsere Privatsphäre nicht kommentarlos hinnehmen, wir können uns wehren. Diese Botschaft wird durch Doctorows äußerst sympathischen und lebensechten Protagonisten übertragen; Marcus ist eine wunderbar ausgearbeitete, runde Figur. Glaubhaft lässt der Autor ihn zwischen seinem Gewissen und seinen Ängsten stehen; er hadert mit der immensen Verantwortung, die er unfreiwillig trägt.
Darüber hinaus haben mich die Ausmaße der beschriebenen Demonstrationen regelrecht mitgerissen; ich bekam eine Gänsehaut, als ich mir vorstellte, wie es sein muss, mit hunderttausenden von Menschen gemeinsam für das gleiche Ziel auf die Straße zu gehen. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass ich das eines Tages selbst erleben darf.

„Little Brother: Homeland“ bekommt von mir ohne zu zögern fünf Sterne, weil der Roman mich wirklich berührt und auch beeinflusst hat. Es kommt nicht oft vor, dass ein Buch bleibende Spuren bei mir hinterlässt, die über simplen Unterhaltungswert hinausgehen, doch Cory Doctorows Thriller hat es geschafft. In meinen Augen ist es ein wichtiges Werk, das den Zeitgeist zielsicher erfasst und für die aktuellen Problematiken unserer modernen Gesellschaft sensibilisiert.
Ich möchte sowohl „Homeland“ als auch den Vorgänger „Little Brother“ allen meinen LeserInnen ans Herz legen, auch denjenigen, die mit Hardware und Software eigentlich nichts am Hut haben. Beide Romane sind tolle Einsteigerwerke in die faszinierende Welt der Programmierung, die von Cory Doctorow anhand einer spannenden und mitreißenden Handlung leicht verständlich dargestellt wird.

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: