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Katie Coyle – Vivian versus America

2015-11-21 - Coyle Vivian versus America

Die Rezension zu „Vivian versus America“ habe ich lange aufgeschoben. Anfangs habe ich andere Buchbesprechungen vorgezogen, weil ich gegen Ende des Jahres erst die Bücher abhaken wollte, die ich mir für Challenges anrechnen konnte. Als das erledigt war, wollte ich mich der Fortsetzung von „Vivian versus the Apocalypse“ widmen, musste jedoch feststellen, dass dieses Vorhaben schwerer war als gedacht. Ich kam nicht voran, ja, fand nicht mal einen Ansatzpunkt. Ich beschloss, es nicht zu erzwingen und rezensierte weiterhin Bücher, die ich nach „Vivian versus America“ gelesen habe. Zwischenzeitlich spielte ich sogar mit dem Gedanken, die Rezension unter den Tisch fallen zu lassen. Glücklicherweise verbietet mir das allerdings meine Blogger-Ehre, weswegen ihr nun doch noch ein paar Gedanken zu diesem widerspenstigen Buch vor Augen habt.

Vivian hat sich entschieden. Für ihre Freunde, gegen ihre Familie. Gestrandet in San Francisco müssen Harp und sie sich nun einen aussichtsreichen Plan einfallen lassen, um Peter zu finden. Peter, der sich opferte, damit Harp und Viv der Church of America entkommen konnten. Im Idealfall konnte er ebenfalls fliehen, im schlimmsten Fall… daran möchte Vivian nicht einmal denken. Doch noch bevor sie auch nur die Stadt verlassen können, geraten die beiden Freundinnen erneut in Gefahr. Die Church of America hat ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt und fahndet nach ihnen. Zu brisant ist das, was sie herausgefunden haben. Augenblicklich macht das ganze Land Jagd auf sie. Als sich die Situation zuspitzt und Viv und Harp keinen Ausweg mehr sehen, erhalten sie jedoch aus überraschender Richtung Hilfe. Vielleicht ist noch nicht alles verloren. Vielleicht wird Vivian Peter retten. Und vielleicht wird sie Amerika die Augen öffnen.

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Katie Coyle – Vivian versus the Apocalypse

„Vivian versus the Apocalypse“

Vivian versus the Apokalypse

Reihe: Vivian Apple #1

Autor: Katie Coyle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 288

Verlag: Hot Key Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1471402177

Genre: Philosophie & Religion & Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 08.04.2015

Bewertung:

„Vivian versus the Apocalypse“ habe ich dem Rolling Stone zu verdanken. Genauer gesagt, der Young Adult Bestenliste des Rolling Stone. Ohne diese Zusammenstellung fabelhafter Jugendbücher wäre ich wohl nicht darauf gestoßen, denn ich hatte weder vom Buch selbst noch von der Autorin Katie Coyle vorher gehört. Die Entstehungsgeschichte des Buches erscheint mir ein bisschen wie ein Märchen: eine junge Amerikanerin voller Zukunftsängste bewirbt sich aufgrund eines Posts auf Neil Gaimans tumblr-Seite auf den Young Writers Prize des britischen Verlags Hot Key Books. Sie sendet eine Kurzgeschichte ein, die schon seit Jahren in ihrer Schublade lag; von der sie aber wusste, dass ihr Wesen viel größer ist, als ein paar Seiten erfassen könnten. Aus der Kurzgeschichte strickte sie einen ganzen Roman – und gewann. So kam es, dass eine amerikanische Autorin in Großbritannien ihr Debüt veröffentliche, das inhaltlich so amerikanisch ist wie Apple Pie.

Vivian Apple glaubte nie an die Lehren der Church of America. Selbst dann nicht, als ihre Eltern konvertierten. Sie glaubte nicht daran, dass Gott Amerika aufgegeben habe und auch nicht, dass die Rapture – die Entzückung – kurz bevor stehe, die alle wahren Gläubigen in den Himmel erheben würde, während Zweifler und Sünder auf ewig verdammt auf der Erde zurück bleiben würden. Vivian glaubte nicht. Bis sie am Morgen der Rapture von einer Party heim kommt und das Haus leer vorfindet. Ihre Eltern sind verschwunden und alles, was blieb, sind zwei Löcher in der Decke ihres Schlafzimmers. Plötzlich ist sie eine Waise. Doch sind ihre Eltern tatsächlich aufgestiegen? Was steckt wirklich hinter der Church of America? Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Harp und dem warmherzigen Peter wagt Vivian einen Roadtrip quer durch Amerika, auf der Suche nach der letzten Familie, die sie noch hat und auf der Suche nach der Wahrheit.

Ich finde, „Vivian versus the Apocalypse“ steht zurecht auf der YA-Bestenliste des Rolling Stone. Es überzeugte mich voll und ganz. Katie Coyle bewies mit diesem Roman einen kritischen, unvoreingenommenen Blick auf die amerikanische Seele, den ich in dieser Art bisher noch nicht erleben durfte. Ihre Auseinandersetzung mit dem amerikanischem Glauben durch die Church of America ist nicht nur äußerst differenziert, sondern auch überaus ehrlich. Es ist, als hätte sie – selbst US-Bürgerin – sich zwei entscheidende Fragen gestellt. Wie glauben wir? Wie ist das amerikanische Christentum charakterisiert? Möchte man „Vivian versus the Apocalypse“ als eine Antwort auf diese Fragen verstehen, kann diese nur lauten: kapitalorientiert, heuchlerisch und größenwahnsinnig. Nach den Lehren der Church of America sind die Amerikaner Gottes besondere Lieblinge und der Kapitalismus die einzig wahre Art, ihn zu ehren. Dass diese Ansichten nur schwer mit dem ursprünglichen christlichen Glauben vereinbar sind, spielt keine Rolle, denn passend zum neuen Glauben gibt es auch einen neuen Propheten, der eine neue Bibel geschrieben hat: Beaton Frick. Nahezu das ganze Land huldigt ihm und verteidigt seine Dogmen verbissen und notfalls mit Gewalt, vom Präsidenten bis zu den Eltern der Protagonistin und Ich-Erzählerin Vivian Apple. Die LeserInnen lernen Vivians Eltern (fast) nicht persönlich kennen, doch durch Vivians Erzählungen und durch die Wahrheiten, die sie im Laufe der Geschichte aufdeckt, erhielt ich trotzdem einen Eindruck ihrer Beziehung. Ich empfand diese als seltsam, weil es sich für mich anfühlte, als hätte Vivian nie richtig dazu gehört. Normalerweise sollte eine Familie eine Einheit bilden, aber im Fall der Apples konnte ich keine besondere emotionale Bindung der Eltern zu ihrem Kind erkennen; als wäre Vivian eher ein Eindringling in ihre Beziehung, als hätten sie sie nie wirklich hineingelassen. Im Nachhinein erklärte diese seltsame Beziehung ihre Entscheidung, sich ganz dem Frick’schen Glauben hinzugeben und ihre Tochter bewusst allein zurückzulassen. So negativ diese Erfahrung für Vivian war, war sie vermutlich doch das Beste, was ihr als Persönlichkeit passieren konnte. Nicht nur entwickelt sie sich während des Roadtrips unglaublich und wächst wahrhaft über sich hinaus, sie erkennt auch, was eine Familie eigentlich ausmacht: für einander da zu sein.

„Vivian versus the Apocalypse“ hat mir sehr gut gefallen, denn die Autorin Katie Coyle stellt sich darin unerschrocken den ganz großen Fragen des Lebens. Es ist gefühlsbetont, spannend und nachdenklich; zeigt, was fehlgeleiteter Glaube anrichten kann und betont, wie wichtig es ist, selbst herauszufinden, was es bedeutet, ein guter Mensch zu sein und nicht blind den Doktrinen anderer zu folgen. Trotz einiger actionreicher Szenen ist dieser Roman im Großen und Ganzen sanft und ruhig; Coyle schreibt nicht überhastet, sondern setzt auf leises, aber bedeutungsvolles Erkennen. Ihre mutige Protagonistin Vivian ist eine Art moderner Prometheus, bestrebt, den Amerikanern die Wahrheit zu offenbaren. Ihre Reise ist mit diesem Buch allerdings noch nicht abgeschlossen – es gibt einen zweiten Band „Vivian versus America“, den ich nun auch auf jeden Fall lesen möchte.
Ich denke, dass „Vivian versus the Apocalypse“ von LeserInnen jeder Altersklasse gelesen werden kann, obwohl es ein YA-Roman ist. Glaube, Liebe, Familie – das sind Themen, die uns alle beschäftigen, unabhängig vom Alter.

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Vivian versus the Apocalypse“ (Vivian Apple #1) von Katie Coyle und befinde mich auf Seite 150 von 288.

Vivian versus the Apokalypse

„What happens to those who are Left Behind?

Vivian Apple never believed in the Church of America – unlike her fanatical parents. And as for theso-called impending ‚Rapture‘, she knew she’d believe that when she saw it. But then Vivian wakes one day to a New World, and all that’s left of her parents are two empty spaces. The Believers have been taken, it seems. And for those left behind, the world is a desolate and eerie place. All Vivian has now are her memories and her volatile friend Harp.

Faced with society on the brink of collapse, Vivian and Harp embark on a journey across America, in search of any family they have left, and determined to expose the truth about the Rapture. Three thousand miles through floods, fog and heat waves, Harp and Vivian and a boy with the bluest and the kindest heart are driving on to their future.

But will this be a coming-of-age road trip with no return?“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„In the morning, Peter returns our keys in the motel lobby and grabs a map of Keystone for the four of us to study.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich mag das Buch wirklich sehr, allein schon, weil die Idee einfach ein Knaller ist. Wie wäre das wohl, wenn ich zu meinen Eltern fahren würde und sie wären verschwunden? Wenn alles, was ich vorfände, zwei Löcher in der Decke wären?
Von der ganzen ‚Rapture‘-Geschichte bin ich allerdings nicht überzeugt. Vivian ja auch nicht wirklich. So, wie Katie Coyle die Church of America darstellt, ist es ihnen durchaus zuzutrauen, dass die verschwundenen Menschen ein einziger riesiger PR-Gag sind, um neue Mitglieder zu werben und ihren Einfluss auszuweiten, vermutlich vor allem wirtschaftlich.
Ich kann verstehen, dass Vivian sich nicht dazu überreden konnte, ihren Quatsch zu glauben, nicht mal, als ihre Eltern noch da waren. Christentum, wie es sicher vielen Amerikanern gefällt: ultra-konservativ, nur der Kapitalismus kann keine Sünde sein. Den wollte Gott so, weil es die amerikanische Art ist, Gott zu ehren. Klar. In „Vivian versus the Apocalypse“ erlebt man als LeserIn hautnah mit, was passieren kann, wenn die Kirche zu großen Einfluss auf den Staat hat und wie schnell und bereitwillig die Menschen andere verurteilen, wenn sie glauben, dadurch sich selbst retten zu können. Die Grenze zum Hardliner ist vielleicht schmaler, als ich dachte.
Vivian selbst ist eine sympathische Protagonistin, die sich vor dem Verschwinden ihrer Eltern hauptsächlich dadurch auszeichnete, dass sie so gewöhnlich war. Sie war ein ganz normales Mädchen und wäre in der Zeit vor der Church of America ohne Zweifel als gute, brave Tochter bezeichnet worden. Die neue Glaubensrichtung erhöhte die Ansprüche und für Vivian muss es unbekanntes, neues Terrain gewesen sein, ihren Eltern nicht zu folgen, nicht zu konvertieren und somit nicht ihrem Willen zu entsprechen. Eine erste Rebellion, ein erster Akt der Emanzipation. Und ich verstehe sie voll und ganz. Sie sagt selbst, sie war immer „gut“. Sie war eine gute Tochter, eine gute Schülerin, hatte die richtigen Freundinnen, trieb sich nicht mit Jungs umher, feierte niemals wilde Partys. Warum hätte sie zur Church of America konvertieren sollen? Warum hätte sie sich um ihr Seelenheil Sorgen machen sollen? Dann plötzlich erschien jemand auf der Bildfläche, der behauptete, „gut“ zu sein reiche noch nicht. Und plötzlich glaubten das auch ihre Eltern und sagten ihr, dass sie sich ernsthafte Sorgen um sie machen. Obwohl sie ihnen dazu niemals einen Anlass bot. Wenn man aus dem Innersten heraus überzeugt ist, immer alles richtig gemacht zu haben (im Großen und Ganzen) und sich niemals etwas zu Schulden kommen ließ, warum sollte man dann jemandem glauben, der behauptet, das sei nicht gut genug? Ich kann das absolut nachvollziehen. Vivian hat nie etwas getan, das eine Bestrafung (in welcher Form auch immer) rechtfertigen würde. Es gibt keinen Grund, warum Gott sie nicht auch zu sich holen sollte. Mich bestärkt das nur in meiner Meinung, dass die gesamte ‚Rapture‘-Sache eine dicke fette Lüge ist.
Ich bin sehr gespannt, wohin Katie Coyle mich noch zu führen gedenkt mit ihrer Geschichte und kann es kaum erwarten, herauszufinden, ob ich mit meiner Intuition bezüglich Church of America und ‚Rapture‘ tatsächlich richtig liege. 😉
Das Cover könnte übrigens zu den schönsten meines Jahres gehören. Ich liebe dieses Foto! 😀

4. Nenne 5 Adjektive, die dein aktuelles Buch beschreiben. Wenn du dir jetzt diese Eigenschaften anschaust: würdest du gerne mit jemandem befreundet sein, auf den diese charakterlich zutreffen? (Wenn du erst am Anfang bist, dann nimm Adjektive, was du vom Buch erwartest)

Okay, fünf also… *grübelgrübelgrübel*

  1. scheinheilig – So empfinde ich die Church of America.
  2. mutig – Das ist Vivians Reise durch das ganze Land mit ungewissem Ziel.
  3. ironisch – Vivian ist selbstironisch, das Buch ist ironisch in Bezug auf die amerikanische (Glaubens-) Kultur.
  4. fordernd – Vivians Freundschaft mit Harp ist nicht ganz einfach, bringt sie aber dazu, Neues auszuprobieren und sich mehr zuzutrauen.
  5. philosophisch/tiefgründig – Ich finde, Katie Coyle behandelt sehr grundlegende Themen wie die Menschheit an sich, Glauben bzw. Religion und deren Beziehung zu einander.

Bis auf das erste Adjektiv „scheinheilig“ sind das alles eigentlich ziemlich positive Eigenschaften. Bei einem Menschen… ich weiß nicht so recht, ob ich mit so jemandem befreundet sein wollte, weil ich denke, mit fünf Eigenschaften ist ein Mensch noch lange nicht charakterisiert. Und falls doch, könnte es auch sein, dass mich eine dieser Eigenschaften bei diesem speziellen Menschen fürchterlich nervt.
Angenommen, „philosophisch“ äußert sich so, dass die Person nicht in der Lage ist, mir Fragen normal zu beantworten, sondern immer erst herum philosophiert, wie ich meine Frage gemeint habe, aus welchen unterschiedlichen Perspektiven man sie beantworten könnte, usw. Das würde mich irre machen, obwohl ich philosophische Gespräche durchaus sehr anregend und inspirierend finde. Manchmal will man eben nur „Ja“ oder „Nein“ hören. 😉
Mit einem scheinheiligen Menschen würde ich mich generell eher schwer tun, weil das meist auch bedeutet, dass diese Personen nicht ehrlich zu sich selbst sind.
Letztendlich käme es wohl auf die Mischung an; wie die fünf genannten Eigenschaften mit den anderen Charakterzügen eines Menschen interagieren und in welchem Maß sie sich bemerkbar machen. 🙂

Was lest ihr im Moment? Wie würdet ihr eure aktuelle Lektüre charakterisieren?

Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare! Ich für meinen Teil gehe mich jetzt durch die anderen Gemeinsam Lesen – Beiträge schnüffeln! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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