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John Green – The Fault in Our Stars

Kann ich irgendetwas über „The Fault in Our Stars“ von John Green schreiben, das noch nicht geschrieben wurde? Ich glaube nicht. Ich glaube auch nicht, dass ich euch erklären muss, um welches Buch es sich handelt. Spätestens beim deutschen Titel „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (übrigens eine furchtbare Variante, schließlich ist der Originaltitel ein Shakespeare-Zitat) sollten in euren Köpfen alle Glocken laut klingeln. Also dachte ich mir, lassen wir die Einleitung doch einfach wegfallen. Ersparen wir mir ausnahmsweise die Recherche von Trivia, die sowieso jede_r nachlesen kann und kommen direkt zum Eingemachten. Denn das hat es dieses Mal so richtig in sich, das verspreche ich euch.

Hazel tanzt Tango mit dem Tod. Das war schon immer so. Seit in ihrer Kindheit der Krebs diagnostiziert wurde, der sie langsam von innen auffrisst, besteht ihre Hauptaufgabe im Überleben. Ein Wunder verschaffte ihr bereits mehr Lebenszeit, als ihre ursprüngliche Prognose versprach, doch Schule, Freunde und alles, was für andere 16-Jährige wichtig ist, hat für Hazel kaum Priorität. Erst, als sie in ihrer Selbsthilfegruppe den umwerfenden Augustus Waters kennenlernt, ändern sich ihre Prioritäten schlagartig und sie begreift, dass sie todkrank sein mag – aber noch längst nicht tot.

Okay. Dies wird vermutlich die persönlichste Rezension, die ich seit langer Zeit geschrieben habe. Formal handelt es sich um eine Besprechung von „The Fault in Our Stars“ von John Green. In Wahrheit ist es jedoch eher ein emotionales Resümee meiner Leseerfahrung. In Wahrheit ist es eine Geschichte meiner Trauer.

Einige von euch erinnern sich wahrscheinlich, dass meine Hündin Chilli am 24. September 2019 gestorben ist. Dieses Erlebnis war das Schlimmste, das mir bisher in meinem Leben widerfahren ist. Sie gehen zu lassen, war das Schwerste, das ich je tun musste. Chilli war der Mittelpunkt meines Universums. Sie war mein Sonnenschein, mein Ein und Alles, mein Grund, jeden Morgen aufzustehen. Als sie starb, hinterließ sie einen Krater in meinem Herzen, der so gewaltig ist, dass die Ränder erst jetzt, ein halbes Jahr später, beginnen, zu verschorfen und langsam zu heilen. Ich vermisse sie schrecklich. Es vergeht kein Tag und beinahe keine Nacht, ohne dass ich an sie denke oder von ihr träume.

Ich wusste ungefähr, was mich erwartet, als ich „The Fault in Our Stars“ aus dem Regal zog. Ich wusste, dass es ein Bestseller ist, gehypt wie kaum ein anderes Buch und dass es um eine krebskranke Jugendliche geht, die sich unsterblich verliebt. Meine Entscheidung, den Roman genau jetzt zu lesen, war eher impulsiv und nicht wohldurchdacht. Primär dachte ich, dass es ein guter Zeitpunkt sei, weil ich für die Motto-Challenge im März Verkaufsschlager lesen sollte, also Bücher, um die ein Hype besteht, die sich als Bestseller qualifizieren oder die von Autor_innen verfasst wurden, die als populär gelten. Man nenne mir ein Buch, das besser zu diesen Anforderungen passt als „The Fault in Our Stars“. Außerdem plante ich, mit der Lektüre meine Lesestatistik aufzupolieren, denn für meine Verhältnisse ist es mit etwas mehr als 300 Seiten recht schmal und Jugendliteratur liest sich in der Mehrheit der Fälle ja fix und flüssig. Ich war überrascht, wie sehr sich mein Bauch trotz dieser rationalen Gründe auf das Buch freute – ich hatte es eigentlich nur gekauft, weil es auf meiner Liste der modernen Klassiker stand, nicht, weil ich mich tatsächlich danach sehnte, die gehypte Geschichte kennenzulernen.

Es gab eine Zeit in meiner Lesekarriere, in der ich häufig zu sogenannter Erfahrungsliteratur griff. Berichte psychisch kranker Menschen, Krebstagebücher, die Erlebnisse von Menschen, die in die Fänge diverser Sekten gerieten, die Schilderungen misshandelter Kinder und Frauen – ich las sie alle. Ich denke, ich lechzte damals nach einer Öffnung meines Horizonts, ohne dass ich das in diesen Jahren hätte ausformulieren können. Irgendwann fühlte ich mich gesättigt und distanzierte mich wieder von diesen Büchern. Auf gewisse Weise waren sie ja doch alle gleich und die ständigen Angriffe auf mein Herz begannen, ihren Effekt zu verlieren. Ich stumpfte ab und hatte keine Lust mehr auf deprimierende, reale Geschichten. Seitdem mache ich um diese Form der Literatur meist einen großen Bogen. Ich verbannte die Krebstagebücher, die Berichte extremer Lebensumstände und Schicksalsschläge in eine entfernte Ecke meines Bücherhirns, die ich nur selten mental besuche. Obwohl es rein fiktiv ist, befand sich auch „The Fault in Our Stars“ in dieser eingestaubten Ecke, als ich es auswählte.

Ich bin kein besonders sentimentaler Mensch. Ich breche nicht bei jeder Kleinigkeit in Tränen aus. Ich bin nicht kaltherzig, aber es bedarf schon besonderer literarischer Momente, um meine emotional schützende Mauer zu überwinden. Beschreibungen von Krankheiten reichen dafür normalerweise nicht aus, weil ich seit meiner Geburt in meiner Familie mit den Auswirkungen gesundheitlicher Hürden konfrontiert bin. Ich wurde dazu erzogen, Krankheiten als das zu akzeptieren, was sie sind, zu tun, was nötig und möglich ist und nicht zu verzweifeln, egal, wie düster die Aussichten sind. Hysterie ist nicht hilfreich, nicht produktiv. Schwer krank zu sein ist – entschuldigt die Umgangssprache – scheiße, aber ich lernte, dass es gar nichts bringt, sich im Selbstmitleid zu suhlen und sich davon lähmen zu lassen. Das heißt allerdings nicht, dass ich alle Gefühle, die damit einhergehen, wie Zorn, Trauer und Hoffnungslosigkeit, nicht als legitim anerkenne.

Als Chilli krank wurde und ich zwei Monate lang zusehen musste, wie es ihr von Tag zu Tag schlechter ging, ohne ihr helfen zu können, habe ich all diese Empfindungen selbst erlebt. Ich habe geweint, ich bin innerlich mit jeder weiteren schlechten Nachricht aufs Neue zerbrochen. Aber ich bin immer wieder aufgestanden. Ich habe zusammengekehrt, was von mir übrig war, habe mir ein Lächeln ins Gesicht geklatscht und habe weiter gemacht. Ich schreibe das nicht, um Lob oder Bewunderung zu ernten, ich will lediglich erklären, wie ich mit Krankheiten umgehe. Sie verdiente es, dass ich an sie glaube. Ich durfte sie nicht sehen lassen, wie sehr mich ihre Erkrankung und ihre desaströse Prognose aus dem Gleichgewicht brachten. Sie brauchte mich an ihrer Seite bei diesem Kampf, sie brauchte ihre Mama, die mutig und stark für sie ist, sie beschützt und sie daran erinnert, dass es sich lohnt, zu kämpfen, egal wie weh es tut oder wie anstrengend es ist. Sie brauchte einen Champion und genau das war ich für sie, weil meine Verzweiflung uns beide nur handlungsunfähig gemacht hätte, hätte ich sie die Oberhand gewinnen lassen.

Deshalb fühlte ich mich für „The Fault in Our Stars“ hervorragend gewappnet. Mehr noch, ich glaubte vor der Lektüre nicht daran, dass mich dieses Buch, das ich aus der vernachlässigten „Erfahrungen“-Ecke meines Bücherhirns hervorkramte, berühren könnte. Ich vertraute auf meine Mauer. Ich befürchtete sogar, dass ich es unerträglich kitschig finden würde. Ich war nicht auf die entwaffnende Ehrlichkeit von „The Fault in Our Stars“ vorbereitet; ich war nicht darauf vorbereitet, wie tief es mich bewegen würde. Vielleicht hätte es das auch nicht geschafft. Vielleicht wäre meine Mauer funktional und intakt geblieben. Vielleicht. Wäre Chilli nicht im September gestorben.

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe“ oder „kurze Zusammenfassung“. Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp“ kann ich nicht dienen – wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

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Verfasst von - 14. Januar 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Fröhliche Weihnachten!

Ihr Lieben,

ich wünsche euch wunderbare, besinnliche und stressfreie Weihnachten! Verbringt einen denkwürdigen Tag in den Armen eurer Liebsten, haltet inne und genießt die einzigartige Atmosphäre, die das Fest der Liebe in euren Herzen erweckt.

Für mich ist es das erste Weihnachten ohne Chilli. Zum ersten Mal darf ich ihr nicht dabei zusehen, wie sie voller Begeisterung und unter Einsatz ihrer Zähne Geschenke auspackt. Ich konnte ihr keinen Adventskalender besorgen. Es wird kein Weihnachtsgassi am Heiligabend geben. Ich weiß noch nicht, wie ich mich deswegen fühle. Ich kann nicht leugnen, dass Weihnachten dieses Jahr viel von seinem Zauber verloren hat. Der Lieblingsmensch und ich haben uns angestrengt, trotzdem Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, haben geschmückt, Plätzchen gebacken und Weihnachtsfilme geschaut und ja, das waren Momente, die ich sehr genossen habe. Dennoch reichte ein Blick, um mich daran zu erinnern, dass Chilli fehlt. Ein leerer Platz, der niemandem gehört.

Ich weiß, dass sie nicht wollen würde, dass ich traurig bin. Sie würde wollen, dass ich Weihnachten feiere und der Liebe mein Herz öffne. Nur ist meine Liebe für sie noch immer mit diesem übermächtigen Gefühl von Verlust, von Trauer verbunden und daran zu denken, wie ihre Augen strahlten, wenn wir sie zu Weihnachten mit Leckereien und Geschenken verwöhnten, schmerzt. Ich möchte aber auch nicht auf diese bittersüßen Erinnerungen verzichten. Es ist kompliziert.

Vielleicht muss ich damit leben, dass Weihnachten 2019 für mich ein bisschen weniger hell leuchtet. Alles ist gedämpfter, etwas trüber und eher nachdenklich als fröhlich. Vielleicht ist es allerdings auch die ideale Zeit, dem Universum für die wundervollen Jahre zu danken, die mir mit ihr vergönnt waren. Eine Zeit, um in mich zu gehen und mich sanft in meine Liebe für sie zu hüllen, sie zu schätzen und zu teilen. Vielleicht sollten wir alle denen gedenken, die nicht mehr unter uns sind.

In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr den Geist von Weihnachten lebendig haltet. Nicht nur die fröhliche, grelle Seite dieses Festes, sondern auch die ruhigere, etwas dunklere Seite, die uns vor Augen führt, dass wir dankbar sein sollten für all das, was wir haben. Sendet einen Gruß ins Jenseits, schenkt einem Fremden ein Lächeln, vergebt einen alten Groll. Seid selbstlos und großzügig.

Und erinnert euch an Chilli. Schickt ihr einen Gedanken in den Hundehimmel, damit sie weiß, dass sie niemals vergessen wird.

Ich vermisse dich furchtbar meine Prinzessin. Weihnachten ohne dich ist nur ein Schatten dessen, was es einmal war. Aber die bedingungslose Liebe, die du jeden Tag gelebt hast, soll mir ein Vorbild sein, besonders heute. Du warst meine Heldin und wirst es immer sein. Frohe Weihnachten mein Schatz.

Frohe Weihnachten auch für euch ihr Lieben. Ich umarme euch alle voller Wärme und Herzlichkeit.

🎅 🕯 🎄 Alles Liebe von mir und dem Lieblingsmenschen 🎄 🕯 🎅

 
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Verfasst von - 24. Dezember 2019 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Montagsfrage: Druckfrisch, aber enttäuschend?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, habe ich gerade erst „Blood & Thunder: The Life and Art of Robert E. Howard“ von Mark Finn ausgelesen. Dabei handelt es sich um eine analytische Biografie des Autors, dessen berühmtestes Werk die Geschichten um den Barbaren bzw. Cimmerier Conan sind. Ich habe die Lektüre natürlich in Vorbereitung meiner geplanten Conan-Aktionswoche ausgewählt. Ich hatte mir überlegt, einen schönen, gradlinigen Beitrag zum Leben von Robert E. Howard zu verfassen, der euch den Schöpfer des berüchtigten Barbaren etwas näherbringt. Tja, so einfach wird das nicht. Howards Leben war kompliziert und wurde von vielen Faktoren bestimmt, die ich theoretisch alle erklären müsste, um euch verständlich zu machen, was für ein Mann er war und inwiefern seine Erfahrungen sein Werk beeinflussten. Ich werde die Organisation und Struktur meiner Aktionswoche überdenken müssen. Ich zweifle ernsthaft daran, dass ich dieses Projekt 2019 vollenden kann. Es wird deutlich mehr Arbeit, als ich angenommen hatte und ich habe ja noch ein paar andere Beitragsideen, die ich dieses Jahr gern realisieren würde. Vielleicht muss Conan warten, bis ich diese harte Nuss geknackt und die beste Herangehensweise an das Thema aufgedeckt habe. Vielleicht müsst ihr euch etwas länger gedulden.
Bezüglich der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise müsst ihr hingegen keine Geduld aufbringen, diese beantworte ich heute wie immer zum Start in die neue Woche.

Gab es dieses Jahr eine von dir erwartete Neuerscheinung, die dich enttäuscht hat?

Nein. Ich bin stolz, verkünden zu können: Neuerscheinungen haben keine Macht über mich. Oder sehr selten. Ich kaufe Bücher fast ausschließlich gebraucht und so gut wie nie direkt zum Erscheinungstermin. Das liegt nicht daran, dass ich grundsätzlich geizig wäre, obwohl der finanzielle Aspekt bei den Ausmaßen meines Literaturkonsums natürlich eine Rolle spielt. Ich habe einfach irgendwann gelernt, mich in Geduld zu üben. Es gibt sehr wenige Bücher, die ich unbedingt pünktlich zur Veröffentlichung haben muss und noch weniger, die ich dann auch sofort lesen möchte. Es hat sich rausgestellt, dass selbst die paar Werke, die ich zum Beispiel vorbestellt habe, oft auf meinem SuB landen. Wenn das ohnehin der Fall ist, kann ich ja auch darauf warten, dass sie günstig gebraucht zu haben sind, oder nicht?

Dieses Jahr habe ich bisher keine einzige echte Neuerscheinung gelesen. Jedes Buch war entweder längst erschienen oder lag mindestens einige Monate auf meinem SuB, bevor ich es ausgewählt habe. 2019 habe ich auch vergleichsweise wenig Bücher gekauft, was tatsächlich finanzielle Gründe hat. Im Juli ist Chilli krank geworden. Ihre Behandlung hat Unsummen gefressen. Das war mir im Endeffekt völlig gleichgültig, ich hätte meinen letzten Cent gegeben und mich nur noch von Tütensuppen ernährt, wäre sie dafür wieder gesund geworden. Im September musste ich sie auf ihre letzte Reise schicken. Glaubt mir, Sterben ist keine preiswerte Angelegenheit. Die Klinik wollte bezahlt werden, ihr ambulanter Tierarzt, der sie einschläferte, ebenfalls und die Einzelkremierung, die es mir ermöglichte, ihre Asche zu verstreuen und sie frei zu lassen, war bei ihrer Größe und ihrem Gewicht auch kein Schnäppchen. Danach war es mir wichtiger, so schnell wie möglich die Aschekette zu kaufen, die ich jetzt jeden Tag trage, nur zum Schlafen, Duschen und Sport abnehme und die einen winzigen Teil ihrer Asche enthält. Bücher haben dieses Jahr einfach keine Priorität, deshalb habe ich mein Kaufverhalten seit Juli auf Null heruntergefahren. Letzte Woche habe ich zum ersten Mal wieder beim Gebrauchthändler meines Vertrauens gestöbert, aber nichts entdeckt, das ich unbedingt haben wollte. Ich kaufe Bücher nicht um des Kaufens willen.

Nächsten Monat erwarte ich hingegen eine Neuerscheinung, die ich vor Monaten vorbestellt habe: den letzten Band der „Gods of Blood and Powder“-Trilogie von Brian McClellan, „Blood of Empire“. Amazon behauptet, dass es am 13.12. hier eintreffen wird. Dieses Buch werde ich dann voraussichtlich wirklich sofort lesen, denn ich freue mich sehr darauf und brauche es für Challenge-Aufgaben. Da ich die Geschichte bereits kenne und von den Vorgängern begeistert war, mache ich mir allerdings keine Sorgen, dass es mich enttäuschen könnte. Dafür müsste Brian McClellan schon großen Mist bauen und das halte ich für mehr als unwahrscheinlich.

Wurdet ihr 2019 von einer Neuerscheinung enttäuscht?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sorgenfreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Stille

Hallo ihr Lieben.

Gestern Abend gegen 19:40 Uhr hat meine Hündin Chilli den Kampf gegen ihre Erkrankung aufgegeben. Sie ist friedlich zu Hause und in den Armen ihrer Familie eingeschlafen. Es ging sehr schnell, sie hat nicht mehr gelitten. Sie hat darauf gewartet, gehen zu dürfen. Sie wollte nicht mehr kämpfen. Sie wurde 12 Jahre, 4 Monate und 10 Tage alt und war das Beste, was mir passieren konnte. Sie war alles für mich.

Chilli war das tapferste, mutigste, liebenswerteste, ehrlichste und selbstloseste Lebewesen, das ich je kennenlernen durfte. Sie war eine Heldin. Sie war ein Geschenk. Sie hat jeden meiner Tage besser gemacht, hat mich zum Lachen gebracht und die Sonne ein bisschen heller strahlen lassen. Sie war eine wunderschöne Seele, ein Teil von mir und die beste Gefährtin, die ich mir hätte wünschen können. Ich liebe sie.

Mein Herz ist zerbrochen. Sie fehlt mir. Ich würde alles dafür geben, sie noch einmal zu umarmen, ihre Öhrchen zu kraulen und in ihre ausdrucksstarken, kastanienbraunen Augen sehen zu können, aus denen so viel Liebe sprach. Aber es war richtig, sie gehen zu lassen. Sie konnte nicht mehr. Sie hat gekämpft wie eine Löwin, war unfassbar stark und hatte es verdient, selbst zu entscheiden, wann es genug war. Am Ende konnte sie nicht mehr laufen, nicht mehr essen, sich nicht mehr freuen und hatte keine Kontrolle mehr über ihren Verdauungstrakt. Es war genug. Sie hatte Recht. Es war Zeit.

Gestern war der schwärzeste Tag meines Lebens. Heute ist der erste Tag meines Lebens ohne Chilli. Ich muss lernen, ohne sie zurechtzukommen. Das bin ich ihr schuldig. Ich bin froh, dass ich mich von ihr verabschieden konnte und sie sich nicht still und heimlich davongestohlen hat. Ihr Körper wird dem Feuer überantwortet und dann kommt sie noch einmal zu mir zurück. Ich werde ihre Asche verstreuen, in unserem Park, an dem Ort, wo sie stets am glücklichsten war. Ich ertrage den Gedanken nicht, sie unter der Erde einzusperren. Sie soll frei sein.

Dieser Verlust ist die härteste Prüfung, die ich mir vorstellen kann. Aber ich werde es schaffen. Für sie. Und eines Tages werden wir uns wiedersehen. Sie wartet auf mich. Das weiß ich. Sie ist nur schon einmal vorgegangen. Wie sie es immer tut.
Irgendwann wird es nicht mehr so weh tun. Irgendwann werden die Tränen versiegen. Bis dahin regiert hier die Stille. Denn Stille spricht, wenn Worte es nicht können.

Gute Reise mein Schatz. ❤️

 

 

 
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Verfasst von - 25. September 2019 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Keine Montagsfrage, dafür ernste Worte

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute (und nächste Woche) gibt es keine Montagsfrage. Antonia von Lauter&Leise ist im Stress und da muss man Prioritäten setzen. Ich kann das aktuell sehr gut verstehen. Deshalb verfasse ich jetzt trotzdem einen Beitrag, denn ich möchte auf meinem Blog Transparenz gewährleisten. Ich hatte sehr gehofft, dass ich das Thema Chilli diese Woche nicht ansprechen muss, aber die Situation spitzt sich mehr und mehr zu. Puh. Tief durchatmen. Augen zu und durch.

Es ist schlimmer denn je. Wir mussten letzte Woche das Schmerzmittel Tramadol absetzen, weil sich herausgestellt hat, dass Chilli davon schwindlig wird. Jetzt schleichen wir stattdessen gerade CBD-Öl ein, das ist Cannabis-Öl. Das dauert, denn das muss man sehr langsam machen und in der Zwischenzeit hat sie Schmerzen. Schlimme Schmerzen. So furchtbare Schmerzen, dass sie kaum noch allein aufstehen kann. Es bricht mir das Herz. Zusätzlich rebelliert ihr Verdauungstrakt, sie hat immer wieder dünnen Stuhl und mag gar nicht mehr essen, obwohl sie doch dringend die Energie braucht. Heute Nacht hat sie sich mehrfach übergeben; dabei kamen komplett unverdaute Reste raus. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, haben sich ihre Blutwerte erneut verschlechtert. Sie zeigt erhöhte Entzündungswerte und die roten Blutkörperchen haben sich wieder verringert. Sie krepelt nur noch vor sich hin, hat nichts mehr, das ihr Freude bereitet.

Ich wollte für sie eine Bluttransfusion organisieren, aber die Klinik weigert sich, diese Behandlung durchzuführen, weil es ihr dafür angeblich noch nicht schlecht genug geht und der Nutzen das Risiko nicht rechtfertigen würde. Dabei sollte ihr das doch nur etwas Zeit verschaffen. Ihre Ärztin aus der Klinik vermutet, dass sie außerdem das Cortison nicht verträgt und eine Reaktion in Form einer Magenblutung zeigt. Das kann man aber nicht definitiv diagnostizieren, ohne sie auf den OP-Tisch zu legen, was überhaupt keine Option ist. Uns gehen die Ideen aus. Morgen haben wir wieder einen Kontrolltermin in der Klinik, dort soll ich auf Anraten ihres Haustierarztes noch einmal darum bitten, dass ihre Milz untersucht wird und eine Knochenmark-Punktierung ansprechen. Tatsächlich machen mir ihre Blutwerte im Moment aber wengier Sorgen als ihr Bewegungsapparat. Die Spondylose und Arthrose quälen sie so sehr, dass ich fürchte, wenn nicht bald eine Linderung eintritt, wird sie aufhören zu kämpfen und einfach aufgeben. Ich kann es ihr nicht mal verübeln. Die Schmerzen bringen sie zwar nicht um, doch ich kann ihr kaum noch vermitteln, dass es sich lohnt, weiterzukämpfen. Sie hat keinerlei Lebensqualität mehr und ich weiß nicht, wie lange sie das noch mitmacht und aushält, bis sie nicht mehr weiterleben möchte.

Ich habe in der letzten Woche viel geweint. Auch jetzt laufen mir beim Tippen dieses Posts die Tränen. Sie leidet so sehr und ich komme an meine Grenzen. Ich versuche, stark und tapfer zu sein, in den Scherben meines Ichs noch irgendwo einen Funken Hoffnung zu finden und muss mich doch mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ich Chilli, meine Gefährtin, meine Seelenverwandte, meine Prinzessin, mein Baby, möglicherweise bald auf ihre letzte Reise schicken muss. Sollte das passieren, kann ich nicht voraussagen, wie das mein Verhalten beeinflusst. Ich weiß nicht, ob ich dann noch bloggen kann und möchte, ich weiß nicht, ob ich dann überhaupt noch irgendetwas tun möchte, außer mich zu einer Kugel zusammenzurollen und in einem Meer von Tränen zu ertrinken. Deshalb finde ich es wichtig, euch heute auf den neusten Stand zu bringen. Angesichts ihres rapiden Verfalls rechne ich damit, dass ich sehr schnell gezwungen sein könnte, eine endgültige Entscheidung zu treffen. Im Namen der Transparenz möchte ich euch darauf vorbereiten, dass mein Blog von heute auf morgen brachliegen könnte. Ich weiß, dass ihr dafür Verständnis habt und ich danke an dieser Stelle allen, die bisher liebe Worte hinterlassen haben und in Gedanken bei uns sind. Trotzdem empfinde ich es als Zeichen der Fairness, dass ich euch, die ihr mich teilweise bereits seit Jahren begleitet, reinen Wein einschenke und euch darüber informiere, dass Bloggen in naher Zukunft vielleicht recht weit unten auf meiner Prioritätenliste stehen könnte.

Aber noch ist es zum Glück nicht soweit. Noch kämpft Chilli und ich stehe an ihrer Seite, mit Schwert und Schild. Ich beschütze sie, so gut ich kann, notfalls auch vor ihren Ärzten. Ein Tag nach dem anderen. Ein Atemzug nach dem anderen.
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
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Verfasst von - 23. September 2019 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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