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Schlagwort-Archive: Chaos Walking

03. 12. 2014 – Tränen für The Land

Ich weiß, es ist spät. Ich muss eigentlich auch ins Bett. Aber wie das so ist, habe ich natürlich Vor-dem-Schlafen-gehen-Rituale, wie vermutlich viele andere Menschen auch. Das letzte, was ich abends tue, bevor ich ins Schlafzimmer watschel, ist, noch ein paar Seiten zu lesen. Und jetzt sitze ich hier und weine, weil ich eine der furchtbarsten Stellen meiner ganzen Lesekarriere direkt vor dem Schlafengehen lesen musste. Hätte ich nur bis morgen gewartet. Diese Szene verfolgt mich bis in meine Träume, das weiß ich jetzt schon. Und da dachte ich, wozu habe ich einen Buchblog, wenn ich so intensive Gefühle nicht rauslasse und mit euch teile?

Um es zu verstehen, braucht ihr ein bisschen Hintergrund-Wissen. In der gesamten Chaos Walking – Trilogie geht es um Gedanken, denn New World ist ein Ort der konstanten Informationsflut. Stets können die Menschen dort hören, was ihr Gegenüber gerade denkt (es sei denn, es ist eine Frau, aber das ist eine andere Geschichte). Tiere, Männer… niemand außer den Frauen kann die eigenen Gedanken verbergen. Auf New World gibt es eine indigene Spezies, die von den Menschen „Spackles“ genannt wird. Sie selbst nennen sich „The Land“, denn sie sind ein kollektiver Organismus. Sie denken GEMEINSAM. Es ist ihre Art der Kommunikation, denn sie artikulieren sich nicht wie Menschen. Im Laufe der Geschichte kam es, wie es kommen musste. Es geschah das, was immer passiert, wenn Menschen sich überlegen fühlen. Sie versklavten einen Teil von The Land. Sie „heilten“ den Noise (die hörbaren Gedanken) und gaben diese „Heilung“ auch The Land. Sie beraubten sie ihrer einzigen Kommunikationsmöglichkeit. Und dann… töteten sie sie. Weil es ihren eigenen Interessen diente, begangen sie Massenmord. Genozid.

Das ist schon grauenhaft genug, aber in der Szene, die ich gerade gelesen habe, schildert der einzige Überlebende des Massakers seine Eindrücke. Ich will dazu gar nicht mehr sagen, sondern es einfach zitieren:

„Not when they lined us up and began to kill us. Shooting us, hacking at us, making that high stuttering sound they call laughing. Killing the old and the young, mothers and babies, fathers and sons. If we tried to resist, we were killed. If we did not resist, we were killed. If we tried to run, we were killed. If we did not run, we were killed.
One after the other after the other after the other.
With no way to share our fear. No way to coordinate and try to protect ourselves. No way to be comforted as we died.
And so we died alone. Every one of us.“                 („Monsters of Men“, S. 116)

Oh Gott, ich zittere am ganzen Körper, wenn ich mir vergegenwärtige, was es bedeutet, so zu sterben. Unter Tausenden, doch mutterseelenallein. Das ist das Schlimmste, was man jemandem antun kann. Brutal, abscheulich, grausam. So furchtbar, dass mir die Worte fehlen, um meine Gefühle wirklich auszudrücken.
Bitte verzeiht, wenn ich euch damit ebenso traurig gemacht habe, wie ich mich gerade fühle. Aber ich konnte nicht… ich kann nicht ins Bett gehen, so lange das in mir wütet. So konnte ich zumindest einen Teil meiner Trauer (und Wut) rauslassen.

 
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Verfasst von - 3. Dezember 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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02. 12. 2014 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Es ist wieder Zeit für die Aktion Gemeinsam Lesen, die abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut wird. Die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild.
Los geht’s! 😀

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade Buch Nummer drei der Chaos Walking – Trilogie von Patrick Ness, „Monsters of Men“, und bin auf Seite 31.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Das wird wieder ein längerer Satz. Diesmal schauen wir in den Kopf von Viola, die im Augenblick wirklich sehr aufgeregt ist.

„And I’m overwhelmed by seeing them, so much so I can’t speak for a minute, and I pull a little away from Bradley and the light catches his face and I see him, really SEE him, see his kind brown eyes, his skin the same dark shade as that Corinne’s was, his short curly hair, graying at the temples, Bradley who was always my favorite on the convoy, who used to teach me arts and math, and I look over and see the familiar freckled skin of Simone, too, the red hair tied back in a ponytail, the teeny tiny scar on the rise of her chin and I think, in all that’s happened, how much they disappeared to the back of my mind, how much the process of just surviving on this stupid, stupid world made me forget that I came from a place where I was loved, where people cared for me and for each other, where someone as beautiful and smart as Simone and as gentle and funny as Bradley would actually come after me, actually want what was best.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Das Finale von Chaos Walking. Ich bin gespannt. Jetzt gerade kann ich mir nicht vorstellen, New World, Todd und Viola zu verlassen. Die Geschichte ist einfach so wundervoll. Ich weiß gar nicht, wieso ich so lange damit gewartet habe, die Folgebände zu kaufen und weiter zu lesen.

4. Aus welcher Perspektive ist dein aktuelles Buch geschrieben? Bevorzugst du sie beim Lesen oder ist es dir egal? (Auktorial, Personal oder Ich-Perspektive)

Hauptsächlich schildert Patrick Ness die Geschichte abwechselnd aus Todds und Violas jeweiliger Ich-Perspektive. Aber dieses Mal ist da auch noch mehr. Als ich durch das Buch geblättert habe (so mit dem Daumen, ihr kennt das), habe ich gesehen, dass es noch eine dritte Perspektive geben muss. Jeder Erzähler bekommt in Chaos Walking nämlich seine eigene Schriftart. Ich habe bereits eine Vermutung, wer jetzt hinzugekommen sein könnte.
Ich mag (wechselnde) Ich-Erzähler allgemein gern, in diesem Fall könnte ich mir aber auch nicht vorstellen, wie man Chaos Walking anders konstruieren könnte, weil die Gedankenwelt der Charaktere eine so große Rolle spielt. Ansonsten interessiert mich die Erzählperspektive  weniger, es sei denn, der/die AutorIn wollte damit etwas bestimmtes erreichen. Das kommt in alltäglicher Literatur allerdings eher selten vor. Wenn man sehen möchte, was der Wechsel von Erzählperspektiven ausmachen kann, muss man schon zu AutorInnen wie Kurt Vonnegut oder John Steinbeck greifen. Ich denke auch, es gibt einfach nicht viele Schreiberlinge, die ihr Fach so gut beherrschen, dass sie damit zielgerichtet spielen könnten. Da ist es mir dann lieber, sie lassen es und beschränken sich auf eine Erzählperspektive.

Was lest ihr im Moment? Spielt die Erzählperspektive für euch eine Rolle?

Ich freue mich schon auf eure Antworten und Kommentare! 🙂

 
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Verfasst von - 2. Dezember 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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28. 11. 2014 – The Final Countdown: Meine Vorsätze für das literarische Jahresende

kalenderFreitag, der 28. November 2014. Von diesem Jahr sind noch etwas mehr als 4 Wochen übrig. Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass ich plane, wie ich den Rest von 2014 in Bezug auf meine Lektüre verbringen möchte. Statt für Silvester beziehungsweise für das Jahr 2015 habe ich sozusagen Vorsätze für das Ende des Jahres. 😉
So habe ich mir beispielsweise vorgenommen, keine neuen Reihen/Serien/Trilogien/Tetralogien/etc. mehr zu beginnen. Es ist eine Schande, wie viele Geschichten ich dieses Jahr begonnen habe, ohne sie weiterzulesen. Also habe ich entschieden, dass ich erst mal ein paar beenden möchte, bevor ich mich Neuem zuwende. Besonders drei stehen noch auf meiner Liste für 2014:

  1. Chaos Walking von Patrick Ness
  2. Legend von Marie Lu
  3. Matched von Ally Condie

Dafür habe ich sogar extra noch die fehlenden Bücher gekauft, damit ich die Trilogien nicht mit ins nächste Jahr schleppe. Ich bin optimistisch, dass ich das schaffe, weil sich alle drei ja recht leicht weg lesen und es ja „nur“ sechs Bücher sind.

Außerdem habe ich die feste Absicht, bis zum Silvesterabend alle noch ausstehenden Rezensionen des Jahres 2014 fertig geschrieben und publiziert zu haben. Das wird wohl etwas schwieriger, denn wenn ihr einen Blick in meine Sidebar werft, seht ihr ja, dass da schon jetzt noch fünf auf mich warten. Okay, an Sandman Slim bin ich bereits dran, die werde ich wohl morgen veröffentlichen können. Aber trotzdem. Mit den Büchern, die ich noch lesen will, sind das noch 10 Rezensionen. Das ist eine ganze Menge. Und dann tummelt sich in dieser Liste ja auch ein Schreckgespenst. Ich habe euch ja erzählt, dass es Rezensionen gibt, vor denen ich mich fürchte (das könnt ihr HIER nachlesen). Tja, „Pride and Prejudice“ schiebe ich nun schon EWIG vor mir her. Es hängt mal wieder am Inhalt. Ich habe überlegt, die Inhaltsangabe wegzulassen, weil ich dachte, dass jeder weiß, worum es in diesem Buch geht, aber als ich die Probe aufs Exempel gemacht habe, stellte sich heraus, dass das nicht geht. Ich habe nämlich einfach mal meinen Papa gefragt, ob er den Inhalt kennt. Die klare Antwort war „Nein“. Badamm.
Trotzdem werde ich mein Bestes geben, um 2015 bei Null beginnen zu können.

Zum Ende des Jahres ist natürlich auch noch mal eine Statistik fällig. Ich weiß, dass viele von euch das langweilt, aber der Nerd in mir verlangt es einfach. Mit Zahlen rumspielen macht mir eben Spaß und ich finde es toll, mein Leseverhalten in harte Fakten umzuwandeln. So kann ich nämlich Tendenzen sehen, die mir sonst nicht auffallen. Welches Genre habe ich am häufigsten gelesen? Waren es mehr deutsche oder mehr englische Bücher? Wie viele Seiten sind zusammen gekommen? Mich interessiert das eben und darüber hinaus bietet es mir die Möglichkeit, über Jahre die Veränderungen zu sehen, wenn ich das fleißig und gewissenhaft weiterführe.

130308Dann würde ich gern mit euch im Dezember meinen Blog-Geburtstag feiern, aber dummerweise weiß ich nicht mehr, wann ich meinen ersten Beitrag verfasst und veröffentlicht habe, weil ich diesen Beitrag eines Tages gelöscht habe. Das lag daran, dass ich irgendwann begriffen habe, wie man einen Blog organisiert und strukturiert und der Post dadurch überflüssig wurde. Heute steht dessen Inhalt nämlich auf der About – Seite. Ich habe schon versucht, irgendwie anders herauszufinden, seit wann es den Wortmagieblog gibt, weil ich mir dachte, WordPress müsste das eigentlich irgendwo verzeichnet haben, habe aber nichts gefunden. Vielleicht kann mir jemand von euch erklären, wo ich das nachschlagen kann?
Ich weiß zwar noch nicht so richtig, wie ich den Geburtstag dann feiern möchte, aber einfach übergehen möchte ich ihn auch nicht.

Was habt ihr euch für das literarische Ende des Jahres vorgenommen?

Macht ihr überhaupt Pläne oder lest ihr einfach weiter wie den Rest des Jahres auch?
Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen, Gedanken und Kommentare! 😀

(Bildquelle 1)
(Bildquelle 2)

 
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Verfasst von - 28. November 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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25. 11. 2014 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Dienstag ist der Tag der Woche, an dem ich meine Gedanken zu meiner aktuellen Lektüre mit euch teile, denn Dienstag ist Gemeinsam Lesen – Tag! 😀
Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut, die sie von Asaviel übernommen haben. Die Fragen dieser Woche findet ihr bei Schlunzen-Bücher (klickt aufs Bild).

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese jetzt „The Ask and the Answer“ von Patrick Ness und bin auf Seite 9, weil ich es gestern Abend erst begonnen habe.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Das wird jetzt etwas länger, weil Patrick Ness diese unnachahmliche Art hat, die Gedanken des Protagonisten Todd darzustellen.

„I can feel my weight pulling at the bonds on my wrists and I can feel the blood on my face, sticky and drying, and I look out bleary-eyed from my little prison of light in the middle of this room, this room with no exits –
This room where I’m gonna die –
This room –
This room where she ain’t.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

„The Ask and the Answer“ ist der zweite Band der Chaos Walking – Trilogie. Und oh mein Gott, ich bin sofort wieder voll drin. Der erste Band, „The Knife of Never Letting Go“ hat von mir mehr als verdient fünf Sterne bekommen; nach den ersten paar Seiten bin ich schon jetzt fest überzeugt, dass der zweite Teil die gleiche Bewertung erhalten wird. Als ich das Buch gestern Abend aufschlug, fühlte ich mich sofort eingesaugt. Es ist einfach großartig, wie leicht ich mich in Todds Kopf zurecht finde, wie schnell ich mich mit ihm identifiziere, wie heftig ich seine Gefühle (im Augenblick sind das Verwirrung, Verzweiflung, Angst und Wut) nachempfinden kann. 9 Seiten und ich bin wieder total geflasht von Patrick Ness‘ unglaublichem Talent. Ich FÜHLE Todd, gerade weil seine Gedanken nicht gradlinig sind. Alles, was sich in seinem Kopf abspielt, ist realistisch, weil wir eben nicht immer in klar ausformulierten Sätzen denken. Deswegen ist die Verbindung so stark. Ich freue mich so darauf, herauszufinden, wie Todds Geschichte weitergeht.
Hach, ich liebe diese Begeisterung, wenn man genau weiß, dass man ein fantastisches Buch in den Händen hält. 😀

4. Am Wochenende ist der erste Advent! Worauf freut ihr euch in der Adventszeit besonders? Weihnachtliche Bücher, Blogger-Adventskalender oder gibt es noch andere buchige Themen die euch in dieser Zeit ganz besonders freuen?

Ich liebe Weihnachten und das ganze Drumherum. Aber literarisch gesehen ist die (Vor-) Weihnachtszeit nichts besonderes für mich. Ich lese deswegen nicht anders als sonst. Ob nun draußen 35° sind oder festliche Weihnachtsdeko für gemütliche Stimmung sorgt, meinen Bauch interessiert das nicht. Er ist derjenige, der entscheidet, was ich als nächstes lese. Und er mag es gar nicht, wenn ich das allein übernehme. Ich könnte mir also keine Weihnachtslektüre aufzwingen, nicht mal, wenn ich wollte, weil das unweigerlich dazu führen würde, dass mein Bauchgefühl mich laut anschreit, gefälligst ein anderes Buch zu lesen.
Und was ist eigentlich ein Blogger-Adventskalender? Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt doch wieder als kleines Blogger-Küken oute, kann mir das jemand erklären?

Jetzt wisst ihr, was ich lese. Was lest ihr?

Ich freue mich wie üblich sehr auf eure Meinungen und Kommentare! 🙂

 
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Verfasst von - 25. November 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Patrick Ness – The Knife of Never Letting Go

„The Knife of Never Letting Go“

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Reihe: Chaos Walking #1

Autor: Patrick Ness

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 479

Verlag: Walker

Sprache: Englisch

ISBN: 1406320757

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 05.07.2014

Bewertung:

Ich weiß nicht mehr, wann und wie ich auf den ersten Band der „Chaos Walking” – Reihe von Patrick Ness aufmerksam geworden bin. Es stand lange auf meiner Wunschliste, weil ich einige Zeit schlicht zu geizig war, es mir endlich zu kaufen. Als ich es dann doch tat, lag das an der in meinen Augen faszinierenden Covergestaltung. Ich hielt das Buch bei Thalia in den Händen, drehte es hin und her. Und da war er. Der Moment, in dem das Licht in einem bestimmten Winkel auf das Cover fiel und ich sah, dass in den Hintergrund Worte gedruckt sind, die man nur unter diesem Lichteinfall erkennen kann. Das gefiel mir so gut, dass ich das Buch mit nach Hause nahm.

In New World, in der jeder die Gedanken des anderen hört und Tiere sprechen können, ist es schwer, Geheimnisse zu haben. Jeden Tag seines Lebens ist der 13 – jährige Todd Hewitt mit dem Noise, dem Lärm, konfrontiert. Jeden Tag hört er die Gedanken aller Männer seiner Heimatstadt Prentisstown, obwohl er sonst keine Freunde mehr außer seinem Hund Manchee hat. Denn Männer reden nicht mit Jungen. In 30 Tagen wird Todd selbst endlich zum Mann, endlich wird er wieder dazugehören. Er ist der letzte, der jüngste Bewohner Prentisstowns.
Als er jedoch eines Tages einen Ausflug in den Sumpf unternimmt, stellt sich sein Leben völlig auf den Kopf. Er entdeckt die Stille. Ein Fleckchen völlig ohne Noise. Als er seinen Zieh – Vätern Ben und Cillian davon berichtet, überschlagen sich die Ereignisse und Todd befindet sich plötzlich auf der Flucht. Er weiß nicht, warum. Doch schon bald wird er verstehen. Er wird begreifen, was hinter der Stille steckt. Und ihm wird klar, dass auch mit Noise Geheimnisse und Lügen möglich sind.

Kennt ihr das Gefühl, dass euch ein Buch die Sprache verschlägt, weil es so dermaßen gut ist? So erging es mir mit „The Knife of Never Letting Go“. Patrick Ness hat eine Geschichte erschaffen, die packend, mitreißend und beeindruckend authentisch ist. Alles ist stimmig und rund; es gibt keine überstehenden Kanten, an denen ich mich hätte stoßen können. Ness‘ Ideen sind nicht nur extrem spannend, sondern auch detailreich durchdacht. Alle Puzzleteile des Buches fügen sich nahtlos ineinander; die Verbindungen sind logisch, Konsequenzen und Implikationen erscheinen niemals an den Haaren herbei gezogen. „The Knife of Never Letting Go“ ist nicht krampfhaft gewollt wie viele andere YA Dystopien, es ist mit Leichtigkeit gekonnt.
New World ist keine durchgestylte, perfekt erscheinende Gesellschaft mit einer einengenden Regierung; die Menschen sind Siedler und kämpfen einfach ums Überleben. Sie müssen sich tagtäglich mit den Widrigkeiten des neuen Planeten auseinandersetzen, im Besonderen natürlich mit dem Noise. Diesen schildert Ness bedrückend allgegenwärtig, aber auch so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Er ist der Dreh- und Angelpunkt aller Konflikte; in ihm wurzeln Entwicklung und Spaltung der Gesellschaft. Es erschien mir so naheliegend, glaubhaft und echt, dass die Siedler aggressiv auf dieses Merkmal ihrer neuen Heimat reagierten; dass sie versuchten, jemandem die Schuld dafür zuzuschieben, obwohl niemand etwas dafür konnte. Die Glaubenswelt und Überzeugungen, die daraus entstanden, sind im Protagonisten Todd abgebildet. Er ist so sehr ein Kind New Worlds und Prentisstowns, dass ich dankbar für seine Ich – Erzähler – Perspektive war, denn auf diese Weise konnte ich mich wunderbar in ihn hinein versetzen. Er ist eine äußerst realistische, seinem Alter entsprechende Figur: rotzig und anmaßend, aber auch mutig und zu tiefer Freundschaft fähig. Ness‘ knackiger Schreibstil verstärkt die Darstellung seines Innenlebens durch kurze, eingängige, Comic-hafte Sätze gepaart mit Passagen, die an eine Gedankenflut erinnern. Die Geschichte bekommt erst durch Todd ein Gesicht und Lebendigkeit. So spannend die Aufdeckung der Geheimnisse New Worlds ist, ohne den Schwerpunkt auf Todds Erwachsenwerden und die Entwicklung einer besonderen Freundschaft bliebe sie blass. Darüber hinaus ist diese Freundschaft völlig unbelastet von amourösen Eskapaden. Es geht rein um die Frage, was es bedeutet, einen anderen Menschen wirklich zu kennen und zu welchen Opfern man im Dienste der Freundschaft bereit ist.

Ich liebe „The Knife of Never Letting Go“. Es liest sich flüssig, es ist temporeich und ging mir mehrfach sehr zu Herzen. Keine Frage, dass ich weiterlesen möchte.
Interessierte LeserInnen möchte ich vor dem Ende warnen: Patrick Ness hat einen zwar passenden, aber schockierenden Cliffhanger eingebaut, der mich ziemlich frustriert hat, weil ich den zweiten Band noch nicht besitze. Das ändert jedoch nichts an meiner Empfehlung. Ich lege dieses Buch allen FreundInnen von YA Dystopien ans Herz, denn es ist einfach fantastisch. Es hat keine unnötige Schwülstigkeit, keine erzwungene, futuristische Gesellschaft; dafür aber jede Menge Gradlinigkeit. Und ich wette, ihr werdet Manchee lieben.

(Nächster Band: Chaos Walking #2 – „The Ask and the Answer” – Patrick Ness – ISBN: 1406322474)

 
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Verfasst von - 10. Juli 2014 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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