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Schlagwort-Archive: Buchhandlung

I can’t get over it, this is my job: Mein Abend mit Peter V. Brett

Bericht zur Lesung

Hallo ihr Lieben! 🙂

Donnerstag Abend hatte ich das große Glück, wieder einmal einer Lesung beiwohnen zu dürfen. Die Otherland Buchhandlung veranstaltete abermals einen Abend mit einem der ganz großen Namen der High Fantasy – Literatur: Peter V. Brett. Seine Reihe „Demon Cycle“ gehört zu meinen liebsten Entdeckungen des letzten Jahres, obwohl mir mittlerweile bewusst ist, dass die Bücher hinsichtlich des weiblichen Rollenbilds, das sie vermitteln, nicht ganz unproblematisch sind. Trotzdem bewundere ich den New Yorker für sein originelles und intelligentes Design, denn die Geschichte, die er erzählt, unterscheidet sich stark von der traditionellen Fantasy mit all ihren Magiern, Elben und Zwergen. Ich freute mich sehr darauf, ihn kennenzulernen.

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

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Verfasst von - 23. Februar 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Montagsfrage: Buchhandlung vs. Online-Shop?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ein neuer Monat, eine neue Woche. Für mich startet heute ein kleines Experiment: ich nehme das erste Mal an einer Goodreads-Leserunde teil. Wir lesen gemeinsam „Throne of Glass“ (Throne of Glass #1) von Sarah J. Maas. Ich bin sehr gespannt, wie mir diese Art des Lesens gefällt. Die Leserunden auf LovelyBooks sind nicht das Richtige für mich, weil mir der Zwang, etwas posten zu müssen, nicht zusagt. Vielleicht funktioniert es ohne Druck besser für mich. Drückt mir die Daumen! 🙂
Heute gibt es natürlich auch wieder eine neue Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja, die ich jetzt erst einmal beantworten möchte:

Buchhandlungen vs. Online-Shop – wo kauft Ihr eure Bücher ein?

Ich weiß, ich sollte meine Bücher eigentlich brav im Geschäft kaufen, möglichst in einer kleinen, privaten Buchhandlung und nicht in einer der großen Ketten. Ich weiß. Klingt schon nach einem Aber-Satz? Ist es auch.
Obwohl mein Gewissen mir sagt, dass es wichtig wäre, kleine Buchläden zu unterstützen, kann ich nicht aus meiner Haut. Ich kaufe fast ausschließlich online. Mit Vorliebe beim großen A. Ja, ich liebe Amazon und ich stehe dazu. Online zu ordern ist einfach so unfassbar bequem. Ich könnte hier jetzt anführen, dass es mir ähnlich wie Svenja geht und ich durch meinen Konsum englischer Bücher sowieso auf das Bestellen angewiesen bin. Das ist auch durchaus korrekt, aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist das ein nebensächliches Argument, das in meinem Fall eher zur Rechtfertigung dienen würde. Nein, der Hauptgrund ist wirklich, dass Online-Shops einen Vorteil haben, den mir keine Buchhandlung bieten kann: ich muss nicht aus dem Haus, um Bücher zu kaufen. Ich bin nicht an Geschäftszeiten gebunden und kann bequem von meiner Couch aus so lange mit meiner Wunschliste herumspielen, bis genau das im Warenkorb liegt, was ich haben möchte. Zu meiner Verteidigung möchte ich aber unbedingt erwähnen, dass es in meiner Nähe keinen Buchladen gibt, der meinen Vorstellungen entsprechen würde. Neukölln ist total rückständig, was das betrifft. Es gibt ein Geschäft für gebrauchte englische Bücher, doch der junge Mann, dem es gehört, ist einerseits auf das angewiesen, was ihm gespendet wird und andererseits verkauft er ausschließlich Bücher, die er selbst auch lesen würde oder bereits gelesen hat. Das heißt, viele Klassiker, aber wenig Modernes. So gut wie keine Fantasy. Das ist die einzige Buchhandlung, die ich zu Fuß erreichen kann. Wenn ich also Bücher kaufen möchte, die nicht bereits zu den Klassikern zählen, muss ich mich immer in das Chaos des Berliner Nahverkehrs wagen. Amazon oder Medimops zu öffnen ist da viel einfacher.
Bin ich allerdings sowieso schon unterwegs, habe Zeit und komme an einem Buchladen vorbei, gehe ich auch rein. Leider sind das dann tatsächlich häufig Ketten-Filialen.

Kauft ihr Bücher lieber im Laden oder lieber online?

Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen ein großartigen Start in die neue Woche! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
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Verfasst von - 1. Februar 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Verfasst von - 15. Dezember 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Back to that dark place: Mein Abend mit Joe Abercrombie

Hallo ihr Lieben! 🙂

Vorgestern Abend habe ich einen der High Fantasy – Rockstars unserer Zeit getroffen: Joe Abercrombie. Schon seit meinem Abend mit Kevin Hearne im April (HIER) wusste ich, dass die Otherland Buchhandlung eine Lesung mit ihm veranstaltet. Für mich war sofort klar, dass ich dorthin muss, denn ich liebe seine dunkle Fantasy und habe bisher jedes seiner Bücher verschlungen, das ich gelesen habe. Außerdem fand ich das Datum äußerst passend, da ich ja erst am Dienstag Geburtstag hatte. Ein weiteres Geschenk, so empfand ich das. 😉
Ich war vorgestern den ganzen Tag ziemlich aufgeregt und konnte es kaum abwarten. Ich freute mich, dass ich dieses Mal viel besser vorbereitet war, weil ich vorher nicht arbeiten musste und daher auch die Möglichkeit hatte, Bücher mitzunehmen, die ich mir signieren lassen wollte. Zur Zeit sind vier Joe Abercrombie – Romane in meinem Regal zu Hause – zwei weitere sind unterwegs. Ich habe die Lesung nämlich als Anlass genommen, endlich „Heldenklingen“ und „Blutklingen“ von meiner Wunschliste zu streichen. Sicher hätte ich beide Romane auch vor Ort kaufen können, doch die deutschen Taschenbücher sind ziemlich teuer und ich fand es sinnvoller, sie gebraucht bei Medimops zu erstehen. Am liebsten würde ich ihn ja im Original lesen, nur geht das leider nicht, weil meine Eltern ihn ebenfalls lieben und lesen möchten.

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Kurz vor 18 Uhr machte ich mich auf den Weg. Otherland rechnete mit einem erhöhten Andrang, weshalb sie die Lesung nicht im Laden veranstalteten, sondern im Wasserturm Kreuzberg, der quasi um die Ecke liegt. Um 18.30 Uhr sollte Einlass sein; um 19.30 Uhr sollte es dann losgehen. Als ich aus der U-Bahn stieg, war es noch recht früh. Ich ließ mir Zeit und schlenderte gemütlich durch den Kreuzberger Kiez. Es war einer dieser Abende, an denen ich feststelle, wie sehr ich meine Stadt liebe. Der Wasserturm und Otherland liegen wirklich in einer wunderschönen Ecke Berlins; ich genoss es, die Atmosphäre in mich aufzusaugen. Um zum Wasserturm zu gelangen, muss man durch ein Labyrinth diverser Nebenstraßen, in denen die verschiedensten Läden ihren Geschäften nachgehen. Einer davon ist ein Antiquariat. Genau an einer Ecke gelegen, stolperte ich regelrecht mitten in die Tische mit Büchern hinein. Ich konnte nicht anders, als ein bisschen zu stöbern. Auf den ersten Blick war nichts für mich dabei, doch bei genauerem Hinsehen entdeckte ich einen Klassiker, der schon ewig auf meiner mentalen Wunschliste steht: „Moby Dick“ von Herman Melville. Das gute Stück sollte 3€ kosten. Ihr kennt mich – ihr wisst, dass ich an Zeichen glaube, was Bücher betrifft. Also nahm ich ihn mit. 😀

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Vom Antiquariat aus war es dann nicht mehr weit. Tatsächlich kann man den Wasserturm leicht übersehen, wenn man nicht gerade permanent nach oben schaut, weil er so versteckt inmitten von Häusern liegt. Geht man durch das Tor, betritt man als erstes einen kleinen Hinterhof. Dort waren gestern (aber ich schätze mal, das ist immer so) ein paar Bierbänke aufgestellt, auf denen sich sogar schon einige Abercrombie-Fans versammelt hatten. Ich setze mich ein Stück abseits und verstaute erst mal meine neuste Errungenschaft in meinem Rucksack. Danach sah ich mich in Ruhe um und war direkt begeistert von der Location. Einen besseren Ort für eine Lesung von Joe Abercrombie kann ich mir nicht vorstellen. Der 125 Jahre alte Wasserturm verströmt einen historischen, würdevollen Charme. Seht selbst:

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Da ich noch Zeit hatte, packte ich meine aktuelle Lektüre („Double Cross“ von Carolyn Crane) aus und begann zu lesen. Irgendwann machte einer der Besucher den ersten Schritt und ging hinein. Und wie das eben so ist, folgten ihm alle – ein Hoch auf die Gruppendynamik! 😀 Ich schloss mich an, Buch in der Hand. Zuerst kommt man in einen kleinen Vorraum mit einer Bar, in dem Otherland einen Tisch mit Abercrombie-Romanen aufgebaut hatte. Ich wusste ja, dass ich nichts kaufen würde und wandte mich nach rechts. Der Raum, in dem die Lesung stattfinden sollte, ist eine Art Gewölbe mit hochgelegenen Fenstern. Ich kenne mich nicht gut mit Architektur aus, daher kann ich euch leider keinen besseren Eindruck vermitteln, aber darauf kommt es ja auch nicht an. Ich suchte mir einen Tisch und stellte mich aufs Warten ein. Stück für Stück füllte es sich, weshalb ich mir meinen Tisch am Ende mit zwei Damen und einem Herrn teilte. Den ersten Blick auf Joe Abercrombie erhaschte ich, als er in der Tür stand, um sich wohl ebenfalls einen Eindruck des Raumes zu verschaffen. Ich war überrascht, weil er viel größer ist, als ich gedacht hatte. Ich kann nicht erklären, wieso, aber irgendwie hatte ich angenommen, dass er nicht viel größer ist als ich. Falsch gedacht, ich schätze ihn auf ca. 1,80m.
Auf der Bühne befanden sich zwei Stühle und ein Tisch, an den sich Joe Abercrombie gemeinsam mit Simon Weinert (Otherland-Mitarbeiter) setzte. Simon begrüßte das Publikum und erklärte, wie sehr sich Otherland darüber freut, dass diese Lesung zu Stande kam, denn anscheinend versuchten sie schon seit 3 Jahren, Herrn Abercrombie einzuladen. Dass es nun geklappt hat, liegt daran, dass er sowieso in Deutschland ist, weil ihm gestern der Schwäbische Lindwurm verliehen wurde. Ich kann nur sagen, auch ich bin wirklich dankbar, dass sein deutscher Verleger Heyne diesen Zwischenstopp möglich gemacht hat. Im Anschluss beschrieb Simon den weiteren Ablauf. Der Abend sollte aus drei Teilen bestehen: zuerst eine Lesung in Englisch und Deutsch, dann eine Frage-Antwort-Runde und abschließend würde Joe unsere Bücher signieren.

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Gelesen wurde natürlich aus dem neuem Buch „Half A King“ / „Königsschwur“; Joe machte den Anfang in Englisch. Er entschied sich für das erste Kapitel – ich glaube nicht, dass er es vollständig vorgelesen hat, doch er fand auf jeden Fall eine passende Stelle für den Abschluss. Ich habe ihm sehr gern zugehört, denn es war fast, als würde ich selbst lesen. Er hat eine angenehme, recht tiefe Stimme und sein britischer Akzent ist natürlich sowieso die reinste Schmeichelei für meine Ohren. Ich habe vergessen, wie schön es ist, eine Geschichte vorgelesen zu bekommen. Wenn man den Vorleser ansieht, aber eigentlich gar nicht vor Ort, sondern in einer völlig anderen Welt ist. Joe Abercrombie hat mich ohne Umwege nach Gettland mitgenommen und seinem Protagonisten Prinz Yarvi vorgestellt. Und er hat mich angefixt. Ich kann es kaum abwarten, diese Romane in seiner neuen High Fantasy-Welt zu lesen, die von der Geschichte der Wikinger inspiriert ist.

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Auch Simon trug seinen Teil dazu bei. Ich denke, dass er aus dem zweiten Kapitel las, denn der Plot schloss nahtlos an Joe’s Lesung an. Ich muss ihm hier wirklich ein Kompliment aussprechen; er ist ein leidenschaftlicher Vorleser, der je nach Figur sogar seine Stimme ein wenig verstellt, ohne es zu übertreiben. Es ist sehr leicht, ihm zuzuhören und zu folgen.

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Ich finde, sie haben beide sehr sinnvolle Stellen aus „Half A King“ / „Königsschwur“ ausgesucht, denn ich habe auf diese Weise die Ausgangssituation des Romans kennengelernt und einen ersten Eindruck der Charaktere gewonnen. Ich freue mich darauf, das Buch zu lesen. 🙂
Insgesamt dauerte die Lesung etwa 20 Minuten – das mag wenig klingen, war aber völlig ausreichend. Es folgte der Frage-Antwort-Teil. Wie schon im April konnte ich mich darauf verlassen, dass genug Leute vor Ort waren, die im Gegensatz zu mir wissen, was man einen erfolgreichen Autor wie Joe Abercrombie fragen könnte. Ich bin einfach nicht gut in sowas, aber andere Menschen zum Glück schon. Joe erzählte viel von seinem Arbeitsprozess und gestattete uns einen Einblick in seine Pläne.
Die wichtigste Info ist wohl die, dass er nächstes Jahr eine Sammlung mit Kurzgeschichten aus dem First Law – Universum herausbringen möchte. Nach seinem Ausflug in eine neue Welt möchte er auf jeden Fall wieder „back to that dark place“ (Zitat). Er sagte, er hätte die Pause jedoch dringend nötig gehabt, denn nach sechs Romanen im First Law – Universum bekam er das Gefühl, sich zu wiederholen. Ich finde es toll, dass er sich nicht gezwungen sah, in dieser Welt zu bleiben und sich stattdessen einem neuen Projekt zuwandte, in dem er auch Neues ausprobieren konnte. Beispielsweise war ihm für die Shattered Sea-Saga sehr wichtig, anders mit der Rolle der Frau umzugehen, die Welt weniger patriarchalisch darzustellen und zu verdeutlichen, wie viel besonders im Hintergrund einer Monarchie von Frauen organisiert und geleitet wird/wurde. Nichtsdestotrotz wird das First Law – Universum ihn wohl nie völlig loslassen, was auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass viele der Charaktere bereits in seinem Kopf existierten, seit er etwa 11 Jahre alt war. Auf die Frage hin, welche dieser Figuren seine liebste sei, musste Joe lachen und antwortete mit einem Witz, der aber wohl den Tatsachen entspricht. Er meinte, er liebt sie alle, wenn ein Buch fertig ist – hasst sie aber alle, solange er an einem Buch schreibt. Das geht vermutlich den meisten AutorInnen so. Einige Figuren schreiben sich leichter als andere und ein Gefühl für sie entwickelt er erst, wenn er die ersten Szenen und Perspektiven austestet. Insgesamt ist er ein Autor, der sich um eine ausgeglichene Mischung aus Planung und Inspiration bemüht. Er will sich nicht beschränken, indem er alles bereits im Voraus festlegt, sondern versucht, offen gegenüber spontanen Einfällen zu sein und auch den Figuren eine gewisse Eigenständigkeit zuzugestehen. Anfangs bestimmten die Charaktere den Plot, heutzutage ist diese Beziehung ausgewogener. Ich fand es besonders interessant, als er erklärte, wie ihm die Idee für Sand dan Glokta kam, der sicher für viele seiner LeserInnen (und auch für mich) die faszinierendste Persönlichkeit seines Universums ist. Einerseits entstand er, weil Joe sich schon immer zu dunklen Figuren hingezogen fühlte, die die vielen Graustufen unserer Welt verkörpern. Er wollte mehr Anti-Helden in der High Fantasy. Andererseits haben wir Glokta einer Phase seines Lebens zu verdanken, in der ihn so furchtbare Rückenschmerzen quälten, dass er nicht aufstehen konnte. Joe bemerkte an sich selbst, dass er ziemlich unausstehlich wurde und begann darüber nachzudenken, wie wohl ein Mensch wäre, der permanent Schmerzen leidet. Wie bitter und hasserfüllt, wenn der Schmerz stets präsent im Denken ist. Das Resultat seiner Überlegungen war Glokta: verbittert, unnachgiebig, missgünstig, kalt und erfüllt von Zorn auf die Welt und das Schicksal. Das ist vielleicht irgendwie eigenartig, aber ich bin dankbar für Joe’s Hexenschuss (oder was auch immer es war, es sagte „bad back“). 😀

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Natürlichkeit steht für Joe Abercrombie in der Konstruktion seiner Bücher an oberster Stelle. Er verabscheut es, wenn AutorInnen Figuren Dinge tun und sagen lassen, die schlicht unrealistisch sind, nur damit die LeserInnen die Welt begreifen, in der sie sich befinden. Keine reale Person würde im Detail über das eigene Schlafzimmer nachdenken, weil diese Umgebung selbstverständlich für sie ist. Joe versucht, elegant und beiläufig ein Bild des Settings und der Ereignisse zu erschaffen, statt plumpe, langatmige Erklärungen zu verwenden. Eine gute Kampfszene fokussiert seiner Meinung nach beispielsweise nicht die Technik, sondern die emotionale Erfahrung der Kämpfer, worin ich ihm nur zustimmen kann.
Darüber hinaus bereicherte Joe Abercrombie die High Fantasy um eine Facette, die oft viel zu kurz kommt: das Thema Geld. Im Finale der First Law – Trilogie spielt Ökonomie eine wichtige Rolle, weil er sich darüber ärgerte, dass es kaum AutorInnen gibt, die sich über die Wirtschaft ihrer Welten Gedanken machen. Mir ist das beim Lesen so nicht aufgefallen und ich muss zugeben, dass ich mich kaum daran erinnere, doch ich glaube Joe, dass ihn dieses Thema so sehr beschäftigte, dass er es in seinen Roman integrierte.

Insgesamt dauerte die Frage-Antwort-Runde etwa eine Stunde und ich empfand Joe Abercrombie die ganze Zeit über als höchst professionell und sehr bemüht, alle Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Er ist definitiv sympathisch und scheint mir eine interessante Persönlichkeit zu besitzen. Sein Humor ist ein wenig edgy; er stellt sich gern als super-selbstbewusst und von sich überzeugt dar, was er aber vermutlich nicht in diesem Maße ist. Ich denke, in jedem Schreibprozess herrscht beim Autor oder bei der Autorin einige Unsicherheit bezüglich der eigenen Arbeit. Ich halte Joe Abercrombie für einen ganz normalen Typen, der mit einer grandiosen, detaillierten Fantasie gesegnet ist und schreibt, was er selbst gern lesen würde.
So großartig es war, Joe Abercrombie zu treffen, muss ich doch gestehen, dass mir der Abend mit Kevin Hearne noch ein wenig mehr Spaß gemacht hat. Es ist einfach so… Joe Abercrombie weiß, dass er Fans hat. Für ihn ist das nicht mehr überraschend; er ist in diese Situation hineingewachsen. Kevin Hearne hingegen scheint sich noch über jeden einzelnen Fan als Persönlichkeit zu freuen. Versteht ihr, was ich meine? Ich will nicht sagen, dass sich Joe Abercrombie nicht über seine Fans freuen würde, es ist eher so, dass ich bei Kevin ein Gefühl größerer Nähe empfand. Er ist ein Fanboy, der nun selbst Fans hat und kann das irgendwie noch gar nicht fassen. Er ist enthusiastischer, was sicher auch daran liegt, dass Kevin Amerikaner und Joe Brite ist. Man sagt den Briten ja nicht völlig grundlos eine gewisse kühle Distanz nach. 😉 Außerdem war Kevin viele Jahre Lehrer, bevor er sich hauptberuflich dem Schreiben widmete; deswegen geht er vermutlich anders mit einem Publikum um.
Nichtsdestotrotz war es ein toller Abend, der mir einen Autor, der mich bereits zuvor zutiefst begeisterte, noch näher brachte. Ich habe viel gelernt und denke, mein Verständnis für seine Arbeit ist gewachsen. Es war fantastisch, den Mann hinter den Romanen kennenzulernen und ihm während der Signierstunde die Hand zu schütteln.

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Vielen Dank an die Otherland Buchhandlung, dass sie diesen Abend ermöglicht haben und natürlich auch vielen Dank an Joe Abercrombie selbst, dass er sich Zeit für seine deutschen Fans nahm. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, dass „Heldenklingen“ und „Blutklingen“ hier eintrudeln und ich endlich wieder in Joe’s dunkle, ehrliche Fantasy abtauchen kann! 😀

Alles Liebe,
Elli

 
 

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Laurence Cossé – Der Zauber der ersten Seite

„Der Zauber der ersten Seite“

Laurence Cosse - Der Zauber der ersten Seite

Originaltitel: “Au Bon Roman”

Autor: Laurence Cossé

Format: Hardcover

Seitenzahl: 464 Seiten

Verlag: Limes

Sprache: Deutsch

ISBN:  344237832X

Genre: Krimi & Realistische Fiktion

ausgelesen am: 21.06.2014

Bewertung:

„Der Zauber der ersten Seite“ lag lange auf meinem SuB, bevor ich mich diesen Monat endlich entschlossen habe, es zu lesen. Das Problem mit diesem Buch war, dass ich mir unsicher war, ob es wirklich etwas für mich ist. Laut Klappentext handelt es sich hierbei nämlich um einen Krimi und ihr wisst, dass ich mich für Krimis eigentlich nur schwer erwärmen kann. Ich war besorgt, dass ich bei diesem Spontankauf völlig danebengegriffen habe und war schon bereit, es einer kurzweiligen geistigen Umnachtung meinerseits zuzuschreiben.
Mittlerweile weiß ich, dass meine Sorgen komplett unbegründet waren.

Ivan und Francesca erfüllen sich einen Traum: sie eröffnen einen Buchladen in Paris. Nicht irgendeinen Buchladen, sondern ein Geschäft, das nur gute Romane führt. „Der gute Roman“ ist Francescas und Ivans Antwort auf den überbevölkerten Büchermarkt, der sich das Credo „Quantität statt Qualität“ auf die Fahnen schreibt. Ihr Sortiment wird auf der Basis einer einmaligen Idee zusammengestellt: acht anonyme Komitee – Mitglieder wählen unabhängig voneinander die in ihren Augen wertvollste Literatur der Geschichte aus.
Anfangs wird das Konzept des „Guten Romans“ von der Leserschaft begeistert angenommen, die Geschäfte laufen gut. Doch bald wird das ungewöhnliche Buchgeschäft Opfer einer gnadenlosen Hetzkampagne. Verleumdungen werden veröffentlicht, die Presse gräbt tief in Ivans und Francescas Vergangenheit, sie werden als Faschisten des Buchmarktes bezeichnet. Die beiden Buchhändler nehmen all diese Tiefschläge mal mehr, mal weniger gefasst auf. Als jedoch Angriffe auf drei der Komitee – Mitglieder verübt werden, können sie nicht länger zusehen. Sie ziehen die Polizei in Form von Kommissar Heffner hinzu, der herausfinden soll, wer ein Interesse daran haben könnte, den „Guten Roman“ zu ruinieren und dafür nicht mal davor zurückschreckt, drei harmlose Menschen anzugreifen.

„Der Zauber der ersten Seite“ macht Lust auf das Lesen. Es macht Lust auf Literatur, auf gute Literatur. Es ist eine Liebeserklärung an Bücher, die ein Leben verändern können. Die Buchhandlung „Der gute Roman“ ist ein Traum, von dem wohl insgeheim alle LeserInnen träumen. Wer hat sich noch nicht von der puren Masse in einer Großbuchhandlung erschlagen gefühlt?
Wie bereits zu Anfang beschrieben, war ich durch den Klappentext verunsichert. Meine Unsicherheit war unnötig, denn der Kriminalfall dieses Romans ist eher nebensächlich. Dieser fungiert als Aufmacher – Element, als Einstieg in die Geschichte dieses ganz besonderen Buchladens, doch im Handlungsverlauf nimmt er eine untergeordnete Rolle ein. Im Fokus steht die Entstehung des „Guten Romans“, die Idee dahinter, das Anliegen, der Leserschaft gute Literatur zu bieten. Nichtsdestotrotz sind die Anschläge auf die Komitee – Mitglieder ein wichtiger Baustein, den Laurence Cossé nutzt, um das moderne Verlagswesen zu desmaskieren. Sie zeigt auf, wie schwierig der Qualitätsanspruch von Menschen wie Ivan und Francesca sowie ihren KundInnen heutzutage umzusetzen ist, da doch Verkaufszahlen der wichtigste Faktor sind. Cossé kritisiert nicht den Geschmack der LeserInnen, es muss sich also niemand auf den Schlips getreten fühlen, sondern die Mechanismen einer harten Branche. Auch ich fühlte mich von einem trivialen, aber populären Buch wie Dan Browns „Illuminati“ gut unterhalten, doch mir war bewusst, dass es sich dabei um keine lebensverändernde Lektüre handelt. „Die Straße“ von Cormac McCarthy hingegen hat mein Verständnis des Wesens „Mensch“ durchaus beeinflusst. Ich habe beide Bücher genossen, nachhaltig in meinem Gedächtnis verankert ist jedoch nur „Die Straße“. McCarthy taucht in „Der Zauber der ersten Seite“ übrigens auf, er erhält von Ivan und Francesca das Qualitätsgütesiegel, was mich ganz besonders freute. Überhaupt stahl sich jedes Mal ein Lächeln auf mein Gesicht, wenn Cossé AutorInnen nannte, die ich bereits gelesen habe oder zumindest kenne. Außerdem enthält meine Ausgabe im Anhang eine Liste der erwähnten Werke; ich werde mir irgendwann die Zeit nehmen, diese Lektüreliste durchzuarbeiten.

„Der Zauber der ersten Seite“ ist ein Kleinod in meiner Büchersammlung, ein Schatz für alle LeserInnen, die Büchern ebenso viel Leidenschaft entgegen bringen wie Francesca, Ivan und ich. Es hat mein Herz berührt; ich habe mich an so vielen Stellen wiedererkannt. Nur weil ein Buch ein Bestseller ist, muss das noch lange nicht heißen, dass es auch kostbar ist. Es ist nicht verwerflich, nicht alles, was der Markt anpreist, zu lesen; ebenso wenig muss man als LeserIn alles mögen, was erfolgreich ist.
Es wundert mich, dass dieses Buch eher unpopulär geblieben ist, denn es spricht allen LiebhaberInnen guter Literatur aus der Seele.

 

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