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Schlagwort-Archive: Briefroman

Merrill Markoe – Mein Geburtstag und andere Katastrophen

Ich habe keine Ahnung, wie es „Mein Geburtstag und andere Katastrophen“ von Merrill Markoe in mein Bücherregal geschafft hat. Das Buch passt so gar nicht in mein Beuteschema, daher vermute ich, dass es irgendwann einmal Gegenstand einer Rettungsmission war. In meiner Teenagerzeit habe ich häufig Bücher mitgenommen, die andernfalls auf dem Müll gelandet wären, unabhängig vom Inhalt. Das heißt, ich besitze dieses Buch schon sehr, sehr lange. In den letzten Jahren zweifelte ich daran, ob ich es jemals lesen würde, aber die heutige Rezension beweist, dass jedes Buch seine Zeit hat. Selbst ein Chic-Lit-Roman, der meinem Geschmack eigentlich widerspricht.

Wie ist es nur möglich, dass jedes Jahr gleich verläuft? Es kann doch nicht sein, dass man als erwachsene Frau von 36 Jahren ständig dieselben Fehler wiederholt und sich von den spitzen Kommentaren nörgelnder Eltern, gutmeinenden Ratschlägen ahnungsloser Freundinnen und verwirrenden Signalen kryptischer Männer langsam in den Wahnsinn treiben lässt. Etwas muss sich ändern! Eine neue Tradition muss her: einmal im Jahr, am Geburtstag, einen Brief an sich selbst zu verfassen, das Jahr Revue passieren zu lassen und sich daran zu erinnern, was man alles nicht mehr tun wollte, klingt wie eine gute Idee. Bestandsaufnahme und Vorsatzsammlung in einem. Dummerweise ist es gar nicht so leicht, sich zu ändern. Katastrophen scheren sich nicht um gute Vorsätze. Da helfen nur noch entschlossenes Krisenmanagement und der feste Glauben daran, dass irgendwann alles besser wird. Wird es doch, oder?

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Verfasst von - 11. Dezember 2018 in Chic-Lit, Rezension, Romantik

 

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Lilly Linder – Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

2015-12-07 - Lindner Was fehlt wenn ich verschwunden bin

Lilly Lindner wurde berühmt durch die Veröffentlichung ihrer Biografie „Splitterfasernackt“ im Jahre 2011. Zugegebenermaßen ist dieses Buch an mir völlig vorbeigegangen. Der Name Lilly Lindner schob sich erst in mein Bewusstsein, als ihr neuster Roman „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ durch die Blogs tingelte und in höchsten Tönen gelobt wurde. Die Begeisterung der Blogger_innen war so groß, dass ich entschied, es lesen zu wollen, obwohl ich Bücher zum Thema psychische Erkrankungen mittlerweile eher meide. Was mich überzeugte, war, dass es sich bei diesem Buch um einen Briefroman handelt und Lindner die Perspektive einer Angehörigen einnimmt.

Für die 9-jährige Phoebe ist ihre große Schwester das Zentrum ihrer Welt. Niemand versteht sie so wie April. Doch nun ist April fort. Ihre Eltern haben sie in eine Klinik gebracht, weil sie krank ist. Phoebe versteht nicht, was Magersucht eigentlich bedeutet, aber sie spürt sehr genau, dass die Krankheit ihre Familie zerreißt. Allein mit Millionen Fragen tut sie das einzige, das ihr einfällt, um mit der Sehnsucht nach ihrer Schwester fertig zu werden: sie schreibt April Briefe. Obwohl sie niemals eine Antwort erhält, schickt sie fast täglich Worte hinaus in die Stille. Denn nur die Worte ermöglichen es Phoebe, die Leere, die April hinterlassen hat, einen kurzen Moment zu ertragen.

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Verfasst von - 23. Dezember 2015 in Realistische Fiktion, Young Adult

 

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Stephen Chbosky – The Perks of Being a Wallflower

„The Perks of Being a Wallflower“

The Perks of Being a Wallflower

Autor: Stephen Chbosky

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 231

Verlag: Simon & Schuster

Sprache: Englisch

ISBN: 147111614X

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 08.05.2015

Bewertung:

„The Perks of Being a Wallflower” von Stephen Chbosky streifte lange Zeit immer wieder meine Aufmerksamkeit, bevor ich endlich entschied, es zu lesen. Ähnlich wie der Protagonist Charlie flog es sozusagen unter meinem Radar. Der endgültige Impuls, dieses Buch meiner Bibliothek hinzuzufügen, habe ich tatsächlich der Verfilmung „Vielleicht lieber morgen“ zu verdanken, denn ich wollte den Film nicht sehen, bevor ich das Buch kannte. Interessanterweise war Stephen Chbosky maßgeblich an der Produktion des Films beteiligt; er schrieb das Drehbuch und führte Regie. Bis heute ist „The Perks of Being a Wallflower” Chboskys einziger Roman. Er arbeitet in der Filmbranche als Drehbuchautor und Regisseur, hat aber meines Wissens nach nie wieder ein Buch geschrieben, was mich ein wenig wundert. Schließlich schaffte es „The Perks of Being a Wallflower” 1999 sogar auf die New York Times Bestsellerliste.

Charlie ist nicht populär. Er ist nicht beliebt. Er ist ein Mauerblümchen, jemand, der nur zusieht, während andere ihr Leben leben und genießen. Das war schon so, bevor sein bester Freund Michael Selbstmord beging. Jetzt, ohne Michael, ist Charlie ganz allein. Doch man sagt nicht umsonst, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Denn während er noch mit seinem Verlust kämpft, begegnet Charlie Sam und Patrick. Die Geschwister öffnen ihm ihre Herzen und fangen ihn auf, ziehen ihn weg von der Seitenlinie seiner Existenz und zeigen ihm, was es wirklich bedeutet, zu leben. Charlie betritt die unbekannte Welt der Dates, Partys und Familiendramen und merkt gar nicht, dass er auf dem besten Weg ist, erwachsen zu werden.

„The Perks of Being a Wallflower” ist ein wundervolles, berührendes Buch. Für mich kam es nur leider etwa 10 Jahre zu spät. Damit meine ich nicht, dass ich mit der Thematik des Erwachsenwerdens nichts mehr anfangen kann. Ich weiß diesen Briefroman auch heute noch durchaus zu schätzen. Aber ich bin überzeugt, das Buch hätte mir weit mehr geben können, hätte ich es mit 15, 16 Jahren gelesen. Es hätte meinen eigenen Selbstfindungsprozess unterstützt. Es hätte mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein. Ich bedauere dieses Versäumnis sehr, denn auch für mich war die Teenagerzeit nicht einfach. Ich wünschte, Charlie und ich hätten uns schon viel früher kennengelernt und wären gemeinsam erwachsen geworden. Von ihm hätte ich mich verstanden gefühlt, weil er ein so süßer, intelligenter und sensibler Junge ist. Vielleicht hätte ich mich sogar ein bisschen in ihn verknallt. Durch die Jahre und die Lebenserfahrung, die ich Charlie heute voraushabe, fiel es mir schwer, nicht ständig über seine psychische Verfassung nachzudenken. Diese spielt natürlich eine Rolle und ist einer der Gründe für sein Außenseiterdasein, aber es ist nicht fair, ihn darauf zu reduzieren. Ich musste mich anstrengen, ihn so zu nehmen, wie er eben ist und ihn nicht permanent zu analysieren. Trotzdem konnte ich es nicht völlig vermeiden, weil er, ungeachtet seiner positiven Eigenschaften, kein Charakter ist, in den ich mich mir nichts, dir nichts hineinversetzen konnte. Das lag daran, dass Charlie unglaublich distanziert ist. Gegenüber der Realität, anderen Menschen und sogar sich selbst. Er steht immer irgendwie außerhalb, schwebt über allem und wirkte auf mich häufig verträumt und nicht richtig präsent. Daraus resultierend ist er jedoch ein sehr aufmerksamer Beobachter. Er nimmt selbst nicht (immer) teil, aber er sieht Dinge. Er nimmt die Menschen um sich herum genau so wahr, wie sie wirklich sind. Das ist eine kostbare und beeindruckende Fähigkeit. So wenig er in Kontakt mit seinen eigenen Gefühlen steht, umso talentierter ist er darin, die Gefühle anderer zu lesen und zu deuten. Für Charlie existieren die Masken, die Menschen Tag für Tag aufsetzen, um den Schein zu wahren, nicht. Es ist nahezu paradox, wie empathisch er ist, angesichts dessen, dass er sich selbst meist nicht versteht. Ich habe mir sehr oft für ihn gewünscht, dass er nur einmal richtig in sich geht und seine Emotionen erkundet. Dass er herausfindet, wieso er tief in seinem Inneren so traurig und das Bedürfnis, mit jemandem zu reden, der ihn versteht, so stark ist, dass er Briefe an einen Fremden schreibt. Obwohl er neue Freunde findet, die er fast schon vergöttert, vertraut er niemandem von ihnen genug, um sein Herz auszuschütten. Auch mit seinen Eltern und seinen beiden älteren Geschwistern kann er nicht reden, denn für sie spielt er nur eine untergeordnete Rolle. Charlie schreibt es nicht nieder, aber ich denke, er fühlt sich oft überflüssig und manchmal sogar unerwünscht.
All seiner sozialen Tollpatschigkeit zum Trotz erlebt Charlie eine wahrhafte Entwicklung, die so sanft und allmählich passiert, dass er sie selbst wohl kaum bemerkt. Es spricht stark für Stephen Chboskys schriftstellerisches Talent, dass sich diese Entwicklung auch auf mich übertrug. Mein Gefühl für Charlie veränderte sich. Den Großteil des Buches über empfand ich eine diffuse, beklemmende Traurigkeit; ich hatte das Gefühl, Charlie beschützen und an die Hand nehmen zu müssen. Am Ende des Romans hingegen hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, ihn gehen zu lassen, weil ich davon überzeugt war, dass er sein Leben meistern wird.

„The Perks of Being a Wallflower” macht seiner Kategorisierung als Young Adult – Roman alle Ehre. Selten habe ich einen Vertreter der Initiationsliteratur gelesen, der so perfekt auf Jugendliche und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Natürlich kann man dieses Buch auch als erwachsener Mensch lesen; seine besondere Wirkung erzielt es meiner Meinung nach aber tatsächlich nur bei der Zielgruppe. Denn sich an seine Teenagerzeit zu erinnern ist etwas völlig anderes, als wie Charlie mittendrin zu stecken.

 
 

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