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Montagsfrage: Die Leben der Anderen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ist euch klar, dass wir mit großen Schritten auf Weihnachten zusteuern und sich 2018 dem Ende nähert? Wie passiert das nur immer? In den letzten zwei Wochen habe ich bereits die ersten Pläne für die besinnliche Jahreszeit entwickelt, die sich – wenig überraschend – ums Essen drehen. Neben dem normalen Familienprogramm an den Feiertagen werden wir ein Weihnachtsessen mit unseren Freunden veranstalten. Das ist jedes Jahr sehr schön, weil wir alle etwas beitragen. Ich freue mich auf den Dezember. So langsam muss ich mir allerdings Gedanken über Challenge-Management machen. Ich werde wohl vereinzelte Rezensionen vorziehen müssen, um mir die gelesenen Bücher rechtzeitig anrechnen zu können. Außerdem sammle ich schon fleißig Ideen für die Aufgaben der nächsten Ausgabe meiner High Fantasy Challenge. Ja, es geht 2019 weiter! Dazu wird es natürlich eine offizielle Ankündigung geben, vermutlich Mitte Dezember. Zusätzlich möchte ich in der Weihnachtszeit wieder eine Spendenaktion initiieren. Letztes Jahr hat meine Aufruf „Dankbarkeit für den guten Zweck“ dem Straßenkinder e.V. eine hübsche Summe eingebracht. Eure Großzügigkeit war inspirierend und ich möchte auch dieses Jahr wieder etwas Gutes tun. Ihr seht, uns stehen aufregende Wochen bevor. Ein fester Teil dieser Planung ist aber natürlich auch die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die heute ebenfalls auf dem Programm steht.

Unterhalten dich Biografien, oder findest du die non-fiction Geschichten anderer Menschen eher öde?

Gute Frage. Ich glaube, ich habe noch nie eine reine, waschechte Biografie gelesen. Zumindest nicht, wenn man darunter die chronologische Aufzählung der Gesamtheit der Erlebnisse eines Menschen versteht. Ich stehe diesem Genre nicht ablehnend gegenüber, aber bisher gab es keine Person, die mich so sehr interessierte, dass ich ein ganzes Buch über ihr Leben lesen wollte. Da reichen mir normalerweise die übersichtlicheren biografischen Angaben auf Wikipedia. Die kann ich mir auch viel besser merken.

Das heißt allerdings nicht, dass ich grundsätzlich einen großen Bogen um biografische Bücher machen würde. Ich liebte Joyce Carol Oates‘ interpretative Biografie von Marilyn Monroe, „Blonde“. Darin beschreibt sie das Leben dieser tragischen Ikone; neben Fakten bietet sie ein umfangreiches psychologisches Profil. Sie analysiert Monroe anhand dessen, was sie über sie recherchierte und verschafft sich selbst dadurch den Spielraum, ein intimes Licht auf sie zu werfen. Natürlich ist diese Analyse ihres emotionalen Zustands fiktiv – Monroe verstarb 1962 und Oates erhielt folglich nie die Chance, mit ihr zu sprechen. Dennoch fand ich ihre Darstellung sehr überzeugend und realistisch. Das Buch hat mich damals tief berührt.

Außerdem pflege ich eine intensive Vorliebe für Bücher, die von Personen geschrieben wurden, die wahrhaft Außergewöhnliches erlebt haben, ob positiv oder negativ. Dabei interessiert mich die Persönlichkeit selbst meist weniger, es ist das Ereignis, das mich fasziniert. Ich lese diese biografischen Werke für den Wissenszuwachs, weil die Perspektive eines Menschen, der direkt involviert war, einzigartig ist. Tatsächlich habe ich dieses Jahr bereits mehrere Memoiren gelesen: „A Mother’s Reckoning: Living in the Aftermath of the Columbine Tragedy“ von Sue Klebold (Mutter des Columbine-Amokläufers Dylan Klebold), „If I Did It“ von O.J. Simpson und „Without A Doubt“ von Marcia Clark (leitende Staatsanwältin im Mordprozess gegen O.J. Simpson). Ich fand alle drei Bücher äußerst aufschlussreich, wobei „A Mother’s Reckoning“… nun, es sticht hervor, weil es mich emotional unheimlich mitgenommen hat. Der Fall O.J. Simpson animierte mich sogar dazu, ein dreiteiliges Rezensionsexperiment durchzuführen. Keines dieser Bücher beleuchtet ein gesamtes Leben. Sie beschäftigen sich mit einem Lebensabschnitt, der von einem bestimmten Erlebnis bestimmt wurde. Folglich sind es keine echten Biografien, dennoch aber autobiografisch.

Ich weiß daher nicht so recht, ob ich die heute Frage nun mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten soll. Irgendwie beides. 😀

Lest ihr gerne Biografien und wenn ja, wieso?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen grandiosen Wochenstart!
Alles Liebe,
Elli ❤️

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10. 03. 2015 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 😀

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese wunderbare Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „My Sister, My Love“ von Joyce Carol Oates und bin auf Seite 55 von 562.

my sister my love „Little Bliss Rampike is an ice-skating superstar and just six years old when she is found brutally murdered in the furnace room of her affluent New Jersey home. The crime shocks America and sends the media world into frenzy. No one escapes suspicion, and everyone, it seems, is ready with a theory, an accusation – or a false confession. Now Bliss’s older brother Skyler, himself an early suspect, is determined to set the record straight in this raw account of his sister’s short life and horrific death. But can his memories really be trusted? Or is he hiding the truth of what happened to Bliss that night – even from himself?“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„It was noted, a few pages back, that my Rampike ancestors had originally lived in the north of England, and belonged to a „radical Calvinist sect“; in fact, my father’s most -sole?- distinguished ancestor was the celebrated/notorious Reverend Joshua Rampike who’d brought his small but fanatically devoted flock of believers („flock“ – sadly, a cliché! – is invariably the most appropriate word for such Calvinist/Christian ancestors of mine) to the newly established settlement at Philadelphia, in 1668; their hope was to escape religious persecution in the unfathomably dreary hills of Humberside, on the North Sea, and to establish a theocracy, under the thunderous leadership of Reverend Rampike, in which they might persecute other Christians.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich liebe Joyce Carol Oates. Sie schreibt so wundervoll. Ihre Art, sich in ihre ProtagonistInnen hineinzuversetzen und ihre Gefühls- und Gedankenwelt lebendig werden zu lassen, ist in meinen Augen absolut unerreicht. Ich kenne keine andere Autorin, die so sensibel, einfühlsam und psychologisch realistisch Geschichten entstehen lässt.

„My Sister, My Love“ hat, wie auch schon „Blonde“, einen Bezug zu tatsächlichen Ereignissen und Personen. Vermutlich ist es bei LovelyBooks deswegen unter den historischen Romanen abgelegt, obwohl ich das ja ein wenig übertrieben finde, schließlich spielt es im Jahr 1996. 😉
Vorbild ist der mysteriöse Fall der 6-jährigen JonBenét Ramsey, die 1996 ermordet im Keller ihres Elternhauses aufgefunden wurde. JonBenét war eine klassische Kinder-Schönheitskönigin. Am 26. Dezember fanden ihre Eltern im Treppenhaus einen Erpresserbrief, in dem stand, sie sei entführt worden und in dem ihnen angedroht wurde, das Mädchen werde getötet, sollten sie nicht 118.000$ (seltsame Summe, oder?) zahlen, ohne die Polizei zu rufen. Die Ramseys informierten die Polizei trotzdem; während diese auf den Anruf der Erpresser wartete, durchsuchte die Familie selbst das Haus. John Ramsey, JonBenéts Vater, fand die Leiche seiner Tochter im Keller. Der erwartete Anruf der Erpresser blieb aus.
Im Folgenden begann eine Hetzjagd der Presse gegen die Familie, obwohl es keine Beweise gab, die die Schuld der Eltern belegt hätten. Erst 2008, 12 Jahre nach der Tat, entschuldigte sich die US-Justiz und erklärte den Verdacht gegen die Ramseys als haltlos. Zu diesem Zeitpunkt war JonBenéts Mutter Patsy Ramsey bereits einer Krebserkrankung erlegen und verstorben. Bis heute ist nicht geklärt, wer für den Mord an JonBenét Ramsey verantwortlich war. 2009 wurde die Akte erneut geöffnet.

In „My Sister, My Love“ verarbeitet Joyce Carol Oates die Rolle der Medien in diesem Fall und portraitiert eine Familie, die bereits vor der Tragödie schwerwiegende Probleme hatte. Ich denke, das Buch wird ein ziemlich bewegender Ausflug in eine gestörte Familie. Oates schreibt aus der Perspektive von Bliss‘ älterem Bruder Skyler und bereits jetzt kann ich ihn soweit einschätzen, dass ich sagen kann, dass der arme Junge einige tiefe psychische Narben aus seiner Kindheit davon trug. Aufgrund des Mordes an seiner Schwester, aber auch aufgrund der Strukturen in seiner Familie. Betsey Rampike, Skylers und Bliss‘ Mutter, durfte ich auch schon kennenlernen. Sie ist… also ich würde auf bipolar tippen. Vielleicht hat sie auch „nur“ eine postnatale Depression – irgendetwas ist in ihrer Seele jedenfalls nicht in Ordnung. In den Szenen, die Skyler bisher beschrieben hat, ist er vier Jahre alt. Sie erzählt ihm Dinge, die völlig unangemessen sind und stellt ihm Fragen, auf die er keine Antwort geben kann. Sie behandelt ihn nicht wie ihren 4-jährigen Sohn, sondern wie einen gleichberechtigten Gesprächspartner. Das ist falsch. Er sollte nicht ihr seelischer Mülleimer sein.
Außerdem glaube ich, dass ich ein bisschen brauchen werde, um das Buch abzuschließen. Oates schreibt wundervoll, ist aber nicht ganz einfach zu lesen. Im Falle von „My Sister, My Love“ tritt das besonders zu Tage, weil Skylers Gedanken und Erinnerungen weder linear noch geordnet sind. Er schreibt einfach drauf los, was ihr im Zitat sicher schon festgestellt habt.

4. Welcher Charakter aus deinem aktuellen Buch ist dir am sympathischsten? Was würdest du gerne mit ihm/ihr unternehmen, wenn du ihn/sie treffen könntest?

Puh, schwer zu sagen. Bisher kenne ich ja eigentlich nur Skyler und auch über ihn weiß ich noch nicht viel. Ich kann diese Frage daher eigentlich noch gar nicht beantworten. Wie ich Oates kenne, ist es auch gut möglich, dass ich keinen ihrer Charaktere jemals so sympathisch finde werde, dass ich ihn oder sie treffen wollen würde. Ihre Figuren sind oft facettenreich und ambivalent, sodass es nicht so einfach ist, sich eine Meinung zu ihnen zu bilden. Sie sind wahre Persönlichkeiten, mit einigen guten, aber auch schlechten Eigenschaften.
Anhand dessen, was ich bis jetzt über Skyler weiß, würde ich nichts mit ihm unternehmen wollen. Ich würde wohl versuchen, ein sicheres Umfeld für ihn herzustellen; eine Atmosphäre und Situation, die es ihm ermöglicht, sich zu öffnen. Eine Umgebung, in der ich ihn in den Arm nehmen und ihm sagen könnte, dass er aufhören muss, sich zu bestrafen für das, was Bliss passiert ist. Ob er nun Schuld an ihrem Tod hat oder nicht, irgendwann muss er sich selbst vergeben, will er weiter leben. Wovon ich allerdings (noch) nicht überzeugt bin. Skyler ist ein zutiefst verstörter junger Mann, was könnte ich schon mit ihm unternehmen? Woran hätte er Spaß? In seinem Herz und in seiner Seele herrscht Dunkelheit. Er ist traurig und wütend. Ich würde ihm gern einen schönen Moment schenken, aber ich bezweifle doch sehr stark, dass ihn irgendetwas wahrhaft erreichen würde. Also würde ich nur versuchen, ihm zuzuhören.

Was lest ihr im Moment? Welchen Charakter aus eurer Lektüre würdet ihr gern treffen und was würdet ihr dann unternehmen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Antworten und Kommentare! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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27. 01. 2015 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! 😀 Ich muss sagen, mittlerweile freue ich mich immer richtig darauf, zu lesen, in welchen Büchern eure Nasen zur Zeit stecken. Für mich selbst ist es auch irgendwie wichtig geworden, weil es eine tolle Gelegenheit ist, schon vor der Rezension zu einem Buch meine Gedanken zu ordnen. Die Aktion wird abwechselnd von Schlunzen-Bücher und Weltenwanderer betreut, die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Sturmwelten“, den ersten Band der Sturmwelten-Trilogie von Christoph Hardebusch und bin auf Seite 437.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Der Anblick der Todsünde allein verbreitete schon genug Schrecken, ebenso wie die schwarze Flagge, sodass viele Schiffe sich widerstandslos ergaben.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Oh man, oh man, oh man. 😀 Es macht ja solchen Spaß, durch die Ozeane der Sturmwelt zu schippern. Ich liebe die Atmosphäre und ich liebe es, dass immer mal wieder solche Sätze fallen wie „Sie ist eine Tochter der See“ oder „Du trägst die See in dir“. Das weckt in mir die Sehnsucht, auch auf einem Schiff anzuheuern und wild, stolz und frei über die Weltmeere zu kreuzen. Glücklicherweise fällt mir immer rechtzeitig wieder ein, dass die heutige Schifffahrt nichts mit meinen romantischen Vorstellungen zu tun hat. 😉
Ich finde es ganz erstaunlich, wie viel Ruhe Christoph Hardebuschs Roman ausstrahlt. Beim Lesen fühle ich mich zutiefst entspannt, selbst wenn die Handlung gerade ziemlich aufregend ist. Vermutlich liegt es daran, dass Hardebusch sich viel Zeit genommen hat und seine Trilogie sehr bedächtig beginnt. Er führt seine LeserInnen ganz gemächlich in seine Welt ein und lässt sie die sehr unterschiedlichen Hauptcharaktere in Ruhe kennenlernen. Erst jetzt, nach über der Hälfte, wurde zum ersten Mal das schwarze Schiff vom Klappentext erwähnt. Mir gefällt das sehr gut, denn mal ehrlich, in einer Trilogie mit rund 1.700 Seiten ist Eile unnötig. Kein Grund, den Spannungsbogen direkt zu Beginn explodieren zu lassen und schon alles Pulver zu verschießen.
Einen kleinen Kritikpunkt muss ich trotzdem bemängeln, obwohl dieser nicht so schwer ins Gewicht fällt. Ich hätte mir eine ausführlichere Erklärung der Interaktion von Magie und Religion gewünscht. Anscheinend sind die Fähigkeiten von Magiern und Klerikern entgegen gesetzt; Magier können Magie wirken, Kleriker neutralisieren sie. Trotzdem ist die Beziehung zwischen Magiern und Klerikern nicht feindlicher Natur, vielmehr interagieren sie und arbeiten miteinander statt gegeneinander. Das ist wirklich interessant und ein toller Ansatz, aber leider erfährt man all das nur so nebenbei. Am Anfang war ich davon etwas verwirrt und musste erst einmal verstehen, wer jetzt zu welcher Gruppe gehört und was das bedeutet. Ein paar erläuternde Sätze wären hilfreich gewesen. Das ist allerdings wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt, der meinen Spaß nicht mindert – Jammern auf hohem Niveau eben. 😀

Übrigens sieht es ganz gut aus bezüglich des dritten Bandes, der ja vergriffen ist (schaut mal HIER vorbei, wenn ihr die ganze Geschichte lesen wollt). Die eBay-Auktion endet morgen und noch bin ich Höchstbietende! 😀

4. Schreibt ihr euch gerne Zitate aus Büchern ab? Sammelt ihr sie und habt ihr vielleicht sogar ein Lieblingszitat?

Nein, ich schreibe mir keine Zitate aus Büchern ab. Ich sehe darin nicht wirklich einen Sinn, weil ich nicht daran glaube, dass ich mir diese Zitate dann im Nachhinein regelmäßig durchlese. Nicht mal Fotos schaue ich mir in regelmäßigen Abständen an. Also klemme ich mir den Aufwand. Stattdessen markiere ich mir besondere Stellen in Büchern, wenn sie mir sehr gefallen. In Romanen mache ich das in der Regel mit Bleistift und/oder Post-it, bei Sachbüchern kommt auch gern mal der Textmarker zum Einsatz, weil ich denke, ich soll aus dem Buch was lernen, also kann ich auch richtig damit arbeiten. Wenn ich ein Buch dann nach Jahren wieder aufschlage, weiß ich sofort, was mich damals begeistert hat. Als ich z.B. das Zitat aus „Unter Null“ rausgesucht habe, war das überhaupt kein Problem, weil ich es mit Bleistift angestrichen hatte. Erstaunlicherweise helfen mir diese Markierungen aber auch, Textstellen im Gedächtnis zu behalten. Ich erinnere mich dann leichter. Ich weiß bis heute noch, welcher Absatz in „Die Straße“ von Cormac McCarthy mich am meisten beeindruckt hat und ich weiß auch noch, wie wundervoll ich das Gleichnis der ausgestopften Vögel in „Blonde“ von Joyce Carol Oates fand. Das heißt, ich brauche keine physische Zitate-Sammlung, weil ich die Passagen, die mich wirklich begeistern, in meinem Gedächtnis abspeichere. Selbstverständlich nicht auswendig und Wort für Wort, aber ich erinnere mich sehr wohl daran, um was es ging und habe ein ungefähres Gefühl dafür, wo die Stelle im Buch zu finden ist. Mir reicht das. 🙂
Ein wirkliches Lieblingszitat habe ich nicht, aber da ich eben schon Cormac McCarthy erwähnte, möchte ich euch besagten Absatz nicht vorenthalten:

„Im grauen Licht ging er hinaus, blieb stehen und erkannte einen Moment lang die absolute Wahrheit der Welt. Das kalte, unerbittliche Kreisen der hinterlassenschaftslosen Erde. Erbarmungslose Dunkelheit. Die blinden Hunde der Sonne in ihrem Lauf. Das alles vernichtende schwarze Vakuum des Universums. Und irgendwo zwei gehetzte Tiere, die zitterten wie Füchse in ihrem Bau. Geliehene Zeit, geliehene Welt und geliehene Augen, um sie zu betrauern.“
(„Die Straße“, S. 118)

Was lest ihr im Moment? Sammelt ihr Zitate? Welches ist euer liebstes?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Gedanken und Kommentare! 😀

 
7 Kommentare

Verfasst von - 27. Januar 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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17. 02. 2014 – Der merkwürdige Stolz

Gestern Abend habe ich, nachdem ich „Blonde“ von Joyce Carol Oates ausgelesen hatte, noch mit Chuck Palahniuks „Fight Club“ begonnen. Ich wusste bereits vorher, dass ich für die 256 Seiten nicht lange brauchen werde. Ich bin vor etwa 15 Minuten fertig geworden, damit habe ich nicht einmal 24 Stunden für das Buch gebraucht. Bei einem kurzen Werk wie „Fight Club“ ist das sicher keine große Sache, aber trotzdem erfüllt mich dieses Wissen immer wieder mit einem seltsamen Stolz. Ich komme einfach nicht dahinter, warum und worauf ich überhaupt stolz bin, denn es gibt dafür eigentlich keinen Anlass. Die Umstände erlaubten mir, den ganzen Tag zu lesen, ich hatte darauf keinen Einfluss. Auch halte ich meine Lesegeschwindigkeit nicht für außergewöhnlich. Das heißt, ich habe nichts geleistet, fühle mich aber trotz dessen, als wäre ich einen Marathon in einer Bestzeit gelaufen. Vielleicht sollte ich aber auch einfach das Gefühl genießen, solange es wärt und mir diesen kleinen Ausflug in den Hochmut erlauben. Es tut schließlich niemandem weh. 🙂

++ACHTUNG: Dieser Beitrag wurde übertragen. Erstellungsdatum ist der 17.02.2014!++

 

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Joyce Carol Oates – Blonde

„Blonde“

Blonde

Autor: Joyce Carol Oates

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 738

Verlag: ECCO

Sprache: Englisch

ISBN: 0061774359

Genre: Realistische Fiktion & Biografie & Drama

ausgelesen am: 16.02.2014

Bewertung:

Bereits zu Beginn des Monats erklärte ich in Neuigkeiten & schnelle Gedanken, warum ich mir Joyce Carol Oates Roman „Blonde“ zulegte: die Faszination, die das Leben von Marilyn Monroe auf mich ausübte, gepaart mit meiner allumfassenden Bewunderung für Oates‘ beeindruckenden Schreibstil. Nun habe ich die Lektüre beendet und habe in dieser nur Bestätigung für meine Entscheidung gefunden. Dieses Buch ist eines der besten, die ich je gelesen habe. Meine emotionale Bindung an Handlung und Charaktere war so groß, dass es mir schwer fällt, überhaupt eine Rezension zu verfassen, die all die komplizierten psychologischen Prozesse während des Lesens angemessen beschreibt.

„Blonde“ von Joyce Carol Oates ist keine verlässliche Biografie, das stellt die Autorin bereits im Vorwort klar. Natürlich nutzte Oates harte Fakten aus dem Leben von Norma Jeane Baker als Gerüst, hauptsächlich ist „Blonde“ jedoch eine fiktive Interpretation der Geschehnisse. Der Leser begegnet Norma Jeane 1932, im Alter von 6 Jahren und begleitet sie 30 Jahre lang, bis zu ihrem tragischen Tod am 5. August 1962. 30 Jahre, die geprägt wurden von der immerwährenden Suche nach Liebe und Anerkennung; von Selbstzweifeln, Zurückweisung und Schmerz. Oates präsentiert in dem ihr ganz eigenen Stil des psychologischen Realismus das Mädchen hinter der Fassade der blonden Sexbombe Marilyn Monroe. Hierfür vereint sie ausgewogen zahllose Perspektivwechsel; primär agiert für den Leser ein auktorialer Erzähler, es kommen jedoch auch Zeitgenossen, Freunde und Liebschaften zu Wort. Nur in den seltensten Fällen übernimmt Norma Jeane selbst das Erzählen; ab und zu erfolgen kurze, äußerst persönliche Einwürfe ihrerseits, die eine sehr intime Situation vermitteln. So entsteht über den Großteil des Buches eine unfassbar starke Bindung an die Protagonistin, der Identifikationsgrad ist angesichts des Verlaufs ihres Lebens fast schon schmerzhaft hoch. Gegen Ende verliert sich diese enge Beziehung, was meines Erachtens nach von Oates durchaus beabsichtigt war. Je mehr Norma Jeanes Distanz zu sich selbst und zu ihrem Leben inklusive der Figur Marilyn Monroe wächst, desto mehr entfernt sie sich vom Leser und der Leser automatisch auch von ihr. Von einer nach Liebe suchenden Perfektionistin entwickelt sie sich zu einem verlorenen, anstrengenden Schatten ihres ursprünglichen Ichs, der beinahe paranoide Angst davor hat, ausgelacht und abgewiesen zu werden. Begünstigst wird diese Entwicklung sicherlich durch ihren extrem widersprüchlichen Charakter. Selten habe ich einen Protagonisten erlebt, der so innerlich zerrissen und unausgeglichen war. Es sticht hervor, dass ihre Verletzlichkeit dabei immer wieder im Fokus steht; eine Eigenschaft, die in der Regel von den Männern in Norma Jeanes Leben genannt wird. Hier zeigt sich, wie die junge Schauspielerin von der männerdominierten Welt Hollywoods gesehen wurde: als naives Fohlen, das entweder beschützt oder kinderleicht missbraucht und ausgenutzt werden konnte. Ich hatte den Eindruck, dass Norma Jeane mit dieser Sichtweise niemals zurechtkam; sie verstand nicht, wieso sie nie oder nur sehr selten für ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten geschätzt wurde. Ihre Gier nach Anerkennung hinderte sie allerdings daran, sich zu wehren. Demzufolge wurde sie von Männern erschaffen und verbraucht, die sie nie davon überzeugen konnte, dass sie weit mehr war als nur ein Sexobjekt oder eine Geldmaschine. Aus feministischer Sicht ist „Blonde“ daher die Geschichte einer Frau, die versuchte, sich in der Welt der Männer zu behaupten, aber nicht gegen die bestehenden Vorurteile ankam und deswegen unterging. Die stereotype Rolle der Marilyn Monroe wurde Norma Jeane aufgezwungen; ihr Leben lang verband sie mit dieser eine ausgeprägte Hass-Liebe. Sie hasste das Image der dummen aber kurvenreichen Blondine, die niemals ernst genommen wurde; doch sie liebte die Aufmerksamkeit, die Anerkennung und die Möglichkeiten, denn Marilyn bekam so gut wie immer das, worum sie bat. Leider war Norma Jeane nie in der Lage, das Potential dieser Rolle zu erkennen. In meinen Augen hätte Marilyn als ihr Panzer fungieren können, der ihr ein gewisses Maß an Privatsphäre sowie den Schutz ihrer Identität und ihrer wahren Persönlichkeit hätte bieten können.

Zusammenfassend kann ich von mir behaupten, dass sich mein Blick auf Marilyn Monroe durch das Buch grundlegend geändert hat. Vor allem habe ich begriffen, dass Marilyn Monroe eine Illusion war; eine Kunstfigur, die getrennt von der echten Norma Jeane Baker zu betrachten ist. Mir war bereits vor dem Lesen bewusst, dass Norma Jeanes Leben eine Tragödie war; ich war jedoch nicht darauf vorbereitet, dass mir Oates‘ biografische Interpretation so ans Herz gehen würde. Ihre Verwendung von wundervollen Metaphern und Gleichnissen verdeutlichte mir, was für eine getriebene, zutiefst traurige Frau die Ikone Monroe neben all ihrem Witz und Charme eigentlich war. Die Autorin geht so umfassend, tiefgründig und verständnisvoll auf die Psyche Norma Jeanes ein, dass es mir an einigen Stellen buchstäblich die Tränen in die Augen trieb. Ich wünschte, sie hätte gerettet werden können. Ich wünschte, sie hätte eines Tages den sicheren Hafen erreicht, den sie verdient hatte. Ich wünschte, ich hätte die Worte, um „Blonde“ so zu beschreiben, wie der Roman es eigentlich verdient.

Ich ziehe meinen Hut vor Joyce Carol Oates und Norma Jeane Baker. Lest dieses Buch, wenn ihr kein Herz aus Stein habt.

f0882

 
 

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