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Montagsfrage: Kritzeleien im Buch?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe meinen Laptop zurück! Natürlich hat es etwas länger gedauert, als erwartet, aber jetzt steht er hier vor mir samt einer niegelnagelneuen Tastatur. Als der liebe PC-Doktor ihn am Samstag wiederbrachte, hätte ich Luftsprünge machen können und habe direkt den ganzen Abend dem Seriensuchten gewidmet. Es ist wirklich so viel schöner, auf dem eigenen Gerät zu arbeiten, wo Passwörter gespeichert, die richtigen Programme installiert und eben alle meine Bedürfnisse erfüllt sind. Deshalb macht mir die Beantwortung der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise heute besonders viel Spaß!

Buch mit Notiz?

Ich selbst schreibe so gut wie nie Notizen in meine Bücher. Das hat allerdings weniger damit zu tun, dass ich das als Blasphemie empfinden würde, wie Antonia andeutet. Es hängt mit der Arbeitsweise zusammen, die ich mir für meine Rezensionen zurechtgebastelt habe. Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass es für mich wesentlich ergiebiger, produktiver und konstruktiver ist, meine Gedanken erst nach der Lektüre eines Buches zu notieren. Ich lasse meine Eindrücke einer Geschichte gern eine Weile in mir rumoren und sacken, bevor ich sie aufschreibe, denn mein Unterbewusstsein führt mich oft auf ganz erstaunliche mentale Wege, wenn ich ihm die Zeit dazu gebe. Ich habe beobachtet, dass Notizen, die ich während einer Lektüre schreibe, eher oberflächlich sind und mir am Ende nicht so viel bringen. In die Tiefe gelange ich erst, nachdem ich das gesamte Buch kenne und es als Einheit auf mich wirken lasse. Außerdem sind Gedanken, die ich auf einer Seite hege, mit der nächsten vielleicht bereits obsolet, weil sich Sachverhalte und Entwicklungen schnell relativieren können. Deshalb ergibt es für mich keinen Sinn, im Buch herumzukritzeln. Mit einem externen Notizbuch fahre ich deutlich besser.

Ästhetische Überlegungen spielen hierbei eine geringe Rolle. Könnte ich mit Notizen, die während einer Lektüre entstehen, besser arbeiten, hätte ich wenig Hemmungen, diese in dem entsprechenden Buch festzuhalten und ich kann verstehen, dass es einige Leser_innen gibt, die genau das tun. Ich kann mir vorstellen, dass sie mich bei potenziellen späteren Rereads stören und die Wirkung der Geschichte verfremden könnten, doch ich glaube nicht, dass mich das aufhalten würde, wenn ich dadurch bessere Rezensionen schreiben könnte. Ich betrachte Bücher nicht als Heiligtümer, sie sind Gebrauchsgegenstände. Wundervolle, magische Gebrauchsgegenstände, aber immer noch Gebrauchsgegenstände. Ich finde es albern, sie mit übertriebener Ehrfurcht zu behandeln. Ihr Zweck besteht darin, Freude zu entfachen. Wer Freude dabei empfindet, an den Rand des Textes zu schreiben – bitte, nur zu, von mir werdet ihr kein kritisches Wort hören.

Notiert ihr eure Gedanken direkt in Büchern?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fantastischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Joanne K. Rowling, Jack Thorne & John Tiffany – Harry Potter und Das verwunschene Kind

Die Rezension zu „Harry Potter und Das verwunschene Kind“ ist vermutlich die seltsamste, die ich jemals geschrieben habe. Die ganze Situation ist maßlos seltsam. Bereits die Aussicht, nach all den Jahren ins Potter-Universum zurückzukehren, erst durch den Reread (gemeinsam mit meiner Schwester im Geiste Marina aka DarkFairy) und jetzt durch eine neue Geschichte, löste in mir eine wahre Flut verschiedener, teils gegensätzlicher Emotionen aus.

Als ich erfuhr, dass sich Joanne K. Rowling mit dem Drehbuchautor Jack Thorne und dem Theater-Regisseur John Tiffany zusammengetan hatte, um die „Harry Potter“ – Reihe mit einem Theaterstück weiterzuführen und dieses als Buch erscheinen sollte, war ich erst nicht sicher, ob ich es überhaupt lesen wollte. Vielleicht erging es einigen von euch ähnlich. Die Romane dieser Reihe sind mir heilig; sie sind ein bedeutender Teil meiner Kindheit, Jugend und meines erwachsenen Lebens. Der ursprünglich letzte Band „Harry Potter und Die Heiligtümer des Todes“ erschien 2007 – 2016, neun Jahre später, sollte es nun also eine Fortsetzung für die Bühne geben? Das erschien mir wie ein Sakrileg. Blasphemie. Hatten Jack Thorne und John Tiffany überhaupt eine Ahnung von „Harry Potter“? Wussten die beiden Männer, welches enorme Erbe sie antreten wollten und wie viel Verantwortung sie damit auf ihre Schultern luden? Potterheads sind empfindliche, verletzliche Wesen, deren Zorn furchtbar sein kann, beschmutzt man das Andenken an „ihre“ Bücher. Ich bin da keine Ausnahme. Die Geschichte des Zauberlehrlings ist für uns eben nicht nur eine Geschichte. Sie ist literarische Magie. Wir lachten, weinten, bangten mit Harry und wurden an seiner Seite erwachsen. Dieses ominöse Stück, „Harry Potter und Das verwunschene Kind“, musste schon verdammt gut sein, um der Erinnerung an Jahre der Liebe und Verbundenheit gerecht zu werden.

Was mich letztendlich überzeugte, das Bühnenstück doch zu lesen, war – neben purer Neugierde – Joanne K. Rowlings Mitarbeit. Ich dachte, wenn Harrys schriftstellerische Mutter das Projekt überwachte, für gut befand und darauf achtete, dass es sich homogen in die Reihe einfügte, konnte mein Risiko nicht allzu groß sein. Ich gestand ihr einen Vertrauensvorschuss zu und wollte daran glauben, dass sie niemals zulassen würde, dass Harry in diesem neuen Buch lächerlich gemacht würde. Sie kennt die Fans. Sie weiß, was Harry uns bedeutet. Ich bin überzeugt, dass er ihr mindestens genauso viel bedeutet. Also ließ ich mich auf das Experiment ein und kaufte „Harry Potter und Das verwunschene Kind“, womit es übrigens der erste Potter überhaupt ist, den ich selbst bezahlte.

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Jonathan Maberry – Flesh & Bone

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Jonathan Maberrys Zombiepostapokalypse „Rot & Ruin“ ist nicht nur meiner Meinung nach großartig. Sie wurde mit zahlreichen Preisen und Nominierungen ausgezeichnet, darunter der populäre Bram Stoker Award, den Maberry gleich dreimal gewann. Damit befindet er sich in Gesellschaft namhafter Autor_innen wie Neil Gaiman, Stephen King und Joanne K. Rowling. Sein Beitrag zur modernen Horrorliteratur wurde sozusagen offiziell bestätigt. Der dritte Band „Flesh & Bone“ ist einer der Preisträger. 2012 erhielt das Buch den Bram Stoker Award in der Kategorie bester Young Adult – Roman. Für mich spielen diese Auszeichnungen keine Rolle. Ich bin von der Reihe überzeugt und freute mich im August 2016 auf meinen dritten Ausflug in die Zombie-bevölkerte Einöde des Rot and Ruin.

Benny und seine Freunde trauern. Die Ereignisse im wiedererrichteten Gameland hinterließen tiefe Wunden. Umso entschlossener sind sie, endlich den Jet zu finden, den sie vor Monaten am Himmel sahen – für eine bessere Zukunft, für ein Leben, das diese Bezeichnung auch verdient. Es muss draußen im Rot and Ruin Menschen geben, die gegen die Zombieplage ankämpfen, besonders jetzt, da die Zombies zu mutieren scheinen. Doch ihre Reise führt sie vorerst nicht in die Arme von Wissenschaftlern und Militärs, sondern lässt sie die Bekanntschaft eines gefährlichen Todeskults machen. Die Mitglieder der Night Church glauben, dass die Zombies die rechtmäßigen Erben der Erde sind und ihre Aufgabe darin besteht, sie ihnen zu übergeben. Sie wollen der Blasphemie, dem Leben selbst, Einhalt gebieten und sind bereit, für ihren Glauben zu morden. Mitten im Kampf gegen die Night Church erfahren Benny, Nix, Lilah und Chong von Sanctuary, einer geheimen Forschungsbasis im Herzen der Wüste. Sind sie dem Ziel ihrer Reise näher als sie dachten?

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George Pendle – Death: A Life

„Death: A Life“

Death A Life

Autor: George Pendle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 250

Verlag: Three Rivers Press

Sprache: Englisch

ISBN: 030739560X

Genre: Biografie & Fantasy & Historisch & Humor & Religion

ausgelesen am: 16.01.2014

Bewertung:

George Pendle ist einer der AutorInnen, die ich gern mal persönlich kennenlernen würde. Ich würde gern sehen, ob er wirklich so lustig und verrückt ist, wie es den Eindruck macht. Auf seiner Website gibt es eine Abteilung, die Teppichböden auf Flughäfen gewidmet ist. Sein Lebenslauf umfasst außer Artikeln für die „Financial Times“, die „Los Angeles Times“ und die „Times“ (u.a.) auch die Beschriftung von Straßenschildern für das „New York City Department of Parks and Recreation“. Im Vorwort von „Death: A Life“ beschreibt Pendle, wie er dazu kam, der Biograf des Todes zu sein. Es lag wohl daran, dass er eigentlich gern eine Autobiografie verfasst hätte, was aber nicht möglich war, weil seine eigene Kindheit zu glücklich war. Kein Trauma, keine Autobiografie. Also schrieb er fortan die Biografien anderer Leute. Ich denke wirklich, ich würde Pendle sehr mögen. 😉

„Death: A Life“ ist die Biografie des Todes. Ja, genau, der Tod, das Ende Aller Dinge, er, den alle eines Tages einmal treffen. Mit Hilfe seines Biografen berichtet er von seiner schwierigen Kindheit, wie er als Sohn von Satan und Sünde in der Hölle aufwuchs, um später dann auf die Erde umzuziehen und dort seine Bestimmung zu finden. Er räumt mit Vorurteilen auf, schildert ungeschönt seine fatale Beziehung zum Leben und erzählt hunderte Anekdoten über das Lebensende der verschiedensten mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Ohne Tabus spricht Tod über seine zutiefst missverstandene, unendliche Existenz; über Liebe, die im Großen Plan nicht vorhergesehen war und stellt klar, dass er es ist, der das Leben der Menschheit erst so kostbar macht.

Was soll ich sagen? Die Bewertung von „Death: A Life“ spricht eigentlich schon für sich selbst. Diese herrliche Biografie ist so lustig, dass ich nicht wüsste, wie man es besser machen könnte. Sie erzählt mythologische und religiöse Weltgeschichte aus einem völlig neuen Blickwinkel und beleuchtet auch die Aspekte, die in all den Legenden und Geschichten gerne mal ausgelassen werden. Tod als Protagonist und Ich-Erzähler ist eine höchst sympathische Figur, der in all seiner Übernatürlichkeit immer wieder durch und durch menschlich agiert und reagiert. Ich liebte es, dass in diesem Buch schlicht und ergreifend niemand, wirklich niemand, unfehlbar ist. Tod nicht, Gott nicht und erst recht nicht die Menschheit. Es erscheint mir völlig logisch, dass auch Gott das volle Ausmaß seiner Schöpfung nicht überblicken konnte und es im Garten Eden zu Beginn daher einige Kreaturen gab, die nie eine echte Chance auf das Überleben hatten. Wurzelpflanzen mit Klaustrophobie, Fische, die allergisch auf Wasser waren, stolze Insekten, die sich selbst so hässlich fanden, dass sie es nicht über sich brachten, sich zu reproduzieren. Es liegt auf der Hand, dass „Death: A Life“ dementsprechend als stark blasphemisch aufgefasst werden könnte und ich muss all diejenigen LeserInnen warnen, die in diesem Punkt sensibel reagieren. Ich selbst bin nicht religiös erzogen, ich bin nicht getauft und habe nie eine Verbindung zum Glauben aufbauen können – vielleicht bin ich gerade deswegen prädestiniert für dieses Buch. Es hat mich hervorragend unterhalten. George Pendles Darstellung aller möglichen religiösen Figuren ist zum Brüllen komisch. Wer hätte gedacht, dass Noah eine so weiche Birne hatte, dass er mit einer Rhabarber-Pflanze verheiratet war? Wie kommt man auf die Idee, Methusalem als Stalker zu skizzieren, der Tod über Jahrhunderte hinweg verfolgte, weil er unbedingt sterben wollte? Und Jesus? Verzeiht, wenn ich jetzt jemandem auf die Füße trete, aber in diesem Buch ist er einfach ein Miststück. Es ist beeindruckend, wie umfangreich und detailliert George Pendle recherchiert hat, zu längst vergessenen Kulturen und Völkern ebenso wie zu theologischen Ansätzen, um dann seine ganz eigene Interpretation niederzuschreiben. Er ließ seiner gesamten, phänomenalen Kreativität freien Lauf und vermittelt seinen LeserInnen, dass es völlig in Ordnung ist, ungezwungen über Themen zu lachen, die seit Jahrhunderten eine Aura von Ernsthaftigkeit und Strenge umgibt. „Death: A Life“ ist frei von jeglichen Konventionen und Tabus, dafür strotzt es vor liebevollen Charakterisierungen. Ich kann es nicht anders sagen, es ist großartig.

George Pendles originelle Biografie des Todes hat extrem viel Herz, obwohl der Protagonist keines hat und auch nicht haben darf. Von vorne bis hinten ist es fantasievoll, kurios und amüsierte mich köstlich. Es lohnt sich sogar, die Danksagung am Ende zu lesen.
Sollte ich sterben und tatsächlich auf Tod treffen, habe ich mir ganz fest vorgenommen, dankbar und respektvoll zu sein, ihn nicht mit dummen Fragen zu nerven und ihm meine Hochachtung dafür auszusprechen, dass er diesen verdammt harten Job macht, denn ohne ihn wäre das Leben wesentlich weniger wertvoll.
Ich kann euch „Death: A Life“ von Herzen empfehlen, muss aber darauf hinweisen, dass George Pendles Englisch nicht ganz einfach ist, weil er viele religiöse und biologische/zoologische Vokabeln verwendet. Außerdem gibt es sicher einige LeserInnen, die in diesem Buch die pure Gotteslästerung sehen würden; wer sich also schnell in seinen/ihren religiösen Ansichten verletzt fühlt, sollte vielleicht die Finger davon lassen.
Ich schließe nun und beende die Rezension mit Jesus‘ Worten:

„Jesus reigns in Heaven, bitch!“ (S.153)

 

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