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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Chronologien

Ordnung in Robert E. Howards Geschichten zu bringen und besonders Conan in einer schlüssigen Chronologie zu organisieren, ist aus verschiedenen Gründen fordernd und kompliziert. Aspekte wie Reihenfolge oder Kohärenz hatten für Robert als Pulp-Autor keine Priorität, weil er wahrscheinlich gar nicht damit rechnete, dass irgendjemand versuchen könnte, seine Conan-Erzählungen zusammenhängend am Stück zu lesen. Pulp Magazine erschienen meist monatlich oder mit größeren Zeitabständen und veröffentlichten ausschließlich abgeschlossene Geschichten. Jede Ausgabe bot den Leser_innen neue literarische Abenteuer, die vielleicht wiederkehrende Figuren enthielten, grundsätzlich aber selten intensive Verbindungen zu früheren Publikationen herstellten. Daher konnte sich Robert vermutlich nicht vorstellen, dass seine Beiträge eines Tages, lange nach dem qualvollen Tod des Pulp Marktes, zusammengetragen und gebündelt veröffentlicht werden würden und gab sich keine Mühe, eine offensichtliche Chronologie einzuarbeiten.

Außerdem muss sein schriftstellerisches Konzept für Conan in Betracht gezogen werden. Er hatte gar nicht vor, Conan eine abgeschlossene, lückenlose Biografie auf den Leib zu schneidern. Für ihn gab es im Werdegang des Cimmeriers lediglich drei feste, nicht verhandelbare Säulen, die er in den ersten drei Geschichten „The Phoenix on the Sword“, „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“ definierte: Conan sollte gegen Ende seines Lebens König von Aquilonia sein, er sollte bereits sehr früh in seiner Karriere mit dem Übernatürlichen in Kontakt treten und er sollte als Barbar von dem Moment an, da er mit ihr konfrontiert wurde, in permanentem Konflikt mit der angeblichen Zivilisation stehen. Alle Stationen, die Conan zwischen diesen Stützpfeilern absolviert, waren Roberts persönliche schriftstellerische Spielwiese. Durch den Verzicht auf eine konkret umrissene Biografie gestattete er sich selbst maximalen Freiraum und konnte sich nach Lust und Laune Abenteuer einfallen lassen, da er nicht gezwungen war, zeitliche oder geografische Logik herzustellen. Die Schlüsselphrase lautet „Irgendwann in seinem Leben“. Conan konnte als Söldner, Dieb, Pirat, Rebellenführer, Soldat und König quer durch das hyborische Zeitalter ziehen, weil Robert nur andeutungsweise festlegte, wann er wo welche Position einnahm. Er war in der Lage, ihm jede Rolle zuzuschreiben, weil niemand beweisen kann, dass Conan aufgrund temporärer oder räumlicher Beschränkungen keine Gelegenheit hätte, eine oder mehrere davon zu erfüllen. Selbst wenn er ihn als Koch, Henker oder Schmied hätte inszenieren wollen, wäre das prinzipiell möglich gewesen.

Meiner Meinung nach war diese Unverbindlichkeit ein brillanter Schachzug, der die Darstellung von Conan als fleischgewordenem Mythos optimal unterstützt. Lesen wir heute über legendäre Figuren der Historie, akzeptieren wir vorbehaltlos, dass unter Umständen nicht alle Fakten überliefert oder belegt sind und einige ziemlich fantastisch anmuten. Wir können zum Beispiel anhand weniger, unbewiesener Anekdoten nur vermuten, wie Alexander der Große seine Jugend verbrachte. Conan ist mit derselben Einstellung zu behandeln. Roberts Geschichten sollten mündlichen Überlieferungen ähneln, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf inhaltlichen Wahrheitsgehalt erhoben. Kämpfte Conan tatsächlich gegen einen Affenmenschen? Wer weiß. War er vor seiner Eroberung des Throns von Aquilonia zuletzt als Söldner unterwegs? Vielleicht. Die Unkenntnis der genauen Abläufe unterstreicht seinen mythischen Status und ich bin mir absolut sicher, dass Robert das beabsichtigte. Es ist bezeichnend, dass beispielsweise keine Geschichten existieren, die beschreiben, wie und wann Conan König wurde oder er seine Diebeslaufbahn einschlug.

Es muss Robert amüsiert haben, als Conan-Fans begonnen, den Lebensweg des Barbaren anhand der spärlichen Hinweise in seinen Geschichten nachzuzeichnen. Den Anfang dieser Bemühungen erlebte er nämlich noch mit; der erste Vorschlag für eine Chronologie wurde bereits 1936 von den beiden Science-Fiction-Autoren P. Schuyler Miller und John D. Clark in dem Essay „A Probable Outline of Conan’s Career“ vorgelegt, die ihn Robert vor seinem Tod zur Korrektur schickten. Nachdem sich Conan als Franchise etablierte und über die Jahrzehnte immer mehr Erweiterungen der Saga erschienen (unter anderem natürlich von L. Sprague de Camp), wurde die Chronologie zunehmend kompliziert, weil auch andere Schriftsteller_innen den gewaltigen inhaltlichen Spielraum seiner diffusen Biografie für sich nutzten, um ihre eigenen Adaptionen zu ergänzen. Soweit ich weiß, hielten sich alle an die grundlegenden Eckpunkte seines Lebens und Charakters – beispielsweise hat wohl nie jemand versucht, aus Conan einen Koch zu machen – aber innerhalb dieses Rahmens schrieben sie zahlreiche Abenteuer. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, zumindest die wichtigsten und populärsten Neuveröffentlichungen in die Chronologie zu integrieren, was wiederum zu einer Revision der Version von Schuyler Miller und Clark sowie zu gänzlich neuen Vorschlägen führte. Bis heute gibt es allerdings keine Chronologie, die jede einzelne Conan-Geschichte (Original und Franchise) sinnvoll berücksichtigt.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute widmen wir uns dem letzten Abschnitt des Kapitels zu Roberts Vermächtnis und werden erfahren, wie der texanische Autor nach Jahrzehnten der Missverständnisse und Fehlinformationen endlich den Respekt erhielt, den er verdient. Es war ein harter Kampf, dem L. Sprague de Camp und die Etablierung des Conan-Franchise im Weg standen…

Mitte der 1970er Jahre verfügte L. Sprague de Camp über die vollständige, alleinige Kontrolle über Conan. Trotz eines Streits mit Glenn Lord über nicht gezahlte Tantiemen an Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris hielt sich dieser an ihre Vereinbarung und die damit beschlossene Arbeitsteilung. Wer plante, Conan-Material zu veröffentlichen, das sich nicht in der Public Domain befand, kam nicht an L. Sprague de Camp vorbei und dieser dachte nicht einmal im Traum daran, den Forderungen nach Roberts originalen Erzählungen nachzugeben. Er begriff sich selbst als die maßgebende Instanz in Sachen Conan, was er 1977 anhand zwei Ereignissen sehr deutlich machte. In diesem Jahr handelte der Fantasy-Autor und Conan-Purist Karl Edward Wagner einen Deal mit Glenn Lord aus, um die Conan-Geschichten, die in Weird Tales erschienen und nicht mehr urheberrechtlich geschützt waren, im Verlag Berkeley Books zu veröffentlichen. Die Bücher wurden um Essays ergänzt, die klar Partei für Robert bezogen und erklärten, dass seine Werke keiner Überarbeitung bedurften. Leider musste dieses Projekt unvollständig bleiben, denn L. Sprague de Camp weigerte sich, seine Zustimmung zur Veröffentlichung der originalen Geschichten zu geben, die seinem Urheberrecht unterlagen.

Im Januar 1977 wurde außerdem Conan Properties, Inc. gegründet. Diese Firma, die ab sofort offiziell alle Anfragen zu Conan verhandelte, war das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen L. Sprague de Camp und Glenn Lord, die darauf zurückzuführen war, dass de Camp sich übergangen fühlte. Mitte der 70er Jahre kamen die Filmproduzenten Edward Pressmann und Edward Summer auf Lord zu, weil sie die Filmrechte an Conan erwerben wollten. Lord begann, Gespräche mit ihnen im Namen von Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris zu führen und hätte diese vermutlich auch zu einem Abschluss gebracht, hätte de Camp nicht Wind davon bekommen und verlangt, dass Pressmann und Summer nicht mit Lord, sondern mit ihm reden müssten. Pressmann war genervt und wollte mit dem Konflikt der Männer nichts zu tun haben. Er bestand darauf, dass sie sich einigten, damit er fortan nur noch mit einer Person sprechen müsste. Die Gründung von Conan Properties, Inc. (CPI) war ein praktikabler Kompromiss, denn Lord und de Camp saßen beide im Vorstand. Nur wäre dieser Schritt gar nicht nötig gewesen, hätte sich de Camp nicht benachteiligt gefühlt. Über CPI kam der Verkauf der Filmrechte zustande; bis der Film fertiggestellt war, vergingen jedoch noch einige Jahre.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 5)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem großen Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Nachdem wir gestern erfahren haben, dass Robert sich zwar einen Namen als erfolgreicher Schriftsteller machen konnte, in der Liebe aber kein Glück hatte, betrachten wir heute den letzten Abschnitt seines kurzen Lebens, das er am 11. Juni 1936 im Alter von 30 Jahren selbst beendete. Sein Suizid kam keineswegs überraschend…

Für uns wirkt es rückblickend, als habe der nahende Tod seiner Mutter Robert E. Howard in eine Depression gestürzt. Mark Finn argumentiert, dass die Anzeichen für eine langanhaltende neurotisch-depressive Störung schon sehr viel früher präsent waren. Seit seiner Kindheit bis in seine späten Teenagerjahre oder frühen Zwanziger hinein hatte Robert Schwierigkeiten mit Albträumen und schlafwandelte. Schlafwandeln ist ein Symptom von Stress, das bei Kindern häufig auftritt, wenn sie mit traumatischen Erfahrungen fertig zu werden versuchen. Dazu können unter anderem Umzüge zählen, aber auch Konfrontationen mit Gewalt oder unsichere Lebensumstände. Robert erlebte all diese Faktoren. Der Ölboom, der Beruf seines Vaters und die ständigen Umzüge hatten zweifellos Einfluss auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit, ebenso wie die viele Zeit, die er allein mit seiner kranken Mutter verbrachte.

Robert E. Howard mit seinen Eltern (späte 1920er oder frühe 1930er Jahre), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Ich habe eingangs erklärt, dass Robert ein sehr enges Verhältnis zu Hester hatte. Was normalerweise positiv gedeutet wird, entwickelte sich in seinem Fall zu einer ungesunden, teilweisen Umkehr der Rollenverteilung in seiner Familie. Robert sorgte für seine Mutter, er kümmerte sich um sie und pflegte sie bereits sehr früh in seiner Biografie. Hester genoss seine Fürsorge. Von ihrem abwesenden Ehemann bekam sie sie ja nicht. Sie vermittelte Robert entweder direkt oder indirekt, dass sie von ihm abhängig war, was dazu führte, dass Robert sich ihr verpflichtet fühlte. Mit diesem Druckmittel in der Hand übte sie ein hohes Maß an Kontrolle über ihn aus. Sie verbot ihm Aktivitäten, die sie für gefährlich hielt, zum Beispiel durfte er als Junge nicht Football spielen und Alkohol war ebenfalls tabu. Er rebellierte durch das Boxen und indem er selbst Bier braute, aber da war es längst zu spät. Alles, was ihn seinen Altersgenossen nähergebracht hätte, verbannte Hester aus seinem Leben. Stichwort Novalyne. Auch sie hätte Hester am liebsten entfernt. Sein Vater intervenierte soweit wir wissen niemals zu seinen Gunsten und beteiligte sich stattdessen daran, seinen Sohn zu gängeln und immer tiefer in die Rolle hineinzudrängen, die er als Junge übernommen hatte.

Isaac akzeptierte Roberts Berufswahl als Schriftsteller erst spät. Es existiert ein Brief vom September 1931, in dem Robert andeutete, ein Literaturstudium sei ihm verboten worden. Es ist nicht bekannt, ob Isaac es grundheraus ablehnte, für eine künstlerische Ausbildung zu zahlen, aber angesichts der Bedeutung, die er den monetären Aspekten von Roberts Karriere beimaß, ist diese Vermutung nicht allzu weit hergeholt. Er wollte, dass Robert Geld verdiente und ließ sich erst davon überzeugen, dass dies mit der Schriftstellerei möglich war, als regelmäßig Schecks eintrafen. Obwohl ich finde, dass sein Wunsch einer soliden wirtschaftlichen Grundlage für Robert prinzipiell legitim ist, verbergen sich darin drei problematische Punkte, die diesen unterlaufen.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem großen Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Gestern haben wir Roberts Durchbruch als Pulp-Schriftsteller besprochen; heute widmen wir uns den vermutlich wichtigsten Ereignissen für seine professionelle Entwicklung. 1930 war ein entscheidendes Jahr für den jungen Texaner…

Robert E. Howard schrieb von Anfang an Literatur, die, wenn schon nicht explizit als Horror kategorisierbar, zumindest unheimlich, gruselig und/oder bedrohlich war. Bereits im August 1925, etwa ein Jahr nach seiner ersten Veröffentlichung bei Weird Tales, brachte das Magazin seine Geschichte „In the Forest of Villefère“, eine Werwolf-Erzählung in der Tradition französischer Volkssagen (Hat da jemand „Gévaudan“ gesagt?). Den Höhepunkt seines schauerlichen Schaffens erreichte er jedoch erst nach 1930, denn in diesem Jahr lernte er H.P. Lovecraft kennen.
Howard Phillips Lovecraft, der von 1890 bis 1937 lebte, war ein literarischer Gigant, dessen Namen man heute wohl niemandem mehr erklären muss. Sein Cthulhu Mythos ist Legende. In den 1930ern war er einer der Star-Autoren und Veteranen der Pulp Magazine, der von den Leser_innen verehrt wurde. Darüber hinaus war er der Kopf eines weiten literarischen Zirkels, der sich über die gesamten USA verteilte. Lovecrafts erhaltene Korrespondenz umfasst mehr als 100.000 Briefe, die er an hunderte von Menschen schrieb. Er liebte es, Bekanntschaften zu schließen und Kontakt zwischen seinen verschiedenen Bekanntschaften herzustellen. Heute würde man ihn wohl als Networker bezeichnen, eine Rolle, in der er aufging. Robert E. Howard wurde Teil dieses elitären Clubs, weil er es im Juni 1930 wagte, Lovecraft zu kritisieren.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 2)


Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem großen Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Gestern haben wir begonnen, uns mit Roberts Biografie zu beschäftigen, dieses Kapitel führen wir heute weiter. Ende 1924 verzeichnete der junge, aufstrebende Autor seine ersten Verkäufe und platzierte Geschichten im Pulp Magazin Weird Tales. Nun hatte er Blut geleckt…

Angestachelt vom plötzlichen Erfolg seiner ersten Verkäufe schrieb Robert E. Howard ab 1925 fieberhaft und wie im Wahn, nicht selten 12 Stunden pro Tag. Es gibt Hinweise darauf, dass Hester ihn in der Verwirklichung seines Traums unterstützte; wie sein Vater auf die Schreiberei reagierte, ist hingegen nicht bekannt. Mark Finn mutmaßt, dass Isaac abwartete, wie viel Geld die Bemühungen seines Sohnes einbrachten. Robert lebte ja noch immer in ihrem Haus und steuerte zuerst nichts zum Auskommen der Familie bei. Er war permanent pleite, denn mehr als ein kleines Taschengeld stellten ihm seine Eltern nicht zur Verfügung. Im Frühling 1925 sah er sich daher gezwungen, einen Nebenjob anzunehmen, um seine Ausgaben zu decken. Er versorgte die örtlichen Zeitungen mit Nachrichten von den Ölfeldern. Es war der erste von vielen harten, oft unterbezahlten Jobs, die Robert ertragen musste, bis er als Schriftsteller so erfolgreich war, dass er vom Schreiben leben konnte und vermittelt einen Eindruck davon, was sein prinzipielles Problem mit diesen Stellen war. Er musste mit Leuten, die er nicht mochte, über ein Thema sprechen, das er nicht mochte. Egal, wo er Arbeit in Cross Plains und Umgebung fand, überall kam er in Kontakt mit dem Ölboom, den er so leidenschaftlich verfluchte: entweder mit den Ölfirmen oder mit den Arbeitern auf den Ölfeldern. Cross Plains profitierte unterm Strich von der Ölindustrie und tätigte kluge städtische Investitionen (zum Beispiel wurde eine neue Schule gebaut), aber Robert wollte das nicht anerkennen und konzentrierte sich stets auf die negativen Aspekte des Booms. Er lehnte alles, was irgendwie mit dem Öl in Verbindung stand, kategorisch ab.

Außerdem hatte Robert so seine Schwierigkeiten mit Autorität. Bereits in der Schule widerstrebte es ihm, dass ihm vorgegeben wurde, was er zu denken, zu lesen und wie er sich zu verhalten hatte. Im Berufsleben wurde das natürlich nicht besser. Jetzt musste er Anweisungen von Menschen ausführen, die er oft weder mochte noch respektierte, ob diese ihm nun sinnvoll erschienen oder nicht. Sein aufbrausendes, hitziges Temperament tat sein Übriges. Das konnte nicht gutgehen und er kündigte mehrfach, weil er sich mit seinen Vorgesetzten in die Haare bekommen hatte. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das nachvollziehen. Diese Jobs sollten ihn finanzieren, bis er hauptberuflich als Schriftsteller arbeiten konnte. Sein Herz hing am Schreiben, nicht an den Aushilfestellen, die er in Cross Plains übernahm. Es war ihm nicht wichtig, was er tat; das Geld war das Einzige, das zählte. Trotzdem wäre ihm etwas mehr Pragmatismus wohl gut bekommen. Meiner Meinung nach setzte er alles auf eine Karte und ging damit ein unnötiges Risiko ein. So sehr ich seine Zielstrebigkeit bewundere und obwohl sein Erfolg letztlich alle Kritik als obsolet kennzeichnet, bestand immer die Möglichkeit, dass ihm niemals der große Durchbruch gelungen wäre. Warum also nicht aufs College gehen, einen Beruf erlernen, der ihm als Standbein hätte dienen können und nebenbei weiterschreiben? Robert E. Howards Karriere ist ein leuchtendes Beispiel für die Früchte unerbittlicher Arbeit. Scheitern kam für ihn einfach nicht in Frage. Aber der Leistungszwang, den er dadurch auf sich selbst ausübte, war ungesund und nicht nachahmenswert. Rückblickend scheint es fast, als hätte er unter Zeitdruck gestanden.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 1)

Robert E. Howard war einer der Stars der Pulp-Literatur. Er war der König der Kurzgeschichte, jemand, der es wie kaum ein Zweiter verstand, auf wenigen Seiten Spannung und Atmosphäre aufzubauen, seine Leser_innen in die Welten seiner Fantasie einzuladen und sie an Figuren zu binden, die so lebendig waren, dass sie zwischen den Zeilen hervorzuspringen drohten. Er gilt als einer der Väter der modernen Fantasy und des Subgenres Sword and Sorcery, obwohl diese Bezeichnung erst lange nach seinem Tod geprägt wurde. Seine Schöpfung des Cimmeriers Conan, der heutzutage besser als Conan der Barbar bekannt ist, war ein Meilenstein. Dennoch scheut sich sein Biograf Mark Finn, der als Autorität auf dem Gebiet der Howard-Forschung gilt, ihn als Fantasy-Autor zu bezeichnen.

2006 veröffentlichte Finn die Biografie „Blood and Thunder: The Life and Art of Robert E. Howard“. 2011 erschien eine zweite, überarbeitete Ausgabe, die sich nun in meinem Regal befindet. Darin verfolgt Finn einen völlig neuen Analyseansatz des Lebens und der Karriere des Schriftstellers, der das Verhältnis beider Aspekte umkehrt. Er glaubt nicht, dass Robert E. Howards Karriere sein Leben bestimmte. Er glaubt, dass sein Leben seine Karriere bestimmte. Deshalb weigert er sich, ihn als Fantasy-Autor vorzustellen und argumentiert, dass Howard in erster Linie ein Autor seiner Heimat war. Er war ein texanischer Autor. Texas und die örtliche Tradition des Geschichtenerzählens lagen ihm im Blut und beeinflussten sowohl seine Kreativität als auch die Motive und Glaubenssätze, die sich in seinen Werken finden. Finn geht sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet Conan als Anomalie in Howards Vermächtnis, die nicht repräsentativ für sein übriges Schaffen ist.

Ich gebe zu, als ich diese Theorie zum ersten Mal las, war ich sehr skeptisch und auch ein bisschen schockiert. Ich kannte Robert E. Howard im Grunde nur dank Conan. Ich wusste, dass er weitere Geschichten geschrieben hatte, aber ich dachte, Conan wäre der Höhepunkt seines Schaffens gewesen, sein zentrales Werk. Doch nachdem ich „Blood & Thunder“ von vorne bis hinten gelesen hatte, musste ich anerkennen, dass Finns Vorschlag, Howard als texanischen Autor zu begreifen, dessen wahres Talent eben nicht in seinen Conan-Geschichten zu Tage trat, durchaus schlüssig ist. Daher habe ich beschlossen, mich in meiner biografisch-analytischen Zusammenfassung von Robert E. Howards Leben und des Abrisses seines Schaffens an Mark Finns Biografie zu orientieren. Finns Argumentationskette ergibt einfach Sinn und beleuchtet den Werdegang des Schriftstellers auf eine Weise, die für mich – und dementsprechend hoffentlich auch für euch – nachvollziehbar ist. Die Beiträge können folglich als etwas unkonventionelle Rezension zu „Blood & Thunder“ gedeutet werden. Aber „unkonventionell“ seid ihr im Kontext von Non-Fiction ja schon von mir gewöhnt. 😉
Wappnet euch für eine Reise in die Vergangenheit; besuchen wir Robert E. Howard, der nun bereits seit 84 Jahren tot ist, dessen Werk ihn jedoch unsterblich machte.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Einleitung

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute geht es los. Nachdem ich euch monatelang auf die Folter gespannt und euch immer wieder von meinen Fortschritten berichtet habe, starten wir heute endlich in das monumentalste Blogprojekt, das ich je auf die Beine gestellt habe: „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Euch erwarten acht Wochen voller Wissen, interessanter Fakten, Fotos, Magazincover, Hintergrundinformationen und Analysen, die sich ausschließlich um den berühmtesten Barbaren der Literaturgeschichte und dessen Schöpfer drehen. Ich freue mich wahnsinnig, dass dieses Projekt, das einst mit der Erkenntnis begann, dass Arnold Schwarzenegger im Lendenschurz Conan nicht gerecht wird, nach monatelanger harter Arbeit nun endlich Realität ist und kann eure Reaktionen darauf kaum erwarten.

Den heutigen Auftakt möchte ich ganz entspannt angehen. Ich werde euch nicht sofort mit Wissen überhäufen. Stattdessen möchte ich euch erst einmal erzählen, wie dieses Projekt überhaupt zustande kam und warum ich zu der Einsicht gelangte, dass ich Conan und Robert E. Howard nicht in einer simplen Rezension abfertigen kann. Danach werde ich euch eine Übersicht darüber zusammenstellen, welche Themenschwerpunkte und Beiträge euch in den kommenden Wochen bevorstehen und ein paar Worte zu Quellen, Verlinkungen und Bildmaterial verlieren, um dieses Projekt so transparent wie möglich zu gestalten. Ihr seht, wir starten gemütlich. Macht es euch bequem, lehnt euch zurück und lasst mich berichten, wie meine Reise mit Conan und Robert E. Howard ihren Anfang nahm. Alles begann mit einer Erkenntnis …

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George Wethern – A Wayward Angel: The Full Story of the Hell’s Angels

Seit ich vor Jahren das erste Mal im Zuge meiner Recherchen zu den Hell’s Angels von George Wethern las, fasziniert mich seine Geschichte. Wethern war das erste ehemalige Mitglied der Hell’s Angels, das gegen den Motorradclub als Kronzeuge aussagte. Er wurde zum Verräter – und ich wollte wissen, wieso. Im Rahmen dieser eingeschworenen Männertruppe erschien es mir völlig abwegig, dass er sich dazu überreden ließ, der Polizei gegenüber Interna preiszugeben. Ihm dürfte klargewesen sein, dass er damit sowohl sein als auch das Leben seiner Familie verwirkte. Außerdem war Wethern kein durchschnittliches Mitglied. Ab 1960 war er Vizepräsident des Oakland Charters. Der einzige, der in der Hierarchie über ihm stand, war Ralph »Sonny« Barger persönlich, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Warum also entschied sich jemand, der innerhalb der Strukturen des Clubs erfolgreich und mit dem Big Boss unbestreitbar dicke war, zu singen?

Ich wusste, dass George Wethern mit der Unterstützung des Journalisten und Schriftstellers Vincent Colnett 1978 eine Autobiografie veröffentlicht hatte. „A Wayward Angel: The Full Story of the Hell‘s Angels“ stand lange auf meiner Wunschliste, erst in der deutschen Variante, später dann im englischen Original. Es dauerte, bis ich eine günstige gebrauchte Ausgabe fand, denn ich war nicht bereit, eine höhere Summe für das Buch zu investieren, weil ich bereits all meine romantischen Illusionen bezüglich des MCs abgelegt hatte. Vielleicht hätte ich es nie gekauft – hätte ich nicht im Februar 2019 „Hell’s Angel: Mein Leben“ gelesen, die kaum ernstzunehmende Autobiografie von Ralph »Sonny« Barger. Barger schreibt darin sehr abfällig über Wethern und geht verdächtig wenig auf seine Freundschaft mit seinem ehemaligen Vize ein. Auf mich wirkte es, als vermeide er dieses unliebsame Kapitel absichtlich, was meiner Neugier neue Nahrung lieferte. Ich wollte es jetzt endlich wissen. Was war damals vorgefallen? Wieso wandte sich George Wethern gegen seinen Club? Ich kaufte „A Wayward Angel“ und beschloss, Wethern selbst zu Wort kommen zu lassen.

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Jahresrückblick 2019: Zahlen, Diagramme und ein bisschen Sentimentalität

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich kann es kaum glauben. Mein Jahresrückblick 2019 ist tatsächlich innerhalb der ersten zwei Wochen des Jahres 2020 fertig geworden! Ich finde, das verdient einen Tusch! Es hat sich ausgezahlt, dass ich dieses Mal sehr diszipliniert war und bereits zum Jahresende angefangen habe, mein Resümee zusammenzustellen. Übrigens, laut Duden ist ein Resümee eine „knappe Inhaltsangabe“ oder „kurze Zusammenfassung“. Nun, das ist hier nicht der Fall. Mit „kurz und knapp“ kann ich nicht dienen – wie auch, schließlich soll dieser Rückblick 12 volle Lesemonate statistisch und emotional Revue passieren lassen.

Wie immer habe ich eine zweigeteilte Struktur gewählt, um euch die verschiedenen Facetten meines vergangenen Lesejahrs zu präsentieren. Im ersten Part werden wir 2019 statistisch aufarbeiten und anhand der Fakten ein objektives Fazit ziehen. Dafür habe ich bei Piktochart Infografiken erstellt, die euch mithilfe von Zahlen und Diagrammen einen transparenten Überblick verschaffen. Ich werde jede Kategorie einzeln kommentieren und interpretieren, damit ihr das nötige Kontextwissen erhaltet, um zu verstehen, wie die Statistiken einzuordnen sind. Ich möchte mich im Voraus dafür entschuldigen, dass die Legenden der Diagramme nicht mehr so gut zu lesen sind; das liegt einfach daran, dass Piktochart die Aufmachung veränderte und ich die Schriftgröße leider nicht beeinflussen kann. Ich bemühe mich, Zahlen und Prozentangaben in meinen Diskussionsabschnitten zu erwähnen, damit ihr diese trotzdem kennenlernt. Außerdem werde ich natürlich den Bezug zu den vergangenen Jahren herstellen, denn die entscheidende Frage, die es zu beantwortet gilt, lautet: Wie entwickelt sich mein Leseverhalten?

Im anschließenden zweiten Part machen wir es uns bequem, lehnen uns zurück und lassen 2019 emotional Revue passieren, Popcorn, Chips und Erfrischungen inklusive. Dafür werde ich 30 Fragen beantworten, die ursprünglich von Martina Bookaholics stammen. Seit einigen Jahren bietet sie das Formular nicht mehr auf ihrer Website an, deshalb habe ich auf die alte, bewährte Version von 2016 zurückgegriffen und meinen Header, den ich letztes Jahr erstellt habe, aktualisiert. Ich lade euch in die Kommandozentrale meines Bücherhirns ein; in dem kleinen Büro in einem Nebenraum meines Lektürearchivs wird es für uns alle vermutlich reichlich eng, aber ich habe Kissen und Decken ausgelegt, damit ihr es euch gemütlich machen könnt!

Habt ihr Lust auf einen ausführlichen Ausflug in die jüngste Vergangenheit? Dann klemmt euch die Sepiabrille auf die Nase, lasst euch von einem sentimentalen Harfenthema in die richtige Stimmung bringen und schon starten wir mit meinem Jahresrückblick 2019!

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Verfasst von - 14. Januar 2020 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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[Lieber Literaturnobelpreis, wir müssen reden] Kapitel 5: Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Ein Plädoyer für die Abschaffung des Literaturnobelpreises

Heute präsentiere ich euch den letzten Beitrag zur Thematik des Literaturnobelpreises. Halleluja, ein Ende ist in Sicht! Ich hoffe, ihr seid bereit für das große Finale, denn obwohl auch ich froh bin, wenn ich mich erneut dem normalen Blogalltag widmen und endlich wieder eine Rezension schreiben kann (Ich vermisse das wirklich!), ist dieser Post für mich ohne Zweifel der wichtigste der ganzen Serie. Heute resümiere ich all die Fakten, die wir in den letzten vier Tagen zusammengetragen haben und stelle euch anhand der Argumente, die sich aus den einzelnen Beiträgen für mich ergaben, mein Fazit vor. Ich werde euch erklären, warum ich glaube, dass der Literaturnobelpreis abgeschafft werden sollte. Schenkt mir ein letztes Mal eure Aufmerksamkeit, es wird Zeit für ein harsches Urteil.

Im ersten Kapitel «Erbschaft mit Folgen» haben wir uns mit dem Testament von Alfred Nobel beschäftigt, das der Auslöser für die Vergabe der Nobelpreise war. Wir haben die Struktur der von ihm verfügten und finanzierten Nobelstiftung aufgeschlüsselt, ihre Zusammenarbeit mit den einzelnen Einrichtungen, die die Preise verleihen, analysiert und die relevanten Statuten für den Vergabeprozess gesichtet. Kurz: Wir haben die rechtliche und organisatorische Basis für die Nobelpreisvergabe allgemein und für die Literaturnobelpreisverleihung im Speziellen identifiziert. Bereits diese nüchterne Faktensammlung offenbarte mir einige problematische Punkte, die das Prozedere meiner Ansicht nach ernsthaft belasten.

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