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Johannes Ulbricht – Prinzessin Serisada & Prinz Zazamael

Im April 2017 erhielt ich eine E-Mail, in der mir der Zweiteiler „Sumerland“ von Johannes Ulbricht zur Rezension angeboten wurde. Das Besondere an diesem Projekt ist seine multimediale Ausrichtung: neben den beiden Büchern „Prinzessin Serisada“ und „Prinz Zazamael“, existiert eine Augmented Realtiy – App, die eine Schnitzeljagd inszeniert. Ich war sofort Feuer und Flamme. Ich wollte die Kombination aus moderner Technik und klassischer Literatur unbedingt austesten und ließ mir beide Bände zuschicken.

Mitten in der ungezähmten Wildnis des Sumerlands thront der Stadtkegel Waylhaghiri, ein prekäres, babylonisches Konstrukt zahlloser Etagen. Regiert vom unsterblichen, ewig kindlichen Prinz Zazamael und dem geheimen Rat der Wirtschaftsweisen, herrscht in der einzigen Stadt der Welt ein empfindliches System gesellschaftlicher Herausforderungen, das die Menschen subtil lenkt und manipuliert. Kaum jemand ahnt, dass die Bevölkerung Waylhaghiris in einer Illusion gefangen ist: unsere Realität ist nicht mehr als ein Traum, die uns die Kontrolle des Zentralcomputers vergessen lässt. Prinz Zazamael und der Rat streben nach Perfektion, nach der vollkommenen Fusion von Realität und Illusion, benötigen dafür allerdings den wilden Wein, der irgendwo im Sumerland versteckt ist. Das Sumerland ist das Reich der unsterblichen, ewig kindlichen Prinzessin Serisada, für die Waylhaghiri ein unerträglicher Makel in der wilden Schönheit ihres Landes ist. Während Prinz Zazamael und seine Okkupationsarmee auf der Suche nach dem wilden Wein ins Sumerland eindringen, schleicht sich Serisada in den Stadttrichter, um eine Revolution auszulösen und Waylhaghiri endgültig vom Antlitz der Welt zu tilgen. Der Krieg der Königskinder schlägt gewaltige Wellen, die bis in unsere Realität zu spüren sind. Wird die große Fusion gelingen oder werden Traum und Wirklichkeit in sich zusammenstürzen?

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Verfasst von - August 31, 2017 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Rainer Wekwerth – Damian: Die Stadt der gefallenen Engel

Der deutsche Autor Rainer Wekwerth ist den meisten von euch sicher durch die populäre „Labyrinth“-Trilogie bekannt. Der erste Band erschien 2013, doch Wekwerth schreibt bereits seit Mitte der 90er Jahre Kinder- und Jugendbücher, später kamen Thriller hinzu. Bis 2004 erschienen alle seine Werke unter verschiedenen Pseudonymen. Ich habe entschieden, „Damian: Die Stadt der gefallenen Engel“ vor der „Labyrinth“-Trilogie zu lesen, weil es einfach länger auf meiner Wunschliste stand. Außerdem wollte ich erst antesten, ob mir sein Stil zusagt, bevor ich mich auf einen Dreiteiler einließ.

Ferien in Berlin – welcher Ort könnte besser geeignet sein, um sich von einem gebrochenen Herzen abzulenken? Die 17-jährige Lara freut sich darauf, Zeit mit ihren Großeltern zu verbringen und die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Als sie den gutaussehenden Damian kennenlernt, ist ihr Liebeskummer wie weggeblasen. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn und ahnt nicht, dass ihre Begegnung kein Zufall ist. Hinter der Fassade erhabener Altbauten und hipper Neubaugebiete ist Berlin das Schlachtfeld des ewigen Krieges zwischen Himmel und Hölle. Unbemerkt von menschlichen Augen bekämpfen sich Engel und Dämonen ohne Gnade, doch nun droht eine alte Prophezeiung alles zu verändern. Lara ist der Schlüssel. Seit Jahrzehnten hütet ihre Familie ein düsteres Geheimnis, das sie in große Gefahr bringt und schon bald muss sie um ihr Leben fürchten. Werden Damian und Lara eine Möglichkeit finden, ihrer Bestimmung zu entgehen, um zusammen sein zu können?

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Mark Charan Newton – Nights of Villjamur

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Der britische Autor Mark Charan Newton begann mit dem Schreiben, als er in einer Buchhandlung arbeitete. Permanent von Büchern umgeben zu sein, scheint ihn stark beeinflusst zu haben. Statt nach seinem Abschluss in Umweltwissenschaften im Regenwald zu verschwinden, entschied er sich für eine Karriere im Verlagswesen. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor, bevor 2009 sein Debüt „Nights of Villjamur“ erschien. Der Auftakt der Reihe „Legends of the Red Sun“ wurde überwiegend positiv bewertet und sicherte Newton einen festen Platz in der erlesenen Riege britischer Fantasy-Autor_innen. Mir wurde „Nights of Villjamur“ auf Goodreads empfohlen.

Ein eisiger Wind fegt durch die Straßen Villjamurs, Juwel und Herz des Imperiums Jamur. Graue Wolken verdecken das blasse Licht der sterbenden roten Sonne. Sinkende Temperaturen sind die Vorboten einer jahrzehntelangen Eiszeit, die bereits mit frostigen Fingern über das Land kriecht. Tausende Flüchtlinge sammeln sich vor den Toren der Hauptstadt. Vertrieben von der unerbittlichen Kälte, hoffen sie, in Villjamur Schutz zu finden. Doch die Tore bleiben verschlossen. Ränke um Macht und Einfluss werden auf den Rücken der Verzweifelten ausgetragen; Intrigen und Verrat, heimtückisch verborgen hinter freundlich lächelnden Gesichtern, die das Leid des Volkes nicht kümmert. Blind für die Gefahren, die dem Imperium drohen. Während Jamur langsam in den Fängen des ewigen Winters erstarrt, erheben sich in der Tundra die Untoten. Hoch im Norden zeugen unheimliche Berichte von ausgelöschten Siedlungen, entvölkert bis auf die letzte unglückliche Seele. Es scheint, als brächte die Eiszeit Schlimmeres mit sich als Frost und Schnee…

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Verfasst von - Februar 7, 2017 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Thomas Finn – Weißer Schrecken

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„Weißer Schrecken“ von Thomas Finn erregte vor Jahren meine Aufmerksamkeit, weil der Klappentext behauptete, das Buch sei der ultimative Thriller für alle Fans von Stephen King. Das war kurz nachdem ich begeistert meinen ersten King gelesen hatte, „ES“. Ich war sozusagen frisch angefixt. Ich erinnere mich sogar daran, dass ich meiner Schwester euphorisch von „Weißer Schrecken“ erzählte. Das Buch landete auf meiner Wunschliste, ich konnte mich aus Geiz aber wieder einmal lange nicht überwinden, es zu kaufen. Ich weiß nicht, wie lange, mehr als drei Jahre auf jeden Fall. Im März 2016 begegnete es mir dann günstig gebraucht bei Medimops. Ich zögerte nicht und nutzte die Chance, diese WuLi-Altlast endlich abzuarbeiten. 10 Monate später nahm ich mir „Weißer Schrecken“ als ideale Winterlektüre vor.

Andreas verbrannte alle Brücken zu seiner Vergangenheit. Er ließ seine Heimat, das verschlafene Berchtesgadener Dörfchen Perchtal, weit hinter sich. Um zu vergessen. Um zu entkommen. 26 Jahre lang täuschte er vor, die schrecklichen Ereignisse seiner Jugend überwunden zu haben. Doch nun holt das Grauen ihn ein. Kurz vor Nikolaus ruft ihn das Schicksal nach Hause. Unter Schnee und Eis regt sich erneut das Böse in Perchtal und droht, weitere Kinder als Opfer zu fordern. Andreas hat keine Wahl. Er muss sich erinnern. Er braucht seine Jugendfreunde, um sich der uralten Macht entgegenstellen zu können. Das dunkelste Kapitel seines Lebens ist noch nicht abgeschlossen.

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Verfasst von - Januar 24, 2017 in Mystery, Rezension, Thriller

 

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Heiligabend: Ernste Worte zum Fest der Liebe und des Friedens

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Frohe Weihnachten ihr Lieben! 🙂

Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, euch allen heute am Heiligabend großartige Weihnachten zu wünschen! Verbringt schöne Stunden mit euren Familien, schmaust und trinkt, lacht und lasst es euch heute zum Fest der Liebe und des Friedens einfach mal gut gehen. Ich weiß, dass Weihnachten für viele Stress bedeutet – umso wichtiger finde ich es, sich darauf zu besinnen, worum es heute gehen sollte: nicht um Geschenke, nicht darum, dass alles perfekt abläuft, sondern darum, das zu würdigen, was man hat.

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Verfasst von - Dezember 24, 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Gemeinsam Lesen

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion wird wöchentlich von den Schlunzen-Büchern veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Logo!

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Verfasst von - Februar 9, 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Montagsfrage: Klappentexte?

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Eigentlich hätte ich heute einen Termin zum Tätowieren gehabt. Leider hat eben mein Telefon geklingelt. Mein Tätowierer lebt im Umland Berlins und kommt nicht weg – Glatteis. Also müssen wir den Termin verschieben. So schade das auch ist, jetzt habe ich plötzlich einen ganzen freien Tag, denn ich habe mir extra frei genommen (Arbeiten und Tätowieren vertragen sich nicht gut). Ich denke, ich werde den Tag für Blogarbeit nutzen, schließlich gibt es noch genug aufzuholen. Während ich noch fröhlich meinen Kaffee schlürfe, möchte ich aber erst einmal die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja beantworten:

Wie wichtig sind dir Klappentexte/Inhaltsangaben auf der Rückseite?

Klappentexte bzw. Inhaltsangaben sind für mich sehr wichtig. Sie sind der maßgebliche Faktor bei der Entscheidung, ob ich ein Buch kaufe oder nicht. Svenja hat das bereits sehr schön zusammengefasst: Cover und Titel wecken meine Neugier, aber erst der Klappentext überzeugt mich von einer Geschichte. Ich kaufe niemals Bücher, ohne den Klappentext oder eine Inhaltsangabe gelesen zu haben. Für solche Risiko-Spielchen ist mir meine Lesezeit zu kostbar. Manchmal wünsche ich mir natürlich, dass mich der Klappentext überzeugt und bin durch Titel und Cover schneller bereit, einem Buch eine Chance zu geben, aber reine Cover- oder Titelkäufe verbiete ich mir.
Umso wichtiger ist es natürlich, dass die Klappentexte und Inhaltsangaben gut geschrieben sind. Ab und zu habe ich das Gefühl, dass Verlage vergessen, dass der Klappentext das Aushängeschild eines Buches ist. Alle Werbung bedeutet überhaupt nichts, wenn mich der Abriss des Inhalts nicht überzeugt. Also liebe Verlage, steckt weniger Geld in dicke Kampagnen und bezahlt den Menschen, der den Klappentext schreibt, dafür ein bisschen besser. 😉

Wie wichtig ist euch der Klappentext eines Buches?

Da ich heute nun überraschenderweise frei habe, werde ich mir natürlich die Zeit nehmen, durch eure Antworten zu stöbern. Ich freue mich schon auf eure Kommentare und wünsche euch allen einen wunderbaren Start in die Woche! 🙂
Alles Liebe,
Elli ❤

 
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Verfasst von - Januar 11, 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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May Harmony and Sausage find you: Mein Abend mit Kevin Hearne

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wenn ich auf Arbeit sitze und gerade mal nichts zu tun habe (was recht häufig vorkommt, Leerlauf gehört quasi zum Job), stöbere ich gern bei Twitter. Die meisten Likes und Retweets, die ihr von mir bekommt, entstehen, weil ich mich langweile. Neben all den tollen BloggerInnen da draußen (ja, das seid ihr ^^) folge ich auch einigen AutorInnen. Sie posten mal mehr, mal weniger interessantes Zeug; manche AutorInnen gehen mir schnell auf die Nerven (wie z.B. Laurell K. Hamilton, die Dame retweetet einfach obsessiv), bei anderen freue ich mich über jeden Tweet. Zu letzteren gehört auch Kevin Hearne, Autor der Iron Druid Chronicles. Am Dienstag entdeckte ich während des Scrollens einen Tweet von ihm, bei dem mir fast die Augen aus dem Kopf ploppten:

Kevin Hearne - Tweet Berlin 1

Kevin Hearne? In Berlin? Halt, halt, halt, es gibt auf der Welt und gerade in den USA mehrere Städte, die Berlin heißen. Ich musste sicher stellen, dass er tatsächlich von meinem Berlin sprach (okay, das wäre durch das Wort „Buchhandlung“ vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber hey, ich war aufgeregt und hab nicht daran gedacht). Ich scrollte weiter und fand lauter Fotos aus meiner Heimatstadt: die Neue Synagoge, die Goldelse (offiziell bekannt als Siegessäule, aber das sagt kein Berliner), den Berliner Dom, das Rote Rathaus am Alex. In meinem Kopf lief sofort eine Endlosschleife: ohmeingottohmeingottohmeingotteristinberlin! Denkt euch ein paar Quietsch-Geräusche dazu. Es brauchte einen Moment länger, bis ich richtig begriff, dass er an diesem Abend eine Lesung in einer Buchhandlung halten würde. Als es dann soweit war, folgte auf pure Euphorie die frustrierende Ernüchterung. 20 Uhr? Meine Schicht geht bis 19 Uhr. Jede/r BerlinerIn weiß, dass eine Stunde ziemlich knapp sein kann, um von A nach B zu kommen. Außerdem wusste ich, dass ich dann direkt von meinem Arbeitsplatz aus hinfahren musste, denn noch einmal nach Hause zu fahren, würde ich nicht schaffen. Was bedeutete, dass ich dann den Lieblingsmenschen den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen würde. Ich resignierte und schrieb dem Lieblingsmenschen eine traurige SMS. Während ich auf seine Antwort wartete, recherchierte ich aus Neugierde, ob ich den Weg zur Otherland Buchhandlung innerhalb einer Stunde schaffen könnte. Definitiv machbar, denn so weit entfernt ist der Buchladen gar nicht. Nicht mal umsteigen müsste ich. Als ich mit meiner Anfrage fertig war, hatte der Lieblingsmensch bereits geantwortet. Lange Rede, kurzer Sinn – er hatte nicht dagegen, wenn ich spontan doch hinfahren wollte. Der Entschluss stand dann recht schnell fest. Ab diesem Moment konnte ich nicht mehr still sitzen, denn ich war wirklich aufgeregt. Ich würde Kevin Hearne treffen! 😀 Meine Unruhe wurde nur noch schlimmer, weil ich per Twitter parallel mit Kevin kommunizierte und er unheimlich nett zu mir war:

Kevin Hearne - Tweet Antwort

Wie ich es hinbekommen habe, weiß ich nicht mehr, aber ich habe meine Schicht tatsächlich hinter mich gebracht und das sogar ohne Fehler oder Versäumnisse. Die Zeit verging langsam, aber unaufhaltsam. Als sich die Uhr dann endlich bis 19 Uhr vorgequält hatte, hielt mich nichts mehr. Ich rauschte aus dem Gebäude und zur Bushaltestelle. Nicht mal der grummelige Busfahrer (Dauerzustand bei Berliner Busfahrern, muss zur Stellenbeschreibung gehören) konnte meine Laune trüben. Otherland fand ich dann auch recht schnell und war begeistert, dass sich nicht bereits Massen davor drängten, wie ein Teil von mir erwartet hatte. Ich bin direkt reingegangen, weil ich nicht nur auf Kevin Hearne neugierig war, sondern auch auf den Laden selbst. Einige von euch wissen ja, dass ich immer noch nach der einen kleinen Buchhandlung suche, die es wert ist, meine literarische Oase zu werden. Ich bewertete die Chancen von Otherland als sehr gut, denn ihr Sortiment umfasst Fantasy und Science Fiction in Deutsch und Englisch. Eigentlich perfekt für mich, oder? Im Nachhinein betrachtet muss ich noch einmal hinfahren, wenn es ruhiger ist, um eine Entscheidung zu treffen, ob uns eine langfristige Beziehung bevorsteht.

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Als ich durch die Tür trat, war es ein bisschen, als hätte ich eine Parallelwelt betreten, in der es nur Dinge gibt, die ich mag. Otherland ist klein und voll gestellt, nichtsdestotrotz ordentlich und übersichtlich. Der Geruch, der dort in der Luft hängt… herrlich. Beim Anblick der vielen, vielen Bücher fiel mir jedoch eines wieder siedend heiß ein: ich hatte keine Bücher von Kevin Hearne dabei, die ich signieren lassen könnte. Als ich morgens das Haus verließ, wusste ich ja noch nicht, wo ich abends hinfahren würde. Ich hatte die Hoffnung, dass ich den fünften Band einfach auch vor Ort kaufen könnte.
Erst mal war mir aber wichtiger, einen Sitzplatz zu bekommen, von dem aus ich gut sehen und hören konnte (wir erinnern uns: die Elli ist eher kurz geraten). Die Lesung fand im hinteren Bereich des Geschäfts statt (englische Literatur und Antiquariat); Kevin Hearne war schon da. Ich bin sehr stolz auf mich, denn ich habe es geschafft, nicht völlig auszuflippen. Ich war cool. Ich bin nicht zu ihm gerannt und quietschend um ihn herum gesprungen. Ich fand einen passenden Platz und war sofort total eingenommen von Kevins offener, freundlicher, lockerer Art. Er stand da, mit einem Bier in der Hand (Wernesgrüner, was er wohl wegen des Umlauts ausgesucht hat) und unterhielt sich ganz entspannt mit den Leuten. Er fragte in die Runde, was wir denn so lesen würden.
Ich gebe es zu, ich bin nicht gut in solchen Situationen. Ich weiß nie, was ich sagen soll. Ich höre lieber zu und halte den Mund. Zum Glück gibt es genug Menschen auf der Welt, die diese Probleme nicht haben. Die sich auch in solchen Situationen ganz normal verhalten können und denen haufenweise Fragen einfallen. Ich lauschte den Gesprächen und harrte der Dinge, die da kamen.
Ursprünglich war der Abend wohl durchaus als Lesung geplant, es zeigte sich jedoch schnell, dass das sinnlos wäre. Kevin war darauf vorbereitet, über den siebten Band der Iron Druid Chronicles zu sprechen, „Shattered“. Die wenigsten der Gäste hatten allerdings schon so weit gelesen, mich eingeschlossen. Auf Deutsch sind auch erst drei Bände erschienen. Kevin wusste das vorher nicht, weil er von seinen ausländischen Verlagen nur sehr wenig Rückmeldung erhält. Also wurde das Programm des Abends kurzerhand umgestellt und aus einer Lesung wurde eine Frage-Antwort-Runde. Einerseits fand ich das schade, weil Kevin ein begnadeter Stimmenimitator ist und ich gern erlebt hätte, wie er sich die Stimmen der verschiedenen Charaktere vorstellt. Andererseits war die Veranstaltung dadurch natürlich wesentlich informativer.

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Kevin hat verraten, dass seine aktuelle kleine Tour durch Europa (Polen, Deutschland, Italien, Tschechische Republik) nicht ausschließlich für Lesungen und den Autoren-LeserInnen-Kontakt gedacht ist, sondern vor allem auch für die Recherche für den achten Band der Iron Druid Chronicles. Ja, Atticus kommt nach Berlin! 😀 Da am Dienstag der einzige Tag der Woche mit schlechtem Wetter war, wird Atticus wohl ebenso wie Kevin nass werden. Anscheinend hat ihn meine Stadt sehr inspiriert, denn er hat wie verrückt geschrieben. Ich bin gespannt, welche Orte, Plätze und Sehenswürdigkeiten ich dann in „Staked“ wieder erkenne, das voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen wird.
Insgesamt wird es wohl neun Bände in dieser Reihe geben, weil die Neun in der irischen Mythologie eine besondere Bedeutung hat. Kevin kann sich allerdings ein Spin-Off mit einem Charakter kennenlernen, den alle, die ihn bereits kennenlernen durften, liebten. Er taucht wohl in „Shattered“ erstmalig mit einer eigenen Stimme auf, das heißt, früher oder später werde ich wissen, wer es ist. Das wollte Kevin nämlich nicht verraten. 😉
Neben den Iron Druid Chronicles arbeitet er zur Zeit an einer Epic/High Fantasy Trilogie. Er hat den Titel genannt; aus Angst, diesen aber falsch wiederzugeben, verzichte ich darauf, ihn hier zu nennen. Es gibt dazu sowieso noch keine konkreten Informationen, weil Kevin den ersten Band erst zur Hälfte geschrieben hat. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis dieser auf den Markt kommt. 😉
Verfügbar ist hingegen Kevins letztes Projekt, das dafür verantwortlich ist, dass sich seine Arbeit an den Iron Druid Chronicles verzögert hat und mit dem er sich eine Art Kindheitstraum erfüllen konnte – er durfte für die Star Wars – Saga schreiben. Sein Roman „Heir to the Jedi“ deckt genau die Zeit in Luke Skywalkers Leben ab, die man in den Filmen nur oberflächlich zu sehen bekommt: die Zeit zwischen der Zerstörung des Todessterns und Lukes Ausbildung bei Meister Yoda. Ich bin ein Fan der Filmreihe (wie könnte ich anders, ich bin damit aufgewachsen), habe aber bisher noch kein einziges Buch dazu gelesen. Vermutlich sollte ich das mal nachholen. Sollte ich das wirklich tun, wird Kevin Hearnes Beitrag zu dieser epischen Saga definitiv auch auf meiner Wunschliste landen.

Heir_to_the_Jedi

Doch zurück zu den Iron Druid Chronicles. Ich hatte den Eindruck, dass Kevin seine eigene Reihe sehr am Herzen liegt. Also wirklich. Sie ist nicht nur das, womit er sein Geld verdient. Sie ist sein Baby. Obwohl sein Hauptanliegen sicher ist, seine LeserInnen zu unterhalten, wies er gestern auf einen tieferen Sinn in den Büchern hin, der mir so noch nicht aufgefallen ist: religiöse Toleranz. Religiöse Toleranz ist der rote Faden, denn Atticus befindet sich in einer Situation, in der er alle anderen Glaubensrichtungen akzeptieren muss. Er ist der letzte lebende Druide. Er ist der einzige auf der ganzen Welt, der an die Túatha dé Danann glaubt. Wäre er nicht in der Lage, über Glaubensunterschiede hinweg zu sehen, wäre er völlig isoliert. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich in einem gewissen Maße anzupassen. Ich finde, Kevin hat sich da ein wirklich sehr interessantes Grundthema ausgesucht, das in der heutigen Zeit darüber hinaus äußerst aktuell ist.
Ich fand es aufregend zu hören, wie er selbst seine Reihe sieht und mit welchen Charakteren er sich wie identifizieren kann. Aus seinem Blickwinkel ist Atticus‘ Schülerin Granuaile beispielsweise eine so spannende Figur, weil sie wie wir ist. Sie ist eine Sterbliche, ein normaler Mensch und wird plötzlich mit all dem magischen Kram konfrontiert. Plötzlich erhält sie selbst magische Kräfte und lernt, was eigentlich alles möglich ist in unserer Welt.
Kevins Liebe zu seinen Werken konnte man in jedem Satz hören. Das ist vermutlich auch der Grund, warum er sich nun entschieden hat, eine seiner Novellen rund um die Iron Druid Chronicles in einer Anthologie per Selfpublishing herauszubringen. Er wollte mehr Mitspracherecht, was mit seinem großen Verlagshaus Del Rey einfach nicht möglich ist. Dazu hat er sich mit den Fantasy-AutorInnen Delilah Dawson und Chuck Wendig zusammengetan. Jede/r der drei steuerte eine Novelle bei. Kevin fand laut eigener Aussage vor allem die Möglichkeit toll, über das Cover selbst entscheiden zu dürfen. Del Rey besteht für die vollwertigen Bände auf Foto-Cover, die nach dem Shooting kräftig durch Photoshop gejagt werden. Das Model heißt übrigens Mike. 😀 Kevin findet die Cover okay, aber eigentlich hätte er neben Atticus gern auch Oberon abgebildet gesehen. Anscheinend kann niemand einen irischen Wolfshund zu einem Fotoshooting überreden. Für die Anthologie „Three Slices“ konnte er nun auf eigene Kosten die Künstlerin Galen Dara (zur Website geht es HIER lang) engagieren, deren Hugo-Award-prämierte Kunst er schon lange bewundert. Erstmals wurden Atticus und Oberon gemeinsam und seiner Vorstellung entsprechend auf ein Cover gebracht. Mich freut das sehr für ihn und wenn ich den siebten Band der Serie gelesen habe, werde ich mir wohl dieses eBook zulegen. Nicht nur, um die Novelle „A Prelude to War“ zu lesen, die direkt an „Shattered“ anschließt, sondern auch, um die beiden anderen AutorInnen kennenzulernen, die laut Kevin großartig schreiben. 🙂

Three Slices

Insgesamt hat sich Kevin etwa eine Stunde mit uns unterhalten. Er erzählte von seinem Schreibprozess, von der Entstehungsgeschichte der Iron Druid Chronicles und lobte das deutsche Bier. Wusstet ihr, dass es die Iron Druid Chronicles gar nicht gäbe, wenn Kevins Frau das Manuskript des ersten Bandes nicht einfach ohne sein Wissen an seinen Agenten geschickt hätte? Er hatte nicht vor, es zu veröffentlichen! Ist das zu glauben?! Er hat das Buch nur geschrieben, um sich selbst zu unterhalten, während er darauf wartete, dass die Verlage auf ein anderes seiner Manuskripte reagierten. Als er „Hounded“ verkauft hatte, lehnte der gleiche Verlag dieses erste Manuskript ab. Er wäre abgelehnt worden! Ich danke seiner Frau auf Knien dafür, dass sie es erst ermöglichte, dass ich diesen wunderbaren, lustigen Autor kennenlernen durfte. Vielen, vielen Dank Mrs. Hearne! 😀
Nach dieser wirklich lustigen Frage-Antwort-Runde war es Zeit für die Signierstunde. Ihr erinnert euch? Ich hatte kein Buch dabei, weil ich direkt von Arbeit kam. Gerne hätte ich mir den fünften Band „Trapped“ vor Ort bei Otherland gekauft, leider war das aber nicht möglich. Anscheinend gab es vor der angekündigten Lesung einen so heftigen Run auf die Bücher, dass sie fast komplett ausverkauft waren. Grmpf. Na egal, dachte ich mir. Ich zückte mein Notizbuch (das ich sowieso die ganze Zeit auf dem Schoß hatte) und stellte mich in die Reihe. Als ich dran war, hätte ich natürlich ein Selfie mit Kevin machen können. Ich mag aber keine Selfies, weil ich mich selbst nicht gern auf Fotos sehe. Stattdessen zeige ich euch das Selfie, das Kevin selbst geschossen hat. Ob ich drauf bin? Wer weiß… 😉

Kevin Hearne - Tweet Selfie

Da stand ich also vor ihm, ohne Buch. Ich bat ihn, einfach das, was er in die Ausgabe eines seiner Bücher geschrieben hätte, in mein Notizbuch zu schreiben, denn so ganz ohne Autogramm wollte ich auch nicht verschwinden. Außerdem habe ich ihn gefragt, ob es möglich wäre, dass er mir für meinen Blog (also auch für euch, jey! ^^) ein Interview geben könnte. Er hat JA gesagt! 😀 Ich solle ihm einfach die Fragen mailen; er würde sie dann beantworten, sobald er Zeit dafür fände. Ich arbeite bereits daran, ein paar interessante Fragen zusammenzustellen. Wenn es etwas gibt, das ihr Kevin Hearne schon immer einmal fragen wolltet, schreibt mir, dann leite ich das an Kevin weiter. 😀
Tja und das war es im Grunde auch schon. Das war mein Abend mit Kevin Hearne. Ich bin so froh, dass ich spontan hingefahren bin, denn so durfte ich einen unglaublich freundlichen, offenen, lustigen und bodenständigen Autor kennenlernen, der es unnachahmlich versteht, seinen ZuhörerInnen ein gutes Gefühl zu geben. Es war ein wirklich toller Abend und solltet ihr jemals die Chance haben, Kevin Hearne selbst live zu erleben, nutzt sie! Er ist nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein richtig toller Mensch.

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May harmony and sausage find you!
Alles Liebe,
Elli

(Bildquelle „Heir to the Jedi“)
(Bildquelle „Three Slices“)

 
 

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Sebastian Fitzek – Amokspiel

„Amokspiel“

Amokspiel

Autor: Sebastian Fitzek

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 430

Verlag: Knaur

Sprache: Deutsch

ISBN: 3426637189

Genre: Krimi & Thriller

ausgelesen am: 23.03.2015

Bewertung: 

Ich finde es toll, wenn Geschichten in meiner Heimatstadt Berlin spielen. Tauchen konkrete Straßennamen, Sehenswürdigkeiten oder Plätze auf, muss ich mir die Umgebung nicht tatsächlich vorstellen, sondern greife einfach auf meine Erinnerungen zurück. Es bringt mich zum Lächeln. Vermutlich geht es Sebastian Fitzek da ganz ähnlich, denn genau wie ich ist er ein geborener Berliner. Viele seiner Thriller handeln in Berlin – so auch „Amokspiel“. Dieser Roman ist mein vierter Fitzek und da ich ihn als Meister des psychologischen Terrors kenne, hatte ich recht hohe Erwartungen.

Die Kriminalpsychologin Ira Samin möchte sterben. Alles ist vorbereitet. Der Revolver ist bereit, die Küche ist abgeklebt, die tödlichen Tabletten liegen im Eisschrank. Keinen Tag länger kann sie mit der Schuld leben, nicht den Selbstmord ihrer ältesten Tochter verhindert zu haben. Doch dann werden ihre privaten Pläne plötzlich vereitelt: sie wird zu einem Einsatz gerufen. In einem Berliner Radiosender hält ein Psychopath Geiseln gefangen und verlangt, dass seine Verlobte zu ihm gebracht wird. Bis es soweit ist, wird er während der Live-Sendung jede Stunde zufällige Telefonnummern anrufen. Meldet sich die angerufene Person mit der richtigen Parole, lässt er eine Geisel frei. Wenn nicht, muss eine Geisel sterben. Ira und das ganze Team müssen sich beeilen, um die Verlobte des Geiselnehmers zu finden. Bei ihren Nachforschungen stellt sich allerdings heraus, dass sie bereits vor Monaten einen tödlichen Unfall hatte. Die Verhandlung beginnt und Millionen von Menschen hören Ira dabei zu, wie sie einen verzweifelten Mann davon zu überzeugen versucht, dass seine letzte Hoffnung eine Illusion ist.

„Amokspiel“ in drei Worten? So la la. Stellt euch dazu bitte das charakteristische Wackeln der Hand vor. Wirklich viel kann ich zu diesem Thriller eigentlich nicht sagen, denn er hat kaum Eindruck bei mir hinterlassen. Ganz nett für Zwischendurch, aber mehr eben leider auch nicht. Ich bin definitiv Besseres von Sebastian Fitzek gewohnt. Ich hatte das Gefühl, dass diese Geschichte eine Art Experiment für ihn war, um sich einmal in eine etwas andere Richtung zu versuchen. Das sei ihm natürlich gegönnt, doch für mich ist dieser Versuch nicht vollständig geglückt.
Den Einstieg in „Amokspiel“ fand ich unheimlich schnell, wie bei allen anderen Fitzeks zuvor ebenfalls, denn sein Schreibstil ist unverändert flüssig, packend und locker. Er schreibt nah am Menschen; damit möchte ich sagen, dass er es seinen LeserInnen leicht macht, eine Verbindung zu seinen Charakteren aufzubauen, weil sie sich durch und durch menschlich verhalten. So auch zur Protagonistin Ira Samin. Ira ist… abgewrackt. Ich habe versucht, eines zu finden, aber ein netteres Wort gibt es für ihren Zustand einfach nicht. Sie ist völlig am Ende, getrieben von akuter Todessehnsucht und einem ernsthaften Alkoholproblem. Erstaunlich, dass ich trotz dessen recht gut mit ihr zurechtkam, obwohl ich nicht gerade behaupten kann, sie wirklich zu mögen. Ich bin der Meinung, dass Fitzek selbst einer größeren Sympathie im Weg stand, weil er ständig wiederholte, dass sie sich am Morgen des Tages noch umbringen wollte. Ich empfand das als störend, denn es vermittelte mir das Gefühl, dass sich Ira ungeachtet der Ereignisse nicht weiterentwickelt. Diese konstruierte Fitzek anders, als ich erwartet hatte. Ira verhandelt zwar mit dem Geiselnehmer, jedoch viel weniger, als ich dachte. Ich hatte angenommen, dass ihre Gespräche den Großteil des Buches einnehmen und vor allem, dass sie sich auf gewisse Weise gegenseitig therapieren würden, da der Geiselnehmer ebenfalls Psychologe ist. Ich hatte auf eine Art therapeutischer Patt-Situation gehofft; zwei Psychologen, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Ratschläge zu befolgen. Stattdessen widmete sich Fitzek intensiv den Abläufen um das Geiseldrama herum und offenbarte dabei eine überraschend politische Ebene. Ich mag politische Thriller gern, muss aber sagen, dass sich Fitzek hier nicht von seiner stärksten Seite zeigte. Für meinen Geschmack wirkten all die Faktoren, die in „Amokspiel“ zusammenspielen, übertrieben zufällig und verworren. Mir fehlte der rote Faden. Von der Hintergrundgeschichte, also von den Verwicklungen, die überhaupt erst zu der Geiselnahme führten, war ich dementsprechend nicht überzeugt.
Was mir hingegen sehr gut gefiel, war, dass Fitzek seine LeserInnen in eine Welt mitnimmt, die ihm sehr vertraut ist: die Welt eines Radiosenders. Er arbeitet seit Jahren bei einem Berliner Sender in der Programmdirektion – umso authentischer ist die Darstellung seines fiktiven Settings gestaltet.

„Amokspiel“ war für mich kein sonderlich herausragender Thriller. Natürlich las er sich schnell und spannend, konnte mich aber lange nicht so fesseln wie beispielsweise „Die Therapie“. Meiner Meinung nach sollte Sebastian Fitzek bei Psychothrillern bleiben und sich nicht an politischen Experimenten versuchen, denn das liegt ihm nicht. Ich werde keinesfalls aufhören, seine Bücher zu lesen, schätze aber, dass ich bald vergessen haben werde, worum es in „Amokspiel“ geht.
Ich bin der Meinung, dass dieser Fitzek hauptsächlich eine Lektüre für seine Fans ist, denen viel daran liegt, sein Gesamtwerk gelesen zu haben. Für alle anderen: es gibt bessere Thriller.

 
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Verfasst von - April 15, 2015 in Krimi, Rezension, Thriller

 

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10. 05. 2014 – Gegen das Vergessen

DSCF8924Das Thema meines heutigen Eintrags ist mehr als ernst und liegt mir so sehr am Herzen, dass es wohl ein längerer Text wird, den ich hier verfassen werde. Ich war heute, begleitet von meinem Partner und meiner Hündin, auf dem Bebelplatz (vormals Opernplatz) in meiner Heimatstadt Berlin. Dort fand eine Veranstaltung der Partei Die Linke statt, die jährlich am heutigen Datum begangen wird; gegen das Vergessen, für das Erinnern.

Am 10. Mai 1933, also heute vor genau 81 Jahren verbrannten Studenten der Berliner Humboldt – Universität im Zuge der nationalsozialistischen „Aktion wider den undeutschen Geist“ auf dem Bebelplatz/Opernplatz etwa 25.000 Bücher von insgesamt 94 jüdischen, pazifistischen und/oder links eingestellten Autoren.
Kennt ihr die Szene aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, in der die deutsche Archäologin Dr. Elsa Schneider einer Bücherverbrennung in Berlin beiwohnt und ihr Tränen über die Wangen laufen, obwohl sie mit den Nazis zusammen arbeitet? Für diejenigen, denen die Szene nicht geläufig ist, ich habe sie für euch verlinkt. Der Youtube-Clip ist zwar auf Englisch, doch das spielt keine Rolle, mir geht es nur um die Emotion, die Dr. Schneider vermittelt: Szene aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (etwa ab Minute 01:00). Genau das, was Dr. Schneider in dem Film empfindet, fühle auch ich jedes Mal, wenn ich an dieses abscheuliche Verbrechen an der Literatur vor 81 Jahren denke.

DSCF8926Darum war es für mich selbstverständlich, dass ich an der heutigen Veranstaltung der Linken teilnehme. Sie trägt das Motto „Lesen gegen das Vergessen“ und beinhaltet Lesungen einiger öffentlicher Personen aus Texten, die entweder am gleichen Ort 1933 verbrannt wurden oder die aufgrund ihres Inhalts verbrannt worden wären. Eingerahmt wird diese Lesung von der Aktion „Ein Ort zum Lesen“; diese einfache, aber wunderschöne Kunstinstallation besteht aus 30 Stühlen (lt. Website der Aktion), die rund um eine Regalskulptur aufgestellt wurden. Sowohl auf den Stühlen als auch im Regal selbst wurden Werke platziert, die der „Liste der verbrannten Bücher“ entstammen. Dank der Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Bookcrossing“ sind all diese Bücher ausdrücklich zum Verschenken gedacht; ein Stück Geschichte, das mit nach Hause genommen werden kann.
Die Lesung selbst wurde von Gesine Lötzsch geleitet und musikalisch von der Big Soul DSCF8922Band der Gustav-Heinemann-Schule untermalt. Ich empfand das ganze Event als sehr schön und dem Gedenken der Bücherverbrennungen 1933 würdig.
Als wir ankamen, war es bereits ziemlich voll (für so eine Veranstaltung, wenn zeitgleich Hertha BSC zu Hause gegen Borussia Dortmund spielt) und wir waren auch ein wenig spät dran, um 15 Uhr sollte es losgehen. Daher hatten wir nicht mehr viel Zeit, um in den Büchern der Aktion „Ein Ort zum Lesen“ zu DSCF8923schmökern und auch unsere Hoffnungen auf einen Sitzplatz verflogen recht schnell. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns ein Plätzchen hinter den Bankreihen zu suchen und dort Aufstellung zu beziehen. Immerhin konnte ich so ein paar annehmbare Fotos für euch schießen. 🙂

Als erstes las die mittlerweile 103 – jährige (!) Autorin Elfriede Brüning. Leider habe ich gepennt, als angesagt wurde, was sie vorlesen wird und habe mir keine Notizen dazu gemacht, aber ich vermute ganz stark, dass es die Novelle „Der Frankfurter Buchbrand“ von Heinrich Eduard Jacob war, die 1933 in der Sammlung „Novellen deutscher Dichter der Gegenwart“ erschien. Jacob selbst nannte das Werk die „Goethe – Novelle“, da er darin schildert, wie der 14 – jährige Goethe eine Bücherverbrennung erlebt. Unglücklicherweise konnte ich im Netz keine Version dieser Novelle finden. Ich fand es schwer, Frau Brüning zu folgen, da ihre Stimme natürlich nicht mehr ganz so kräftig ist. Trotzdem hat mich das, was sie gelesen hat, berührt, daher ist es umso enttäuschender, dass die Novelle online nicht zu finden ist. Micha Ullman
Vor dem nächsten Beitrag holte Gesine Lötzsch den israelischen Künstler Micha Ullman auf die Bühne, der das Mahnmal zum Gedenken an die Bücherverbrennung geschaffen hat. Das Denkmal ist eine unterirdische, leere, mit einer Glasplatte bedeckte Bibliothek. Ullman sagte im Wortlaut, dass es gerade die Leere seiner Bibliothek sei, die für sich spräche und ich muss ihm da zustimmen. Von den Bronzeplatten, die den Besucher über das Mahnmal aufklären, habe ich Fotos machen können.
Als nächstes las die Sängerin Barbara ThalheimBarbara Thalheim über ihren Vater. Ich muss zugeben, dass das Zuhören für mich ein wenig befremdlich war. Ihr Vater war Kommunist und flüchtete 1933 vor dem NS-Regime erst nach Frankreich und später nach Algerien, wurde jedoch von der Gestapo festgenommen und im KZ Dachau interniert, welches er glücklicherweise überlebte. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie es sein mag, wenn die Vergangenheit des eigenen Vaters von Flucht, Gewalt und Angst geprägt war. Barbara Thalheim selbst sagte, dass sie mit ihrem Vater nie viel über die Umstände während der Nazizeit gesprochen hätte.
Während Barbara Thalheims Beitrag relativ lang war, glänzte der evangelische Theologe und ehemalige Rektor der Humboldt – Universität, Heinrich Fink, durch prägnante, eingängige Kürze. Er las aus seinem eigenen Werk „Wie die Humboldt – Universität gewendet wurde“ und erinnerte daran, dass das von Magnus Hirschfeld geleitete Heinrich FinkInstitut für Sexualwissenschaft am 06. Mai 1933 überfallen, die umfangreiche Bibliothek geplündert und zerstört, sowie der Bestand der Bibliothek später verbrannt wurde, das Institut jedoch bis heute nie wieder aufgebaut wurde.
Anschließend hieß es, Gojko Mitić würde nun lesen. Mitić, Mitić, Mitić… Den Namen kannte ich bereits. Doch woher? Ich fand es erst heraus, als ich zu Hause die verschiedenen LeserInnen recherchierte. Mitić wird auch der „Winnetou des Ostens“ genannt; er spielte in zahlreichen Gojko MiticDDR-Produktionen Vertreter der nordamerikanischen indigenen Bevölkerung. Heute las er Kurt Tucholskys „An das Publikum“ und Erich Kästners „Hymnus auf die Bankiers“. Bedenkt man, das beide Texte um 1930 herum erschienen sind, überraschen sie durch eine frappierende Aktualität. Ich kann nur empfehlen, sie beide zu lesen.
Die Schauspielerin und Sängerin Gina Pietsch wählte einen Text von Volker Braun; auch hier kann ich jetzt nicht mehr rekonstruieren, welchen sie vorlas. Das ist schade, weil mich Frau Pietsch Gina Pietsch 1durchaus beeindruckte, da sie ihren gesamten Beitrag auswendig rezitieren konnte, ohne ablesen zu müssen.
Als nächstes war ein Gruppe StudentInnen von der University of Michigan an der Reihe, die ein sehr kurzes Stück aufführten, von dem ich glaube, dass es um die Gefahren mangelnder Individualität ging. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, da die StudentInnen zum Teil erst seit Januar diesen Jahres Deutsch lernen und dementsprechend nicht so gut zu verstehen waren. Im Anschluss rezitierte ihre Dozentin gemeinsam mit einem etwas fortgeschritteneren Studenten und einer Violinistin das „Kriegslied“ von Erich Mühsam, ein wunderschönes Gedicht über die Sinnlosigkeit und Gewalt eines Krieges. Ich kannte es schon, doch es hat mir auch heute wieder einen Schauer über den Rücken gejagt.
Ernst-Georg SchwillDie Bühne wurde dann erneut an einen Schauspieler übergeben, nämlich an Ernst-Georg Schwill, der sich ebenfalls für einen Text von Kurt Tucholsky entschieden hatte: „Der Mensch“. Diesen verfasste Tucholsky jedoch unter dem Pseudonym Kaspar Hauser. Diese Wahl gefiel mir sehr gut, denn es ist ein satirisch-ironische Betrachtung der Gattung Mensch, die Schwill letztendlich auch einige Lacher einbrachte.
Es folgte der Auftritt der Schauspielerin Nadja Engel, die aus Käthe Reichels Werk „Dämmerstunde. Erzähltes aus der Kindheit“ vorlas. Ihre Lesung gefiel mir am besten, denn in dem Ausschnitt geht es um Demokratie und die Parallelen zwischen Gegenwart und Vergangenheit; er regte mich zum Nachdenken an und ich werde wohl versuchen, das Buch zu erstehen.
Nach diesem für mich beeindruckenden Auftritt folgte ein meines Erachtens nach eher schwacher: die Schauspielerin und Regisseurin Ursula Karusseit las den Epilog aus Ernst Tollers „Das Schwalbenbuch“. Dieser ist ein nette kleine Anekdote, die thematisiert, dass auch die Nazis in ihrem Kontrollwahn keine allumfassende Macht erreichen konnten. Symbolisch steht hier eine Schwalbenfamilie für den Widerstand im Dritten Reich. Mich hat dieser Text nicht sonderlich berührt, vermutlich unter anderem, weil ich mit Vögeln nicht viel anfangen kann. Zusätzlich war mir die Symbolik ein bisschen zu offensichtlich.
Nun wurde das Publikum erneut mit Kurt Tucholsky beglückt: der Student Fabian Wolf präsentierte „Aussage eines Nationalsozialisten vor Gericht“. Ich möchte zu diesem Text nicht zu viel sagen, da er sehr kurz ist und herrlich für sich selbst spricht. Bitte lest ihn einfach. 🙂
Erneut kam im Folgenden eine Sängerin zu Wort, Johanna Arndt. Sie hatte sich für drei kurze Texte entschieden, den Anfang machte Masha Kalékos Gedicht „Emigranten-Monolog“, das die Vertreibung wertvoller deutscher LiteratInnen und PoetInnen thematisiert. Als zweiten Text hatte sie Erich Kästners Zeugnis der Bücherverbrennung in Berlin ausgewählt. Als Augenzeuge erlebte Kästner hautnah mit, wie seine Werke auf dem Scheiterhaufen landeten. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sich für den großartigen Autor anfühlte, sein Schaffen in Flammen aufgehen zu sehen. Zu guter Letzt trug Frau Arndt noch ein weiteres Gedicht vor, allerdings ist mir auch hier der Titel entfallen. Ich habe mir zwar eine einprägsame Zeile notiert, doch leider reichte diese nicht aus, um das Gedicht im Netz zu finden.
Eine Rezitation ohne Ablesen finde ich immer beeindruckend. Doch der Schauspieler Jens-Uwe Bogadtke Jens Uwe Bogadtkeüberzeugte mich auch durch seine volle, alles einnehmende Stimme und den lebhaften Stil seines Vortrags. Er hätte das Mikro nicht gebraucht. Er hat mich wirklich in die zwei Gedichte von Heinrich Heine, die er präsentierte („Die Wahlesel“ und „Die Wanderratten“), mitgenommen. Heine ist nicht immer leicht zu verstehen, doch Bogadtkes Intonation vereinfachte es, ihm zu folgen.
Der folgende Auftritt war vermutlich der emotionalste von allen. Beate Klarsfeld, Journalistin und sehr aktiv in der Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechen, hatte sich Auszüge aus dem „Tagebuch der Denise Bardet“ herausgesucht und las diese vor. Denise Bardet war eines von 642 Opfern des Massakers von Oradour in Oradour-sur-Glane und obwohl sie bereits vor ihrem gewaltsamen und grausamen Tod Schwierigkeiten durch die deutsche Besatzung durchlebte, empfand sie keinerlei Hass auf die Deutschen. Auf die Nazis, ja, vielleicht. Aber sie war in der Lage, zwischen Deutschen und Nazis zu unterscheiden, eine zu dieser Zeit wirklich außergewöhnliche Fähigkeit. Frau Klarsfeld konnte man die unterdrückten Tränen in ihrer Stimme anhören. Das hat mich berührt. Ich möchte Denise Bardets Tagebuch in jedem Fall haben und selbst Bekanntschaft mit dieser freundlichen jungen Frau machen.
Gregor Gysi 1Zu guter Letzt trat nun noch der vermutlich bekannteste „Promi“ auf, Linksfraktionsvorsitzender Gregor Gysi. Er las aus dem „Heeresbericht“ von Edlef Köppen, der vor 81 an genau der gleichen Stelle verbrannt worden war. Dieser ist quasi ein pazifistisches Manifest, das der Autor schrieb, um seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg zu verarbeiten. Köppen betont die Sinnlosigkeit des Krieges; dass Krieg, egal ob gewonnen oder verloren, immer mit Blut, Gewalt und Tod einhergeht.
Ich empfand diesen Auszug als gelungenen Abschluss der Lesung.

Mein Beitrag ist nun wirklich sehr lang geworden; so lang, dass ich nicht viel Hoffnung habe, dass ihn überhaupt jemand zur Gänze liest. Doch es war mir ein intensives Anliegen, von meinen heutigen Erfahrungen ausführlich zu berichten; Autoren und Werke zu verlinken und sie euch somit näher zu bringen. Vielleicht konnte ich ein paar unter euch ja auch dazu bewegen, sich ebenfalls an Aktionen wie dieser zum Gedenken an die Bücherverbrennung 1933 zu beteiligen. Erinnern ist wichtig. Vergessen ist gefährlich. Und es geht so schnell. Ich finde, wir müssen lernen, einen Bezug zu den Verbrechen unserer Vergangenheit aufzubauen, um niemals wieder zuzulassen, dass solche Gräueltaten begangen werden können. Ich möchte mit einem Zitat von Peter Suhrkamp schließen, das er 1947 auf eben jenem Bebelplatz/Opernplatz formulierte:

„Die Flammen, die zuerst über den Bücherhaufen prasselten, verschlangen später im Feuersturm unsere Städte, menschliche Behausungen, die Menschen selbst. Nicht der Tag der Bücherverbrennung allein muß im Gedächtnis behalten werden, sondern diese Kette: von dem Lustfeuer an diesem Platz über die Synagogenbrände zu den Feuern vom Himmel auf die Städte.“

Book_Burning_by_MaruLovesStamps

++ACHTUNG: Dieser Beitrag wurde übertragen. Erstellungsdatum ist der 10.05.2014!++

 
 

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