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Sue Klebold – A Mother’s Reckoning: Living in the Aftermath of the Columbine Tragedy

Am 20. April 1999 um 11:19 Uhr betraten Eric David Harris und Dylan Bennet Klebold die Columbine High-School in Colorado durch den Westeingang und eröffneten das Feuer. Sie trugen je zwei Schusswaffen, schwarze Trenchcoats, schwarze Hosen und eigens für den Anlass bedruckte T-Shirts. Erics Brust zierte der Schriftzug „Natural Selection“; auf Dylans Shirt prangte das Wort „Wrath“. Innerhalb einer knappen Stunde warfen sie selbstgebastelte Rohrbomben sowie Molotowcocktails und verschossen wahllos insgesamt 188 Kugeln. Sie töteten 12 Schüler_innen und einen Lehrer. 21 Menschen wurden zum Teil schwer verwundet. Kurz nach 12 Uhr begingen Eric und Dylan in der Bibliothek ihrer Schule Selbstmord. Ihr Amoklauf war als Bombenanschlag geplant. Die in der Cafeteria deponierten, selbstgebauten Sprengsätze explodierten aufgrund eines technischen Fehlers nicht.

125 Worte. Ich brauchte 125 Worte, um eines der schlimmsten Schulmassaker in der US-amerikanischen Geschichte zusammenzufassen. Schockierend, wie wenig die Fakten dieser Tragödie verlangen.
Der Amoklauf an der Columbine High-School war nicht die erste Schulschießerei, die das Land erlebt hatte. Es war jedoch die erste Schulschießerei, die globales Aufsehen und Medieninteresse, sowie eine hitzige Debatte über Mobbing, Ego-Shooter, gewaltverherrlichende Musik und das Waffenrecht auslöste. Das Massaker hatte weitreichende Konsequenzen. Nicht zuletzt wird der nachfolgende Anstieg von Amokläufen an Schulen „Columbine Effekt“ genannt, weil viele Täter_innen angaben, von Eric Harris und Dylan Klebold inspiriert worden zu sein. Die Generation, die nach dem 20. April 1999 in den USA geboren wurde, wird als „Generation Columbine“ betitelt – Kids, die eine Welt ohne Schulschießereien gar nicht kennen. Columbine ist die Mutter aller Schulmassaker.

Als Eric Harris und Dylan Klebold ein beispielloses Blutbad anrichteten, war ich 8 Jahre alt. Ich erinnere mich nicht daran, dass die Vorfälle in Colorado in irgendeiner Form in meinem Leben thematisiert wurden und auch meine Eltern konnten auf meine Nachfrage hin keine Situation rekonstruieren, in der wir darüber gesprochen hätten. Columbine rückte erst sehr viel später ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit: ich begann, mich mit Schul-Amokläufen im Allgemeinen auseinanderzusetzen, um zu verstehen, was die Täter_innen bewegte und wie es möglich war, dass ihr Schmerz und ihre Verzweiflung teilweise jahrelang unbemerkt blieben.
Als ich entdeckte, dass Dylans Mutter Sue Klebold 2016 ein Buch veröffentlicht hatte, das den Titel „A Mother’s Reckoning: Living in the Aftermath of the Columbine Tragedy“ trug, stand für mich sofort fest, dass ich es kaufen und lesen wollte. Meine Motivation war sehr simpel. Ich wollte es begreifen. Ich wollte begreifen, wie man so etwas überlebt.

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Verfasst von - 8. August 2018 in Biografie, Non-Fiction, Rezension

 

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Joanne K. Rowling, Jack Thorne & John Tiffany – Harry Potter und Das verwunschene Kind

Die Rezension zu „Harry Potter und Das verwunschene Kind“ ist vermutlich die seltsamste, die ich jemals geschrieben habe. Die ganze Situation ist maßlos seltsam. Bereits die Aussicht, nach all den Jahren ins Potter-Universum zurückzukehren, erst durch den Reread (gemeinsam mit meiner Schwester im Geiste Marina aka DarkFairy) und jetzt durch eine neue Geschichte, löste in mir eine wahre Flut verschiedener, teils gegensätzlicher Emotionen aus.

Als ich erfuhr, dass sich Joanne K. Rowling mit dem Drehbuchautor Jack Thorne und dem Theater-Regisseur John Tiffany zusammengetan hatte, um die „Harry Potter“ – Reihe mit einem Theaterstück weiterzuführen und dieses als Buch erscheinen sollte, war ich erst nicht sicher, ob ich es überhaupt lesen wollte. Vielleicht erging es einigen von euch ähnlich. Die Romane dieser Reihe sind mir heilig; sie sind ein bedeutender Teil meiner Kindheit, Jugend und meines erwachsenen Lebens. Der ursprünglich letzte Band „Harry Potter und Die Heiligtümer des Todes“ erschien 2007 – 2016, neun Jahre später, sollte es nun also eine Fortsetzung für die Bühne geben? Das erschien mir wie ein Sakrileg. Blasphemie. Hatten Jack Thorne und John Tiffany überhaupt eine Ahnung von „Harry Potter“? Wussten die beiden Männer, welches enorme Erbe sie antreten wollten und wie viel Verantwortung sie damit auf ihre Schultern luden? Potterheads sind empfindliche, verletzliche Wesen, deren Zorn furchtbar sein kann, beschmutzt man das Andenken an „ihre“ Bücher. Ich bin da keine Ausnahme. Die Geschichte des Zauberlehrlings ist für uns eben nicht nur eine Geschichte. Sie ist literarische Magie. Wir lachten, weinten, bangten mit Harry und wurden an seiner Seite erwachsen. Dieses ominöse Stück, „Harry Potter und Das verwunschene Kind“, musste schon verdammt gut sein, um der Erinnerung an Jahre der Liebe und Verbundenheit gerecht zu werden.

Was mich letztendlich überzeugte, das Bühnenstück doch zu lesen, war – neben purer Neugierde – Joanne K. Rowlings Mitarbeit. Ich dachte, wenn Harrys schriftstellerische Mutter das Projekt überwachte, für gut befand und darauf achtete, dass es sich homogen in die Reihe einfügte, konnte mein Risiko nicht allzu groß sein. Ich gestand ihr einen Vertrauensvorschuss zu und wollte daran glauben, dass sie niemals zulassen würde, dass Harry in diesem neuen Buch lächerlich gemacht würde. Sie kennt die Fans. Sie weiß, was Harry uns bedeutet. Ich bin überzeugt, dass er ihr mindestens genauso viel bedeutet. Also ließ ich mich auf das Experiment ein und kaufte „Harry Potter und Das verwunschene Kind“, womit es übrigens der erste Potter überhaupt ist, den ich selbst bezahlte.

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George R.R. Martin – A Storm of Swords

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Meine Ausgabe von „A Storm of Swords“, der dritte Band der Reihe „A Song of Ice and Fire“ von George R.R. Martin, umfasst 1177 Seiten. Das gute Stück hat die Ausmaße eines soliden Ziegelsteins und ist inhaltlich so vollgepackt, dass ich beschlossen habe, meine üblichen Zeichenrichtlinien zum Schreiben einer Rezension ausnahmsweise in den Wind zu schießen. Es ist mir egal, ob dann keiner mehr Lust hat, meine Ausführungen zu lesen, denn letztendlich dienen meine Rezensionen nicht nur dazu, euch einen Eindruck eines Buches zu verschaffen, sondern sollen auch mir helfen, mit einer Geschichte abzuschließen. Ich habe sehr viel zu „A Storm of Swords“ zu sagen und da ich der Meinung bin, dass jeder dieser Gedanken wichtig ist (ja, ich bin so arrogant), werde ich mir selbst die Möglichkeit verschaffen, jeden einzelnen aufzuschreiben, solange es kein Spoiler ist. Bringt Sitzfleisch mit, lehnt euch zurück und genießt.

Der Krieg der Häuser forderte erste Opfer. Renly Baratheon ist tot; sein Bruder Stannis gedemütigt und geschlagen in der vernichtenden Niederlage gegen König Jeoffrey. Nun verfügt einzig Robb Stark als König des Nordens über die nötige Truppenstärke, um den Lannisters und ihren Verbündeten im Feld die Stirn zu bieten. Doch Kriege werden nicht allein durch Schlachten entschieden. In King’s Landing begreift Sansa Stark, dass sie ihren Feinden ohne Freunde schutzlos ausgeliefert ist. Lediglich ihr Titel hält sie am Leben, eine Lektion, die ihrer Schwester ebenfalls aufgezwungen wird. Arya Stark versucht, sich auf eigene Faust zu ihrer Mutter und ihrem Bruder in Riverrun durchzuschlagen, wird jedoch von den unberechenbaren Strömungen des Krieges erfasst und als Geisel gefangen genommen.
Währenddessen kämpft ihr Halbbruder Jon Snow mit den Konsequenzen des letzten Befehls von Qhorin Halfhand. Die Wildlinge trauen ihm nicht und stellen seine Schwüre auf die Probe. Er muss einen Weg finden, so schnell wie möglich unauffällig zu entkommen, um der Nachtwache von seinen Beobachtungen zu berichten und seine Brüder zu warnen, bevor die Wildlinge ihren Angriff auf die Mauer und das Reich beginnen.
Einen Angriff plant auch Daenerys Targaryen. Weit entfernt von Westeros versammelt sie eine Streitmacht, um ihr Geburtsrecht auf den Eisernen Thron einzufordern.
Allianzen und Vereinbarungen schmieden die Bande zum Sieg – wer sie bricht, riskiert alles.

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Verfasst von - 26. Oktober 2016 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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James Frey & Full Fathom Five | Die Chronik der Skrupellosigkeit

Teil #1: Münchhausens Erbe

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute möchte ich beginnen, euch eine Geschichte erzählen. Es ist eine Geschichte von überwältigendem Erfolg, Wahrheit, Lügen und einem tiefen Fall, der ein Leben in eine Richtung führte, die ich nur als fragwürdig bezeichnen kann. Es ist die Geschichte des Autors James Frey und seiner Firma Full Fathom Five. Es ist die Geschichte, die erklärt, warum ich die „Lorien Legacies“ nach vier Bänden plötzlich abbreche. Ich hoffe, dass ich euch durch diese Geschichte nachvollziehbar darlegen kann, wieso ich aus Prinzip nicht weiterlesen werde. Manchmal muss man einfach dem eigenen Gewissen folgen. Bevor wir loslegen, möchte ich euch ermuntern, euch die Verlinkungen anzusehen, weil ich mich bemüht habe, meine Quellen direkt einzuarbeiten. Da sind einige interessante Artikel und Seiten dabei, weshalb es schade wäre, wenn sie unbeachtet an euch vorbeigehen.
Nun lehnt euch zurück, entspannt euch und lauscht meiner Geschichte. Wie jede Geschichte beginnt sie mit „Es war einmal…“.

Es war einmal eine junge Frau, die einen Film sah, der auf einem Buch basierte. Da ihr der Film gut gefiel, wollte sie das Buch ebenfalls lesen…

Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich geschnallt habe, dass Pittacus Lore, Autor der „Lorien Legacies“, ein Pseudonym ist. Tatsächlich bin ich nicht von selbst darauf gekommen, weil ich einfach nie näher über diesen abstrusen Namen nachgedacht habe. Ich habe ihn als gegeben hingenommen. Das war ein wenig begriffsstutzig, ich weiß. Als ich für die Rezension des ersten Bandes, „I am Number Four“, im Oktober 2015 zu recherchieren begann, war ich daher etwas überrascht, dass es bei Wikipedia hieß, das Buch sei das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Autoren James Frey und Jobie Hughes. Heute wünschte ein Teil von mir, ich hätte es nie herausgefunden.

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Verfasst von - 17. August 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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R.E. Rowe – Voices

2016-02-13 - Rowe Voices

„Voices“ von R.E. Rowe erhielt ich via Netgalley. Anders als sonst musste ich mich für dieses Buch nicht bewerben, da es ein „Read Now“ – Exemplar ist, das ich auf meinen Kindle laden konnte, ohne die Bestätigung des Verlages abzuwarten. Ich weiß nicht, wieso einige Bücher sozusagen verschenkt werden, während andere eine Bewerbung verlangen. Vermutlich liegt dieser Strategie eine spezielle Vereinbarung zwischen Verlag, Autor_in und Netgalley zugrunde. Für neue Autor_innen ist das vielleicht eine praktikable Möglichkeit, etwas Bekanntheit zu erlangen, denn welcher Bücherwurm kann gratis Literatur schon widerstehen? Bezüglich R.E. Rowe hat das für mich auf jeden Fall funktioniert, schließlich kannte ich diesen Autor nicht, bis ich „Voices“ bei Netgalley entdeckte.

43 Minuten. So lange war Aimee klinisch tot. Ihre Nahtoderfahrung veränderte ihr Leben. Was ihr einst wichtig war, erscheint ihr nun unbedeutend und klein, denn seit ihrem Herzstillstand verfügt sie über eine fantastische, aber erschreckende Fähigkeit: sie kann die Gefühle und Energien der Menschen um sie herum wahrnehmen. Meist überwältigen sie die Empfindungen der anderen, weshalb sie den Kontakt meidet und sich zurückzieht. Bis sie Reizo kennenlernt. Reizos Energie fasziniert sie, obwohl er selbst ein Außenseiter ist. Er leidet unter Schizophrenie, hört Stimmen und gerät dadurch oft in Schwierigkeiten. Sie spüren sie sofort, dass sie etwas verbindet und finden heraus, dass ihre Familien auf eine fast vergessene, gemeinsame Vergangenheit zurückblicken. Doch als sie in einem Sturmkeller ein altes Testament entdecken, geraten sie in einen Strudel der Gewalt, der ihre junge Liebe auf die Probe stellt. Werden Aimee und Reizo auch im Angesicht höchster Gefahr zueinanderstehen?

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Verfasst von - 16. März 2016 in Mystery, Rezension, Young Adult

 

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Stephen Chbosky – The Perks of Being a Wallflower

„The Perks of Being a Wallflower“

The Perks of Being a Wallflower

Autor: Stephen Chbosky

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 231

Verlag: Simon & Schuster

Sprache: Englisch

ISBN: 147111614X

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 08.05.2015

Bewertung:

„The Perks of Being a Wallflower” von Stephen Chbosky streifte lange Zeit immer wieder meine Aufmerksamkeit, bevor ich endlich entschied, es zu lesen. Ähnlich wie der Protagonist Charlie flog es sozusagen unter meinem Radar. Der endgültige Impuls, dieses Buch meiner Bibliothek hinzuzufügen, habe ich tatsächlich der Verfilmung „Vielleicht lieber morgen“ zu verdanken, denn ich wollte den Film nicht sehen, bevor ich das Buch kannte. Interessanterweise war Stephen Chbosky maßgeblich an der Produktion des Films beteiligt; er schrieb das Drehbuch und führte Regie. Bis heute ist „The Perks of Being a Wallflower” Chboskys einziger Roman. Er arbeitet in der Filmbranche als Drehbuchautor und Regisseur, hat aber meines Wissens nach nie wieder ein Buch geschrieben, was mich ein wenig wundert. Schließlich schaffte es „The Perks of Being a Wallflower” 1999 sogar auf die New York Times Bestsellerliste.

Charlie ist nicht populär. Er ist nicht beliebt. Er ist ein Mauerblümchen, jemand, der nur zusieht, während andere ihr Leben leben und genießen. Das war schon so, bevor sein bester Freund Michael Selbstmord beging. Jetzt, ohne Michael, ist Charlie ganz allein. Doch man sagt nicht umsonst, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Denn während er noch mit seinem Verlust kämpft, begegnet Charlie Sam und Patrick. Die Geschwister öffnen ihm ihre Herzen und fangen ihn auf, ziehen ihn weg von der Seitenlinie seiner Existenz und zeigen ihm, was es wirklich bedeutet, zu leben. Charlie betritt die unbekannte Welt der Dates, Partys und Familiendramen und merkt gar nicht, dass er auf dem besten Weg ist, erwachsen zu werden.

„The Perks of Being a Wallflower” ist ein wundervolles, berührendes Buch. Für mich kam es nur leider etwa 10 Jahre zu spät. Damit meine ich nicht, dass ich mit der Thematik des Erwachsenwerdens nichts mehr anfangen kann. Ich weiß diesen Briefroman auch heute noch durchaus zu schätzen. Aber ich bin überzeugt, das Buch hätte mir weit mehr geben können, hätte ich es mit 15, 16 Jahren gelesen. Es hätte meinen eigenen Selbstfindungsprozess unterstützt. Es hätte mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein. Ich bedauere dieses Versäumnis sehr, denn auch für mich war die Teenagerzeit nicht einfach. Ich wünschte, Charlie und ich hätten uns schon viel früher kennengelernt und wären gemeinsam erwachsen geworden. Von ihm hätte ich mich verstanden gefühlt, weil er ein so süßer, intelligenter und sensibler Junge ist. Vielleicht hätte ich mich sogar ein bisschen in ihn verknallt. Durch die Jahre und die Lebenserfahrung, die ich Charlie heute voraushabe, fiel es mir schwer, nicht ständig über seine psychische Verfassung nachzudenken. Diese spielt natürlich eine Rolle und ist einer der Gründe für sein Außenseiterdasein, aber es ist nicht fair, ihn darauf zu reduzieren. Ich musste mich anstrengen, ihn so zu nehmen, wie er eben ist und ihn nicht permanent zu analysieren. Trotzdem konnte ich es nicht völlig vermeiden, weil er, ungeachtet seiner positiven Eigenschaften, kein Charakter ist, in den ich mich mir nichts, dir nichts hineinversetzen konnte. Das lag daran, dass Charlie unglaublich distanziert ist. Gegenüber der Realität, anderen Menschen und sogar sich selbst. Er steht immer irgendwie außerhalb, schwebt über allem und wirkte auf mich häufig verträumt und nicht richtig präsent. Daraus resultierend ist er jedoch ein sehr aufmerksamer Beobachter. Er nimmt selbst nicht (immer) teil, aber er sieht Dinge. Er nimmt die Menschen um sich herum genau so wahr, wie sie wirklich sind. Das ist eine kostbare und beeindruckende Fähigkeit. So wenig er in Kontakt mit seinen eigenen Gefühlen steht, umso talentierter ist er darin, die Gefühle anderer zu lesen und zu deuten. Für Charlie existieren die Masken, die Menschen Tag für Tag aufsetzen, um den Schein zu wahren, nicht. Es ist nahezu paradox, wie empathisch er ist, angesichts dessen, dass er sich selbst meist nicht versteht. Ich habe mir sehr oft für ihn gewünscht, dass er nur einmal richtig in sich geht und seine Emotionen erkundet. Dass er herausfindet, wieso er tief in seinem Inneren so traurig und das Bedürfnis, mit jemandem zu reden, der ihn versteht, so stark ist, dass er Briefe an einen Fremden schreibt. Obwohl er neue Freunde findet, die er fast schon vergöttert, vertraut er niemandem von ihnen genug, um sein Herz auszuschütten. Auch mit seinen Eltern und seinen beiden älteren Geschwistern kann er nicht reden, denn für sie spielt er nur eine untergeordnete Rolle. Charlie schreibt es nicht nieder, aber ich denke, er fühlt sich oft überflüssig und manchmal sogar unerwünscht.
All seiner sozialen Tollpatschigkeit zum Trotz erlebt Charlie eine wahrhafte Entwicklung, die so sanft und allmählich passiert, dass er sie selbst wohl kaum bemerkt. Es spricht stark für Stephen Chboskys schriftstellerisches Talent, dass sich diese Entwicklung auch auf mich übertrug. Mein Gefühl für Charlie veränderte sich. Den Großteil des Buches über empfand ich eine diffuse, beklemmende Traurigkeit; ich hatte das Gefühl, Charlie beschützen und an die Hand nehmen zu müssen. Am Ende des Romans hingegen hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, ihn gehen zu lassen, weil ich davon überzeugt war, dass er sein Leben meistern wird.

„The Perks of Being a Wallflower” macht seiner Kategorisierung als Young Adult – Roman alle Ehre. Selten habe ich einen Vertreter der Initiationsliteratur gelesen, der so perfekt auf Jugendliche und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Natürlich kann man dieses Buch auch als erwachsener Mensch lesen; seine besondere Wirkung erzielt es meiner Meinung nach aber tatsächlich nur bei der Zielgruppe. Denn sich an seine Teenagerzeit zu erinnern ist etwas völlig anderes, als wie Charlie mittendrin zu stecken.

 
 

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