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Montagsfrage: Anspruchsvoll und unzugänglich?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Habt ihr schon mal einen Allergietest gemacht? Ich habe vor vielen Jahren – ich war noch auf der Oberschule – schon einmal testen lassen, auf welche Stoffe ich reagiere. Damals kam heraus, dass ich Nickel nicht vertrage, aber das ist wahrscheinlich die gewöhnlichste Allergie, die man so haben kann. Diese Woche werde ich mich erneut testen lassen, denn ich habe seit langer Zeit den Verdacht, dass Nickel nicht mein einziges Allergen ist. Ich kämpfe immer wieder mit Ausschlag, Hautveränderungen und dem Juckreiz aus der Hölle. Betroffen ist vor allem mein rechtes Handgelenk. Manchmal wache ich nachts davon auf, dass ich kratze. Hautkrankheiten tragen ein gewisses Stigma, das ich völlig daneben finde, deshalb erzähle ich heute davon.

Vor zwei Wochen habe ich entschieden, dass ich es nach Jahren des Juckens, Kratzens und zahllosen Hautpflegeprodukten, die alle nicht halfen, einfach nicht mehr aushalte. Es nervt. Also werde ich heute, morgen und am Donnerstag zum Hautarzt tingeln und finde so hoffentlich heraus, was eigentlich das Problem ist. Glücklicherweise wusste ich vorher nicht, wie aufwendig diese Art von Allergietest ist, sonst hätte ich wahrscheinlich einen Rückzieher gemacht. Heute werden mir mögliche Allergene auf den Rücken geklebt. Morgen wird dann „abgelesen“, was auch immer das genau heißt. Am Donnerstag wird noch mal „abgelesen“, danach werden die Allergene wieder entfernt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Ergebnisse auch gleich am Donnerstag erhalte oder noch mal wiederkommen muss, wenn die Ärztin sich alles angeschaut hat. Das werde ich heute aber bestimmt erfahren. Persönlich glaube ich ja nicht, dass es „bloß“ eine Allergie ist. Ich vermute, dass ich eine Neigung zu Neurodermitis habe, die von bestimmten Allergenen getriggert wird. Ich berichte nächsten Montag.

Bevor ich mich einer Woche voller Termine stelle, beantworte ich heute aber erst mal wieder die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise.

Muss ein anspruchsvolles Buch schwer zu lesen sein?

Nun, das hängt natürlich erst einmal davon ab, was man unter „anspruchsvoll“ versteht. Wird es für Bücher verwendet, verstehe ich dieses Adjektiv als Beschreibung dafür, dass ich meine grauen Zellen beim Lesen aktiviere, offen und aufmerksam bin und möglicherweise meine Wohlfühlzone verlasse. Anspruchsvolle Literatur, das ist meiner Auffassung nach eine Dehnungsübung für mein Hirn, mit der ich meine Grenzen auslote und vielleicht ein bisschen erweitere. Für mich hat das nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, ob das Buch schwer oder leicht zu lesen ist, zumindest nicht, wenn wir dabei vom Schreibstil ausgehen.

Ich habe bereits anspruchsvolle Bücher gelesen, die ich trotzdem als zugänglich geschrieben empfand. „Genesis“ von Bernard Beckett beschäftigt sich zum Beispiel mit äußerst abstrakten philosophischen Ideen, richtet sich aber eher an ein heranwachsendes Publikum. Dadurch liest es sich einfach, obwohl die Thematik ziemlich anspruchsvoll ist. „Moby-Dick“ ist inhaltlich ein anspruchsvoller Klassiker, doch zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass Herman Melville durchaus eine gewisse Kurzweiligkeit entstehen ließ, weil er eingängig schrieb. „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath ist hingegen in jeder Hinsicht ein anspruchsvolles Buch, das mir sehr viel abverlangte und sich extrem schwer las. Jedes Buch von Joyce Carol Oates ist anspruchsvoll, aber nicht jedes ist auch vom Schreibstil her eine Herausforderung. Steven Eriksons „Malazan Book of the Fallen“ ist die anspruchsvollste High Fantasy – Reihe, die ich kenne – und doch lesen sich die Bände flüssig.

Ihr seht, anspruchsvoll ist meiner Meinung nach nicht dasselbe wie zugänglich. Demnach müssen anspruchsvolle Bücher nicht unbedingt schwer zu lesen sein. Ich glaube, dabei kommt es auf viele Faktoren an, von Zielgruppe bis Thema, aber wenn es Autor_innen gelingt, ihre anspruchvollen Ideen zugänglich zu verpacken, ist das kein Qualitätsmanko, sondern positiv.

Findet ihr, dass anspruchsvolle Bücher schwer zu lesen sein müssen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen gesunden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Was ist in der Literatur tabu?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Deutschland hat gewählt. Wisst ihr, obwohl der Prozess des Wählens eigentlich ziemlich unspektakulär abläuft, empfinde ich immer noch Ehrfurcht, nachdem ich meine Kreuze gesetzt habe. Es bereitet mir einfach eine Gänsehaut, dass ich das Recht habe, zu wählen, während Millionen anderen Menschen (und besonders Frauen) auf der Welt dieses Recht nicht zugestanden wird. Deshalb kam die Briefwahl für mich auch dieses Jahr trotz Corona überhaupt nicht in Frage. Bin ich in Berlin am Wahlsonntag, ist der Gang ins Wahllokal der erste Tagesordnungspunkt. Das kann natürlich jede_r halten, wie er_sie will, aber um die Demokratie als das großartige System ehren zu können, das ist sie im Prinzip ist, brauche ich dieses Ritual. Ich finde das weder lästig noch unbequem, sondern freue mich regelrecht darauf. Ich übe mein Wahlrecht mit Überzeugung und Leidenschaft aus und das könnte ich nicht gebührend feiern, wenn ich still für mich allein zu Hause die Briefwahlunterlagen ausfüllen würde. Wie empfindet ihr das? Habt ihr – sofern ihr (bereits) wahlberechtigt seid – dieses Jahr die Briefwahl dem Gang ins Wahllokal vorgezogen? Und wenn ja, lag das an Corona oder findet ihr es einfach bequemer?

Über die Wahlergebnisse möchte ich mich heute nicht ausufernd äußern, darüber werden wir in der nächsten Zeit wohl noch mehr als genug hören und lesen. Nur so viel: Ich bin enttäuscht, dass das deutsche Volk die Gelegenheit zum Wandel nicht so offen willkommen heißt, wie ich es mir gewünscht hätte.

Die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise fällt heute eigentlich krankheitsbedingt aus. Durch meine Sommerpause gibt es aber noch einige Fragen, die ich bisher nicht beantwortet habe. Davon habe ich mir eine herausgesucht:

Tabuthemen in der Literatur?

Antonia hat bei der Formulierung dieser Frage weise auf das Verb verzichtet und gibt uns so den größtmöglichen Spielraum, sie zu interpretieren. Gibt es literarische Tabuthemen? Sollte es literarische Tabuthemen geben? Muss es literarische Tabuthemen vielleicht sogar geben?

Im Prinzip glaube ich, es gibt kein Thema, über das nicht geschrieben werden darf. Egal wie unangenehm, egal wie grenzwertig, egal wie brutal, egal wie strafbar – jedes Thema ist eine Facette unserer Spezies und unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Es ist wichtig, dass wir die gesamte Bandbreite menschlicher Verhaltensweisen und Gefühle reflektieren, um uns selbst besser zu verstehen. Literatur kann dabei helfen. Aber.

Natürlich gibt es ein Aber und noch dazu ein fettes, das auch Antonia bereits ausgeführt hat: Es ist entscheidend, wie über diese Themen geschrieben wird. Niemand würde akzeptieren, dass ein_e Autor_in den Zweiten Weltkrieg glorifizierend beschreibt. Niemand würde ein Buch feiern, das für weibliche Beschneidung argumentiert. Niemand möchte ein Buch lesen, das Gewalt an Kindern verharmlost. Meiner Ansicht nach dürfen nicht Themen tabuisiert werden, sondern bestimmte Herangehensweisen an diese Themen.

Da es sich anbietet, möchte ich hier als Beispiel meine Meinung über Vergewaltigung als literarisches Thema ausführen. Vor Jahren habe ich einen Blogbeitrag des Autors Robert Jackson Bennet gelesen, in dem er darlegt, warum Vergewaltigungen in der Literatur äußerst problematisch sind. Er hat mir die Augen geöffnet. In vielen Geschichten, darunter „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin, werden Vergewaltigungsszenen eingesetzt, um entweder Aussagen über das Worldbuilding oder über den_die Täter_in zu treffen bzw. sie zu untermauern. Das ist falsch. Warum ist es falsch? Weil ein komplexes und sensibles Thema wie Vergewaltigung niemals dazu missbraucht werden sollte, den Leser_innen unter die Nase zu reiben, wie grauenhaft diese Welt oder diese Figur ist. Sich auf diese beiden Aspekte zu beschränken, klammert sowohl die gesellschaftlichen Strukturen aus, die eine Vergewaltigung überhaupt möglich machen, als auch die Erlebenswelt des_der Betroffenen. Plant der_die Schriftsteller_in nicht, diese Facetten zu beleuchten, verharmlost er_sie dieses Verbrechen.

Ohne eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Thema ist die Involvierung einer Vergewaltigungsszene in den allermeisten Fällen komplett unnötig und trägt nur dazu bei, Vergewaltigungsmythen zu festigen. Leser_innen verstehen auch ohne die Beschreibung sexualisierter Gewalt, dass eine Welt gesetzlos ist. Sie können auch ohne eine solche Darstellung begreifen, was der_die Täter_in für eine Person ist. Es ist nicht richtig, einen so tiefgreifenden Übergriff, dem dermaßen komplizierte Dynamiken vorausgehen, beiläufig in die Handlung einfließen zu lassen, als wäre unter diesen Umständen einfach zu erwarten, dass sich Menschen (oder auch Nicht-Menschen) so verhalten. Dadurch wird, wie es Bennet sehr treffend formuliert, ein neuer Standard etabliert, der die sogenannte Rape Culture fördert, weil Leser_innen dazu gebracht werden, Vergewaltigung nicht als komplexe Eskalation zu begreifen, sondern als vorhersehbare Entwicklung, die genutzt werden kann, um einen Punkt, der bereits offensichtlich ist, erneut zu unterstreichen.

Das heißt nicht, dass niemand über Vergewaltigungen schreiben darf. Es heißt nur, wer sich entscheidet, eine Vergewaltigung als Teil der Handlung zu intergrieren, sollte mit extrem viel Fingerspitzengefühl vorgehen und sich darüber im Klaren sein, wie facettenreich dieses Thema ist. Es geht um Sensibilität – einerseits für gesellschaftliche Strukturen, andererseits für die Betroffenen. Die Herangehensweise ist entscheidend.

Wie steht ihr zu Tabuthemen in der Literatur?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen optimistischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
 

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Montagsfrage: Buchige Fanartikel?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe am Samstag an der ersten Pen & Paper – Rollenspielrunde meines Lebens teilgenommen. Ja, da musste ich erst 32 Jahre alt werden, um ein Spiel zu spielen, mit dem die meisten bereits im Teenageralter in Kontakt kommen. Tatsächlich hatte ich schon lange den Wunsch, das Ganze mal auszuprobieren, weil ich zu 200 Prozent überzeugt war, dass es mir großen Spaß machen würde. Ich hatte nur leider niemanden in meinem Bekanntenkreis, der oder die mich in diese spezielle Welt einführen konnte – bisher. Nun hat sich jedoch herausgestellt, dass der Verlobte meiner Freundin E. seit Jahren verrückt nach Pen & Paper ist und eine beachtliche Sammlung verschiedener Spiele besitzt. Er hat sich bereit erklärt, eine Anfängerrunde zu organisieren. Wir haben zu sechst eine Partie Das Schwarze Auge (DSA) gespielt. Es war großartig! Ich lag genau richtig, es ist wirklich das perfekte Spiel für mich. Die nächste Runde spielen wir nächsten Monat und hoffentlich entwickelt sich daraus eine permanente Tradition. 🙂

Ich hoffe, ihr hattet ein ähnlich positives Wochenende und seid nun bereit für den Wochenstart mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Wie steht ihr zu Buch-Merchandise?

Ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass wir diese Frage schon mehrfach hatten. Auf die Gefahr hin, wie eine Schallplatte mit Sprung zu klingen: Ich mache mir nicht viel aus Buch-Merchandise. Im Großen und Ganzen will und brauche ich diese Kinkerlitzchen nicht und finde die meisten davon überflüssig und unverschämt überteuert. Vieles gefällt mir auch einfach nicht. Mein Geschmack ist da offenbar irgendwie speziell. Entdecke ich dann doch mal ein Produkt, das in mir eine Kaufneigung weckt, handelt es sich dabei ausschließlich um Gegenstände, die mehr können als dekorativ einzustauben und von denen ich möglichst lange etwas habe. Die Zauberstab-Replik, die Antonia erwähnt, würde mir nie und nimmer ins Haus kommen, weil ich nicht begreife, was ich damit soll, trotz des unbestreitbar nostalgischen Werts. Ich bevorzuge nützliches Merch. Das heißt, für mich kommen grundsätzlich lediglich Dinge wie Bekleidung, Haushaltsgegenstände und ähnliches in Frage. Aber selbst in diesen Kategorien werde ich selten fündig, weil ich es eben nicht einsehe, eine Menge Geld für Kram auszugeben, den ich eigentlich nicht brauche. Ich kaufe lieber Bücher. 😉

Derzeit besitze ich genau vier Buch-Merch-Artikel. Ich habe ein T-Shirt der „Bourbon Kid“-Reihe von Anonymus und drei „Harry Potter“-Produkte. Das erste ist ein mittlerweile vollgeschriebenes Notizbuch in Lederoptik, auf dessen Cover das Hogwarts-Wappen eingeprägt ist und das mir vor ein paar Jahren von einer Freundin zu Weihnachten geschenkt wurde. Das zweite ist ein Puzzle der Karte des Rumtreibers, das ich mir während des Lockdowns gegönnt habe, weil es ausschließlich in Braun- und Beigetönen gestaltet und damit extrem schwer ist. Es ging mir dabei also gar nicht so sehr darum, dass es aus dem Potter-Universum stammt, sondern darum, dass ich möglichst lange damit beschäftigt bin. Was auch der Fall war. Der dritte und letzte Artikel ist Motiv-Bettwäsche mit der Karte des Rumtreibers, die quasi genau dasselbe wie mein Puzzle zeigt. Die habe ich mir als Belohnung gekauft, als ich das Puzzle fertiggestellt hatte, weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die sich ein zusammengesetztes Puzzle an die Wand hängen. Ich habe das fertige Bild direkt wieder auseinandergenommen und die Teile zurück in die Kiste gepackt, denn für mich ist das Ergebnis nicht wichtig. Für mich zählt beim Puzzeln nur der Weg, nicht das Ziel. Da es aber nun mal ein äußerst schwieriges Puzzle ist und ich das Motiv sehr mag, wollte ich mich doch dafür belohnen, dass ich es geschafft habe. Das Puzzle war vergleichsweise teuer, die Bettwäsche hingegen bewegte sich in einem normalen Rahmen.

Das war’s. Mehr besitze ich nicht. Ich möchte an dieser Stelle zum Abschluss allerdings noch kurz einwerfen, dass es sich bei allen Artikeln streng genommen nicht um Buch-Merch handelt, sondern um Film-Merch. Sogar mein „Bourbon Kid“-T-Shirt konnte ich nur kaufen, weil es sich eine winzige französische Produktionsfirma in den Kopf gesetzt hatte, die Reihe zu verfilmen – woraus meines Wissens nie etwas geworden ist. Das ist erstaunlich häufig der Fall, meist wird die Merch-Maschinerie erst durch Verfilmungen richtig in Gang gesetzt. Siehe „Game of Thrones“ oder „Herr der Ringe“. Obwohl beide Mehrteiler bereits als Bücher beeindruckend erfolgreich waren, kann man sich erst seit den Adaptionen mit Fanartikeln ausstatten. Was der heutigen Frage eine interessante Facette verleiht: Braucht es eine Verfilmung eines Buches, damit überhaupt Merchandise produziert wird?

Was haltet ihr von Buch-Merchandise?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fantasievollen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
 

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Montagsfrage: Kein Erfolg ohne Werbetrommel?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Letzte Woche bin ich ausnahmsweise von meinen üblichen Verhaltensweisen als Bücherwurm abgewichen. Am Montag erzählte mir meine liebe Kollegin E., die ebenfalls ziemlich buchverrückt ist, dass Dussmann einen Ausverkauf englischer Bücher veranstaltet. Das Kulturkaufhaus Dussmann ist stadtweit einer der größten Händler für Bücher, Musik, Filme und vieles mehr in der Berliner Friedrichstraße. Ich war natürlich sofort Feuer und Flamme. Wir verabredeten uns für den Dienstag nach Feierabend. Ich kenne Dussmann schon lange, wusste bisher jedoch nicht, dass sie nicht nur einfach eine Abteilung für englischsprachige Literatur haben, sondern EINEN. KOMPLETT. EIGENEN. LADEN. Dieser befindet sich zwar im selben Gebäude direkt neben den Hauptverkaufsräumen, aber den Kund_innen wird der Eindruck vermittelt, dass es sich um ein eigenständiges Geschäft handelt, das die größte Auswahl englischer Bücher bietet, die ich je in meiner Stadt gesehen habe. Es war wundervoll.

Wir haben recht schnell festgestellt, dass der Stapel runtergesetzter Exemplare nicht das Gelbe vom Ei war und haben uns auf eine Erkundungstour des normalen Sortiments begeben. Meine Selbstbeherrschung wurde auf eine harte Probe gestellt, die ich mit Bravour bestanden habe. Ich habe lediglich zwei Bücher gekauft: „The God is Not Willing“ (Witness #1) von Steven Erikson, über das ich vor Glück beinahe in Tränen ausgebrochen wäre, und „Rules of Civility“ von Amor Towles. Für dieses Buch bin ich von meinen Regeln für den Buchkauf abgewichen. Ich hatte noch nie davon gehört und habe mich gar nicht erst um den Klappentext gekümmert. Stattdessen vertraute ich E., die Amor Towles als ihren Lieblingsautor deklarierte. Ich beschloss kurzerhand, ihr zu vertrauen und habe auch sofort mit der Lektüre begonnen. Bisher wurde ich nicht enttäuscht. Das Buch gefällt mir wirklich gut. Manchmal vergesse ich, wie schön literarische Spontankäufe sein können. 🙂

Die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise beantworte ich daher heute als ausgesprochen glücklicher Bücherwurm. 😉

Braucht ein Buch heute mehr als ein klassisches Buchformat?

Diese Frage ist auf den ersten Blick unverständlich, daher eine kurze Erklärung, was Antonia meint: Sie möchte wissen, ob wir glauben, dass das Erscheinen des Buches allein nicht ausreicht, um auf dem Buchmarkt zu bestehen. Sie fragt, ob Bücher ohne Werbemaßnahmen heutzutage nicht mehr erfolgreich sein können. Bevor ich die Beantwortung angehe, möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass das heute bloß meine persönliche Meinung ist, die ich nicht auf Validität überprüft habe.

Nein, ich glaube nicht, dass jedes Buch eine aggressive Begleitkampagne braucht, um Erfolge zu feiern und ich glaube auch nicht, dass Verlage so vorgehen, selbst wenn es Antonia so erscheinen mag, als erhielte mittlerweile jede Neuerscheinung ein Maßnahmenpaket. Wir wissen, dass Verlage mit relativ wenigen, sehr erfolgreichen Büchern (Sagen wir zum Beispiel: Der neue Fitzek.) den Rest ihres literarischen Programms teilfinanzieren. Und ja, diese Bücher werden mittlerweile oft mit aggressiven Maßnahmen beworben: In den sozialen Netzwerken, durch Out-of-Home-Formate wie Plakate, durch eigene Websites, Radiowerbespots und natürlich über PR-Auftritte des Autors oder der Autorin. Aber – und da könnt ihr meinem Urteil vertrauen, weil ich in einer Kommunikationsagentur arbeite – diese Maßnahmen sind TEUER. Macht euch da keine Illusionen, wird zum Beispiel ein Instagramkanal für eine fiktive Buchfigur eröffnet, steckt dahinter vermutlich nicht der Verlag und schon gar nicht der_die Autor_in selbst. Der Verlag beauftragt höchstwahrscheinlich eine Agentur damit, eine Kampagne zu konzipieren, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzt. Das heißt, es muss ein externer Dienstleister bezahlt werden, der diesen hypothetischen Instagramkanal aufbaut, befüllt und betreut, Plakate entwirft, die Website launcht und so weiter und so fort. Glaubt mir, das ist nicht billig. Darum können gar nicht alle Veröffentlichungen mit diesem Maß an Öffentlichkeitsarbeit geadelt werden. Es wäre ein Verlustgeschäft für die Verlage.

Demzufolge muss es zwangsläufig viele Neuerscheinungen geben, die lediglich ein Mindestmaß an strategischer Bewerbung bekommen. Trotzdem erleben wir regelmäßig, dass auch diese Bücher erfolgreich werden. Sonst würden wir ja nie über „Überraschungserfolge“ sprechen. Einige dieser Bücher surfen auf dem Zeitgeist und profitieren von dem Trubel, den andere Bücher generieren. Einige Bücher sind erfolgreich, weil ihre Autor_innen große Namen haben: Ich denke da zum Beispiel an die Veröffentlichungen von N. K. Jemisin, die sich nicht nur einer stetig wachsenden Leserschaft erfreut, sondern auch regelmäßig alle Awards der spekulativen Fiktion abräumt. Awards, Preise und Auszeichnungen sind für sich genommen ebenfalls ein Faktor, der den Erfolg eines Buches beeinflussen kann. So werden die Werke von Literaturnobelpreisträger_innen nach der Verleihung oft von Verlagen neuaufgelegt, weil mit einem gesteigerten Interesse zu rechnen ist.

Die Fankultur, die Antonia erwähnt, spielt natürlich auch eine Rolle. Manche Bücher werden nur durch die Leser_innen zum Erfolg. „The Martian“ von Andy Weir erschien zum Beispiel ursprünglich im Selfpublishing und erhielt erst einen traditionellen Verleger, als die Verkaufszahlen durch die Decke gingen. Tad Williams kehrte nach 30 Jahren nach Osten Ard zurück, weil seine Fans nicht locker ließen. Deshalb stimme ich Antonia durchaus zu, die Fangemeinschaft hat Macht und ist häufig direkt dafür verantwortlich, dass ein Buch erfolgreich wird.

Bei Fällen wie HP ist die Lage etwas komplizierter und scheint oft die Frage nach Henne oder Ei zu rechtfertigen: Was war zuerst da? Der Kult oder die Werbemaßnahmen? Das ist nicht immer eindeutig zu trennen, weil die Verlage mit Vorliebe in eine Werbestrategie investieren, wenn abzusehen ist, dass das entsprechende Buch Gewinne abwirft, die die Werbekampagne refinanzieren. So bedingen sich Fankult und Werbung gegenseitig.

Am Ende sind es meiner Meinung nach nur wenige Bücher, die wirklich ein Rundum-Sorglos-Werbepaket bekommen. Dennoch haben wir einen vielfältigen Buchmarkt, was meiner Meinung nach ein verlässliches Indiz dafür ist, wie viele Bücher ohne großes Tamtam veröffentlicht werden und trotzdem bestehen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die meisten Werbemaßnahmen aus meiner persönlichen Blase heraus nicht wahrnehme. Das mag mit meinen Lese- und Buchkaufgewohnheiten zusammenhängen, ist aber sicher auch eine Folge dessen, dass ich Medien generell nur ausgewählt konsumiere. Das prägt natürlich mein Bild – folglich könnte ich mit meiner Einschätzung auch hart danebenliegen.

Glaubt ihr, dass Bücher heutzutage ohne Werbemaßnahmen nicht mehr erfolgreich werden können?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen freudigen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
 

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Montagsfrage: Bücherwurm for Life?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich bin zurück! Die Blog-Sommerferien sind vorbei, zurück zum Alltag. 😀 Ich gebe zu, ihr habt mir schon ein wenig gefehlt. Aber hinter den Kulissen war ich sehr fleißig und habe gute Fortschritte mit dem neuen wortmagieblog gemacht. Alle Rezensionen sind an das frische Layout angepasst. Nun arbeite ich daran, meine Challenge-Seiten umzubauen und die Struktur anzupassen. Ich bin optimistischer denn je, dass ich dieses Jahr noch fertig werde. 🙂

Heute feiere ich jedoch erst mal meine Rückkehr, selbstverständlich gebührend mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Liest du eigentlich schon immer gern oder bist du erst später im Leben zum Lesen gekommen?

Hach, das ist eine schön einfache Frage, passend zu meinem Wiedereinstieg. Ich lese tatsächlich schon immer gern. Meine Eltern haben da wirklich ganze Arbeit geleistet und mir als Kind vorgelebt, dass Lesen Spaß macht und mir so viel vorgelesen, dass sich in mir ganz von selbst der Wunsch entwickelte, allein lesen zu können. Seit diesem Meilenstein sind Bücher meine ständigen Begleiter. Ich habe nicht immer so viel und hochfrequent gelesen wie jetzt, aber in meinem Alltag gab es immer eine aktuelle Lektüre. Ich habe stets Gelegenheiten zum Lesen gefunden, weil Bücher für mich schon immer eine Möglichkeit waren, mein Leben aufregender und abwechslungsreicher zu gestalten. Ich musste dieses Hobby nie „wiederentdecken“, es war immer da.

Begleitet euch das Lesen bereits ein Leben lang oder habt ihr die Freuden von Büchern erst später entdeckt?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen frischen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Stilistische Weiterentwicklung?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich habe etwas anzukündigen: Ich werde den wortmagieblog Ende der Woche in die Sommerpause schicken. Ich brauche wirklich eine Pause. Nicht, dass es mir keinen Spaß mehr machen würde, regelmäßig Rezensionen zu schreiben, doch ich fühle mich ausgelaugt. Meiner Meinung nach liegt das an meiner aktuellen Situation, in der ich faktisch zwei Blogs parallel bespiele. Einerseits verfasse ich Beiträge für den alten wortmagieblog, andererseits bastele ich am neuen wortmagieblog. Diese Doppelbelastung ist anstrengend und lässt mir sehr wenig Spielraum in meinem Zeitplan. Geht irgendetwas schief oder kommt mir etwas dazwischen, haut meine Organisation nicht mehr hin. Ich möchte mir die Pause gönnen, um meine Kapazitäten ohne Veröffentlichungsdruck je nach Lust und Laune verteilen zu können. Deshalb werde ich voraussichtlich bis Ende August Ferien vom Posten machen.

Diese Woche veröffentliche ich nach der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise noch eine Rezension und einen ordentlichen Sommerpause-Beitrag, danach herrscht hier erst mal Funkstille. Ich hoffe, ihr werdet mich nicht allzu sehr vermissen. 😉

Hat sich dein Stil beim Verfassen von Blogbeiträgen/Rezensionen über die Jahre verändert?

Selbstverständlich. Nach all den Jahren, die es den wortmagieblog nun schon gibt, wäre es ja auch traurig, wenn ich mich nicht weiterentwickeln und noch immer im selben Stil schreiben würde wie ganz am Anfang. Für die Beantwortung der heutigen Frage befinde ich mich in der luxuriösen Lage, dass ich euch gar nicht erklären muss, inwiefern sich mein Stil verändert hat. Ich kann es euch zeigen. 2016 habe ich mir nämlich anlässlich meines 3. Bloggeburtstags meine allererste Rezension geschnappt und diese komplett überarbeitet. Dafür habe ich zuerst in meinem alten Text alles rot angestrichen und kommentiert, was irgendwie … unglücklich gelungen war. Danach habe ich die Rezension entsprechend meiner gewachsenen Ansprüche neu geschrieben. Wenn ihr im direkten Vergleich sehen wollt, wie ich mich als Rezensentin verändert habe und über meine tapsigen ersten Versuche schmunzeln möchtet, schaut HIER vorbei.

Damals sorgte das Ergebnis für allgemeine Heiterkeit. Mir war gar nicht klar, dass das schon wieder fast fünf Jahre her ist. Eigentlich wird es so langsam höchste Zeit, den Vergleich zu wiederholen. Dieses Jahr feiert der wortmagieblog sein achtjähriges Bestehen, vielleicht ist das der perfekte Anlass für eine weitere Selbstkritik und – korrektur?

Hat sich euer Schreibstil beim Bloggen verändert?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sommerlichen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Fragwürdige Aussagen?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Habt ihr registriert, dass das letzte Buch, das ich gelesen habe, „The Godfather“ von Mario Puzo war? Dabei handelt es sich – wie ihr sicher wisst – um die Originalfassung von „Der Pate“. Der Roman über die Familie Corleone ist einer der erfolgreichsten Bestseller aller Zeiten und nach der Lektüre kann ich durchaus verstehen wieso. Ähnlich erfolgreich war natürlich die gleichnamige Verfilmung von 1972, die Marlon Brando den Oscar für die beste männliche Hauptrolle einbrachte und mit zwei weiteren Filmen eine Trilogie bildet. Ich habe die Filme nie gesehen. Jetzt überlege ich allerdings, ob ich diese kulturelle Lücke nicht vielleicht schließen sollte. Darum wollte ich euch heute fragen, was ihr darüber denkt. Findet ihr, man sollte die „Der Pate“-Trilogie gesehen haben? Ist es überhaupt eine gute Idee, sich den Film oder sogar alle Filme reinzuziehen, wenn man das Buch gelesen hat? Kann mir jemand etwas über die Unterschiede zwischen Verfilmung und Romanvorlage verraten? Ich bin wirklich ratlos. Seid doch so lieb und helft mir weiter.

Während ich darauf hoffe, dass ihr mir meine private Frage beantworten könnt, kümmere ich mich um den offiziellen Teil des heutigen Beitrags: Die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise.

Wie gehst du damit um, wenn sich herausstellt, dass ein_e Autor_in, dessen_deren Bücher du sehr schätzt, Auffassungen äußert, mit denen du nicht übereinstimmst?

Unterschiedlich. Es gibt kein allgemein gültiges Rezept für eine solche Situation, es sind immer Einzelfälle. Meistens kriege ich glücklicherweise nicht mit, was Schriftsteller_innen so von sich geben, weil ich auf Social Media nicht so aktiv bin. Das befreit mich von der moralischen Entscheidung, die damit unter Umständen einhergeht.

Aber natürlich weiß ich, mit was für … Murks Joanne K. Rowling die Welt ergötzt, um mal bei dem Beispiel zu bleiben, auf das Antonia so ausführlich eingegangen ist. Ihre Äußerungen über das Potter-Universum sind die eine Sache, dafür bedauere ich sie tatsächlich überwiegend, weil ich es erbärmlich finde, dass sie nicht die Größe besitzt, zuzugeben, dass sie während des Schreibprozesses, der mittlerweile ja recht lange zurückliegt, noch nicht für Diversität und rassistische Stereotype sensibilisiert war. Ihr Versuch, ihre Schöpfung nachträglich an den Zeitgeist anzupassen, erscheint mir albern und komplett unglaubwürdig. Diese Äußerungen ignoriere ich deshalb ganz einfach, weil ich mich mit solchem Unsinn nicht befassen muss und sie nichts daran ändern, dass mir die HP-Reihe viel bedeutet. Aufgrund meiner eigenen Sensibilisierung erkenne ich heutzutage, welche Punkte der Geschichte für viele Leser_innen verletzend wirken können und würde sie daher mit anderen Augen lesen. Das ist viel entscheidender.

Die andere Sache sind ihre transfeindlichen Aussagen. Und ja, sie sind in meinen Augen offen transfeindlich, obwohl Mrs. Rowling auch hier nachträglich versuchte, sie zu relativieren. Das führte dazu, dass ich sie als Person ablehne, weil ich es untragbar finde, dass sie aus ihrem kleinlichen Weltbild heraus Menschen diskriminiert. Aber spielt das eine Rolle für meine Beziehung zu „Harry Potter“? Nein. Das hat hauptsächlich damit zu tun, dass ich mich in der bequemen Lage befinde, dass ich die Bücher bereits besitze. Wäre das nicht der Fall, müsste ich mir wohl überlegen, ob ich noch bereit wäre, der Dame Geld in den Rachen zu werfen und sie damit indirekt zu unterstützen. Denn das ist doch letztendlich das Einzige, was wir als Leser_innen tun können, wenn Autor_innen öffentlich Ansichten vertreten, die nicht den unseren entsprechen.

Wir können privaten Boykott praktizieren, um unseren Beitrag dazu zu leisten, den Geldhahn zuzudrehen. Selbstverständlich können wir auch widersprechen, wenn auf Twitter, Facebook oder anderen sozialen Netzwerken Aussagen auftauchen, die wir nicht hinnehmen wollen. Wir können Grenzen aufzeigen und ich plädiere stark dafür, das auch zu tun, um diesen Menschen klarzumachen, dass ihr Verhalten inakzeptabel ist, obwohl es tendenziell eher unwahrscheinlich ist, dass sie ihre Meinung durch eine Social Media – Diskussion ändern werden.

Ich denke, grundsätzlich müssen wir als Leser_innen immer schauen, inwieweit wir es vertreten können, Autor_innen, die sich zu fragwürdigen Aussagen hinreißen lassen, zu unterstützen. Das ist sehr individuell, denn was als grenzüberschreitend empfunden wird, ist eben sehr unterschiedlich. Ebenso individuell ist die Reaktion. Ich finde nicht, dass man automatisch keine Bücher mehr von Autor_innen lesen darf, mit denen man nicht einer Meinung ist. Die Frage ist immer, wie groß die Diskrepanz ist. Ich breche es mal herunter: Ich könnte ohne Probleme ein Buch einer Autorin kaufen und lesen, die sich leidenschaftlich für Fleischkonsum einsetzt, obwohl ich selbst versuche, so wenig Fleisch wie möglich zu essen. Aber ich würde kein Buch eines Autors kaufen und lesen, der durch bewusst rassistische Aussagen aufgefallen ist, weil es bei gezieltem Rassismus einfach keinen Spielraum gibt.

Wie reagiert auf fragwürdige Äußerungen eurer liebsten Autor_innen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sorgenfreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Gegen den Strom?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben es getan. Wir haben uns „Godzilla vs. Kong“ angesehen. Und ja, wir haben exakt das bekommen, was wir erwartet haben: Eine vollkommen unlogische und unsinnige Geschichte, aber eine herausragende Inszenierung. Zum Abschalten, zum Nicht-Nachdenken, ist es der perfekte Film. Es lohnt sich sehr, diesen Streifen auf der Leinwand eines Kinos zu sehen, weil alles daran auf Bildgewalt und Größe ausgelegt ist. Wir haben ihn sogar in 3D angeschaut, ich muss allerdings sagen, dass ich diese Umsetzung nicht besonders gelungen fand. Sie hätten mehr aus der 3D-Technik herausholen können. Irgendwie haben sie in den Szenen, die sich wirklich dafür anbieten, oft nach wenigen Sekunden die Perspektive verändert, sodass zum Beispiel der Eindruck des Fallens bei mir nicht so recht aufkommen wollte. Als Brillenträgerin ist 3D für mich ohnehin immer ziemlich anstrengend – dann erwarte ich zumindest, dass sich das lästige Gefühl, zwei Brillen auf der Nase sitzen zu haben, auch richtig lohnt. Das war hier nicht der Fall. Ich kann euch den Film also als hirnlose, actionlastige Unterhaltung empfehlen und würde euch auch raten, ihn im Kino zu genießen, aber auf die 3D-Version könnt ihr getrost verzichten.

Die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise ist glücklicherweise nicht hirnlos, sondern wieder mal sehr interessant:

Welches Buch, das (fast) alle Welt toll findet, findest du selbst grottenschlecht und enttäuschend?

Oh, wir sprechen über unpopuläre Buchmeinungen? Prima, da kann ich mitreden. Wobei „grottenschlecht“ schon ein sehr hartes Wort ist. Ich habe mich ja bereits in der Vergangenheit geoutet und offenbart, dass ich trotz meiner Liebe zur High Fantasy an „Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien bisher nicht herankomme. Aber grottenschlecht – nein, dieses Adjektiv würde ich nicht verwenden. Langweilig und langatmig, ja, vielleicht auch ein bisschen melodramatisch, doch mir ist durchaus bewusst, was für ein Meilenstein die Trilogie ist. Allein aus Respekt kann ich kein so vernichtendes Urteil abgeben.

Ähnlich erging es mir mit „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Ich bin möglicherweise die einzige Person auf der Welt, die diesen Kinderbuchklassiker nicht bezaubernd fand. Trotzdem erkenne ich, was Pullman zu vermitteln versuchte, auch wenn er mich damit nicht erreichte. Wieder kein Kandidat für „grottenschlecht“.

Letztendlich musste ich für meine heutige Antwort in meinen 1-Stern-Bewertungen stöbern und siehe da, es gibt tatsächlich zwei Bücher, die ich komplett verrissen habe, obwohl ein solider Hype um sie besteht bzw. bestand. Bei dem ersten handelt es sich um „Shatter Me“ von Tahereh Mafi. Es ist sieben Jahre her, dass ich es gelesen habe, gefühlt ist das aber nicht lange genug. In meiner Rezension schrieb ich:

Ich empfand „Shatter Me“ als eine bis zum Erbrechen süßliche Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, die mich darüber hinaus permanent an die X – Men Comics erinnerte. Juliette ist keine einzigartige Heldin, sondern ein erschreckend genauer Abklatsch von Rogue. In meinen Augen hat Tahereh Mafi versucht, eine Jugendfantasie massentauglich zu vermarkten, indem sie dieser den Anschein einer YA Dystopie gab. Bei mir hat das nicht funktioniert. Für mich endet die Serie genau hier.

Alle Welt lobte dieses Buch euphorisch in den Himmel. Besonders die stilistische Eigenheit der Autorin, ganze Sätze der Protagonistin durchzustreichen und sie durch andere zu ersetzen, kam wahnsinnig gut an. Ich halte das für Unsinn. Ebenso bescheuert fand ich ihre ziellosen Vergleiche und Metaphern, die wahrscheinlich poetisch und bezaubernd wirken sollten, in meinen Augen jedoch lediglich unrealistisch waren, weil schlicht niemand so denkt. Für mich ist dieser Reihenauftakt ein Totalausfall, der den Hype absolut nicht verdient.

Das zweite Beispiel ist „Sieben Nächte“ von Simon Strauß. Dieses schmale Buch ist nicht unumstritten, wurde aber vor allem von den Feuilleton-Kolleg_innen des Autors über den grünen Klee gelobt. Strauß wurde 1988 geboren, ist also ein Jahr älter als ich. Wir gehören zur selben Generation. Dass sein Manifest als Buch unserer Generation bezeichnet wurde, beleidigte mich zutiefst. Ich schrieb in der Rezension:

Das pseudointellektuelle, selbstmitleidige Gejammer eines privilegierten jungen Mannes, der mit einem goldenen Löffel im Mund auf die Welt kam. Ich empfinde dieses Debüt als völlig überflüssiges Manifest, in dem Strauß seine kleinlichen Ängste vor Stillstand in seinem Leben schildert […]

Ich hoffe, dass die Gefühle und Wahrnehmungen, die Strauß zu diesem Murks motivierten, in unserer Generation nicht allzu verbreitet sind. Ich kann ihn lediglich bedauern und geht es nach mir, gehört seine schriftgewordene Midlife-Crisis auf den Müll.

Ihr seht, hin und wieder komme ich an dem heftigen Adjektiv „grottenschlecht“ nicht vorbei. Auf diese beiden Bücher hätte ich gern verzichtet, sie waren eine Verschwendung von Geld sowie kostbarer Lebens- und Lesezeit.

Über welche Bücher habt ihr eine unpopuläre Meinung?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Lieber logisch?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Der Lieblingsmensch und ich haben am Samstag etwas getan, was wir seit mindestens anderthalb Jahren nicht mehr machen konnten: Wir waren im Kino. Angesehen haben wir uns „A Quiet Place 2“. Die Fortsetzung überzeugte mich nicht wirklich, doch das war auch gar nicht so wichtig. Ein Kinobesuch war jetzt so lange nicht möglich, dass wir uns einfach darüber gefreut haben, dieses kleine Stück Freiheit zurückbekommen zu haben. Natürlich, man muss sich vorher testen lassen und die bekannten Vorschriften befolgen, aber Leute. Kino. Einfach nur in diesem Sessel zu sitzen, eine meterhohe Leinwand vor Augen und Snacks auf dem Schoß zu haben – allein dafür hat es sich gelohnt. Wir hatten tatsächlich so viel Spaß, dass wir bald wieder gehen wollen. Dann zu einem Film, der sich auf der großen Leinweind wirklich besser macht als auf dem heimischen Fernseher: „Godzilla vs. Kong“. Ich weiß jetzt schon, dass ich die Story total unrealistisch und unlogisch finden werde, aber das macht nichts, denn eigentlich will ich ihn nur sehen, um das Maximum aus dem Erlebnis Kino herauszuholen, mit massiven Special Effekts, Explosionen und allem Drum und Dran. Hach, das wird gut, ich freu mich schon sehr!

Interessanterweise passt die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise erstaunlich gut zu dieser Filmauswahl.

Sind euch eher ständige Handlungswendungen oder eine logische Geschichte wichtig?

Wie Antonia habe ich am liebsten beides. Leider hat Torsten, der sich die heutige Frage ausgedacht hat, allerdings recht: Beides geht oftmals nicht. Muss ich mich entscheiden, bevorzuge ich logische Geschichten. Unabhängig davon, wie aufregend, abwechslungsreich und / oder überraschend eine Handlung gestaltet ist, entdecke ich Logiklöcher, gibt es Punktabzug, denn ich bin der Meinung, kann ich als Leserin sie finden, können das Autor_in, Verlag und Lektorat auch. Mangelnde Logik ärgert mich, weil sie Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit der Geschichte untergräbt.

Kleinere Logikfehler kann ich verzeihen, besonders wenn sie den grundsätzlichen Verlauf der Handlung nicht beeinflussen. Ich kann mich auch auf die inhärente Logik einer Geschichte einlassen, selbst wenn diese von unserer Realität abweicht. Ebenso bin ich bei einigen Büchern bereit, nicht allzu genau hinzuschauen, falls dafür alles andere stimmt. Zeitreiseromane sind ein gutes Beispiel: Die Logik hinter Zeitreisen ist prinzipiell komplex, deshalb untersuche ich sie meist nicht zu detailliert, um mir Enttäuschungen zu ersparen. Es reicht, wenn sie auf den ersten Blick logisch erscheinen.

Bücher, die hingegen zugunsten von Action und Spektakel auf Logik verzichten, sind für mich ein rotes Tuch. Auf mich wirkt das, als hätte der_die Autor_in geglaubt, ich wäre nicht clever genug, um zu erkennen, dass er_sie versucht, mir Unsinn zu verkaufen. Solche Kniffe sind billig und beleidigen meine Intelligenz. Deshalb bevorzuge ich Logik grundsätzlich, denn ich möchte wirklich nicht mit dem Gefühl lesen, der_die Schriftsteller_in hält mich für dumm.

Sind euch aufregende Wendungen oder Logik in einer Geschichte wichtiger?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen sensationellen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Auditiv vs. visuell?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Oh mein Gott. Es ist so heiß. In Berlin herrschen seit letzter Woche Donnerstag tropische Temperaturen mit über 30° am Tag und über 20° in den Nächten. Wir schwitzen munter vor uns hin. Alles klebt. Gestern waren der Lieblingsmensch und ich sogar am See, weil wir es in unserer Wohnung nicht mehr ausgehalten haben. Ich bin sonst kein Fan der ganzen See-Situation, weil es mir normalerweise viel zu viele Menschen sind, die um viel zu wenige Schattenplätze kämpfen, aber wir sind morgens hingefahren und schon am frühen Nachmittag wieder zurück, um dem Massenansturm soweit wie möglich zu entgehen und das war überraschend schön. Lesen am Strand ist eben immer ein Highlight. Trotzdem ist meine Schmerzgrenze bezüglich Hitze jetzt erreicht und ich bin froh, dass es ab morgen erst mal wieder kühler werden soll. Einen Tag schaffe ich noch.

Meine Antwort auf die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise könnte heute dennoch etwas uninspiriert ausfallen – seht es mir nach, mein Hirn macht hitzefrei.

Hört ihr Stimmen oder seht ihr Bilder beim Lesen?

Es handelt sich wieder einmal um eine Publikumsfrage, sie stammt von Nerd mit Nadel.

Beides. Ich bin mit einem recht starken, konsistenten Kopfkino gesegnet und brauche wenig Stimulation, um einen Film starten zu lassen. Was sicher dazu beiträgt, dass ich seit so vielen Jahren ununterbrochen ein Buch nach dem anderen verschlinge.

Beim Lesen sehe ich Bilder vor meinen inneren Auge, die sich quasi halbtransparent über die Realität legen und mich über den reinen Text hinweg transportieren. Je nachdem, wie präzise und gewissenhaft der Autor oder die Autorin gearbeitet hat, haben meine Bilder mal mehr, mal weniger Details. Manche Szenen sehe ich, als wäre ich wirklich vor Ort, andere vermitteln mir eher eine Atmosphäre. Dadurch erkenne ich auch schlechte oder unzureichende Beschreibungen sehr schnell, denn wenn meine visuelle Vorstellungskraft hakt und stottert, bedeutet das, dass der Geschichte etwas fehlt.

Zusätzlich höre ich Stimmen. Primär ist das meine eigene, innere Stimme, die mir das Buch vorliest und den visuellen Part als Voice-Over begleitet. Diese nehme ich normalerweise nur am Anfang einer Lesesequenz bewusst wahr, also wenn ich das Buch gerade aufgeschlage und die ersten Sätze lese. Danach rückt sie für mich in den Hintergrund, ich bemerke das Voice-Over nicht mehr, weil die Bilder dominanter sind. Interessant wird es, sobald Dialoge (oder Monologe) ins Spiel kommen. Wenn die Figuren sprechen, tun sie das immer noch in meiner persönlichen Stimme. Was ich höre, unterscheidet sich rein klanglich nicht maßgeblich von meinen Gedanken. Durch die Kombination mit dem visuellen Input bin ich allerdings trotzdem in der Lage, mir auditive Unterschiede vorzustellen. Ich weiß, das wird jetzt sehr abstrakt, aber gebt mir eine Chance, es zu erklären.

Obwohl der Klang ihrer Stimmen prinzipiell weiterhin dem Klang meiner Stimme entspricht, bin ich fähig, mir Unterschiede in Modulation, Tonfall, Satzmelodie, Akzent, usw. dazuzudenken, selbst wenn sie nicht explizit erwähnt werden. Wie stark diese Unterschiede sind, hängt davon ab, wie eindeutig und individuell die Charakterbeschreibungen sind. Gelingt es mir, Figuren eine bestimmte Persönlichkeit zuzuschreiben, bekommen sie auch ein Stimmprofil von mir. Ich weiß einfach, wie sie sprechen, wie sie klingen. Es ist sehr schwer, das mit Beispielen zu veranschaulichen, weil die Differenzen äußerst subtil sind. Es ist sogar für mich kaum greifbar. Es sind Kleinigkeiten. Eine der Hauptfiguren in meiner aktuellen Lektüre „The Last Stormlord“ von Glenda Larke ist Nealrith, ein äußerst verantwortungsbewusster Familienvater. Obwohl ich noch nicht besonders weit bin, bin ich mir völlig sicher, dass seine Stimme in der Regel sanft, ruhig, eher leise und sehr angenehm ist. Ich weiß, dass er so gut wie nie laut wird. Ich weiß auch, dass sein Vater daran gewöhnt ist, keinen Widerspruch zu erhalten und sich das in seiner Stimme niederschlägt. Und ich weiß, dass die Stimme seiner Frau allein anhand ihres Tonfalls oft mehrere Bedeutungen vermittelt, sodass man sich fragt, wie sie ihre Aussprüche nun meint. All das wurde nie konkret beschrieben. Seht ihr, ich nehme ihre Eigenschaften, das Bild, das ich von ihnen habe und füge sie ihren Stimmen hinzu. Besser kann ich es leider nicht erläutern.

Ich bin sehr froh, dass ich beim Lesen sowohl visuellen als auch auditiven Input erhalte, denn dadurch fühlt es sich für mich wirklich wie Kopfkino an.

Hat euer Kopfkino ebenfalls Bild- und Tonspur?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen möglichst kühlen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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