RSS

Schlagwort-Archive: Abfall

Montagsfrage: Schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Normalerweise bin ich um diese Uhrzeit nicht mehr fit genug, um zu bloggen. Da ich heute allerdings Spätschicht hatte und eben erst heim gekommen bin, sind mein Hirn und ich noch wach. Promi Big Brother hat zugeschlagen. Wisst ihr, das Schlimme ist nicht, dass ich wegen diesem Quatsch eine Stunde länger arbeiten musste. Nein, das Schlimme ist, dass ich gezwungen war, mir diesen Quatsch auch noch anzusehen. In einer Redaktion kann man sich dem nicht entziehen, weil man ja mitbekommen muss, falls da irgendetwas… Berichtenswertes passiert. Man muss reagieren können. Also läuft der Müll tatsächlich von Anfang bis Ende. Mit Ton. Ich habe Dinge, die ich nie wissen wollte, über Personen herausgefunden, die ich nie kennen wollte. Ich kann nur versuchen, die Namen der betreffenden Personen schnellstmöglich wieder zu vergessen. Also dachte ich, ich gebe meinem Kopf eine Aufgabe und beantworte noch schnell die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja, bevor ich mich ins Bett begebe.

Habt ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonist_innen, wenn die z.B. hungern müssen und ihr nebenher futtert?

Nein. Obwohl ich durchaus in der Lage bin, intensiv mit den Figuren einer Geschichte zu fühlen, für und um sie zu weinen, mich für sie zu freuen oder sie für ihre Entscheidungen zu verfluchen, hat mein Mitgefühl definitiv Grenzen. Das ist gut so, denn zu viel Nähe halte ich für ungesund. Eine Geschichte soll unterhalten, egal, ob die Hauptfigur nun gerade wie ein König speist oder sich von Abfällen aus der Gosse ernähren muss (um mal bei dem Beispiel zu bleiben). Sicher gibt es Ausnahmen, beispielsweise Bücher mit sehr starken moralischen Botschaften, doch die meisten Bücher sollen in mir positive Gefühle auslösen. Ich mache mir keine Vorwürfe, wenn es mir besser geht als den Charakteren und ich bezweifle, dass dies die Wirkung ist, die die meisten Autor_innen erzielen wollen. Mir ist stets bewusst, dass ich zwar eine Geschichte erlebe, aber kein Teil selbiger bin. Ich weiß, dass die Figuren fiktiv sind. Mein Leben hat nichts mit ihren Leben zu tun und nur selten sind sie überhaupt vergleichbar. Betrachten wir doch mal ein anderes Beispiel: als ich „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner gelesen habe, habe ich starkes Mitgefühl für April (und Phoebe) empfunden. Doch habe ich mich schlecht gefühlt, weil meine Eltern verständnisvoll und liebevoll mit mir umgehen, weil sie mir stets das Gefühl geben, bedingungslos geliebt zu werden? Habe ich mich schlecht gefühlt, weil ich nicht an einer Essstörung leide? Habe ich mich schlecht gefühlt, weil es mir gut geht? Nein, habe ich nicht. Ich habe Dankbarkeit empfunden. Ich denke, ein schlechtes Gewissen gegenüber den Figuren ist beim Lesen ein fehlgeleitetes Gefühl; etwas, das man vielleicht empfindet, weil eine bestimmte Szene ungewollt auf eine Verhaltensweise hinweist, die man sowieso ändern möchte oder sollte, aber nicht, weil man sich in Bezug auf die Charaktere tatsächlich schuldig fühlt. Ich bin der Ansicht, ein schlechtes Gewissen ist nur dann angebracht, wenn man an einer Situation etwas ändern kann und es nicht tut, obwohl man weiß, dass es richtig wäre. Es ist angebracht, wenn man eine Wahl hat und die falsche Wahl trifft. Ich habe ja auch kein schlechtes Gewissen, weil ich als Europäerin geboren wurde und in einem Luxus lebe, den sich Menschen in anderen Teilen der Welt nicht einmal vorstellen können. Schließlich war das keine bewusste Entscheidung, sondern einfach Glück (oder Schicksal, je nachdem, woran man glauben möchte). Ähnlich verhält es sich mit Buch-Charakteren. Ich trage keine Schuld an ihren Lebensumständen und ich habe nicht die Macht, sie zu ändern. Mein schlechtes Gewissen hilft ihnen nicht weiter und mir selbst erst recht nicht. Es würde nur bewirken, dass ich mich überflüssig schlecht fühle, weil ich dieser Empfindung keine Taten folgen lassen kann. Oder soll ich aufhören zu essen, nur weil eine Figur hungert?

Wie weit geht euer Mitgefühl für Figuren?

Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen und Kommentare und werde mir morgen früh bei einer schönen Tasse Kaffee Zeit für eine ausgiebige Stöberrunde nehmen. Gute Nacht allerseits und einen wundervollen Start in die neue Woche! 🙂
Alles Liebe,
Elli

Werbeanzeigen
 
18 Kommentare

Verfasst von - 5. September 2016 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Joyce Carol Oates – Carthage

2016-05-02 - Oates Carthage

Corporal Brett Kincaid kehrte verwundet aus dem Krieg zurück, äußerlich wie innerlich traumatisiert. In seiner Heimatstadt Carthage wird von ihm erwartet, dass er das Leben wiederaufnimmt, das er für den Kampf gegen den Terrorismus hinter sich ließ. Doch Brett kann nicht. Er löst die Verlobung mit Juliet Mayfield und zieht sich zurück. Die Erinnerungen an den Irak quälen ihn, lassen ihn nicht schlafen und suchen ihn noch am Tage heim. Verzweifelt versucht er, zu vergessen, kombiniert Medikamente mit Alkohol. Als er am 10. Juli 2005 in seinem Auto am Straßenrand aufgegriffen wird, kann er nicht erklären, woher das Blut im Wagen stammt. Er erinnert sich vage, die Nacht in einer Kneipe verbracht zu haben. Er erinnert sich, dass Cressida Mayfield, Juliets jüngere Schwester, dort war. Danach verschwimmt alles in einem ungewissen Nebel. Offenbar war er der letzte, der Cressida lebend gesehen hat. Während die Stadt fieberhaft nach dem verschwundenen Mädchen sucht, sieht sich Brett mit Anschuldigungen konfrontiert. Könnte er tatsächlich etwas mit Cressidas Verschwinden zu tun haben? Hat er etwas Unverzeihliches getan? Verwirrt und unfähig, seinen Erinnerungen zu trauen, beginnt für Brett ein Kampf mit seinem Gedächtnis, der ihn Jahre seines Lebens kosten wird.

>>> Weiterlesen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: