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Jahresrückblick 2020: Ein Buchjahr zwischen Pandemie, radikalen Veränderungen und Wertschätzung

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist ein weiteres Mal vollbracht, ein weiteres Mal habe ich das Kunststück bewerkstelligt: Mein Jahresrückblick 2020 ist innerhalb des ersten Monats des neuen Jahres online! Ich stelle fest, dass ich mittlerweile eine gewisse Routiniertheit entwickelt habe und mir die Zusammenstellung deutlich schneller und leichter gelingt. Obwohl ich für die Ausgabe 2020 ein paar Änderungen vorgenommen habe, weiß ich, worauf es ankommt und halte mich nicht mehr ewig an Kleinigkeiten auf. Dank dieser Vertrautheit mit dem Prozess können wir heute gemeinsam auf meine vergangenen 12 Monate literarisch zurückblicken – wie gewohnt umfangreich, detailliert und gespickt mit Zahlen.

Um mein Lesejahr 2020 angemessen zu resümieren, habe ich die zweigeteilte Struktur, die sich in den letzten Jahren bewährt hat, beibehalten. Der erste Part befasst sich mit den reinen Fakten meines Leseverhaltens. Alle Aspekte, die sich in Zahlen wiedergeben lassen, habe ich statistisch ausgewertet, in Diagramme verwandelt und daraus Infografiken erstellt. Dafür habe ich dieses Jahr zum ersten Mal wirklich mit Excel gearbeitet (statt mit handschriftlichen Notizen und einem Taschenrechner) und habe darüber hinaus nur sehr begrenzt auf Piktochart zurückgegriffen. Die Online-Software zur Kreation von Infografiken hat mir in den vergangenen Jahren gute Dienste geleistet, aber mittlerweile sind die grafischen Darstellungsoptionen für mich zu eingeschränkt. Stattdessen habe ich die meisten Grafiken frei Hand mithilfe eines Grafikprogramms und die Diagramme mithilfe von Word entworfen. Ich bin ziemlich stolz darauf, wie weit sich meine grafischen Fähigkeiten verbessert haben, sodass ich die hilfreiche Krücke, die Piktochart lange Zeit darstellte, nun nicht mehr brauche.

Dieses Jahr habe ich Infografiken zu acht verschiedenen Kategorien erstellt, nach denen ich mein Leseverhalten analysiert habe. Ich werde euch jede Folie einzeln präsentieren und anschließend eine Einordnung vornehmen, um herauszufinden, wie sich diese Zahlen in meine bisherige Lesekarriere einreihen. Ich werde kommentieren, interpretieren und bewerten, damit ihr genau versteht, was diese Statistiken für mich konkret bedeuten. Falls ihr Schwierigkeiten habt, die Schrift zu lesen, könnt ihr jede Folie anklicken, dann öffnet sie sich größer in einem neuen Tab. Wie bereits angedeutet, gibt es dieses Jahr jedoch ein paar Veränderungen, die die Kategorien betreffen und mir notwendig erschienen.

Ich habe auf die Auswertung meiner Rezensionsquote verzichtet, weil ich denke, dass dieser Prozentsatz 2020 nicht realistisch widerspiegelt. Ich weiß, dass ich vom vergangenen Jahr noch einen riesigen Stapel ausstehender Rezensionen abzuarbeiten habe, weil ich das Frühjahr fast ausschließlich mit meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ verbrachte. In der Rezensionsquote wären diese Beiträge und die viele Arbeit, die ich dafür aufgewendet habe, nicht abgebildet, deshalb empfinde ich sie für 2020 als nicht aussagekräftig. Vielleicht wird es diese Auswertung für 2021 wieder geben, das weiß ich noch nicht, aber in diesem Jahr schenken wir uns diese Zahl, die ohnehin recht deprimierend ausfallen würde.

Die Kategorie „Sprachenverteilung“, die in der Vergangenheit analysierte, wie viele Bücher ich in englischer und deutscher Sprache gelesen habe, habe ich komplett gestrichen. Ich halte sie für überflüssig, da ich seit einigen Jahren grundsätzlich alle Bücher, die im Original in Englisch erscheinen, auch im Original lese. Es erscheint mir nicht mehr wichtig, wie hoch der Anteil englischer und deutscher Werke nun ist, denn das sagt nichts mehr über mich aus. Mein Englisch hat sich so weit entwickelt, dass ich nicht mehr darüber nachdenke, ob ich ein Buch lieber übersetzt in meiner Muttersprache lesen sollte. Ebenso habe ich die merkwürdige Annahme, es gäbe eine Konkurrenz zwischen deutschen und englischen Büchern, endlich vollständig abgelegt. Ich behandle sie gleichwertig und habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich häufiger zu englischen Büchern greife. Ich lebe vollkommene literarische Zweisprachigkeit und bin damit sehr zufrieden – es besteht kein Grund mehr, diese Harmonie zu untersuchen.

Außerdem habe ich wie angekündigt die Kategorie „Autor_innen“ neu aufgezogen. Bisher habe ich hierfür stets das Verhältnis von Autoren zu Autorinnen in meiner Lektüreauswahl analysiert, aber diese binäre Einteilung ist meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Erstens zeichnet sich bei mir seit Jahren der Trend ab, dass ich überwiegend zu Büchern greife, auf deren Covern ein männlicher Name prangt. Zweitens finde ich, dass die traditionelle Geschlechtereinteilung nach Männern und Frauen heutzutage gefährlich exkludierend ist. Das Risiko, jemanden zu verletzen, weil ich dieser Person beiläufig eine Binarität aufzwinge, der sie sich selbst vielleicht nicht zugehörig fühlt, ist mir einfach zu groß. Offenheit und Toleranz, immer und überall, im Großen wie im Kleinen.

Nach diesem Ausflug in das aufregende, exotische Land statistischer Zahlen gehen wir zum gemütlichen Teil über. Im zweiten Part des Jahresrückblicks lasse ich 2020 emotional an mir vorüberziehen und beantworte 30 Fragen, die Martina Bookaholics bis 2016 als Formular auf ihrem Blog anbot. Sie selbst verzichtet seit einigen Jahren auf diese kleine Tradition, aber da ich finde, dass die Fragen eine ideale Möglichkeit sind, mein Buchjahr unter emotionalen Aspekten zu resümieren, erhalte ich sie hier am Leben und werde mich ihnen auch für 2020 erneut stellen!

Seid ihr bereit, noch einmal in das seltsame Jahr 2020 abzutauchen? Dann macht es euch bequem, folgt mir in die gar nicht so lang zurückliegende Vergangenheit und lasst euch erzählen, wie 2020 für mich literarisch war!

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Verfasst von - 19. Januar 2021 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Neujahrsgrüße, Blogausblick und Gewinnauslosung

Frohes Neues ihr Lieben! 😀

Heute ist der erste Tag des neuen Jahres 2021. Seid ehrlich, fühlt es sich für euch nach Neujahr an? Für mich nicht. Ich empfinde den Jahreswechsel dieses Mal als äußerst unzeremoniell und unatmosphärisch. Einerseits liegt das an den Corona-Einschränkungen. Gestern Vormittag sind der Lieblingsmensch und ich zur Post marschiert, über die normalerweise sehr belebte Hermannstraße, eine der zentralen Verkehrsadern in unserem Bezirk. Neukölln liebt Silvester, eigentlich bricht hier jedes Jahr schon Tage vor dem 31.12. ein Kleinkrieg mit Böllern aus. Dieses Jahr… Nichts. Es war still. Grundsätzlich begrüße ich ein Böllerverbot, sowohl was den Verkauf als auch das Zünden betrifft, weil ich dieser Tradition ausschließlich negative Aspekte abgewinnen kann. Es ist umweltschädlich, es ist gefährlich, es ist teuer, es bereitet der Berliner Stadtreinigung und den Berliner Krankenhäusern große Probleme und wie sehr Tiere aller Art unter dem Lärm leiden, ist allgemein bekannt (Chilli hatte übrigens nie Angst davor, wofür ich sehr dankbar war). Ich finde, man sollte ganz normalen Durchschnittsbürger_innen ohne entsprechende Schulung nicht erlauben, mit Sprengstoff herumzuspielen. Allerdings kann ich nicht leugnen, dass die Stimmung am Silvestertag nicht dieselbe war. Ich bin mir nicht sicher, ob das nun dem Böllerverbot zuzuschreiben ist oder den strengen Kontaktbeschränkungen, die lediglich fünf Personen aus zwei Haushalten erlaubten, aber ich habe deutlich wahrgenommen, dass die gewohnte Atmosphäre aus Vorfreude, Aufregung und Anspannung fehlte, die Silvester sonst auszeichnet. Das erschien mir schon irgendwie traurig. Ich fand es auch traurig, dass wir unsere Freunde nur über einen Zoom-Call sehen konnten, was wirklich kein echter Ersatz für ein physisches Silvestertreffen ist. Es wollte nicht dieselbe Ausgelassenheit aufkommen.

Andererseits ist meine fehlende Neujahrsstimmung aber auch unsere eigene Schuld. Durch die Vorbereitungen für unsere neue Küche, die hoffentlich in etwa zwei Wochen hier eintrifft, habe ich derzeit einfach andere Prioritäten als den Jahreswechsel. Im Verlauf der vergangenen Woche habe ich im Akkord gekocht, um für uns Mahlzeiten zuzubereiten, die wir dann nur noch aus dem Froster holen und in der Mikrowelle auftauen müssen. Danach mussten wir alle Schränke ausräumen, alles Küchenzubehör sichten, aussortieren und in Kisten verpacken, was übrig blieb. Ich habe eine große Bestellung für alles aufgegeben, was wir neu kaufen wollen. Das Zeug trifft hier jetzt Stück für Stück ein (ich werde mit Mails der DHL bombardiert). Heute bauen wir die leeren Schränke ab und bringen die Möbel in den Keller, damit wir sie irgendwann, nachdem die Küche steht, auf den Wertstoffhof fahren können. Morgen und übermorgen kommt mein Schwiegerpapa und verlegt neuen Boden, neue Kabel und baut Steckdosen ein. Montag will der Lieblingsmensch mit dem Streichen anfangen. Am Dienstag kommt ein Elektriker, um die Kabel fachgerecht anzuschließen. Und dann müssen wir eigentlich nur noch auf die Küche warten. Ihr seht, es ist viel zu tun, daher überrascht es mich nicht, dass der Jahreswechsel ein bisschen untergeht.

Trotzdem möchte ich meinen traditionellen Neujahrsgruß nicht ausfallen lassen, euch heute an meinen Blogplänen für 2021 teilhaben lassen und natürlich auch die Gewinnauslosung von Wortmagie’s makabrer High Fantasy Challenge 2020 vornehmen!

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Montagsfrage: Lesehighlight 2020?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Uiuiui, die letzte Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise im Jahr 2020. Nächste Woche haben wir schon 2021. Ich bin fest entschlossen, die letzten Tage des Jahres zu genießen und gleichzeitig effektiv zu nutzen, denn so langsam müssen wir uns auf die neue Küche vorbereiten, die in der zweiten Januar-Woche eintreffen soll. An diesem Wochenende, also direkt nach Neujahr, wird mein Schwiegerpapa die notwendigen Baumaßnahmen umsetzen. Bis dahin muss die Küche soweit wie möglich leer sein. Deshalb werde ich diese Woche einerseits vorkochen, was das Zeug hält und andererseits alle Küchenutensilien aussortieren und das Zeug, das übrig bleibt, in Kartons verpacken. Ein bisschen graut es mir ja davor. Ich wage nicht, vorherzusagen, wie viel unnützer Kram sich angesammelt hat. An Neujahr räumen wir dann alle Möbel aus. So richtig geruhsam kann ich das Jahr 2020 also nicht ausklingen lassen, aber ich hoffe, dass ich trotzdem Zeit finde, den Blog angemessen ins neue Jahr zu schicken, den Jahresrückblick anzufangen und mich für Challenges anzumelden.

An dieser Stelle möchte ich dreist ein bisschen Eigenwerbung einfließen lassen, denn gestern habe ich die neuste Ausgabe von Wortmagie’s makabrer High Fantasy Challenge veröffentlicht! Ihr könnt euch ab sofort anmelden und ich lade euch herzlich ein, auch 2021 gemeinsam mit mir 30 zweifelhafte Aufgaben in den Genres High und Low Fantasy zu erfüllen! Ganz am Ende des heutigen Beitrags habe ich das Logo für euch verlinkt, klickt ihr da drauf, gelangt ihr zu meiner Challenge-Seite, auf der ihr alles wichtige erfahrt. Ich hoffe auf rege Beteiligung!

Nun wollen wir aber mal schauen, was Antonia anlässlich der letzten Montagsfrage des Jahres von uns wissen möchte:

Was war dein Lesehighlight 2020?

Da mich in Gedanken bereits mein literarischer Jahresrückblick beschäftigt, habe ich über diese Frage schon nachgedacht. Aktuell stehen auf meiner Liste der 5-Sterne-Bewertungen ganze 11 Bücher, was für mich tatsächlich recht viel ist. Die Auswahl ist also vergleichsweise vielfältig. Trotzdem fällt es mir dieses Jahr sehr leicht, mich für ein Highlight zu entscheiden, denn eines dieser Bücher hatte den mit Abstand größten Einfluss auf mich. Das war „The Fault in Our Stars“ von John Green.

„The Fault in Our Stars“ ist ein massiv gehypter Young Adult – Roman, der in Deutschland unter dem Titel „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ bekannt wurde. Es geht um die unheilbar krebskranke Hazel, die seit ihrer Kindheit gegen den Tod kämpft und sich nach ihrer Begegnung in einer Selbsthilfegruppe in den hinreißenden Augsutus Waters verliebt. Mehr will und muss ich sicher nicht verraten, weil das Buch wirklich extrem populär ist und sogar verfilmt wurde.

Unter normalen Umständen hätte mich diese Geschichte wahrscheinlich nicht hinter dem Ofen hervorgelockt. Ich denke schon, dass sie mir gefallen hätte, aber ich schätze, dass ich sie recht kitschig und ein bisschen berechenbar gefunden hätte. Fünf Sterne hätte ich vermutlich nicht vergeben. Allerdings waren die Umstände für mich nicht normal, als ich das Buch Ende März 2020 las. Ende März 2020 war meine Hündin Chilli seit sechs Monaten tot. Diese Erfahrung bestimmte die Lektüre für mich. Weil ich Chilli sechs Monate zuvor nach einem rasanten, fatalen Krankheitsverlauf auf ihre letzte Reise schicken musste, war „The Fault in Our Stars“ genau das Buch, das ich zu diesem Zeitpunkt brauchte – obwohl ich das nicht wusste, als ich es aus dem Regal zog.

Die schonungslose, entwaffnende Ehrlichkeit und Tabulosigkeit, mit der John Green das Schicksal seiner Protagonsitin Hazel schildert, berührte mich tief in meiner geschundenen Seele. Ich war damals gerade aus dem Allergröbsten heraus, musste nicht mehr ständig weinen und fing an, zu reflektieren, was Chilli und mir eigentlich passiert war. Das Buch half mir dabei. Die Parallelen zwischen dem, was Hazel erlebt und dem, was ich mit Chilli erlebt hatte, waren beinahe unheimlich. All die hässlichen Seiten des Kampfes gegen eine Krankheit und das Sterben, die unschöne Fratze von Trauer und Verzweiflung, waren Stationen, in denen ich mich wiedererkannte und John Greens Beschreibungen fassten vieles in Worte, was ich bis dahin nicht ausformulieren konnte. Ich fühlte mich in einem Ausmaß verstanden, auf das ich nicht zu hoffen gewagt hatte. Es war, als würde der Roman legitimieren, was ich empfand und nahm mir damit eine große Last von den Schultern.

Ich denke, „The Fault in Our Stars“ fand seinen Weg nicht zufällig zu exakt diesem Zeitpunkt in meine Hände. Ich denke, es wurde mir geschickt. Vielleicht vom Universum, vielleicht von Chilli. Egal, wer dafür verantwortlich war, ich bin bis heute unendlich dankbar für diese Intervention. Es gab 2020 kein Buch, das wertvoller für mich war, denn kein anderes Buch unterstützte mich auf dieselbe Weise bei meinem Trauerprozess.

Falls ihr wissen wollt, wie ich diese spezielle Leseerfahrung im Nachhinein reflektierte, lege ich euch meine Rezension dazu ans Herz, die die persönlichste und intimste Besprechung ist, die ich seit langer Zeit veröffentlicht habe. Ihr findet sie HIER

Welches Buch war euer Jahreshighlight 2020?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare! Da wir uns dieses Jahr wahrscheinlich nicht mehr lesen, wünsche ich euch allen einen wunderbaren, sicheren Rutsch ins neue Jahr und hoffe, dass ihr den Jahreswechsel trotz Corona gebührend zelebrieren könnt!

Bevor ich mich verabschiede, hier nun noch wie versprochen das Logo zu meiner Challenge, schaut vorbei und meldet euch an!

Alles Liebe,
Elli ❤️

 

 

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Fazit

Es ist vollbracht. Mein Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ ist abgeschlossen. Acht Wochen. 22 Beiträge (diesen eingeschlossen). Ich kann es noch gar nicht fassen. Für euch ist dieses Finale wahrscheinlich weniger spektakulär als für mich, aber ihr befindet euch ja auch in der vorteilhaften Position, lediglich die Früchte meiner Arbeit zu sehen. 😉 Ich habe monatelang geschuftet und all meine Leidenschaft für Literatur, Fantasy und Robert E. Howard in diese Beitragsreihe gesteckt. Verzeiht mir, dass ich mich jetzt, am Ende, ein wenig sentimental fühle.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Chronologien

Ordnung in Robert E. Howards Geschichten zu bringen und besonders Conan in einer schlüssigen Chronologie zu organisieren, ist aus verschiedenen Gründen fordernd und kompliziert. Aspekte wie Reihenfolge oder Kohärenz hatten für Robert als Pulp-Autor keine Priorität, weil er wahrscheinlich gar nicht damit rechnete, dass irgendjemand versuchen könnte, seine Conan-Erzählungen zusammenhängend am Stück zu lesen. Pulp Magazine erschienen meist monatlich oder mit größeren Zeitabständen und veröffentlichten ausschließlich abgeschlossene Geschichten. Jede Ausgabe bot den Leser_innen neue literarische Abenteuer, die vielleicht wiederkehrende Figuren enthielten, grundsätzlich aber selten intensive Verbindungen zu früheren Publikationen herstellten. Daher konnte sich Robert vermutlich nicht vorstellen, dass seine Beiträge eines Tages, lange nach dem qualvollen Tod des Pulp Marktes, zusammengetragen und gebündelt veröffentlicht werden würden und gab sich keine Mühe, eine offensichtliche Chronologie einzuarbeiten.

Außerdem muss sein schriftstellerisches Konzept für Conan in Betracht gezogen werden. Er hatte gar nicht vor, Conan eine abgeschlossene, lückenlose Biografie auf den Leib zu schneidern. Für ihn gab es im Werdegang des Cimmeriers lediglich drei feste, nicht verhandelbare Säulen, die er in den ersten drei Geschichten „The Phoenix on the Sword“, „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“ definierte: Conan sollte gegen Ende seines Lebens König von Aquilonia sein, er sollte bereits sehr früh in seiner Karriere mit dem Übernatürlichen in Kontakt treten und er sollte als Barbar von dem Moment an, da er mit ihr konfrontiert wurde, in permanentem Konflikt mit der angeblichen Zivilisation stehen. Alle Stationen, die Conan zwischen diesen Stützpfeilern absolviert, waren Roberts persönliche schriftstellerische Spielwiese. Durch den Verzicht auf eine konkret umrissene Biografie gestattete er sich selbst maximalen Freiraum und konnte sich nach Lust und Laune Abenteuer einfallen lassen, da er nicht gezwungen war, zeitliche oder geografische Logik herzustellen. Die Schlüsselphrase lautet „Irgendwann in seinem Leben“. Conan konnte als Söldner, Dieb, Pirat, Rebellenführer, Soldat und König quer durch das hyborische Zeitalter ziehen, weil Robert nur andeutungsweise festlegte, wann er wo welche Position einnahm. Er war in der Lage, ihm jede Rolle zuzuschreiben, weil niemand beweisen kann, dass Conan aufgrund temporärer oder räumlicher Beschränkungen keine Gelegenheit hätte, eine oder mehrere davon zu erfüllen. Selbst wenn er ihn als Koch, Henker oder Schmied hätte inszenieren wollen, wäre das prinzipiell möglich gewesen.

Meiner Meinung nach war diese Unverbindlichkeit ein brillanter Schachzug, der die Darstellung von Conan als fleischgewordenem Mythos optimal unterstützt. Lesen wir heute über legendäre Figuren der Historie, akzeptieren wir vorbehaltlos, dass unter Umständen nicht alle Fakten überliefert oder belegt sind und einige ziemlich fantastisch anmuten. Wir können zum Beispiel anhand weniger, unbewiesener Anekdoten nur vermuten, wie Alexander der Große seine Jugend verbrachte. Conan ist mit derselben Einstellung zu behandeln. Roberts Geschichten sollten mündlichen Überlieferungen ähneln, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf inhaltlichen Wahrheitsgehalt erhoben. Kämpfte Conan tatsächlich gegen einen Affenmenschen? Wer weiß. War er vor seiner Eroberung des Throns von Aquilonia zuletzt als Söldner unterwegs? Vielleicht. Die Unkenntnis der genauen Abläufe unterstreicht seinen mythischen Status und ich bin mir absolut sicher, dass Robert das beabsichtigte. Es ist bezeichnend, dass beispielsweise keine Geschichten existieren, die beschreiben, wie und wann Conan König wurde oder er seine Diebeslaufbahn einschlug.

Es muss Robert amüsiert haben, als Conan-Fans begonnen, den Lebensweg des Barbaren anhand der spärlichen Hinweise in seinen Geschichten nachzuzeichnen. Den Anfang dieser Bemühungen erlebte er nämlich noch mit; der erste Vorschlag für eine Chronologie wurde bereits 1936 von den beiden Science-Fiction-Autoren P. Schuyler Miller und John D. Clark in dem Essay „A Probable Outline of Conan’s Career“ vorgelegt, die ihn Robert vor seinem Tod zur Korrektur schickten. Nachdem sich Conan als Franchise etablierte und über die Jahrzehnte immer mehr Erweiterungen der Saga erschienen (unter anderem natürlich von L. Sprague de Camp), wurde die Chronologie zunehmend kompliziert, weil auch andere Schriftsteller_innen den gewaltigen inhaltlichen Spielraum seiner diffusen Biografie für sich nutzten, um ihre eigenen Adaptionen zu ergänzen. Soweit ich weiß, hielten sich alle an die grundlegenden Eckpunkte seines Lebens und Charakters – beispielsweise hat wohl nie jemand versucht, aus Conan einen Koch zu machen – aber innerhalb dieses Rahmens schrieben sie zahlreiche Abenteuer. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, zumindest die wichtigsten und populärsten Neuveröffentlichungen in die Chronologie zu integrieren, was wiederum zu einer Revision der Version von Schuyler Miller und Clark sowie zu gänzlich neuen Vorschlägen führte. Bis heute gibt es allerdings keine Chronologie, die jede einzelne Conan-Geschichte (Original und Franchise) sinnvoll berücksichtigt.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute widmen wir uns dem letzten Abschnitt des Kapitels zu Roberts Vermächtnis und werden erfahren, wie der texanische Autor nach Jahrzehnten der Missverständnisse und Fehlinformationen endlich den Respekt erhielt, den er verdient. Es war ein harter Kampf, dem L. Sprague de Camp und die Etablierung des Conan-Franchise im Weg standen…

Mitte der 1970er Jahre verfügte L. Sprague de Camp über die vollständige, alleinige Kontrolle über Conan. Trotz eines Streits mit Glenn Lord über nicht gezahlte Tantiemen an Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris hielt sich dieser an ihre Vereinbarung und die damit beschlossene Arbeitsteilung. Wer plante, Conan-Material zu veröffentlichen, das sich nicht in der Public Domain befand, kam nicht an L. Sprague de Camp vorbei und dieser dachte nicht einmal im Traum daran, den Forderungen nach Roberts originalen Erzählungen nachzugeben. Er begriff sich selbst als die maßgebende Instanz in Sachen Conan, was er 1977 anhand zwei Ereignissen sehr deutlich machte. In diesem Jahr handelte der Fantasy-Autor und Conan-Purist Karl Edward Wagner einen Deal mit Glenn Lord aus, um die Conan-Geschichten, die in Weird Tales erschienen und nicht mehr urheberrechtlich geschützt waren, im Verlag Berkeley Books zu veröffentlichen. Die Bücher wurden um Essays ergänzt, die klar Partei für Robert bezogen und erklärten, dass seine Werke keiner Überarbeitung bedurften. Leider musste dieses Projekt unvollständig bleiben, denn L. Sprague de Camp weigerte sich, seine Zustimmung zur Veröffentlichung der originalen Geschichten zu geben, die seinem Urheberrecht unterlagen.

Im Januar 1977 wurde außerdem Conan Properties, Inc. gegründet. Diese Firma, die ab sofort offiziell alle Anfragen zu Conan verhandelte, war das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen L. Sprague de Camp und Glenn Lord, die darauf zurückzuführen war, dass de Camp sich übergangen fühlte. Mitte der 70er Jahre kamen die Filmproduzenten Edward Pressmann und Edward Summer auf Lord zu, weil sie die Filmrechte an Conan erwerben wollten. Lord begann, Gespräche mit ihnen im Namen von Alla Ray Kuykendall und Alla Ray Morris zu führen und hätte diese vermutlich auch zu einem Abschluss gebracht, hätte de Camp nicht Wind davon bekommen und verlangt, dass Pressmann und Summer nicht mit Lord, sondern mit ihm reden müssten. Pressmann war genervt und wollte mit dem Konflikt der Männer nichts zu tun haben. Er bestand darauf, dass sie sich einigten, damit er fortan nur noch mit einer Person sprechen müsste. Die Gründung von Conan Properties, Inc. (CPI) war ein praktikabler Kompromiss, denn Lord und de Camp saßen beide im Vorstand. Nur wäre dieser Schritt gar nicht nötig gewesen, hätte sich de Camp nicht benachteiligt gefühlt. Über CPI kam der Verkauf der Filmrechte zustande; bis der Film fertiggestellt war, vergingen jedoch noch einige Jahre.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 2)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Gestern haben wir gelernt, dass Roberts Vermächtnis bereits in den ersten 20 Jahren nach seinem Tod gravierende Änderungen und Umdeutungen erlebte. Heute werden wir erfahren, dass L. Sprague de Camp noch viel weiter ging, um Conan der Welt so zu präsentieren, wie er ihn interpretierte und keine Gelegenheit ausließ, um Robert öffentlich zu diskreditieren…

L. Sprague de Camp (Jahr unbekannt) © Bookogs

Gnome Press veröffentlichte von 1950 bis 1957 sieben Conan-Sammelbände. Vier davon enthielten Einleitungen und Geschichten, die L. Sprague de Camp geschrieben oder überarbeitet hatte. Der letzte Gnome Press – Band „The Return of Conan“ war die erste Conan-Geschichte, die nicht ursprünglich von Robert stammte oder auf einer seiner Ideen basierte. Stattdessen hatte sie ein schwedischer Howard-Fan namens Björn Nyberg verfasst. Natürlich musste de Camp auch in diesem Fall intervenieren; Nybergs Erzählung fiel ebenso seinem Rotstift zum Opfer wie Roberts Nachlass. Schon damals zeigte sich, wie ambitioniert de Camp war, was die Zusammenarbeit zwischen ihm, Oscar Friend und Michael Greenberg von Gnome Press belastete. Im März 1954 schrieb Friend einen Brief an Kuykendall, in dem er berichtete, dass ein „cleverer Schriftsteller“, der mehrere Howard-Geschichten für das Projekt überarbeitet hatte, eine höhere finanzielle Beteiligung verlangte und damit drohte, selbstständig über Conan zu schreiben, weil der Autor ja sowieso tot sei. Dabei kann es sich nur um de Camp gehandelt haben. Friend warnte ihn, dass er ihn verklagen würde, sollte er auch nur einen Schritt in diese Richtung unternehmen, solange Conan dem Urheberrecht unterlag. Kurz bevor „The Return of Conan“ veröffentlicht wurde, geriet de Camp auch mit Michael Greenberg aneinander. Es ging um Zahlungen, die Gnome Press de Camp schuldete. Außerdem wollte de Camp seine überarbeiteten Conan-Geschichten Taschenbuchverlagen anbieten, was Greenberg als Rechteinhaber strikt ablehnte. Immer deutlicher kristallisierte sich heraus, dass de Camp große Pläne mit Conan hatte und bereit war, notfalls um die Kontrolle über Roberts Barbaren zu kämpfen.

1959 war für die weitere Entwicklung des Mythos Conan aus mehreren Gründen ein entscheidendes Jahr. Man mag die Gnome Press – Ausgaben für die Vorgehensweise der beteiligten Akteure kritisieren, es steht jedoch völlig außer Zweifel, dass sie das öffentliche Interesse an Robert und seinem Cimmerier förderten. Die Fans begannen, sich mit den damals verfügbaren Mitteln zu vernetzen, um sich über ihre Leidenschaft austauschen zu können. Deshalb wurde 1959 eines der ersten Howard-Conan-Fanzines gegründet: Amra. Bereits zu den frühen Exemplaren trugen Autor_innen bei, die heute sehr bekannt sind, darunter Michael Moorcock und Marion Zimmer Bradley. Amra war das Medium, in dem der Fantasy-Schriftsteller Fritz Leiber 1961 erstmals den Begriff der Sword and Sorcery aufbrachte und als literarisches Subgenre definierte. L. Sprague de Camp nahm ebenfalls an den Diskussionen innerhalb des Magazins teil und verbreitete dort mit Vorliebe seine Ansichten über Roberts Leben und dessen Suizid. Dass es sich dabei um einen zweifelhaften Segen handelte, wurde erst Jahre später offenkundig.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 5 – Unreif, schlampig und ödipal: Der jahrzehntelange Kampf um Anerkennung für Robert E. Howard (Teil 1)

Wenn wir verstehen wollen, wie es passieren konnte, dass der literarische Conan eine popkulturelle Neuinterpretation erhielt, die dazu führte, dass die Figur heutzutage hauptsächlich mit Arnold Schwarzenegger assoziiert wird und nicht mit ihrem Schöpfer Robert E. Howard, müssen wir die Antwort im Umgang mit Roberts Vermächtnis nach seinem Tod suchen. Nachlassverwaltung und Rechteinhaberschaft gingen über Jahrzehnte durch viele Hände und nicht alle involvierten Parteien hatten tatsächlich die respektvolle Bewahrung von Roberts Andenken im Sinn. Es stellte sich heraus, dass sich speziell mit Conan eine Menge Geld verdienen ließ und einige nutzten seine Popularität aus, um die eigene Karriere voranzutreiben. Irgendwann überschatteten individuelle Deutungen und private, pseudofundierte Ansichten sowohl das Bild, das Robert von Conan gezeichnet hatte, als auch die Fakten, die über Robert als Person bekannt waren. Es dauerte lange, bis die vielen damals entstandenen Missverständnisse, Falschinformationen und Fehlinterpretationen soweit ausgeräumt und aufgearbeitet waren, dass eine vorurteilsfreie Auseinandersetzung mit Robert und seinem Werk möglich wurde.

Doch ich möchte nicht vorgreifen. Beginnen wir am Anfang. Denn all die Irrungen und Wirrungen bezüglich seines Vermächtnisses nahmen bereits wenige Tage nach Roberts Tod ihren Lauf, weil sein Vater einen seiner letzten Wünsche nicht achtete.

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Robert E. Howard – The Conan Chronicles

Heute werde ich berichten, wie die Conan-Geschichten von Robert E. Howard auf mich wirkten und wie sie mir gefielen. Diese Rezension unterscheidet sich von meinen üblichen Buchbesprechungen, weil ich beschlossen habe, theoretische Hintergründe komplett auszuklammern. Es ist einfach nicht nötig, auf diese Aspekte einzugehen, weil die Rezension im Rahmen meines umfangreichen Blogprojekts zu dem vermutlich berühmtesten Barbaren der Kulturgeschichte und dessen Schöpfer erscheint. Wer sie „in Echtzeit“ am Veröffentlichungstag liest, dürfte demzufolge bereits über ein recht detailliertes Bild dieses Themenkomplexes verfügen. Wer hingegen später darüber stolpert, sollte zumindest das Kapitel „Conan: Der texanische Barbar“ lesen, um eine kontextuelle Einordnung zu erhalten, denn diese werde ich heute nicht vornehmen. Heute werde ich mein Herz sprechen lassen und meinen Kopf ausschalten – oder es zumindest versuchen.

Bevor ich mein Herz befrage, was es von Conan hielt, möchte ich allerdings ein paar Sätze zu meinen Ausgaben verlieren, denn wie wir in den späteren Beiträgen des Blogprojekts lernen werden, ist es keineswegs unerheblich, welche Versionen der Geschichten man liest. Sorgt euch nicht, falls ihr mit diesen Informationen jetzt noch nicht allzu viel anfangen könnt; ich verspreche euch, spätestens nach dem Kapitel zu Roberts Vermächtnis, das nächste Woche online gehen wird, ergeben sie Sinn.
Derzeit besitze ich „The Conan Chronicles“ als Doppelausgabe des britischen Verlags Gollancz. Der erste Band „The Conan Chronicles“ erschien 2008 im Rahmen ihrer „Ultimate Fantasies“- Reihe, der zweite Band „The Hour of the Dragon“ 2001 im Rahmen ihrer „Fantasy Masterworks“-Reihe. Enthalten sind alle 21 Geschichten, fünf Fragmente, das Gedicht „Cimmeria“, die Essays „The Hyborian Age“ und „Notes on Various Peoples of the Hyborian Age“ sowie eine Karte des hyborischen Zeitalters. Anhand der Urheberrechtsverzeichnisse in beiden Bänden gehe ich davon aus, dass ich Roberts Originaltexte ohne Überarbeitungen und Ergänzungen von L. Sprague de Camp gelesen habe.

So, Theorie beiseite, Vorhang auf für Conan.

Das hyborische Zeitalter war vom Geräusch singender Schwerter untermalt. Es war eine Epoche der Gewalt und des Blutvergießens, der Kriege, Aufstände, wilder Magie und mythischer Kreaturen. Doch ein Mann fürchtete weder Mensch noch Bestie. Ein Mann, geboren auf den gnadenlosen Schlachtfeldern Cimmerias, dem ein außergewöhnliches Schicksal bestimmt war. Er war ein Barbar, groß und stark wie ein Löwe. Seine Feinde erzitterten vor dem Klang seiner Stimme und der Schärfe seiner Waffen. In seinen blauen Augen brannten Abenteuerlust, Ehrgeiz und Heldenmut. Er bereiste die ganze Welt, war ein Dieb, ein Soldat, ein Pirat, ein Söldner, ein König und beuge sein Knie vor niemandem. Noch heute erzählt man von seinen Taten. Noch heute erinnert man sich an seinen Namen, der erst zum Mythos und dann zur Legende wurde: Conan.

Es war amüsant, nach so langer Zeit meine Notizen zu meiner zweibändigen Sammlung aller originalen Conan-Geschichten zu konsultieren. Ihr müsst verstehen, dass ich den ersten Band „The Conan Chronicles“ vor beinahe zwei Jahren gelesen habe, den zweiten Band „The Hour of the Dragon“ vor etwa anderthalb Jahren. Oh ja, so lange geht das schon mit mir und Conan. Ich ahnte bereits nach der Lektüre des ersten Bandes und einer kurzen Recherche zum Autor, dass eine normale Rezension nicht ausreichen würde, um allen Aspekten des Fantasy-Klassikers gerecht zu werden. Dennoch verfasste ich meine Notizen wie sonst auch, weil ich damals noch nicht wusste, wie genau ich die Besprechung und alle zusätzlichen Informationen organisieren wollte. Das heißt, ich habe Conan bewertet lange bevor ich mir all das Hintergrundwissen aneignete, durch das wir uns nun gemeinsam in diesem Blogprojekt arbeiten. Rückblickend finde ich es sehr unterhaltsam, welche Richtung meine Gedanken einschlugen, was mir auffiel, was ich bemängelte und was ich mochte.

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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 4 – Conan: Der texanische Barbar (Teil 3)

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute schließen wir die theoretische Analyse der Conan-Geschichten ab. Gestern haben wir erfahren, dass Robert nach 12 Erzählungen eine Auszeit von Conan nahm und etwa sechs Monate später mit „The Devil in Iron“ wieder einstieg. Während dieses Abenteuer eher durchschnittlich ist, zeigte er mit der folgenden Geschichte „The People of the Black Circle“ abermals, dass er ein Meister der Action war…

Weird Tales Ausgabe vom September 1934, in der „The People of the Black Circle“ das Coverfeature war, illustriert von Margaret Brundage, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

„The People of the Black Circle“ war die erste Conan-Novelle und bietet eine komplexe, intelligente Handlung voller Action, Schwertkämpfe und auf Hypnose basierender Magie. Ich erinnere mich an einige epische Szenen. Conan, der zu einer Besprechung durch ein hochgelegenes Fenster erscheint, wutschnaubend und eindrucksvoll. Verfolgungsjagden zu Pferd. Eine sensationelle Belagerungsschlacht vor einem Berg. Wilde, gefährliche Magie. Robert E. Howard konzipierte „The People of the Black Circle“ sehr anschaulich und greifbar; er zeigt seinen Leser_innen, was passiert, statt sie darüber in Dialogen aufzuklären, wie er es zuvor oft tat. Dieser Unterschied ist spürbar und gestaltet die Lektüre rasant und nervenaufreibend. Die wichtigste Figur neben Conan ist Prinzessin Yasmina, die Schwester des Königs von Vendhya, der von den Hexern des Schwarzen Zirkels tödlich verflucht wurde. Yasmina schwört Rache und plant, Conan als ihr Werkzeug einzusetzen. Sie bietet ihm an, seine inhaftierten Männer freizulassen, wenn er dafür den Schwarzen Zirkel unschädlich macht. Wie zu erwarten war, ist Conan von diesem Erpressungsversuch nicht begeistert und entführt Yasmina kurzentschlossen durch das oben erwähnte Fenster (noch so eine epische Szene), um ebenfalls über ein Druckmittel zu verfügen. Die Entführung läuft allerdings nicht ganz wie angenommen, denn Yasmina ist alles andere als eine furchtsame, devote Maid. Sie gibt Conan Kontra, zankt mit ihm und als sie sich letztendlich zusammenraufen, weil sich ihre Interessen dann doch überschneiden, findet er in ihr eine kluge, unabhängige, einfallsreiche Frau, die mit allen Wassern gewaschen ist.

Zum zweiten Mal nach Bêlit versuchte Robert, eine weibliche Figur zu integrieren, deren Persönlichkeit nicht dem typischen Fräulein in Nöten entspricht. Obwohl Yasmina diese Rolle rein strukturell durchaus erfüllt, ist sie kein Opfer, sondern nimmt aktiv Einfluss auf die Handlung. Auch verfällt sie Conan nicht blindlings, wie so viele ihrer Vorgängerinnen. Sie fühlen sich zueinander hingezogen, aber Yasmina behält ihren gesunden Menschenverstand und vergisst niemals ihre Verantwortung gegenüber ihrem Heimatland. Sie ist eine Weiterentwicklung von Bêlit und hätte für Conan eventuell eine wunderbare Partnerin sein können, stünden sie nicht auf gegensätzlichen politischen Seiten. Es ist möglich, dass die Begegnung mit Novalyne Price 1933 Robert zu Yasminas Entwurf inspirierte, ich halte das jedoch für eher unwahrscheinlich, weil Robert meiner Ansicht nach erst spät mit aller Konsequenz aufging, dass Novalyne eine Frau und somit mögliche Partnerin war. Mark Finn konstatiert, dass es ebenso möglich ist, dass er die Nase voll vom Figurentyp des Fräuleins in Nöten hatte, denn er mochte die melodramatischen Romanzen in Westernfilmen nie und beschwerte sich in seiner Korrespondenz offen über die Rolle weiblicher Figuren in Seabury Quinns „Jules de Grandin“ – Geschichten. Diese Erklärung erscheint mir plausibler, weil Novalyne Price erst im Herbst 1934 nach Cross Plains zog und es – soweit ich weiß – nach ihrem ersten Treffen bis dahin keinen Kontakt zwischen ihr und Robert gab. Man sollte Novalynes Einfluss nicht überschätzen; Robert hatte durchaus auch ein eigenes Interesse an starken weiblichen Charakteren.

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