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Archiv der Kategorie: Rezension

Robert V. S. Redick – The Rats and the Ruling Sea

Angesichts dessen, dass Robert V. S. Redick der Autor des vierbändigen Seefahrtabenteuers „The Chathrand Voyage“ ist, könnte man vermuten, er sei in der Nähe des Meeres aufgewachsen. Tatsächlich wuchs er jedoch mitten Iowa auf, so weit entfernt vom Ozean wie nur möglich. Redick glaubt, seine Faszination mit der See ist genau darauf begründet: Durch die große Entfernung erhielt sie für ihn eine magische, mystische Ausstrahlung. Diese spezielle Beziehung ließ er offenbar in sein High Fantasy – Epos einfließen, das er im zweiten Band „The Rats and the Ruling Sea“ fortsetzt.

Ihr Hochzeitstag sollte für eine junge Frau der glücklichste ihres Lebens sein. Für Tasha Isiq ist dieser Tag ein Opfer. Ihre Ehe mit einem mzithrinischen Prinzen soll den lang erhofften Frieden zwischen ihrer Heimat Arqual und dem ehemals verfeindeten Mzithrin besiegeln. Leider ist die Hochzeit nicht mehr als eine Täuschung, ein perfides Manöver des arqualischen Königs, um den alten Gegner endgültig in die Knie zu zwingen. Als Tasha und ihre Verbündeten den kaltblütigen Plan des Königs an Bord der ehrwürdigen IMS Chathrand aufdeckten, waren sie entsetzt. Sie waren bereit, die Wahrheit zu offenbaren – jedoch nicht um jeden Preis. Tasha geriet in die Gewalt des finsteren Magiers Arunis, der droht, sie zu töten, sollten sie plaudern. Pazel, Neeps und Hercól befinden sich in einer aussichtslosen Lage. Reden sie, wird Arunis Tasha ermorden. Reden sie nicht, werden die Mzithrin Tasha hinrichten, sobald der Verrat des arqualischen Königs ans Licht kommt. Können sie die Hochzeit vereiteln, ohne Tashas Leben zu riskieren und die IMS Chathrand daran hindern, Kurs auf die unkartierten Gewässer der Ruling Sea zu nehmen und in einen Krieg zu segeln, der ganz Alifros erschüttern könnte?

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Verfasst von - 13. April 2021 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Ruth Emmie Lang – Beasts of Extraordinary Circumstance

Liest man häufig Interviews mit Autor_innen, stellt man fest, dass viele ähnliche Strategien nutzen, um Hürden in ihrem Schreibprozess zu überwinden. Die in Schottland geborene Schriftstellerin Ruth Emmie Lang berichtet hingegen von einer Technik, über die ich noch nie gestolpert bin. Hat sie Schwierigkeiten, die Stimme einer Figur zu finden, castet sie diese Figur in ihrer Fantasie. Sie stellt sich vor, welche Schauspieler_innen die Rolle übernehmen könnten und liest ihr Manuskript mit ihren Stimmen, visualisiert ihre Mimik und Gestik. Ihnen ein Gesicht zu geben, hilft ihr, ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Je lebendiger diese mit Fortschreiten der Geschichte werden, desto seltener muss sie auf diese Krücke zurückgreifen. Dieses interessante Vorgehen unterstützte Lang dabei, ihren Debütroman „Beasts of Extraordinary Circumstance“ fertigzustellen, den ich als Rezensionsexemplar von Netgalley erhielt.

Als Weylyn und Mary einander das erste Mal begegneten, waren sie noch Kinder. Sie war das Mädchen, das ihm Kuchen brachte; er war der Junge, der im Wald unter Wölfen lebte. Gemeinsam erlebten sie ein Abenteuer, das in einer Tragödie endete. Mary wurde ihrem Vater zurückgebracht; Weylyn wurde den Behörden übergeben. Er traf viele Menschen, wurde Teil vieler Familien. Doch immer wieder ereigneten sich um ihn herum seltsame Naturphänomene, die nicht zu erklären waren. Tiere verhielten sich merkwürdig, Tornados und Flutwellen schienen seinem Willen zu gehorchen. So sehr er geliebt wurde, stets musste Weylyn weiterziehen und die Leben, die er berührte, hinter sich lassen. Erst, als er Mary wiedersieht, wünscht er sich, selbst berührt zu werden. Nur sind seine scheinbaren Kräfte unberechenbar und bisweilen gefährlich. Kann er riskieren, mit Mary zusammen zu sein – oder wird er ein einsamer Reisender bleiben?

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Kevin Hearne – Staked

Rezensionsheader von "Staked" von Kevin Hearne

Die Lesung von Kevin Hearne, die ich vor sechs Jahren besuchte, war Teil einer Tour, die ihn quer durch Europa führte. Neben Deutschland bereiste er damals Polen, Italien und die Tschechische Republik. Diese Tour war allerdings keine reine PR-Maßnahme, sie war auch als Recherchereise für „Staked“, den achten Band der „Iron Druid Chronicles“, gedacht. Hearne erzählte während der Lesung, dass ihn meine Heimatstadt Berlin besonders inspirierte und er wie verrückt schrieb. Sechs Jahre später freute ich mich sehr darauf, herauszufinden, wie er seinen Aufenthalt in meiner Stadt in „Staked“ verarbeitet hatte.

Atticus O‘Sullivan hat schon einmal erlebt, dass die Druiden beinahe vollständig ausgelöscht wurden. Er wird nicht zulassen, dass die Vampire vollenden, was sie vor 2.000 Jahren begonnen. Der Meistervampir Theophilus muss sterben, denn gerade jetzt kann Atticus keine Ablenkungen gebrauchen. Ragnarök rückt näher und unter den Göttern verhärten sich die Fronten. Lokis giftiger Einfluss ist überall spürbar, vor allem für Granuaile, die weiterhin sein Mal trägt. Sie muss das Brandzeichen unbedingt loswerden und am besten eine Möglichkeit finden, sich künftig vor allen neugierigen Blicken zu verbergen, um eine alte Rechnung zu begleichen. Währenddessen würde Owen gern weit entfernt von den Turbulenzen der Moderne ein friedliches Leben in der Natur führen. Doch leider kann er weder ignorieren, dass in Tír na nÓg alles drunter und drüber geht, noch kann er sich der Bedrohung durch die Vampire entziehen. Als die Situation eskaliert und ein Angriff der Vampire tödlich endet, bündeln Atticus, Granuaile und Owen ihre Kräfte, um das untote Problem ein für alle Mal zu beheben. Wie sagt man so schön? Alle Wege führen nach Rom.

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Verfasst von - 30. März 2021 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Kevin Hearne, Delilah S. Dawson & Chuck Wendig – Three Slices

Vor mittlerweile fast genau sechs Jahren war ich an einem Abend im April bei einer Lesung des Autors Kevin Hearne. Hearne ist vor allem für seine Urban Fantasy – Reihe „The Iron Druid Chronicles“ um den gewitzten Druiden Atticus O’Sullivan bekannt. Die Lesung sollte den damals aktuellen siebten Band „Shattered“ vorstellen, da sich jedoch herausstellte, dass niemand im Publikum bereits so weit gelesen hatte (mich eingeschlossen) und auf Deutsch auch erst drei Bände erschienen waren, warf Hearne das ursprüngliche Programm kurzerhand über den Haufen und lud stattdessen zu einer Frage-Antwort-Runde ein. Es wurde ein unterhaltsamer, fröhlicher und äußerst informativer Abend. Hearne plauderte bereitwillig und offen aus dem Nähkästchen und bewies, dass ihn sein ehemaliger Beruf als Lehrer hervorragend darauf vorbereitet hatte, in den direkten Kontakt mit seinen Fans zu treten.

Abgesehen davon, dass er einige verheißungsvolle Andeutungen bezüglich „Shattered“ einfließen ließ, berichtete er, dass er kurz zuvor sein erstes Projekt im Selfpublishing veröffentlicht hatte: Eine schmale Kurzgeschichten-Anthologie namens „Three Slices“. Hearne erklärte, dass ihm das Mitspracherecht, das ihm sein großer Verlag Del Rey über die Hauptreihe der „Iron Druid Chronicles“ zugestand, nicht ausreichte. Durch das Selfpublishing konnte er erstmals alles selbst entscheiden und umging die Entscheidungsträger_innen seines Verlages, die sich möglicherweise nicht bereit erklärt hätten, seine Kurzgeschichte „A Prelude to War“ zu veröffentlichen. Diese schrieb er nämlich nicht, weil er das Gefühl hatte, die „Iron Druid Chronicles“ bräuchten unbedingt eine Ergänzung zwischen dem siebten Band „Shattered“ und dem achten Band „Staked“, sondern weil er über ein skurriles Thema gestolpert war und nicht widerstehen konnte, dieses literarisch zu verarbeiten: Tyromantie.

Tyromantie ist Wahrsagerei mit Käse. Ja, ganz genau. Käse. Ich kann verstehen, dass ihn diese abgedrehte Praxis faszinierte. Sie reizte ihn so sehr, dass er zwei seiner Kolleg_innen fragte, ob sie nicht ebenfalls Geschichten schreiben wollten, in der Tyromantie eine Rolle spielt: Delilah S. Dawson, die für ihre „Blud“-Reihe bekannt ist, und Chuck Wendig, aus dessen Feder die „Miriam Black“-Reihe stammt. Alle drei steuerten für „Three Slices“ jeweils eine Kurzgeschichte bei, die in ihren bestehenden Universen stattfindet und in der die Zukunft mithilfe von Käse vorausgesagt wird: „A Prelude to War“ von Hearne, „Not my circus, not my monkeys” von Dawson und „Interlude: Swallow“ von Wendig.

Ich habe „Three Slices“ eigentlich nur notgedrungen gelesen. Obwohl ich vor sechs Jahren schwor, dass ich mir die Anthologie zulegen würde, war ich in der Zwischenzeit von diesem Vorhaben abgerückt, weil sie mich einfach nicht genug interessierte – den Fokus der Tyromantie hatte ich wohl vergessen. Doch als ich den achten Band der „Iron Druid Chronicles“, „Staked“, aufschlug, stand in der Einleitung, dass die Lektüre von „A Prelude to War“ notwendig sei, um zu verstehen, wieso „Staked“ nicht dort begann, wo „Shattered“ endete. Ich stöhnte auf und gab mich geschlagen. Dann würde ich die Anthologie eben lesen.

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Verfasst von - 23. März 2021 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Robert Menasse – Die Hauptstadt

Rezensionsheader zu "Die Hauptstadt" von Robert Menasse

Der österreichische Autor Robert Menasse ist ein glühender Verfechter der europäischen Idee. Er glaubt allerdings nicht an Europa als Nationalstaatenbund, sondern an das Konzept der Europäischen Republik. Seiner Meinung nach muss das langfristige Ziel der Europäischen Union sein, Nationen zu überwinden, Grenzen aufzulösen und gemeinsame demokratische Politik zu betreiben, weil nationaler Egoismus die EU in jeglicher Hinsicht beschneidet. Seine Kritik richtet sich demnach gegen den Europäischen Rat, während er Institutionen wie die Europäische Kommission, die tatsächlich europäische Interessen vertritt, als legitim und positiv betrachtet. Diese recht radikale Einstellung ist mehr als das Produkt halbgarer Stammtischdiskussionen. Menasse lebte einige Zeit in Brüssel und recherchierte vor Ort, wie die EU arbeitet und funktioniert, denn es wurmte ihn, dass er nicht verstand, wie Entscheidungen gefällt werden, die sein Leben direkt beeinflussen und lenken. Dort entwickelte er die Idee für „Die Hauptstadt“, der weltweit erste Roman über die Europäische Kommission, der von der Fachpresse gefeiert wurde und 2017 den Deutschen Buchpreis erhielt.

Ein Schwein geht um in Brüssel. Ein lebendiges Schwein, das durch die Straßen läuft und Brüsseler_innen wie Medien in Aufruhr versetzt. In den Korridoren der EU geht hingegen eine Idee um. Der 50. Geburtstag der Europäischen Kommission steht bevor. Müsste man feiern. Sollte man auch, für ihr Image, meint Fenia Xenopoulou, Leiterin der Direktion C (Kommunikation) der Generaldirektion Kultur und Bildung. Auschwitz als Geburtsort des europäischen Einheitsgedankens in den Mittelpunkt stellen? Warum nicht. Überlebende müssen her, Überlebende, die sich noch erinnern und Zeugnis ablegen können. Überlebende wie David de Vriend, der in einem Altersheim auf den Tod wartet, dem er vor so langer Zeit in einem Zug nach Auschwitz von der Schippe sprang. Nur möchte er lieber vergessen als zu erinnern. Kommissar Émile Brunfaut wurde indes aufgetragen, zu vergessen. Ihm wurde ein mysteriöser Mordfall in einem Brüsseler Hotel entzogen. Anweisung von oben, politische Gründe. Welche, weiß Brunfaut nicht. Er ermittelt auf eigene Faust weiter und deckt höchst schockierende Verbindungen auf. Schockieren wird auch der emeritierte Volkswirtschaftler Alois Erhart. Er wird den Grünschnäbeln des Think Tanks der Europäischen Kommission zeigen, wie radikal Europa gedacht werden muss. Und das Schwein? Das braucht einen Namen.

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Verfasst von - 16. März 2021 in Politik, Realistische Fiktion, Rezension

 

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Martin Millar – The Good Fairies of New York

Rezensionsheader von 'The Good Fairies of New York' von Martin Millar

Der britische Autor Martin Millar und ich haben eines gemeinsam: Wir sind beide große Buffy-Fans. Es ist absurd, wie oft es Millar in vergangenen Interviews gelang, das Gespräch auf seine Lieblingsserie zu lenken. Vor 20 Jahren fantasierte er sogar davon, ein Drehbuch für Buffy zu schreiben. Meines Wissens hat das leider nie geklappt. Generell hatte es Millar schwer, in den USA veröffentlicht zu werden. Wieder und wieder wurde er abgelehnt, bis sein Agent 2004 Neil Gaiman überzeugen konnte, eine Einleitung zu Millars Roman „The Good Fairies of New York“ zu verfassen. Mit diesem berühmten Namen im Rücken eroberte er endlich den US-amerikanischen Buchmarkt – und einen Platz in meinem Regal, denn auch ich wurde dadurch auf das Buch aufmerksam.

New York City ist eine große Stadt. Platz genug für alle, sollte man meinen. Aber als zwei 50 Zentimeter kleine schottische Feen durch das Fenster des übergewichtigen, sozial isolierten Dinnie fliegen, erst auf seinen Teppich kotzen und sich dann häuslich einrichten, scheint die Metropole zu schrumpfen. Morag und Heather richten überall unabsichtlich Chaos an und zwingen Dinnie sogar, unter Menschen zu gehen. Kein Wunder, dass sie aus Großbritannien rausgeworfen wurden. Ihre Probleme sind sie dadurch allerdings nicht losgeworden. Auf ihrem Weg in die USA verhalfen sie den Kindern des britischen Feenkönigs Tala zur Flucht, die jetzt im Central Park leben. Tala will seine Kinder um jeden Preis zurückhaben. Notfalls mit Gewalt. Zornig schickt er seine Armee nach New York, die die Stadt erobern und seine rebellische Brut nach Hause holen soll. Es liegt an Morag und Heather, die New Yorker Feenclans zur Verteidigung zu mobilisieren – vorausgesetzt, sie bleiben lange genug nüchtern.

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Claudia Gray – A Million Worlds With You

Rezensionsheader von "A Million Worlds With You" von Claudia Gray

Ich erinnere mich, dass jeder Band der „Firebird“-Trilogie im Buchblogkosmos ein kleines Erdbeben auslöste. Viele meiner lieben Kolleg_innen litten beim Anblick der traumhaft schönen Cover unter ernster Schnappatmung. Es amüsiert mich daher enorm, dass der heutige Bekanntheitsgrad der Autorin Claudia Gray eher wenig mit dieser Trilogie zu tun hat. In ihrem englischen Wikipedia-Eintrag wird sie nicht einmal genannt. Claudia Grays Erfolg basiert vielmehr darauf, dass sie 2015 begann, für ein extrem populäres Franchise zu schreiben: Star Wars. Beinahe jeder Artikel und jedes Interview dreht sich um ihre Beiträge zu diesem Fandom. Kaum ein Wort über „Firebird“, nicht einmal über das Finale „A Million Worlds With You“. Da sieht man mal, wie klein unsere Blase ist.

Die Trauer um ein verlorenes Kind kann Eltern in den Wahnsinn treiben. Marguerite versteht den Schmerz, den ihre Eltern der Home-Office – Dimension über den Verlust ihrer Schwester Josie empfinden. Auch sie sind schließlich – irgendwie – ihre Familie. Aber wie weit sie zu gehen bereit sind, um Josie zurückzubekommen, kann sie nicht begreifen. Sie planen, jede Dimension zu zerstören, in der sich ein Splitter von Josies Seele befindet. Der Firebird verfügt über das Potential, Materie und Antimaterie ins Gleichgewicht zu bringen, wodurch eine Dimension schlicht aufhört, zu existieren. Ausgerechnet eine Marguerite soll das kaltblütige Vorhaben in die Tat umsetzen: Ihre bösartige Home-Office – Version. Billionen Leben stehen auf dem Spiel. Marguerite muss sich selbst aufhalten. Nur, wenn es ihr gelingt, ihrem anderen Ich zuvorzukommen, kann sie die bedrohten Dimensionen retten. Mehr denn je braucht sie jetzt Pauls Unterstützung, doch seit seine Seele in Stücke gerissen wurde, ist er nicht mehr derselbe. Wird Marguerite stark genug für sie beide und das Multiversum sein?

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Claudia Gray – Ten Thousand Skies Above You

Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin war Claudia Gray Anwältin. Sie investierte Jahre in ihre Ausbildung, verließ diesen Berufsweg jedoch, um erst für Magazine zu schreiben und sich später der Literatur zu widmen. Sie sagt, sie wird oft gefragt, wieso sie die Rechtsvertretung aufgab, um Bücher zu schreiben – aber niemals von Anwält_innen. Mit ihrem Jobwechsel konnte sie sich gleich zwei Kindheitsträume erfüllen: Die Schriftstellerei und den Wunsch, sich selbst einen Namen zu geben. Claudia Gray ist ein Pseudonym, durch das sie ihr Privatleben emotional wie professionell besser abgrenzen kann. Mit zunehmendem Erfolg, der spätestens 2015 einsetzte, als auch der zweite Band der „Firebird“-Trilogie, „Ten Thousand Skies Above You“, erschien, sicher keine schlechte Idee.

Pauls Seele wurde in Stücke gerissen. Er reiste mit dem Firebird in das Triadverse, um dort nach einem Heilmittel für Theo zu suchen, der durch die Droge Nightthief in Lebensgefahr schwebt. Als er nach den vereinbarten 24 Stunden nicht zurückkehrte, weiß Marguerite, dass ihm etwas zugestoßen sein muss. Sie folgt Pauls Koordinaten und findet ihn, aber als sie die Erinnerungsfunktion des Firebirds auslöst, wacht er nicht auf. Stattdessen trifft sie auf Wyatt Conley. Genüsslich erklärt er ihr, dass er Pauls Seele absichtlich zersplitterte, um sie zu erpressen. Er verspricht ihr, ihr die Koordinaten von Pauls Splittern und das Heilmittel für Theo zu geben – wenn sie in einigen Dimensionen die Forschung ihrer Eltern am Firebird sabotiert. Marguerite hat kaum eine andere Wahl, als sein Angebot anzunehmen. Will sie Paul und Theo retten, muss sie Conley irgendwie überlisten. Doch in den anderen Dimensionen begegnet sie neuen Versionen von sich selbst und Paul, die nicht sind, was sie erwartete und schon bald zweifelt sie: Ist ihre Liebe tatsächlich Schicksal?

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Verfasst von - 23. Februar 2021 in Rezension, Science-Fiction, Young Adult

 

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Isabel Allende – Ripper

Als ich „Ripper“ von Isabel Allende 2016 spontan in einem Buchladen kaufte, war mir nicht klar, dass ich die vermutlich bekannteste chilenische Autorin bei mir einziehen ließ. Neben Pablo Neruda gilt Allende als der literarische Exportschlager ihres Geburtslandes, obwohl sie seit 1988 in den USA lebt und seit 2003 offiziell US-amerikanische Staatsbürgerin ist. Ihr Debütroman „Das Geisterhaus“ sowie das später veröffentlichte „Paula“ findet man häufig in internationalen literarischen Bestenlisten. „Ripper“ scheint hingegen eher unbekannt zu sein, was wahrscheinlich daran liegt, dass niemand erwartete, dass die Bestsellerautorin, die sich mit magischem Realismus einen Namen machte, je einen Krimi schreiben würde.

Ihre Freund_innen sagen über Indiana, dass man ihr einfach alles verzeiht. Ihre Patient_innen sagen, dass ihre Hände magisch sind. Selbst diejenigen, die nicht an die holistische Heilkunst glauben, kommen immer wieder, um in ihrer Nähe zu sein. Indiana besitzt das seltene Talent, das Positive in den Menschen hervorzubringen. Sie ist eine lebenslustige Frau voller Energie und Herz, der karmisches Gleichgewicht mehr bedeutet als Geld. Ihre 16-jährige Tochter Amanda wirkt hingegen oft wie ihr personifiziertes Gegenteil. Während Indi nach dem Licht in der menschlichen Seele sucht, ist Amanda von ihren dunklen Abgründen fasziniert. Mit anderen Teenagern überall auf der Welt und ihrem Großvater spielt sie das Online-Rollenspiel Ripper. Bisher drehte sich das Spiel um die Aufklärung fiktiver Verbrechen, doch seit Amandas und Indis Heimat San Francisco Schauplatz einer brutalen Mordserie ist, ermittelt die Gruppe in diesen Fällen. Aus Spaß wird bitterer Ernst, als Indi plötzlich verschwindet. Amanda ist sicher, dass ihre Mutter dem gefürchteten Mörder zum Opfer fiel. Sie ist auch sicher, dass Indi noch lebt. Noch. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit und nur, wenn Amanda die Polizei von ihren Schlussfolgerungen überzeugen kann, hat Indi eine Chance, zu überleben.

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Verfasst von - 16. Februar 2021 in Krimi, Rezension

 

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John Scalzi – Old Man’s War

Angeblich entschied ein Münzwurf, dass John Scalzi Science-Fiction-Autor wurde. Als er beschloss, eine Karriere als Schriftsteller zu verfolgen, wollte er Literatur verfassen, die er selbst las und liebte. Für ihn bedeutete das entweder Science-Fiction oder Mystery. Er warf eine Münze: Kopf für Science-Fiction, Zahl für Mystery. Die Münze zeigte Kopf. Ist diese Anekdote wahr, kann man seinen Münzwurf wohl zu Recht als schicksalhaft bezeichnen. Scalzi wurde einer der erfolgreichsten Sci-Fi-Schrifsteller_innen der Moderne, dessen Romane mit zahlreichen Nominierungen und Preisen ausgezeichnet wurden. Sein erstes traditionell veröffentlichtes Buch war „Old Man’s War“, das mich mit der Idee einer Armee im Rentenalter vom Kauf überzeugte.

An seinem 75. Geburtstag erledigt John Perry zwei Dinge. Erst verabschiedet er sich an ihrem Grab von seiner Frau Kathy. Dann verabschiedet er sich von seinem Planeten. Bereits vor 10 Jahren entschieden John und Kathy, dass sie der CDF beitreten würden. Kathy starb, bevor sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, doch John will an ihrem Plan festhalten. Er wird Soldat. Die CDF ist eine private Militärfirma, die die Kolonien der Erde im Weltall verteidigt. Nach allem, was man hört, sind die Kämpfe brutal, blutig und zahlreich. Niemand weiß etwas Genaues. Bekannt ist, dass die CDF keine jungen Menschen rekrutiert. Sie verpflichten ausschließlich Menschen im Ruhestand, die Jahrzehnte an Lebenserfahrung und Wissen vorweisen können. Wer sich einschreibt, dient mindestens zwei Jahre. Dafür schenkt die CDF ihren Soldat_innen etwas Unbezahlbares: Sie macht sie wieder jung. Überlebt man die Dienstzeit, erhält man ein hübsches kleines Grundstück auf einer friedlichen Kolonie. Für John klingt das wie ein guter Deal. Ohne zu wissen, was ihn erwartet, beginnt er ein Abenteuer, das ihn weit von seiner Heimat fortführt – und von dem Menschen, der er glaubte zu sein.

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Verfasst von - 9. Februar 2021 in Rezension, Science-Fiction

 

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