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Archiv der Kategorie: Soziales

Libba Bray – Beauty Queens

2016-04-07 - Bray Beauty Queens

Sehr verehrtes Publikum, herzlich Willkommen zum Miss Teen Dream Schönheitswettbewerb! 50 Teilnehmerinnen kämpfen allein zu Ihrer Unterhaltung um Ruhm, Ehre und die Krone!
Die Firma freut sich, Ihnen dieses Jahr eine ganz besondere Ausgabe von Miss Teen Dream präsentieren zu dürfen: die Survival Edition, der erste Schönheitswettbewerb auf einer einsamen Insel! Wer überlebt den Flugzeugabsturz und wird trotz Hunger, Durst und Angst die Choreografie einstudieren? Wer bewahrt sich auch im Angesicht größter Gefahr das Lächeln einer wahren Königin? Wird es Miss Texas? Miss Rhode Island? Oder doch Miss Illinois? Die Firma hat keine Kosten und Mühen gescheut, um für Sie die spannendste Competition aller Zeiten zu veranstalten! Schalten Sie ein!
Unterstützt durch Produktplatzierungen.

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Sara Farizan – If You Could Be Mine

2015-09-06 - Farizan If You Could Be Mine

„If You Could Be Mine“ ist ein weiteres Buch, das ich auf der Young Adult – Bestenliste des Rolling Stone entdeckte. Die Autorin Sara Farizan ist die Tochter iranischer Einwanderer, wurde allerdings in den USA geboren. Außerdem ist sie lesbisch. Normalerweise ist mir die sexuelle Orientierung von Autor_innen egal, doch in diesem Fall spielt sie eine wichtige Rolle, weil „If You Could Be Mine“ wohl nicht entstanden wäre, wäre Sara Farizan heterosexuell. Ihre iranischen Wurzeln bedeuten ihr viel, sie gehören zu ihrer Identität, daher kam sie nicht umhin, sich während der Zeit ihres Comingouts zu fragen, wie ihr Leben aussähe, wäre sie im Iran aufgewachsen und nicht in den USA. Ihr fehlte Literatur, die genau diese Frage behandelte – also entschied sie als Erwachsene, das Buch zu schreiben, dass sie sich als Teenager wünschte.

Seit sie sechs Jahre alt war, liebt Sahar Nasrin. Damals begriff sie noch nicht, was diese Liebe bedeutet. Sie wusste nicht, dass es verboten ist, ein anderes Mädchen zu lieben. Heute weiß sie, dass ihre Gefühle ihr Leben bedrohen. Denn im Iran wird Homosexualität noch immer mit der Todesstrafe geahndet. Sahar ist bereit, ihre Liebe geheim zu halten, sich stetig zu verstecken, nur um mit Nasrin zusammen sein zu können. Doch Nasrin sieht mit Sahar keine Zukunft, obwohl sie ihre Gefühle erwidert. Als sie sich mit einem Mann verlobt, bricht für Sahar eine Welt zusammen. Soll sie nur zusehen, während die Frau, die sie liebt, einen anderen heiratet? Verzweifelt fasst Sahar einen gefährlichen Entschluss. Homosexualität mag im Iran ein Todesurteil sein, Transsexualität ist es jedoch nicht. Ließe sie sich zu einem Mann operieren, könnte Sahar Nasrin sogar heiraten. Wird sie ihre eigene Identität für die Liebe opfern?

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Turhan Boydak – Die Janus Protokolle

„Die Janus Protokolle“

die janus protokolle

Autor: Turhan Boydak

Format: eBook

Seitenzahl: 616

Verlag: dotbooks

Sprache: Deutsch

ISBN: 9783955202804

Genre: Thriller & Realistische Fiktion > Politik & Soziales

ausgelesen am: 21.08.2014

Bewertung:

Über „Die Janus Protokolle“ von Turhan Boydak aus dem eBook-Verlag dotbooks habe ich mich sehr gefreut, weil ich es erstens bei Blogg dein Buch gewonnen habe und es zweitens mein erster Buch – Gewinn überhaupt war. Sonst bin ich nämlich nicht gerade vom Glück geküsst, was Gewinnspiele angeht. Dieser Gewinn ist übrigens auch der Grund, warum ich die Rezension vorziehe, ich habe nämlich eine Deadline, die ich einhalten soll und möchte (aber nicht muss, man kann sie verlängern lassen).
Das Buch selbst war mir schon bei Annika von kathrinsbooklove begegnet, ich wusste also bereits, worum es geht. Annika war ziemlich begeistert, daher bin ich optimistisch an die Lektüre herangegangen.

Der Journalist Jason Bradley ist nur noch ein Schatten seiner selbst: geschieden, abgebrannt, ein wenig verwahrlost. Wäre doch vor 10 Jahren nur nicht die Pulitzer Preis – verdächtige Story seines Lebens geplatzt, an der er mit seinem Kollegen und besten Freund Matthew Scott für die New York Times arbeitete und aufgrund derer sich die beiden unversöhnlich zerstritten. Antriebslos und im Selbstmitleid badend lässt sich Jason dahin treiben – bis zu dem Tag, an dem er erfährt, dass Matt einen tödlichen Autounfall erlitt. Angeblich verschuldete er den Unfall selbst, weil er sturzbetrunken war. Seltsam, denn eigentlich war Matt ein trockener Alkoholiker. Genauso seltsam ist es, dass Matt einen Hinweis für Jason hinterließ, obwohl sie seit Jahren nicht miteinander gesprochen hatten. Woran arbeitete er, bevor er starb? Beschäftige er sich etwa wieder mit ihrer alten Story, die aufdecken sollte, dass einige der größten Internet- und Softwareunternehmen der Welt mit den amerikanischen Geheimdiensten zusammenarbeiten? War Matts Tod vielleicht gar kein Unfall? Jason beginnt erneut zu recherchieren und macht Matts Informanten ausfindig, den Hacker Veritas. Gemeinsam versuchen sie, Beweise für die Vorgänge zu finden, die Matt möglicherweise das Leben kosteten, doch natürlich bleiben ihre Bemühungen nicht unbemerkt…

Ich glaube, hätte ich „Die Janus Protokolle“ vor ein paar Jahren gelesen, wäre ich von der Thematik begeistert gewesen. Doch heutzutage reißen mich Turhan Boydaks Ausführungen nicht mehr vom Hocker. Ich weiß, was der Sputnik-Schock war. Ich weiß, wie das Internet entstand, was Cookies sind und wie brüchig die Illusion von Sicherheit im Netz ist. Auch ist mir klar, dass Daten die Währung unserer modernen Zeit sind. Ich interessiere mich schon ein paar Jahre für all diese Themen und habe Autoren gelesen, die weit tiefer in die Materie eintauchen als Turhan Boydak. In seinem Bemühen, alle möglichen geschichtlichen Ereignisse in sein Werk zu quetschen, ist die Hauptlinie der Geschichte für mich viel zu oberflächlich geraten. Außerdem frage ich mich ernsthaft, wozu er eine Verschwörungstheorie entwickelte. Ist die Realität nicht erschreckend genug? Die Möglichkeit des gläsernen Menschen besteht auch ohne eine Verstrickung der amerikanischen Geheimdienste. Krampfhaft versuchte er, diese Theorie durch Fakten zu untermauern und nennt beispielsweise die Praktik des Quasi-Monopolismus im Internet als Argument. Seine Erklärung wirkt aber nur halbfertig, hat keine richtige Basis und war dementsprechend nicht überzeugend.
Von der Verschwörungstheorie einmal abgesehen, fand ich Boydak auch insgesamt als Thrillerautor nicht sehr beeindruckend. Zwar liest sich der Roman flüssig und der Autor versucht wiederholt, seine LeserInnen auf eine falsche Fährte zu führen und zu verwirren, bei mir hat das nur leider nicht geklappt. Ich wusste immer, wie sich die Handlung weiter entwickeln wird. Keine Überraschungen, fürchterlich vorhersehbar. Das geht soweit, dass es tatsächlich eine „Der Bösewicht verrät den Masterplan“ – Szene gibt, die ich schlicht übertrieben und pathetisch fand.
Ebenso vorhersehbar sind die Figuren. Es gab keinen einzigen Charakter, der mich wirklich packte; sie bleiben alle blass und uninteressant. Besagter Bösewicht ist dabei der Gipfel der Einfallslosigkeit und völlig eindimensional. In einem Thriller für Erwachsene sollte der Antagonist zumindest ein bisschen Tiefe aufweisen um real zu wirken.

Ich bin furchtbar enttäuscht, dass mein erster Buch – Gewinn mir ein so negatives Urteil abzwingt. „Die Janus Protokolle“ ist in vielen Punkten einfach zu gewollt, zu konstruiert und unnatürlich. Ich habe aus diesem Buch nichts mitgenommen, was bei so einem aktuellen Thema schon erstaunlich ist. Auch hat es mich nicht wirklich gefesselt, obwohl haufenweise Personen sterben.
Vielleicht kam Turhan Boydaks Thriller für mich einfach zu spät, vielleicht hätte ich ihn lange vor den „Little Brother“ – Romanen von Cory Doctorow und „The Circle“ von Dave Eggers lesen müssen. Vielleicht hätte er mir gefallen, wenn ich nie auch nur angefangen hätte, mich mit Programmierung und Netzsicherheit zu befassen. Möglicherweise bin ich einfach schon zu tief im Thema drin, um diese Verschwörungstheorie spannend zu finden.
Hätte, würde, könnte. Es ist wie es ist, ich mochte „Die Janus Protokolle“ nicht und kann das Buch auch nicht weiter empfehlen.

 
 

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Dave Eggers – The Circle

„The Circle“

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Autor: Dave Eggers

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 512

Verlag: Vintage

Sprache: Englisch

ISBN: 0804172293

Genre: Thriller & Realistische Fiktion > Politik & Soziales

ausgelesen am: 23.06.2014

Bewertung:

Der Autor Dave Eggers wurde mir wenig subtil von meinem ehemaligen Dozenten in amerikanischer Literatur empfohlen. Ihr hättet dabei sein müssen, als er anfing, von „Zeitoun“ und „The Circle“ zu schwärmen. So ein Leuchten in den Augen sehe ich sonst nur bei einer Person: mir selbst. 😉 Durch den Kurs vertraue ich seinem Urteil vorbehaltslos und wer einen Blick auf meine Wunschliste wirft, wird feststellen, dass „Zeitoun“ noch immer vermerkt ist. Thematisch trifft „The Circle“ für mich voll ins Schwarze, daher war ich maßlos neugierig und habe es als erste Lektüre von Dave Eggers ausgewählt.

Für Mae Holland ist ein Traum wahr geworden: dank ihrer College – Freundin Annie hat sie einen Job in der mächtigsten und populärsten Firma der Welt ergattert. The Circle ist mehr als nur ein Internet – Unternehmen, mit seinen revolutionären Ideen und Entwicklungen betrifft es täglich Millionen Menschen weltweit. Mae geht in The Circle völlig auf und merkt nicht, dass sie sich auf einen gefährlichen Weg begibt. Ihr Leben auf dem Campus der Firma rückt immer mehr nicht nur in ihren Fokus, sondern auch in den der Öffentlichkeit. Selbst als sich ihre Freunde und ihre Familie von ihr distanzieren, bleibt Mae The Circle treu. Während ihr Arbeitgeber das öffentliche Leben entscheidend in eine neue, grenzwertige Richtung lenkt, kommt unvermeidlich der Tag, an dem sie Prioritäten setzen muss. Wird Mae weiterhin zu The Circle stehen oder entscheidet sie sich für ein Leben außerhalb der Firma?

Dieses Buch hat mich völlig verstört und verängstigt. Ich weiß, das sind starke Worte, doch es sind die einzigen, die meine Gefühle treffen. Ich bin sehr froh, dass die Firma The Circle (noch) nicht existiert, denn am Beispiel von Mae beschreibt Dave Eggers erschütternd und eingängig, wie die Zukunft aussehen kann, beobachten wir nicht sehr genau, wie sich die Einflussnahme bestimmter Firmen entwickelt.
Anfangs wirkt Mae wie das einfache, nette Mädel von nebenan; ein bisschen planlos, etwas schüchtern und bis ins Mark beeindruckt von The Circle. Doch während sich die Handlung immer weiter zuspitzt, werden die LeserInnen hautnah Zeuge einer intensiven Gehirnwäsche. Es beginnt so harmlos, die Firma erscheint wie der perfekte Arbeitsplatz. Stück für Stück schleichen sich Szenen ein, die mir einen kalten Schauer über den Rücken jagten: Mae muss sich vor ihren Personalchefs dafür rechtfertigen, dass sie intime Details über den Krankheitsverlauf ihres Vaters (er leidet an Multiple Sklerose) nicht veröffentlicht; ein Kollege ist zutiefst verletzt, weil sie auf seine – nicht berufliche – E-Mail nicht antwortet und beruft eine Beratung mit ihrem direkten Vorgesetzten ein. Mae eignet sich eine beängstigend verdrehte Logik an und findet Entschuldigungen für alle Handlungsweisen ihrer Firma. Gleichzeitig glaubt sie, zu einer perfekteren Version ihrer selbst zu werden, in meinen Augen ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall, ihre schlimmsten Eigenschaften treten zu Tage. Sie verkauft ihre Seele; verlernt den Unterschied zwischen Richtig und Falsch, denn der Zweck heiligt für The Circle alle Mittel. Sie bemerkt nicht einmal die zunehmende Distanz ihrer Eltern und Freunde.
Eggers hat mit „The Circle“ ein Buch geschaffen, das den bitteren Geschmack einer beklemmend realistischen Vorgeschichte einer Dystopie hinterlässt. Ich bewundere seine intelligente Weitsicht, seinen Blick für die Implikationen ursprünglich gut gemeinter Ideen, Erfindungen und Entwicklungen. Dabei ist das gesamte Werk spannend und aufregend; ich würde es als anspruchsvollen Pageturner bezeichnen. Es ist ihm großartig gelungen, sich als männlicher Autor in seine weibliche Protagonistin hineinzuversetzen und sie lebendig wirken zu lassen. Darüber hinaus hat er einen Sinn für subtile, feinsinnige Metaphern und Gleichnisse, die so unaufdringlich daher kommen, dass ich mir diverse Szenen bewusst vergegenwärtigen musste, um sie zu erkennen. Ich glaube, „The Circle“ ist ein Buch, das man wieder und wieder lesen kann und dabei jedes Mal neue Ebenen entdeckt.

Ich nehme unglaublich viel aus „The Circle“ mit, vor allem die Überzeugung, dass wir genau überlegen sollten, in was für einer Welt wir leben möchten. Geheimnisse und die eigene Privatsphäre sind keine Verbrechen an der Allgemeinheit, sie sind unser gutes Recht; niemals dürfen wir uns einreden lassen, es sei anders.
Dave Eggers Thriller ist ein wichtiges, äußerst intelligentes Buch, von dem ich allerdings befürchte, dass es viel zu wenige Menschen lesen werden und gleichzeitig die Parallelen zur Realität erkennen. Es hat mich sehr aufgeregt und war der perfekte Einstieg, um den Autor kennenzulernen.
Ich empfehle es allen LeserInnen weiter, die unsere moderne Zeit kritisch reflektieren und sich über die Vor – und Nachteile des Internet/Computer – Zeitalters bewusst sind oder werden möchten. Seid nicht wie Mae; schluckt und entschuldigt nicht alles, was euch vorgesetzt wird.

 

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Jodi Picoult – Die Macht des Zweifels

„Die Macht des Zweifels“

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Originaltitel: Perfect Match

Autor: Jodi Picoult

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 432

Verlag: Piper

Sprache: Deutsch

ISBN: 3492263151

Genre: Drama & Realistische Fiktion > Soziales

ausgelesen am: 05.03.2014

Bewertung: 

Es gibt Autoren, von denen man als Leser bereits im Voraus weiß, was man erwarten kann. Das kann sowohl gut als auch schlecht sein. Die positiven Fälle enden bei mir schnell damit, dass ich mir Stück für Stück alle Werke des Autors oder der Autorin zulege. Jodi Picoult ist so ein Fall. Ich begann mit ihrem 2009 verfilmten Drama „Beim Leben meiner Schwester“, das sicher viele kennen. Von diesem Buch war ich so begeistert und berührt, dass ich mir drei weitere Romane aus ihrer Feder besorgte. Ich wurde von keinem der Bücher enttäuscht.

„Die Macht des Zweifels“ war nun vorerst der letzte noch ungelesene Jodi Picoult – Roman, der in meinem Regal zu finden ist. In diesem begleitet der Leser die erfolgreiche Staatsanwältin Nina Frost, die zwar ein stressiges, aber glückliches Leben mit ihrem Mann Caleb und ihrem 5 – jährigen Sohn Nathaniel führt. Doch eines Tages verliert Nathaniel von heute auf morgen die Fähigkeit zu sprechen. Nina und Caleb klappern mit ihrem Sohn verschiedene Ärzte ab, bis sich bei einer Psychologin herausstellt, dass das Undenkbare geschehen ist: Nathaniel wurde sexuell missbraucht. Nina ist außer sich; ist sie als Staatsanwältin doch auf die Verurteilung von Sexualstraftätern spezialisiert und weiß um die (Un-)Möglichkeiten des Rechtssystems. Zwischen der Suche nach dem Täter und dem Ringen mit einem unzulänglichen System steht Nina nun nicht mehr als Vertreterin des Staates, sondern als verzweifelte Mutter, die sich die Frage stellen muss, was sie bereit ist zu tun, um ihren kleinen Sohn zu schützen.

Jodi Picoult hat die unglaubliche Fähigkeit, den Leser bereits mit dem ersten Satz in ihre Geschichten hinein zu saugen und ihn/sie nicht mehr loszulassen, bis diese zu Ende erzählt ist. Die Handlung von „Die Macht des Zweifels“ ist von der ersten Sekunde an spannend und fesselnd, weil sie so realistisch ist. Außerdem schildert Picoult die Geschehnisse mit einer beeindruckenden Autorität, so dass ich nie auch nur auf die Idee kam, die Abläufe in Frage zu stellen. Dies wird dadurch unterstützt, dass sie kontroverse Themen generell nie eindimensional betrachtet, sondern sich immer bemüht, alle Seiten ausgewogen zu beleuchten. Sie zeigt die vielen Graustufen einer Welt, die wir allzu gern leichter Hand in schwarz und weiß einteilen möchten. In meinem Fall führte das während der Lektüre von „Die Macht des Zweifels“ dazu, dass ich mich oft selbst dabei erwischte, mich zu fragen, wie ich gehandelt hätte, wäre ich in die gleiche Situation geraten wie Nina. Ich betrachtete die Handlung des Buches nie distanziert; war nie nur Zaungast, sondern fühlte mich in die Ereignisse eingebunden und konnte Verständnis für die Positionen und Meinungen aller Charaktere entwickeln. Darüber hinaus gefiel es mir (wieder einmal) sehr gut, dass Picoult wahre Freude an Perspektivwechseln zu haben scheint, die nicht nur die Charaktere betreffen, sondern auch die Herangehensweise an eine Straftat wie den sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Der Leser erfährt sowohl wie so ein Fall von der Polizei betrachtet wird – welche Vorschriften beispielsweise einzuhalten sind – als auch die Sichtweise des Justizsystems. Doch auch bezüglich der Figuren bietet die Autorin ein breites Spektrum an Identifikationsmöglichkeiten an. Alle Frontdarsteller bekommen durch einen auktorialen Erzähler einen gleich hohen Stellenwert eingeräumt. Die Ausnahme bildet Nina, da sie der einzige Charakter ist, dessen Erlebniswelt aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschildert wird. Die Bindung an sie ist daher am intensivsten; der Leser ist aufgefordert, sich in sie hinein zu versetzen. Das ist problemlos möglich und geschieht fast automatisch; hier zeigt sich meines Erachtens nach Jodi Picoults größte Stärke: sie erschafft sensibel und einfühlsam so tiefe und runde Charaktere, dass ich das Gefühl hatte, sie könnten jederzeit zwischen den Seiten hervor springen. Dementsprechend sind auch die dargestellten zwischenmenschlichen Beziehungen überaus real und lebendig. Die Bindung zwischen Nina und Nathaniel konnte sogar mir, die noch nicht einmal einen Kinderwunsch entwickelt hat, die Gefühle einer verzweifelten Löwin von Mutter nahe bringen. Selbst ich konnte Ninas Entscheidungen und Handlungen nachempfinden und habe mit ihr gefühlt und gelitten.

In meinen Augen liegen Leser mit einem Roman von Jodi Picoult niemals daneben, wenn sie sich sehr realistische, vielschichtige Handlungen und Charaktere wünschen, die zum Nachdenken anregen. In ihrem Schreibstil meine ich einige Parallelen zu Joyce Carol Oates erkannt zu haben; auch in ihren Werken findet sich eine erstaunliche psychologische Tiefe, wenn auch nicht die gleiche sprachliche Eleganz und Fantasie. Ich kann „Die Macht des Zweifels“ dementsprechend nur wärmstens empfehlen; persönlich habe ich bereits direkt nach der Lektüre den nächsten Roman aus Jodi Picoults Feder auf meine Wunschliste gesetzt.

 

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Chuck Palahniuk – Fight Club

„Fight Club“

fight club

Autor: Chuck Palahniuk

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 256 Seiten

Verlag: Goldmann

Sprache: Deutsch

ISBN: 3442542103

Genre: Realistische Fiktion > Soziales & Thriller

ausgelesen am: 17.02.2014

Bewertung:

Den Film „Fight Club“ mit Brad Pitt, Edward Norton und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen hat vermutlich jeder schon einmal gesehen. Ich bilde da keine Ausnahme, ich habe mir den Streifen mittlerweile mindestens 10 Mal angeschaut. Werde ich gefragt, welcher mein Lieblingsfilm ist, fällt mir als erstes immer dieser ein. Dass dieser Film aber nicht einfach nur vom Regisseur David Fincher und einem Drehbuchautoren entwickelt wurde, fand ich erst letztes Jahr heraus. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk, der wiederum aus einer 7-seitigen Kurzgeschichte entstanden ist.

Die Handlung des Romans kannte ich natürlich schon Großteils, denn obwohl Buch und Film nicht identisch sind, bewegten sich die Filmemacher doch sehr dicht an der Vorlage. Der Protagonist führt ein portioniertes, zielloses und rein materialistisch bestimmtes Leben. Seine einzige Ausflucht sind Selbsthilfegruppen tödlich erkrankter Menschen; sie sind der einzige Ort, an dem er sich fallen lassen kann und sich lebendig fühlt, obwohl er selbst gesund ist – nur die Schlaflosigkeit plagt ihn. Bis zu dem Tag, an dem er Tyler Durden begegnet, der sich selbst als kompromisslosen Rebellen am Rande der Gesellschaft sieht. Gemeinsam erschaffen sie den Fight Club; ein Club, in dem sich Männer hemmungslos prügeln können. Doch Tyler will mehr. Aus dem Fight Club wird das Projekt Chaos und der Protagonist findet sich plötzlich in einem gefährlichen Guerillakrieg wieder, mit dem ihn mehr verbindet, als er selbst ahnt. Kann er Tyler die Kontrolle entreißen und zur Normalität zurückkehren?

„Fight Club“ ist eine wirklich großartige Kritik an unserer heutigen Gesellschaft. Chuck Palahniuk spielt mit seinen Lesern ein Spiel, das „Was wäre wenn?“ heißt: was wäre, wenn all die jungen Männer, die niemals eine wahre Chance auf Erfolg und Glück hatten, sich gegen die Gesellschaft wendeten? Was wäre, wenn die Tellerwäscher, Klempner und Poolreiniger dieser Welt entscheiden würden, sich an der Gesellschaft zu rächen? Palahniuk stellt die Wut einer verlorenen Generation zur Schau, deren einziger Lebensinhalt aus Konsum besteht. Sie haben nichts, woran es sich zu glauben lohnt; nichts, worauf sie hoffen könnten und nichts, was ihrem Leben einen Sinn gibt. Und sie sind viele. Was bleibt, wenn alle Verfeinerungen des Lebens keine Erfüllung beinhalten? In Person des Tyler Durden präsentiert der Autor eine Antwort, die schlichter nicht sein könnte: Zerstörung. Zerstörung ist der rote Faden des Romans. Allumfassende, totale Zerstörung, die sich bis auf die Persönlichkeit des Protagonisten ausweitet, der gleichzeitig den Erzähler der Geschichte verkörpert. Ein hochinteressantes Detail des selbigen ist, dass er die ganze Zeit über für den Leser anonym bleibt. Es ist seine Geschichte, doch weder wird sein Name offenbart, noch wird sein Äußeres beschrieben. Er könnte jedermann sein. In meinen Augen wollte Chuck Palahniuk genau dieses Phänomen erreichen; der Protagonist ist im Grunde ein Stellvertreter. Er verkörpert ein Schicksal, das jedem kleinen Angestellten passieren könnte. Tyler hingegen ist der Katalysator für die Unzufriedenheit des Protagonisten. Er lenkt dessen Wut in anarchistische Bahnen und richtet sie gegen diejenigen, die es seines Erachtens nach verdienen. Ihre Abhängigkeitsbeziehung zu einander verdeutlicht auch, dass „Fight Club“ beide Figuren braucht, um als Geschichte zu funktionieren. Im Vorwort meiner Ausgabe gibt der Autor seinem eigenen Roman darüber hinaus noch eine weitere Ebene; er charakterisiert „Fight Club“ als Dreiecks-Liebesgeschichte. Die dafür notwendige dritte Figur ist die morbide Marla Singer. Es ist wahr, dass zwischen den drei Hauptcharakteren eine regelrecht Shakespeare’sche Dreiecksbeziehung besteht: der Protagonist will Tyler, Tyler will Marla und Marla will den Protagonisten. Ich halte es jedoch für ein wenig euphemistisch, „Fight Club“ deswegen als Liebesroman zu bezeichnen. Für mich fand der mehr oder minder romantische Aspekt des Buches ausschließlich am Rande statt. Ich will jedoch nicht bezweifeln, dass „Fight Club“ die Möglichkeit bietet, auf verschiedene Arten (auch von derselben Person) gelesen zu werden. Wenn sich der Blickwinkel während des Lesens verschiebt, tritt die Romanze vielleicht in den Vordergrund. Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich vermute, dass das Buch oft überinterpretiert wird und viele Leser glauben, sie müssten jeden Satz einzeln auseinander nehmen. Das ist nicht nötig meines Erachtens nach. Ich denke, man wird dem Autor damit nicht gerecht. Chuck Palahniuk ist durch seine knackige, scharfe Erzählweise in der Lage, sehr deutlich zu machen, wann der Leser über seine Worte nachdenken sollte und wann er das Gelesene als das akzeptieren sollte, was es ist. Ein Pinguin bleibt eben ein Pinguin, nicht mehr und nicht weniger.

Ich möchte das Buch wärmstens allen empfehlen, die zynische, beißende Gesellschaftskritik mögen und kein Problem damit haben, auch einmal selbst in den Spiegel zu blicken.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - Februar 19, 2014 in Realistische Fiktion, Soziales, Thriller

 

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