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Archiv der Kategorie: Montagsfrage

Montagsfrage: Plus Minus 0

Hallo ihr Lieben! 🙂

Hach, ich bin hin und hergerissen. Letzte Woche erhielt ich eine Mail vom Otherland Buchladen hier in Berlin (spezialisiert auf Fantasy und Science-Fiction), dass sie sich einen neuen Service überlegt haben, um in Corona-Zeiten dennoch die Leseleidenschaft ihrer Kundschaft zu befriedigen, ohne dass diese in den Laden kommen müssen. Man kann bei ihnen Überraschungspakete bestellen und sie sich nach Hause liefern lassen. Ich finde das ja schlicht großartig. Man gibt Vorlieben und einen preislichen Rahmen an und schon kommt frische Literatur ins Haus geflattert. Ich würde das wahnsinnig gern ausprobieren, aber ich mache mir Sorgen, dass ich dafür einfach nicht die richtige Zielgruppe bin, weil es dank meiner gut bestückten Bibliothek durchaus möglich ist, dass mir Bücher geschickt werden, die ich bereits habe. Das wäre ärgerlich. Trotzdem bin ich extrem versucht, es auszutesten, weil ich gern sehen würde, was das Personal vom Otherland anhand meiner Vorlieben für mich auswählt. Ich kann mich nicht entscheiden. Was meint ihr? Soll ich das Risiko eingehen? Help!
Während ihr euch hoffentlich einen guten Rat für mich überlegt, widme ich mich der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Habt ihr im Moment mehr oder weniger Zeit zum Lesen?

Das geht dann heute wohl schnell. Die Antwort lautet weder noch, denn mein Alltag hat sich im Grunde nicht verändert. Wie ich letzte Woche bereits erklärte, gibt es für mich kein Home Office und keinen Corona-Zwangsurlaub, bis ich nicht selbst krank werde. Das ist bisher nicht eingetreten. Toi toi toi. Daher habe ich noch exakt genauso viel oder wenig Zeit zum Lesen wie vor dem Ausbruch, je nach Dienstplan.

Das war es auch schon mit meiner Antwort heute, die ungewohnt kurz ausfällt. Ich weiß wirklich nicht, was ich sonst zu dieser Frage schreiben soll. Aber vielleicht habt ihr ja mehr zu sagen. Und bitte vergesst nicht, mir eure Meinung mitzuteilen, ob ich nun ein Otherland-Überraschungspaket bestellen soll oder nicht. 😉

Wie wirkt sich die aktuelle Lage auf eure Lesezeit aus?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen beschwerdefreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Quarantäne-Lektüre?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Na, genießt ihr alle bereits die Vorteile des Home Office? Ich gebe zu, ein bisschen neidisch bin ich schon. Ich kann erst zu Hause bleiben, sollte ich selbst krank werden. Der journalistische Betrieb muss sich ja weiterdrehen und da meine Position intern als „produktionsrelevant“ gilt, fahre ich weiterhin brav ins Büro. Rein theoretisch wäre Home Office auch für mich möglich, der technische Aufwand wäre allerdings immens, denn das CMS, das wir nutzen, ist ein Monstrum und der Zugriff auf die Server von extern ist fehleranfällig. Da ich außerdem in Echtzeit auf Zuruf arbeite, ist direkte Kommunikation das A und O. Sollten also für den Journalismus weiterhin keine Beschränkungen erlassen werden, ändert sich für mich überhaupt nichts, auch nicht durch das gestern beschlossene Kontaktverbot und nicht einmal, falls es in Berlin tatsächlich zu einer umfänglichen Ausgangssperre kommt. Ich finde es schade, dass gesellschaftlich so gut wie gar nicht anerkannt wird, dass eben nicht nur Krankenpflege, Rettungskräfte, Polizei und der Lebensmittelhandel weiter ganz normal schuften, sondern auch alle, die direkt in journalistische Prozesse eingebunden sind. Ich wünschte, auch uns würde mal dafür gedankt. Ohne unsere Arbeit wüsste niemand, wie die aktuelle Lage aussieht. Ich habe das Gefühl, niemand macht sich bewusst, wie viel Stress das im Moment bedeutet. Die Informationsflut ist extrem. Das heißt, während ihr alle selbst entscheiden könnt, wie viele Nachrichten ihr konsumiert, kann ich das nicht. Auf mich prasselt alles ungefiltert ein und das ist wahnsinnig anstrengend. So anstrengend, dass mir mittlerweile der Humor abhanden kam und ich mich privat nur noch auf Radio-Nachrichten verlasse, weil mir alles andere zu viel ist. Also bleibt mir bitte weg mit Corona-Witzen, Corona-Memes, Corona-Geschichten und überhaupt allem, das mit Corona zu tun hat. Glaubt mir, ich erfahre es früh genug.
Für die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die heute ebenfalls nicht von diesem Thema verschont bleibt, mache ich aber natürlich eine Ausnahme.

Welches Buch hast du zuletzt beendet und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

Ähm… Ist nicht jedes Buch eine gute Quarantäne-Lektüre? Ich verstehe nicht, inwiefern eine Quarantäne andere Anforderungen an ein Buch stellt als der normale Alltag. Quarantäne heißt aktuell ja, entweder zu Hause oder – in ernsteren Fällen – im Krankenhaus festzusitzen. Ich assoziiere damit den täglichen Kampf gegen die Langeweile und dafür wäre mir jedes Buch recht. Natürlich würde ich auch in dieser Situation darauf hoffen, gute Literatur ausgesucht zu haben, aber das wünsche ich mir immer. Ich denke, der einzige Unterschied könnte die Länge des Buches betreffen. Dicke Schmöker eignen sich selbstverständlich hervorragend dazu, genau dann gelesen zu werden, wenn man sowieso nichts anderes tun kann. „Krieg und Frieden“ von Tolstoi stelle ich mir zum Beispiel als die perfekte Lektüre vor, wenn man in einer einsamen Berghütte eingeschneit ist.

So gesehen war mein letztes Buch nicht gerade Quarantäne-ideal. Zuletzt habe ich „Die Fließende Königin“ (Merle-Zyklus #1) von Kai Meyer beendet. Dieser Reihenauftakt ist durch und durch ein Kinderbuch und das schlägt sich eben auch in der Seitenzahl nieder. 271 Seiten mit sehr großer Schrift. Ich war ratzfatz durch. Ignoriert man die Seitenzahl hingegen, ist es nicht die schlechteste Lektüre für eine Quarantäne, weil es kurzweilig ist und von den Leser_innen keinen intellektuellen Aufwand verlangt. Ich würde es dennoch nicht noch einmal auswählen, denn ich musste zähneknirschend einsehen, dass ich mittlerweile wirklich ein bisschen zu alt dafür bin. Mich beschäftigten Fragen, die ein Kind nicht die Bohne interessieren würden, für mich aber bezüglich Atmosphäre und Worldbuilding wichtig sind. Kai Meyer stellt seine Leser_innen oft vor vollendete Tatsachen, was angesichts der Zielgruppe völlig in Ordnung ist – nur gehöre ich schon lange nicht mehr zur Zielgruppe.

Demzufolge würde ich „Die Fließende Königin“ für Erwachsene also nicht als Quarantäne-Lektüre empfehlen, für Kinder, die ja momentan auch alle zu Hause sind, hingegen schon. Doch selbst wenn ich mir nun Corona einfangen und in Quarantäne gesteckt würde, würde ich meine Buchauswahl nicht anders gestalten als jetzt. Ich würde dicken Wälzern vielleicht ein wenig mehr den Vorzug geben, besonders, wenn ich wirklich ins Krankenhaus müsste, aber mehr würde ich nicht ändern.

Eignet sich euer letztes Buch als Quarantäne-Lektüre?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen gesunden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Ausgelutschte Klischees?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Psst. Heute muss ich die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise von Arbeit aus beantworten. Es ist einer der seltenen Montage, an denen ich Frühschicht habe und als die Frage online ging, musste ich bereits los. Es sollte verboten werden, zum Wochenstart so widerlich früh aufstehen zu müssen. Ich hoffe, dass ich den Tag einigermaßen unbeschadet überstehe, denn mir liegen diese zeitigen Schichten absolut nicht. Ich war schon immer eher eine Eule. Trotzdem habe ich heute auch gute Nachrichten zu verkünden: die Rezension zu „A Wayward Angel“ ist endlich fertig und für morgen geplant! Sie ist tatsächlich eine der umfangreichsten Besprechungen, die ich je geschrieben habe, aber ich hatte einfach äußerst viel zu sagen und wollte euch keinen meiner Gedanken vorenthalten. Hin und wieder darf ich eskalieren. 😉 Jetzt wollen wir aber erst mal sehen, was Antonia diese Woche von uns wissen möchte.

Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

Ich stimme Antonia zu, in der Jugendliteratur sind Klischees äußerst weit verbreitet. Allein das berühmt-berüchtigte Liebesdreieck ist ja mittlerweile ein Klischee, das wohl zuletzt zu Shakespeares Zeiten originell war. Vielleicht liegt es daran, dass die junge Zielgruppe diese sich wiederholenden Elemente besonders wertschätzt. Vielleicht an der mangelnden Erfahrung, denn man schnallt ja erst durch eine gewisse Vertrautheit mit dem Genre, dass dessen Geschichten häufig nach Schema F gestrickt sind. Vielleser_innen wie wir, denen das früh auffällt, weil wir Literatur in überdurchschnittlichem Ausmaß konsumieren, sind immer noch die Ausnahme.

Da ich aber schon in meinen Rezensionen auf der mangelden Originalität der Jugendliteratur herumhacke und das vermutlich auch weiterhin tun werde, habe ich mir für heute ein anderes Opfer herausgepickt: Kriminalthriller. In diesem Genre führte der übermäßige Einsatz eines bestimmten Klischees tatsächlich dazu, dass ich es nur noch selten lese und sehr genau darauf achte, was mir Klappentexte zwischen den Zeilen über die inhaltlichen Strukturen verraten. Ich habe nämlich absolut keine Lust mehr auf Workaholic-Ermittler_innen. Ihr kennt sie bestimmt, die Polizist_innen, Patholog_innen, Profiler_innen, Staatsanwält_innen, etc. die folgendes Charakterprofil aufweisen: obsessiv überarbeitet, sozial isoliert, suchtgefährdet, emotional traumatisiert, reizbar, kaum teamfähig, einsam, verbittert, zynisch. Gerade durch diese Eigenschaften ist er oder sie die einzige Person, die sich wirklich in den/die Mörder_in hineinversetzen kann (oft haben sie auch eine gemeinsame Vergangenheit) und ist dadurch letztendlich befähigt, das Katz und Maus – Spiel zu beenden. Es sind vorgebliche Antiheld_innen, deren heroischer Status nie wirklich in Frage gestellt wird.

Mich nervt das tierisch, weil dieses charakterliche Profil zu den immer selben, berechenbaren Szenen führt. Kriege ich beim Lesen eines Klappentextes das Gefühl, dass die Hauptfigur diesem Stereotyp entspricht, weiß ich bereits, dass es sicherlich eine, mehrere oder gleich alle dieser Situationen geben wird:

Option A: Der/die Ermittler_in verbringt eine heiße Nacht mit einem Kollegen oder einer Kollegin. Am nächsten Morgen ist das beiden furchtbar unangenehm, während der/die Kolleg_in allerdings gern versuchen würde, eine tiefere Beziehung aufzubauen, schreckt unsere zynische, verbitterte Hauptfigur davor zurück, weil er/sie basierend auf schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit Vertrauensschwierigkeiten hat.

Option B: Der/die Ermittler_in ist beruflich extrem talentiert und könnte ebenso erfolgreich sein, wäre da nicht das Problem mit der Autorität. Deshalb wurde er/sie nie befördert, hat keine_n Partner_in und eckt immer wieder an. Den aktuellen Fall nimmt er/sie persönlich und verhält sich daher ungesund obsessiv. Im Laufe der Ermittlung überschreitet er/sie Grenzen, wird beurlaubt oder suspendiert, arbeitet aber heimlich trotzdem weiter am Fall.

Option C: Es stellt sich im Laufe der Ermittlungen heraus, dass der/die Täter_in ein Geist aus der Vergangenheit des/der Ermittler_in ist. Höchstwahrscheinlich zielen die Mordfälle ausschließlich darauf ab, seine/ihre Aufmerksamkeit zu wecken, ihm/ihr Angst zu machen und daran zu erinnern, was sie gemeinsam erlebten.

Option D: Der/die Ermittler_in zeigt mehr Feingefühl für die Toten als für die Lebenden. Er/Sie ist oft eklig zu Kolleg_innen und den Menschen in seinem oder ihrem Umfeld, für die Opfer des/der gesuchten Mörder_in hingegen empfindet er/sie großes Mitgefühl und möchte ihnen unbedingt Gerechtigkeit verschaffen.

Option E: Der/die Ermittler_in lebt allein in einer kleinen, spartanisch und unpersönlich eingerichteten Wohnung. Wir sehen ihn/sie dort entweder zwischen leeren Alkoholflaschen oder leeren Tablettenpackungen aufwachen, um sofort zu verstehen, dass er/sie sozial völlig versagt.

Option F: Das große Finale der Geschichte ist der Showdown zwischen Ermittler_in und Mörder_in. Dabei handelt es sich um eine sehr exklusive Veranstaltung, an der nur die beiden und höchstens ein Opfer teilnehmen dürfen. Verstärkung gibt es für den/die Ermittler_in nicht, weil das entweder a) zu lange dauert oder b) der/die Mörder_in droht, das Opfer abzumurksen oder c) niemand erreichbar ist oder d) der/die Ermittler_in die potentielle Unterstützung ohnehin für nutzlose Stümper_innen hält.

Mir würden sicher noch mehr Szenen einfallen, aber ich denke, anhand dieser Beispiele erhaltet ihr einen recht zuverlässigen Eindruck davon, was ich meine. Es hängt mir zum Hals raus. Ich kann für solche Figuren einfach keine Sympathie mehr entwickeln. Eine Parade von Sozialversager_innen drückt sich in meinem Bücherregal herum. Egal, wie motiviert, begründet und gerechtfertigt die Traumata dieser Ermittler_innen sind, es gibt zu viele von ihnen, weil sich zu viele Autor_innen auf diesem Klischee ausruhen, das nur der billige Ersatz einer sorgfältigen Charakterkonstruktion ist.

Welches Klischee hängt euch so richtig zum Hals raus?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen stressfreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage fällt aus

Hallo ihr Lieben 🙂

Die Montagsfrage von Lauter&Leise fällt heute leider aufgrund von Krankheit aus. Gute Besserung, Antonia! Daher wird es hier eine Woche lang ruhig sein, denn die traditionelle Dienstagsrezension muss ebenfalls ausfallen. Ich habe mir wieder mal ein Monstrum herangezüchtet. Die Rezension zu „A Wayward Angel: The Full Story of the Hell’s Angels“ von George Wethern und Vincent Colnett ist deutlich umfangreicher, als ich angenommen hatte. Eigentlich hätte ich mir das denken können, denn Non-Fiction verleitet mich regelmäßig dazu, ellenlange Analysen zu schreiben, aber trotzdem hätte ich nicht erwartet, dass ich länger als eine Woche daran sitzen würde. Ich bitte euch also um Geduld und vertröste euch um eine Woche.

Stellt keinen Unfug an und wir hören uns nächsten Montag wieder!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Alt, Älter, Antike?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben eine Reise gebucht! Entschuldigt, dass ich damit so ohne Vorwarnung herausplatze, aber ich bin immer noch total euphorisch und aufgeregt. Wie ich euch letzte Woche berichtet habe, möchten wir im September wegfliegen, um Chillis ersten Todestag nicht hier verbingen zu müssen. Dafür waren wir letzte Woche zuerst im Reisebüro, was leider kein Erfolg war. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Reisefachfrau verstanden hatte, was ich mir vorstellte und ihre Vorschläge reizten auch unseren preislichen Rahmen bis ans Limit aus. Ich war wahnsinnig enttäuscht. Die Dame behauptete, dass eine Fernreise mit unserem Budget nicht möglich ist, doch ihre Angebote für Kreta, Zypern und Ägypten vermittelten mir nicht die Atmosphäre, die ich mir wünschte. So schön diese Reiseziele sein mögen, ich wollte weder mediterranes Flair noch Wüstenzauber und die gewaltigen Anlagen, die sie uns zeigte, waren mir eindeutig zu touristisch. Wir fuhren heim und entschlossen uns, doch noch einmal selbst im Internet nach möglichen Zielen zu suchen, denn bei meinen Recherchen hatte ich gesehen, dass Fernreisen durchaus auch mit geringerem Preisaufwand realisierbar sind. Zuerst verliebten wir uns in die Malediven. Unglücklicherweise hätten wir damit unsere finanzielle Schmerzgrenze ebenfalls knapp überschritten. Wir ließen die Angebote etwas sacken und ich merkte, dass ich mich damit nicht wohlfühlte. Neuer Anlauf. Plötzlich klickte es. Sri Lanka. Ich fand eine wunderschöne Anlage: Bungalows direkt am weißen Sandstrand, türkises Wasser, grüner Dschungel. Alles, was ich mir ausgemalt hatte, für einen sensationellen Preis. Wir fackelten nicht lange.

Wir fliegen vom 20.09. bis 28.09. nach Sri Lanka! Wer Lust hat, das Hotel zu googlen und sich die traumhaften Fotos anzusehen, es heißt Ranweli Holiday Village. Ich bin so unendlich glücklich, ich platze fast vor Vorfreude. Die Anzahlung haben wir bereits geleistet, mein Urlaub ist auch schon eingereicht und bewilligt – nichts steht unserem Traum noch im Wege. Natürlich müssen wir noch einige organisatorische Punkte abarbeiten, zum Beispiel müssen wir beide einen Reisepass beantragen, aber das sind Details und diese Vorbereitungen machen mir tatsächlich Spaß. Noch 208 Tage.
In 208 Tage passen noch so einige Montagsfragen von Antonia von Lauter&Leise und selbstverständlich will euch auch meine heutige Antwort nicht vorenthalten!

Was ist das älteste Buch, das du je gelesen hast?

Das dürfte bei mir ebenso wie bei Antonia „Antigone“ von Sophokles gewesen sein. Vermutlich antworten heute viele mit diesem antiken Stück, weil es offenbar bundesweit zur Schullektüre zählt. Ich habe in meinem Bücherregal ein Werk, das noch älter ist, aber das habe ich noch nicht gelesen: die „Odyssee“ von Homer, die laut Wikipedia wahrscheinlich zur Wende vom 8. zum 7. Jahrhundert v. Chr. erstmals schriftlich festgehalten wurde. Damit ist sie doch älter als „Antigone“, oder? Ich habe immer Schwierigkeiten, den Zeitstrahl der vorchristlichen Epochen auf die Reihe zu bekommen. Natürlich kenne ich den Inhalt der „Odyssee“ in- und auswendig, weil ich als Kind völlig vernarrt in die griechischen Legenden der Antike war. Ich hatte eine illustrierte Ausgabe für Kinder und habe verschiedene kindgerechte Verfilmungen gesehen. Doch das Original habe ich bis heute nicht gelesen, weil das einfach… Na also mal ehrlich, „Herausforderung“ trifft es nicht mal ansatzweise. Das ist Dichtung. Verse. Übersetzt aus dem Altgriechischen. Ich glaube nicht, dass sie sehr eingängig ist und ich gehe davon aus, dass noch Jahre vergehen, bis ich soweit bin, mich an diesen uralten Text heranzuwagen. Außerdem möchte ich zuvor die „Ilias“ lesen, weil diese ja quasi die Vorgeschichte von Odysseus‘ fantastischer Reise erzählt: sie schildert den trojanischen Krieg. Ich hoffe sehr, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich mich bereit dafür fühle, denn beide Werke stehen auf meiner „Lesen bevor ich sterbe“-Liste.
Es versetzt mich in Ehrfurcht, dass wir diese Werke rund 2.500 Jahre nach ihrem Entstehen noch immer lesen können. Die Tatsache, dass sie Jahrtausende überlebten, bis in die Neuzeit überliefert und erhalten wurden, ist ein Wunder. Das hätten vermutlich nicht mal die ollen Griechen erwartet. Dass ihre Namen sogar heute noch jeder Person, die über ein Mindestmaß an Allgemeinbildung verfügt, ein Begriff sind, ist der Inbegriff eines sensationellen Vermächtnisses. So macht man das mit der Unsterblichkeit.

Den zweiten Aspekt der heutigen Frage kann ich leider nicht beantworten. Antonia schlägt nämlich vor, zusätzlich nachzusehen, welche die älteste Ausgabe ist, die sich in unseren Regalen versteckt. Ich vermute lediglich, dass meine Ausgabe von „Ivanhoe“ verdammt alt ist, weil sie in Frakturschrift verfasst wurde. Leider steht nirgendwo, wann sie erschien. Ich habe bei Wikipedia nachgeschaut, wann Walter Scott von einem gewissen Otto Randolf übersetzt wurde, der auf der ersten Seite vermerkt ist: 1877. Das heißt aber noch lange nicht, dass meine Ausgabe auch tatsächlich 1877 erschien. Gelesen habe ich sie übrigens noch nicht. Das wird auch nicht möglich sein, denn ihr fehlt mindestens eine Seite. Also werde ich mir vermutlich noch ein Leseexemplar zulegen, wahrscheinlich eine Kindle Edition, und die gebundene Ausgabe ihren Ruhestand in meinem Regal genießen lassen.

Außerdem besitze ich eine Ausgabe von B. Emil Königs Sachbuch „Ausgeburten des Menschenwahns im Spiegel der Hexenprozesse und der Autodafes“ in Fraktur, das 1880 erstmals erschien. Auf der ersten Seite ist die Angabe „144. bis 153. Tausend“ vermerkt, was sich möglicherweise auf die Auflage bezieht. Sollte das stimmen, ist dieses Exemplar zumindest älter als die meisten, die mir bei meiner Suche nach einer Jahreszahl in Online-Antiquariaten begegneten. Trotzdem weiß ich noch immer nicht, wann meine Ausgabe erschien. Gelesen habe ich auch diese noch nicht und ich denke auch nicht, dass ich mir die Fraktur antun werde, wenn ich es nicht muss. Vielleicht gibt es davon ebenfalls eine Kindle Edition.

Solltet ihr euch nun fragen, wie diese beiden Bücher eigentlich bei mir landeten, muss ich gestehen, dass es eine frühe Phase in meiner Karriere als Bücherwurm gab, während derer ich in Antiquariaten gerne günstige alte Bücher kaufte, weil ich sie einfach schön fand. Der Inhalt war mir egal. Es ist ein Zufall, dass dadurch mit „Ivanhoe“ ein Stück Weltliteratur bei mir einzog. Ich habe nie nach wertvollen Erstausgaben gesucht, ich wollte einfach nur hübsche Bücher für mein Regal. Also nein, ich habe kein kleines Vermögen für diese alten Schinken investiert und meine Recherchen zeigen, dass beide im Grunde wertlos sind. Zumindest offziell. Für mich haben sie durchaus ihren Wert, weil sie einen langen, langen Weg über (vermutlich) mehr als ein Jahrhundert zurücklegen mussten, um letztendlich in meinen Besitz überzugehen. Ich male mir gern aus, was sie wohl alles erlebten und freue mich, dass ich ihnen als sicherer Hort dienen kann.

Welches Buch ist das älteste, das ihr gelesen habt und/oder besitzt?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Montagsfrage: Illustrierte Pflichtlektüre?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute wird ein guter Tag. Davon bin ich fest überzeugt. Der Lieblingsmensch und ich haben beide frei, denn heute Abend steht ein Konzertbesuch an, auf den wir uns seit Monaten freuen: Tenacious D sind in der Stadt! Es wird garantiert episch, Jack Black und Kyle Gass auf der Bühne zu erleben. Ich bin wahnsinnig gespannt, wie das Konzert abläuft, weil die Alben der Zwei-Mann-Truppe keine Aneinanderreihung von Songs sind, sondern immer eine Geschichte erzählen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie das live umsetzen wollen. Ich bin wirklich neugierig und kann es kaum abwarten, es herauszufinden! Vorher haben wir allerdings noch einen weiteren Termin, der für mich noch wichtiger ist. Wir besuchen ein Reisebüro.

Vor zwei Wochen habe ich entschieden, dass ich Chillis ersten Todestag am 24. September nicht in Berlin verbringen möchte. Ich will nicht hier sein. Schlimm genug, dass ich am 14. Mai irgendwie ihren ersten Geburtstag durchstehen muss, den sie nicht mehr erlebt. An ihrem ersten Todestag möchte ich mich nicht an dem Ort aufhalten, der das Epizentrum meiner Trauer darstellt. Deshalb habe ich den Lieblingsmenschen gefragt, ob wir es hinkriegen, über dieses traurige Datum zu verreisen. Dieser Plan besteht schon lange; noch bevor sie krank wurde, habe ich beschlossen, dass ich nach ihrem Tod (den ich damals noch als weit in der Zukunft liegendes Ereignis einschätzte) verreisen möchte. Ich musste sie wesentlich früher gehen lassen, als ich angenommen hatte, aber das Vorhaben einer Reise möchte ich trotzdem umsetzen. Ich weiß, dass sie das wollen würde. Warmer, weißer Sand, türkises Wasser, leuchtend grüne Vegetation und eine Hütte am Strand. Zeit und Gelegenheit zum Heilen. Ruhe und Frieden. Ich brauche dringend eine Auszeit und meine letzte weite Reise ist… viel zu lange her. Seit Chilli bei mir einzog, war ich nie länger als fünf Tage von ihr getrennt und dann auch nur, um mal ein Festival zu besuchen. Es gab zwischendurch kleine Trips, auf denen sie mich begleitete, zum Beispiel an die Ostsee oder nach Bad Saarow und einmal sogar nach Dänemark, doch im fernen Ausland, für das man in einen Flieger steigen muss, vor Ort dann ausschließlich entspannt und sich verwöhnen lässt, war ich seit über 12 Jahren nicht mehr. Das war okay, ich habe gern für sie verzichtet, um bei ihr zu sein. Aber jetzt, da sie nicht mehr da ist und aus dem Hundeparadies auf mich herunterblickt, nimmt mein Fernweh gewaltige Ausmaße an.

Heute werden wir also herausfinden, wohin es im September gehen könnte. Dass sich etwas Passendes findet, bezweifle ich überhaupt nicht, die Frage lautet eher, wie viele Kompromisse wir eingehen müssen. Schließlich haben wir keinen Goldesel im Keller (wir haben ja nicht mal einen Keller). Zum Glück betreut uns die Reisefachfrau, die meinen Eltern seit Jahren ihre Reisen vermittelt. Folglich sind wir in guten Händen und ich glaube ganz fest daran, dass die Dame alles tun wird, um uns so viele Wünsche zu erfüllen, wie möglich. Ich bin richtig aufgeregt. Es fühlt sich unglaublich gut an, aktiv daran zu arbeiten, diesen Traum wahr werden zu lassen. Wir brauchen das. Wir verdienen das.

Bevor wir uns nachher unseren Reiseplänen widmen und uns am Abend die Socken von den Füßen rocken lassen, möchte ich aber auch heute die aktuelle Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise beantworten!

Welche Bücher mit Illustrationen im Mittelpunkt des Werkes sollten in keinem Bücherregal fehlen?

Da bin ich überfragt. Ich habe Bilderbücher irgendwann hinter mir gelassen und bin nie zu ihnen zurückgekehrt. Das ist keineswegs abwertend gemeint, ich erkenne voll und ganz an, dass Graphic Novels, Mangas, Comics usw. eine Kunstform sind, die vielen Menschen glückliche Stunden beschert. Ich will damit ausdrücken, dass sich mir das Konzept des Bilderbuchs spätestens mit Eintreten meiner Pubertät nicht mehr erschloss und ich nie wieder einen Zugang fand. Auch die Formulierung „Bilderbuch“ nutze ich komplett wertungsfrei und unabhängig von der gebräuchlichen infantilen Konnotierung, ich finde nur kein passenderes Wort, um all die Untergattungen zusammenzufassen, die Bilder und Zeichnungen dominant verwenden. So viel zur Begrifflichkeit. Weiter im Text.

Als ich ein Kind war, hatte ich viele Bilderbücher. Die meisten davon haben die Jahre sogar überlebt und fristen ihr Dasein nun im Ruhestand. Meine Mutter hat mir erst kürzlich erklärt, dass diese Bücher an mein Alter angepasst waren: je älter ich wurde, desto mehr Text enthielten sie, bis Illustrationen nicht mehr im Vordergrund standen und ich mich selbst zu Büchern beförderte, die gar keine Bilder mehr enthielten. Parallel dazu konsultierte ich aber immer noch Zeitschriften wie die Micky Maus oder die Wendy und verschlang Ausgaben des Lustigen Taschenbuchs. Ich ahne, wann das aufhörte. Ich erinnere mich an eine Schlüsselszene, in der ich auf meinem Bett in meinem Zimmer saß, gerade „Der Greif“ von Wolfgang und Heike Hohlbein las und eine Spannung empfand, die ich vorher noch nie erlebt hatte. Ich glaube, diese Situation war der entscheidende Moment. Seitdem jage ich diesem Gefühl nach. Selbst heute noch hoffe ich bei jeder neuen Lektüre, dieses Gefühl zu finden. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Da es ein Buch ohne Bilder und Illustrationen war, das mir diesen Rausch der Emotionen bescherte und ich diesen in all meinen Comics nie erfahren hatte, nahm ich wohl an, dass Comics nicht dazu fähig sind, ihn auszulösen. Es war keine bewusste Entscheidung, illustrierte Literatur links liegen zu lassen, es war ein Nebenprodukt dieser einen lebensverändernden Lektüre, die ich unbedingt wiederholen wollte. Also griff ich fortan ausschließlich zu Büchern ohne Bilder und Begegnungen mit Literatur wie „Harry Potter“, der wenig später die Bühne betrat, gaben mir Recht.

Wenn ein Buch heute durch Illustrationen bereichert wird, freue ich mich, aber ich suche nicht gezielt nach illustrierten Ausgaben. Nach Comics, Graphic Novels und Mangas schon gar nicht. An Mangas bin ich ohnehin nie herangekommen und Schmucksausgaben empfinde ich als Geldschneiderei. Ich denke, ich habe verlernt, Comics zu lesen. Vor Jahren habe ich in unserem Badezimmer ein Spider-Man-Comicbuch deponiert. Ihr wisst schon, für den Fall, dass es mal länger dauert. 😉 Normalerweise brauche ich das gute Stück nicht, denn ich nehme so gut wie immer mein aktuelles Buch mit, wenn ich Richtung Badezimmer tapse. Es ist mehr eine Versicherung, die Langeweile verhindern soll. Neulich trat genau diese Situation ein und ich war dankbar, dass Spider-Man dort für den Notfall liegt. Ich begann zu lesen, musste aber schnell feststellen, dass ich die Balance aus Text und Bildern nicht mehr so richtig hinbekam. Ich konzentrierte mich fast ausschließlich auf den Text. Die Leichtigkeit, mit der ich früher Comics konsumierte, ist mir abhandengekommen, weil ich die Fähigkeit dazu seit Jahren nicht mehr trainiert habe. Ich bin sicher, würde ich wieder bewusst anfangen, Comics oder auch Graphic Novels zu lesen, käme diese Leichtigkeit zurück, doch ich bezweifle stark, dass das passiert. Alles, was ich beim Lesen suche, finde ich in Büchern ohne Bilder. Warum sollte ich davon abweichen?

Laut meiner Weltanschauung gibt es also kein Buch, das Illustrationen in den Mittelpunkt stellt, das man gelesen haben muss. Mag sein, dass ich mir damit ein ganzes Universum guter Literatur verwehre. Aber da ich das nicht weiß, kann ich glücklich und unwissend weiterleben, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen.

Welche Bücher mit Illustrationen sind eurer Meinung nach Pflichtlektüre?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen traumhaften Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
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Montagsfrage: Schriftstellerische Zusammenarbeit?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Am Freitag habe ich meinen Reread des zweiten Bandes von Steven Eriksons „Malazan Book of the Fallen“ beendet. „Deadhouse Gates“ nahm mich genauso mit wie bei der ersten Lektüre. Es ist ein fantastisches Buch, das eine unheimlich tragische, aufwühlende Geschichte erzählt und einen dieser Tode enthält, die nachwirken, die man nie vergisst. Ich wusste ja, was kommt und doch habe ich wieder reichlich Tränen vergossen. Für mich hat sich dieser Reread aber nicht nur aufgrund der intensiven Szenen gelohnt, sondern auch grundsätzlich. Ich habe das Gefühl, meine Aufmerksamkeit tiefer liegenden Details widmen zu können, weil ich die oberflächliche Handlung bereits kenne. Kleinigkeiten, die ich beim ersten Mal übersah oder denen ich nicht die Bedeutung beimaß, die sie vermutlich auf lange Sicht haben, kann ich jetzt die Beachtung schenken, die sie verdienen. Meine Gedanken schlagen neue Richtungen ein. Ich beobachte diesen Prozess mit Spannung und bin sehr neugierig, wohin Erikson mich führen wird. Es war absolut richtig, noch einmal von vorn zu beginnen, das fühle ich bis in meine Knochen.
Jetzt seid ihr aber bestimmt erst mal neugierig auf die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, also will ich euch nicht länger auf die Folter spannen!

Welche Autor_innen-Kollaboration wäre euer Traum?

Ich bin ja ein großer Fan der Maxime „Never touch a running system“. Deshalb bin ich nicht sicher, ob es tatsächlich eine gute Idee wäre, Autor_innen, die ich einzeln großartig finde, miteinander zu verpaaren. Für eine schriftstellerische Kollaboration muss vor allem die Chemie zwischen den Beteiligten stimmen, um eine ausgeglichene Zusammenarbeit zu gewährleisten, die die Kreativität beflügelt. Ich traue mich nicht so richtig, zu beurteilen, bei welchen Autor_innen das der Fall sein könnte. Immer wieder lese ich davon, dass Schreiben ein einsamer Job ist (obwohl natürlich jedes Buch, das es in die Buchhandlungen schafft, ein Gemeinschaftsprojekt von Autor_in, Verlag, Lektor_in, usw. ist) und erst vor kurzem habe ich irgendwo den Satz aufgeschnappt, dass alle Schriftsteller_innen eines gemeinsam haben: sie können wunderbar Zeit allein verbringen. Ich glaube, dass es deshalb vielen schwerfiele, ihre Routine als Einzelkämpfer_innen zu durchbrechen und es nur wenige Kollaborationen gibt, die erfolgsversprechend sind. Terry Pratchett und Neil Gaiman, die Antonia erwähnt, sind ein Positivbeispiel, da passte es offenbar wie die Faust aufs Auge. Ich denke allerdings, dass das selten ist und habe Schwierigkeiten, mir ähnlich sinnvolle Kombinationen vorzustellen.

Mein erster Gedanke ging natürlich in Richtung High und Low Fantasy. Aber wenn ich mir zum Beispiel eine Zusammenarbeit von Joe Abercrombie und Mark Lawrence ausmale, sagt mein Bauch mir unmissverständlich, dass das eine blöde Idee ist. Obwohl ich ihre Bücher jeweils hervorragend finde und diese gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, habe ich das untrügliche Gefühl, dass sie sich im Falle einer Kollaboration ständig streiten würden. Ich halte beide für konsequente, willensstarke Autoren, die sich trotz aller Kritikfähigkeit ungern reinreden lassen. Außerdem plottet und plant Lawrence niemals, sondern setzt sich einfach hin und schreibt, was vermutlich für jede_n seiner Kolleg_innen schwierig wäre.
So empfinde ich das bei den meisten Autor_innen dieses Genres. Irgendwie denke ich, dass sich High und Low Fantasy für eine schriftstellerische Zusammenarbeit nicht so recht anbieten. Wer sich eine ganze Welt mit eigenen Regeln und Gesetzen ausdenkt, wacht wahrscheinlich ziemlich eifersüchtig über diese Schöpfung. Dennoch gibt es eine Kombination, die ich mir sehr fruchtbar vorstelle, obwohl ich bezweifle, dass sie funktionieren kann. Ich glaube, dass Peter V. Brett von der Emotionalität und Ästhetik von N.K. Jemisin profitieren würde. Jemisin schreibt äußerst feminine High Fantasy, die Leidenschaft, philosophische Tiefe und eine ausgeprägte visuelle Ästhetik fokussiert. Da mir Peter V. Bretts „Demon Cycle“ teilweise distanziert erschien, als empfände er sich lediglich als Chronist, der mit den Ereignissen, die er schildert, nichts zu tun hat, glaube ich, dass ihm ihr weiblicher Einfluss guttäte. Ich weiß jedoch, dass Brett… Na ja, er ist ein Kontrollfreak, der exzessiv plant und ein mehrere Gigabytes umfassendes Dossier besitzt, in dem er jedes Detail seines fiktiven Universums minutiös auflistet und beschreibt. Das wirkt für mich nicht, als wäre er offen für externen Input, der über das Lektorat hinausgeht.

Ich kam zu dem Schluss, dass ich in eine andere Richtung denken musste und landete bei Joyce Carol Oates. Oates gehört zweifellos zu meinen Lieblingsschriftsteller_innen. Sie schreibt eindringliche Geschichten, die sich oft am Rande von gesellschaftlichen Tabus bewegen und zeigt dabei eine Einfühlsamkeit, die ihresgleichen sucht. Vermutlich sind ihre Bücher gerade deshalb nicht immer leicht zugänglich. Manchmal muss ich mich sehr anstrengen, um zu verstehen, was sie mir sagen will. Das ist natürlich an sich nicht negativ und garantiert beabsichtigt, aber hin und wieder wünsche ich mir, sie wäre etwas… expliziter. Daher stelle ich mir eine Zusammenarbeit von Joyce Carol Oates und Jodi Picoult äußerst erträglich vor. Jodi Picoult empfinde ich als „Oates light“. Sie bearbeitet ähnliche Themen und demonstriert dabei eine ähnliche psychologische Tiefgründigkeit, schreibt allerdings deutlich leichter und leserfreundlicher. Zusammen könnten sie Bücher schreiben, die zugänglich und bedeutsam sind. Picoult würde darauf achten, dass ihr Manuskript nicht allzu abstrakt gerät, Oates würde das literarische Gewicht beisteuern. Klingt für mich vielversprechend.

Vielleicht denke ich bei dieser Frage aber auch immer noch zu konventionell. Vielleicht fallen mir total verrückt wirkende Kombinationen, die exzellente Geschichten hervorbringen könnten, einfach nicht ein. Keine Ahnung, zum Beispiel Stephen King und Laini Taylor. Oder Laurell K. Hamilton und John Green. Markus Heitz und Sebastian Fitzek. Letztere Kollaboration könnte möglicherweise wirklich funktionieren. Ich glaube, ich bin diesbezüglich echt ein bisschen festgefahren. Lustigerweise bin ich sicher, dass ich so einer abgedrehten Kollaboration sogar eine Chance geben würde, weil ich neugierig wäre, was die beiden Schriftsteller_innen zusammen fabrizieren. Ich komme zwar selbst nicht drauf, bin aber durchaus offen für Experimente.

Welche schriftstellerische Kollaboration wünscht ihr euch?

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