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Let’s talk about… Gender in der Urban Fantasy: Sie wollte es, er konnte nicht anders – Vergewaltigungsmythen

Logo Gender in der Urban Fantasy

 

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute führen wir gemeinsam die Let’s talk about… – Reihe Gender in der Urban Fantasy weiter. Es hat ein wenig länger gedauert als geplant, weil das aktuelle Thema doch um einiges komplexer und umfangreicher ist, als ich angenommen hatte. Vor zwei Wochen haben wir entspannt und relativ locker begonnen, indem wir uns fragten, was an Vampiren in der Young Adult Urban Fantasy eigentlich so attraktiv ist (HIER). Das Thema dieser Woche ist definitiv schwieriger und für einige sicher harter Tobak: wir beschäftigen uns mit Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy bzw. Paranormal Romance. Dafür möchte ich euch das Paper „Rape Myths‘ Twilight and Women’s Paranormal Revenge in Romantic and Urban Fantasy Fiction“ (2014) von Kristina Deffenbacher vorstellen.
Doch bevor wir starten, muss ich sicherstellen, dass ihr die Basis ihrer Arbeit kennt und versteht.

Einerseits geht es um die Gender Rollen, die mit einer Vergewaltigung einhergehen. Laut Lynn Higgins und Brenda Silver sind die Thematik der Vergewaltigung und die Möglichkeit, dass eine Person vergewaltigt wird, zentral für die Konstruktion von Gender Identität. Demzufolge kann man davon sprechen, dass Vergewaltiger tendenziell eher durch das männliche Gender charakterisiert sind (selbst wenn es keine Männer sind), während Opfer eher das weibliche Gender aufweisen.
Andererseits ist es sehr wichtig, dass ihr begreift, was Vergewaltigungsmythen überhaupt sind. Ich kannte diesen Ausdruck vor meiner Recherche zu diesem Thema auch nicht, deswegen habe ich einfach Wikipedia bemüht und dort nach einer Definition gesucht. Der entsprechende Artikel definiert den Vergewaltigungsmythos als „Bagatellisierung sexualisierter Gewalt“, das heißt, er bezeichnet die verdrehte Vorstellung, Frauen wollten von Männern sexuell überwältigt werden, weshalb eine Vergewaltigung nach dieser Logik weder eine Gewalttat noch strafbar wäre. Er entschuldigt Täter und beschuldigt Opfer, daher spricht man in diesem Zusammenhang auch von „Täter-Opfer-Umkehr“ oder „Victim blaming“. Diese Mythen sind deshalb so gefährlich, weil sexuelle Gewalt von Männern gegen Frauen geleugnet, verharmlost und gerechtfertigt wird. Typische Sätze sind zum Beispiel „Sie wollte es“ und „Er konnte einfach nicht anders“. Letzterer zielt darauf ab, Männern unkontrollierbare Triebhaftigkeit zu unterstellen, die sie von der Verantwortung für ihre Taten frei spricht. (Wikipedia Artikel)

In den 70er und 80er Jahren waren romantische Romane populär, in denen die Protagonistin von einem Mann gewaltvoll genommen wird, ganz nach dem Prinzip „Er vergewaltigt sie, bis sie ihn liebt“. Heutzutage ist Vergewaltigung gesellschaftlich nicht akzeptiert, weswegen diese Romane (zu Recht) in der Versenkung verschwanden. Trotzdem erlebt die Erzählung der „erzwungenen“ oder „aufgezwungenen Verführung“ eine Wiederbelebung im literarischen Genre der Urban Fantasy bzw. der Paranormal Romance. Lustigerweise gibt es einige moderne UF-Heldinnen, die sich deutlich von den Heldinnen der Vergangenheit distanzieren und eine klare Linie zwischen lustvoller sexueller Unterwerfung und der Unterwerfung des Willen ziehen. Im zweiten Mercy Thompson – Band „Blood Bound“ von Patricia Briggs findet sich beispielsweise folgendes Zitat:

„I thought I was immune to the stupid dominance/submission thing, immune to the Alpha’s power. I’d just had a very visceral lesson that I was not. I didn’t like it. Not at all. If Jesse hadn’t come in, I would have surrendered myself to Adam, like some heroine from a 1970s series romance, the kind my foster mother used to read all the time. Ick.“
(„Blood Bound“ 93, Deffenbacher 924)

Tempest RisingEine ähnliche Stelle gibt es in „Tempest Rising“ von Nicole Peeler, Band eins der Jane True – Serie, in der sich Jane über den Buchgeschmack ihrer Erzfeindin Linda auslässt:

„[Linda] liked a very particular kind of plot: the sort where the pirate kidnaps some virgin damsel, rapes her into loving him, and then dispatches lots of seamen while she polishes his cutlass. Or where the Highland clan leader kidnaps some virginal English Rose, rapes her into loving him, and then kills entire armies of Sassenachs while she stuffs his haggis […] I hated to get Freudian on Linda, but her reading patterns suggested some interesting insights into why she was such a complete bitch.“
(„Tempest Rising“ 12, Deffenbacher 925)

Was wir hier erleben, ist, dass den LeserInnen in diesem Jane-True- bzw. Mercy-Thompson-Roman eine klare Grenze zwischen der Urban Fantasy und den Vergewaltigungsromanzen der 70er und 80er Jahre vermittelt wird. Diese Differenzierung gibt LeserInnen ein gutes Gefühl, selbst wenn ihnen die Unterwerfungsdynamik im Sexualleben der Heldinnen gefällt. Selbstverständlich sind die Grenzen niemals so klar, einfach und sauber.

Vergewaltigungsmythen sind in der Urban Fantasy aufgrund der Idee möglich, dass Supras wie Vampire, Werwölfe, etc. eine vorbestimmte Lebensgefährtin haben, die sich gegen die Anziehungskraft des übernatürlichen Mannes nicht wehren kann. Im Gegensatz zu traditionellen Vergewaltigungsromanzen ist es dementsprechend nicht der Held, der verantwortlich ist, sondern das übernatürliche Element. Dabei ist es genau dieses Fehlen der Verantwortung des Helden (wenn er sich der Heldin sexuell aufzwingt aufgrund des Einflusses einer übernatürlichen Macht außerhalb seiner Kontrolle), das fundamentale Vergewaltigungsmythen verschleiert und verstärkt. Die Urban Fantasy bietet einen Rahmen für versteckte Vergewaltigungen, denn hier kann man sie leugnen. Der Held ist natülrich nicht selbst verantwortlich; er ist getrieben vom instinktiven Erkennen seiner vorbestimmten Verbindung mit der Heldin. Sogar Stephenie Meyer, Autorin der Twilight-Saga, ist nicht bereit, anzuerkennen, dass Bellas Entscheidungen durchaus von Edwards manipulativem Verhalten beeinflusst sein könnten:

„Twilight saga author Stephenie Meyer, responding to feminist concerns about the dangers of her heroine’s ‚choices‘ (such as Bella’s acceptance of Edward despite his stalking, kidnapping and manipulative control of her), asserts that »this is not even realistic fiction, it is a fantasy with vampires and werewolves, so no one could ever make her exact choices«; Meyer insists that »Bella is constrained by fantastic circumstances« – not Edward (Meyer).“
(Deffenbacher 925)

Na? Ergeht es euch wie mir, als ich das Paper zum ersten Mal las? Wollt ihr Kristina Deffenbacher nicht glauben?
Das ist überhaupt nicht schlimm. Ich war anfangs auch sehr skeptisch. Schauen wir uns doch mal eine Szene aus „A Hunger Like No Other“ (Immortals After Dark #2) von Kresley Cole an. Die Heldin dieses Romans ist Emmaline Troy, vorbestimmte Seelenverwandte des Helden und Werwolfs Lachlain MacRieve. Lachlain schreckt nicht einmal davor zurück, Emmaline zu jagen, nachdem er sie entdeckte:

„A vicious growl sounded. Her eyes widened, but she didn’t turn back, just sprinted across the field. She felt claws sink into her ankle a second before she was dragged to the muddy ground and thrown onto her back. A hand covered her mouth, though she’d been trained not to scream. »Never run from one such as me.« Her attacker didn’t sound human. »You will no‘ get away. And we like it.« […] »Don’t do this! Please…« When her last word ended with a whimper, he seemed to come out of a trance, his brows drawing together as his eyes met hers, but he didn’t release her hands. He flicked his claw down her blouse and sliced it and the flimsy bra beneath open, then slowly brushed the halves past her breasts. She struggled, but it was useless against his strength.“
(„A Hunger Like No Other“ 9-11, Deffenbacher 925-926)

Trotz ihres offensichtlichen Widerwillens und ihrer Angst kann Emma letztendlich selbstverständlich nicht widerstehen und A Hunger Like No Otherdas, obwohl Lachlain sie im weiteren Verlauf entführt, wiederholt bedroht und in jeder möglichen Form verletzt und vergewaltigt, von direkter Penetration einmal abgesehen. Auf der Website der Autorin (und auf Goodreads) wird diese Beziehung übrigens als langsame, sündhafte Verführung bezeichnet.
Viele LeserInnen dieses Romans scheinen sich trotz der gewalttätigen Elemente völlig auf das übernatürliche Band zwischen den beiden zu konzentrieren, was die Frage nach Emmalines Zustimmung offenbar überflüssig macht und Lachlain von seiner Verantwortung frei spricht. Das übernatürliche Element dient als Schutz vor dem Vorwurf der Vergewaltigung und gleichzeitig als Medium für die alten Geschichten, besonders für „Sie wollte es, egal, was sie sagt“ und „Er konnte einfach nicht anders“. Daraus folgt, dass in manchen modernen UF-Romanen das Paranormale die Vergewaltigung als Teil der männlichen Biologie des Helden bagatellisiert. Er wird von der „Natur“ seiner Spezies getrieben, die von ihm verlangt, seine instinktiv erkannte Seelenpartnerin sexuell für sich zu beanspruchen. Nach dieser Logik ist es das einzigartige, übernatürliche Band zwischen Held und Heldin, das dafür sorgt, dass es keine Vergewaltigung ist, selbst wenn sie sich anfangs wehrt oder sträubt. Es ist biologisch motivierter Sex, der von übernatürlicher Genetik bestimmt wird.
Auch begegnet uns in diesen Romanen erneut das Konzept des hypermaskulinen Helden, der (in diesen Fällen) von seinen raubtierhaften sexuellen Instinkten angetrieben wird.

Zusätzlich wird der Held oft als Beschützer oder „Versorger“ dargestellt, im Kontrast zur traditionellen Vorstellung des Vergewaltigers als Fremden, der in dunklen Straßen lauert. Das nächste Beispiel. an dem Deffenbacher diese Theorie illustriert, wird wohl vor allem denjenigen unter euch missfallen, die begeisterte Fans der Black Dagger Brotherhood – Reihe von J.R. Ward sind. Im ersten Band „Dark Lover“ befindet sich die Heldin Beth unwissend mitten in der Verwandlung zur Vampirin, wodurch sie unkontrollierbar erregt und sexuell empfänglich ist. Der hypermaskuline Held ist der Vampir Wrath (was auf Deutsch übrigens „Zorn“ bedeutet), der Beth beschützen soll. Er bricht in Beth‘ Haus ein und nutzt ihren Zustand wissentlich aus, bzw. die „rohe animalische Chemie“ zwischen ihnen, obwohl sie fürchterliche Angst vor ihm hat. Wrath ist aber natürlich kein Vergewaltiger, jedenfalls nicht nach Darstellung der Autorin, denn sie kontrastiert ihn mit zwei menschlichen „richtigen“ Vergewaltigern, die Beth kurz vor ihrem Aufeinandertreffen mit Wrath in einer dunklen Gasse abwehrt. Gegen Wrath wehrt sie sich nicht.
Sogar Edward Cullen brauchte diese Abgrenzung zu „wirklichen“ Vergewaltigern, denen Bella – wie könnte es anders sein – in einer dunklen Gasse begegnet, damit sein nächtliches Eindringen in Bellas Haus (um sie beim Schlafen zu beobachten – fand ich damals schon creepy) weniger bedrohlich und weniger wie Stalking wirkt.
Was moderne Helden der Urban Fantasy letztendlich am meisten von „echten“ Vergewaltigern unterscheidet, ist die rückwirkende Zustimmung der Heldin. Der Verlauf der Geschichte sorgt dafür, dass die Heldin die vorbestimmte Verbindung zu ihrem Helden erkennt und ihre Zustimmung dadurch im Nachhinein gibt. Das macht diese Zustimmung natürlich nicht echt (wenn man so will), es ist eher ein Eingeständnis, dass der Held schon vor ihr erkannte, was sie wirklich will und braucht. Diese Herangehensweise ist der Grund, warum Romane dieser Art das Thema der Vergewaltigung nie wirklich los werden und wiederbelebten Vergewaltigungsmythen einen Rahmen bieten.

Glücklicherweise gibt es allerdings auch andere Urban Fantasy – Romane, in denen eine Vergewaltigung nicht dazu dient, die Hypermaskulinität des Helden zu etablieren und die übernatürliche Verbindung zwischen Held und Heldin darzustellen. Stattdessen betonen diese Geschichten die Spannungen und die Themen von Macht, Stärke und Zustimmung in den romantischen Beziehungen der Heldinnen. Auf Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung reagieren Heldinnen wie Jane True oder Miranda Grey (Shadow World – Reihe von Dianne Sylvan) mit Queen of Shadowseiner Annäherung an ihre eigene Fähigkeit und/oder Bereitschaft zur Gewalt. Die Veränderung in diesen Heldinnen und in ihren Beziehungen bieten eine Sicht auf Gender Identität, die nicht von Vergewaltigung oder der Möglichkeit zur Vergewaltigung definiert ist. In der UF nutzen AutorInnen das Übernatürliche, um soziale Möglichkeiten abzubilden, die noch nicht ganz von dieser Welt sind.
Jane und Miranda sind anfangs nicht gerade Kriegerinnen; sie kennen ihre Stärke nicht und glauben nicht an ihren Wert. Sie wissen zwar von ihren „abnormalen“ Fähigkeiten, können diese aber weder verstehen noch kontrollieren sie sie – sie werden eher VON ihnen kontrolliert.
Janes Mutter war ein Selkie, deshalb hat auch Jane Wasserfähigkeiten. Miranda hingegen kann die Gefühle anderer wahrnehmen und sie mit ihrer Musik manipulieren. Beide Fähigkeiten sind traditionell mit Weiblichkeit assoziiert, sowohl die Affinität zu Wasser als auch die endlose Empathie ohne Selbstgefühl. Als sie der Gewalt einer Vergewaltigung ausgesetzt sind, entdecken beide Frauen das Ausmaß ihrer Fähigkeiten und lernen, sie als Waffe einzusetzen. Dabei ist ihre Transformation allerdings kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess, im Gegensatz zu beispielsweise Rosalie aus der Twilight-Saga, die direkt nach einer Gruppenvergewaltigung von einem Vampir verwandelt wird, ihre Stärke erkennt und ihre Vergewaltiger dann spektakulär ermordet. Weder Jane noch Miranda werden von einem anderen in ihre neue Form gebracht; stattdessen begreifen sie ihr übernatürliches Potential, während sie sich selbst zu Kriegerinnen entwickeln.

Beide Heldinnen sind Hybride, nicht nur aufgrund ihres menschlichen und übernatürlichen Erbes, sondern auch aufgrund ihrer kulturell erworbenen femininen Identität einerseits und ihrer neu entdeckten Fähigkeit und Bereitschaft zur Gewalt andererseits. Die Unvereinbarkeit dieser beiden Hälften ihres Seins ist die wahre Herausforderung und zeigt, welche psychologische Arbeit sie bewältigen müssen, um diese Hälften in Einklang zu bringen. Das geht so weit, dass Jane True manchmal sogar von zwei verschiedenen Janes spricht (sie ist nicht die erste und einzige UF-Heldin, die das tut). Das Ausbalancieren ihrer beiden Seiten gelingt ihnen nur, weil sie ihre Fähigkeit und Bereitschaft zur Gewalt begrüßen und dafür Teile ihrer kulturell erworbenen Weiblichkeit aufgeben, ohne ihre Menschlichkeit einzubüßen. Sie müssen die Aspekte ihres Daseins ablegen, die darauf bestehen, dass sie nicht in der Lage sind zu kämpfen und sich Gewalt unterwerfen müssen: ihre Passivität und ihre Selbstzweifel. Dementsprechend ist der innere Konflikt der UF-Heldinnen auch nicht als Kampf zwischen Menschlichem und Paranormalem anzusehen, sondern als Kampf zwischen verinnerlichten Hemmungen und natürlichen, angeborenen Fähigkeiten.

Obwohl die inneren Schranken einer Urban Fantasy – Heldin mit kulturell erworbener Femininität assoziiert werden, ist das Freisetzen ihrer Macht und Stärke trotzdem kein Zeichen von Männlichkeit. Das heißt, die Heldin macht sich nicht Männlichkeit zu Nutze, sondern entwickelt eine ganz und gar weibliche Form von Gewalt und Rache. Deffenbacher zitiert an dieser Stelle Judith Halberstam, die überzeugt ist, dass diese Darstellung von Frauen, die Gewalt gegen Männer ausüben, nicht einfach eine männliche Strategie der Aggression nutzt; stattdessen transformiert die feminine Gewalt die symbolische Funktion des Femininen innerhalb der Popkultur und fordert gleichzeitig das vorherrschende Bestehen auf die Verbindung von Macht und Recht mit dem Maskulinen heraus.

Urban Fantasy – AutorInnen nutzen das Paranormale, um die Aspekte der Natur ihrer Heldinnen zu repräsentieren, die mit ihrer femininen Identität in der menschlichen Gesellschaft nicht kompatibel sind. Darüber hinaus erschaffen sie eine alternative Welt, in der diese Natur auch ausgelebt werden kann. Da die Welt dieser Erzählungen unserer Welt bis auf wenige, offensichtliche Punkte ähnelt, suggerieren die wiederkehrenden Geschichten von Kriegerinnen, die mit Vergewaltigung konfrontiert werden und sie überleben, eine Realität, in der starke Frauen Vergewaltigern mutig entgegen treten und sie erfolgreich bekämpfen, was gleichzeitig auch den Kampf und Sieg über die Vergewaltigungskultur (Rape Culture, s. Wikipedia-Artikel) selbst impliziert. Dass AutorInnen die UF nutzen, um diese Möglichkeit darzustellen, betont die Strukturen und Ansichten der modernen Gesellschaft, die ihre Realisierung verhindern.
Sogar Charlaine Harris‘ warmherzige, „kultivierte“ Protagonistin Sookie Stackhouse hat eine gewalttätige Seite, die sie akzeptieren muss, um sich selbst und andere zu schützen; die sie aber in der menschlichen Welt und Gesellschaft geheim halten und verstecken muss, weil sie dort keine Akzeptanz erwarten kann. Ähnlich ergeht es ihrer Kollegin Kennedy, die wegen Totschlags eines Mannes im Gefängnis saß und deswegen von den meisten Menschen gefürchtet und gemieden wird. Sookie hingegen freundet sich mit Kennedy mehr oder weniger problemlos an.

A secret RageIn einem anderen Roman aus Harris‘ Feder, „A Secret Rage“, nutzt sie das Übernatürliche, um die sehr realen Grenzen einer zur Gewalt fähigen weiblichen Identität auszuloten. Die Heldin Nickie Callahan und ihre Freundinnen Mimi und Barbara entscheiden sich zu kämpfen, als sie auf den Mann treffen, der Nickie vergewaltigt hat und nun auch Mimi und eine weitere Frau angreift. Tatsächlich hätten sie ihn wohl getötet, wäre Nickies Freund Cully nicht dazugekommen. Er überzeugt die Frauen, den Vergewaltiger gehen zu lassen. Sie nehmen ihm sein Auftauchen und seine Einmischung übel, ebenso wie seine Ablehnung ihrer Tat. Trotzdem äußern sie dieses Gefühl gegenüber den Männern in ihren Leben nicht, die ihrerseits vor allem von Nickie und ihrer weiblichen Gewalt abgestoßen und geschockt sind. Da sie den Vergewaltiger während des Kampfes biss, wird sie von ihnen als „Vampirin“ bezeichnet. Wir sehen, die übernatürlichen Figuren der Gewalt stehen für die Aspekte von Frauen, die die sonst unterstützenden Männer in ihren Leben nicht akzeptieren können. Wie oft haben wir schon gehört, dass eine Frau als „Furie“ bezeichnet wurde, weil sie wütend und gewalttätig reagierte?

„Mimi’s boyfriend will »certainly never see Mimi in the same light again« (195), and the novel closes with Cully unable »to live with seeing [Nickie’s] mouth all bloody« (196), unable to kiss her on the mouth (198).“
(Deffenbacher 933)

Am Ende von „A Secret Rage“ rückt die Unfähigkeit der realen Welt in den Vordergrund, mit einer weiblichen Identität umzugehen, die die Fähigkeit und Bereitschaft zur Gewalt einschließt und den Gender-Erwartungen heterosexueller Romantik widerspricht.
Obwohl auch UF-Heldinnen oft mit dem Konflikt zwischen ihrem Unwillen, sich dem Willen anderer (speziell Männer) zu unterwerfen und ihrer Lust an sexueller Unterwerfung kämpfen, widerstehen hybride Heldinnen letztendlich den Gender-Erwartungen, um ihre wahre Natur auszuleben. Oft finden sie sogar wahre Liebe in Männern, die ihre Stärke und Macht zu schätzen wissen. Diese Geschichten von starken Kriegerinnen und Männern, die ihre Stärke respektieren, helfen uns, uns eine Gesellschaft vorzustellen, die so noch nicht existiert. Eine Welt, in der Frauen ihre Stärken kennen, an ihren Wert glauben und keine oberflächlichen, Angst-getriebenen Annahmen über ihre Fähigkeiten und Sicherheit verinnerlichen.

Zusammengefasst bescheinigt Kristina Deffenbacher der Urban Fantasy also zwei sehr gegensätzliche Erzählstränge, die zum Teil sogar im gleichen Buch auftauchen:
Einerseits werden wohl bekannte Vergewaltigungsmythen wiederbelebt, basierend auf der Annahme, dass zwischen dem übernatürlichen Held und der Heldin eine vorbestimmte Seelenverwandtschaft besteht, die jegliches aggressives sexuelles Verhalten seinerseits ohne ihre Zustimmung entschuldigt und rechtfertigt.
Andererseits erwacht eine paranormale Heldin durch den Gewaltakt einer Vergewaltigung, die sie ihr Potential erkennen lässt. Auf diese Weise entwickelt sie sich zu einer hybriden Kriegerin, die aggressiv und gewalttätig weibliche Rache an ihren Vergewaltigern und der Vergewaltigungskultur selbst nehmen kann.

Puh. Einmal kurz durchatmen, was? Ich sagte ja, harter Tobak. So skeptisch und ungläubig ich bei der ersten Lektüre von Kristina Deffenbachers Paper war, bin ich mittlerweile doch der Meinung, dass sie Recht hat, obwohl ich kaum eines der Bücher, die sie erwähnt, gelesen habe. Es hat mich schockiert, wie oft Gewalt gegen Frauen in der Urban Fantasy thematisiert wird, auch in den Romanen, die ich bereits gelesen habe, ohne dass ich es bewusst bemerkt oder mir deren Bedeutung vor Augen geführt hätte. Da stellt man sich die Frage: Ist das wirklich nötig? Braucht die Urban Fantasy Gewalt gegen Frauen, um erfolgreich zu sein? Ich kann diese Frage leider nicht beantworten.
Aber ich kann euch zeigen, welche Szenen aus welchen Büchern mir zu diesem Thema eingefallen sind und welche Richtung meine eigenen Gedanken einschlugen.

Zuerst möchte ich über Merit sprechen, die Heldin der Chicagoland Vampires – Reihe von Chloe Neill. Die Serie beginnt im Grunde ansatzlos mit Merits Verwandlung in eine Vampirin. Sie wird angegriffen, als sie eines Nachts über den dunklen Campus ihrer Universität läuft (sie ist Doktorandin) und gegen ihren Willen gebissen. Sie wäre gestorben, wäre nicht Ethan Sullivan rechtzeitig erschienen und hätte sie zur Vampirin gemacht. Danach wird sie von ihm zur Hüterin des Hauses Cadogan ernannt und entwickelt sich in einem rasanten Tempo zur furchtlosen Kriegerin.
Erkennt ihr das Muster? Es läuft fast genauso ab, wie Deffenbacher es beschrieben hat. Der einzige Unterschied zu Jane True und Miranda Grey: Merit wird nicht vergewaltigt. Oder doch?5653-chicagoland-vampires-1-frisch-gebissen
Vielleicht habt ihr schon einmal von der Theorie gehört, dass der Biss eines Vampirs durchaus als sexuelle Handlung angesehen werden kann. Die Symbolik ist sogar recht offensichtlich: der meist männliche Vampir dringt in sein zumeist weibliches Opfer ein, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Oftmals geht damit konkrete Erotik einher; das Opfer empfindet ebenso Lust wie der Vampir, weil der Vampir mit seinen speziellen manipulativen Fähigkeiten dafür sorgen kann.
In der Chicagoland Vampires – Serie wird der Vampirbiss deutlich in einen sexuellen Kontext gesetzt, weil Merit und Ethan sich später als Liebespaar beim Sex gegenseitig beißen. Sie integrieren es in ihr Liebesspiel und erleben dabei eine sehr intime, besondere Nähe. Dementsprechend bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Angriff auf Merit am Anfang der Serie definitiv als Vergewaltigung bezeichnet werden kann. Ihr wird gegen ihren Willen und ohne ihre Zustimmung eine sexuelle Handlung aufgezwungen. Sie wird gewaltvoll genommen.
Tatsächlich glaube ich, dass Merit sogar zwei Vergewaltigungen erlebt: zuerst der Biss des Fremden, der ihr im Dunkeln auflauert und sie zum Sterben zurücklässt und danach die Verwandlung durch Ethan Sullivan, um ihr das Leben zu retten. Die (meiner Meinung nach) zweite Vergewaltigung ist subtiler, weniger deutlich, doch ich glaube in ihr genau das zu erkennen, was Deffenbacher meint, wenn sie von „versteckten“ Vergewaltigungen spricht. Ethan wirkt als Retter, als derjenige, der Merits Tod verhindert, besonders, weil er klar von dem ersten Angreifer abgehoben wird, der der traditionellen Vorstellung eines Vergewaltigers entspricht (ein Fremder, der im Dunkeln lauert). Nichtsdestotrotz verwandelt er sie ebenfalls gegen ihren Willen und ohne ihre Zustimmung. Merit wird nicht gefragt, ob sie es vorzöge, zu sterben, statt Vampirin zu werden. Im weiteren Verlauf des Buches prägt die Entscheidung, die Ethan für Merit getroffen hat, ihre gesamte weitere Beziehung, denn Merit ist anfangs fuchsteufelswild deswegen. Ich kann mich nicht erinnern, dass das Wort Vergewaltigung jemals gefallen wäre, doch ich bin sicher, dass Chloe Neill andere Ausdrücke fand, um ihren LeserInnen zu vermitteln, dass sich Merit vergewaltigt fühlte. Selbstverständlich akzeptiert Merit Ethan später als ihren Retter und äußert eine rückwirkende Zustimmung zu der Verwandlung/Vergewaltigung, denn sie findet in ihm die große Liebe ihres (nunmehr unsterblichen) Lebens. Ethan selbst wartet wohl schon seit Jahrhunderten auf eine Frau wie Merit. Ihre Beziehung scheint vorherbestimmt. Ich denke, es läuft auf genau das hinaus, was Kristina Deffenbacher als Wiederbelebung der Vergewaltigungsmythen ansieht.

Ich denke, der schwierigste Fall ist die Anita Blake – Reihe von Laurell K. Hamilton, mein All-Time-Favorite. Anita ist definitiv eine hybride Heldin, die, entgegen der Theorie von Kristina Deffenbacher, bereits erwacht war, bevor die LeserInnen sie kennenlernen. Natürlich entwickelt sie sich im Verlauf der Serie weiter und erlebt sehr viel Gewalt, aber sie war schon dazu fähig, sich äußerst aggressiv zu verhalten und konnte auch ihre Fähigkeiten als Nekromantin kontrollieren und verstehen, bevor die LeserInnen in ihre Geschichte einsteigen. Was Anita in Bezug auf Deffenbachers Ausführungen als einen sehr komplizierten und komplexen Charakter kennzeichnet, ist, dass sie beides ist: Vergewaltigungsopfer und Vergewaltigerin.
Auch ihr werden aggressive sexuelle Handlungen aufgezwungen. Beispielsweise trägt sie die Zeichen des Vampirs Jean-Claude nicht freiwillig, daran erinnere ich mich. Dummerweise ist die Reihe bereits jetzt so lang und die Lektüre für mich so lange her, dass ich kaum noch weiß, WAS genau in Anitas und Jean-Claudes Beziehung nun alles freiwillig war und was nicht. Das Problem ist hier auch, dass Jean-Claude ein außergewöhnlich manipulativer Charakter ist, der vor wenig zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Fakt ist, ich bin überzeugt, dass Anita schon sehr viel gegen ihren Willen angetan wurde. Sicher war nicht alles sexueller Natur, doch durch die insgesamt sehr erotische Entwicklung der Serie gehe ich davon aus, dass sich solche Situationen in den letzten Bänden gehäuft haben.
IAnita_Blake_Circus_of_the_Damned_-_The_Scoundrel_Vol_1_3_Textlessnteressanter ist in Anitas Fall sowieso, dass sie parallel auch als Vergewaltigerin agiert und hier ganz genau die gleichen Mechanismen greifen, die Deffenbacher anderen modernen UF-Romanen mit einem männlichen, übernatürlichen Helden bescheinigt. Ob sie die Männer kennt oder nicht, ob sie sie liebt (oder zumindest mag) oder nicht – Anita zwingt sich in den neueren Bänden gefühlt so ziemlich jedem männlichen übernatürlichen Wesen auf, das ihr begegnet. Die Männer werden nie gefragt, ob sie Sex mit ihr möchten. Sie nimmt sich einfach was sie braucht und will, notfalls mit Gewalt. Selbstverständlich ist auch Anita nicht selbst dafür verantwortlich; in ihrem sehr speziellen Fall ist es die Ardeur, der unstillbare Hunger nach Lust und Leidenschaft, die sie dazu treibt, sich so zu verhalten. Die Ardeur ist eine Macht, die sie von Jean-Claude durch die Zeichen bekam, weshalb Anita große Probleme hat, sie zu akzeptieren und sie dementsprechend auch (noch) überhaupt nicht kontrollieren kann. Sie ist zu einer Art Succubus mutiert. Ich erinnere mich überdeutlich an eine Szene, in der die Ardeur Anita unvorbereitet packt und sie den unterwürfigen Werleoparden Nathaniel in ihrem Büro überwältigt. Oder eine Szene, in der sie den Vampir Damian zurück in sein untotes Leben holt, indem sie mit ihm mitten auf dem Boden ihres Hauses vor den Augen aller Anwesenden schläft (wobei „mit ihm schlafen“ nicht der richtige Ausdruck ist für das, was Anita mit ihm anstellt). Damian ist bereits viel zu geschwächt, um seine Zustimmung zu geben.
Laurell K. Hamilton vermittelt ihren LeserInnen niemals, dass die Männer nicht mit Anita schlafen wollten, das sollte gesagt werden. Vielleicht kann man deswegen nicht tatsächlich über Vergewaltigungen seitens Anita sprechen, aber für mich ist das fast schon hinfällig, weil die permanente Begeisterung, die Anitas Sexualpartner zu empfinden scheinen, ebenfalls ein gefährliches Gender Klischee ist. Noch nie hat ein Mann zu ihr gesagt „Ich will nicht mit dir schlafen“ oder „Ich kenne dich gar nicht, deswegen will ich nicht mit dir in die Kiste“ oder „Du bist nicht mein Typ“. Hamilton stellt Männer stereotyp dar: sie können und wollen immer Sex haben, besonders mit Anita, die auf das männliche Geschlecht zwar unwiderstehlich wirkt, in ihrem Inneren aber eigentlich furchtbar konservativ ist.
Damit noch nicht genug, wird es auch sehr interessant, wenn wir uns Anitas Liebesbeziehungen widmen, speziell ihrer Beziehung mit dem Werwolf Richard. Laut Kristina Deffenbacher ist es für die hybride Heldin oft sehr schwer, einen Mann zu finden, der ihre Stärke akzeptiert und zu schätzen weiß. Nicht selten gipfelt das darin, dass sie sich einen übernatürlichen Partner aussucht. Richard ist zwar ein Werwolf, hält aber sehr stur an seiner Menschlichkeit fest, als Anita ihn kennenlernt. Ihre Beziehung geht einige Zeit gut, doch als es zu Rivalitäten in Richards Rudel kommt, drängt sie ihn, seine vorbestimmte Rolle als Alpha endlich anzuerkennen. Nach diversem Heck-Meck erklärt sich Richard notgedrungen dazu bereit. Als der Kampf mit dem aktuellen Alpha-Wolf unvermeidlich ist, erlebt Anita diesen sozusagen live und in Farbe mit, durch eine Verbindung, die Jean-Claude auslöste. Sie sieht, was Richard sieht, fühlt, was Richard fühlt. Der Kampf endet für Richard erfolgreich, allerdings gibt es da einen Brauch unter Werwölfen, der Anita im wahrsten Sinne des Wortes nicht schmeckt: der alte Alpha-Wolf wird vom Rudel gefressen. Sie erlebt auch dieses Ereignis mit und ist so angeekelt und abgestoßen, dass sie sofort in die Arme von Jean-Claude flüchtet. Die Beziehung zu Richard ist in diesem Moment mehr oder weniger beendet.
Später kommt die Möglichkeit einer zweiten Chance für Anita und Richard als Paar noch einmal auf den Tisch. Dieses Mal ist es jedoch nicht Anita, die diese Option ausschließt, sondern Richard. Er kommt nicht damit zurecht, dass Anita kalt und skrupellos töten kann. Versteht ihr, in Anitas und Richards Beziehung ging es von Anfang an um die Frage, wer von ihnen beiden das schrecklichere Monster ist.
Während ich hier sitze und meine Gedanken zu Anita Blake in Bezug auf die Gender-Frage niederschreibe, bekomme ich den Eindruck, dass diese Serie fast einen eigenen Artikel verdient. Anitas außergewöhnliche Rolle als Vergewaltigungsopfer und Vergewaltigerin könnte daran liegen, dass sie laut einem Paper von Sara Södergren keine wahre weibliche Heldin ist. Sie ist, um es grob auszudrücken, ein Held mit Brüsten, weil sie sich auf eine maskuline Helden-Reise begibt. Wir behandeln dieses Thema im nächsten Beitrag und vielleicht bekommt Anita tatsächlich noch einen eigenen Artikel, das überlege ich mir noch. 😉

Dieser Beitrag ist zwar bereits jetzt sehr lang, doch trotzdem möchte ich euch noch zwei Beispiele nennen, die mir durch den Kopf geistern und keine Ruhe lassen. Habt noch ein wenig Sitzfleisch, bald ist es geschafft. 😀

Die nächste Heldin, die mir einfiel, ist Jane Yellowrock aus der gleichnamigen Serie von Faith Hunter. Aus dieser Reihe habe ich bisher zwei Skinwalker - Fluch des BlutesBände gelesen, erinnere mich aber nur an den zweiten Teil, weil die Lektüre des ersten einfach zu lange her ist. Doch auch in „Fluch des Blutes“ (zur Rezension geht es HIER lang) gibt es eine Szene, die mir unnötig aggressiv und sexuell erscheint. In dieser sitzt Jane mit George Dumas, Diener des Vampirs Leo Pellissier, in einer Limousine auf dem Weg zu einer Vampirparty, um Nachforschungen zu Janes aktuellem Fall anzustellen. Natürlich ist Jane entsprechend heraus geputzt. George möchte Jane mit einem Taschentuch abreiben, auf dem Tropfen des Blutes seines Meisters sind, um sie mit dessen Duft zu markieren, was ihr in einem Haus voller Vampire ein Mindestmaß an Schutz böte. Jane lehnt ab, weil es suggerieren würde, dass sie Leos Geschöpf ist und ist darüber hinaus überzeugt, sich selbst ausreichend schützen zu können. George setzt sich darauf hin über ihren ausgesprochenen Willen hinweg, wirft sich auf sie und ringt sie nieder, um sie mit dem Taschentuch abreiben zu können. Daraus entwickelt sich eine entschieden erotische Szene, die von der Autorin wohl als Ausdruck der vorher bereits bestehenden sexuellen Spannung zwischen Jane und George gedacht ist. Was sie allerdings vergaß, ist, dass Jane sich selbst verboten hatte, mit George näher anzubändeln, eben weil er für Leo arbeitet. Hätte er ihr das Taschentuch nicht aufzwängen wollen, wäre es vermutlich niemals zu dieser Situation gekommen. Natürlich ist es maximal eine „Beinahe“-Vergewaltigung und vielleicht bin ich auch zu streng, aber die Situation ist nun mal eindeutig sexuell und wäre nicht passiert, hätte George Janes Wünsche und ihren Willen respektiert. Urteilt selbst.

Der letzte Fall ist sehr kompliziert; ich weiß bis jetzt immer noch nicht, wie ich ihn einordnen soll. Der Punkt, der eine Beurteilung so schwierig macht ist, dass der Protagonist ein Mann ist. Genauer gesagt: Atticus O’Sullivan im zweiten Band der Iron Druid Chronicles von Kevin Hearne, „Hexed“.Hexed
Atticus hat einen Fan in der göttlichen Welt. Die Morrigan steht so sehr auf ihn, dass sie ihn eines Tages zu Hause besucht und mit ihm ein Schäferstündchen verbringt. Sex ist für die Morrigan keine kuschelige, liebevolle Angelegenheit; eher ist es Krieg. Atticus weiß das und hat dementsprechend keine Lust darauf. Er beugt sich jedoch ihrem Willen, weil er auch weiß, dass eine Weigerung noch viel schlimmer wäre. Danach sieht er aus, als hätte er mit einem besonders aggressiven und schweren Waschbären gerungen. Blaue Flecken, blutige Striemen. Spaß war das nicht.
Eigentlich kann man Kristina Deffenbachers Theorie auf diese Szene nicht anwenden, weil wir es mit einem männlichen Protagonisten zu tun haben. Demzufolge sind die Gender Beziehungen im Buch sowieso völlig anders. Aber… es ist eine Vergewaltigung, oder nicht? Vergleichbar mit der Frau, die sich ihrem Mann notgedrungen hingibt, weil sie weiß, dass er sie sonst halb tot prügelt. Das Rechtssytem beginnt ja gerade erst zu begreifen, dass fehlende Gegenwehr nicht zwangsläufig bedeutet, dass es sich um einvernehmlichen Sex handelt. Atticus sagt deutlich, dass er sich nur darauf einlässt, weil die Konsequenzen noch schmerzhafter und möglicherweise tödlich wären.
Vielleicht könnt ihr mir ja helfen, diese Szene einzuordnen. Ich weiß wirklich nicht, was ich damit anfangen soll.

Ich bin Feministin und habe Spaß an Romanen wie der Anita Blake – Reihe, obwohl dort Gewalt gegen Frauen auf (für mich) erschreckende Weise genutzt wird. Ich glaube nicht, dass ich diese Bücher nicht lesen darf, weil sie meiner Vorstellung von ausgewogenen Gender Rollen widersprechen. Aber ich denke durchaus, dass es wichtig ist, dass ich nun weiß, was ich vor Augen habe, lasse ich mich auf so eine Geschichte ein. Für mich geht es beim Feminismus nicht darum, irgendjemanden daran zu hindern, einen Roman genau so zu schreiben, wie er oder sie ihn für richtig hält. Das ist auch nicht die Absicht dieses Artikels. Es geht mir darum, zu begreifen, welche Mechanismen in diesen Büchern zum Tragen kommen und inwieweit die Darstellung einer fiktiven Welt die Realität mit all ihren Verhältnissen, Erwartungen, Vorurteilen aber auch Möglichkeiten abbildet. Es ist stets das Vorrecht der Kunst, die Wirklichkeit zu portraitieren und ihr gegebenenfalls den Spiegel vorzuhalten.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich AutorInnen wie Stephenie Meyer, Laurell K. Hamilton oder Chloe Neill beim Schreiben dachten „Ich konstruiere diese Szene so und so, weil ich damit genau diese Gender Relation ausdrücken kann“. Doch gerade das macht es ja so interessant. Ich schätze, in den seltensten Fällen machen sich UF-AutorInnen darüber Gedanken, welche sexuelle und/oder romantische Gender Dynamik sie entwickeln. AutorInnen greifen auf das zurück, was sie kennen oder was sie sich wünschen. Wie sie selbst gern wären oder in welchem Licht sie Frauen und Männer sehen möchten. Ist es nicht spannend, dass sie in einer eindeutig fiktiven Welt sehr reale Umstände darstellen, obwohl sie das gar nicht müssten? Niemand verbietet ihnen, die Gender Rollen zum Beispiel einmal komplett umzudrehen, eine vollständig matriarchalische Gesellschaft zu konstruieren und Männer als verständnisvoll, liebevoll, unterstützend und vor allem nicht als aggressiv zu beschreiben. Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einem Werwolf-Gen, das sich ausschließlich auf Frauen vererbt? Aber sie tun es nicht. Stattdessen vermitteln sie das, was ihnen selbst und ihren LeserInnen bekannt ist: eine Welt, in der Gewalt gegen Frauen zum Alltag dazu gehört. Das gibt mir doch arg zu denken, weil es eine bestimmte sozio-kulturelle Prägung impliziert, die zeigt, dass unsere Gesellschaft lange nicht so weit vorangekommen ist, wie ich es manchmal glauben möchte. Es ist nicht allein die Schuld der AutorInnen, dass sie Szenen schreiben, in denen Frauen brutal vergewaltigt, geschlagen und getötet werden. Es ist unser aller Schuld. Wir formen die Gesellschaft in der wir leben möchten. Es liegt in unser aller Hand, etwas zu verändern.

So. Wow. Geschafft. Ich bitte um Applaus. 😀 Nein, Spaß beiseite, jetzt seid ihr an der Reihe. Ich weiß, ich verlange viel von euch, wenn ich euch jetzt auch noch auffordere, euch zu dem Thema zu äußern. Aber mich haben Kristina Deffenbachers Ausführungen wirklich sehr aufgewühlt (daher der pathetische Abschluss) und ich wüsste einfach gern, ob ihr ähnlich empfindet.

Was haltet ihr von Kristina Deffenbachers Theorie?

Fallen euch Szenen aus der Urban Fantasy ein, die nach einem der Schemata ablaufen, die sie beschrieben hat? Seid ihr vielleicht der Meinung, das ist alles bloß großer Quatsch? Könntet ihr euch einen Urban Fantasy – Roman vorstellen, in dem gar keine Männer auftauchen?
Jeder Gedanke ist es Wert, dass ihr ihn hier niederschreibt. Es gibt wie immer keine richtigen oder falschen Antworten und Meinungen; Let’s talk about… ist ausdrücklich als Austausch gedacht. Ich freue mich sehr darauf und bin bereit, mich von euch inspirieren zu lassen. Erweitert meinen Horizont! 🙂

Auch das Paper von Kristina Deffenbacher kann ich euch als PDF anbieten, falls es jemand lesen möchte. Meldet euch bei mir, wenn Interesse besteht.
Im nächsten Artikel wird es um die Reise des Helden bzw. der Heldin gehen und um die Frage, ob wir es in der Urban Fantasy tatsächlich mit richtigen Heldinnen zu tun haben oder ob tough heroines wie Anita Blake, Rachel Morgan und Kitty Norville nicht doch eher Helden mit Brüsten sind. Und jetzt:

Let’s talk about… Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy!

Alles Liebe,
Elli

Bildquellen:
1. „Tempest Rising“ von Nicole Peeler
2. „A Hunger Like No Other“ von Kresley Cole
3. „Queen of Shadows“ von Dianne Sylvan
4. „Frisch gebissen“ von Chloe Neill
5. Anita Blake
6.„Hexed“ von Kevin Hearne

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Let’s talk about… Gender in der Urban Fantasy: Mein perfekter untoter Freund

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute möchte ich mit euch eine neue Beitragsreihe unter dem Banner „Let’s talk about..“ beginnen, in der wir uns gemeinsam intensiv mit dem Thema Gender in der Urban Fantasy beschäftigen werden. Bereits vor Monaten habe ich begonnen, dazu zu recherchieren und musste dann schnell einsehen, dass das Thema viel zu umfangreich ist, um es in einem einzelnen Post zu besprechen. Also habe ich mir überlegt, dass wir uns am besten mit jedem Artikel, den ich zu dem Thema ausfindig machen konnte (und vielleicht noch machen werde), einzeln auseinandersetzen.
Heute beginnen wir sanft und relativ locker, indem wir der Frage nachgehen, was Vampire als Partner vor allem im Young Adult Bereich so begehrenswert macht. Was fasziniert uns an den Untoten und warum sind wir bereit, sie als Liebhaber junger Frauen im Teenageralter zu akzeptieren?
Dafür stelle ich euch ein Paper von Ananya Mukherjea von 2011 vor, das den Titel „My Vampire Boyfriend: Postfeminism, ‚Perfect‘ Masculinity, and the Comtemporary Appeal of Paranormal Romance“ trägt. Ich möchte diesen Artikel nicht bloß zusammenfassen, sondern werde auch ein paar eigene Gedanken einfließen lassen, bevor ich im Anschluss versuchen möchte, Mukherjeas Theorie auf die Young Adult Urban Fantasy Bücher zu übertragen, die ich bereits gelesen habe.
Seid ihr bereit für ein bisschen Wissenschaft? Dann los! 😀

Das zentrale Thema in Young Adult Urban Fantasy Romanen ist die Liebe zwischen einer jungen Mädchen-Frau (diese Bezeichnung wird nachher noch klarer) im Highschool-Alter und einem bluttrinkenden Jungen-Mann, der Schmerzen leidet bei dem Versuch, keine Menschen zu töten oder seine Liebste nicht in einen Vampir zu verwandeln. Meist wird die große Erste Liebe romantisiert und idealisiert dargestellt; die LeserInnen begeben sich in eine Welt des jugendlichen Überschwungs, jugendlicher Begeisterung und jugendlicher Attraktivität. Vermittelt wird die zugrundeliegende Idee, dass die Liebe zu einer besonders reinen, „guten“ jungen Frau auch einen im Wesentlichen extrem „bösen“ oder „schlechten“ Mann zu retten vermag. Um zu verstehen, was an diesen Beziehungen so anziehend ist, müssen wir uns zuerst einmal ansehen, wie die Persönlichkeiten, aus denen sich das literarische Paar zusammensetzt, charakterisiert sind.

Vampires-vampires-32618086-422-450Die herausragendste Eigenschaft von Vampiren wie Edward aus der Twilight-Reihe ist wohl ihre allumfassende Dualität. Man kann sie getrost als wandelnd Widersprüche bezeichnen, denn sie bündeln Qualitäten, die zum Teil sehr gegensätzlich sind. Sie sind jung und gleichzeitig alt, vereinen ein jugendliches Äußeres mit dem, was man wohl eine „alte Seele“ nennen kann: der Erfahrung und Weisheit des Alters. LeserInnen müssen beide Altersangaben anstandslos und vorbehaltlos akzeptieren können, denn andernfalls droht die beschriebene Beziehung, in die Perversion abzurutschen. Schließlich sprechen wir hier über Altersunterschiede von mehreren hundert Jahren.

Darüber hinaus ist das jugendliche Äußere des Untoten in der Regel außerordentlich attraktiv und begehrenswert. Nicht nur die Heldin der Geschichte sehnt sich nach dem Vampir, sondern auch ihre Freundinnen, die Mädchen an ihrer Schule und nicht selten bemerken es auch ältere (weibliche) Bezugspersonen. Er hingegen interessiert sich ausschließlich für die Heldin, obwohl er an jeder Hand 10 Frauen haben und ein eigenes Mode-Magazin verlegen könnte. Auf diese Weise wird die Heldin im Kopf der LeserInnen zu einer einzigartigen, prominenten und wichtigen Persönlichkeit, die einfach etwas Besonderes sein MUSS, weil er für sie schwärmt. Ihrer eigenen Ausstrahlung und Wirkung auf Männer ist sie sich (noch) nicht bewusst; sie vermittelt einen jungfräulichen, naiven und unschuldigen Eindruck.

Sein tatsächliches Alter lässt den Vampir wie einen dunklen Gentleman aus einer anderen Zeit erscheinen: reich und sozial dominant bietet er der in der Entwicklung begriffenen Heldin altmodische, aber stabile Gender Rollen und Erwartungen, die ihrer eigenen Situation oft krass entgegen gesetzt sind. Sie selbst weiß meist noch gar nicht, welche Rolle sie verkörpern möchte und was sie von sich selbst erwartet. In ihrer Beschreibung unterscheidet sie sich oft stark von ihren Altersgenossinnen. Sie ist weniger cool, weniger selbstbewusst, eher still und zurückhaltend, eben einfach „anders“ als die Anderen. Der daraus entstehenden Unsicherheit steht der Vampir gegenüber, der durch sein wahres Alter bereits gewissermaßen einen „abgeschlossenen“ Entwicklungsstand erreicht hat. So kann sich die Geschichte primär oder sogar vollständig auf ihre Entwicklung konzentrieren. Der Vampir befindet sich in einer Lage, in der er die Entwicklung und Selbstfindung seiner Heldin unterstützen kann, die mit den verwirrenden Möglichkeiten und Erwartungen der Welt kämpft, um ihre eigene Weiblichkeit zu definieren. Statt diesen Prozess zu unterdrücken oder sich davon bedroht zu fühlen, ist er in seiner Persönlichkeit so gefestigt, dass er sie darin bestärken und sogar beschützen kann, ohne ihre weitere Entwicklung ins Wanken zu bringen.

Als Old School Gentleman hat er das unbedingte Bedürfnis, seine Anbetete vor Gefahren jeglicher Art zu bewahren, sei es nun vor ihr selbst, äußeren Einflüssen oder vor ihm. Ihr Verlangen nach einem Gentleman wiederum ist exemplarisch für die schwierige Beziehung, die viele Frauen zu Weiblichkeit und zum Feminismus haben. Die Heldin verkörpert den Konflikt des Bedürfnisses, sich beschützt zu fühlen und ihre äußere Weiblichkeit anerkannt zu wissen mit dem Streben nach einem selbstbestimmten, aktiven Leben. Während viele menschliche Partner an diesen (scheinbaren) Gegensätzen scheitern würden, ist es ihr mit einem übernatürlichen Liebhaber möglich, beides zu bekommen. Sie Bella-Edward-kurz-vorm-kussmuss sich nicht entscheiden. Ihr Liebster personifiziert die maskulinen Ideale mehrerer Klassen und Epochen für mehrere Alters- und Bevölkerungsgruppen. Sie kann aus einer Vielzahl von Charaktereigenschaften und Fähigkeiten wählen, die ihrer Entwicklung entgegenkommen. Der Vampir ist wehrhaft und aggressiv, wenn es nötig ist (wenn auch eher widerwillig, er hat keine Neigung zur Gewalt, es sei denn, seine Partnerin ist in Gefahr oder wird bedroht); ist aber trotz dessen sensibel, einfühlsam, romantisch und aufopferungsvoll. Jede für die Heldin potentiell bedrohliche Eigenschaft wird dadurch neutralisiert, dass er in der Beziehung den erwachsenen Part übernimmt. Er ist derjenige, der auf verantwortungsbewusstem Verhalten und Zurückhaltung besteht. Man kann durchaus davon sprechen, dass er in vielen Situationen beides ist: Vaterfigur und Liebhaber. Die Heldin kann sich jeder Zeit darauf verlassen, dass er ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie kann auf seine Erfahrungen zurückgreifen und wenn es hart auf hart kommt, trifft er auch ungeliebte Entscheidungen zu ihrem Wohl. Niemals würde er die Situation sexuell ausnutzen, denn das Risiko, ihr damit zu schaden (ob nun physisch oder psychisch, weil sie noch nicht bereit für eine sexuelle Beziehung ist), ist viel zu hoch – dessen ist er sich nur allzu bewusst.

So wird schnell klar, was Vampire in der Rolle des Partners einer jungen, menschlichen Frau so bemerkenswert macht: sie sind alles auf einmal. Sie erfüllen jedes Bedürfnis und Verlangen ihrer Heldin, denn sie sind gleichzeitig sehr hart und sehr weich, faktisch fehlerlos. Obwohl auch menschliche Partner vampirische Züge aufweisen können, könnten sie niemals dieselbe Dualität verkörpern. Vampire in der Young Adult Urban Fantasy sind hypermaskulin, darin besteht ihr Reiz. In der Realität wäre uns diese Hypermaskulinität wohl definitiv zu viel, denn wer möchte schon einen Partner an seiner Seite wissen, der absolut perfekt ist, immer das Richtige sagt und tut? Doch in der YA UF funktioniert das Konzept, weil der Vampir auf diese Weise zu einer Figur wird, die viele verschiedene weibliche Wünsche und Sehnsüchte harmonisch in sich vereint. Er ist eine Projektion. Stephenie Meyer fasste Edwards Attraktivität für Bella sehr treffend zusammen: „We can’t all be slayers“.

Soweit die Theorie. Ganz offensichtlich funktioniert Mukherjeas Ansatz wunderbar mit der Liebesgeschichte zwischen Edward und Bella aus der Twilight-Serie. Doch ist er auch auf andere Romane übertragbar?
Ich bin mir sicher, dass das Fall ist, selbst mit Figuren, die komplexer sind als Bella und Edward. Obwohl ich feststellen musste, dass ich wenige Young Adult Romane gelesen habe, die Vampire behandeln (ja, wirklich, offenbar mag ich YA Dystopien lieber als YA UF), gibt es doch ein sehr aktuelles Beispiel, in denen ich ähnliche Tendenzen feststellen konnte, obwohl die ProtagonistInnen völlig anders sind als Bella und Edward: Gavriel und Tana in „The Coldest Girl in Coldtown“. Meiner Meinung nach sind Tana und Gavriel wesentlich facettenreicher als ihre KollegInnen des Genres, aber ihre Beziehung ist aus genau den gleichen Gründen knisternd und spannend. Es ist das Spiel mit dem Feuer und der Gefahr, ohne jemals wirklich in Gefahr zu sein. Ich kann hier leider nicht allzu sehr ins Detail gehen, ohne zu spoilern, doch Fakt ist, meiner Meinung nach sind sich Edward und Gavriel in ihrer grundlegenden Konstruktion gar nicht so unähnlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Details verschleiern ihre wesentlichen Gemeinsamkeiten. Man sieht den absolut durchgeknallten Gavriel und kann sich nicht vorstellen, dass er sich jemals genauso verhält wie der sanftmütige, poetische Edward. Aber ich bin überzeugt, dass es so ist. 😉

Was haltet ihr von Mukherjeas Theorie?

Stimmt ihr ihr zu, dass der Reiz des vampirischen Liebhabers in seiner Hypermaskulinität liegt? Weil er perfekt ist und der Heldin alles geben kann, was sie sich wünscht und herbei sehnt? Weil er sie unterstützt und ihre Entwicklung fördert, völlig uneigennützig?
Im abschließenden Teil des Papers vermerkt Mukherjea, dass die Beliebtheit des Genres daher rührt, dass die Liebesgeschichte eine Beziehung darstellt, in der eine junge Frau Sicherheit und Schutz erfährt, ohne auf weibliches Vergnügen oder das Ausleben ihrer Weiblichkeit verzichten zu müssen. Im Gegenteil: der Vampir ermöglicht ihr, ihre Möglichkeiten zu maximieren. Daraus schließt Mukherjea, dass diese Art von Beziehung etwas ist, was sich viele Frauen der Realität wünschen.
Ich für meinen Teil muss dem zustimmen. Rational weiß ich genau, dass ich mit einem Edward niemals glücklich werden könnte, doch emotional… na ja, ich habe damals gesagt „Edward ist einfach ein Kerl zum Heiraten“. Er ist eine hübsche kleine Illusion. Ging es euch genauso? Habt ihr ebenfalls für Edward geschwärmt, obwohl ihr rein intellektuell genau wusstet, dass er zu perfekt ist?

Lasst eure Gedanken einfach freien Lauf, wie immer gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Ich freue mich sehr auf unseren Austausch! 🙂
Alles Liebe,
Elli

P.S.: Läuft alles nach Plan, geht es übrigens nächste Woche bereits weiter, mit einem etwas heftigeren Thema: Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy.

P.P.S.: Wenn ihr das Paper von Ananya Mukherjea lesen möchtet, sagt Bescheid! Ich verschicke es gern per E-Mail im PDF-Format!

(Bildquelle 1)
(Bildquelle 2)

 

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Let’s talk about… die YA Bestenliste des Rolling Stone

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute möchte ich mich gemeinsam mit euch von den höchst-seriösen Bestenlisten trennen und stattdessen über eine Zusammenstellung diskutieren, die sich ausschließlich mit einem Genre befasst: Young Adult. Ich weiß, dass viele von euch diese Sparte lieben und ebenso wie ich häufig lesen, deswegen denke ich, sie kommt uns sehr entgegen. Die Liste ist eine Zusammenstellung des Rolling Stone Magazin vom Mai 2014, das ihr sicher alle kennt. In der Vergangenheit zeigte sich, dass ihr immer sehr interessiert daran seid, wie die Auswahl vonstatten ging, dieses Mal kann ich euch diese Frage aber leider nicht beantworten. Die Autorin des Artikels, Anna Fitzpatrick, schreibt lediglich, dass „sie“ (was vermutlich sie selbst und ein Team aus RedakteurInnen einschließt) sich durch hunderte Geschichten gewühlt haben, um eine Kernsammlung von Klassikern und unbemerkten Schätzen zusammenzustellen. Das Ergebnis sind 40 Romane, die Fitzpatrick als die essenziellen Bücher des Genres bezeichnet.
Lasst uns zuerst einen Blick auf ihre Auswahl werfen, bevor ich im Anschluss noch ein paar Worte dazu sage, um euch meine Meinung zu dieser Bestenliste darzulegen.

Rolling Stone When Holden Met Katniss

Titel Autor Elli’s Info
“The Messenger“ Markus Zusak Regal gelesen 2gefallen 2
”Miracle’s Boys“ Jacqueline Woodson
 unbekannt
”Uglies“ Scott Westerfeld  schon mal gehörtautor bekanntvielleicht
“Code Name Verity“ Elizabeth Wein  unbekanntnoch drüber nachdenken
“(You) Set Me On Fire“ Mariko Tamaki  unbekanntvielleicht
“The Raven Boys” Maggie Stiefvater  schon mal gehörtautor bekanntvielleicht
“Grasshopper Jungle” Andrew Smith  unbekanntnoch drüber nachdenken
“The Catcher in the Rye” J.D. Salinger  Regalgelesen 2gefallen 2
“Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe” Benjamin Alire Sáenz  unbekanntvielleicht
“How I Live Now” Meg Rosoff  unbekannt
“Harry Potter and the Order of the Phoenix” J.K. Rowling Regal gelesen 2gefallen 2
“Eleanor & Park” Rainbow Rowell  schon mal gehört
“The Bell Jar” Sylvia Plath  schon mal gehörtautor bekanntvorgenommen
“The Reluctant Journal of Henry K. Larsen” Susin Nielsen  unbekannt
“The Knife of Never Letting Go” Patrick Ness  Regalgelesen 2gefallen 2
“Legend” Marie Lu Regal gelesen 2gefallen 2
“Adaption” Malinda Lo  schon mal gehörtvielleicht
“Boy meets Boy” David Levithan  autor bekanntvielleicht
“Alice, I Think” Susan Juby  unbekannt
“The Summer Prince” Alaya Dawn Johnson  unbekannt
“Firecracker” David Iserson  unbekanntnoch drüber nachdenken
“The Outsiders” S.E. Hinton  schon mal gehört
“Born Confused” Tanuja Desai Hidier  unbekanntvielleicht
“The Fault In Our Stars” John Green schon mal gehörtautor bekannt vielleicht
“The House of the Scorpion” Nancy Farmer  unbekanntvielleicht
“Monster” Walter Dean Myers  unbekanntvielleicht
“If You Could Be Mine” Sara Farizan  unbekanntwunschliste 4
“Romiette and Julio” Sharon M. Draper  unbekanntniemals 2
“Vivian versus the Apocalypse” Katie Coyle  unbekanntwunschliste 4
“The Hunger Games” (Trilogy) Suzanne Collins Regal gelesen 2gefallen 2
“Gingerbread” Rachel Cohn  unbekanntvielleicht
“The Perks of Being a Wallflower” Stephen Chbosky  wunschliste 4
“The Princess Diaries” Meg Cabot Regal gelesen 2gefallen 2
“Beauty Queens” Libba Bray  unbekanntwunschliste 4
“The Sisterhood of the Traveling Pants” Anne Brashares  schon mal gehörtniemals 2
“Ship Breaker” Paolo Bacigalupi  unbekanntwunschliste 4
“Forever” Judy Blume  autor bekanntvielleicht
“Noughts & Crosses” Malorie Blackman  unbekanntwunschliste 4
“Speak” Laurie Halse Anderson  schon mal gehörtwunschliste 4
“The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian” Sherman Alexie  schon mal gehörtwunschliste 4

​Von diesen 40 Büchern, die der Rolling Stone als lesenswert ansieht, habe ich immerhin 7 gelesen. Der Großteil ist mir aber völlig unbekannt. Möglicherweise wundert ihr euch über die Kombinationen von dem Symbol für „Unbekannt“ oder „Schon mal gehört“ mit anderen Symbolen, also möchte ich das kurz erklären. Als ich die Liste durchging, war mir bereits klar, dass ich die meisten Bücher nicht kenne. Ich hätte es ziemlich langweilig gefunden, hätte ich euch immer nur darüber informiert, dass ich keine Ahnung habe. 😀 Daher habe ich die Bücher, die ich nicht kannte oder von denen ich bisher nur gehört/gelesen hatte, recherchiert, um eine genauere Auskunft geben zu können. Das heißt, ein paar Bücher, die ich vorher nicht kannte, sind nun auf meiner Wunschliste gelandet. Bei vielen konnte ich mich nicht richtig entscheiden, daher taucht auch recht häufig der Würfel für „Vielleicht“ auf. Für mich bedeutet das, dass ich versuchen werde, ein paar Rezensionen zu lesen oder, wie im Fall von „The Fault In Our Stars“, erst einmal ein anderes Buch des Autors oder der Autorin lesen möchte.

Ich habe eine Weile über der Zusammensetzung der Liste gebrütet, gerade weil das Auswahlverfahren nicht erklärt wurde. Ich versuchte, das Muster zu finden, was alle diese Romane gemeinsam haben und wieso ausgerechnet diese es auf die Bestenliste geschafft haben, während andere meiner persönlichen Favoriten nicht erwähnt werden. Ich glaube, ich habe den Code geknackt. Meiner Meinung nach sind all diese Bücher nicht nur Young Adult Literatur, sondern auch Initiationsliteratur. Das bedeutet, dass es nicht einfach nur ums Erwachsen-werden geht, sondern um Selbstfindung und Emanzipation, um das Zurechtfinden in der Welt und ihre Entdeckung und um das Entwickeln einer eigenen (sexuellen) Identität. Natürlich kann ich es für die Bücher, die ich nicht kenne und nicht gelesen habe, nicht zu 100% belegen, aber ich denke, solche Tendenzen sind auch in diesen Werken enthalten.

Nehmen wir doch als Beispiel mal „Harry Potter und Der Orden des Phönix“. Warum ist ausgerechnet der fünfte Band in der Bestenliste vertreten? Ich denke, es liegt an dieser Schlüsselszene gegen Ende des Buches, als Harry erkennt, dass es nicht die Gemeinsamkeiten mit Voldemort sind, die ihn ausmachen, sondern die Unterschiede. Er löst sich somit von einer Angst, die ihn begleitet hat, seit er von ihrer Verbindung weiß und grenzt sich ganz klar von all der Bosheit, die Voldemort charakterisiert, ab. Mit anderen Worten, er emanzipiert sich. Auf einer weiteren Ebene verliert Harry darüber hinaus auf gewisse Weise seine kindliche Unschuld, weil ihm das erste Mal richtig bewusst wird, dass er im Konflikt mit Voldemort sein Leben verlieren könnte und laut der Prophezeiung auch muss, will er ihn endgültig aufhalten. Der fünfte Band ist dementsprechend reichlich düster, markiert aber auch den unausweichlichen Wendepunkt der Reihe.

Ein weiteres Beispiel: „The Messenger“ (auf Deutsch: „Der Joker“) von Markus Zusak. Ich glaube, dieses Buch ist gar nicht so bekannt, aber ich habe es tatsächlich gelesen. In dieser Geschichte verwandelt der Protagonist Ed sein Leben und sich selbst von durchschnittlich zu außergewöhnlich, einfach, indem er anderen Menschen hilft. Er findet seinen Platz in der Welt und findet heraus, was für ein Mensch er ist bzw. wie er sein will. Es ist eine rührende Geschichte von Entwicklung und Selbstfindung, die mir gut gefallen hat.

Ich könnte jetzt natürlich jedes Buch durchkauen, das ich von dieser Liste gelesen oder von dem ich bereits gehört habe, aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will. Der Rolling Stone hat nicht einfach nur gute YA Romane herausgesucht. Die Bücher ihrer Liste übermitteln alle eine wichtige Botschaft, die vor allem die Zielgruppe positiv beeinflussen soll. Ich denke, das ist der Grund, warum beispielsweise die Delirium-Trilogie nicht auftaucht und auch relativ wenig Fantasy vertreten ist.
Trotzdem landeten sie nicht alle auf meiner Wunschliste, denn erstens bin ich mittlerweile über den Punkt, an dem ich mich in meiner eigenen Entwicklung verloren fühlte, hinaus und zweitens interessiert mich einfach nicht alles.
„The Sisterhood of the Traveling Pants“ – dafür bin ich wirklich zu alt. Ich kenne die Geschichte, weil ich den Film gesehen habe (unfreiwillig, das ist so ein typischer Sonntag-Nachmittag-Pro-7-Film, wenn nichts besseres läuft) und hab immer nur gedacht „Als ob eure Freundschaft wirklich für immer halten würde“.
„Romiette and Julio“ – ich kann mir ziemlich genau vorstellen, wie das Buch aufgebaut ist und denke deswegen nicht, dass ich es unbedingt lesen muss.
„The Summer Prince“ – ich habe den Klappentext gelesen und habe nicht richtig kapiert, worum es gehen soll. Also habe ich das Interesse verloren.

Ein paar neue Werke habe ich auf diese Weise allerdings schon gefunden. Ganz besonders stark ist das „HABEN MUSS“-Gefühl bei „If You Could Be Mine“ von Sara Farizan. Als ich den Klappentext gelesen habe, hatte ich Gänsehaut. Es geht um ein lesbisches Paar im Iran, die selbstverständlich eigentlich nicht zusammen sein dürfen und ihre Liebe deswegen geheim halten müssen. Als eine der beiden verheiratet werden soll, findet die andere eine haarsträubende Möglichkeit, wie sie selbst ihre Liebste heiraten könnte: sie müsste behaupten, transsexuell zu sein und eine Geschlechtsangleichung vornehmen lassen. Ist ihre Liebe es wert, ihr wahres Ich zu opfern?
Diese Geschichte klingt so schmerzhaft und aufrüttelnd, dass ich es sofort auf meine Wunschliste gesetzt habe. Ich denke, ich werde das Buch bestimmt auch bald kaufen, weil ich furchtbar neugierig bin.

So, nun aber erst einmal genug von mir. Jetzt seid ihr dran. 😉

Wie findet ihr die YA Bestenliste des Rolling Stone?

Wieder einmal habe ich mir ein paar Diskussionsfragen ausgedacht, an denen ihr euch orientieren könnt, aber natürlich nicht müsst. Jeder Gedanke ist willkommen. 🙂

  1. Welche dieser Bücher habt ihr bereits gelesen?
  2. Welche dieser Bücher möchtet ihr noch lesen?
  3. Welche dieser Bücher würdet ihr niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen?
  4. Findet ihr, dass alle diese Bücher ihren Platz in der Bestenliste zu Recht haben?
  5. Was haltet ihr von meiner Theorie zur Initiationsliteratur?

Ich freue mich wie eine Schneekönigin auf eure Meinungen und Kommentare, denn endlich kommen wir mal wieder zum Diskutieren! 😀 Teilt eure Gedankenwelt mit mir; ich bin sicher, dabei entstehen wieder völlig neue, interessante Blickwinkel. Und jetzt:

Let’s talk about… die YA Bestenliste des Rolling Stone!

(Quelle: When Holden Met Katniss: The 40 Best YA Novels)

 
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Verfasst von - Februar 5, 2015 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… die Auswertung der Bestenlisten

So meine Lieben. Endlich, endlich, endlich habe ich es geschafft, die fünf Bestenlisten, über die wir unter dem Motto „Let’s talk about…“ diskutiert haben, ein bisschen zu analysieren und das Ganze dann auch noch nett zu verpacken. Es hat wirklich lange gedauert, war viel Arbeit und ich hatte sehr oft keine Lust dazu, doch jetzt ist es tatsächlich vollbracht! 😀

Zur Erinnerung: im letzten Jahr haben wir uns gemeinsam fünf verschiedene Bücher-Bestenlisten angesehen: die Top 100 des Time Magazine, die Top 100 der ZEIT, die Top 100 von Le Monde, „The Big Read“ der BBC und „Das Große Lesen“ des ZDF. Mir ging es darum, euch zu zeigen, welche Bücher in unterschiedlichen Ländern unter unterschiedlichen Auswahlkriterien als lesenswert angesehen werden und welche dieser Bücher ich davon auch tatsächlich gelesen habe, welche ich noch plane zu lesen und welche ich nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde. Außerdem wollte ich von euch wissen, wie ihr über diese Bestenlisten denkt und wie viel Erfahrung ihr mit diesen Büchern bisher sammeln konntet. Die Ergebnisse variierten stark, was mich veranlasste, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede nachzudenken.

Also habe ich mir vor vielen Monaten vorgenommen, herauszufinden, ob es bestimmte Trends gibt. Das Ergebnis meiner Bemühungen ist an erster Stelle eine äußerst umfangreiche Excel-Datei. 😉 Nein, Spaß beiseite. Ich habe mich auf die AutorInnen konzentriert, denn seien wir ehrlich, hätte ich auch noch versucht, das Ganze nach Genre, Alter, etc. aufzuschlüsseln, wäre ich nie fertig geworden.

Ein paar Worte dazu, wie ich die Analyse erstellt habe: ich habe mir die Nationalität jedes Autors und jeder Autorin angesehen. In meiner tollen Excel-Tabelle hab ich das dann verzeichnet. Zusätzlich habe ich nach Übereinstimmungen gesucht, also ob bestimmte AutorInnen in mehreren Listen auftauchen. Und zu guter Letzt hat mich die Geschlechterverteilung so sehr beschäftigt, dass ich unbedingt herausfinden wollte, wie viele Frauen denn nun tatsächlich vertreten sind.
Jetzt bekommt ihr erst einmal meine Ergebnisse als Infografik zu sehen, danach werde ich noch ein paar Worte dazu sagen. Bereit? Dann geht es jetzt los! 😀

Länderverteilung Bestenlisten

Tja, so sieht es aus, wenn man 5 Bücher-Bestenlisten mit je 100 Büchern filtert und aufschlüsselt.
Wie ihr seht, ist die Auswahl jeder Bestenliste extrem national geprägt, was vermutlich einfach natürlich ist. Vielleicht ist es naheliegend, dass man sich erst einmal nach AutorInnen im eigenen Land umsieht, bevor man einen Blick über die Grenze wagt. Trotzdem hätte ich nie damit gerechnet, dass es SO eindeutig ist.
Interessant fand ich, dass es in jeder Liste Ausreißer gibt. Ist euch beispielsweise aufgefallen, dass Kolumbien tatsächlich in drei Listen auftaucht? Na ja, ganz so erstaunlich ist das nicht, wenn man weiß, um welchen Autor es sich dabei handelt: Gabriel García Márquez. Es gibt einige Fälle wie diesen, in dem ein Land in mehreren Listen vertreten ist, aber nur mit einem einzelnen Autor oder – in seltenen Fällen – einer einzelnen Autorin. Chile? Was glaubt ihr, wie ich geguckt habe, als ich heraus fand, dass das die Heimat von Isabel Allende ist, die in den Top 100 des ZDF auftaucht? 😀 Wenn ihr euch die Weltkarte anseht, wird allerdings auch schnell deutlich, das diese Ausreißer doch arg begrenzt sind und lange nicht den ganzen Globus umspannen. Der afrikanische Kontinent ist völlig unterrepräsentiert, ebenso wie die gesamte arabische Welt. Das finde ich sehr schade, obwohl mich die Ausflüge nach Indien, Nigeria oder auch Ungarn ziemlich überrascht haben.

Von den fünf Bestenlisten ist die der ZEIT definitiv die speziellste. Wie ich schon im Beitrag zu diesen Top 100 schrieb, haben wir Deutschen zum Teil ein wirklich seltsames Verhältnis zur Literatur. Drei Titel ohne AutorIn (Das Nibelungenlied, Die Erzählungen aus tausendundein Nächten und die Bibel, wobei letztere auch beim ZDF auftaucht), drei Titel, deren Autoren aus dem antiken Griechenland stammen und drei Werke aus dem antiken römischen Reich. Zusätzlich sind auch ein paar mittelalterliche Bücher dabei, die in einer Zeit entstanden, in der es Deutschland noch gar nicht gab. Das war ein bisschen schwierig, aber letztendlich hat sich herausgestellt, dass alle Autoren in einem Gebiet lebten, das aus heutiger Sicht zu Deutschland gehörte, also habe ich sie kurzerhand zu den Deutschen gezählt. Was hätte ich auch sonst tun sollen?
Ähnlich war es mit dem antiken Griechenland und dem antiken römischen Reich. Letzteres war – wie ihr sicher alle wisst – riesig. Augustinus von Hippo („Bekenntnisse“) lebte in Numidien, eine Region, die heutzutage unter anderem Namen zu Algerien gehört.
Doch ich glaube, der schwierigste Fall war Homer. Man assoziiert ihn mit dem antiken Griechenland, aber eigentlich ist nicht sicher, ob es ihn überhaupt gab. Diejenigen, die daran glauben, dass es ihn gab, sind sich nicht einig, wann er gelebt hat. Es ist so gut wie nichts über ihn bekannt. Mir blieb keine andere Wahl, als ihn dem antiken Griechenland zuzuordnen, weil das zwar eine sehr allgemeine, aber immerhin die zuverlässigste Aussage ist, die ich treffen konnte. Ihr seht, die ZEIT hat RICHTIG tief in der Geschichte gewühlt. Dadurch entstand eine Zusammenstellung, die die wenigsten Übereinstimmungen mit allen anderen Bestenlisten aufweist. Die ZEIT ist der Grund, dass es kein Buch und keineN AutorIn gibt, der/die/das (*summ*) auf allen Listen auftaucht. Alle Welt ist scheinbar der Meinung, dass man „Der Herr der Ringe“ unbedingt gelesen haben muss (meine persönliche Meinung lassen wir mal außen vor *hust*), aber nein, für die ZEIT ist J.R.R. Tolkien nicht wertvoll genug. Stattdessen steht da ein Name drauf, den bislang niemand kannte, egal, wen ich fragte. Dafür brachte er aber wirklich alle zum Lachen. 😀 Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. Wer ist das??? Selbstverständlich habe ich im Zuge meiner Recherchen den entsprechenden Wikipedia-Artikel gelesen, aber schlauer bin ich dadurch auch nicht. Ihr merkt es, die Bestenliste der ZEIT hat mich beschäftigt.

Ein weiterer Grund dafür ist, dass die ZEIT offenbar komplett ignoriert hat, dass es außer Anna Seghers tatsächlich noch ein, zwei weitere Frauen gibt, die Bücher geschrieben haben. Doch damit sind sie im Prinzip ja nicht allein. Dieser Trend zieht sich durch jede unserer Listen: Frauen sind unterrepräsentiert. Ich gebe es zu, das macht mich sehr wütend. Egal, wie das Auswahlkriterium war, ob es nun der Club der weißen Männer der ZEIT war oder die Publikumswahl der BBC, generell scheinen Schriftstellerinnen weniger im Bewusstsein verankert zu sein als Schriftsteller. 357 AutorInnen, davon gerade mal 77 Frauen. Nicht mal ein Viertel. Das ist traurig, inakzeptabel und beschämend. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Vielleicht wird es in Zukunft bei mir Autorinnen-Portraits geben, denn irgendwie muss ich ja dazu beitragen, dass die weibliche schreibende Zunft präsenter wird. Es kommt natürlich auf die Schriftstellerin an, aber würde euch so etwas grundsätzlich interessieren?

So und damit sind wir auch schon am Ende der Auswertung angelangt, zumindest von meiner Seite. Ich bin überglücklich, dass ich diesen ausstehenden Punkt nun nach so langer Zeit endlich abhaken und mich dementsprechend auch wieder neuen Bestenlisten zuwenden kann. Es gibt da nämlich noch so einige. 😉
Vor allem interessiert es mich jetzt jedoch brennend, wie ihr über diese harten Fakten denkt. Was fällt euch positiv oder negativ auf? Welche Rückschlüsse zieht ihr daraus?
Erzählt mir, was in eurem Kopf herumspukt. Selbstverständlich bin ich auch gern bereit, euch Fragen zu beantworten, soweit es mir möglich ist. 🙂

Was haltet ihr von der Auswertung der Bestenlisten?

Ich freue mich sehr darauf, mit euch über die Bestenlisten zu diskutieren, weil wir das einfach viel zu lange schon nicht mehr getan haben. Jede Meinung, jedes Kommentar ist herzlich Willkommen und wie immer gilt: es gibt nichts, was nicht gesagt werden darf. 😉 Und jetzt:

Let’s talk about… die Auswertung der Bestenlisten!

 
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Verfasst von - Januar 30, 2015 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… Die Bestenliste des ZDF

Eigentlich bin ich für unser nächstes „Let’s talk about…“ einen Tag zu spät dran, normalerweise ist Mittwoch unser Diskussionstag. Aber ich dachte mir, dass es im Grunde keine Rolle spielt. 😀
Heute geht es wie angekündigt noch einmal um eine deutsche Bestenliste: die des ZDF. Unter dem Motto „Das Große Lesen“ (Hmm, hat da jemand bei der BBC geschmult?) befragte das ZDF etwa 250.000 deutschsprachige LeserInnen und ließ sie aus einer vorher konzipierten Zusammenstellung von 200 Büchern ihre 100 „Bestseller“ auswählen. Die Aktion wurde von 20.000 Buchgeschäften und Bibliotheken beworben. Zustande kam dabei eine Liste der 100 beliebtesten Bücher deutschsprachiger LeserInnen.
Wie ihr euch mittlerweile sicher denken könnt, finde ich dieses Auswahlverfahren am geeignetsten. Jetzt lasst uns erst einmal einen Blick auf die Auswahl werfen, bevor ich wie üblich noch ein bisschen darüber schwadroniere. 😉
Die Legende findet ihr hier:

Legende

Top 100 Bücher der ZDF-Aktion „Das Große Lesen“

Rang Titel Autor Elli’s Info
1 „Der Herr der Ringe“ J.R.R. Tolkien  gelesennicht gefallen
2 „Die Bibel“  vorgenommen
3 „Die Säulen der Erde“ Ken Follett  niemals
4 „Das Parfum“ Patrick Süskind  Regalgelesengefallen 2
5 „Der kleine Prinz“ Antoine de Saint-Exupéry  Regalgelesengefallen 2
6 „Buddenbrooks“ Thomas Mann  autor bekanntvorgenommen
7 „Der Medicus“ Noah Gordon  schon mal gehört
8 „Der Alchimist“ Paulo Coelho  autor bekanntvielleicht
9 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ J.K. Rowling Regalgelesengefallen 2
10 „Die Päpstin“ Donna W. Cross  schon mal gehört
11 „Tintenherz“ Cornelia Funke  autor bekanntvorgenommen
12 „Feuer und Stein“ Diana Gabaldon  unbekannt
13 „Das Geisterhaus“ Isabel Allende  unbekannt
14 „Der Vorleser“ Bernhard Schlink  schon mal gehört
15 „Faust. Der Tragödie erster Teil“ Johann Wolfgang von Goethe Regal gelesengefallen 2
16 „Der Schatten des Windes“ Carlos Ruiz Zafón  unbekannt
17 „Stolz und Vorurteil“ Jane Austen  Regalgelesengefallen 2
18 „Der Name der Rose“ Umberto Eco  Regalgelesengefallen 2
19 „Illuminati“ Dan Brown  Regalgelesengefallen 2
20 „Effi Briest“ Theodor Fontane  autor bekannt
21 „Harry Potter und der Orden des Phönix“ J.K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
22 „Der Zauberberg“ Thomas Mann autor bekannt vorgenommen
23 „Vom Winde verweht“ Margaret Mitchell  niemals
24 „Siddharta“ Hermann Hesse  autor bekannt
25 „Die Entdeckung des Himmels“ Harry Mulisch  unbekannt
26 „Die unendliche Geschichte“ Michael Ende  Regalgelesengefallen 2
27 „Das verborgene Wort“ Ulla Hahn  unbekannt
28 „Die Asche meiner Mutter“ Frank McCourt  schon mal gehört
29 „Narziss und Goldmund“ Hermann Hesse  autor bekannt
30 „Die Nebel von Avalon“ Marion Zimmer Bradley  autor bekannt
31 „Deutschstunde“ Siegfried Lenz  schon mal gehört
32 „Die Glut“ Sándor Márai  unbekannt
33 „Homo Faber“ Max Frisch  Regalgelesengefallen 2
34 „Die Entdeckung der Langsamkeit“ Sten Nadolny  unbekannt
35 „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ Milan Kundera  schon mal gehört
36 „Hundert Jahre Einsamkeit“ Gabriel Garcia Márquez  autor bekannt
37 „Owen Meany“ John Irving  autor bekannt
38 „Sofies Welt“ Jostein Gaarder  Regal
39 „Per Anhalter durch die Galaxis“ Douglas Adams  Regalgelesengefallen 2
40 „Die Wand“ Marlen Haushofer  unbekannt
41 „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ John Irving  Regal
42 „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ Gabriel Garcia Márquez  autor bekanntvielleicht
43 „Der Stechlin“ Theodor Fontane  autor bekannt
44 „Der Steppenwolf“ Hermann Hesse  Regal
45 „Wer die Nachtigall stört“ Harper Lee  wunschliste 4
46 „Joseph und seine Brüder“ Thomas Mann  autor bekannt
47 „Der Laden“ Erwin Strittmatter  unbekannt
48 „Die Blechtrommel“ Günter Grass niemals autor bekannt
49 „Im Westen nichts Neues“ Erich Maria Remarque  Regalgelesennicht gefallen
50 „Der Schwarm“ Frank Schätzing  Regalgelesengefallen 2
51 „Wie ein einziger Tag“ Nicholas Sparks  schon mal gehört
52 „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ J.K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
53 „Momo“ Michael Ende  Regalgelesengefallen 2
54 „Jahrestage“ Uwe Johnson  unbekannt
55 „Traumfänger“ Marlo Morgan  unbekannt
56 „Der Fänger im Roggen“ J.D. Salinger  Regalgelesengefallen 2
57 „Sakrileg“ Dan Brown  Regalgelesengefallen 2
58 „Krabat“ Otfried Preußler  autor bekanntvielleicht
59 „Pippi Langstrumpf“ Astrid Lindgren  Regalgelesengefallen 2
60 „Wüstenblume“ Waris Dirie  autor bekanntvorgenommen
61 „Geh, wohin dein Herz dich trägt“ Susanna Tamaro  unbekannt
62 „Hannas Töchter“ Marianne Fredriksson  unbekannt
63 „Mittsommermord“ Henning Mankell  autor bekannt
64 „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ Henning Mankell  autor bekannt
65 „Das Hotel New Hampshire“ John Irving  autor bekanntvorgenommen
66 „Krieg und Frieden“ Leo Tolstoi  autor bekannt
67 „Das Glasperlenspiel“ Hermann Hesse  Regal
68 „Die Muschelsucher“ Rosamunde Pilcher  niemalsautor bekannt
69 „Harry Potter und der Feuerkelch“ J.K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
70 „Tagebuch“ Anne Frank  Regalgelesengefallen 2
71 „Salz auf unserer Haut“ Benoite Groult  unbekannt
72 „Jauche und Levkojen“ Christine Brückner  unbekannt
73 „Die Korrekturen“ Jonathan Franzen  autor bekannt
74 „Die weiße Massai“ Corinne Hofmann  niemals
75 „Was ich liebte“ Siri Hustvedt  unbekannt
76 „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ Walter Moers  gelesengefallen 2
77 „Das Lächeln der Fortuna“ Rebecca Gablé  unbekannt
78 „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ Eric-Emmanuel Schmitt  unbekannt
79 „Winnetou“ Karl May  autor bekannt
80 „Désirée“ Annemarie Selinko  unbekannt
81 „Nirgendwo in Afrika“ Stefanie Zweig  schon mal gehört
82 „Garp und wie er die Welt sah“ John Irving  autor bekanntvielleicht
83 „Die Sturmhöhe“ Emily Brontë autor bekannt vorgenommen
84 „P.S. Ich liebe Dich“ Cecilia Ahern  autor bekanntvielleicht
85 „1984“ George Orwell  autor bekanntvorgenommen
86 „Mondscheintarif“ Ildiko von Kürthy niemals autor bekannt
87 „Paula“ Isabel Allende  unbekannt
88 „Solange du da bist“ Marc Levy  unbekannt
89 „Es muss nicht immer Kaviar sein“ Johannes Mario Simmel autor bekannt
90 „Veronika beschließt zu sterben“ Paulo Coelho  autor bekanntvielleicht
91 „Der Chronist der Winde“ Henning Mankell  autor bekannt
92 „Der Meister und Margarita“ Michail Bulgakow  autor bekannt
93 „Schachnovelle“ Stefan Zweig  autor bekannt
94 „Tadellöser & Wolff“ Walter Kempowski  unbekannt
95 „Anna Karenina“ Leo Tolstoi  autor bekannt
96 „Schuld und Sühne“ Fjodor Dostojewski  autor bekannt
97 „Der Graf von Monte Christo“ Alexandre Dumas  autor bekannt
98 „Der Puppenspieler“ Tanja Kinkel  unbekannt
99 „Jane Eyre“ Charlotte Brontë autor bekanntvielleicht
100 „Rote Sonne, schwarzes Land“ Barbara Wood  schon mal gehört
Die besten Bücher der Welt

Vielen Dank an „Die besten Bücher der Welt“!

Wie ihr sehen könnt, ist diese Liste diejenige, die die meisten „schon gelesen“-Bücher für mich enthält. Vor dem Hintergrund, dass hier nicht die besten, sondern die beliebtesten Bücher zusammen gefasst sind, finde ich die Auswahl okay. Vermutlich ist das auch das höchste der Gefühle bezüglich Bestenlisten, denn es gibt wohl keine einzige, die ich nicht noch verändern würde. 😉 Aber diese hier ist doch sehr ausgewogen; ich kann mir vorstellen, dass das Durchschnitts-Bücherregal der Deutschen tatsächlich so aussieht.
Statt also heute wieder einmal herum zu mäkeln, was mir fehlt und wo ich Kritikpunkte sehe, möchte ich euch erklären, warum ich zwei der Bücher auf dieser Liste niemals lesen möchte.

Erstens, Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“. Im Falle dieses Buches muss ich auf ein Thema verweisen, das wir schon vor einiger Zeit besprochen haben: das Thema Vorurteile und wie sie mein Leseverhalten beeinflussen. 2006 machte Günter Grass publik, dass er im Alter von 17 Jahren der Waffen-SS angehörte. Das ist der Grund, warum ich dieses Buch niemals lesen möchte und warum es sicherlich auch keinen Sinn hätte. Zwar hat Grass laut eigener Aussage niemals auch nur einen Schuss abgegeben und war nicht in Kriegsverbrechen verwickelt, aber bei mir löste diese Offenbarung (die durchaus mutig war, ich bin in der Lage, das anzuerkennen), einen unvergleichlichen Abscheu aus. Man kann nun argumentieren, dass der Schriftsteller zu dieser Zeit vermutlich einfach nur jung und dumm war und überhaupt nicht begriff, zu welcher Einheit er gehörte. Aber für mich ist es… ich möchte meine Gedankenwelt, meine Fantasie, meinen Geist einfach niemandem anvertrauen, der aktiv im Regime der Nazis involviert war. Ich kann nicht verzeihen und erst recht nicht vergessen. Vielleicht ist das kleinlich und unfair, aber ich bin überzeugt, dass meine Abneigung so dominant ist, dass sie sich massiv auf mein Verständnis von „Die Blechtrommel“ auswirken würde. Selbst wenn ich Grass eine Chance geben würde, ich glaube einfach nicht, dass mir das Buch gefallen könnte, weil ich eben nicht vergessen kann. Ich hätte seine Vergangenheit immer im Kopf.

Zweitens „Die weiße Massai“ von Corinne Hofmann. Hier weiß ich eigentlich noch nicht sicher, ob ich dieses Buch wirklich niemals lesen werde. Aber die Chancen stehen schlecht. Erinnert ihr euch, dass ich zum Geburtstag „Deutschland Schwarz Weiß: Der alltägliche Rassismus“ von Noah Sow bekommen habe? Hier für euch der Klappentext von amazon:

„Noah Sow deckt rassistisches Verhalten im deutschen Alltag auf.
In der Schule lernen wir, dass alle Menschen gleich seien. Dennoch leben wir mit konkreten Vorstellungen und Vorurteilen im Kopf. An vielen Beispielen verdeutlicht Noah Sow den Alltagsrassismus, der uns täglich begegnet. So erfährt der Leser etwa, wie selbst die UNICEF-Werbung sich rassistischer Klischees bedient, und warum es schlimmer ist, „Die weiße Massai“ zu Ende zu lesen als nicht zur Lichterkette zu gehen.
Rassismus zu bekämpfen heißt, ihn zunächst zu verstehen. Dieser Prozess wird für Angehörige der Mehrheitsgesellschaft nicht immer schmerzfrei vonstatten gehen können. Aber wie nicht zuletzt Noah Sows Buch deutlich macht – lohnen wird es sich allemal, und zwar für alle.“

Tja, da seht ihr es. Noah Sow wird mir erklären, warum bzw. inwiefern „Die weiße Massai“ rassistische Züge hat. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass ich das Buch danach noch lesen möchte? Ich meine, ich halte es mir natürlich offen, denn es kann genauso gut sein, dass ich „Deutschland Schwarz Weiß“ grauenvoll finde. Aber eigentlich kenne ich mich zu gut, um tatsächlich damit zu rechnen, dass ich „Die weiße Massai“ auf meine Wunschliste setze. Erst einmal sensibilisiert, schätze ich, dass ich Corinne Hofmanns Buch nur schwer ertragen könnte. Allerdings bereitet mir das kein Kopfzerbrechen, weil ich nicht glaube, dass ich wirklich etwas verpasse.

Wie empfindet ihr die Bestenliste des ZDF?

Findet ihr sie ebenfalls so ausgewogen wie ich? Ich habe wie auch sonst ein paar Diskussionsfragen für euch, an denen ihr euch orientieren könnt:

  1. Welche dieser Bücher habt ihr bereits gelesen?
  2. Welche dieser Bücher möchtet ihr noch lesen?
  3. Welche dieser Bücher würdet ihr niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen?
  4. Findet ihr, dass alle diese Bücher ihren Platz in der Bestenliste zu Recht haben?
  5. Spiegelt diese Bestenliste auch euer Bücherregal in etwa wider?

Ich freue mich wieder sehr auf eure Meinungen, es ist immer wieder schön zu sehen, wie ihr über diese Bestenlisten denkt. 🙂 Und jetzt:

Let’s talk about… die Bestenliste des ZDF!

 
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Verfasst von - August 21, 2014 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… die Bestenliste der BBC

Endlich, endlich schaffe ich es, mal wieder ein „Let’s talk about…“ zu erstellen! 😀 Wurde aber auch Zeit, oder?
Heute möchte ich mich gemeinsam mit euch mit der Bestenliste der Top 100 Bücher der BBC beschäftigen. Sie erschien 2003 und trägt den Titel „BBC Big Read“. Im Gegensatz zu all den anderen Listen, die wir bisher besprochen haben, basiert diese ausschließlich auf den Präferenzen der britischen Leser. Die Zuschauer sollten der BBC ihr „Für-alle-Zeiten“-liebstes Buch nennen. Am Ende beteiligten sich etwa 750.000 Briten. Wie immer möchte ich euch jetzt zuerst die Liste präsentieren und danach noch ein paar Worte dazu sagen.
Na denn, auf geht’s! 😀 Die Legende findet ihr hier:

Legende

Top 100 Bücher des „BBC Big Read“

Rang Titel Autor Elli’s Info
1 „Der Herr der Ringe” J.R.R. Tolkien Regalgelesennicht gefallen
2 „Stolz und Vorurteil” Jane Austen Regalgelesengefallen 2
3 „His Dark Materials” Philip Pullman  unbekannt
4 „Per Anhalter durch die Galaxis” Douglas Adams Regalgelesengefallen 2
5 „Harry Potter und der Feuerkelch” Joanne K. Rowling Regalgelesengefallen 2
6 „Wer die Nachtigall stört” Harper Lee  wunschliste 4
7 „Pu der Bär“ Alan Alexander Mine   autor bekannt
8 „1984“ George Orwell  autor bekanntvorgenommen
9 „Der König von Narnia“ C.S. Lewis  autor bekannt
10 „Jane Eyre“ Charlotte Brontë  autor bekannt
11 „Catch-22“ Joseph Heller  autor bekanntvorgenommen
12 „Sturmhöhe“ Emily Brontë autor bekannt vielleicht
13 „Gesang vom großen Feuer“ Sebastian Faulks  unbekannt
14 „Rebecca“ Daphne du Maurier  schon mal gehört
15 „Der Fänger im Roggen“ J.D. Salinger Regal gelesengefallen 2
16 „Der Wind in den Weiden“ Kenneth Grahame  gelesengefallen 2
17 „Große Erwartungen“ Charles Dickens  autor bekanntvielleicht
18 „Little Women“ Louisa May Alcott  niemals
19 „Corellis Mandoline“ Louis de Bernière  schon mal gehört
20 „Krieg und Frieden“ Leo Tolstoi  autor bekannt
21 „Vom Winde verweht“ Margaret Mitchell  niemals
22 „Harry Potter und der Stein der Weisen“ Joanne K. Rowling Regalgelesengefallen 2
23 „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ Joanne K. Rowling Regalgelesengefallen 2
24 „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ Joanne K. Rowling  Regalgelesengefallen 2
25 „Der Hobbit“ J.R.R. Tolkien  Regalgelesengefallen 2
26 „Tess von d’Urbervilles: Eine reine Frau“ Thomas Hardy  unbekannt
27 „Middlemarch“ George Eliot  unbekannt
28 „A Prayer for Owen Meany“ John Irving  autor bekannt
29 „Früchte des Zorns“ John Steinbeck  Regalgelesengefallen 2
30 „Alice im Wunderland“ Lewis Carroll Regalgelesengefallen 2
31 „Die unglaubliche Geschichte der Tracy Baker“ Jacqueline Wilson  unbekannt
32 „Hundert Jahre Einsamkeit“ Gabriel García Márquez  autor bekannt
33 „Die Säulen der Erde“ Ken Follet  niemals
34 „David Copperfield“ Charles Dickens  Regalnoch abwarten
35 „Charlie und die Schokoladenfabrik“ Roald Dahl  autor bekanntvorgenommen
36 „Die Schatzinsel“ Robert Louis Stevenson  autor bekanntvorgenommen
37 „Eine Stadt wie Alice“ Nevil Shute  unbekannt
38 „Überredung“ Jane Austen autor bekanntvorgenommen
39 „Dune – die erste Trilogie“ Frank Herbert  schon mal gehört
40 „Emma“ Jane Austen  autor bekanntvorgenommen
41 „Anne auf Green Gables“ Lucy Maud Montgomery  schon mal gehört
42 „Unten am Fluss“ Richard Adams  unbekannt
43 „Der große Gatsby“ F. Scott Fitzgerald wunschliste 4gelesengefallen 2
44 „Der Graf von Monte Christo“ Alexandre Dumas  autor bekanntnoch drüber nachdenken
45 „Wiedersehen mit Brideshead“ Evelyn Waugh  autor bekannt
46 „Die Farm der Tiere“ George Orwell  autor bekanntvorgenommen
47 „A Christmas Carol“ Charles Dickens  autor bekanntvorgenommen
48 „Am grünen Rand der Welt“ Thomas Hardy  unbekannt
49 „Goodnight Mister Tom“ Michelle Magorian  unbekannt
50 „Die Muschelsucher“ Rosamunde Pilcher  niemals
51 „Der geheime Garten“ Frances Hodgson Burnett  schon mal gehört
52 „Von Mäusen und Menschen“ John Steinbeck  autor bekanntvorgenommen
53 „The Stand“ Stephen King  autor bekanntvielleicht
54 „Anna Karenina“ Leo Tolstoi  autor bekannt
55 „Eine gute Partie“ Vikram Seth  unbekannt
56 „Sophiechen und der Riese“ Roald Dahl  autor bekannt
57 „Swallows And Amazons” Arthur Ransome  unbekannt
58 „Black Beauty“ Anna Sewell  niemals
59 „Artemis Fowl“ Eoin Colfer  schon mal gehört
60 „Schuld und Sühne“ Fjodor Dostojewski  autor bekannt
61 „Himmel und Hölle“ Malorie Blackman  unbekannt
62 „Die Geisha“ Arthur Golden schon mal gehörtvielleicht
63 „Eine Geschichte aus zwei Städten“ Charles Dickens  autor bekanntvielleicht
64 „Die Dornenvögel“ Colleen McCullough  schon mal gehört
65 „Gevatter Tod“ Terry Pratchett Regal gelesengefallen 2
66 „The Magic Faraway Tree“ Enid Blyton  autor bekannt
67 „The Magus“ John Fowles  schon mal gehört
68 „Ein gutes Omen“ Terry Pratchett & Neil Gaiman  wunschliste 4
69 „Wachen! Wachen!“ Terry Pratchett  wunschliste 4
70 „Herr der Fliegen“ William Golding  vorgenommen
71 „Das Parfum“ Patrick Süskind Regal gelesengefallen 2
72 „Die Menschenfreunde in zerlumpten Hosen“ Robert Tressell  unbekannt
73 „Die Nachtwächter“ Terry Pratchett autor bekanntvielleicht
74 „Matilda“ Roald Dahl  gelesengefallen 2
75 „Bridget Jones’s Diary“ Helen Fielding  niemals
76 „Die geheime Geschichte“ Donna Tartt  unbekannt
77 „Die Frau in Weiß“ Wilkie Collins  unbekannt
78 „Ulysses“ James Joyce  Regalnoch abwarten
79 „Bleak House“ Charles Dickens  autor bekannt
80 „Charlies Doppelleben“ Jacqueline Wilson  unbekannt
81 „Die Zwicks stehen Kopf“ Roald Dahl  autor bekannt
82 „I Capture The Castle“ Dodie Smith  unbekannt
83 „Löcher“ Louis Sachar  unbekannt
84 „Im Schloß“ Mervyn Peake  unbekannt
85 „Der Gott der kleinen Dinge“ Arundhati Roy schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
86 „Vicky Angel“ Jacqueline Wilson  unbekannt
87 „Schöne neue Welt“ Aldous Huxley  Regalgelesengefallen 2
88 „Cold Comfort Farm” Stella Gibbons  unbekannt
89 „Magician“ Raymond Feist  unbekannt
90 „Unterwegs“ Jack Kerouac  Regal
91 „Der Pate“ Mario Puzo  schon mal gehört
92 „Ayla und der Clan des Bären“ Jean M. Auel  unbekannt
93 „Die Farben der Magie“ Terry Pratchett Regal gelesengefallen 2
94 „Der Alchimist“ Paulo Coelho  autor bekannt
95 „Katherine“ Anya Seton  unbekannt
96 „Kain und Abel“ Jeffrey Archer  unbekannt
97 „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ Gabriel García Márquez  autor bekannt
98 „Girls In Love” Jacqueline Wilson  unbekannt
99 „Plötzlich Prinzessin“ Meg Cabot  Regalgelesengefallen 2
100 „Mitternachtskinder“ Salman Rushdie  autor bekanntvielleicht
Die besten Bücher der Welt

Vielen Dank an „Die besten Bücher der Welt“!

Wenn ihr mich fragt, ich finde diese Liste sehr natürlich. Klassiker und Unterhaltungsliteratur sind sehr vermischt, was auch meiner eigenen Bibliothek entspricht. Trotzdem ist sie auch äußerst national und englisch-sprachlich geprägt. Ich habe nicht ein einziges Buch deutscher AutorInnen entdeckt und sollte ich nichts übersehen haben, taucht außer „Der Graf von Monte Christo“ kein französisches Werk auf. Dafür haben die BritInnen keinerlei Geschlechter-Unterschiede gemacht, Frauen und Männer sind gleichermaßen vertreten.
Ich denke, durch die Umfrage der BBC kam eine Liste zustande, die den Geschmack der BritInnen widerspiegelt, aber wenig über die Qualität der Bücher aussagt. Das liegt natürlich maßgeblich am Auswahlverfahren. Ich finde, man sieht spätestens jetzt, wie unterschiedlich die Auffassung zum „besten Buch aller Zeiten“ sein kann; besonders, stellt man die Liste der BBC der Auswahl der ZEIT gegenüber. Die ZEIT hat es in meinen Augen übertrieben und nur Bücher ausgezeichnet, die einen „literarischen Mehrwert“ haben; die BBC erstellte hingegen eine Liste, die überhaupt keinen Wert auf literarische Signifikanz legte. Ich bin mit beiden Vorgehensweisen nicht zufrieden. Auf die eine Art geht lesenswerte Trivialliteratur verloren, auf die andere Art wird Literatur, die den weltweiten Kanon geprägt hat, außen vor gelassen.
Überlässt man die Auswahl ausschließlich den LeserInnen, passiert es eben, dass Dahl, Rowling, Pratchett, Austen und Dickens mehrfach vertreten sind, aber kein einziger Goethe oder Shakespeare. Was mir besonders sauer aufstößt, ist das Fehlen von Oscar Wilde. Ihr lieben BritInnen, warum ignoriert ihr einen eurer größten Literaten überhaupt? Es ist für mich unverständlich, warum mein liebster Autor von seinen Landsleuten links liegen gelassen wird.
Im Fazit glaube ich, dass der „BBC Big Read“ nur wenig aussagekräftig ist. Sie mag (teilweise) die Regale vieler BritInnen repräsentieren, aber ich glaube, durch die Fragestellung nach dem „Für-alle-Zeiten“-liebsten Buch ist das Ergebnis verzerrt. Dadurch entstand keine Liste der besten Bücher, sondern der beliebtesten. Das ist meiner Meinung nach eindeutig ein Unterschied. Vielleicht hätte die BBC einfach anders fragen sollen. Vielleicht hätten sie ihre Zuschauer nach dem wertvollsten Buch aller Zeiten fragen sollen.
Oder, was sicher die beste Herangehensweise gewesen wäre, sie hätten wie Le Monde eine Vorauswahl treffen sollen.

Was haltet ihr vom „BBC Big Read“?

Findet ihr auch, dass diese Liste wenig über literarische Qualität aussagt? Ihr wisst ja, dass die Diskussionsfragen in etwa immer die gleichen sind, ich wiederhole sie jetzt aber trotzdem noch einmal für euch, damit ihr euch wieder an ihnen orientieren könnt. 🙂

  1. Welche dieser Bücher habt ihr bereits gelesen?
  2. Welche dieser Bücher möchtet ihr noch lesen?
  3. Welche dieser Bücher würdet ihr niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen?
  4. Findet ihr, dass alle diese Bücher ihren Platz in der Bestenliste zu Recht haben?
  5. Findet ihr, dass ein paar AutorInnen zu häufig vertreten sind?

Im „Let’s talk about…die Bestenliste von Le Monde“ habe ich geschrieben, dass die Liste der BBC die letzte ist, die “100 beste Bücher der Welt” zu bieten hat, aber da habe ich mich geirrt und muss mich deswegen bei euch entschuldigen. Es fehlt doch noch eine, diesmal wieder aus deutscher Sicht: die Bestenliste des ZDF. Diese letzte Liste möchte ich noch mit euch besprechen, bevor ich mir die Zeit nehme und unsere bisherigen Listen ein bisschen statistisch analysiere.

Jetzt freue ich mich aber erst mal auf eure Antworten, Meinungen und Kommentare. 🙂

Let’s talk about… die Bestenliste der BBC!

 
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Verfasst von - August 13, 2014 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… die Bestenliste von Le Monde

Heute führe ich mit euch die Diskussionsrunden zu den Bestenlisten weiter. Wir widmen uns heute den 100 besten Büchern aller Zeiten aus französischer Sicht. Ich schätze, von der Pariser Tageszeitung Le Monde habt ihr schon einmal gehört. Ich persönlich kenne vor allem Le Monde diplomatique, die kritische Analysen zu politischem Weltgeschehen veröffentlicht und direkt mit Le Monde verbunden ist. Sie erscheint nämlich seit 1995 als Beilage der taz. 😉
Da ihr immer sehr interessiert an dem zugrunde liegenden Auswahlverfahren der Bestenlisten seid, erkläre ich euch diesmal direkt, wie diese zustande kam. Le Monde beauftragte Literaturexperten, die ihrer Meinung nach 200 besten Bücher auszuwählen. Dann wurde diese Vorauswahl 17.000 Franzosen und Französinnen in einer Meinungsumfrage vorgestellt; sie sollten wiederum die Frage beantworten „Welche Bücher sind in ihrem Gedächtnis geblieben?“. Aus ihren Antworten wurden die Zielanzahl von 100 Büchern herausgefiltert. Obwohl die entstandene Liste sehr von französischer Literatur geprägt ist, gefällt mir dieses Auswahlverfahren gut, denn sie wurde nicht ausschließlich von „Fachidioten“ (das soll keine Beleidigung darstellen) zusammengestellt. Gleichzeitig kann man nicht erwarten, dass jeder x-beliebigen Person auf der Straße 100 großartige Bücher einfallen, die es wert sind, auf einer Bestenliste zu stehen. Eine Vorauswahl von Menschen treffen zu lassen, die sich beruflich mit Literatur beschäftigen, halte ich daher für sinnvoll.
Doch nun, lasst uns anfangen. Die Legende findet ihr wie üblich hier:

Legende

Top 100 Bücher von Le Monde

Rang Titel Autor Elli’s Info
1 „Der Fremde“ Albert Camus vorgenommennoch drüber nachdenken
2 „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ Marcel Proust autor bekanntvielleicht
3 „Der Prozess“ Franz Kafka niemals autor bekannt
4 „Der kleine Prinz“ Antoine de Saint-Exupéry Regalgelesengefallen 2
5 „So lebt der Mensch“ André Malraux  unbekannt
6 „Reise ans Ende der Nacht“ Louis-Ferdinand Céline unbekannt
7 „Früchte des Zorns“ John Steinbeck Regalgelesengefallen 2
8 „Wem die Stunde schlägt“ Ernest Hemingway  vorgenommen
9 „Der große Meaulnes“ Alain-Fournier  unbekannt
10 „Der Schaum der Tage“ Boris Vian  unbekannt
11 „Das andere Geschlecht“ Simone de Beauvoir  vorgenommen
12 „Warten auf Godot“ Samuel Beckett autor bekanntnoch drüber nachdenken
13 „Das Sein und das Nichts“ Jean-Paul Sartre autor bekannt vielleicht
14 „Der Name der Rose“ Umberto Eco Regal gelesengefallen 2
15 „Der Archipel Gulag“ Alexander Solschenizyn  unbekannt
16 „Paroles“ Jacques Prévert  unbekannt
17 „Alkohol“ Guillaume Apollinaire  schon mal gehört
18 „Der Blaue Lotos“ Hergé  schon mal gehört
19 „Tagebuch der Anne Frank“ Anne Frank Regalgelesengefallen 2
20 „Traurige Tropen“ Claude Lévi-Strauss  schon mal gehört
21 „Schöne neue Welt“ Aldous Huxley Regalgelesengefallen 2
22 „1984“ George Orwell  vorgenommen
23 „Asterix der Gallier“ René Goscinny & Albert Uderzo gelesengefallen 2
24 „Die kahle Sängerin“ Eugène Ionesco  unbekannt
25 „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ Sigmund Freud autor bekannt vielleicht
26 „Die schwarze Flamme“ Marguerite Yourcenar  unbekannt
27 „Lolita“ Vladimir Nabokov niemals autor bekannt
28 „Ulysses“ James Joyce Regalnoch abwarten
29 „Die Tatarenwüste“ Dino Buzzati  unbekannt
30 „Die Falschmünzer“ André Gide  schon mal gehört
31 „Der Husar auf dem Dach“ Jean Giono  unbekannt
32 „Die Schöne des Herrn“ Albert Cohen  unbekannt
33 „Hundert Jahre Einsamkeit“ Gabriel García Márquez  autor bekannt
34 „Schall und Wahn“ William Faulkner  vorgenommen
35 „Die Tat der Thérèse Desqueyroux“ François Mauriac  unbekannt
36 „Zazie in der Metro“ Raymond Queneau  unbekannt
37 „Verwirrung der Gefühle“ Stefan Zweig  autor bekannt
38 „Vom Winde verweht“ Margaret Mitchell  niemals
39 „Lady Chatterleys Liebhaber“ D. H. Lawrence schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
40 „Der Zauberberg“ Thomas Mann vorgenommen
41 „Bonjour tristesse“ Françoise Sagan  schon mal gehört
42 „Das Schweigen des Meeres“ Vercors  unbekannt
43 „Das Leben Gebrauchsanweisung“ Georges Perec  unbekannt
44 „Der Hund von Baskerville“ Arthur Conan Doyle niemals autor bekannt
45 „Die Sonne Satans“ Georges Bernanos  unbekannt
46 „Der große Gatsby“ F. Scott Fitzgerald gelesengefallen 2
47 „Der Scherz“ Milan Kundera  unbekannt
48 „Die Verachtung“ Alberto Moravia  unbekannt
49 „Alibi“ Agatha Christie niemals autor bekannt
50 „Nadja“ André Breton  unbekannt
51 „Aurélien“ Louis Aragon  unbekannt
52 „Der seidene Schuh“ Paul Claudel  unbekannt
53 „Sechs Personen suchen einen Autor“ Luigi Pirandello  unbekannt
54 „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ Bertolt Brecht niemals autor bekannt
55 „Freitag oder Im Schoß des Pazifik“ Michel Tournier  unbekannt
56 „Der Krieg der Welten“ H. G. Wells  vorgenommen
57 „Ist das ein Mensch?“ Primo Levi  schon mal gehört
58 „Der Herr der Ringe“ J. R. R. Tolkien gelesennicht gefallen
59 „Les Vrilles de la vigne“ Sidonie-Gabrielle Colette  unbekannt
60 „Hauptstadt der Schmerzen“ Paul Éluard  unbekannt
61 „Martin Eden“ Jack London autor bekannt vielleicht
62 „Südseeballade“ Hugo Pratt  unbekannt
63 „Am Nullpunkt der Literatur“ Roland Barthes  schon mal gehört
64 „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ Heinrich Böll  gelesennicht gefallen
65 „Das Ufer der Syrten“ Julien Gracq  unbekannt
66 „Die Ordnung der Dinge“ Michel Foucault  autor bekannt
67 „Unterwegs“ Jack Kerouac  Regal
68 „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson“ Selma Lagerlöf gelesengefallen 2(teilweise)
69 „Ein Zimmer für sich allein“ Virginia Woolf  autor bekanntvielleicht
70 „Die Mars-Chroniken“ Ray Bradbury  autor bekanntvielleicht
71 „Die Verzückung der Lol V. Stein“ Marguerite Duras  unbekannt
72 „Das Protokoll“ Jean-Marie Gustave Le Clézio  autor bekannt
73 „Tropismen“ Nathalie Sarraute  unbekannt
74 „Tagebücher 1887 – 1910“ Jules Renard  autor bekannt
75 „Lord Jim“ Joseph Conrad  unbekannt
76 „Schriften“ Jacques Lacan  unbekannt
77 „Das Theater und sein Double“ Antonin Artaud  schon mal gehört
78 „Manhattan Transfer“ John Dos Passos  Regal
79 „Fiktionen“ Jorge Luis Borges  schon mal gehört
80 „Moloch. Das Leben des Moravagine“ Blaise Cendrars  unbekannt
81 „Der General der toten Armee“ Ismail Kadare  unbekannt
82 „Sophies Entscheidung“ William Styron schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
83 „Zigeunerromanzen“ Federico García Lorca  unbekannt
84 „Maigret und Pietr der Lette“ Georges Simenon  unbekannt
85 „Notre-Dame-des-Fleurs“ Jean Genet  unbekannt
86 „Der Mann ohne Eigenschaften“ Robert Musil  unbekannt
87 „Fureur et mystère“ René Char  unbekannt
88 „Der Fänger im Roggen“ J. D. Salinger Regalgelesen gefallen 2
89 „Keine Orchideen für Mrs. Blandish“ James Hadley Chase  unbekannt
90 „Die Abenteuer von Blake und Mortimer“ Edgar P. Jacobs  unbekannt
91 „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ Rainer Maria Rilke niemals autor bekannt
92 „Paris-Rom oder Die Modifikation“ Michel Butor  unbekannt
93 „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ Hannah Arendt  unbekannt
94 „Der Meister und Margarita“ Michail Bulgakow  autor bekannt
95 Trilogie: „Sexus“, „Plexus“ & „Nexus“ Henry Miller  schon mal gehört
96 „Der große Schlaf“ Raymond Chandler  schon mal gehört
97 „Seemarken“ Saint-John Perse  unbekannt
98 „Gaston“ André Franquin  unbekannt
99 „Unter dem Vulkan“ Malcom Lowry  unbekannt
100 „Mitternachtskinder“ Salman Rushdie  autor bekannt

Vielen Dank an „Die besten Bücher der Welt“!

Wie ihr seht, hat mich diese Liste recht ratlos zurück gelassen. Viele Bücher kenne ich nicht und habe auch noch nie von ihnen gehört. Tatsächlich gibt es zu einigen nicht mal einen Wikipedia-Artikel und das will wohl was heißen. Trotzdem muss ich sagen, dass mir diese Aufzählung besser gefällt als die der ZEIT. Natürlich sind die französischen LeserInnen ein patriotisches Völkchen, das den eigenen AutorInnen die Treue hält, aber es sind einige Bücher aufgelistet, die mir bei der ZEIT gefehlt haben.
Insgesamt ist diese Liste äußerst bunt gemischt. Sie enthält Dichtung, Romane, Theaterstücke und erstaunlicherweise sogar den Comic „Asterix der Gallier“ unter den Top 25. Ich gebe zu, das lässt mich durchaus ein bisschen die Stirn runzeln. Es gibt deutlich bessere und wertvollere Literatur als Asterix‘ Abenteuer gegen die Römer, so sehr ich sie im Französisch-Unterricht auch genossen habe. Aber gut, hier spielt sicherlich auch das oben beschriebene Auswahlverfahren hinein. Ein Comic bleibt vermutlich einfach besser im Gedächtnis hängen als ein mehr oder weniger anspruchsvoller Roman.
Lustig finde ich, dass die deutschen Herren der ZEIT ein ganz anderes Verständnis von wertvoller französischer Literatur haben als die Franzosen selbst. Honoré de Balzac taucht in der Liste der ZEIT beispielsweise auf, in der Liste von Le Monde aber nicht. Das gleiche gilt für Victor Hugo und Émile Zola. Jean-Paul Sartre ist auf der Bestenliste von Le Monde mit einem anderen Buch vertreten als auf der Liste der ZEIT. „Der Fremde“ von Albert Camus ist aus Sicht der Franzosen das beste Buch aller Zeiten, die deutschen Herren gaben ihm nur Platz 89.

Wenn ich mir diese interessanten Überschneidungen und Nicht-Überschneidungen so ansehe, werde ich mir wohl die Zeit nehmen, diese ein bisschen statistisch zu analysieren. Uns fehlt nun noch eine 100-Bücher-Bestenliste von „100 beste Bücher der Welt“ – die der BBC. Sobald wir diese gemeinsam besprochen haben, werde ich wohl einen Beitrag einschieben, der ein paar Vergleiche anstellt, bevor wir mit anderen Bestenlisten weitermachen. Ich hoffe, das findet eure Zustimmung; ich persönlich fände einen Überblick spannend.

Wie denkt ihr über die Bestenliste von Le Monde?

Ergeht es euch ähnlich wie mir? Ist euch der Großteil völlig unbekannt? Erneut habe ich ein paar Diskussionsfragen vorbereitet, an denen ihr euch orientieren könnt:

  1. Welche dieser Bücher habt ihr bereits gelesen?
  2. Welche dieser Bücher möchtet ihr noch lesen?
  3. Welche dieser Bücher würdet ihr niemals auch nur mit der Kneifzange anfassen?
  4. Findet ihr, dass alle diese Bücher ihren Platz in der Bestenliste zu Recht haben (Stichwort: „Asterix der Gallier“)?
  5. Habt ihr ein paar dieser Bücher vielleicht sogar im französischen Original gelesen?

Mir machen diese Diskussionsrunden sehr viel Spaß, daher freue ich mich wie üblich ungemein auf eure Antworten, Kommentare und Meinungen. 🙂 Und jetzt:

Let’s talk about… die Bestenliste von Le Monde!

 
7 Kommentare

Verfasst von - Juli 9, 2014 in Let's talk about...

 

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Let’s talk about… die Bestenliste der ZEIT

Ab heute möchte ich mit euch über die zweite Buch – Bestenliste diskutieren. Diese stammt von der ZEIT; ich habe sie mir bei „Die besten Bücher der Welt“ ausgeborgt (das Logo dieser Seite findet ihr unterhalb der Tabelle). Ich möchte euch nun zuerst die Liste präsentieren, inklusive den Symbolen, die euch zeigen, welche Beziehung ich bisher zu den Büchern habe. Im Anschluss werde ich dazu noch ein paar Worte sagen, denn es gibt ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind.
Die Legende zu den Symbolen findet ihr wieder hier:

Legende

Top 100 Bücher der ZEIT

Rang Titel Autor Elli’s Info
1 „Die Bibel“  vorgenommennoch drüber nachdenken
2 „Odyssee“ Homer  Regalnoch abwarten
3 „Apologie“ Platon schon mal gehört autor bekanntnoch drüber nachdenken
4 „Aeneis“ Vergil schon mal gehört autor bekanntnoch drüber nachdenken
5 „Germania“ Tacitus niemals unbekannt
6 „Daphnis und Chloe“ Longos  niemalsunbekannt
7 „Bekenntnisse“ Augustinus  niemalsunbekannt
8 „Die Erzählungen aus tausendundein Nächten“ gelesen gefallen 2(teilweise)
9 „Parzival“ Wolfram von Eschenbach niemals schon mal gehört
10 „Tristan“ Gottfried von Straßburg  schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
11 „Das Nibelungenlied“  vorgenommennoch abwarten
12 „Die Göttliche Komödie“ Dante Alighieri  vorgenommennoch abwarten
13 „Das Decameron“ Giovanni Boccaccio niemals autor bekannt
14 „Utopia“ Thomas Morus schon mal gehört autor bekannt
15 „Gargantua und Pantagruel“ François Rabelais  niemalsunbekannt
16 „Essais“ Michel de Montaigne  niemalsunbekannt
17 „Der abenteuerliche Simplicissimus“ Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen  niemalsschon mal gehört
18 „Pensées“ Blaise Pascal  unbekannt
19 „Robinson Crusoe“ Daniel Dafoe  vorgenommen
20 „Gullivers Reisen“ Jonathan Swift schon mal gehört autor bekannt
21 „Tom Jones“ Henry Fielding  autor bekannt
22 „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“ Laurence Sterne  unbekannt
23 „Candide“ Voltaire schon mal gehört autor bekannt
24 „Die Leiden des jungen Werther“ Johann Wolfgang von Goethe Regal gelesennicht gefallen
25 „Anti-Goeze“ Gotthold Ephraim Lessing schon mal gehört autor bekannt
26 „Die Bekenntnisse“ Jean-Jaques Rousseau  niemalsautor bekannt
27 „Anton Reiser“ Karl Philipp Moritz  unbekannt
28 „Zum ewigen Frieden“ Immanuel Kant  niemalsautor bekannt
29 „Der arme Mann in Tockenburg“ Ulrich Bräker niemals unbekannt
30 „Ästhetische Schriften“ Friedrich Schiller niemalsschon mal gehört autor bekannt
31 „Jaques der Fatalist und sein Herr“ Denis Diderot schon mal gehört autor bekannt
32 „Siebenkäs“ Jean Paul  unbekannt
33 „Hyperion“ Friedrich Hölderlin  schon mal gehört
34 „Sudelbücher“ Georg Christoph Lichtenberg  unbekannt
35 „Die Wahlverwandtschaften“ Johann Wolfgang von Goethe  Regal
36 „Erzählungen“ Heinrich von Kleist niemalsautor bekannt
37 „Das Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreunds“ Johann Peter Hebel  niemalsunbekannt
38 „Kinder- und Hausmärchen“ Die Brüder Grimm gelesengefallen 2(vmtl. nicht alle)
39 „Kater Murr und Kreisler“ E. T. A. Hoffmann schon mal gehört autor bekannt
40 „Geschichte meines Lebens“ Giacomo Casanova  schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
41 „Aus dem Leben eines Taugenichts“ Joseph von Eichendorff schon mal gehört autor bekannt
42 „Rot und Schwarz“ Stendhal  Regalnoch abwarten
43 „Lenz“ Georg Büchner schon mal gehört autor bekanntnoch drüber nachdenken
44 „Verlorene Illusionen“ Honoré de Balzac  autor bekannt
45 „Oliver Twist“ Charles Dickens Regal noch abwarten
46 „Die toten Seelen“ Nikolaj Gogol  autor bekannt
47 „Entweder – Oder“ Søren Kierkegaard  unbekannt
48 „Deutschland. Ein Wintermärchen“ Heinrich Heine  Regalnoch abwarten
49 „Phantastische Erzählungen“ Edgar Allan Poe Regal
50 „Moby Dick“ Herman Melville  vorgenommen
51 „Parerga und Paralipomena“ Arthur Schopenhauer  autor bekannt
52 „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ Karl Marx niemals autor bekannt
53 „Märchen“ Hans Christian Andersen  gelesengefallen 2(nicht alle)
54 „Der grüne Heinrich“ Gottfried Keller  autor bekannt
55 „Madame Bovary“ Gustave Flaubert  schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
56 „Oblomow“ Iwan Alexandrowitsch Gontscharow  unbekannt
57 „Die Elenden“ Victor Hugo  schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
58 „Alice im Wunderland“ Lewis Carroll Regal gelesengefallen 2
59 „Väter und Söhne“ Iwan Turgenew  schon mal gehört
60 „Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge“ Wilhelm Raabe  unbekannt
61 „Krieg und Frieden“ Leo Tolstoi  niemalsschon mal gehörtautor bekannt
62 „Erzählungen“ Adalbert Stifter niemalsunbekannt
63 „Die Dämonen“ Fjodor Dostojewski  schon mal gehörtautor bekannt
64 „Menschliches, Allzumenschliches“ Friedrich Nietzsche  niemalsautor bekannt
65 „Germinal“ Émile Zola  autor bekannt
66 „Sohn einer Magd“ August Strindberg  autor bekannt
67 „Hunger“ Knut Hamsun  unbekannt
68 „Das Bildnis des Dorian Gray“ Oscar Wilde Regal gelesengefallen 2
69 „Erzählungen“ Anton Tschechow  niemalsautor bekannt
70 „Der Stechlin“ Theodor Fontane  autor bekannt
71 „Buddenbrooks“ Thomas Mann vorgenommen autor bekannt
72 „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ Robert Musil  unbekannt
73 „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ Rainer Maria Rilke niemalsautor bekannt
74 „Der Untertan“ Heinrich Mann vorgenommen autor bekannt
75 „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ Marcel Proust  autor bekannt
76 „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ Jaroslav Hašek  unbekannt
77 „Ulysses“ James Joyce  Regalnoch abwarten
78 „Manhattan Transfer“ John Dos Passos  Regal
79 „Das Schloss“ Franz Kafka  niemalsautor bekannt
80 „Der Steppenwolf“ Hermann Hesse  Regal
81 „Berlin Alexanderplatz“ Alfred Döblin  Regalnoch abwarten
82 „Spuren“ Ernst Bloch  unbekannt
83 „Das Unbehagen in der Kultur“ Sigmund Freud  Regal
84 „Mein Leben“ Leo Trotzki  schon mal gehört
85 „Licht im August“ William Faulkner vorgenommen autor bekannt
86 „Erzählungen“ Franz Kafka  niemalsautor bekannt
87 „Tagebücher“ André Gide  niemalsunbekannt
88 „Das siebte Kreuz“ Anna Seghers Regal gelesennicht gefallen
89 „Der Fremde“ Albert Camus  schon mal gehörtnoch drüber nachdenken
90 „Erzählungen“ Heinrich Böll  niemalsschon mal gehört
91 „Querelle“ Jean Genet  unbekannt
92 „Der alte Mann und das Meer“ Ernest Hemingway Regalgelesen gefallen 2
93 „Stiller“ Max Frisch