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Archiv der Kategorie: Kinderbuch

Kai Meyer – Die Fließende Königin

Der „Merle-Zyklus“ zählt zu Kai Meyers populärsten Werken. Die Reihe, die als Trilogie seit 2002 als abgeschlossen galt, 2019 aber eine späte Fortsetzung erhielt, wurde innerhalb kürzester Zeit in ca. 25 Sprachen übersetzt und sogar bis nach Japan exportiert. Meyer und sein Verlag Loewe waren selbst überrascht, wie gut sich die Bücher international verkauften und das, obwohl der 2001 erschienene erste Band „Die Fließende Königin“ eine Art Gegenentwurf zur „Harry Potter“-Reihe darstellte, die damals ihren legendären Hype erfuhr. Loewe hatte Meyer gebeten, eine Fantasy-Jugendtrilogie zu verfassen; der Autor erklärte sich dazu bereit, wollte aber ausdrücklich weder einen „Harry Potter“-Verschnitt noch Tolkien-Fantasy schreiben. Loewe war einverstanden – das Konzept ging auf und der „Merle-Zyklus“ entwickelte sich zu einem deutschen Welterfolg.

Einst war Venedig eine funkelnde Metropole voller Magie. Meerjungfrauen planschten in den Kanälen, Zauberei flirrte durch die verschlungenen Gassen und steinerne geflügelte Löwen flogen über die Dächer. Nach 30 Jahren der Belagerung ist vom Glanz der Vergangenheit allerdings nicht viel geblieben. Allein die Macht der Fließenden Königin hindert die Ägypter daran, die Stadt einzunehmen. Sie ist das Flüstern der Wellen, die Kraft der Strömung – und manchmal bewahrt sie kleine Mädchen vor dem Ertrinken. Merle war noch ein Baby, als sie in einem Weidenkorb auf dem großen Kanal ausgesetzt wurde. Im Waisenhaus lernte sie früh, dass die Welt für Kinder wie sie wenig Güte bereithält. Sie ist dankbar, mit 14 Jahren eine Lehrstelle bei dem berühmten Spiegelmacher Arcimboldo zu erhalten. Niemals hätte sie sich träumen lassen, dass das Schicksal Venedigs auf ihren Schultern lasten könnte. Kurz nach Beginn ihrer Lehre erfährt sie zufällig von einer Verschwörung gegen die Fließende Königin und plötzlich ist Merle die Einzige, die zwischen ihrer Heimat und den Ägyptern steht. Kann ein Waisenmädchen eine ganze Stadt retten?

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Richard Adams – Unten am Fluß: Watership Down

2015-11-12 - Adams Unten am Fluß

„Unten am Fluß: Watership Down“ von Richard Adams wurde 1972 veröffentlicht. Die Entstehung dieses internationalen Bestsellers geht auf eine Fahrt von London nach Stratford-upon-Avon (Shakespeares Geburtsort, mal so nebenbei) zurück, während derer Adams begann, seinen beiden 8- und 9-jährigen Töchtern eine Geschichte über Wildkaninchen zu erzählen, die fantastische Abenteuer bestanden. In den folgenden drei Wochen wurde die Geschichte immer länger, da Adams nun auch die Schulfahrten seiner Mädchen nutzte, um ihnen weitere Kapitel zu erzählen. Letztendlich überredeten ihn die beiden, aus seiner Geschichte ein Buch zu schreiben.
Ich persönlich bin mit der Geschichte in Form des Zeichentrickfilms von 1978 aufgewachsen, habe diesen aber nur ein einziges Mal gesehen, weil er mir als Kind fruchtbare Angst gemacht hat. Das Buch hat meine Mutter auf einem Flohmarkt erstanden; ich habe entschieden, es zu lesen, um meinen Eindruck aus Kindertagen möglicherweise zu korrigieren.

Wildkaninchen verlassen ihr Gehege nie. Es sei denn, ihnen bleibt keine andere Wahl. Als Hazel erfährt, dass sein Bruder Fiver fest überzeugt ist, dass ihrem Gehege in Sandleford ein schreckliches Schicksal bevorsteht, sucht er sofort das Oberkaninchen auf, um es davon zu überzeugen, wegzugehen. Dieses tut Fivers Befürchtungen als Unsinn ab, doch Hazel vertraut seinem Bruder. Noch in der gleichen Nacht schart er einige mutige Kaninchen um sich und kehrt Sandleford den Rücken. Gemeinsam wagen sie sich auf der Suche nach einer neuen Heimat in die Wildnis. So beginnt ihre Geschichte, in deren Verlauf sie lernen, dass das Leben auch für eine kleine Gruppe Kaninchen zahllose Abenteuer und Herausforderungen bereithält.

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Verfasst von - 28. November 2015 in Englisch, Kinderbuch, Klassiker, Rezension

 

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James Krüss – Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

„Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“

Timm Thaler

Autor: James Krüss

Format: Hardcover

Seitenzahl: 460

Verlag: Der Kinderbuchverlag Berlin

Sprache: Deutsch

ISBN: keine Angabe

Genre: Kinderbuch

ausgelesen am: 25.12.2014

Bewertung:

Es wäre töricht von mir, anzunehmen, dass ich „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss jemals herkömmlich rezensieren könnte. Das geht einfach nicht. Unsere gemeinsame Vorgeschichte ist so lang und intensiv, dass ich nicht einfach die Vor- und Nachteile des Buches abwägen und dann ein Urteil fällen kann. Dazu bin ich viel zu emotional und nostalgisch, sobald es um Timm geht. Also habe ich mich entschieden, es gar nicht erst zu versuchen. Ich habe keine einzige Notiz für diesen Post zu Papier gebracht. Ich glaube auch nicht, dass das nötig ist. Ich werde einfach mein Herz sprechen lassen.

Der schlimmste Tag im Leben des kleinen Timm Thaler ist der Tag, an dem sein Vater stirbt. Plötzlich ist er mit seiner hysterischen, strengen Stiefmutter und ihrem grässlichen Sohn Erwin allein. Von seiner Trauer völlig überwältigt, sucht er den einen Ort auf, an dem er sich seinem Vater nahe fühlt: die Pferderennbahn. Auf das Drängen eines Fremden hin, der behauptet, seinen Vater gekannt zu haben, wettet Timm – und er gewinnt! Timm kann gar nicht fassen, wie glücklich ihn sein Gewinn macht. Er beginnt zu glauben, dass auch das Leben mit der Stiefmutter und Erwin wesentlich erträglicher wäre, wenn sie nur viel Geld hätten. Wie praktisch, dass ihm der Fremde, der sich als Herr L. Lefuet zu erkennen gibt, ein richtiges Geschäft vorschlägt: er möchte Timm die Fähigkeit verleihen, jede Wette zu gewinnen, völlig egal, wie absonderlich sie auch sein mag – im Austausch für sein Lachen. Timm lässt sich auf das Geschäft ein und wahrlich, fortan gewinnt er jede Wette. Doch glücklich macht ihn das nicht. Er begreift, dass man ohne Lachen nicht glücklich sein kann. So beginnt die Jagd nach Timms Lachen, eine Jagd, die ihn um die ganze Welt führt, obwohl die Lösung bereits direkt vor seiner Nase liegt.

Ich möchte ganz fest daran glauben, dass „Timm Thaler“ maßgeblich dazu beigetragen hat, mich zu einem besseren Menschen heranwachsen zu lassen. Dass ich dank James Krüss ich in dem Bewusstsein groß geworden bin, dass es Dinge auf der Welt gibt, die unbezahlbar und nicht mit Gold aufzuwiegen sind. Bis heute erinnert es mich bei jedem Reread wieder daran, dass Glück nicht durch viel Geld oder Materielles zu Stande kommt. Diese Lektion habe ich auf diese Weise so früh gelernt, dass ich mir eine Kindheit ohne dieses Wissen und natürlich auch diese Geschichte gar nicht vorstellen kann.
Ich habe mit meiner Mutter über das Buch gesprochen, nachdem ich den Beitrag Das Wort zum Sonntag geschrieben habe. Wie gesagt wusste ich bis dahin nicht, wie alt unsere Ausgabe ist. Sie hat es mir erzählt: das Buch in meinem Regal, mein unser Timm Thaler ist sage und schreibe 50 Jahre alt. Ein halbes Jahrhundert. Doppelt so alt wie ich. Mich macht das völlig sprachlos. 50 Jahre und die Moral oder Botschaft der Geschichte ist damals wie heute aktuell. Heute vielleicht sogar noch mehr als damals. In einer Welt, in der der alles verschlingende Kapitalismus uns das Konsumieren mit der Muttermilch einsaugen lässt, in der uns vorgegaukelt wird, ALLES wäre mit einem Preisschild versehen, bin ich dankbar, dass Timm in meinem Leben stets eine Art Kompass war und ist.
Als Kind erschien mir die Geschichte extrem aufregend und ich muss sagen, auch heute ist sie das noch immer, obwohl die Dimensionen sich verändert haben. Eine Weltreise, das klang für meine Kinderohren über die Maßen dekadent und einfach GROß. Heutzutage kann ich mit den Städten, Ländern und Entfernungen, die Timm besuchte und zurücklegte, natürlich wesentlich mehr anfangen. Ich habe gemerkt, dass ich gewachsen bin und die Welt mittlerweile nicht mehr als das unbekannte Universum wahrnehme, als das sie mir als kleiner Steppke vorkam. Einerseits finde ich das schade, denn dadurch ist seine Reise für mich kein Wunder mehr. Andererseits ist es atemberaubend, nach all den Jahren endlich wirklich zu WISSEN, wo Timm war. So ist es wohl mit dem Erwachsen-Werden: die Wunder schrumpfen, aber dafür wächst das Gefühl, der Welt ein Stück näher gekommen zu sein.
Ich glaube, mein Interesse an Theorien über den Teufel (Satan, Luzifer, Lycidas, wie auch immer ihr ihn nennen wollt) hat seinen Ursprung ebenfalls in „Timm Thaler“. Es war mein erster Kontakt mit dem Herrscher der Hölle und seitdem habe ich nie aufgehört, mir meine Gedanken über ihn zu machen. Es war spannend, die mutmaßlichen Wurzeln meiner Neugierde schwarz auf weiß vor mir ausgebreitet zu sehen.

Für mich hat sich dieser Reread wirklich gelohnt. Noch einmal in eine Geschichte meiner Kindheit einzutauchen, in diese Geschichte, war bezaubernd. Ich bin mittlerweile sicher, dass meine Mutter mir „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ vorgelesen hat, bevor ich es selbst lesen konnte. Denn während ich es in den Händen hielt und sich in meinem Kopf all die unglaublichen Erlebnisse in Timms Leben abspielten, war es, als könnte ich ihre Stimme hören. Ihre Intonation, ihr Tonfall, als würde sie erneut für mich lesen. Das war sehr schön und ich habe mich meiner Mama sehr nahe gefühlt dabei.
Wenn ihr bisher noch nie dazu gekommen seid, Timms Geschichte zu lesen, holt das umgehend nach. Wenn ich könnte, ich würde es euch befehlen und euch zwingen (ihr wisst, wie ich das meine). Niemand sollte durchs Leben gehen, ohne Timm im Herzen zu tragen. Denn nach über 20 Jahren bringt er, der Junge, der nicht lachen kann, mich noch immer zum Lächeln. Auf dieses Gefühl sollte niemand verzichten.

 
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Verfasst von - 30. Dezember 2014 in Kinderbuch, Rezension

 

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