RSS

Archiv der Kategorie: Humor

Terry Pratchett – Die volle Wahrheit

Sir Terry Pratchett verstarb mit 66 Jahren am 12. März 2015. Sein Vermächtnis ist die „Scheibenwelt“, die ihm schwindelerregende Popularität als Fantasy-Autor verlieh. Das Gesamtwerk umfasst 41 Romane, die in verschiedene Zyklen kategorisiert werden können. Pratchett erwartete von seinen Leser_innen allerdings nie, seine Bücher in einer festgelegten Reihenfolge zu lesen. Die meisten Geschichten sind in sich abgeschlossen und verlangen kein Vorwissen. Deshalb habe ich bereits vor Jahren beschlossen, mich bei der Lektüre der „Scheibenwelt“ nicht an eine spezifische Chronologie zu halten, sondern frei nach Bauchgefühl zu lesen. „Die volle Wahrheit“ ist offiziell der 25. Band, der in meinem Bücherregal zu Hause ist, weil es darin um Pressefreiheit und Journalismus geht.

Ein Gerücht hält sich hartnäckig in Ankh-Morpork. Es heißt, die Zwerge könnten Blei in Gold verwandeln. Die neue Innovation der Druckerpresse ermöglicht es ihnen, auf fast magische Weise schnell beliebig viele Kopien eines Schriftstücks anzufertigen. Zufällig landet der junge William de Worde in ihrer Werkstatt, der sein Geld damit verdient, Adlige per Post mit Neuigkeiten aus der Stadt zu versorgen. Aus Versehen stellt er bei einem seiner Besuche die erste Tageszeitung der Scheibenwelt auf die Beine. Kaum gegründet, erhält die Ankh-Morpork-Times auch schon ihre erste Schlagzeile: der Patrizier wird des Mordes angeklagt! William und sein Team ziehen los, um Fragen zu stellen und finden rasch heraus, dass die Fakten nicht zusammenpassen. Es sieht ganz so aus, als wäre der Regent Opfer einer böswilligen Verschwörung geworden. Aber wieso? Wem könnte daran gelegen sein, ihn abzusetzen? Und was noch viel wichtiger ist: wird die Wahrheit überhaupt jemanden interessieren?

👉 Weiterlesen

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Oliver Dierssen – Fledermausland

Oliver Dierssen, Jahrgang 1980, ist hauptberuflich Kinder- und Jugendpsychiater. Nach drei eher unglücklichen Schreibversuchen setzte er sich 2008 an seinen Debütroman „Fledermausland“. Die Idee war, „ein Buch zu schreiben, das man in der Bahnhofsbuchhandlung Hannover kauft, dann im ICE nach München flott durchliest und in München gut gelaunt aussteigt“. Statt das Manuskript einfach an Verlage zu schicken, nahm Dierssen an dem Heyne-Schreibwettbewerb „Schreiben Sie einen magischen Bestseller“ teil und schaffte es unter die besten Fünf. 2009 veröffentlichte Heyne den Roman; 2010 erhielt er den Deutschen Phantastik Preis als „Bester deutschsprachiger Debütroman“. Ich entschied mich, „Fledermausland“ im März 2018 zu lesen, weil ich nach „Vaterland“ von Robert Harris dringend etwas zum Lachen brauchte.

Fragte man Sebastian Schätz, wann genau sein Leben völlig außer Kontrolle geriet, würde er ohne zu zögern antworten: in der Nacht der Fledermaus. Seit ihn das fürchterliche Biest heimtückisch angriff, ist nichts mehr, wie es sein sollte. Erst muss er sich mit unwirschen Sanitätern herumplagen, die sein Fledermausproblem nicht ernstnehmen. Tags darauf wird er auf der Kinotoilette von einem depressiven Typen überfallen, der sich als Theodor vorstellt und behauptet, ein Vampir zu sein. Und wann ist eigentlich dieser Domowoj in seinem Spülschrank eingezogen? Sebastians Leben mutiert rasant zu einem chaotischen Mahlstrom, dabei will er doch eigentlich nur seine umwerfende Angebetete Kim davon überzeugen, endlich seine Freundin zu werden. Ist denn die ganze Welt verrückt geworden? Als dann auch noch Zwerge von der GEZ auf seiner Couch sitzen und ihm verbieten wollen, Kim jemals wiederzusehen, reicht es Sebastian. Es wird Zeit, den Dingen auf den Grund zu gehen, ob es diese Dinge nun geben sollte oder nicht!

👉 Weiterlesen

 
3 Kommentare

Verfasst von - 28. Juni 2018 in Fantasy, Humor, Rezension, Urban Fantasy

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Leonie Swann – Garou

2017-01-22-swann-garou

Als ich „Garou“ von Leonie Swann aus dem Regal zog und aufschlug, segelte mir ein altes Lesezeichen entgegen. Ich habe die Fortsetzung des erfolgreichen Schafskrimis „Glennkill“ vor Jahren schon einmal begonnen, dann aber abgebrochen. Ich meine mich zu erinnern, dass das Buch ein Fall von „Nicht auf den Bauch gehört“ war. Ich nahm es mir vor, obwohl ich eigentlich keine Lust darauf hatte. Das war ein Fehler, denn dadurch bildeten sich in meinem Kopf negative Assoziationen, die mich lange Zeit davon abhielten, es noch einmal hervorzuholen. Glücklicherweise habe ich meine Vorurteile letztendlich doch überwunden und fühlte mich bereit, „Garou“ eine zweite Chance zu geben.

So hatten sich die Schafe von Glennkill ihre lang ersehnte Europareise nicht vorgestellt. Die Europäer verstehen offenbar nichts von schaflicher Gastfreundschaft. Sie müssen ihr Winterquartier im Schatten eines französischen Schlosses mit einer Ziegenherde teilen. Ziegen! Jedes Schaf weiß, dass Ziegen verrückt sind. Dass sich Menschen ihrer Verrücktheit anschließen, ist allerdings neu. Hinter vorgehaltener Hand flüstern sie von einem Loup Garou, einem Werwolf, der auf dem Schlossgelände sein Unwesen treiben soll. Ein Wolf im Menschenpelz? Ist das möglich? Die Glennkill-Schafe wollen nicht so recht an die unheimliche Legende glauben, doch als sie eine Leiche im Schnee entdecken, bleibt ihnen keine andere Wahl, als die Dinge selbst in die Hufe zu nehmen. Motiviert durch Kraftfutter und ausgestattet mit solider Schafslogik beginnen sie zu ermitteln, um die Herde und ihre Schäferin Rebecca zu schützen. Die Spuren führen tief in die Geschichte des alten Schlosses. Handelt es sich tatsächlich um einen Loup Garou oder verbergen sich hinter den dicken Mauern weitere Geheimnisse?

☞ Weiterlesen

 
6 Kommentare

Verfasst von - 28. Februar 2017 in Humor, Krimi, Rezension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Boris B.B.B. Koch – Die Anderen

2016-06-30 - Koch Die Anderen

„Die Anderen“ von Boris Koch ist der Beweis dafür, dass ein gut gefülltes Bücherregal samt monströsem SuB meiner Ansicht nach ein Segen ist. Nachdem ich „Die Abschaffung der Arten“ von Dietmar Dath gelesen hatte, musste ein leichte, lockere Lektüre her, die ich mir für jede meiner Challenges anrechnen konnte. Ich brauchte einen High Fantasy – Roman von einem deutschen Autor oder einer deutschen Autorin mit einem grünen Cover. Vier Anforderungspunkte sollten erfüllt sein. Mit meiner Privatbibliothek ist das kein Problem. „Die Anderen“ passte einfach perfekt, weshalb ich mich von etlichen negativen bzw. durchschnittlichen Rezensionen nicht einschüchtern ließ.

Das Orakel. Die Prophezeiung. Ein unbekanntes Volk, das die Welt bedroht und nur durch die Zusammenarbeit der vier Völker besiegt werden kann. Der Stoff, aus dem Helden gemacht sind!
Halt, halt, halt! Zusammenarbeit? Helden? Dass ich nicht lache! Zweckgemeinschaft egoistischer Chaoten trifft es eher. Zwei Elfen, die ihre Angebetete aus der Verbannung retten wollen, ein Trupp Orks, der sich bei der sadistischen Königin einzuschmeicheln versucht, ein Troll, der Medizin für den erkälteten Finstergeist des Berges sucht und zwei Zwerge, der eine auf der Suche nach seiner Herkunft, der andere auf einer obsessiven Mission zur Vernichtung aller Monos, gehen wohl kaum als Weltrettungskommando durch. Oder doch? Was als loser Verbund individueller Ziele begann, entwickelt sich schnell zu einer Gemeinschaft, die mit allen Wassern gewaschen ist. Sind sie bereit, es mit dem gefährlichsten Feind aufzunehmen, den die Welt je gesehen hat? Sind sie bereit für die Anderen?

>>> Weiterlesen

 
3 Kommentare

Verfasst von - 21. Juli 2016 in Fantasy, High Fantasy, Humor, Rezension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Daniela Rohr – fluggemEINSchaft

2015-10-04 - Rohr fluggemeinschaft

Erinnert ihr euch, dass ich schon einmal mit der Nachwuchsautorin Daniela Rohr zusammen gearbeitet habe? Im Februar habe ich auf ihre Bitte hin ihre Kurzgeschichte „Im Turm des Panopticons“ gelesen und rezensiert. Als sie im September abermals an mich herantrat und mir vorschlug, ihre neuste Veröffentlichung „fluggemEINSchaft“ auf meinem Blog vorzustellen, erklärte ich mich mit Freuden dazu bereit. „fluggemEINSchaft“ ist die erste Episode ihrer längeren Serie namens „Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All“, die Daniela selbst als „Space-Opera“ bezeichnet und getrost der humoristischen Science Fiction zugeordnet werden kann.

Als Singlefrau hat man es nicht leicht. Erst recht nicht, wenn man Kiki heißt, eine völlig unterschätzte Kosmetikfachangestellte im technischen Support ist und auf der Suche nach der wahren Liebe peinliche Singleveranstaltungen abklappern muss. Doch dass ein fantastisch aussehender Alien nach einer Nacht voller lebensveränderndem, grandiosem Sex ihren Vibrator klaut, geht einfach zu weit. Was bildet sich der Typ eigentlich ein? Was will er mit Kikis Spielzeug? Kiki beschließt, den Diebstahl nicht auf sich sitzen zu lassen und ihrem extraterrestrischen Liebhaber (und ihrem Vibrator) nachzujagen. Mit einem beachtlichen Vorrat an Kaffee in ihrem pessimistischen Handgepäck und einem telePhone voller mehr oder weniger nützlicher Apps macht sie sich auf die Reise durch eine Galaxie, die noch weit mehr Merkwürdigkeiten zu bieten hat als diebische Aliens.

>>> Weiterlesen

 
2 Kommentare

Verfasst von - 4. November 2015 in Humor, Rezension, Science Fiction

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Robin Li – Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit

„Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“

Der Grendel

Autor: Robin Li

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 508 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Sprache: Englisch

ISBN: 3957650143

Genre: Humor & Science Fiction

ausgelesen am: 03.04.2015

Bewertung:

„Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ habe ich in einer LovelyBooks – Leserunde gewonnen, für die ich mich aufgrund einer wirklich sehr netten Einladung der Autorin beworben hatte. Ich bin froh, endlich mit einiger Sicherheit von einer Autorin sprechen zu können, denn lange Zeit wusste ich gar nicht, ob Robin Li männlich oder weiblich ist. Natürlich spielt es an sich keine Rolle, es war mir allerdings schon etwas peinlich. Kürzlich fand ich jedoch ein paar Forenposts, die recht eindeutig auf eine Schriftstellerin hinweisen. Sollte ich dennoch daneben liegen – ich entschuldige mich hiermit von Herzen für diese Fehleinschätzung.
Da Robin Li so freundlich zu mir war, freute ich mich sehr auf die Lektüre. „Der Grendel“ versprach eine absurde Geschichte in bester Pratchett-Manier zu werden, die mit den Genregrenzen Seilspringen spielt.

Der Grendel – die Geißel der Galaxie. Seit tausenden von Jahren setzen die Jungas alles daran, diese Bestie unter Kontrolle zu halten. Die ganze Nation zittert, wird nur sein Name genannt. Dabei erinnert sich eigentlich niemand mehr daran, warum alle Angst vor ihm haben. Sogar seine Akte im Archiv ist erstaunlich unvollständig. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen, verstreut in der Galaxie. Wenn der Grendel erwacht, wird dieses Wissen gebraucht werden. Doch wem wird es nützen? Wird es offenbaren, wie der Grendel zur Strecke gebracht werden kann? Oder… wird es beweisen, dass er nicht die furchtbare Bestie ist, für die ihn alle halten, sondern ein Opfer?

Manche Bücher sind nicht für alle LeserInnen bestimmt. So, wie man nicht mit jedem Menschen auf der Welt befreundet sein kann und will, kann und will man auch nicht jedes Buch auf der Welt mögen. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben; vielleicht ist das Thema nicht das richtige, vielleicht ist die Umsetzung einer Idee nicht spannend genug gelungen. Und manchmal hat man einfach keinen Draht zum Autor oder zur Autorin. Genau das ist mir bei „Der Grendel“ passiert. Ich kann erkennen, warum andere LeserInnen sich bestimmt vor Lachen kugeln würden und es gar nicht mehr aus der Hand legen könnten –  ich selbst gehöre nur leider nicht dazu. Robin Li und ich, wir passen schlicht nicht zusammen, befinden uns sowas von nicht auf einer Wellenlänge. „Der Grendel“ war für mich daher eher die Erfüllung einer Pflicht als tatsächlicher Lesespaß.
Schon der Einstieg fiel mir recht schwer. Nicht nur stieß mir Lis Schreibstil sauer auf, den ich als unnötig kompliziert und verschachtelt empfand, ich brauchte auch gute 100 Seiten, bis ich ansatzweise das Gefühl entwickelt hatte, zu wissen, worum es überhaupt geht. Mir fehlte Leichtigkeit und der lockere, absurde Witz, den ich erwartet hatte. Ich musste mich wohl oder übel damit abfinden, dass Robin Li eine andere Auffassung von Humor hat als ich. Ihre Komik erschien mir zu gewollt, zu gekünstelt, um darüber lachen zu können und auch insgesamt schlich sich der Eindruck des Verbissenen, Angestrengten ein. „Der Grendel“ war meines Erachtens nach keine Geschichte, die von selbst strömte, sondern kleinlich, verwirrend und langatmig. Für jedes Stückchen Hintergrundinformation musste ich kämpfen, als wäre dieser Roman ein unheimlich anstrengendes Puzzle. Die Teile waren alle da, wollten sich aber einfach nicht zusammen fügen.
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sich das Buch zumindest über die Charaktere retten konnte – leider war das nicht der Fall. Ich konnte mit keiner der vielen Figuren etwas anfangen, weil ich sie nie wirklich kennenlernen durfte. Die häufigen Szenen- und Perspektivwechsel machten es mir unmöglich, eine Verbindung aufzubauen; jedes Mal, wenn ich dachte „Jetzt erfahre ich endlich mehr über diesen Charakter!“, musste ich ihn oder sie auch schon wieder verlassen. Dementsprechend sind die Kapitel häufig ebenfalls sehr kurz. Ich fragte mich ernstlich, warum Robin Li ihre Geschichte so oft unterbrach und habe bis heute keine Antwort darauf gefunden. Sicher gibt es LeserInnen, die diese Kürze schätzen, mich macht es allerdings eher misstrauisch, weil ich es nicht verstehe. Was ich hingegen sehr wohl verstanden habe, ist, dass Robin Li keine Umgebungsbeschreibungen mag. In diesem Punkt unterscheiden wir uns maßgeblich, denn ich empfinde das Aufbauen einer dichten, greifbaren Atmosphäre als unglaublich wichtig. Ich möchte gedanklich vor Ort sein, will quasi jedes Blatt an dem Baum zählen können, unter dem der Protagonist gerade sitzt. Dazu brauche ich die Hilfe des Autors oder der Autorin. Robin Li verzichtete bewusst darauf, die Geschichte von „Der Grendel“ in eine konkrete Umgebung einzubinden, wodurch ich erhebliche Probleme hatte, sie mir vorzustellen.

Es tut mir wahnsinnig leid, dass mir „Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ nicht sonderlich gefiel. Das Buch war ein Geschenk von Robin Li; ich hätte es wirklich gern gemocht und euch hier in den schillerndsten Farben angepriesen. Es ist nicht schlecht, aber es war einfach nicht die richtige Lektüre für mich. Niemand trägt Schuld daran, dass Robin Li und ich offenbar recht verschieden sind und zumindest als Autorin und Leserin nicht zusammen passen.
Ich möchte euch nicht von „Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ abraten, denn nur, weil es nicht mein Geschmack war, heißt das ja noch lange nicht, dass es euch ebenso ergeht. Deswegen habe ich zwei Sterne vergeben. Zwar ist „Der Grendel“ nicht mein Buch, aber eures könnte es ohne weiteres sein.

 
4 Kommentare

Verfasst von - 17. April 2015 in Humor, Rezension, Science Fiction

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Timothy Carter – Dämonenhunger

„Dämonenhunger“

dämonenhunger

Autor: Timothy Carter

Originaltitel: Epoch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 304 Seiten

Verlag: Droemer Knaur

Sprache: Deutsch

ISBN: 3426503328

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Humor

ausgelesen am: 01.02.2015

Bewertung:

Auf den Autor Timothy Carter stieß ich zum ersten Mal auf dem Mängelexemplar-Grabbeltisch einer Bahnhofsbuchhandlung. Dort fiel mir sein Buch „Böser Engel“ in die Hände. Ich fand es originell und zum Schießen komisch, weshalb ich unbedingt weitere Romane aus Carters Feder lesen wollte. So kam ich zu „Dämonenhunger“. Über den Autor selbst konnte ich leider kaum etwas herausfinden; offenbar ist er einer der letzten Menschen, die zwar im öffentlichen Leben stehen (zumindest halbwegs), über die es aber keinen Wikipedia-Artikel gibt. Droemer Knaur beschreibt seine Bücher als „schnell, actionreich und voller rabenschwarzem Humor“, was ich durchaus so unterschreiben kann. Nachdem ich in „Böser Engel“ bereits gelernt hatte, wie man mit schwierigen himmlischen Boten umgeht, freute ich mich nun darauf, in „Dämonenhunger“ herauszufinden, wie man den Weltuntergang überlebt.

Als Vincent Drear sein Schulprojekt zum Thema „Weltuntergang“ vorstellt, hätte er niemals damit gerechnet, dass er ihn bald selbst erlebt. Ebenso wenig hätte er je vermutet, dass es Elfen, Feen und Dämonen wirklich gibt. Nun muss er sich schnell mit beidem abfinden, denn die Menschheit hat nur noch wenige Tage auf Erden. Doch es gibt Hoffnung. Über Portale sollen sich zumindest einige Menschen retten können. Eigentlich hätten sie den Ruf dieser Portale längst vernehmen sollen, aber irgendetwas blockiert ihren Sog. Mithilfe seiner Freunde muss Vincent herausfinden, was es ist, um zu verhindern, dass die letzte Chance der Menschen verfällt und alle, die er kennt und liebt, von Dämonen gefressen werden.

„Dämonenhunger“ ist witzig, aber nicht so witzig. Es ist originell, aber nicht so originell. Es ist ein typisches Schulterzucken-Buch. Es hat mich einigermaßen gut unterhalten, unterm Strich spielt es für mich jedoch keine große Rolle, ob ich es gelesen habe oder nicht. Vielleicht lagen zwischen „Böser Engel“ und „Dämonenhunger“ zu viele Jahre in denen meine Ansprüche gestiegen sind, wahrscheinlicher ist allerdings, dass es einfach nicht so gut ist wie Carters erster Roman.
Gefühlt besteht das Buch aus einer absurden Prügelszene nach der anderen. Menschen prügeln sich mit Elfen, Feen mit Dämonen, Dämonen mit Elfen und so weiter und so weiter und so fort. Natürlich gibt es eine Handlung, aber diese wird von all den Schlägereien völlig überdeckt. Darüber hinaus empfand ich es als äußerst dialoglastig, sodass ich oft Probleme hatte, mich in neuen Situationen zurecht zu finden. Beispielsweise landet der Protagonist Vincent im Laufe der Geschichte im Krankenhaus, weil er eine schwere Verletzung im Brustbereich hat. Ich habe nie erfahren, wie schlimm verletzt er wirklich ist und was für eine Verletzung das eigentlich ist, weil Carter es nicht für nötig hielt, mich darüber aufzuklären. Für mein Verständnis wäre es aber wichtig gewesen, weil ich auf diese Weise nicht ausloten konnte, wie kampffähig Vincent ist und wie sehr ihn die Strapazen seiner Bemühungen belasten. Ich könnte auch keine verlässliche Charakterbeschreibung von ihm anfertigen; eigentlich weiß ich nicht einmal richtig, wie er aussieht. Meiner Meinung nach hat Timothy Carter viel zu viel Wert darauf gelegt, lustig zu sein und möglichst unwahrscheinliche Handlungsabläufe zu konzipieren und vergaß darüber, seinen Figuren Tiefe zu verleihen. Carters Humor ist dabei in „Dämonenhunger“ für meine Begriffe zu aufdringlich; seine Szenen glänzen nicht mit lockerer, natürlicher Absurdität, sondern sind stark gekünstelte Darstellungen. Statt seine Figuren in die eine oder andere Richtung zu zwingen, hätte Carter ihnen mehr Raum zur Entfaltung zugestehen sollen – die Lacher wären dann ganz von selbst gekommen, davon bin ich überzeugt.
Nichtsdestotrotz fand ich Carters Idee des Weltuntergangs interessant, weil sie gar nicht so unlogisch ist. Er schlägt vor, dass jede Spezies ihre Epoche (daher auch der Originaltitel „Epoch“) hat; ist diese abgelaufen, wird die Erde von der Putztruppe des Universums gesäubert: den Dämonen. Diese sind eher putzig als wirklich bedrohlich, vor allem aufgrund ihres knubbeligen Körperbaus (s. Cover), aber ihren Job machen sie wohl seit Jahrhunderten ziemlich gut. Mir gefällt die Vorstellung, dass es so funktionieren könnte und warum auch nicht? Unser Verständnis der Welt ist ja doch reichlich begrenzt, wer weiß schon mit absoluter Sicherheit, was vor uns war? Vielleicht ist die Erde viel älter, als wir glauben; warum sollte sie nicht einst von Elfen und Feen bevölkert gewesen sein? Timothy Carter scheint jemand zu sein, der ähnlich wie ich an solche Fantasien glauben mag, was ihn mir definitiv sympathisch macht.

„Dämonenhunger“ ist ein Buch, das man nicht lesen muss, das aber für nette Unterhaltung sorgt. Für Zwischendurch zum Abschalten ist es sicher nicht schlecht, feinsinnigen Humor dürft ihr allerdings nicht erwarten. Es ist eher plakativ und oberflächlich. Ich denke nicht, dass ich Timothy Carters Schaffen weiter verfolgen werde; es gibt genug andere AutorInnen, die meinem Sinn für Humor mehr entsprechen. Sollte ich den Weltuntergang jedoch tatsächlich eines Tages erleben, werde ich dafür sorgen, dass Insektenvernichtungsmittel im Haus ist. Man kann ja nie wissen. 😉

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

George Pendle – Death: A Life

„Death: A Life“

Death A Life

Autor: George Pendle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 250

Verlag: Three Rivers Press

Sprache: Englisch

ISBN: 030739560X

Genre: Biografie & Fantasy & Historisch & Humor & Religion

ausgelesen am: 16.01.2014

Bewertung:

George Pendle ist einer der AutorInnen, die ich gern mal persönlich kennenlernen würde. Ich würde gern sehen, ob er wirklich so lustig und verrückt ist, wie es den Eindruck macht. Auf seiner Website gibt es eine Abteilung, die Teppichböden auf Flughäfen gewidmet ist. Sein Lebenslauf umfasst außer Artikeln für die „Financial Times“, die „Los Angeles Times“ und die „Times“ (u.a.) auch die Beschriftung von Straßenschildern für das „New York City Department of Parks and Recreation“. Im Vorwort von „Death: A Life“ beschreibt Pendle, wie er dazu kam, der Biograf des Todes zu sein. Es lag wohl daran, dass er eigentlich gern eine Autobiografie verfasst hätte, was aber nicht möglich war, weil seine eigene Kindheit zu glücklich war. Kein Trauma, keine Autobiografie. Also schrieb er fortan die Biografien anderer Leute. Ich denke wirklich, ich würde Pendle sehr mögen. 😉

„Death: A Life“ ist die Biografie des Todes. Ja, genau, der Tod, das Ende Aller Dinge, er, den alle eines Tages einmal treffen. Mit Hilfe seines Biografen berichtet er von seiner schwierigen Kindheit, wie er als Sohn von Satan und Sünde in der Hölle aufwuchs, um später dann auf die Erde umzuziehen und dort seine Bestimmung zu finden. Er räumt mit Vorurteilen auf, schildert ungeschönt seine fatale Beziehung zum Leben und erzählt hunderte Anekdoten über das Lebensende der verschiedensten mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Ohne Tabus spricht Tod über seine zutiefst missverstandene, unendliche Existenz; über Liebe, die im Großen Plan nicht vorhergesehen war und stellt klar, dass er es ist, der das Leben der Menschheit erst so kostbar macht.

Was soll ich sagen? Die Bewertung von „Death: A Life“ spricht eigentlich schon für sich selbst. Diese herrliche Biografie ist so lustig, dass ich nicht wüsste, wie man es besser machen könnte. Sie erzählt mythologische und religiöse Weltgeschichte aus einem völlig neuen Blickwinkel und beleuchtet auch die Aspekte, die in all den Legenden und Geschichten gerne mal ausgelassen werden. Tod als Protagonist und Ich-Erzähler ist eine höchst sympathische Figur, der in all seiner Übernatürlichkeit immer wieder durch und durch menschlich agiert und reagiert. Ich liebte es, dass in diesem Buch schlicht und ergreifend niemand, wirklich niemand, unfehlbar ist. Tod nicht, Gott nicht und erst recht nicht die Menschheit. Es erscheint mir völlig logisch, dass auch Gott das volle Ausmaß seiner Schöpfung nicht überblicken konnte und es im Garten Eden zu Beginn daher einige Kreaturen gab, die nie eine echte Chance auf das Überleben hatten. Wurzelpflanzen mit Klaustrophobie, Fische, die allergisch auf Wasser waren, stolze Insekten, die sich selbst so hässlich fanden, dass sie es nicht über sich brachten, sich zu reproduzieren. Es liegt auf der Hand, dass „Death: A Life“ dementsprechend als stark blasphemisch aufgefasst werden könnte und ich muss all diejenigen LeserInnen warnen, die in diesem Punkt sensibel reagieren. Ich selbst bin nicht religiös erzogen, ich bin nicht getauft und habe nie eine Verbindung zum Glauben aufbauen können – vielleicht bin ich gerade deswegen prädestiniert für dieses Buch. Es hat mich hervorragend unterhalten. George Pendles Darstellung aller möglichen religiösen Figuren ist zum Brüllen komisch. Wer hätte gedacht, dass Noah eine so weiche Birne hatte, dass er mit einer Rhabarber-Pflanze verheiratet war? Wie kommt man auf die Idee, Methusalem als Stalker zu skizzieren, der Tod über Jahrhunderte hinweg verfolgte, weil er unbedingt sterben wollte? Und Jesus? Verzeiht, wenn ich jetzt jemandem auf die Füße trete, aber in diesem Buch ist er einfach ein Miststück. Es ist beeindruckend, wie umfangreich und detailliert George Pendle recherchiert hat, zu längst vergessenen Kulturen und Völkern ebenso wie zu theologischen Ansätzen, um dann seine ganz eigene Interpretation niederzuschreiben. Er ließ seiner gesamten, phänomenalen Kreativität freien Lauf und vermittelt seinen LeserInnen, dass es völlig in Ordnung ist, ungezwungen über Themen zu lachen, die seit Jahrhunderten eine Aura von Ernsthaftigkeit und Strenge umgibt. „Death: A Life“ ist frei von jeglichen Konventionen und Tabus, dafür strotzt es vor liebevollen Charakterisierungen. Ich kann es nicht anders sagen, es ist großartig.

George Pendles originelle Biografie des Todes hat extrem viel Herz, obwohl der Protagonist keines hat und auch nicht haben darf. Von vorne bis hinten ist es fantasievoll, kurios und amüsierte mich köstlich. Es lohnt sich sogar, die Danksagung am Ende zu lesen.
Sollte ich sterben und tatsächlich auf Tod treffen, habe ich mir ganz fest vorgenommen, dankbar und respektvoll zu sein, ihn nicht mit dummen Fragen zu nerven und ihm meine Hochachtung dafür auszusprechen, dass er diesen verdammt harten Job macht, denn ohne ihn wäre das Leben wesentlich weniger wertvoll.
Ich kann euch „Death: A Life“ von Herzen empfehlen, muss aber darauf hinweisen, dass George Pendles Englisch nicht ganz einfach ist, weil er viele religiöse und biologische/zoologische Vokabeln verwendet. Außerdem gibt es sicher einige LeserInnen, die in diesem Buch die pure Gotteslästerung sehen würden; wer sich also schnell in seinen/ihren religiösen Ansichten verletzt fühlt, sollte vielleicht die Finger davon lassen.
Ich schließe nun und beende die Rezension mit Jesus‘ Worten:

„Jesus reigns in Heaven, bitch!“ (S.153)

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Robert Rankin – Warten auf OHO

„Warten auf OHO“

Warten auf OHO

Autor: Robert Rankin

Originaltitel: “Waiting for Godalming”

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 3334 Seiten

Verlag: Bastei Lübbe

Sprache: Deutsch

ISBN: 3404243188

Genre: Humor & Krimi

ausgelesen am: 01.10.2014

Bewertung:

Als ich „Warten auf OHO“ aus dem Regal nahm und das erste Mal aufschlug, zauberte mir meine Ausgabe sofort ein breites Grinsen ins Gesicht. Wie ihr seht, ist das Cover sehr schlicht und minimalistisch gehalten. Die allererste Seite fühlte sich jedoch merkwürdig fest und dick an, ganz anders als normales Papier. Ich sah nach und verstand. Das Cover von „Warten auf OHO“ ist ein Do-it-Yourself-Cover. Die allererste und die allerletzte Seite enthalten Sticker, mit denen man das Cover selbst gestalten kann. Was für eine tolle Idee, oder? Ich kann mir allerdings auch wirklich kein anderes Buch vorstellen, zu dem das besser passen würde als zu diesem.

Die meisten Menschen würden Icarus Smith als Dieb bezeichnen. Er selbst weiß es jedoch besser: er ist ein Relokator. Die große Berufung seines Lebens besteht darin, den richtigen Menschen die richtigen Dinge in die Hand zu geben und den falschen Menschen die falschen Dinge wegzunehmen. Eines Tages relokalisiert er in einem Barbierladen eine Aktentasche. Diese Aktentasche ist der Beginn einer haarsträubenden Geschichte, in deren Verlauf Icarus von den gefährlichen Wrong’uns gejagt, verfolgt und gefoltert wird und darüber hinaus auf Lazlo Woodbine trifft, den größten Privatdetektiv der Welt. Dieser arbeitet wiederum am wichtigsten Fall seines Lebens: er soll den Tod Gottes aufklären. Gottes Witwe hat Lazlo beauftragt, herauszufinden, wer Gott ermordete. Schnell stellt sich heraus, dass Gottes gewaltvolles Ableben und die Existenz der Wrong’uns in Zusammenhang stehen. Icarus und Lazlo müssen ihre Kräfte vereinen, denn nur so können sie die gewaltigste Aufgabe aller Zeiten meistern: die Rettung der Welt.

Ich habe es bereits angedeutet und muss es nun wiederholen: „Warten auf OHO“ hat mich absolut sprachlos gemacht. Dieses Buch folgt keinerlei Regeln, weder inhaltlich noch strukturell; es kennt nicht mal das Wort „Regeln“. Es ist wie eine Prügelei auf einem Abenteuerspielplatz: es herrschen Chaos und Anarchie, jeder macht was er will, es gibt blaue Augen und ausgeschlagene Zähne, aber auch etwas zu lachen. Ich glaube, das Geheimnis dieses Romans liegt darin, dass Robert Rankin zwar durchaus eine grobe Plotline im Kopf hatte, der er auch folgte, aber einfach jedem einzelnen spontanen Impuls, den er beim Schreiben hatte, nachgegeben hat. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die unglaublich lebendig und eigenständig wirkt; als hätte der Autor sie nicht einfach geschrieben, sondern als wäre er nur ein Ventil für eine Geschichte gewesen, die so bereits durch das Universum geisterte. Diese ist absurd, paradox und teilweise äußerst unlogisch, aber genau das macht ihren Reiz aus. Man kann sie nicht einfach mögen, denn dafür ist sie zu wenig greifbar. Daher gestaltete sich die Bewertung für mich recht schwierig. „Warten auf OHO“ ist keinesfalls eines der besten Bücher meiner Lesekarriere, aber es war eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. Diese Gesetzlosigkeit, dieses Wirrwarr, muss man mal erlebt haben.
Der Roman vermittelt ein deutliches Gefühl von Leichtigkeit, ich glaube aber nicht, dass das Schreiben wirklich so simpel war. Robert Rankin hat sein Chaos sehr konsequent umgesetzt; ich kann mir vorstellen, dass das nicht immer einfach war. Es gibt zwei Protagonisten, Icarus Smith und Lazlo Woodbine, deren Handlungsstränge eine Weile parallel laufen und sich dann später kreuzen. Diese beiden hat Rankin beeindruckend deutlich voneinander abgetrennt, indem er die Erzählperspektive entsprechend veränderte. Icarus‘ Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler übermittelt, Lazlos Geschichte von einem Ich-Erzähler. Und ihr glaubt es nicht, aber das behält er sogar bei, wenn die beiden aufeinander treffen. Sogar, wenn sie sich im selben Raum aufhalten. Ich fand das extrem unterhaltsam. Die Figuren an sich sind außergewöhnlich und skurril, eben passend zur Story. Ob sie rund sind… tja, keine Ahnung. Ich kam einfach nicht dazu, darauf zu achten. Ich war zu abgelenkt von all den Lachern und der actionreichen Handlung. Ich kam kaum zum Durchatmen, weil dieser abgedrehte Kriminalfall, der die Basis darstellt, so überpräsent war. Das klingt negativ, war es aber gar nicht. Ich empfand es als nette Abwechslung, mir einmal keine Gedanken über Charaktereigenschaften machen zu müssen.

„Warten auf OHO“ hat mich wirklich toll unterhalten. Es gab viele Momente, die so unglaublich waren, dass ich mir die Augen reiben und die Stelle noch einmal lesen musste. Wer denkt sich schon so etwas aus wie einen heiligen Schutzrosenkohl namens Barry? Ich kann euch gar nicht all die abgefahrenen Details dieses Buches nennen, die es lesenswert machen, weil ich dann viel zu viel verraten würde. Interessierte LeserInnen müssen allerdings absolut offen sein und bereits vor dem Lesestart loslassen. Man darf sich nicht in der Realität fest krallen, sondern sollte Robert Rankins ganz eigener Interpretation der Wirklichkeit freien Lauf lassen.
„Warten auf OHO“ ist eine Lektüre für Fans von Terry Pratchett oder Mike Resnick, die Spaß am Absurden, Paradoxen und an Fußnoten haben. Dieser Roman wird den Freak in euch wecken!

 
3 Kommentare

Verfasst von - 18. Oktober 2014 in Humor, Krimi, Rezension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Terry Pratchett – Der Club der Unsichtbaren Gelehrten

„Der Club der Unsichtbaren Gelehrten“

Der Club der unsichtbaren Gelehrten von Terry Pratchett

Reihe: Scheibenwelt #37

Originaltitel: Unseen Academicals

Autor: Terry Pratchett

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 507 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN: 3442477573

Genre: Fantasy & Humor

ausgelesen am: 16.05.2014

Bewertung:

Ich liebe Terry Pratchett. Vor Jahren habe ich angefangen, seine Scheibenwelt – Romane zu lesen; mein erster Ausflug war „Gevatter Tod“. Es gibt viele witzige Bücher, aber nur wenige Autoren, die es verstehen, Intelligenz und Philosophie so humorvoll zu verpacken. Pratchett hat die Fähigkeit, einen ehrlichen Blick auf die sogenannte zivilisierte Menschheit zu werfen und die Absurdität unserer gesellschaftlichen Regeln und Verhaltensweisen unbeirrt hervor zu heben. Er hält uns den Spiegel vor und lehrt uns, uns selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Traditionen sind wichtig. Davon ist ganz Ankh-Morpork überzeugt, vor allem Ponder Stibbons, der neue Meister der Traditionen der Unsichtbaren Universität. Bei der Durchsicht des großen Buchs der Traditionen entdeckt er jedoch, dass die Zauberer eine ganze bestimmte Tradition in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt haben: die vermutlich schönste Nebensache der Welt, Fußball. Stellen sie nicht schnell eine Mannschaft zusammen und nehmen an einem Spiel teil, verliert die Universität eine umfangreiche Geldspende. Da die gelehrten Herren nicht bereit sind, die allseits beliebte Käseplatte auf nur drei Sorten zu reduzieren, wird Stibbons mit dieser scheinbar unmöglichen Aufgabe betreut. Gemeinsam mit dem Kerzentropfer Nutt muss er gegen Jahre der Unsportlichkeit ankämpfen und die Zauberer überzeugen, ihre Snacks und Pfeifen lange genug aus der Hand zu legen, um zumindest eine minimale Chance zu haben. Als das Spiel dann stattfindet, geht es allerdings bereits um wesentlich mehr als nur Fußball…

Schon auf der ersten Seite von „Der Club der Unsichtbaren Gelehrten“ wurde ich daran erinnert, dass es hundert gute Gründe gibt, warum ich Terry Pratchetts Romane so gern lese. Seine Fußnoten, die sich gern auch mal über mehrere Seiten erstecken, sind legendär. Die großzügige Prise alltäglichen Irrsinns, der groteske Witz, machen Ankh-Morpork zu einem meiner liebsten Schauplätze in der Welt der Fantasy – Romane.
„Der Club der Unsichtbaren Gelehrten“ thematisiert den Fußball, aber Pratchett macht unmissverständlich klar, dass dieser Sport so viel mehr ist als nur ein Spiel. Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, das die Grenzen von Toleranz und Solidarität im weitesten Sinne symbolisiert und das trifft eben auch auf eine fiktive, fantastische Gesellschaft wie die der Scheibenwelt zu. Ob nun Mensch, Zwerg, Troll oder Ork – neunzig Minuten auf dem Platz sind in der Lage, die ZuschauerInnen zu befreien sowie zu demaskieren. Neunzig Minuten, die gesellschaftliche Probleme aufzeigen, Unzufriedenheit verdeutlichen und trotzdem voller Liebe sind. Jede_r, der/die schon einmal ein Fußballspiel im Stadion erlebt hat, kennt Pratchetts „wildes Tier“ mit tausend Kehlen – die Menge. Das Gedränge, der Lärm, dieses vollkommene Gefühl der Zugehörigkeit ist etwas ganz besonderes und Pratchett hat diese Emotionen wunderbar erfasst und literarisch nachvollziehbar verarbeitet. Das Match zwischen den Unsichtbaren Gelehrten und Ankh-Morpork United ist unheimlich spannend; ich hatte wirklich das Gefühl, vor Ort zu sein und mit zu fiebern.
Seine scharfsinnige Schilderung beschränkt sich nicht nur auf das Spiel selbst. Der gesamte Vorlauf ist eine brillante, satirische und ehrliche Darstellung des allgegenwärtigen Phänomens Fußball; ein Sport, der noch immer dem Volk gehört. Dies verdeutlicht Pratchett durch seine Figuren, die so außergewöhnlich wie einzigartig sind. Sei es nun Nutt, der hauptberuflich Kerzen tropft und trotzdem ein unvergleichlicher Autodidakt ist, oder Trevor Likely, der stets unterhalb seines Potentials gelebt hat, oder auch Pepe, der die Verbindung zwischen Fußball und Modewelt herstellt. Dabei entsteht ein realistischer, lebensechter Querschnitt aller Gesellschaftsschichten, welche letztendlich auf den Tribünen eines Stadions vereint sind.

„Der Club der Unsichtbaren Gelehrten“ ist ein Roman für alle, die Fußball lieben, aber auch erkennen können, wie unsinnig oder absurd die grenzenlose Begeisterung für diesen Sport manchmal ist. Die Ironie, die dieser Obsession inne liegt und die von Terry Pratchett zielsicher herausgefiltert wird, hat mich unzählbare Male laut auflachen lassen. Interessierte LeserInnen dürfen aber trotz dessen nicht vergessen, dass dieses Buch aus der Feder eines Autors stammt, der eine komplizierte Ausdrucksweise liebt. „Der Club der Unsichtbaren Gelehrten“ liest sich nicht einfach so weg, es zwingt die LeserInnen, ihre grauen Zellen anzustrengen, was jedoch auch einen Teil seines Werts ausmacht.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 17. Mai 2014 in Fantasy, Humor, Rezension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: