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Archiv der Kategorie: Horror

Max Wilde – Schwarzes Blut

„Schwarzes Blut“ von Max Wilde ist ein Mängelexemplar vom Grabbeltisch, das ich vor einigen Jahren erbeutete. Ich erinnere mich, dass der wenig aussagekräftige Klappentext meine Neugier entfachte. Damals wusste ich nicht, dass Max Wilde das Pseudonym des erfolgreichen südafrikanischen Thriller-Autors Roger Smith ist, dessen Roman „Kap der Finsternis“ 2010 den zweiten Platz beim Deutschen Krimipreis belegte. „Schwarzes Blut“ erschien bei Heyne Hardcore, einer gesonderten Sparte des Verlags, die neben einem Angebot von Musik- und Erotikliteratur auf grenzwertige, sehr blutige und brutale Horrorliteratur spezialisiert ist. Kurz, ich wusste, worauf ich mich einließ.

Skye weiß, dass sie verfolgt wird. Sie kann die Männer hinter sich hören. Sie hat Angst. Nicht davor, dass sie ihr wehtun könnten, sondern davor, dass der Andere die Kontrolle übernimmt, wenn sie sie verletzen. Seit sie zurückdenken kann, teilt sie ihren Körper mit diesem… Ding, einem Monster, das sich unter ihrer Haut verbirgt und unerträgliche Gelüste hat. Skyes Wachsamkeit darf niemals nachlassen, denn die Konsequenzen wären furchtbar. Für sie selbst, für ihren Adoptivbruder Gene und für ihren kleinen Neffen Timmy. Ist der Andere frei, sterben Menschen. Skye ahnt nicht, dass ihre Verfolger erst der Anfang sind. Da draußen lauert jemand, der die Wahrheit über sie kennt. Jemand, der mehr über ihre Herkunft weiß, als sie selbst. Jemand, der nur ein Ziel verfolgt: er will den Anderen.

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Verfasst von - August 30, 2017 in Horror, Rezension

 

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Benjamin Percy – Red Moon

2016-09-20-percy-red-moon

„Red Moon“ von Benjamin Percy wurde mir im Oktober 2014 von Klingenfänger empfohlen, nachdem ich in einer Rezension den Gedanken äußerte, dass ich gern eine Werwolf-Vampir-Dystopie lesen würde. Ich wollte eine Geschichte erleben, die Vampirismus und/oder Lykanthropie aus der Fantasy-Ecke heraushebt und sie in den Kontext der Science-Fiction setzt. Wissenschaftliche Ansätze statt Magie. Percy ist ein vielfältiger Autor, der nicht nur Romane und Kurzgeschichten verfasst, sondern auch für DC Comics arbeitet und sich zusätzlich als Drehbuchautor verdingt. Ein richtiger Allrounder. Ich war gespannt, welche wissenschaftliche Erklärung er mir für die Existenz von Werwölfen anbieten würde.

Lykaner sind ein Teil der Gesellschaft. Sie sind integriert. Sie leben unauffällig und angepasst. Sie beugen sich den Gesetzen, die die USA erließen, um nicht-infizierte Menschen zu schützen. Sie sind Taxifahrer_innen, Lehrer_innen, Handwerker_innen. Sie sind deine Nachbarn. Sie sind die schlafende Bedrohung in unserer Mitte. Die Regierung beteuert, die Situation unter Kontrolle zu haben. Eine verhängnisvolle Lüge. Im Untergrund regt sich der Widerstand: Lykaner, die nicht davor zurückschrecken, Menschenleben zu opfern, um ihre Forderungen durchzusetzen. Radikale Anschläge verbreiten Angst und Terror. Schon bald werden die Grenzen der Menschlichkeit auf die Probe gestellt. Graut der Morgen nach der Nacht des roten Mondes, wird eine neue Welt geboren, in der Menschen nicht länger die Spitze der Nahrungskette sind.

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Verfasst von - Oktober 25, 2016 in Horror, Politik, Rezension, Science Fiction, Thriller

 

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Stephen King – In einer kleinen Stadt: Needful Things

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„In einer kleinen Stadt: Needful Things“ von Stephen King habe ich mir vorgenommen, weil mein Bauch so laut danach schrie, dass ich seinen Wunsch nicht ignorieren konnte. Ich weiß nicht, warum er plötzlich von heute auf morgen der Ansicht war, dass die Zeit ausgerechnet für dieses Buch gekommen sei, war aber gern bereit, mich darauf einzulassen. Meinen letzten King hatte ich im Juli 2015 gelesen; es handelte sich um „Stark: The Dark Half“. Beide Romane werden dem Castle-Rock-Zyklus zugeordnet, wobei „In einer kleinen Stadt“ passenderweise chronologisch nach „Stark“ angesiedelt ist. Ursprünglich plante King, den Zyklus mit diesem Werk abzuschließen, kehrte in den folgenden Jahren allerdings doch mehrfach nach Castle Rock, die fiktive Kleinstadt im Westen Maines, zurück.

In einer kleinen Stadt wie Castle Rock ist die Eröffnung eines neuen Geschäfts eine mittlere Sensation. Natürlich würde es niemals jemand zugeben, aber als an der Main Street eine schöne grüne Markise angebracht wird, ergreift eine Atmosphäre mühsam im Zaum gehaltener Neugier die Stadt. »Needful Things« steht auf dem Schild an der Tür. Der Inhaber ist Leland Gaunt, ein Fremder von außerhalb. Er verspricht eine völlig neue Art von Laden und er hält Wort: bei »Needful Things« gibt es alles, was das Herz begehrt – zu Spottpreisen. Geld scheint Mr. Gaunt nicht besonders wichtig zu sein. Stattdessen erwartet er von seinen Kund_innen als Teil der Bezahlung, dass sie ihren Nachbar_innen kleine Streiche spielen. Was ist schon dabei? Doch der harmlose Spaß entwickelt sich unaufhaltsam zu tödlichem Ernst, die Situation gerät außer Kontrolle und Castle Rock stürzt ins Chaos. Werden einige wenige aufrechte Bürger_innen ausreichen, um die Stadt zu retten?

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Verfasst von - September 7, 2016 in Horror, Rezension, Thriller

 

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Stephen King – Stark: The Dark Half

2015-07-31 - King - Stark

„Stark: The Dark Half“ ist der dritte Roman in Stephen Kings Castle-Rock-Zyklus. Er erschien erstmals 1989 (in meinem Geburtsjahr) und hat einen deutlich biografischen Hintergrund. Sicher wisst ihr, dass Stephen King nach den Erfolgen von „Carrie“, „Brennen muss Salem“ und „The Shining“ einige seiner älteren Manuskripte unter dem Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte, um herauszufinden, ob diese Werke auch ohne seinen berühmten Namen auf dem Cover für ihre Qualität von der Leserschaft geschätzt würden. Dies war tatsächlich der Fall; Richard Bachmann wurde ein kommerziell erfolgreicher Schriftsteller. Bis das Pseudonym 1985 nach der Veröffentlichung von „Der Fluch“ von dem Buchhändler Stephen Brown aufgedeckt wurde. Die Verkaufszahlen der Bachmann-Romane schossen durch die Decke und Stephen King entschied sich dazu, Richard Bachmann sterben zu lassen. In „Stark: The Dark Half“ verarbeitete King diese Episode seines Lebens.

George Stark ist tot. Gemeinsam mit seiner Frau Liz trug Thaddeus Beaumont ihn öffentlichkeitswirksam zu Grabe. Natürlich nur symbolisch, denn Stark war nie wirklich lebendig. Er war Thads Pseudonym, unter dem er drei sehr erfolgreiche Romane veröffentlichte. Stark war definitiv kein angenehmer Zeitgenosse und Thad ist erleichtert, dass er nun aus seinem Leben verschwunden ist. Doch kurz nach der sinnbildlichen Beerdigung gerät der gefeierte Schriftsteller in einen Strudel der Gewalt, der ihn an Realität und Einbildung zweifeln lässt. Stück für Stück werden alle Menschen ermordet, die mit dem „Tode“ George Starks in Verbindung standen. Wer steckt hinter den grausamen Morden? Ein enttäuschter Fan der Stark-Romane? Ein Verrückter, der sich einbildet, George Stark zu sein? Oder… gar Stark selbst?

Ach ja, Stephen King. Mit jedem seiner Romane ist es das Selbe für mich. Seine unheimliche Fantasie lockt mich immer wieder aufs Neue hinter dem Ofen hervor, doch beim Lesen kann er meine Aufmerksamkeit nicht uneingeschränkt fesseln. Leider war das auch bei „Stark: The Dark Half“ der Fall. Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch jemals gelesen hätte, wenn ich es nicht auf der Straße gefunden hätte, denn die Geschichte eines mordenden Pseudonyms ist wohl nicht ganz das Richtige für mich. Wenn ich zu einem King greife, möchte ich mich gruseln. Ich will diesen eiskalten Schauer spüren, für den er so berühmt ist. Dazu muss mir beim Lesen bewusst sein, wie haarsträubend seine Ideen sind. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum ich mich vor „Stark“ nicht gruseln konnte, obwohl es bizarr, verdreht, absurd und unglaublich ist. Ich konnte den Zwang, die unheimliche, düstere Spirale des Buches spüren, doch ich habe mich nicht darin verloren. Ich denke, das hatte zwei Gründe. Einerseits ließ mich die Idee hinter diesem Roman ziemlich kalt, weil ich überhaupt keine Probleme mit der Vorstellung hatte, dass George Stark lebendig ist. Es fiel mir nicht schwer, seine Existenz zu akzeptieren. Andererseits ist Starks Entstehungsgeschichte meiner Meinung nach sehr abstrakt, sodass sie mich nicht richtig erreichte. Stark ist widerlich, verrückt und extrem gefährlich, aber für meine Begriffe war er zu… real. Es fiel mir schwer, in ihm etwas Unheimliches, Übernatürliches zu sehen, obwohl er das selbstverständlich ist. Er ist ein Scheusal, eine blutgierige Bestie, doch das sind die meisten Serienmörder in der Literatur ebenfalls. Ich kann ihn nicht als den Widerspruch der Natur empfinden, der er ist. Dementsprechend fand ich auch seine Geschichte nicht so außergewöhnlich, wie sie eigentlich ist. Die Verbindung zwischen George und Thad ist beidseitig parasitär; wenngleich klar ist, dass Thad der „Gute“ ist, ist er an Georges Dasein nicht unschuldig. Zwar konnte er nicht wissen, dass er sein Pseudonym zum Leben erwecken würde, nichtsdestotrotz behandelte er sein Alter Ego wie eine Milchkuh, die er molk, wann immer es ihm passte. Er nutzte Stark aus, ohne ihm auch nur einen Funken Respekt zu zollen und als er der Meinung war, ihn nicht mehr zu brauchen, beseitigte er ihn kurzerhand. Natürlich rechtfertigt das keinesfalls Starks Verhalten, aber ich kann seine unbändige Wut durchaus nachvollziehen. Vielleicht hing meine Unfähigkeit, mich zu gruseln, auch mit diesem Verständnis für Stark zusammen. Ich denke, es hätte mir geholfen, hätte ich mehr über die Zeit erfahren, in der Thad als George Stark geschrieben hat. King beließ es bei Andeutungen, die darauf hinweisen, dass sich die Persönlichkeit des sonst so liebevollen, zurückhaltenden, tollpatschigen Ehemannes und Familienvaters grundlegend veränderte. Möglicherweise hätte ich das Abstoßende, Unnatürliche an George Stark besser begreifen und verarbeiten können, hätte ich erleben dürfen, inwiefern er Thads Wesen manipulierte.

Vergleiche ich „Stark: The Dark Half“ mit den anderen Romanen aus Stephen Kings Feder, die ich bisher gelesen habe, muss ich feststellen, dass dieses Werk mich bisher am wenigsten berührt hat. Die Geschichte des Schriftstellers Thaddeus Beaumont und seines Alter Egos George Stark ist zwar faszinierend, doch als schriftgewordenen Horror empfand ich sie nicht. Horror entsteht, wenn wir mit Szenarien konfrontiert werden, vor denen wir uns bewusst oder unbewusst fürchten. Offenbar kommt ein Pseudonym, das in Fleisch und Blut existiert und grausame Morde begeht, in meinem persönlichen Angst-Repertoire nicht vor.
Ich kann „Stark: The Dark Half“ nicht empfehlen, weil eine generelle Einschätzung hier unmöglich ist. Angst ist stets sehr persönlich und individuell; ob dieser Stephen King euren Nerv trifft, kann ich nicht beurteilen. Solltet ihr euch dafür entscheiden diesen Roman zu lesen, verspreche ich euch ein Buch voll mysteriöser Zeichen, Symbole und Zusammenhänge, die sich in Kings typischen Schreibstil zu einem wahnwitzigen Strudel der Absurdität verdichten.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - August 12, 2015 in Horror, Rezension, Thriller

 

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Stephen King – Das Spiel

„Das Spiel“

Das Spiel

Autor: Stephen King

Originaltitel: “Gerald’s Game”

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 464 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453433971

Genre: Horror & Thriller

ausgelesen am: 20.02.2015

Bewertung:

Meine Beziehung zum Autor Stephen King ist ein klassischer literarischer Spätzünder. Jahrelang habe ich mich strikt geweigert, seine Bücher zu lesen, weil ich überzeugt war, jemand, der so viel so schnell schreibt, könne nicht auch noch gut schreiben. Und dann kam „ES“. Ich weiß nicht mehr, was mich letztendlich dazu bewogen hat, zu diesem Buch zu greifen; welche äußere Motivation der Anlass war. Innerlich war es für mich eine persönliche Challenge. Ich wollte mich mit meiner Angst konfrontieren, denn schon seit ich ein kleines Mädchen war, fürchte ich mich schrecklich vor Clowns. Nun, meine Angst ist durch dieses Buch nicht besser geworden (eher schlimmer – ich hatte tatsächlich Albträume davon), aber zumindest habe ich meine Vorurteile gegenüber Stephen King hinter mir gelassen. Zugegebenermaßen habe ich bisher noch nicht viele seiner Werke gelesen, weil ich für seine Art des Horrors in einer bestimmten Stimmung sein muss. „Das Spiel“ ist da keine Ausnahme, denn es führt die LeserInnen tief in die Abgründe der Psyche.

Gerald Burlingame möchte mit seiner Ehefrau Jessie eine heiße Nacht voller Leidenschaft und knisternder Erotik verbringen. Deshalb fährt er mit ihr zu ihrem Haus am See – im Oktober lebt niemand mehr in den benachbarten Sommerhäusern, sie sind völlig ungestört. Er fesselt Jessie mit Handschellen ans Bett. Was Gerald über die Maßen erregend findet, ist für Jessie jedoch vor allem erniedrigend und demütigend. Sie möchte bei Geralds „Spiel“ nicht mehr mitmachen. Sie bittet ihn, die Polizeihandschellen zu lösen. Doch ihr Ehemann gibt vor, den Ernst ihrer Worte nicht zu begreifen und weigert sich. In einem wütenden Impuls tritt sie Gerald in Bauch und Leistengegend – und löst einen tödlichen Herzanfall bei ihm aus. So beginnt für Jessie die schlimmste Zeit ihres Lebens: isoliert und hilflos ans Bett gekettet, unfähig, sich mehr als ein paar Zentimeter zu bewegen. Doch das Schlimmste steht ihr noch bevor: nachts ist sie nicht allein…

Aus psychologischer Sicht ist „Das Spiel“ absolut brillant. Ich habe von Anfang an vermutet, dass sich die Handlung hauptsächlich in Jessies Kopf abspielt und das entspricht auch wirklich den Tatsachen. Bedenkt man, dass Stephen King auf diese Weise über 400 Seiten gefüllt hat, ist das schon sehr beeindruckend. Eine Handlung aufzubauen, in der die Protagonistin kaum aktiv handeln kann, sondern sich fast ausschließlich mit ihren Erinnerungen und ihrer eigenen Psyche befasst, zeugt meines Erachtens nach von großer schriftstellerischer Kunst.
Schon von der ersten Seite an nehmen die LeserInnen an Jessies Gedankenwelt teil. Man erlebt, wie sie von ihrem eigenen Ehemann abgestoßen ist und erkennt, dass die Liebe zwischen den beiden schon lange begraben ist. Dass sich Jessie trotzdem auf Geralds „Spiel“ mit den Handschellen einließ, ist trotz dessen durchaus nachvollziehbar: durch Geralds Erregung fühlte sie sich begehrenswert, eine Empfindung, die mit über 40 und nach 20 Jahren Ehe sicher nicht zu unterschätzen ist. Ebenso nachvollziehbar ist Jessies Reaktion auf Geralds Weigerung, die Handschellen zu lösen; de facto plante er, seine Gattin zu vergewaltigen, welche Frau wäre da nicht handgreiflich geworden? Ich gestehe, wirklich leid tat mir Geralds Tod dementsprechend nicht. So erreichen die LeserInnen schnell die Ausgangssituation des Romans: eine hilflose Jessie, die mit Handschellen ans Bett gekettet ist und sich nicht ohne weiteres selbst befreien kann. Da sie sich kaum mit etwas anderem beschäftigen kann, versinkt sie tief in ihrer Psyche. Diese ist deutlich vernarbt durch ein Trauma aus ihrer Kindheit. Man kann es wohl getrost als Ironie des Schicksals bezeichnen, dass Jessie erst das schlimmste Erlebnis ihres Lebens brauchte, um sich mit diesem Trauma auseinander zu setzen. Jahrzehntelang weigerte sie sich, sich mit ihren Erinnerungen zu konfrontieren, doch auf diesem Bett, völlig abgeschottet, kann sie ihnen nicht mehr entkommen. Interessanterweise erhält das Buch auf diese Weise eine zusätzliche Ebene: Jessie liegt nicht nur physisch in Ketten. Psychisch ist sie schon seit diesem verhängnisvollen Tag in ihrer Kindheit in ihrem Inneren gefangen. Umso vertrackter wird die Situation, als Jessie überzeugt ist, nächtlichen Besuch zu haben. Auch für mich verschwommen ab diesem Punkt die Grenzen von Realität und Halluzination, denn schon von Beginn an zweifelte ich an Jessies geistiger Gesundheit. Warum? Nun, das kann ich hier leider nicht verraten. 😉
Unglücklicherweise konnte Stephen King meine Aufmerksamkeit jedoch nicht ununterbrochen fesseln, weshalb ich das Buch nicht ausnahmslos positiv bewerten kann. Die Momente, in denen Jessie nichts tut, sich weder mit ihrer Psyche auseinander setzt, noch daran arbeitet, sich zu befreien, sind reichlich langatmig beschrieben. Das ist schade, aber auch typisch King. Durch diese Seiten muss man sich als LeserIn einfach durchbeißen, denn schlussendlich wird man dafür belohnt.
Natürlich bietet „Das Spiel“ darüber hinaus unglaublich viel Raum für Spekulationen. Ich habe mir sogar Bilder von Polizeihandschellen angesehen, weil mich die Frage, wie ich gehandelt hätte, nicht losließ. Eins kann ich euch verraten: ich hätte vermutlich eine andere Strategie als Jessie ausprobiert, um die verdammten Dinger loszuwerden.

„Das Spiel“ ist eine Tour de Force, deren subtiler Horror fast ausschließlich psychischer Natur ist. Stephen King ließ mich schaudern, indem er mich zwang, mich mit einer Vorstellung auseinander zu setzen, die zwar unwahrscheinlich, aber nichtsdestotrotz realistisch ist. „Das Spiel“ ist durchaus lesenswert, denn es zeigt Stephen King von einer anderen Seite und verdeutlicht, dass Horror nicht immer einen brutalen Mörder oder Übernatürliches braucht. Manchmal sind eine wildgewordene Fantasie und die Abgründe der Psyche völlig ausreichend, um einen eiskalten Schauer zu verursachen.

 
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Verfasst von - Februar 27, 2015 in Horror, Rezension, Thriller

 

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Jonathan Maberry – Rot & Ruin

„Rot & Ruin“

rot & ruin

Reihe: Benny Imura #1 / Rot & Ruin #1

Autor: Jonathan Maberry

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 458 Seiten

Verlag: Simon & Schuster Books for Young Readers

Sprache: Englisch

ISBN: 1442402334

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult & Horror

ausgelesen am: 29.04.2014

Bewertung:

Diejenigen meiner LeserInnen, die aufmerksam „Neuigkeiten & schnelle Gedanken“ verfolgen, wissen, dass ich mich mit Zombies in der Literatur ein wenig schwer tue. Ich finde Handlungen im Umfeld einer solchen Apokalypse oft unlogisch und langweilig, denn die Figuren stellen sich teilweise einfach richtig blöd an. Die Zombies sind in der Regel langsam und dumm, da sollte es intelligenten, zu schneller Bewegung fähigen Lebewesen eigentlich nicht schwer fallen, sich einen Plan zu überlegen, wie man das Ganze denn überleben könnte, ohne aufgefressen zu werden.
Dem ersten Band der Benny – Imura – Reihe „Rot & Ruin“ wollte ich trotz meiner Skepsis eine Chance geben, weil ich die Idee, dem Protagonisten Benny eine Lektion über Menschlichkeit anhand der Zombies zu erteilen, originell und interessant fand.

14 Jahre sind vergangen seit der Nacht, in der sich die lebenden Toten das erste Mal erhoben. Benny Imura war damals noch ein Baby, doch er hütet seine Erinnerung an die Erste Nacht wie einen Schatz. Die Nacht, in der seine Eltern starben und seine Mutter ihn in die Obhut seines großen Halbbruders Tom übergab. Benny ist fest überzeugt, dass Tom ein elender Feigling ist, weil er Bennys Mutter sterben ließ und weglief, statt ihr zu helfen.
Als Benny sich gezwungenermaßen einen Job suchen muss, damit seine Rationen nicht gekürzt werden, ist er alles andere als begeistert, dass ihm keine andere Wahl bleibt, als in das Familiengeschäft einzusteigen, denn das bedeutet, mit Tom arbeiten zu müssen. Außerdem kann Tom wohl kaum ein so cooler Zombiejäger sein wie Charlie Matthias. Oder?
Benny begleitet Tom in die Wildnis, hinaus in das „Rot & Ruin“ hinter dem Zaun, der ihre Stadt vor den Zombies schützen soll. Was er dort erlebt, ändert seine Meinung und Sichtweise radikal. Er muss einsehen, dass er seinen eigenen Bruder nicht kennt und was es wirklich bedeutet, ein Mensch zu sein.

„Rot & Ruin“ hat mich von Beginn an absolut begeistert. Jonathan Maberry hat eine sehr elegante Methode gewählt, um seine LeserInnen in die Gesellschaft seiner Zombie – Postapokalypse einzuführen: er lässt Benny verschiedene Jobs ausprobieren, bevor er in das Familiengeschäft einsteigt. So erklärt er wesentliche Aspekte von Bennys Umfeld, ohne langatmig zu sein oder sich von der Handlung zu distanzieren. Diese baut er feinfühlig mit mehreren Spannungskicks auf, er scheint ein Faible für Geheimnisse zu haben und konnte meine Neugier zielsicher immer wieder neu entfachten. Darüber hinaus fühlte ich mich in der von Maberry geschaffenen Atmosphäre sofort wohl; ich hatte keinerlei Probleme, mir Bennys Heimat Mountainside oder das „Rot & Ruin“ vorzustellen.
Dies trifft auch auf die Figuren des Romans zu, besonders Benny fand ich extrem realistisch. Ich hatte keine Zweifel an der Angemessenheit von Bennys Reaktionen und Handlungen. Er ist überaus glaubwürdig und durchlebt eine sehr deutliche Entwicklung, die, obwohl vielleicht etwas vorhersehbar, überzeugend ist. Dementsprechend sind natürlich auch Bennys Beziehungen nicht statisch, sondern entwickeln sich ebenso wie er selbst. Mir gefiel es sehr gut, wie weit seine Erfahrungen im „Rot & Ruin“ die Natur seiner Verbindungen beeinflussen, dass er von selbst hinterfragt und reflektiert und auch in der Lage ist, seine Meinung bezüglich Personen zu ändern.
Die Botschaft des Buches ist so deutlich wahrzunehmen, dass sie genauso gut in roten Leuchtlettern auf dem Cover stehen könnte. Bei manchen Büchern fällt es den LeserInnen vielleicht schwer, herauszufinden, was der Autor oder die Autorin eigentlich erreichen wollte, doch nicht so im Fall von Jonathan Maberry. Der gesamte Roman widmet sich der Tatsache, dass Menschen in der Lage sind, wirklich furchtbare Dinge zu tun und hierbei weitaus grausamer sind, als es ein Zombie je sein könnte. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, doch ich mochte deren Umsetzung und Einarbeitung sehr, daher ist das für mich kein Kritikpunkt.

Der Auftakt der Benny – Imura – Reihe hat mich komplett abgeholt und überzeugt. Für mich war es die richtige Entscheidung, es mit „Rot & Ruin“ zu versuchen, obwohl ich sonst kein großer Fan von Zombie – Romanen bin. Ich werde die Serie in jedem Fall weiter begleiten und habe die nächsten drei Bände bereits auf meine Wunschliste gesetzt.
Ich kann diese sehr besondere Zombie – Dystopie allen LeserInnen empfehlen, die eine spannende Handlung voller aufzudeckender Geheimnisse mögen und eine Menge vielschichtige, sich entwickelnde Charaktere zu schätzen wissen. Ich kann dem kleinen Zitat auf dem Cover meiner Ausgabe nur zustimmen:

„This book is full of heart… They just don’t beat anymore.“

(Nächster Band: Benny Imura #2 – “Dust & Decay” – Jonathan Maberry – ISBN: 1442402369)

 

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Charlie Huston – Stadt aus Blut

„Stadt aus Blut“

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Reihe: Joe Pitt #1

Originaltitel: Already Dead

Autor: Charlie Huston

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 320

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453675274

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Horror & Thriller

ausgelesen am: 19.02.2014

Bewertung: 

Beschäftigt man sich intensiver mit dem Genre Urban Fantasy, fällt schnell auf, dass es häufig einen bemerkenswerten Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Autoren gibt. Männer schreiben in der Regel völlig andere Urban Fantasy als Frauen. Oft gehen sie wesentlich rationaler und wissenschaftlicher an die Thematik heran; außerdem spielen Romantik und Erotik eine eher untergeordnete Rolle, während die Handlung von blutigen Konflikten geprägt ist. Viele weibliche Autoren romantisieren und idealisieren die Welt des Übernatürlichen, Männer hingegen neigen dazu, deren brutale Schattenseiten darzustellen.

Dies trifft auch auf Charlie Hustons „Stadt aus Blut“ zu, der erste Roman seiner Reihe um den Protagonisten Joe Pitt. Joe ist ein unabhängiger Vampyr (ja, die Schreibweise ist beabsichtigt) in Manhattan, der sich seinen Lebensunterhalt mit kleineren Aufträgen der verschiedenen ansässigen Clans verdient. Dazu gehört auch, infizierte Zombies aufzutreiben und auszuschalten, bevor sie größeren Schaden anrichten können. Ein solcher Fall ist es, der Joes Leben erheblich verkompliziert. Plötzlich steht er zwischen den Clans und muss nebenbei noch einen von zu Hause ausgerissenen Teenager aufspüren. Doch damit nicht genug ist das Mädchen die Tochter eines des wohlhabendsten und einflussreichsten Ehepaars Manhattans. Ihr Verschwinden scheint mit ihrem Vater zusammenzuhängen, dem eine Biotech-Firma gehört, in der er auch als Chefforscher arbeitet. Für ihn sind sowohl das Zombie-Bakterium als auch das Vampyr-Vyrus hochinteressant…

Die Handlung von „Stadt aus Blut“ ist rasant, spannend und blutig; Gewalt nimmt einen erheblichen Stellenwert ein. Es ist auffällig, dass der Plot zu keinem Zeitpunkt unterbrochen wird und komplett ohne Kapitel auskommt. Charlie Huston verwendete ausschließlich Absätze, um seine Geschichte zu unterteilen. Ich mochte das, denn es passt sehr gut zu den sich schnell entwickelnden Ereignissen. Die Kombination von Vampiren und Zombies tritt in Urban Fantasy Romanen eher selten auf; mir gefiel es daher, dass die obligatorischen Werwölfe in „Stadt aus Blut“ nicht auftauchen und sich die Vampirgesellschaft stattdessen mit Infizierten des Zombie-Bakteriums auseinander setzen muss. Die Herangehensweise an Vampirismus sowie Zombiismus als Krankheiten mit verschiedenen Ursachen empfand ich ebenfalls als positiv. Zwar ist die Darstellung einer Infektion als Ursache bei Zombies nicht ungewöhnlich, doch die Entscheidung, Vampire als Opfer eines Virus zu präsentieren, ist eine gelungene Abwechslung zu den sonst üblichen magischen oder übernatürlichen Hintergründen. Zusätzlich beschreibt Charlie Huston den „Vyrus“ als lebenden, parasitären Organismus, während  die Verwandlung in anderen Vampirromanen oft mit einem Biss mehr oder weniger abgeschlossen ist.  Ein Unterschied findet sich auch in der Konstruktion der Gemeinschaft der Vampire. In der Regel strebt diese einigermaßen übereinstimmende Ziele an; optional ist sie heftig zerstritten, ihre Bemühungen entsprechen jedoch meist einheitlichen Motiven. In „Stadt aus Blut“ ist dies nicht Fall; die Clans könnten kaum unterschiedlicher sein. Ich halte die Zerrissenheit untereinander für realistisch; es ist nur natürlich, dass unterschiedliche Gruppierungen auch unterschiedliche Ziele verfolgen. Inmitten dieser verschiedenen Strömungen steht der Protagonist Joe Pitt, der ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben führen möchte ohne Anbindungen an einen der Clans. Selbstredend, dass er damit oft aneckt. Joe erzählt seine Geschichte selbst als Ich-Erzähler, dadurch offenbart sich dem Leser schnell sein sarkastischer, zynischer Charakter. Er ist keine herausragend facettenreiche Figur, doch das ist auch gar nicht nötig. Mit seiner schonungslos ehrlichen und pragmatischen Art gewann er trotz dessen meine Sympathie, darüber hinaus besticht er durch seine Menschlichkeit, die ihm auch das „Vyrus“ nicht nehmen konnte. Seine Rolle als Rebell in einer feststehenden Gesellschaft wurde von Husten noch unterstrichen, indem er ihm eine Vergangenheit als Punk gab, ein nettes Detail, das darüber hinaus auch seine Entwicklung während seines Daseins als Vampir betont. Es verdeutlicht, dass Joe als Vampir erwachsen wurde und sich seine Wünsche und Ziele verändert haben.

Insgesamt gefiel mir der Auftakt der Reihe um Joe Pitt sehr gut. „Stadt aus Blut“ ist ein Roman für Leser, die Urban Fantasy mögen, aber Abwechslung zu all den weiblichen Helden mit ihrem dominant geschilderten Liebesleben suchen. Charlie Huston verzichtet auf romantische Szenen und konzentriert sich auf das Wesentliche: das Leben der Vampire in Manhattan. Sein Protagonist Joe Pitt ist kein Held; er ist einfach nur ein Kerl, der ohne äußere Zwänge leben möchte und sich mal besser, mal schlechter über Wasser hält. Somit füllt der Autor eine realistische Nische in einem häufig idealisierten Genre. Leser, die von drastischen Gewaltbeschreibungen abgestoßen sind, sollten jedoch auf „Stadt aus Blut“ verzichten.

(Nächster Band: Joe Pitt #2 – „No Dominion“ / „Blutrausch“ – Charlie Huston – ISBN: 1841495271 / 3453433300)

 

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