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Archiv des Autors: wortmagieblog

Über wortmagieblog

Ich schreibe über Bücher, erstelle Rezensionen und Empfehlungen. Ich veröffentliche meine Buch-Wunschliste und erkläre, warum mich dieses Buch anspricht und warum ich mich dagegen entscheide, ein anderes zu kaufen oder zu lesen.

Liza Marklund – Nobels Testament

„Nobels Testament“ ist der sechste Band der Krimiserie „Annika Bengtzon“ der schwedischen Autorin Liza Marklund. Ich kannte Marklund bereits; vor Jahren habe ich ihre „Mia“-Romane gelesen, die auf einer wahren Begebenheit basieren. Ich wusste, dass die „Annika Bengtzon“-Bücher existieren, hatte jedoch nie Interesse an der Reihe, weil Krimis nicht zu meinen bevorzugten Genres zählen. Dennoch beschloss ich im November 2019 impulsiv, „Nobels Testament“ zu lesen. Ich sah darin die ideale Möglichkeit, mein Blog-Projekt zum Literaturnobelpreis, das mich einige Zeit beschäftigt hatte, mental abzuschließen. Es kümmerte mich nicht, dass ich die Protagonistin nicht kannte und mir der Kontext der Vorgängerbände fehlte. Mich interessierte nur der Fall, der eng mit der Nobelpreisverleihung zusammenhängt.

1895 verfügte Alfred Nobel in seinem Testament die Einrichtung einer Stiftung, die außergewöhnliche Leistungen in den Disziplinen Physik, Chemie, Frieden, Literatur und Medizin honoriert. Über 100 Jahre später gilt das elegante Bankett im Stockholmer Stadshuset, das die Nobelpreisverleihungen offiziell abschließt, als kulturelles Großereignis. Die Journalistin Annika Bengtzon nimmt im Auftrag des Abendblattes teil. Sie gönnt sich einen letzten Tanz, bevor sie zurück in die Redaktion muss, um von rauschenden Roben, dekadenten Speisen und endlosen Dankesreden zu berichten. Plötzlich hallen Schüsse durch den Goldenen Saal des Stadshuset. Der Preisträger für Medizin bricht getroffen zusammen. Auf der Brust seiner Tanzpartnerin, der Vorsitzenden des Nobelkomitees des Karolinska Instituts, breitet sich ein blutroter Fleck aus. Im anschließenden Chaos verbietet die Polizei Annika, über den Angriff zu schreiben. Sie ist empört und hat nun ein persönliches Interesse an der Lösung des Falls. Wer war Ziel des Attentats? Der Preisträger, dessen Stammzellforschung umstritten ist? Oder die Vorsitzende des Komitees, das ihn auszeichnete? Annika beginnt zu recherchieren und erfährt bald am eigenen Leib, dass die Welt der medizinischen Forschung wesentlich rauer ist, als sie sich vorstellen konnte.

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Verfasst von - 1. April 2020 in Krimi, Rezension

 

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John Green – The Fault in Our Stars

Kann ich irgendetwas über „The Fault in Our Stars“ von John Green schreiben, das noch nicht geschrieben wurde? Ich glaube nicht. Ich glaube auch nicht, dass ich euch erklären muss, um welches Buch es sich handelt. Spätestens beim deutschen Titel „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (übrigens eine furchtbare Variante, schließlich ist der Originaltitel ein Shakespeare-Zitat) sollten in euren Köpfen alle Glocken laut klingeln. Also dachte ich mir, lassen wir die Einleitung doch einfach wegfallen. Ersparen wir mir ausnahmsweise die Recherche von Trivia, die sowieso jede_r nachlesen kann und kommen direkt zum Eingemachten. Denn das hat es dieses Mal so richtig in sich, das verspreche ich euch.

Hazel tanzt Tango mit dem Tod. Das war schon immer so. Seit in ihrer Kindheit der Krebs diagnostiziert wurde, der sie langsam von innen auffrisst, besteht ihre Hauptaufgabe im Überleben. Ein Wunder verschaffte ihr bereits mehr Lebenszeit, als ihre ursprüngliche Prognose versprach, doch Schule, Freunde und alles, was für andere 16-Jährige wichtig ist, hat für Hazel kaum Priorität. Erst, als sie in ihrer Selbsthilfegruppe den umwerfenden Augustus Waters kennenlernt, ändern sich ihre Prioritäten schlagartig und sie begreift, dass sie todkrank sein mag – aber noch längst nicht tot.

Okay. Dies wird vermutlich die persönlichste Rezension, die ich seit langer Zeit geschrieben habe. Formal handelt es sich um eine Besprechung von „The Fault in Our Stars“ von John Green. In Wahrheit ist es jedoch eher ein emotionales Resümee meiner Leseerfahrung. In Wahrheit ist es eine Geschichte meiner Trauer.

Einige von euch erinnern sich wahrscheinlich, dass meine Hündin Chilli am 24. September 2019 gestorben ist. Dieses Erlebnis war das Schlimmste, das mir bisher in meinem Leben widerfahren ist. Sie gehen zu lassen, war das Schwerste, das ich je tun musste. Chilli war der Mittelpunkt meines Universums. Sie war mein Sonnenschein, mein Ein und Alles, mein Grund, jeden Morgen aufzustehen. Als sie starb, hinterließ sie einen Krater in meinem Herzen, der so gewaltig ist, dass die Ränder erst jetzt, ein halbes Jahr später, beginnen, zu verschorfen und langsam zu heilen. Ich vermisse sie schrecklich. Es vergeht kein Tag und beinahe keine Nacht, ohne dass ich an sie denke oder von ihr träume.

Ich wusste ungefähr, was mich erwartet, als ich „The Fault in Our Stars“ aus dem Regal zog. Ich wusste, dass es ein Bestseller ist, gehypt wie kaum ein anderes Buch und dass es um eine krebskranke Jugendliche geht, die sich unsterblich verliebt. Meine Entscheidung, den Roman genau jetzt zu lesen, war eher impulsiv und nicht wohldurchdacht. Primär dachte ich, dass es ein guter Zeitpunkt sei, weil ich für die Motto-Challenge im März Verkaufsschlager lesen sollte, also Bücher, um die ein Hype besteht, die sich als Bestseller qualifizieren oder die von Autor_innen verfasst wurden, die als populär gelten. Man nenne mir ein Buch, das besser zu diesen Anforderungen passt als „The Fault in Our Stars“. Außerdem plante ich, mit der Lektüre meine Lesestatistik aufzupolieren, denn für meine Verhältnisse ist es mit etwas mehr als 300 Seiten recht schmal und Jugendliteratur liest sich in der Mehrheit der Fälle ja fix und flüssig. Ich war überrascht, wie sehr sich mein Bauch trotz dieser rationalen Gründe auf das Buch freute – ich hatte es eigentlich nur gekauft, weil es auf meiner Liste der modernen Klassiker stand, nicht, weil ich mich tatsächlich danach sehnte, die gehypte Geschichte kennenzulernen.

Es gab eine Zeit in meiner Lesekarriere, in der ich häufig zu sogenannter Erfahrungsliteratur griff. Berichte psychisch kranker Menschen, Krebstagebücher, die Erlebnisse von Menschen, die in die Fänge diverser Sekten gerieten, die Schilderungen misshandelter Kinder und Frauen – ich las sie alle. Ich denke, ich lechzte damals nach einer Öffnung meines Horizonts, ohne dass ich das in diesen Jahren hätte ausformulieren können. Irgendwann fühlte ich mich gesättigt und distanzierte mich wieder von diesen Büchern. Auf gewisse Weise waren sie ja doch alle gleich und die ständigen Angriffe auf mein Herz begannen, ihren Effekt zu verlieren. Ich stumpfte ab und hatte keine Lust mehr auf deprimierende, reale Geschichten. Seitdem mache ich um diese Form der Literatur meist einen großen Bogen. Ich verbannte die Krebstagebücher, die Berichte extremer Lebensumstände und Schicksalsschläge in eine entfernte Ecke meines Bücherhirns, die ich nur selten mental besuche. Obwohl es rein fiktiv ist, befand sich auch „The Fault in Our Stars“ in dieser eingestaubten Ecke, als ich es auswählte.

Ich bin kein besonders sentimentaler Mensch. Ich breche nicht bei jeder Kleinigkeit in Tränen aus. Ich bin nicht kaltherzig, aber es bedarf schon besonderer literarischer Momente, um meine emotional schützende Mauer zu überwinden. Beschreibungen von Krankheiten reichen dafür normalerweise nicht aus, weil ich seit meiner Geburt in meiner Familie mit den Auswirkungen gesundheitlicher Hürden konfrontiert bin. Ich wurde dazu erzogen, Krankheiten als das zu akzeptieren, was sie sind, zu tun, was nötig und möglich ist und nicht zu verzweifeln, egal, wie düster die Aussichten sind. Hysterie ist nicht hilfreich, nicht produktiv. Schwer krank zu sein ist – entschuldigt die Umgangssprache – scheiße, aber ich lernte, dass es gar nichts bringt, sich im Selbstmitleid zu suhlen und sich davon lähmen zu lassen. Das heißt allerdings nicht, dass ich alle Gefühle, die damit einhergehen, wie Zorn, Trauer und Hoffnungslosigkeit, nicht als legitim anerkenne.

Als Chilli krank wurde und ich zwei Monate lang zusehen musste, wie es ihr von Tag zu Tag schlechter ging, ohne ihr helfen zu können, habe ich all diese Empfindungen selbst erlebt. Ich habe geweint, ich bin innerlich mit jeder weiteren schlechten Nachricht aufs Neue zerbrochen. Aber ich bin immer wieder aufgestanden. Ich habe zusammengekehrt, was von mir übrig war, habe mir ein Lächeln ins Gesicht geklatscht und habe weiter gemacht. Ich schreibe das nicht, um Lob oder Bewunderung zu ernten, ich will lediglich erklären, wie ich mit Krankheiten umgehe. Sie verdiente es, dass ich an sie glaube. Ich durfte sie nicht sehen lassen, wie sehr mich ihre Erkrankung und ihre desaströse Prognose aus dem Gleichgewicht brachten. Sie brauchte mich an ihrer Seite bei diesem Kampf, sie brauchte ihre Mama, die mutig und stark für sie ist, sie beschützt und sie daran erinnert, dass es sich lohnt, zu kämpfen, egal wie weh es tut oder wie anstrengend es ist. Sie brauchte einen Champion und genau das war ich für sie, weil meine Verzweiflung uns beide nur handlungsunfähig gemacht hätte, hätte ich sie die Oberhand gewinnen lassen.

Deshalb fühlte ich mich für „The Fault in Our Stars“ hervorragend gewappnet. Mehr noch, ich glaubte vor der Lektüre nicht daran, dass mich dieses Buch, das ich aus der vernachlässigten „Erfahrungen“-Ecke meines Bücherhirns hervorkramte, berühren könnte. Ich vertraute auf meine Mauer. Ich befürchtete sogar, dass ich es unerträglich kitschig finden würde. Ich war nicht auf die entwaffnende Ehrlichkeit von „The Fault in Our Stars“ vorbereitet; ich war nicht darauf vorbereitet, wie tief es mich bewegen würde. Vielleicht hätte es das auch nicht geschafft. Vielleicht wäre meine Mauer funktional und intakt geblieben. Vielleicht. Wäre Chilli nicht im September gestorben.

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Montagsfrage: Plus Minus 0

Hallo ihr Lieben! 🙂

Hach, ich bin hin und hergerissen. Letzte Woche erhielt ich eine Mail vom Otherland Buchladen hier in Berlin (spezialisiert auf Fantasy und Science-Fiction), dass sie sich einen neuen Service überlegt haben, um in Corona-Zeiten dennoch die Leseleidenschaft ihrer Kundschaft zu befriedigen, ohne dass diese in den Laden kommen müssen. Man kann bei ihnen Überraschungspakete bestellen und sie sich nach Hause liefern lassen. Ich finde das ja schlicht großartig. Man gibt Vorlieben und einen preislichen Rahmen an und schon kommt frische Literatur ins Haus geflattert. Ich würde das wahnsinnig gern ausprobieren, aber ich mache mir Sorgen, dass ich dafür einfach nicht die richtige Zielgruppe bin, weil es dank meiner gut bestückten Bibliothek durchaus möglich ist, dass mir Bücher geschickt werden, die ich bereits habe. Das wäre ärgerlich. Trotzdem bin ich extrem versucht, es auszutesten, weil ich gern sehen würde, was das Personal vom Otherland anhand meiner Vorlieben für mich auswählt. Ich kann mich nicht entscheiden. Was meint ihr? Soll ich das Risiko eingehen? Help!
Während ihr euch hoffentlich einen guten Rat für mich überlegt, widme ich mich der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Habt ihr im Moment mehr oder weniger Zeit zum Lesen?

Das geht dann heute wohl schnell. Die Antwort lautet weder noch, denn mein Alltag hat sich im Grunde nicht verändert. Wie ich letzte Woche bereits erklärte, gibt es für mich kein Home Office und keinen Corona-Zwangsurlaub, bis ich nicht selbst krank werde. Das ist bisher nicht eingetreten. Toi toi toi. Daher habe ich noch exakt genauso viel oder wenig Zeit zum Lesen wie vor dem Ausbruch, je nach Dienstplan.

Das war es auch schon mit meiner Antwort heute, die ungewohnt kurz ausfällt. Ich weiß wirklich nicht, was ich sonst zu dieser Frage schreiben soll. Aber vielleicht habt ihr ja mehr zu sagen. Und bitte vergesst nicht, mir eure Meinung mitzuteilen, ob ich nun ein Otherland-Überraschungspaket bestellen soll oder nicht. 😉

Wie wirkt sich die aktuelle Lage auf eure Lesezeit aus?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen beschwerdefreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Jack London – Der Seewolf

Jack London liebte das Leben. Er war Schriftsteller, Abenteurer, Weltenbummler, Journalist und Sozialist. Er wurde 1876 in San Francisco in ärmliche Verhältnisse geboren, machte nie einen Schulabschluss und musste bereits als Kind demütigende, schlecht bezahlte Jobs annehmen, um Geld zu verdienen. Als er sich mit Anfang 20 der Literatur zuwandte, geschah dies nicht nur, weil er darin seine Berufung vermutete, sondern auch, weil er die Schriftstellerei als Weg aus der Armut interpretierte. Er behielt Recht. Jack London war einer der ersten Autor_innen, die weltweiten Ruhm erlangten und sich selbst als Marke inszenierten. Zu Lebzeiten galt er als der höchstbezahlte Schriftsteller in den USA. Er war gleichermaßen Mann der Tat wie autodidaktischer Intellektueller, jemand, der ebenso viel Freude aus Boxkämpfen schöpfte wie aus politischen Diskussionen. Seine Interessen waren weitgefächert und als er 1916 viel zu früh im Alter von 40 Jahren verstarb, hatte er etwa 200 Kurzgeschichten, 400 Werke der Non-Fiction (darunter Essays, Kriegsreportagen und ein Augenzeugenbericht des großen Erdbebens in San Francisco in 1906) und 20 Romane verfasst. Er war ein literarischer Rockstar, lange bevor der Begriff „Bestsellerautor“ geprägt wurde.

„Der Seewolf“ ist einer der bekanntesten Romane von Jack London. Das Buch erschien 1904; die erste Auflage umfasste 40.000 Exemplare und war bereits vor der Veröffentlichung restlos ausverkauft. Die Geschichte geht auf Londons eigene Erfahrungen auf See zurück. 1893, mit gerade einmal 17 Jahren, heuerte er auf dem Robbenfänger Sophie Sutherland an, der eine siebenmonatige Reise über das Beringmeer bis nach Japan unternahm. Obwohl er eigentlich zwei Jahre zu jung für die Seefahrt war, fügte er sich dank eiserner Disziplin und beispiellosem Arbeitseifer gut in die Besatzung ein und wurde bald von seinen Kameraden akzeptiert. Viele Abenteuer erlebte er an Bord nicht; sein Kapitän war ein alter Mann, der seine Crew vermutlich milde und freundlich behandelte. In Londons autobiografischem Werk „König Alkohol“ beschreibt er hauptsächlich Erinnerungen, die mit Alkoholexzessen während der Landgänge zu tun haben. Dennoch gab es eine Erfahrung, die ihn nachhaltig beeinflusste. In einem Taifun wurde ihm das Ruder überlassen. Fast eine Stunde lang steuerte er das Schiff allein durch die unbezwingbaren Naturgewalten der aufgepeitschten See. Das Schicksal der gesamten Besatzung lag in seinen Händen. Später sprach er darüber als „Moment höchsten Lebens“ und beurteilte ihn als die „wahrscheinlich stolzeste Errungenschaft meines Lebens“.

Soweit ich es verstanden habe, spielte Jack London lange mit dem Gedanken, seine Zeit auf der Sophie Sutherland eines Tages literarisch zu verarbeiten. Als er 1903 begann, „Der Seewolf“ zu schreiben, war er allerdings bereits ein gefeierter Schriftsteller und fühlte sich zu Höherem berufen, als nur einen simplen Reisebericht zu verfassen. Er plante einen richtigen Seefahrtsroman „mit Abenteuern, Sturm, Kampf, Tragödie und Liebe“ und beschloss, seine persönlichen Erlebnisse lediglich als Basis zu nutzen. Stattdessen wollte er sich primär mit einem Thema auseinandersetzen, das ihn faszinierte: Nietzsches Theorie des Übermenschen. Leider konnte er seine Erinnerungen an seinen eigenen Kapitän auf der Sophie Sutherland nicht verwenden, denn dieser entsprach wohl ganz und gar nicht Nietzsches Ideal. Daher bediente er sich einer anderen Person aus seiner Vergangenheit. Jahre zuvor hatte er in Oakland in einer Kneipe namens Heinold’s First and Last Chance (heute trägt das Etablissement den inoffiziellen Beinamen Jack London’s Rendezvous) den Kapitän Alexander MacLean (manchmal auch McLean) kennengelernt. MacLean segelte meist im Nordwestpazifik und galt auf See als äußerst grausam. Er wurde zum Vorbild für Londons Übermenschen, den er mit seinem personifizierten Gegenteil konfrontierte, einem sensiblen Schöngeist. Es galt, herauszufinden, wie diese gegensätzlichen Figuren aufeinander reagierten, welche Beziehung sich zwischen ihnen entwickeln würde – Fragen, denen Jack London mit Leidenschaft nachspürte. Das Ergebnis ist „Der Seewolf“, ein Klassiker und einer der ersten kommerziellen Bestseller der Literaturgeschichte.

Mit lautem Krachen und Bersten versank die Fähre, die Humphrey van Weyden nach Hause bringen sollte, in der Bucht von San Francisco. Wie lange er in den eisigen Fluten trieb, weiß er nicht. Als sich ein Schiff aus dem Nebel schälte, wähnte er sich gerettet. Doch die Ghost ist nicht die Antwort auf seine Gebete. Der Kapitän Wolf Larsen, ein brutaler, unbeugsamer Mann, weigert sich, Humphrey an Land abzusetzen. Unter dem Vorwand, der verweichlichten Statur und Persönlichkeit des jungen Gentlemans einen Gefallen zu erweisen, presst er ihn in seine Dienste. Fortan muss Humphrey auf dem Robbenfänger schuften. Er lernt Larsen fürchten und hassen, aber er entdeckt auch, dass der Kapitän über den Geist eines Gelehrten verfügt. Sie beginnen einen Tanz über die Weltmeere, ein Duell des Willens im stetigen Remis. Erst, als Humphrey daran erinnert wird, wer er war, erkennt er, was ihm bisher verborgen blieb: nur ein Weg führt an Wolf Larsen vorbei und zurück in sein Leben.

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Verfasst von - 24. März 2020 in Klassiker, Rezension

 

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Montagsfrage: Quarantäne-Lektüre?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Na, genießt ihr alle bereits die Vorteile des Home Office? Ich gebe zu, ein bisschen neidisch bin ich schon. Ich kann erst zu Hause bleiben, sollte ich selbst krank werden. Der journalistische Betrieb muss sich ja weiterdrehen und da meine Position intern als „produktionsrelevant“ gilt, fahre ich weiterhin brav ins Büro. Rein theoretisch wäre Home Office auch für mich möglich, der technische Aufwand wäre allerdings immens, denn das CMS, das wir nutzen, ist ein Monstrum und der Zugriff auf die Server von extern ist fehleranfällig. Da ich außerdem in Echtzeit auf Zuruf arbeite, ist direkte Kommunikation das A und O. Sollten also für den Journalismus weiterhin keine Beschränkungen erlassen werden, ändert sich für mich überhaupt nichts, auch nicht durch das gestern beschlossene Kontaktverbot und nicht einmal, falls es in Berlin tatsächlich zu einer umfänglichen Ausgangssperre kommt. Ich finde es schade, dass gesellschaftlich so gut wie gar nicht anerkannt wird, dass eben nicht nur Krankenpflege, Rettungskräfte, Polizei und der Lebensmittelhandel weiter ganz normal schuften, sondern auch alle, die direkt in journalistische Prozesse eingebunden sind. Ich wünschte, auch uns würde mal dafür gedankt. Ohne unsere Arbeit wüsste niemand, wie die aktuelle Lage aussieht. Ich habe das Gefühl, niemand macht sich bewusst, wie viel Stress das im Moment bedeutet. Die Informationsflut ist extrem. Das heißt, während ihr alle selbst entscheiden könnt, wie viele Nachrichten ihr konsumiert, kann ich das nicht. Auf mich prasselt alles ungefiltert ein und das ist wahnsinnig anstrengend. So anstrengend, dass mir mittlerweile der Humor abhanden kam und ich mich privat nur noch auf Radio-Nachrichten verlasse, weil mir alles andere zu viel ist. Also bleibt mir bitte weg mit Corona-Witzen, Corona-Memes, Corona-Geschichten und überhaupt allem, das mit Corona zu tun hat. Glaubt mir, ich erfahre es früh genug.
Für die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise, die heute ebenfalls nicht von diesem Thema verschont bleibt, mache ich aber natürlich eine Ausnahme.

Welches Buch hast du zuletzt beendet und wäre es eine gute Quarantäne-Lektüre?

Ähm… Ist nicht jedes Buch eine gute Quarantäne-Lektüre? Ich verstehe nicht, inwiefern eine Quarantäne andere Anforderungen an ein Buch stellt als der normale Alltag. Quarantäne heißt aktuell ja, entweder zu Hause oder – in ernsteren Fällen – im Krankenhaus festzusitzen. Ich assoziiere damit den täglichen Kampf gegen die Langeweile und dafür wäre mir jedes Buch recht. Natürlich würde ich auch in dieser Situation darauf hoffen, gute Literatur ausgesucht zu haben, aber das wünsche ich mir immer. Ich denke, der einzige Unterschied könnte die Länge des Buches betreffen. Dicke Schmöker eignen sich selbstverständlich hervorragend dazu, genau dann gelesen zu werden, wenn man sowieso nichts anderes tun kann. „Krieg und Frieden“ von Tolstoi stelle ich mir zum Beispiel als die perfekte Lektüre vor, wenn man in einer einsamen Berghütte eingeschneit ist.

So gesehen war mein letztes Buch nicht gerade Quarantäne-ideal. Zuletzt habe ich „Die Fließende Königin“ (Merle-Zyklus #1) von Kai Meyer beendet. Dieser Reihenauftakt ist durch und durch ein Kinderbuch und das schlägt sich eben auch in der Seitenzahl nieder. 271 Seiten mit sehr großer Schrift. Ich war ratzfatz durch. Ignoriert man die Seitenzahl hingegen, ist es nicht die schlechteste Lektüre für eine Quarantäne, weil es kurzweilig ist und von den Leser_innen keinen intellektuellen Aufwand verlangt. Ich würde es dennoch nicht noch einmal auswählen, denn ich musste zähneknirschend einsehen, dass ich mittlerweile wirklich ein bisschen zu alt dafür bin. Mich beschäftigten Fragen, die ein Kind nicht die Bohne interessieren würden, für mich aber bezüglich Atmosphäre und Worldbuilding wichtig sind. Kai Meyer stellt seine Leser_innen oft vor vollendete Tatsachen, was angesichts der Zielgruppe völlig in Ordnung ist – nur gehöre ich schon lange nicht mehr zur Zielgruppe.

Demzufolge würde ich „Die Fließende Königin“ für Erwachsene also nicht als Quarantäne-Lektüre empfehlen, für Kinder, die ja momentan auch alle zu Hause sind, hingegen schon. Doch selbst wenn ich mir nun Corona einfangen und in Quarantäne gesteckt würde, würde ich meine Buchauswahl nicht anders gestalten als jetzt. Ich würde dicken Wälzern vielleicht ein wenig mehr den Vorzug geben, besonders, wenn ich wirklich ins Krankenhaus müsste, aber mehr würde ich nicht ändern.

Eignet sich euer letztes Buch als Quarantäne-Lektüre?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen gesunden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Beatrix Gurian – Stigmata: Nichts bleibt verborgen

Der Jugendthriller „Stigmata: Nichts bleibt verborgen“ ist ein Projekt der deutschen Autorin Beatrix Gurian, das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Erol Gurian realisierte. In dem Roman spielen alte Fotos eine entscheidende Rolle. Bevor das Buch erschien, entwickelte sich in einem Gespräch zwischen der Schriftstellerin und ihrer Agentin die Idee, diese Fotos tatsächlich abzubilden. Glücklicherweise ist ihr Mann hauptberuflich Fotograf und war sofort bereit, seinen kreativen Beitrag zu leisten. Die Motive ergaben sich aus der Geschichte, an einigen Stellen passte Beatrix Gurian diese jedoch den Ergebnissen ihres Shootings an. Auf diese Weise entstand ein einzigartiges Gesamtwerk, in dem die Fotos von Erol Gurian mehr als Illustrationen sind.

Emmas letzte Worte an ihre Mutter waren hässlich. Leider kann sie sie nicht zurücknehmen, denn ihre Mutter verunglückte bei einem Autounfall. Seit zwei Wochen verbarrikadiert sich Emma in ihrer Wohnung, zerfressen von Schuld und Kummer. Das penetrante Klingeln an der Tür ignoriert sie. Als das Läuten endlich aufhört, liegt auf ihrer Schwelle ein Päckchen. Es enthält ein altmodisches Fotoalbum, aus dem alle Fotos entfernt wurden. Bis auf eines. Auf der letzten Seite klebt eine Fotografie, die ihre Mutter als Kleinkind zeigt. Darunter steht in Druckbuchstaben „Wenn du wissen willst, wer die Mörder deiner Mutter sind, meldest du dich an“. Ein beigelegtes Prospekt führt Emma zu einem elitären Jugendcamp in einem alten Schloss. Was hat das mit dem Tod ihrer Mutter zu tun? Wieso behauptet der unbekannte Absender, sie sei ermordet worden? Fest entschlossen, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, meldet sich Emma für das Camp an und erreicht wenige Wochen später das mysteriöse Schloss. Doch die Geheimnisse ihrer Mutter sind tief vergraben und schon bald gerät Emma selbst in tödliche Gefahr…

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Verfasst von - 17. März 2020 in Rezension, Thriller, Young Adult

 

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Montagsfrage fällt noch mal aus

Hallo ihr Lieben! 🙂

Die Montagsfrage von Lauter&Leise fällt heute ein weiteres Mal aus. In Antonias Familie gab es kürzlich einen Todesfall, durch den sie sich nicht in der Lage fühlt, eine Frage zu formulieren. Mein herzliches Beileid.
Die Dienstagsrezension wird es hier morgen trotzdem geben, bis dahin wünsche ich euch einen wunderbaren frühlingshaften Start in die neue Woche!

Alles Liebe,
Elli ❤️

 
 

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