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Über wortmagieblog

Ich schreibe über Bücher, erstelle Rezensionen und Empfehlungen. Ich veröffentliche meine Buch-Wunschliste und erkläre, warum mich dieses Buch anspricht und warum ich mich dagegen entscheide, ein anderes zu kaufen oder zu lesen.

Claudia Gray – A Million Worlds With You

Rezensionsheader von "A Million Worlds With You" von Claudia Gray

Ich erinnere mich, dass jeder Band der „Firebird“-Trilogie im Buchblogkosmos ein kleines Erdbeben auslöste. Viele meiner lieben Kolleg_innen litten beim Anblick der traumhaft schönen Cover unter ernster Schnappatmung. Es amüsiert mich daher enorm, dass der heutige Bekanntheitsgrad der Autorin Claudia Gray eher wenig mit dieser Trilogie zu tun hat. In ihrem englischen Wikipedia-Eintrag wird sie nicht einmal genannt. Claudia Grays Erfolg basiert vielmehr darauf, dass sie 2015 begann, für ein extrem populäres Franchise zu schreiben: Star Wars. Beinahe jeder Artikel und jedes Interview dreht sich um ihre Beiträge zu diesem Fandom. Kaum ein Wort über „Firebird“, nicht einmal über das Finale „A Million Worlds With You“. Da sieht man mal, wie klein unsere Blase ist.

Die Trauer um ein verlorenes Kind kann Eltern in den Wahnsinn treiben. Marguerite versteht den Schmerz, den ihre Eltern der Home-Office – Dimension über den Verlust ihrer Schwester Josie empfinden. Auch sie sind schließlich – irgendwie – ihre Familie. Aber wie weit sie zu gehen bereit sind, um Josie zurückzubekommen, kann sie nicht begreifen. Sie planen, jede Dimension zu zerstören, in der sich ein Splitter von Josies Seele befindet. Der Firebird verfügt über das Potential, Materie und Antimaterie ins Gleichgewicht zu bringen, wodurch eine Dimension schlicht aufhört, zu existieren. Ausgerechnet eine Marguerite soll das kaltblütige Vorhaben in die Tat umsetzen: Ihre bösartige Home-Office – Version. Billionen Leben stehen auf dem Spiel. Marguerite muss sich selbst aufhalten. Nur, wenn es ihr gelingt, ihrem anderen Ich zuvorzukommen, kann sie die bedrohten Dimensionen retten. Mehr denn je braucht sie jetzt Pauls Unterstützung, doch seit seine Seele in Stücke gerissen wurde, ist er nicht mehr derselbe. Wird Marguerite stark genug für sie beide und das Multiversum sein?

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Montagsfrage: Literarische Fremdsprachigkeit?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Am Samstag haben der Lieblingsmensch und ich die neue Küche zelebriert. Zuerst hat der gelernte, ehemalige Bäcker einen Kirsch-Streuselkuchen für uns gezaubert und abends gab es selbstgemachte Pizza. Beides konnten wir noch nie backen, weil unser alter Ofen die dafür notwendigen Temperaturen nicht erreichte. Dann haben wir es uns vor dem Fernseher gemütlich gemacht und uns die neuste Ergänzung der Netflix-Bibliothek angesehen: „Der goldene Handschuh“. Ich habe das gleichnamige Buch von Heinz Strunk, in dem er die Verbrechen des Serienmörders Fritz Honka in den 70er Jahren in Hamburg thematisiert, bereits vor etwa 3 Jahren gelesen, der Lieblingsmensch hingegen hat es gerade erst beendet. Es war einer der seltenen Fälle, in denen ich auf die Verfilmung neugierig war, weil ich sehen wollte, ob das literarische Experiment, das Heinz Strunk vorlegte, überhaupt filmisch umsetzbar ist. Mein Fazit: Ist es nicht. Der Film ist wirklich gut gemacht, hält sich eng an die Vorlage und der Setaufbau ist eine verblüffend authentische Kopie der Lebensumstände Honkas, aber das, was das Buch ausmacht, kann er nicht vermitteln. Der biografische Roman lebt von den Innenansichten des Serienmörders, sein Reiz besteht darin, dass man sich als Leser_in fragen muss, wie weit Sympathie für einen Protagonisten gehen darf. Dieser Effekt entsteht im Film überhaupt nicht, weil das Publikum nicht erfährt, was in Honka vorgeht. Außerdem nimmt die Kneipe „Zum goldenen Handschuh“ eine viel zu geringe Rolle ein. Es kommt nicht rüber, dass es sich dabei um einen Schmelztiegel der Schicksale handelte, wodurch die Milieustudie, als die das Buch gelobt wurde, völlig in den Hintergrund tritt. Im Film geht es um Honkas Verbrechen, was ich als Andenken an seine Opfer schätze, doch das Buch deckt viel mehr ab als das. Solltet ihr also darüber nachdenken, den Film anzuschauen, kann ich euch nur empfehlen, auch den Roman auf eure Liste zu setzen. Bei Interesse findet ihr HIER meine Rezension.

Nun ist das Wochenende und damit die Gelegenheit zu einem lauschigen Filmabend allerdings schon wieder vorbei und wie immer starte ich in die neue Woche mit der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Wie hoch ist euer Leseanteil in einer Fremdsprachen und warum lest ihr nicht die Übersetzung?

Die heutige Frage stammt vom lieben Torsten von Torsten’s Bücherecke. Ich beherrsche nur eine Fremdsprache gut genug, um in dieser Sprache auch lesen zu können: Englisch. Immerhin eine, mit der ich ziemlich weit komme. 😉 Wahrscheinlich lese ich etwas mehr als die Hälfte meiner Gesamtlektüre im Jahr in Englisch. Genau weiß ich es nicht (mehr), weil ich die entsprechende statistische Zahl aus meinem Jahresrückblick 2020 gestrichen habe. Ich fand, dass sie nichts mehr über mich aussagt und es einfach nicht wichtig ist, in welcher Sprache ich ein Buch nun lese, weil das kein Faktor ist, der bei meiner Lektüreauswahl eine Rolle spielt. Ich kann englische Bücher mittlerweile genauso flüssig lesen wie Bücher in Deutsch, bin literarisch also wahrhaft zweisprachig. Das muss ich nicht ausufernd analysieren oder gegeneinander aufrechnen.

Auf die Frage nach dem Warum ist die Antwort im Kern denkbar simpel: Weil ich es kann. Es gibt einen Haufen Gründe, die meiner Meinung nach dafür sprechen, im Original zu lesen und nicht zur Übersetzung zu greifen, wenn man nicht muss.
Ursprünglich bewegten mich zwei Argumente dazu, auf englische Lektüre umzusatteln. Ich hatte es satt, den deutschen Marktmechanismen unterworfen zu sein, die dazu führen, dass einige Reihen aus finanziellen Faktoren heraus irgendwann nicht weiter übersetzt werden. Obwohl ich diese Entscheidung aus Sicht der Verlage durchaus verstehen kann, bin ich als Leserin in solchen Fällen natürlich die Gelackmeierte. Will ich wissen, wie die Geschichte weitergeht, bleibt mir keine andere Wahl, als auf die englischen Originale umzusteigen.
Der zweite Aspekt war der Preis. Englische Bücher sind häufig deutlich günstiger als die deutschen Übersetzungen, weil sie nicht der deutschen Buchpreisbindung unterworfen sind. Dieses Verhältnis ist sogar auf dem Gebraucht-Markt zu spüren, denn viele deutsche Bücher erreichen niemals den niedrigen Schnäppchenpreis, von dem ich bei englischen Büchern profitiere.

Später haben sich weitere positive Effekte herauskristallisiert, die bis heute eine Rolle für mich spielen.
Eine Übersetzung kann, unabhängig von ihrer Qualität, niemals dieselbe Authentizität aufweisen wie das Original. Manche Formulierungen lassen sich nicht ohne Weiteres von einer Sprache in eine andere übertragen. Metaphern, Wortwitz und Stilblüten müssen zwangsläufig bis zu einem gewissen Grad verloren gehen. Wenn ich mit diesem Kompromiss nicht leben muss, warum sollte ich dann?
Wartezeiten sind ebenfalls ein Faktor. Eine Übersetzung braucht Zeit. Findet die Veröffentlichung eines Buches international nicht parallel statt, muss ich als Deutsche warten, bis die Übersetzung verfügbar ist, was unter Umständen Monate dauern kann. Habe ich ohnehin Jahre auf ein Buch gewartet, zum Beispiel bei einer Fortsetzung, möchte ich diese Wartezeit nicht unnötig verlängern.
Ich habe außerdem festgestellt, dass sich durch zweisprachiges Lesen die Vielfalt deutlich erhöht. Manche Autor_innen werden nie ins Deutsche übersetzt. Andere werden nicht mit ihrem Gesamtwerk übersetzt, heißt, Reihe A wird übersetzt, Reihe B aber nicht. Das kann mir egal sein, wenn ich auf Englisch lese. Ich habe Zugriff auf den gesamten deutschen und den gesamten englischsprachigen Buchmarkt, was neben den USA und Großbritannien ja auch zahlreiche weitere Länder einschließt, zum Beispiel Kanada oder Australien. Dadurch habe ich Schriftsteller_innen entdeckt, die mir nie begegnet wären, würde ich mich auf deutschsprachige Literatur beschränken.
Darüber hinaus habe ich eine Vorliebe für englischsprachige Taschenbuchformate. Durch die fehlende Buchpreisbindung in englischsprachigen Ländern können mehrere Verlage dasselbe Buch verlegen. Um Kampfpreise anbieten zu können und trotzdem wirtschaftlich zu sein, sparen diese Verlage häufig bei den Kosten für die physische Form des Buches. Sie nutzen kleine Formate und weniger hochwertiges Papier. Viele Leser_innen mögen sich an den dünnen Seiten mit dem typischen Recycling-Grauschleier stören, aber ich liebe diese Ausgaben. Sie sind handlich, sie sind leicht, sie geben mir das Gefühl, nicht allzu vorsichtig beim Lesen sein zu müssen. Habe ich die Wahl, würde ich mich immer für so eine Ausgabe entscheiden.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Argumente fallen mir für englische Originale ein. Die wichtigsten habe ich jetzt allerdings abgedeckt, also belassen wir es bei dieser Aufzählung. Auf englischsprachige Lektüre umzuschwenken, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich möchte die literarische Zweisprachigkeit und all ihre positiven Aspekte nicht mehr missen.

Lest ihr in einer Fremdsprache und wenn ja, wieso?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen inspirierenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Claudia Gray – Ten Thousand Skies Above You

Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin war Claudia Gray Anwältin. Sie investierte Jahre in ihre Ausbildung, verließ diesen Berufsweg jedoch, um erst für Magazine zu schreiben und sich später der Literatur zu widmen. Sie sagt, sie wird oft gefragt, wieso sie die Rechtsvertretung aufgab, um Bücher zu schreiben – aber niemals von Anwält_innen. Mit ihrem Jobwechsel konnte sie sich gleich zwei Kindheitsträume erfüllen: Die Schriftstellerei und den Wunsch, sich selbst einen Namen zu geben. Claudia Gray ist ein Pseudonym, durch das sie ihr Privatleben emotional wie professionell besser abgrenzen kann. Mit zunehmendem Erfolg, der spätestens 2015 einsetzte, als auch der zweite Band der „Firebird“-Trilogie, „Ten Thousand Skies Above You“, erschien, sicher keine schlechte Idee.

Pauls Seele wurde in Stücke gerissen. Er reiste mit dem Firebird in das Triadverse, um dort nach einem Heilmittel für Theo zu suchen, der durch die Droge Nightthief in Lebensgefahr schwebt. Als er nach den vereinbarten 24 Stunden nicht zurückkehrte, weiß Marguerite, dass ihm etwas zugestoßen sein muss. Sie folgt Pauls Koordinaten und findet ihn, aber als sie die Erinnerungsfunktion des Firebirds auslöst, wacht er nicht auf. Stattdessen trifft sie auf Wyatt Conley. Genüsslich erklärt er ihr, dass er Pauls Seele absichtlich zersplitterte, um sie zu erpressen. Er verspricht ihr, ihr die Koordinaten von Pauls Splittern und das Heilmittel für Theo zu geben – wenn sie in einigen Dimensionen die Forschung ihrer Eltern am Firebird sabotiert. Marguerite hat kaum eine andere Wahl, als sein Angebot anzunehmen. Will sie Paul und Theo retten, muss sie Conley irgendwie überlisten. Doch in den anderen Dimensionen begegnet sie neuen Versionen von sich selbst und Paul, die nicht sind, was sie erwartete und schon bald zweifelt sie: Ist ihre Liebe tatsächlich Schicksal?

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Verfasst von - 23. Februar 2021 in Rezension, Science-Fiction, Young Adult

 

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Montagsfrage: Ehrlich, freundlich oder beides?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Leute, ihr werdet es nicht glauben. Es ist alles fertig. Die Küche steht, die Fliesen kleben an der Wand und im Badezimmer ist das neue Waschbecken eingebaut. Unsere Wohnung hat in der letzten Woche wirklich ein kompettes Make-Over bekommen. Es ist wundervoll. Ich bin sehr, sehr glücklich. Wenn ich so im Türrahmen stehe und mir meine neue Küche ansehe, war sie jeden Cent und jeden Tag der Ungeduld wert. Am Freitag habe ich auch schon darin gekocht – wir entschieden uns für Nudelauflauf, weil man mit Pasta und Käse nicht allzu viel falsch machen kann, selbst wenn Kochfeld und Ofen ungewohnt sind. Es war ein Traum. Es ist ein völlig anderes Gefühl, wenn alles aufgeräumt und sortiert ist, statt nur provisorisch gelöst. Beim Öffnen von Türen und Schubladen muss ich jetzt nicht mehr all die vielen kleinen Tricks beachten, die bisher nötig waren, weil jedes einzelne Möbelstück Macken und Alterserscheinungen hatte. Alles ist einheitlich. Wir haben viel mehr Arbeitsfläche. Mehr Licht. Wir müssen nicht mehr von Hand abwaschen und dank der Dunstabzugshaube ist der schmierige Film, gegen den ich einen aussichtslosen Kampf austrug, Geschichte. Hach, es ist schön. Als ich mir am Freitag dann auch noch das erste Mal im neuen Badezimmer-Waschbecken die Hände wusch und feststellte, dass wir nun endlich Wasser einlassen können, ohne dass es durch den undichten Stöpsel von selbst wieder abläuft, ging mir durch den Kopf, mit wie wenig ich im vergangenen Jahrzehnt zufrieden war. Bescheidenheit ist eine Tugend, aber ich bin doch sehr erstaunt, mit wie vielen Unannehmlichkeiten ich mich arrangieren konnte. Für mich fühlt es sich an, als hätte ich eine neue Phase in meinem Leben erreicht. Vor einigen Jahren wäre die Realisierung eines großen Projekts wie die neue Küche noch undenkbar gewesen. Ich hätte gar nicht gewusst, wo ich anfangen soll. Jetzt bin ich solchen Herausforderungen gewachsen und das ist wirklich ein gutes Gefühl. 🙂

Nun aber genug von der neuen Küche geschwärmt, kommen wir zum Tagesgeschäft – der heutigen Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Wie geht ihr mit Rezensionsanfragen um, die uninteressant sind?

Ich habe die Frage, die von Sophia von Wordworld stammt, gekürzt, weil sie sonst wirklich sehr lang geworden wäre. Sophia möchte nämlich eigentlich wissen, ob wir ehrlich sind und zugeben, dass uns ein Rezensionsexemplar nicht interessiert. Für mich ist das leicht zu beantworten: Ja, ich bin immer ehrlich. Ich glaube, es bringt niemandem etwas, wenn ich aus falsch verstandener Höflichkeit eine Ausrede erfinde. Was ist schon dabei, wenn ich anhand von Klappentext und Leseprobe von dem angebotenen Buch nicht überzeugt bin? Selbst aufstrebende Autor_innen wissen, dass sie es nicht allen Recht machen können. Es ist gar nicht schlimm, wenn sie meinen Geschmack nicht treffen, denn es gibt garantiert andere Blogger_innen, bei denen das ganz anders aussieht. Anfangs habe ich mich ziemlich schlecht gefühlt, wenn ich eine Rezensionsanfrage ablehnen musste, aber irgendwann habe ich aufgehört, diese Situation persönlich zu bewerten und betrachte solche Angebote mittlerweile ausschließlich professionell, weil den wenigsten Autor_innen tatsächlich an meiner individuellen, persönlichen Meinung gelegen ist. Die meisten schreiben mich nicht an, weil sie meinem Blog schon ewig folgen und wirklich wissen wollen, was ich, also Elli als Privatperson, über ihr Buch denke. Sie schreiben mich an, weil sie ihr Buch möglichst vielfältig bewerben möchten und ich dafür als Buchbloggerin eine sinnvolle Adresse bin. Sie stolpern über mich, stöbern vielleicht ein bisschen herum und entscheiden dann, mir eine Rezensionsanfrage zu schicken. Das beweist allein schon der Anteil der Bücher, die mir angeboten werden, obwohl sie ganz offensichtlich nicht meinem Geschmack entsprechen. Für mich ist das völlig in Ordnung, denn eine Rezensionsanfrage ist keine Schmeichlei. Es ist eine geschäftliche Offerte. Habe ich an diesem Geschäft kein Interesse, wird sich wohl kaum jemand von einer Brücke stürzen, wenn ich das ganz offen sage.

Ehrlichkeit bedeutet ja nicht, dass man gemein werden muss. Ich kann ehrlich und freundlich sein. Ich kann darauf hinweisen, dass das Buch leider nichts für mich ist, es aber sicher andere Blogger_innen gibt, denen es eher zusagt. In einigen Fällen habe ich sogar konkrete Empfehlungen ausgesprochen, an wen sich der Autor bzw. die Autorin wenden könnte. Dadurch vermeide ich nicht nur, unnötig lügen zu müssen, ich verhindere auch, dass ich in Zukunft von derselben Person ähnliche Angebote erhalte. Weiß die Person, dass mir ein Buch dieser Art nicht zusagt, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie mir künftig eine thematisch-inhaltlich ähnliche Geschichte vorschlägt, was allen Zeit und Aufwand spart.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich darauf verzichte, eine Ablehnung aufgrund mangelnden Interesses zu schreiben, wenn es einen anderen Grund gibt, der meiner Ansicht nach drängender ist. Die meisten Rezensionsanfragen lehne ich nicht ab, weil ich das Buch uninteressant finde. Die meisten lehne ich aus Zeitgründen ab. Ich bin keine wirklich gute Auftragsrezensentin, denn ich kann einerseits nicht vorhersagen, wann ich das Buch lesen werde und andererseits kann ich mit absoluter Sicherheit vorhersagen, dass es auf jeden Fall Monate dauern wird, bis ich das Buch bespreche. Der Stapel meiner ausstehenden Rezensionen ist besorgniserregend hoch – buchstäblich, denn die entsprechenden Bücher stapeln sich mittlerweile wirklich prekär. Es widerstrebt mir, ein Buch, das ich später gelesen habe, für die Rezension vorzuziehen. Das mache ich nur in Ausnahmefällen. Also würde das Rezensionsexemplar ewig rumliegen. Das finde ich nicht fair, weil es für die Autor_innen meist wichtig ist, dass das Buch zeitnah zum oder nach dem Erscheinen Aufmerksamkeit erhält. Bei mir wiederum würde die Situation Druck erzeugen, was meiner Kreativität meist einen Riegel vorschiebt. Wieder hat keine_r etwas davon, wenn ich die Anfrage annehme. Folglich erkläre ich freundlich, dass ich leider keine Kapazitäten habe, um der Bitte nachzukommen, wünsche viel Erfolg für die Zukunft und erspare allen Beteiligten eine blöde Lage. Dann auch noch zu erwähnen, dass ich das Buch übrigens sowieso nicht lesen wollen würde, ist ja nun unnötig.

Wie reagiert ihr auf uninteressante Rezensionsanfragen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen glückseligen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

 

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Isabel Allende – Ripper

Als ich „Ripper“ von Isabel Allende 2016 spontan in einem Buchladen kaufte, war mir nicht klar, dass ich die vermutlich bekannteste chilenische Autorin bei mir einziehen ließ. Neben Pablo Neruda gilt Allende als der literarische Exportschlager ihres Geburtslandes, obwohl sie seit 1988 in den USA lebt und seit 2003 offiziell US-amerikanische Staatsbürgerin ist. Ihr Debütroman „Das Geisterhaus“ sowie das später veröffentlichte „Paula“ findet man häufig in internationalen literarischen Bestenlisten. „Ripper“ scheint hingegen eher unbekannt zu sein, was wahrscheinlich daran liegt, dass niemand erwartete, dass die Bestsellerautorin, die sich mit magischem Realismus einen Namen machte, je einen Krimi schreiben würde.

Ihre Freund_innen sagen über Indiana, dass man ihr einfach alles verzeiht. Ihre Patient_innen sagen, dass ihre Hände magisch sind. Selbst diejenigen, die nicht an die holistische Heilkunst glauben, kommen immer wieder, um in ihrer Nähe zu sein. Indiana besitzt das seltene Talent, das Positive in den Menschen hervorzubringen. Sie ist eine lebenslustige Frau voller Energie und Herz, der karmisches Gleichgewicht mehr bedeutet als Geld. Ihre 16-jährige Tochter Amanda wirkt hingegen oft wie ihr personifiziertes Gegenteil. Während Indi nach dem Licht in der menschlichen Seele sucht, ist Amanda von ihren dunklen Abgründen fasziniert. Mit anderen Teenagern überall auf der Welt und ihrem Großvater spielt sie das Online-Rollenspiel Ripper. Bisher drehte sich das Spiel um die Aufklärung fiktiver Verbrechen, doch seit Amandas und Indis Heimat San Francisco Schauplatz einer brutalen Mordserie ist, ermittelt die Gruppe in diesen Fällen. Aus Spaß wird bitterer Ernst, als Indi plötzlich verschwindet. Amanda ist sicher, dass ihre Mutter dem gefürchteten Mörder zum Opfer fiel. Sie ist auch sicher, dass Indi noch lebt. Noch. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit und nur, wenn Amanda die Polizei von ihren Schlussfolgerungen überzeugen kann, hat Indi eine Chance, zu überleben.

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Verfasst von - 16. Februar 2021 in Krimi, Rezension

 

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Montagsfrage fällt aus

Hallo ihr Lieben! 🙂

Die Montagsfrage fällt heute aus, ich möchte euch aber trotzdem kurz updaten, weil diese Woche eine Menge ansteht. Außerdem habe ich eine Geschichte zu erzählen, die euch allen den Start in die neue Woche hoffentlich etwas leichter macht. 😉

Am Mittwoch kommt die neue Küche. Am Donnerstag wird sie aufgebaut. Je näher der Termin ranrückt, desto schmaler wird mein Geduldsfaden. Jedes Mal, wenn ich im Bad unser Geschirr spülen muss, ertrage ich es ein bisschen weniger. Das hängt auch damit zusammen, dass wir am Freitag einen weiteren Handwerker bzw. eine weitere Handwerkerin im Haus haben werden. Wir bekommen ein neues Badezimmer-Waschbecken, bezahlt von unserer Haftpflichtversicherung. Was ist passiert? Als ich hier vor über 10 Jahren eingezogen bin, hatte das Waschenbecken bereits Risse. Das sah nicht schön aus, störte mich aber nicht weiter, weil es ein rein kosmetisches Problem blieb. Die Risse blieben, wo sie waren, vergrößerten sich nicht und bereiteten mir nie Schwierigkeiten. Jedenfalls nicht, bis wir anfangen mussten, im Badezimmer das Geschirr abzuwaschen. Badezimmer-Waschbecken eignen sich wirklich überhaupt nicht dafür, darin irgendetwas aus der Küche zu säubern. War mir vorher nicht bewusst. Schon die Form ist völlig kontraproduktiv, doch da wir keine Badewanne haben und Abwaschen in der Dusche noch unpraktischer ist und extrem auf den Rücken geht, blieb uns keine andere Wahl.

Gab es in eurem Elternhaus auch diese eine Schüssel mit dem Sprung? Ich erinnere mich sehr genau, dass meine Mutter mich am Essenstisch oft ermahnte, diese Schüssel nicht zu kräftig gegen alle anderen Schüsseln und die Teller zu schieben. Ich fand das immer übertrieben. Die Schüssel würde schon nicht auseinanderfallen. Jetzt weiß ich, dass sie Recht hatte. Mütter eben. Keramik auf Keramik ist keine gute Idee. In den letzten Wochen konnten wir zusehen, wie die Risse im Badezimmer-Waschbecken größer und tiefer wurden. Hier und dort platzte mal ein winziges Stück ab. Und am Donnerstag passierte es dann. Beim Putzen übte ich auf eine Stelle, an der sich drei Risse kreuzten, zu viel Druck aus und hatte plötzlich zwei Scherben in der Hand und ein Loch im Waschbecken.

Wir hatten sowieso vor, das Waschbecken ersetzen zu lassen, sobald die neue Küche steht. Es war nur nicht geplant, das bereits jetzt anzugehen. Tja. Nun müssen wir, denn die provisorische Lösung, die aus mehreren Lagen Paketklebeband besteht, mit denen ich das Loch erst einmal abgedeckt habe, wird kaum lange halten. Glücklicherweise hat unsere Versicherung sehr schnell nach meiner Schadensmeldung reagiert, kontaktierte die Hausverwaltung und noch am selben Tag haben wir einen Termin für den Einbau des neuen Waschenbeckens bekommen. Am Ende der Woche haben wir also nicht nur eine neue Küche, sondern auch noch ein funkelniegelnagelneues Badezimmer-Waschbecken. Auch nicht schlecht. Und ja, trotz der Unannehmlichkeit, die damit verbunden ist, erkenne ich, wie witzig das Ganze ist. Ich meine, ein Loch im Waschbecken, geflickt mit Paketklebeband. Da meldet sich eindeutig der Galgenhumor in mir. Ich hoffe, dass ich auch euch mit meiner Geschichte einen kleinen Lacher zum Wochenstart entlocken konnte.

Also, denkt daran, egal, was heute auch passiert, zumindest habt ihr kein Loch im Waschbecken. 😉 In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen unfallfreien Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 
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Verfasst von - 15. Februar 2021 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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John Scalzi – Old Man’s War

Angeblich entschied ein Münzwurf, dass John Scalzi Science-Fiction-Autor wurde. Als er beschloss, eine Karriere als Schriftsteller zu verfolgen, wollte er Literatur verfassen, die er selbst las und liebte. Für ihn bedeutete das entweder Science-Fiction oder Mystery. Er warf eine Münze: Kopf für Science-Fiction, Zahl für Mystery. Die Münze zeigte Kopf. Ist diese Anekdote wahr, kann man seinen Münzwurf wohl zu Recht als schicksalhaft bezeichnen. Scalzi wurde einer der erfolgreichsten Sci-Fi-Schrifsteller_innen der Moderne, dessen Romane mit zahlreichen Nominierungen und Preisen ausgezeichnet wurden. Sein erstes traditionell veröffentlichtes Buch war „Old Man’s War“, das mich mit der Idee einer Armee im Rentenalter vom Kauf überzeugte.

An seinem 75. Geburtstag erledigt John Perry zwei Dinge. Erst verabschiedet er sich an ihrem Grab von seiner Frau Kathy. Dann verabschiedet er sich von seinem Planeten. Bereits vor 10 Jahren entschieden John und Kathy, dass sie der CDF beitreten würden. Kathy starb, bevor sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, doch John will an ihrem Plan festhalten. Er wird Soldat. Die CDF ist eine private Militärfirma, die die Kolonien der Erde im Weltall verteidigt. Nach allem, was man hört, sind die Kämpfe brutal, blutig und zahlreich. Niemand weiß etwas Genaues. Bekannt ist, dass die CDF keine jungen Menschen rekrutiert. Sie verpflichten ausschließlich Menschen im Ruhestand, die Jahrzehnte an Lebenserfahrung und Wissen vorweisen können. Wer sich einschreibt, dient mindestens zwei Jahre. Dafür schenkt die CDF ihren Soldat_innen etwas Unbezahlbares: Sie macht sie wieder jung. Überlebt man die Dienstzeit, erhält man ein hübsches kleines Grundstück auf einer friedlichen Kolonie. Für John klingt das wie ein guter Deal. Ohne zu wissen, was ihn erwartet, beginnt er ein Abenteuer, das ihn weit von seiner Heimat fortführt – und von dem Menschen, der er glaubte zu sein.

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Verfasst von - 9. Februar 2021 in Rezension, Science-Fiction

 

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Montagsfrage: Über den Tellerrand?

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wisst ihr, ich liebe CMS-Arbeit. Ich finde es wirklich toll, eine Website von Null aufzubauen und alles genau so aussehen und funktionieren zu lassen, wie ich es möchte. Kein Witz, mir macht das Spaß, sonst würde ich das wohl kaum seit Jahren beruflich machen. Aber wisst ihr, was ich daran hasse? Die Kleinfriemelei. Hier ein Abstand, der nicht stimmt, dort ein Link, der nicht den korrekten Hover-Effekt zeigt, an wieder anderer Stelle sind die Bildmaße nicht gleichmäßig – neigt man wie meine Wenigkeit zum Perfektionismus, können einen diese winzigen Anpassungen in den Wahnsinn treiben, weil gerade der Kleinkram oft dazu führt, dass das Layout zerschossen wird. Falls ihr jetzt bereits vermutet, dass ich mitten in der Gestaltung des neuen wortmagieblogs stecke, liegt ihr richtig. Ich komme schneller voran als erwartet, was ich tatsächlich meiner ausführlichen Vorarbeit zuschreibe. Ohne meine schriftlichen Layoutentwürfe müsste ich viel mehr rumprobieren. Dennoch wird es voraussichtlich noch eine ganze Weile dauern, bis ihr das Ergebnis zu sehen bekommt, denn ich werde meine alten Beiträge wahrscheinlich alle noch einmal anfassen und auf neue Templates umstellen müssen. Das sind mittlerweile über 1.000, wie ich seit dem Export meiner Daten weiß. Ich könnte mir vorstellen, dass ich zur Jahresmitte mit allem fertig bin. Letztendlich kann ich aber nicht vorhersagen, was mir dazwischen kommen könnte, also habt Geduld.

Apropos Geduld: Ihr werdet es nicht glauben, doch wir haben endlich einen Termin für die neue Küche! Sie wird am 17.02. geliefert und am 18.02. aufgebaut. Der Lieblingsmensch und ich streichen die Tage im Kalender ab. Die ganze Geschichte hat dann wirklich etwas mehr als einen Monat länger gedauert als geplant. Ich fantasiere schon von all den Leckereien, die wir bald zubereiten können. Ich habe solche Lust, uns was richtig Gutes zu kochen, dass ich regelrecht Sehnsucht nach meinen Töpfen und Pfannen habe. Ich muss mir noch überlegen, welches Festessen es in zwei Wochen gibt. Irgendwie müssen wir feiern, dass wir uns wieder ordentlich ernähren können, aber die Auswahl ist so groß. 😀 Mit welchem Gericht würdet ihr so einen Anlass zelebrieren?

Bevor jetzt meine kulinarische Fantasie mit mir durchgeht, widmen wir uns lieber schnell dem Tagesgeschäft und das ist heute natürlich die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Liest du auch Bücher, die außerhalb deines Kulturkreises spielen?

Die heutige Frage stammt erneut von Aequitas et Veritas und schließt meine Lieblingsgenres Fantasy und Science-Fiction selbstverständlich aus. Um sie zu beantworten, müssten wir eigentlich erst einmal definieren, was „mein“ Kulturkreis überhaupt ist. Deutschland? Europa? Alles, was westlich des Urals liegt? Bevor ich nun aber von Höckchen auf Stöckchen komme, legen wir doch einfach fest, dass mein Kulturkreis Europa sowie Nordamerika einschließt. Ich weigere mich, mich auf Deutschland zu beschränken, obwohl ich anerkenne, dass alle europäischen Länder sowie Kanada und die USA eine eigene, reiche Geschichte haben, die nicht deckungsgleich mit der deutschen Historie ist – warum, erkläre ich gleich.

Ich versuche durchaus, außerhalb meines Kulturkreises zu lesen. Spätestens, seit ich mich intensiv mit dem Literaturnobelpreis auseinander gesetzt habe und erkannte, dass Repräsentation bei der Auswahl der Preisträger_innen kein Faktor ist, wurde mir jedoch klar, dass das gar nicht so einfach ist, wie es klingt. Meinem Empfinden nach (ich habe keine Daten, die das untermauern) haben es Autor_innen, die nicht aus europäischen Ländern oder den USA stammen, schwer, auf unserem Buchmarkt Aufmerksamkeit zu erlangen. Natürlich gibt es schillernde Ausnahmen wie Haruki Murakami, aber ich denke, tendenziell werden Schriftsteller_innen, die auf dem afrikanischen, asiatischen oder australischen/ozeanischen Kontinent leben, seltener übersetzt. Ich vermute, dass dieser Trend mit den Mechanismen des Buchmarktes selbst zusammenhängt. Um wirtschaftlich zu sein, müssen Verlage überwiegend auf das sichere Pferd setzen. Das heißt im Endeffekt, sie verlegen, was den Leser_innen vertraut ist, weil sie bei diesen Büchern mit zuverlässigen Absätzen und einer entsprechenden Gewinnmarge rechnen können. Für Experimente besteht wenig Spielraum. Wahrscheinlich werden Bücher aus dem europäischen bzw. nordamerikanischen Kulturkreis deshalb eher verlegt, denn Geschichten von Menschen, die in einer Kultur leben, die uns fremd ist, verlangen häufig ein Umdenken, ein Eindenken in andere Maßstäbe und Bräuche. In Europa und Nordamerika teilen wir viele grundlegende Faktoren, wodurch es für uns einfach ist, uns in Geschichten, die in diesem Rahmen spielen, zurechtzufinden. Es ist bequemer. Die Chancen, dass ein Buch aus Europa, Kanada oder den USA in Deutschland verlegt wird, stehen dadurch schlicht besser.

Daher habe ich zum Beispiel noch nie ein Buch von einem Autor oder einer Autorin aus Thailand oder der Mongolei gelesen. Selbst wenn es ein solches Buch auf dem deutschen Markt gibt, ist das an mir bisher vorbeigegangen. Ich habe eine Kollegin, die es sich seit Jahren zur Aufgabe gemacht hat, aus jedem Land der Erde ein Buch zu lesen, doch selbst sie hat noch gravierende Lücken auf ihrer mentalen Karte. Darum freue ich mich immer, wenn mir Bücher begegnen, deren Autor_innen eben nicht aus meinem Kulturkreis stammen oder zumindest in einem anderen Kulturkreis geboren wurden. Ich möchte diese Literatur, diese Öffnung meines Horizonts und will besonders wissen, wie diese Schriftsteller_innen meine liebsten Genres interpretieren.

Ich weiß, ich bin jetzt ein bisschen am Thema vorbeigeschrammt, weil es ja eigentlich um Bücher geht, die außerhalb meines Kulturkreises spielen, nicht um Bücher, die außerhalb meines Kulturkreises geschrieben wurden. Doch es war mir ein Anliegen, meine Theorie zu präsentieren, warum ganze Regionen unseres Planeten bei uns literarisch unterrepräsentiert sind, also habe ich mir diesen Exkurs erlaubt. Nun zum eigentlichen Kern: Ja, ich lese Bücher, die in einem anderen Kulturkreis spielen, aber ich genieße diese Werke mit Vorsicht und schaue mir immer an, wer sie geschrieben hat. Ein passendes Beispiel ist Henning Mankells „Die flüsternden Seelen“, das ich Ende 2020 gelesen habe. Henning Mankell war Schwede, verbrachte jedoch viele Jahre seines Lebens in Afrika. Das Buch ist seine Liebeserklärung an die afrikanische Seele. So weit, so gut. Oder vielmehr, so weit, so oberflächlich, klischeebeladen und voreingenommen. Tatsächlich finde ich vieles an dieser losen Geschichtensammlung problematisch. Ich möchte nicht allzu sehr ins Detail gehen, weil die Rezension noch aussteht, aber ich kann verraten, dass Mankell meiner Meinung nach lediglich beschrieb, was er durch seine europäische Brille zu sehen glaubte. Die Geschichten geben die afrikanische Seele wieder, wie er als Europäer sie interpretierte. Von Authentizität kann demnach keine Rede sein, weshalb mir die Lektüre kaum Erkenntnisse brachte und ich auch nicht das Gefühl hatte, Afrika wirklich kennenzulernen. Überhaupt schon von Afrika zu sprechen, als sei der ganze Kontinent eine homogene Fläche, ist Unsinn.

Es wäre schön, wenn mir literarische Ausflüge in andere Kulturkreise leichter gemacht würden. Wenn ihr Tipps habt, wie ich die Grenzen des europäisch geprägten Buchmarktes (der auch die USA einschließt) umgehen kann, immer her damit. Vielleicht kann ich mich mit etwas mehr Achtsamkeit diesbezüglich besser anstellen.

Lest ihr Bücher, die nicht in unserem Kulturkreis spielen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen köstlichen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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Anna Sheehan – A Long, Long Sleep

Rezensionsheader von "A Long, Long Sleep" von Anna Sheehan

Habt ihr euch je gefragt, was mit Dornröschen passierte, nachdem sie aus ihrem magischen Schlaf erwachte? Das traditionelle Märchen verrät uns nicht, wie die verfluchte Prinzessin ihr 100-jähriges Nickerchen verkraftete, sondern deutet lediglich an, dass sie glücklich wurde. Wie ihr das gelang, nachdem sie ein ganzes Jahrhundert verschlief, während sich die Welt außerhalb ihres Schlosses weiterdrehte, verschweigt es. Betrachtet man ihre Lage realistisch, müsste die Gute traumatisiert sein und unter einem gewaltigen Schock leiden. Wie schwer es für Dornröschen wäre, dieses Trauma zu überwinden, untersucht Anna Sheehan in ihrem Debütroman „A Long, Long Sleep“, der dort beginnt, wo das Märchen aufhört.

Rose schlief und als sie erwachte, war die Welt eine andere. Zweiundsechzig Jahre verbrachte die 16-Jährige in Stasis. Sie verschlief die Dunklen Zeiten, in denen eine Serie globaler Katastrophen die Menschheit beinahe auslöschte. Sie verschlief den Tod ihrer Eltern und ihrer großen Liebe Xavier. Sie hätte geweckt werden sollen, aber irgendetwas ging schief. Allein der Zufall riss sie aus ihrem künstlichen Schlummer: Der ebenfalls 16-jährige Brendan entdeckte ihre Stasis-Kapsel im Keller und öffnete sie. Nun muss sich Rose allein in einer fremden Realität zurechtfinden, während jeder ihrer Schritte mit Argusaugen beobachtet wird. Denn sie ist nicht nur das bizarre Dornröschen, über das die Öffentlichkeit tuschelt und tratscht, sie ist auch die Alleinerbin von UniCorp, des gigantischen, interplanetarischen Unternehmensimperiums ihrer Eltern. Verwirrt und einsam klammert sich Rose an Brendan, der ihr seltsam vertraut erscheint. Doch als sie Opfer mehrerer Anschläge wird, muss sie lernen, selbst Verantwortung für sich zu übernehmen. Sie muss herausfinden, wer ihren Tod will und warum. Haben die Attentate mit UniCorp zu tun? Oder geht es um das Geheimnis ihrer Eltern – das Geheimnis, das sie Jahrzehnte ihres Lebens kostete?

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Bryan Bliss – No Parking at the End Times

„No Parking at the End Times” ist der Debütroman des US-amerikanischen Autors Bryan Bliss. Die Idee dazu kam dem studierten Theologen, als ihn vermehrt Berichte erreichten, dass Familien all ihr Hab und Gut verkauften, um Harold Campings Vorhersage der Apokalypse zu unterstützen. Harold Camping war ein populärer Radio-Prediger in den USA, der 2005 das Ende der Welt anhand obskurer Bibel-Berechnungen für den 21. Mai 2011 vorhersagte. Später räumte er seinen offenkundigen Fehler ein und sah von weiteren Vorhersagen ab. Bryan Bliss schrieb „No Parking at the End Times“ jedoch nicht, um die verklärten Ansichten Campings zu kritisieren. Er schrieb es, weil ihn ein Gedanke nicht mehr losließ: Was geschieht mit Kids, deren Eltern an den Weltuntergang glauben?

Wie hat all das angefangen? Diese Frage stellt sich Abigail in letzter Zeit oft. Sie grübelt darüber, wenn sie morgens im kalten, vollgestopften Van ihrer Familie erwacht, sich in öffentlichen Waschräumen die Zähne putzt und im Austausch für eine warme Mahlzeit in Kirchen Geschirr spült. Wie lernte ihr Vater Bruder John kennen? Wann wurde der Glaube ihrer Eltern an seine Vorhersage der Apokalypse so stark, dass sie bereit waren, all ihren Besitz sowie ihr Haus zu verkaufen und mit Abigail und ihrem Zwillingsbruder Aaron quer durchs Land nach San Francisco zu fahren? Natürlich kam die Apokalypse nicht. Bruder John sprach nie darüber, was passieren würde, wenn nichts passierte. Er sprach auch nie davon, dass sie in ihrem Auto leben würden. Abigails Familie droht zu zerbrechen. Die Fehler ihrer Eltern wiegen schwer und Abigail und Aaron sind nicht sicher, ob sie ihnen vergeben können. Wird der Glaube an das Ende der Welt das Ende ihrer Familie sein?

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