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Montagsfrage: Gegen den Strom?

04 Jul

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben es getan. Wir haben uns „Godzilla vs. Kong“ angesehen. Und ja, wir haben exakt das bekommen, was wir erwartet haben: Eine vollkommen unlogische und unsinnige Geschichte, aber eine herausragende Inszenierung. Zum Abschalten, zum Nicht-Nachdenken, ist es der perfekte Film. Es lohnt sich sehr, diesen Streifen auf der Leinwand eines Kinos zu sehen, weil alles daran auf Bildgewalt und Größe ausgelegt ist. Wir haben ihn sogar in 3D angeschaut, ich muss allerdings sagen, dass ich diese Umsetzung nicht besonders gelungen fand. Sie hätten mehr aus der 3D-Technik herausholen können. Irgendwie haben sie in den Szenen, die sich wirklich dafür anbieten, oft nach wenigen Sekunden die Perspektive verändert, sodass zum Beispiel der Eindruck des Fallens bei mir nicht so recht aufkommen wollte. Als Brillenträgerin ist 3D für mich ohnehin immer ziemlich anstrengend – dann erwarte ich zumindest, dass sich das lästige Gefühl, zwei Brillen auf der Nase sitzen zu haben, auch richtig lohnt. Das war hier nicht der Fall. Ich kann euch den Film also als hirnlose, actionlastige Unterhaltung empfehlen und würde euch auch raten, ihn im Kino zu genießen, aber auf die 3D-Version könnt ihr getrost verzichten.

Die heutige Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise ist glücklicherweise nicht hirnlos, sondern wieder mal sehr interessant:

Welches Buch, das (fast) alle Welt toll findet, findest du selbst grottenschlecht und enttäuschend?

Oh, wir sprechen über unpopuläre Buchmeinungen? Prima, da kann ich mitreden. Wobei „grottenschlecht“ schon ein sehr hartes Wort ist. Ich habe mich ja bereits in der Vergangenheit geoutet und offenbart, dass ich trotz meiner Liebe zur High Fantasy an „Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien bisher nicht herankomme. Aber grottenschlecht – nein, dieses Adjektiv würde ich nicht verwenden. Langweilig und langatmig, ja, vielleicht auch ein bisschen melodramatisch, doch mir ist durchaus bewusst, was für ein Meilenstein die Trilogie ist. Allein aus Respekt kann ich kein so vernichtendes Urteil abgeben.

Ähnlich erging es mir mit „His Dark Materials“ von Philip Pullman. Ich bin möglicherweise die einzige Person auf der Welt, die diesen Kinderbuchklassiker nicht bezaubernd fand. Trotzdem erkenne ich, was Pullman zu vermitteln versuchte, auch wenn er mich damit nicht erreichte. Wieder kein Kandidat für „grottenschlecht“.

Letztendlich musste ich für meine heutige Antwort in meinen 1-Stern-Bewertungen stöbern und siehe da, es gibt tatsächlich zwei Bücher, die ich komplett verrissen habe, obwohl ein solider Hype um sie besteht bzw. bestand. Bei dem ersten handelt es sich um „Shatter Me“ von Tahereh Mafi. Es ist sieben Jahre her, dass ich es gelesen habe, gefühlt ist das aber nicht lange genug. In meiner Rezension schrieb ich:

Ich empfand „Shatter Me“ als eine bis zum Erbrechen süßliche Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, die mich darüber hinaus permanent an die X – Men Comics erinnerte. Juliette ist keine einzigartige Heldin, sondern ein erschreckend genauer Abklatsch von Rogue. In meinen Augen hat Tahereh Mafi versucht, eine Jugendfantasie massentauglich zu vermarkten, indem sie dieser den Anschein einer YA Dystopie gab. Bei mir hat das nicht funktioniert. Für mich endet die Serie genau hier.

Alle Welt lobte dieses Buch euphorisch in den Himmel. Besonders die stilistische Eigenheit der Autorin, ganze Sätze der Protagonistin durchzustreichen und sie durch andere zu ersetzen, kam wahnsinnig gut an. Ich halte das für Unsinn. Ebenso bescheuert fand ich ihre ziellosen Vergleiche und Metaphern, die wahrscheinlich poetisch und bezaubernd wirken sollten, in meinen Augen jedoch lediglich unrealistisch waren, weil schlicht niemand so denkt. Für mich ist dieser Reihenauftakt ein Totalausfall, der den Hype absolut nicht verdient.

Das zweite Beispiel ist „Sieben Nächte“ von Simon Strauß. Dieses schmale Buch ist nicht unumstritten, wurde aber vor allem von den Feuilleton-Kolleg_innen des Autors über den grünen Klee gelobt. Strauß wurde 1988 geboren, ist also ein Jahr älter als ich. Wir gehören zur selben Generation. Dass sein Manifest als Buch unserer Generation bezeichnet wurde, beleidigte mich zutiefst. Ich schrieb in der Rezension:

Das pseudointellektuelle, selbstmitleidige Gejammer eines privilegierten jungen Mannes, der mit einem goldenen Löffel im Mund auf die Welt kam. Ich empfinde dieses Debüt als völlig überflüssiges Manifest, in dem Strauß seine kleinlichen Ängste vor Stillstand in seinem Leben schildert […]

Ich hoffe, dass die Gefühle und Wahrnehmungen, die Strauß zu diesem Murks motivierten, in unserer Generation nicht allzu verbreitet sind. Ich kann ihn lediglich bedauern und geht es nach mir, gehört seine schriftgewordene Midlife-Crisis auf den Müll.

Ihr seht, hin und wieder komme ich an dem heftigen Adjektiv „grottenschlecht“ nicht vorbei. Auf diese beiden Bücher hätte ich gern verzichtet, sie waren eine Verschwendung von Geld sowie kostbarer Lebens- und Lesezeit.

Über welche Bücher habt ihr eine unpopuläre Meinung?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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12 Antworten zu “Montagsfrage: Gegen den Strom?

  1. Horus

    5. Juli 2021 at 9:28 am

    Offenbar entgegen der Meinung der ganzen Welt halte ich Patrick Rothfuss‘ „Der Name des Windes“ für ein grottenschlechtes und ganz und gar verbocktes Buch, das eher in die Rubirk gehobene FanFic neben „Die vollständige (aber wirklich vollständige) Biographie von Spock (endlich!)“ gehört.

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    • wortmagieblog

      5. Juli 2021 at 10:35 am

      Wow, das ist wirklich eine unpopuläre Meinung, die ich übrigens auch nicht teile 😀 Aber so ist das eben, Geschmäcker sind verschieden. 😉

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  2. reisenderbuecherwurm

    5. Juli 2021 at 10:47 am

    Du stehst mit deiner Meinung zu „His Dark Materials“ nicht alleine. Ich habe die Reihe als Teenager gelesen und mochte sie damals nicht. Ähnlich ging es mir übrigen mit der „Hunger Games“ Reihe. Den ersten Band fand ich nicht schlecht, aber nur mittelmäßig und nicht so großartig wie alle anderen. Teil 2 und 3 gefielen mir allerdings wirklich nicht.

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    • wortmagieblog

      5. Juli 2021 at 6:18 pm

      Ach, das ist gut zu wissen. Ich fand sie einfach viel zu überfrachtet.
      Ich war damals hin und weg von den „Hunger Games“. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das mittlerweile auch anders aussähe.

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  3. Herba

    5. Juli 2021 at 3:14 pm

    Bei Tolkien und seinem HdR können wir uns die Hand geben 🙂

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  4. Sophia (Wordworld)

    5. Juli 2021 at 9:33 pm

    Hey Elli,

    bei „His Dark Materials“ kann ich dir beipflichten: das ist schon ein bisschen speziell und mir wurde es gegen Ende zu abgefahren. Außerdem war mir das Worldbuilding zu grob und die Figuren zu unrealistisch. Dennoch kann ich den Reiz verstehen…

    Liebe Grüße
    Sophia

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  5. Andreas Kück - .LESELUST

    6. Juli 2021 at 4:59 pm

    „Das Buch einer Generation“ – Ich frage mich dann immer, wer dies festlegt!

    Klar gibt es Werke, die das „Lebensgefühl einer Generation“ (Entschuldige bitte diese pathetische Formulierung) widerspiegeln, aber dabei handelt es sich nicht um ein einziges Werk, sondern es ist eine Mischung aus verschiedenen Romanen, Künstlern, Songs, Filmen…!

    Ansonsten hatte ich wieder viel Spaß beim Lesen Deines Beitrags und den Eindruck gewonnen, ich sollte Deine Verrisse mehr beachten. Das könnte lustig werden! 😉😄

    Lieben Gruß
    Andreas

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  6. Der Büchernarr

    9. Juli 2021 at 3:06 pm

    Hi Elli,

    ja, HdR ist vor allem am Anfang sehr zäh. Aber er wird im weiteren Verlauf zu dem, was alle von ihm halten. His dark materials hatte ja grundsätzlich sehr durchwachsene Kritiken, aber auch der Reihe konnte ich was abgewinnen – von den neueren Büchern mal abgesehen. Gut, dass Du Dich durchgerungen hast, für die Wahl der grottenschlechten Bücher welche zu wählen, die mir gar nichts sagen und mit Sicherheit auch in Zukunft nichts sagen werden. Kein Verlust 😀

    Viele Grüße
    Frank

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      9. Juli 2021 at 10:40 pm

      Hey Frank,

      leider fand ich das bei HdR nicht, zumindest nicht bei der ersten Lektüre. 😅 Vielleicht wird der zweite Versuch besser.

      Nein, wirklich nicht, auf diese Lektüren kannst du verzichten. 😀

      Liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  7. Mein Senf für die Welt

    12. Juli 2021 at 9:28 am

    Hey Elli,

    vielleicht sollten wir uns HdR irgendwann mal zusammen vornehmen?!
    Es hilft vielleicht wenn man sich austauschen kann 😀
    So wie damals bei unserem Harry Potter Reread – wobei wir da ja die Bücher mochten XD

    Liebe Grüße
    Marina

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