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Montagsfrage: Auditiv vs. visuell?

21 Jun

Hallo ihr Lieben! 🙂

Oh mein Gott. Es ist so heiß. In Berlin herrschen seit letzter Woche Donnerstag tropische Temperaturen mit über 30° am Tag und über 20° in den Nächten. Wir schwitzen munter vor uns hin. Alles klebt. Gestern waren der Lieblingsmensch und ich sogar am See, weil wir es in unserer Wohnung nicht mehr ausgehalten haben. Ich bin sonst kein Fan der ganzen See-Situation, weil es mir normalerweise viel zu viele Menschen sind, die um viel zu wenige Schattenplätze kämpfen, aber wir sind morgens hingefahren und schon am frühen Nachmittag wieder zurück, um dem Massenansturm soweit wie möglich zu entgehen und das war überraschend schön. Lesen am Strand ist eben immer ein Highlight. Trotzdem ist meine Schmerzgrenze bezüglich Hitze jetzt erreicht und ich bin froh, dass es ab morgen erst mal wieder kühler werden soll. Einen Tag schaffe ich noch.

Meine Antwort auf die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise könnte heute dennoch etwas uninspiriert ausfallen – seht es mir nach, mein Hirn macht hitzefrei.

Hört ihr Stimmen oder seht ihr Bilder beim Lesen?

Es handelt sich wieder einmal um eine Publikumsfrage, sie stammt von Nerd mit Nadel.

Beides. Ich bin mit einem recht starken, konsistenten Kopfkino gesegnet und brauche wenig Stimulation, um einen Film starten zu lassen. Was sicher dazu beiträgt, dass ich seit so vielen Jahren ununterbrochen ein Buch nach dem anderen verschlinge.

Beim Lesen sehe ich Bilder vor meinen inneren Auge, die sich quasi halbtransparent über die Realität legen und mich über den reinen Text hinweg transportieren. Je nachdem, wie präzise und gewissenhaft der Autor oder die Autorin gearbeitet hat, haben meine Bilder mal mehr, mal weniger Details. Manche Szenen sehe ich, als wäre ich wirklich vor Ort, andere vermitteln mir eher eine Atmosphäre. Dadurch erkenne ich auch schlechte oder unzureichende Beschreibungen sehr schnell, denn wenn meine visuelle Vorstellungskraft hakt und stottert, bedeutet das, dass der Geschichte etwas fehlt.

Zusätzlich höre ich Stimmen. Primär ist das meine eigene, innere Stimme, die mir das Buch vorliest und den visuellen Part als Voice-Over begleitet. Diese nehme ich normalerweise nur am Anfang einer Lesesequenz bewusst wahr, also wenn ich das Buch gerade aufgeschlage und die ersten Sätze lese. Danach rückt sie für mich in den Hintergrund, ich bemerke das Voice-Over nicht mehr, weil die Bilder dominanter sind. Interessant wird es, sobald Dialoge (oder Monologe) ins Spiel kommen. Wenn die Figuren sprechen, tun sie das immer noch in meiner persönlichen Stimme. Was ich höre, unterscheidet sich rein klanglich nicht maßgeblich von meinen Gedanken. Durch die Kombination mit dem visuellen Input bin ich allerdings trotzdem in der Lage, mir auditive Unterschiede vorzustellen. Ich weiß, das wird jetzt sehr abstrakt, aber gebt mir eine Chance, es zu erklären.

Obwohl der Klang ihrer Stimmen prinzipiell weiterhin dem Klang meiner Stimme entspricht, bin ich fähig, mir Unterschiede in Modulation, Tonfall, Satzmelodie, Akzent, usw. dazuzudenken, selbst wenn sie nicht explizit erwähnt werden. Wie stark diese Unterschiede sind, hängt davon ab, wie eindeutig und individuell die Charakterbeschreibungen sind. Gelingt es mir, Figuren eine bestimmte Persönlichkeit zuzuschreiben, bekommen sie auch ein Stimmprofil von mir. Ich weiß einfach, wie sie sprechen, wie sie klingen. Es ist sehr schwer, das mit Beispielen zu veranschaulichen, weil die Differenzen äußerst subtil sind. Es ist sogar für mich kaum greifbar. Es sind Kleinigkeiten. Eine der Hauptfiguren in meiner aktuellen Lektüre „The Last Stormlord“ von Glenda Larke ist Nealrith, ein äußerst verantwortungsbewusster Familienvater. Obwohl ich noch nicht besonders weit bin, bin ich mir völlig sicher, dass seine Stimme in der Regel sanft, ruhig, eher leise und sehr angenehm ist. Ich weiß, dass er so gut wie nie laut wird. Ich weiß auch, dass sein Vater daran gewöhnt ist, keinen Widerspruch zu erhalten und sich das in seiner Stimme niederschlägt. Und ich weiß, dass die Stimme seiner Frau allein anhand ihres Tonfalls oft mehrere Bedeutungen vermittelt, sodass man sich fragt, wie sie ihre Aussprüche nun meint. All das wurde nie konkret beschrieben. Seht ihr, ich nehme ihre Eigenschaften, das Bild, das ich von ihnen habe und füge sie ihren Stimmen hinzu. Besser kann ich es leider nicht erläutern.

Ich bin sehr froh, dass ich beim Lesen sowohl visuellen als auch auditiven Input erhalte, denn dadurch fühlt es sich für mich wirklich wie Kopfkino an.

Hat euer Kopfkino ebenfalls Bild- und Tonspur?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen möglichst kühlen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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9 Antworten zu “Montagsfrage: Auditiv vs. visuell?

  1. ThemisAthena

    21. Juni 2021 at 8:55 am

    Im Prinzip geht mir das ganz genau wie Dir. Wenn ich allerdings eine Lieblings-Verfilmung eines Buchs oder einer Serie habe, höre ich oft die Stimmen und sehe die Gesichter aus der Verfilmung, insbesondere dann, wenn sie so unverwechselbar und dem geschriebenen Originaltext so treu sind wie z.B. David Suchets Hercule Poirot.

    Hat sich übrigens die Sache mit der rätselhaften E-Mail aufgeklärt? Sorry, dass ich auf Deine Antwort nicht nochmal eingegangen war (life happens…); jedenfalls bin ich froh, zu hören, dass es offenbar kein Spam / Phishing war!

    Brütend heiß ist es hier auch … allerdings ist meine Wohnung deutlich kühler als die Außentemperatur, so dass ich viel Zeit drinnen zubringe … kommt alles dem Lesen zugute! 🙂

    Gefällt 3 Personen

     
    • wortmagieblog

      21. Juni 2021 at 9:39 am

      Ja, das kann ich ebenfalls berichten, für mich ist es zum Beispiel schwierig, mich an meine Vorstellung der Stimmen der Harry Potter-Besetzung zu erinnern.

      Da kam nichts mehr, also keine Ahnung, was das war. 😀

      Auch nicht schlecht, hat eben alles auch positive Seiten. 😉

      Liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  2. amaunet0101

    21. Juni 2021 at 10:12 am

    Meine visuelle Vorstellung beim Lesen hat dazu geführt, dass ich mir nicht gerne Verfilmungen von Büchern anschaue, die ich bereits gelesen habe. Mal davon abgesehen, dass die meisten Verfilmungen nur einen Bruchteil des Buchinhaltes abbilden, machen sie mir oft meine Vorstellungen kaputt, die ich beim Lesen entwickelt habe. Es gibt da nur wenige Ausnahmen.

    Hoffentlich wird es bald mal wieder wenigstens etwas kühler – die Hitze ist nur schwer zu ertragen.
    In diesem Sinne: Ich wünsch dir eine kühle Woche
    LG

    Gefällt 3 Personen

     
  3. NadelNerd

    21. Juni 2021 at 10:44 am

    Hallo,
    wow, du hast bisher das aktivste Kopfkino, über das ich gelesen habe. Ich bin jetzt fast ein bisschen neidisch, wie gut du in ein Buch eintauchen kannst.
    Viele Grüße
    Ariane

    Gefällt 3 Personen

     
    • wortmagieblog

      21. Juni 2021 at 10:50 am

      Hey Ariane,

      das sind natürlich immer Idealbedingungen, die ich hier beschreibe. Im Alltag kommt es oft vor, dass es nicht ganz so aktiv ist, zum Beispiel auch, wenn ich mit einem Autor oder einer Autorin nicht auf einer Wellenlänge liege. Aber ja, wenn alles passt, ist in meinem Kopf so einiges los. 😀

      Liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 2 Personen

       
  4. Tala T.

    21. Juni 2021 at 3:05 pm

    Hallo Elli,
    du beschreibst das echt passend, ich glaube, mir geht es ganz ähnlich. Interessant fand ich besonders deine Feststellung, dass dem Buch bzw. der Beschreibung etwas fehlt, wenn dein Kopfkino hakt. Das ist tatsächlich so, manchmal kann man richtig tief eintauchen in ein Buch. Bei anderen bleibt es eher vage und ich hangele mich mit Lesestimme durch den Text.
    Ganz liebe Grüße,
    Tala

    Gefällt 2 Personen

     
  5. Aequitas et Veritas

    21. Juni 2021 at 6:44 pm

    Leider keine Tonspur, aber einen ausgeprägten Film. Allerdings verderben mir Literaturverfilmungen – so sehr ich sie auch liebe – am Ende die Freude an Buch, weil ich dann Film nicht länger von Buch trennen kann.

    Gefällt 1 Person

     

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