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Jahresrückblick 2020: Ein Buchjahr zwischen Pandemie, radikalen Veränderungen und Wertschätzung

19 Jan

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist ein weiteres Mal vollbracht, ein weiteres Mal habe ich das Kunststück bewerkstelligt: Mein Jahresrückblick 2020 ist innerhalb des ersten Monats des neuen Jahres online! Ich stelle fest, dass ich mittlerweile eine gewisse Routiniertheit entwickelt habe und mir die Zusammenstellung deutlich schneller und leichter gelingt. Obwohl ich für die Ausgabe 2020 ein paar Änderungen vorgenommen habe, weiß ich, worauf es ankommt und halte mich nicht mehr ewig an Kleinigkeiten auf. Dank dieser Vertrautheit mit dem Prozess können wir heute gemeinsam auf meine vergangenen 12 Monate literarisch zurückblicken – wie gewohnt umfangreich, detailliert und gespickt mit Zahlen.

Um mein Lesejahr 2020 angemessen zu resümieren, habe ich die zweigeteilte Struktur, die sich in den letzten Jahren bewährt hat, beibehalten. Der erste Part befasst sich mit den reinen Fakten meines Leseverhaltens. Alle Aspekte, die sich in Zahlen wiedergeben lassen, habe ich statistisch ausgewertet, in Diagramme verwandelt und daraus Infografiken erstellt. Dafür habe ich dieses Jahr zum ersten Mal wirklich mit Excel gearbeitet (statt mit handschriftlichen Notizen und einem Taschenrechner) und habe darüber hinaus nur sehr begrenzt auf Piktochart zurückgegriffen. Die Online-Software zur Kreation von Infografiken hat mir in den vergangenen Jahren gute Dienste geleistet, aber mittlerweile sind die grafischen Darstellungsoptionen für mich zu eingeschränkt. Stattdessen habe ich die meisten Grafiken frei Hand mithilfe eines Grafikprogramms und die Diagramme mithilfe von Word entworfen. Ich bin ziemlich stolz darauf, wie weit sich meine grafischen Fähigkeiten verbessert haben, sodass ich die hilfreiche Krücke, die Piktochart lange Zeit darstellte, nun nicht mehr brauche.

Dieses Jahr habe ich Infografiken zu acht verschiedenen Kategorien erstellt, nach denen ich mein Leseverhalten analysiert habe. Ich werde euch jede Folie einzeln präsentieren und anschließend eine Einordnung vornehmen, um herauszufinden, wie sich diese Zahlen in meine bisherige Lesekarriere einreihen. Ich werde kommentieren, interpretieren und bewerten, damit ihr genau versteht, was diese Statistiken für mich konkret bedeuten. Falls ihr Schwierigkeiten habt, die Schrift zu lesen, könnt ihr jede Folie anklicken, dann öffnet sie sich größer in einem neuen Tab. Wie bereits angedeutet, gibt es dieses Jahr jedoch ein paar Veränderungen, die die Kategorien betreffen und mir notwendig erschienen.

Ich habe auf die Auswertung meiner Rezensionsquote verzichtet, weil ich denke, dass dieser Prozentsatz 2020 nicht realistisch widerspiegelt. Ich weiß, dass ich vom vergangenen Jahr noch einen riesigen Stapel ausstehender Rezensionen abzuarbeiten habe, weil ich das Frühjahr fast ausschließlich mit meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ verbrachte. In der Rezensionsquote wären diese Beiträge und die viele Arbeit, die ich dafür aufgewendet habe, nicht abgebildet, deshalb empfinde ich sie für 2020 als nicht aussagekräftig. Vielleicht wird es diese Auswertung für 2021 wieder geben, das weiß ich noch nicht, aber in diesem Jahr schenken wir uns diese Zahl, die ohnehin recht deprimierend ausfallen würde.

Die Kategorie „Sprachenverteilung“, die in der Vergangenheit analysierte, wie viele Bücher ich in englischer und deutscher Sprache gelesen habe, habe ich komplett gestrichen. Ich halte sie für überflüssig, da ich seit einigen Jahren grundsätzlich alle Bücher, die im Original in Englisch erscheinen, auch im Original lese. Es erscheint mir nicht mehr wichtig, wie hoch der Anteil englischer und deutscher Werke nun ist, denn das sagt nichts mehr über mich aus. Mein Englisch hat sich so weit entwickelt, dass ich nicht mehr darüber nachdenke, ob ich ein Buch lieber übersetzt in meiner Muttersprache lesen sollte. Ebenso habe ich die merkwürdige Annahme, es gäbe eine Konkurrenz zwischen deutschen und englischen Büchern, endlich vollständig abgelegt. Ich behandle sie gleichwertig und habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich häufiger zu englischen Büchern greife. Ich lebe vollkommene literarische Zweisprachigkeit und bin damit sehr zufrieden – es besteht kein Grund mehr, diese Harmonie zu untersuchen.

Außerdem habe ich wie angekündigt die Kategorie „Autor_innen“ neu aufgezogen. Bisher habe ich hierfür stets das Verhältnis von Autoren zu Autorinnen in meiner Lektüreauswahl analysiert, aber diese binäre Einteilung ist meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Erstens zeichnet sich bei mir seit Jahren der Trend ab, dass ich überwiegend zu Büchern greife, auf deren Covern ein männlicher Name prangt. Zweitens finde ich, dass die traditionelle Geschlechtereinteilung nach Männern und Frauen heutzutage gefährlich exkludierend ist. Das Risiko, jemanden zu verletzen, weil ich dieser Person beiläufig eine Binarität aufzwinge, der sie sich selbst vielleicht nicht zugehörig fühlt, ist mir einfach zu groß. Offenheit und Toleranz, immer und überall, im Großen wie im Kleinen.

Nach diesem Ausflug in das aufregende, exotische Land statistischer Zahlen gehen wir zum gemütlichen Teil über. Im zweiten Part des Jahresrückblicks lasse ich 2020 emotional an mir vorüberziehen und beantworte 30 Fragen, die Martina Bookaholics bis 2016 als Formular auf ihrem Blog anbot. Sie selbst verzichtet seit einigen Jahren auf diese kleine Tradition, aber da ich finde, dass die Fragen eine ideale Möglichkeit sind, mein Buchjahr unter emotionalen Aspekten zu resümieren, erhalte ich sie hier am Leben und werde mich ihnen auch für 2020 erneut stellen!

Seid ihr bereit, noch einmal in das seltsame Jahr 2020 abzutauchen? Dann macht es euch bequem, folgt mir in die gar nicht so lang zurückliegende Vergangenheit und lasst euch erzählen, wie 2020 für mich literarisch war!

Zahlen, Diagramme und Statistiken lösen bei euch zarten Brechreiz und unangenehme Erinnerungen an den Mathematik-Unterricht aus? Dann könnt ihr den ersten Part gern überspringen und gelangt HIER direkt zum zweiten Part, meinem emotionalen Jahresrückblick.

Hui, wir beginnen den Jahresrückblick direkt mit sehr interessanten Zahlen. 2020 habe ich 80 Bücher gelesen. Damit liege ich fünf Bücher unter meinem anvisierten Leseziel von 85 Büchern, erstaunlicherweise juckt mich das allerdings überhaupt nicht. In meiner Wahrnehmung hat sich etwas verschoben. Ich predigte stets, dass mein Leseziel lediglich ein Richtwert ist, aber in den vergangenen Jahren fiel es mir dennoch schwer, mich nicht von meinem Ehrgeiz überwältigen zu lassen und mit einem schlechten Gewissen zu quälen, wenn ich es nicht erreichen konnte. Dieses Jahr ist das anders. Offenbar habe ich meine eigenen Worte nun endlich wirklich verinnerlicht. Ich glaube, das ist ein Nebeneffekt des Trauerprozesses, den ich durchlebe, seit meine geliebte Hündin Chilli im September 2019 nach schwerer Krankheit starb. Nach diesem furchtbaren Verlust habe ich im zurückliegenden Jahr mein Leben neu bewertet und ausgerichtet, was häufig schmerzhaft und furchteinflößend war. Die Tatsache, dass Bücher in meinem Alltag entgegen aller Widerstände, Anspannung und Verzweiflung eine so entscheidende Rolle spielten, sagt sehr viel darüber aus, wie wichtig sie für mich selbst in den schlimmsten Situationen sind. Diese Erkenntnis frischte meine Liebe zum geschriebenen Wort auf; ich weiß wieder mehr zu schätzen, dass die Ruhe, Entspannung, Sicherheit und Ablenkung, die ich aus der Literatur gewinne, ein Geschenk sind. Das hat sehr viel Druck herausgenommen und brachte mich dazu, anzuerkennen, dass es durchaus eine Leistung ist, eine hohe zweistellige Anzahl an Büchern zu lesen, obwohl mein Leben 2020 komplett Kopf stand. Ich konnte die Strenge mir selbst gegenüber ablegen und verbesserte meine Fähigkeit, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. 80 Bücher sind beachtlich – wen kümmert es, dass ich Anfang des Jahres 85 Bücher ansteuerte?

Diese Zahlen sind jedoch auch im Kontext meiner jahresübergreifenden Lesebilanz ungewöhnlich. Im Vergleich zu 2019 habe ich zwei Bücher mehr gelesen; ich habe hingegen 1.342 Seiten weniger gelesen und sogar 2.988 Seiten weniger als 2018. Schaue ich bis 2014 zurück – das Jahr, in dem ich die ersten verwertbaren Daten dokumentierte – zeigt sich, dass ich noch nie weniger Seiten als 2020 gelesen habe. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass ich 2020 häufiger Bücher gelesen habe, die nicht so viele Seiten hatten, mich diese Bücher aber länger aufhielten, als üblich für mich ist. Hätte ich konsequenter gelesen, wäre die reine Anzahl gelesener Bücher trotz niedrigerer Seitenzahl nämlich höher.

Ich habe eine Theorie dazu, wie dieses Missverhältnis zustandekam. Ich glaube, die Corona-Pandemie und der daraus resultierende Lockdown sind schuld. 2020 waren die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sehr begrenzt. Wir sollten nicht rausgehen, uns nicht mit Freund_innen und Familie treffen, keine Kulturveranstaltungen besuchen. Wir sollten zu Hause bleiben. Ist man die ganze Zeit an die eigenen vier Wände gefesselt, wird Abwechslung zu einem Luxusgut. Wer will schon immer dasselbe machen? Ich vermute, dass ich 2020 deshalb öfter als sonst zu anderen Unterhaltungsmedien wie Puzzles, Serien und Videospielen tendiert habe. Ich erinnere mich, dass es Tage gab, an denen ich abends nur ein paar Seiten vor dem Schlafengehen las und abseits davon gar nicht zu meiner Lektüre griff. Bedenke ich, dass ich im Grunde nichts außerhalb unserer Wohnung unternehmen konnte, wundert mich das überhaupt nicht. Ich wollte Abwechslung in meiner Freizeit und habe sie mir verschafft, zu Ungusten meiner Bücher. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Tendenz 2021 fortsetzt, denn liege ich mit meiner Theorie richtig, ist das davon abhängig, inwiefern Corona unsere Leben weiter beeinflusst.

Spannend, ich hätte nicht erwartet, dass sich die Pandemie so deutlich ablesbar auf mich auswirkte. Ich habe diesen Effekt überhaupt nicht wahrgenommen, weil sich in meinem Alltag abgesehen von Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht und abgesagten Veranstaltungen kaum etwas änderte. Dachte ich zumindest. Tja, Corona kriegt uns eben alle irgendwie.

Dass ich 2020 häufiger schmalere Bücher als Lektüre auswählte, ist ein Fakt, der sich belegen lässt. Nur 23 meiner 80 gelesenen Bücher hatten über 500 Seiten, das entspricht 29 %. 2019 waren es hingegen 40 % mit 31 Büchern, die insgesamt 55 % meiner gelesenen Seiten ausmachten. Auf die Seiten gerechnet ist das Verhältnis etwas weniger einseitig (Wortwitz, hihi!), denn diese 23 Bücher umfassten immerhin 43 % meiner gelesenen Seiten. Dennoch ist sehr eindeutig, dass ich Bücher unter 500 Seiten bevorzugte, was mir im Verlauf des Jahres nicht auffiel. Das kürzeste Werk war mit 166 Seiten „Three Slices“, eine kleine Anthologie, die jeweils eine Kurzgeschichte von Kevin Hearne, Delilah Dawson und Chuck Wendig enthält. Das längste war „Die Arena“ vom Meister des Horrors Stephen King und kommt mit 1.276 Seiten im soliden Ziegelstein- oder Türstopperformat daher. Darüber hinaus habe ich dieses Jahr erstmals ausgerechnet, wie viele Seiten ich pro Woche und Monat durchschnittlich gelesen habe, hier fehlen mir natürlich die Vergleichswerte. Daher werde ich diese Zahlen erst in den kommenden Jahren einordnen können; jetzt sind es reine Funfacts.

Da ich 2020 zwei Bücher mehr als 2019 gelesen habe, konnte ich die durchschnittlilche Anzahl pro Monat etwas nach oben korrigieren. Statt 6,5 Bücher pro Monat habe ich 2020 rund 6,7 Bücher pro Monat gelesen (das rechnerische Ergebnis war eine verrückte lange Dezimalzahl). Ausgehend davon verzeichne ich für 2020 mehr Ausreißer, die dafür allerdings weniger heftig als ich vergangenen Jahren ausfallen. Der Höchstwert sind neun Bücher im Mai und der Tiefstwert sind vier Bücher im April. Witzig, dass diese Spitzen in aufeinanderfolgenden Monaten auftraten. Den April kann ich leicht erklären: In diesem Monat begann ich mit meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ und verwendete viel Zeit auf meine Recherche, für die ich die Howard-Biografie „Blood & Thunder: The Life and Art of Robert E. Howard“ von Mark Finn im Grunde ein zweites Mal las, bewaffnet mit Textmarkern. Aus dem Mai erinnere ich mich daran, dass ich damals verblüfft war, wie gut es nach einem eher langgezogenen Start mit zwei Bänden von Steven Eriksons Reihe „The Malazan Book of the Fallen“ plötzlich lief. Im September, der mit acht Büchern ebenfalls als Ausreißer zählt, hatte ich zwei Wochen Urlaub und dadurch mehr Zeit zum Lesen. Für den März ist interessant, dass ich überdurchschnittlich viel las, obwohl meine Lektüre von „Die Arena“ von Stephen King, das ich ja bereits als mein längstes Buch 2020 identifiziert habe, in diesen Monat fiel. Die restlichen Ausreißer verbuche ich unter „Unberechenbarkeit des Lesealltags“; in ein einigen Monaten greife ich eben vermehrt zu Büchern, die sich schnell weglesen, in anderen ist meine Lektüre anspruchsvoller und kostet mich im Einzelnen mehr Zeit.

Wie ihr wisst, ist mir die Höhe meines SuBs völlig egal. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich eine hohe dreistellige Zahl von Büchern ungelesen hier herumstehen habe, denn meiner Ansicht nach ist das der Zweck einer privaten Bibliothek: Eine literarische Auswahl, die jede Stimmung und Laune auffangen kann. Dennoch interessierte mich die Frage, wie oft ich 2020 eigentlich Bücher vom SuB befreite, die dort schon länger auf ihren Auftritt warteten. Auf gewisse Weise handelte es sich dabei um die Sehnsucht nach einer Bestätigung meiner Einstellung zu meinem SuB. Ich wollte wissen, ob ich tatsächlich häufiger auf meinen Bestand zurückgreife als auf neuerworbene Exemplare oder ob der kleine Glücksrausch des Kaufs verlockender ist. Die Zahlen beweisen, dass mein Konzept aufgeht. 2020 habe ich wesentlich mehr Bücher von meinem SuB als kürzlich gekaufte gelesen und dabei überwiegt der Anteil der Bücher, die dort bereits länger als ein Jahr lagen, mit 59 % eindeutig. Ein Viertel musste etwa ein Jahr warten und nur bei 16 % konnte ich meine Neugier lediglich einige Monate zügeln.

„Länger als ein Jahr“ kann in meinem Fall übrigens alles zwischen 366 Tagen und einer Ewigkeit bedeuten. Ich besitze Bücher, die seit über 10 Jahren ungelesen sind; bei einigen weiß ich nicht einmal mehr, seit wann sie bei mir wohnen. Ich habe erst 2015 angefangen, meine Neuzugänge zuverlässig zu dokumentieren, davor ist alles neblig und unscharf. In meinem Regal stehen zum Beispiel auch Bücher, die meine Eltern mir irgendwann aus ihrer Bibliothek überließen, aber wann genau, kann ich nicht mehr feststellen. Das heißt, sage ich, 59 % meiner 2020 gelesenen Bücher lagen länger als ein Jahr auf meinem SuB, ist das eine höchst variable Zahl. „Splitter“ von Sebastian Fitzek, das ich im März gelesen habe, habe ich beispielsweise bereits im September 2013 meiner Datenbank auf Goodreads hinzugefügt. Da besaß ich es aber schon eine Weile. Es ist also gut möglich, dass dieser Thriller locker acht, neun oder sogar 10 Jahre auf mich wartete. Vielleicht noch länger. Was belegt, dass jedes Buch seine Zeit hat und mein Bauch Neuzugänge bei der Lektüreauswahl nicht grundsätzlich bevorzugt. Ein klares Argument für einen umfangreichen SuB!

Ich kann hingegen nicht leugnen, dass mein Bauch ein bestimmtes Genre allen anderen vorzieht: Fantasy, Fantasy und noch mal Fantasy. 2020 habe ich 45 Fantasy-Romane gelesen, das entspricht 56 % meiner Gesamtlektüre. Ja, das ist viel und mehr als die 53 % in 2019, aber schauen wir zurück nach 2017, als der Wert bei 62 % lag oder gar nach 2016, als er sich bei 67 % einpegelte, finde ich trotzdem, dass ich mittlerweile vielfältiger lese. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch erwähnen, dass nicht alle Bücher aus 2020, die ich der Fantasy zugerechnet habe, reine Fantasy-Romane sind. Einige, wie zum Beispiel „Dragonflight“ (The Dragonriders of Pern #1) von Anne McCaffrey, erfüllten die Voraussetzungen für zwei Hauptgenres, ich musste mich jedoch entscheiden, zu welcher Kategorie ich sie zählen möchte. In diesen Fällen habe ich mich für das Genre entschieden, das in meinen Augen dominanter war.

Der Science-Fiction gegenüber bin ich seit einigen Jahren wesentlich aufgeschlossener, 2020 nimmt sie mit 16 % und 13 gelesenen Büchern den Rang des zweithäufigsten Genres ein. In 2019 lag dieser Wert bei 19 %, dafür habe ich aber noch weniger in anderen Kategorien gelesen als 2020. Krimis, Thriller und Horror-Romane habe ich ebenso häufig gelesen wie 2019, als ich noch nicht wusste, ob 10 Bücher und 13 % aussagekräftig sind, weil ich diese Genres zum ersten Mal zusammenfasste. Wie es aussieht, sind diese Zahlen aussagekräftig.

Es ist ein interessanter Trend, dass zwischen der Realistischen und der Historischen Fiktion in meiner Lektüreauswahl ein Zusammenhang zu bestehen scheint. Diese Zahlen steigen und fallen offenbar immer im Verbund. 2019 fielen sie gemeinsam auf 4 %, 2020 stiegen sie gemeinsam auf 6 %, weil ich in beiden Jahren genauso oft Realistische wie Historische Fiktion gelesen habe. Diese Tendenz muss ich beobachten und sollte sich herausstellen, dass das mehr als ein Zufall ist, werde ich Ursachenforschung betreiben. Vielleicht habe ich nach Ausflügen in die Vergangenheit grundsätzlich das Bedürfnis nach einem Kontrastprogramm in der Gegenwart oder umgekehrt?

Die Non-Fiction ist 2020 deutlich geschrumpft, mit einem einzigen Buch aus diesem breitgefächerten Genre liegt der prozentuale Anteil bei einem mickrigen Prozent. 2019 waren es mit vier Büchern noch 5 %. Ich denke, dafür kann ich die Schuld ebenfalls meinem Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“ zuschieben, denn nachdem ich monatelang recherchierte, mich durch eine Biografie, zahlreiche Wikipedia-Artikel, Essays, Analysen und andere Schriftstücke zu diesem ausufernden Thema wühlte, hatte ich einfach keine Lust mehr, mich auch noch mit nicht-fiktiven Geschichten zu befassen oder mit Sachbüchern weiterzubilden. Howard und Conan fraßen all meine nicht-fiktionalen Interessenkapazitäten restlos auf. Das Duo ist meiner Meinung nach auch zum Teil dafür verantwortlich, dass ich 2020 keinen einzigen „richtigen“ Klassiker gelesen habe. Darunter verstehe ich Klassiker wie „Moby-Dick“, die zur Weltliteratur zählen, keine modernen Klassiker wie „Ready Player One“ von Ernest Cline oder „The Fault in Our Stars“ von John Green. Es war so fordernd und anstrengend, das Mammutprojekt auf die Beine zu stellen, dass ich den Rest des Jahres mit meiner Lektüre offenbar nur noch entspannen wollte und mich den potenziellen Hürden eines Klassikers nicht gewachsen fühlte. Das liegt jedoch auch daran, dass mein Leben 2020 so viele radikale Veränderungen erfahren hat. Für Klassiker brauche ich Ruhe, ich muss über den mentalen Raum für sie verfügen. 2020 beschäftigte mich zu viel, um auch noch eine schwierige Lektüre draufzusetzen. Diese Entscheidung fiel übrigens völlig unbewusst und intuitiv, ich kam gar nicht erst auf die Idee, einen Klassiker anzufangen, was mich erneut darin bestätigt, dass sie sich melden, wenn ihre Zeit reif ist.

Das letzte kleine Prozent, das in der Zusammensetzung meiner Lektüre in 2020 noch fehlt, habe ich unter „Andere“ festgehalten. Kennt ihr diese Bücher, die sich nirgendwo richtig einordnen lassen? Hinter diesem Prozent versteckt sich so ein Buch. Es ist „Die flüsternden Seelen“ von Henning Mankell. An erster Stelle ist es ein kulturelles Buch, aber wie drückt man das bitte in einem Genre aus? Falls ihr es gelesen habt, könnt ihr mir ja verraten, zu welchem Genre ihr es zählt, das würde mich sehr interessieren.

Von all diesen Büchern zählten 20 % bzw. 16 Werke zur Jugendliteratur. Für mich ist das kein eigenständiges Genre, deshalb gibt es diese Zahl bei mir immer extra oben drauf. 2019 lag der Wert bei 22 %, 2018 bei 21 %. Nachdem ich meine ausgeprägte Young Adult – Phase hinter mir habe, scheint sich der Anteil der Jugendromane in diesem Rahmen einzupendeln, womit ich absolut zufrieden bin. Ich bin mittlerweile zu alt oder zu leseerfahren für die ständig wiederholten Klischees, die sich oft in diesen Büchern finden, aber ich kann immer noch anerkennen, dass diese Sparte nicht ausschließlich von Klischees bestimmt wird und trotz des häufig großen Altersunterschieds mit den Protagonist_innen fühlen. Wer weiß, möglicherweise hält mich die Lektüre von Young Adult – Romanen ja jung. 😉

Wie zu Beginn des Jahresrückblicks angekündigt, habe ich die Kategorie „Autor_innen“ umgestaltet. Statt beiläufig das ausschließende heteronormative Geschlechterkonzept zu reproduzieren, wollte ich wissen, wie oft ich 2020 neue Schriftsteller_innen kennengelernt habe. Die Antwort lautet: Ziemlich oft. Von 60 Autor_innen insgesamt waren mir 27 noch nicht bekannt, das sind 45 % und damit fast die Hälfte. Angesichts dessen, dass ich ja doch recht viele Reihen verfolge, besonders im Rahmen der stark vertretenen Fantasy, erscheint es mir positiv, dass ich neuen Gesichtern der schreibenden Zunft beinahe ebenso häufig eine Chance gebe wie meinen alten Pappenheimern. Die Zahlen bestätigen meinen intuitiven Eindruck, denn ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals Hemmungen hatte, ein Buch zu lesen, weil ich die Person, die es geschrieben hat, nicht kenne. Autor_innen spielen nur eine minimale Rolle dabei, ob ich ein Buch auf meine Wunschliste setze oder nicht. Natürlich bin ich eher geneigt, es mit einem Werk zu versuchen, wenn mich der_die Schöpfer_in bereits von seinem_ihrem Talent überzeugen konnte und von einigen Schriftsteller_innen würde ich blind alles lesen, was sie produzieren, weil ich darauf vertraue, dass wir harmonieren, aber deshalb müssen Unbekannte nicht zurückstecken.

Im Umkehrschluss bedeutet das Verhältnis von neuen zu bekannten Autor_innen, dass ich 2020 einige begonnene Reihen weitergelesen haben muss. Ich entsinne mich, dass ich irgendwann schon einmal mit dem Gedanken gespielt habe, auszurechnen, wie oft ich Reihen weitergelesen, abgeschlossen und neu angefangen habe, es dann aber sein ließ, weil die Auflistung reichlich kompliziert geriet und das Ergebnis demotivierend aussah. Jetzt überlege ich, ob ich diese Kategorie nicht doch einführe. Irgendwie erscheint es mir schon spannend, zu wissen, wie konsequent ich mit meinen Mehrteilern eigentlich bin. Vielleicht versuche ich mich daran nächstes Jahr noch einmal. Ihr dürft natürlich euren Senf dazugeben: Würde euch dieser Aspekt interessieren?

Jetzt kommen wir mal zum Eingemachten, zu der Frage, die implizit über jedem Jahresrückblick steht: Wie gut oder schlecht war mein Lesejahr? Das lässt sich am besten durch die Sternevergabe beantworten, denn diese Statistik drückt aus, wie viele meiner gelesenen Bücher mir gefielen. 2020 kann ich anhand dieser Auflistung als äußerst positiv verbuchen. Nicht nur habe ich mit 12 Büchern (15 %) erstaunlich oft 5 Sterne vergeben, ich habe auch kein einziges Buch mit einem Stern abstrafen müssen. Einen ähnlich hohen Wert am oberen Ende der Skala habe ich zuletzt 2017 erreicht, damals waren es knapp 14 %. Mich freut das, weil ich durch die niedrigen Werte 2019 und 2018 an mir zu zweifeln begann, ob meine Begeisterungsfähigkeit eingeschlafen sein könnte. Das Ergebnis von 2020 legt nahe, dass sie keineswegs schlummert, sie wartet nur. Sie wartet auf Einhörner, auf Bücher, bei denen einfach alles stimmt.

Ein Jahr, in dem ich kein einziges Mal zu einer 1-Stern-Bewertung gezwungen war, gab es hingegen noch nie. Ich glaube, dass ich 2020 großzügig war, denn wie ich später im emotionalen Jahresrückblick erläutern werde, schrammte mindestens ein Buch sehr scharf an dieser schamhaften Tiefstwertung vorbei. Dadurch liegt der Prozentsatz am unteren Ende der Skala dennoch im üblichen Bereich, ich habe dafür einfach häufiger ein Auge zugedrückt und neun Mal 2 Sterne vergeben (11 %). Auch 2019 enttäuschten mich insgesamt neun Bücher.

Der mittlere Bereich der Skala ist mit insgesamt 74 %, die durch 3 und 4 Sterne gefüllt sind, ebenfalls gewohnt stark vertreten. Allerdings hat sich das Verhältnis im Vergleich zu 2019 umgedreht; damals habe ich häufiger 4 Sterne vergeben, 2020 waren es häufiger 3 Sterne. Zwischen diesen beiden Wertungen findet immer ein Tauziehen statt, in einem Jahr überwiegt die eine, im nächsten wieder die andere. Ich sehe keinen Grund, dieses Hin und Her detailliert zu analysieren, ich akzeptiere es, wie es ist. Schließlich sprechen wir hier über einen beachtlichen Haufen gute Bücher, ich empfände es als Haarspalterei, diesen Fakt auseinanderzunehmen.

Ebenfalls nicht vertreten ist 2020 die Bewertung mit 0 Sternen. Normalerweise erfasse ich mit dieser Wertung Bücher, die sich einer Wertung entziehen, die es nicht verdienen, auf eine Sterneanzahl reduziert zu werden. Das ist auch der Grund, warum es 2020 keine 0-Sterne-Bewertung gab, denn die literarische Sparte, die prädestiniert dafür ist, ist die Non-Fiction. 2020 habe ich nur ein Werk der Non-Fiction gelesen und dieses Buch eignete sich meiner Ansicht nach durchaus für mein Bewertungssystem, also blieben die 0 Sterne leer. 2021 habe ich hoffentlich erneut mentale Kapazitäten für dieses Genre, also vielleicht sieht es im nächsten Jahresrückblick schon wieder anders aus.

Zum Abschluss des statistischen Jahresrückblicks schauen wir uns nun noch an, wie ich 2020 in meinen Challenges abgeschnitten habe.
Meine Serie in der Bücherkultur Challenge ist abgerissen. Vier Jahre lang habe ich mich in dieser unbefristeten Challenge jedes Jahr um 3 Prozent weiter vorangelesen, 2020 waren es hingegen nur 2 % (von 35 % auf 37 %). Der Grund dafür ist wieder einmal mein Mammutprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“, denn wie ich bereits erklärte, habe ich 2020 deshalb keine Klassiker gelesen. Ein Teil von mir besteht darauf, dass ich diesen „Rückstand“ 2021 aufzuholen habe, aber ich weiß selbstverständlich, dass ich das nicht erzwingen kann, nicht mit Klassikern. Grundsätzlich habe ich mir trotzdem vorgenommen, mich 2021 wieder aus der Schatzkiste der Weltliteratur zu bedienen. Klassiker zu lesen erweitert meinen Horizont und gewährt mir einen Einblick in die Literatur vergangener Jahrhunderte, darauf möchte ich nicht dauerhaft verzichten. Ein Jahr Pause ist in Ordnung, aber jetzt wird es doch wieder Zeit, an meiner Belesenheit zu arbeiten.

Das Lesebingo 2020 war hingegen wieder ein voller Erfolg. Ich habe alle 25 Bingofeldchen abstreichen können. Ich konnte nicht alle gelesenen Bücher rezensieren, aber das kümmert mich nicht. Ich nehme am Bingo teil, weil ich es spannend finde, aus meiner Bibliothek zu den Aufgaben passende Lektüre herauszusuchen, die ich sonst vielleicht noch jahrelang nicht angefasst hätte. Ich nehme nicht teil, um zu gewinnen oder durch eine imaginäre Ziellinie zu laufen. Ähnlich begreife ich auch die Motto Challenge, die ich 2020 ebenfalls als erfolgreich abgeschlossen bewerte. Natürlich gibt es im Rahmen dieser Challenge keine festen Aufgaben, doch da ich zu jedem monatlichen Motto Bücher gefunden habe, ist meiner Absicht hinter der Teilnahme Genüge getan. Es erstaunt mich immer wieder, dass ich zu allen Mottos problemlos Lektüre in meiner Bibliothek entdecke und wie viel Spaß es mir macht, mich bei der Auswahl inspirieren zu lassen.

Das Highlight des diesjährigen Rückblicks auf meine Challenges ist jedoch meine eigene, Wortmagie’s makabre High Fantasy Challenge 2020. Noch nie habe ich besser abgeschnitten. Phänomenale 90 % mit 27 Büchern, das macht mich wirklich stolz. 2019 war mir mein mageres Ergebnis von 73 % beinahe peinlich und ich hatte mir fest vorgenommen, wieder disziplinierter High und Low Fantasy in meine Lektüreauswahl zu involvieren. Der Prozentsatz von 2020 belegt einwandfrei, dass es mir gelungen ist. Nur drei Bücher fehlten mir zum perfekten Abschluss, das ist gar nicht so viel. Mein Ziel, meine eigene Challenge irgendwann einmal vollständig zu erfüllen, rückt in greifbare Nähe. Wer weiß, vielleicht wird 2021 ja das goldene Jahr, in dem ich es endlich schaffe? 😉


2020 war für mich ein sehr aufregendes Jahr. In meinem Leben hat sich unglaublich viel verändert, nicht zuletzt habe ich einen neuen Job, der endlich meinen moralisch-ethischen Vorstellungen entspricht. Ich habe jede Facette meines Lebens einer kritischen, ehrlichen Begutachtung unterzogen und mich ehrlich gefragt, ob ich glücklich bin, ob es das ist, was ich will. Wann immer die Antwort „Nein“ lautete, habe ich mutig eine Neuausrichtung umgesetzt, Altlasten beseitigt und mich von allem befreit, das mir nicht mehr nützt. Wenn ich Chilli eines Tages im Jenseits (so es das denn gibt) wiedersehe, will ich ihr hocherhobenen Hauptes gegenübertreten und ihr sagen können, dass ich mich bemüht habe, das absolut Beste aus meinem Leben herauszuholen. Ich will keine Lebenszeit mehr darauf verschwenden, mich nicht gut zu fühlen.

Diese weitreichende Veränderungen hatten naheliegenderweise auch Auswirkungen auf meine Einstellung zum Lesen. Im Rahmen meiner Selbstreflexion wurde mir klar, dass Lesen mir immer nützt und dass ich die positiven Effekte, die es für meine Seele hat, wertschätzen möchte. Ich denke, dass ich 2020 deshalb dazu neigte, großzügig in meinen Bewertungen zu sein. Außerdem konnte ich belastende Nebenerscheinungen wie falschen Ehrgeiz und unangebrachte Selbstkritik an meinem Leseverhalten Großteils loslassen. Ich will nicht sagen, dass ich nun gänzlich frei von dem Gedanken bin, irgendwelche selbstgesteckten, willkürlichen Ziele erreichen zu müssen, aber ich kann diesen Gedanken viel leichter als schädlich und unsinnig erkennen und ihn ignorieren. Diesen Eindruck hatte ich bereits im Verlauf des Jahres, doch jetzt, beim Zusammenstellen des statistischen Jahresrückblicks, wurde deutlich, wie viel besser ich darin geworden bin, die Fakten meines Lesejahrs bedingungslos zu akzeptieren, sie wertungsfrei zu betrachten und als Chance zu interpretieren, etwas über mich zu lernen.

Die größte Überraschung war für mich, dass Corona sich offenbar doch stärker auf mich auswirkte, als ich bisher glaubte. Für mich persönlich war das Virus nicht das beherrschende Thema 2020, dafür war ich viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Da ich sowohl in meinem alten als auch in meinem neuen Job uneingeschränkt weiterarbeiten konnte und mein Sozialleben vergleichsweise kleine Einschnitte hinnehmen musste (beispielsweise konnte ich meine Eltern weiterhin besuchen), hatte ich nicht das Gefühl, dass die Pandemie großen Einfluss auf meinen Alltag hatte. Wie es aussieht, hatte sie das doch, ich habe es nur nicht gemerkt und hätte man mich vor dieser Auswertung gefragt, hätte ich eher angenommen, dass der Lockdown einen positiven Effekt auf mein Leseverhalten hatte. Dass das Gegenteil der Fall ist, habe ich nicht erwartet. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Sinn ergibt diese Wendung allerdings für mich. Ich kann gut zu Hause bleiben, so schnell fällt mir nicht die Decke auf den Kopf, aber entscheidend für meinen Umgang mit dem Lockdown war nicht, wie problemlos ich es in meinen vier Wänden aushalte, sondern dass ich keine Wahl hatte. Es ist eine Sache, freiwillig daheim zu bleiben, aber eine völlig andere, daheim bleiben zu müssen. Ich kann es nicht ausstehen, mich nicht selbst entscheiden zu können. Deshalb passt es durchaus zu meiner Persönlichkeit, dass ich 2020 instinktiv versuchte, meine Zeit zu Hause abwechslungsreicher zu gestalten und von meinen gewohnten Beschäftigungsformen abzuweichen.

So sehr ich meine Bücher liebe, ich denke, dass ich mich einfach nach mehr Auswahlmöglichkeiten sehnte und deshalb Unterhaltungsmedien Aufmerksamkeit schenkte, die sonst eher zurückstecken müssen. Letztendlich hat es funktioniert, ich hatte nie das Gefühl, dass ich die Corona-bedingten Beschränkungen keine Sekunde länger ertrage (obwohl ich wirklich gern feiern gehen würde) und darüber hinaus war es wahrscheinlich sogar heilend für mein Verhältnis zu meinen Büchern, dass wir etwas weniger Zeit miteinander verbrachten. Ein bisschen Abstand kann einer Beziehung guttun, das ist allgemein bekannt. Ich kann mir vorstellen, dass meine erneut gesteigerte Wertschätzung der Literatur sowie mein erhöhter Genuss beim Lesen selbst 2020 auch damit zusammenhängen.

In diesem Sinne gehen wir jetzt zum gemütlichen Teil des Jahresrückblicks über und schauen uns an, welche Bücher emotional großen Eindruck bei mir hinterließen. Mit Martinas 30 Fragen prüfe ich auf Herz und Nieren, was gefiel, amüsierte, schockierte und über welche Werke ich lediglich die Stirn runzeln konnte. Wie immer durften alle Bücher mitmischen, die ich zwischen dem 01.01.2020 und dem 31.12.2020 gelesen habe habe.

 

 

1. Buch des Jahres– Welches war für Euch DAS Buch des Jahres? (Auch, wenn es schwerfällt, nur eine Nennung ist erlaubt.)

Wie durch die Sternevergabe deutlich wurde, habe ich 2020 vergleichsweise viele Bücher gelesen, die von mir fünf Sterne erhielten. Darunter waren Werke, die schriftstellerisch ausgefeilter, deren Geschichten origineller und deren Themen aktueller waren – aber keines, das mich mehr berührte als „The Fault in Our Stars” von John Green. Für mich war es definitiv das Buch des Jahres 2020, weil es mir genau das bot, was ich zum Zeitpunkt meiner Lektüre dringend brauchte. Es half mir bei der Bewältigung meiner Trauer um meine 2019 verstorbene Hündin Chilli. Es schenkte mir Hoffnung, Verständnis und Akzeptanz. Dafür werde ich John Green auf ewig dankbar sein.

2. Flop des Jahres – Welches Buch war für Euch der Flop des Jahres?

„Swords of Good Men“ (The Valhalla Saga #1) von Snorri Kristjánsson war 2020 das einzige Buch, für das ich beinahe nur einen Stern vergeben hätte. Es beendete meine gezielte Suche nach historischen Wikinger-Romanen. Die Geschichte ergab für mich von Anfang an wenig Sinn, weil ich die Ausgangssituation unlogisch fand. Während der Lektüre fühlte ich mich von den vielen erratischen und unmotivierten Perspektiv- und Ortswechseln gestresst. Letztendlich kümmerte mich das Schicksal der Figuren kaum und ich konnte nicht erkennen, wieso ich die Fortsetzungen der Trilogie lesen sollte. Kristjánsson rettete sich nur auf zwei Sterne, weil ich seine Darstellung der speziellen Epoche, in der „Swords of Good Men“ spielt, gelungen fand. Ja, ich war großzügiger als nötig, ich gebe es zu. Verurteilt mich nicht für mein weiches Herz.

3. Größte positive Überraschung – An welches Buch hattet Ihr eher geringe bis durchschnittliche Erwartungen und dann hat es Euch richtig umgehauen (im positiven Sinne)?

Ich hätte nie erwartet, dass mir „A Long, Long Sleep“ (UniCorp #1) von Anna Sheehan dermaßen gut gefällt. Ich habe das Buch vor vielen Jahren gekauft, als ich noch mitten in meiner Young Adult-Dystopie-Phase steckte, ließ es dann aber aus unbekannten Gründen auf meinem SuB liegen. Die Phase endete, weil ich das Gefühl bekam, dass diese Dystopien ja doch irgendwie alle gleich sind und „A Long, Long Sleep“ staubte munter ein, denn ich fürchtete, dass ich mit genau denselben Klischees und Themen konfrontiert würde, die ich mittlerweile satthatte. Im Mai holte ich es aus dem Regal, weil ich anlässlich der Motto Challenge 2020 Bücher mit bunten Covern (mindestens drei Farben) lesen sollte. Ich war äußerst positiv überrascht, dass der Roman viel intelligenter und nachdenklicher ist, als ich angenommen hatte. Die Protagonistin Rose ist psychologisch fundiert gezeichnet und die Handlung wirft moralisch-ethische Fragen auf, die absolut diskussionswürdig sind. Es ist eine Geschichte von Empowerment und vom Recht auf Leben, die mich wirklich mitriss und mir interessante Denkanstöße bot.

4. Größte Enttäuschung – An welches Buch hattet Ihr große Hoffnungen geknüpft und dann hat es Euch richtig enttäuscht?

Ich bin ein Fan des deutschen Autors Thomas Finn. Ich liebe seinen Ansatz, traditionelle Sagen und Mythen in die Moderne zu übertragen und daraus packende Thriller zu konzipieren, die mich viel über die deutsche und europäische Kultur lehren. Aber sein Roman „Aquarius“, den ich im Februar 2020 gelesen habe, hat mich zutiefst enttäuscht, weil er inakzeptabel sexistisch ist. Finn reproduziert darin alle überholten Klischees und Vorurteile, die seit Jahrhunderten über Frauen existieren. Obwohl ich nicht glaube, dass diese tatsächlich seinen Überzeugungen entsprechen oder ihm überhaupt bewusst war, wie verletzend seine Darstellung ist, finde ich es unverzeihlich, dass er sich dazu hinreißen ließ, Frauen auf diese Weise zu porträtieren. Ich hoffe sehr, dass sich dieser Knacks in unserer Autor-Leserin-Beziehung zukünftig kitten lässt und nicht zum dauerhaften Problem wird.

5. Bester Pageturner – Welches Buch konntet Ihr gar nicht mehr aus der Hand legen?

Oh mein Gott, ich hatte im Januar so viel Spaß mit „Ready Player One” von Ernest Cline! Das Buch gilt bereits als moderner Science-Fiction-Klassiker und ich verstehe voll und ganz, wieso! Die Geschichte des 18-jährigen Zockers Wade Watts, der sich in einer virtuellen Schnitzeljagd durch die Popkultur der 80er Jahre spielt, hat mich sehr gefesselt und den kleinen Nerd in meinem Herzen glücklich seufzen lassen. Der Roman hätte fünf Sterne von mir bekommen, hätte Cline darin nicht all die gesellschaftskritischen Fragen, die sein Worldbuilding aufwirft, komplett ausgeklammert. Glücklicherweise veröffentlichte er jedoch Ende November 2020 nach neun Jahren die Fortsetzung „Ready Player Two“, die ich prompt im Dezember gelesen habe, und spricht darin exakt diese Themen an. Dennoch fand ich den ersten Band stärker, weil der Spaßfaktor dabei für mich einfach höher war.

6. Liebste Reihe/ Trilogie – Welche war 2020 Eure liebste Reihe? (Es muss mindestens ein Band in diesem Jahr gelesen worden sein.) Und auf welche Fortsetzung 2021 freut Ihr Euch am meisten?

Die „Winnowing Flame Trilogy“ von Jen Williams hat mich 2020 extrem beeindruckt, weil sie so originell ist. Die drei Bände „The Ninth Rain“, „The Bitter Twins“ und „The Poison Song“ sind eine faszinierende Mischung aus High Fantasy und Science-Fiction, die mich ins Staunen versetzten und mich thematisch sehr berührten. Im Kern geht es darin nämlich um die Verbindung allen Lebens – hat da noch jemand „Circle of Life“ von Elton John aus „König der Löwen“ im Ohr? Oh, und meine Lieben, die Cover. Traumhaft schön.

Was Fortsetzungen 2021 betrifft, freue ich mich wohl am meisten auf „The God is Not Willing“ von Steven Erikson. Dieser für November 2021 angekündigte Roman ist offiziell der Auftakt einer neuer Trilogie namens „Witness“ vom König der High Fantasy, ein Blick in den Klappentext zeigt aber, dass der Dreiteiler die Geschichte von Karsa Orlong fortführen wird, einem meiner liebsten Charaktere aus „The Malazan Book of the Fallen“. Sollte das angesetzte Veröffentlichungsdatum eingehalten werden, halte ich es trotzdem für unwahrscheinlich, dass ich das Buch direkt 2021 lesen werde. Einerseits ist es nur vernünftig, dass ich warte, bis auch die Folgebände erschienen sind; andererseits bin ich noch nicht überzeugt, dass ich Eriksons ursprüngliche Reihe bis November abgeschlossen habe. Ich plane, sie 2021 zu Ende zu lesen, aber hey, kein Druck.

7. „Dickster Schmöker“ – Welches war Euer Buch mit den meisten Seiten? Sind die Seiten nur so „dahingeflogen“ oder musstet Ihr kämpfen?

Im März 2020 bewies mir Stephen King mit „Die Arena“, dass er sehr wohl in der Lage ist, mich auf über 1.200 Seiten durchgehend zu fesseln. In der Vergangenheit hatte ich hin und wieder Schwierigkeiten mit seinen Spannungsbögen und musste mich durch ein paar Längen in seinen Romanen durchbeißen. Bei „Die Arena“ war das trotz des Ausmaßes der Geschichte nicht der Fall. Ich fieberte bis zum Ende in jeder Sekunde mit und habe die Lektüre daher sehr genossen. Es ist ein toller Science-Fiction-Thriller, den ich guten Gewissens empfehlen kann – selbst wenn ihr bereits die Serie „Under the Dome“ gesehen habt.

8. Die meisten Fehler – Ist Euch ein Buch ganz besonders negativ durch viele logische und/oder orthografische Fehler aufgefallen?

Werden mir im Klappentext eines Buches Drachen, Dämonen und Götter versprochen, erwarte ich, dass ich genau das bekomme. „Das Lied der Dämonen“ (Die drei Prophezeiungen #1) von Wolfgang Thon umfasst über 700 Seiten und auf keiner dieser 700 Seiten tauchen Drachen oder Götter auf. Die Präsenz von Dämonen wird lediglich angedeutet. Dadurch fühlte ich mich bereits dreist veralbert, aber getoppt wurde diese Enttäuschung durch Thons Worldbuilding und seinen Schreibstil. Ein schlechteres Worldbuilding ist mir in einem High Fantasy – Roman noch nicht untergekommen. Prinzipiell vermute ich, dass alles da ist, was ein überzeugendes fiktives Universum braucht, doch da Thon nichts, überhaupt gar nichts erläutert und sich in der Rolle des Geheimniskrämers allzu gut gefällt, weiß ich es eben nicht. Die daraus resultierenden Löcher im Worldbuilding wirken sich auf die Handlung aus, die mir deshalb komplett unlogisch und insgesamt kontextlos erschien. Außerdem rangiert Thons Schreibstil zwischen unnatürlich gestelzt und übertrieben vulgär. Es war, als konnte er sich nicht entscheiden, ob er seine Geschichte ungeschönt direkt oder blumig poetisch schreiben wollte und verfiel deshalb abwechselnd in beide Extreme. Das führte dazu, dass ich ein unausgeglichenes Gefälle in der Sprache wahrnahm, das mir absolut nicht gefiel. Aus diesen Gründen muss ich meine Leseerfahrung mit „Das Lied der Dämonen“ eher als Fehlgriff bezeichnen.

9. Interessantestes Sachbuch – Auch „non-fiction“ kann fesseln, welches Sachbuch hat Euch in diesem Jahr am meisten beeindruckt?

Ursprünglich wollte ich für diese Frage einen glühenden, begeisterten Kurzbericht über „Zeitoun“ von Dave Eggers schreiben. Diese Biografie schildert die furchtbaren, menschenentwürdigenden Erlebnisse des muslimischen, syrischen Einwanderers Abdulrahman Zeitoun und seiner Familie nach dem katastrophalen Hurricane Katrina in New Orleans im August 2005. Ich wollte erzählen, wie heftig mich das Buch erschütterte, das schonungslos offenbart, wozu das US-amerikanische Justizsystem im Zuge der Nachwehen des Terroranschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 fähig ist. Meine Emotionen sind die reine Wahrheit. Aber leider sind die Dinge, die Herr Zeitoun Dave Eggers erzählte, vielleicht nicht wahr. Als ich eben nachschlagen wollte, aus welchem Land Zeitoun in die USA kam, stolperte ich über einige Rezensionen – zum Teil von Menschen, die in New Orleans in der Nachbarschaft der Zeitouns leben oder lebten – die behaupten, dass das Buch hauptsächlich aus Lügen besteht. Angeblich ist Abdulrahman Zeitoun ein Trickbetrüger, der seine Angestellten nicht bezahlte, schlechte Arbeit leistete, mehrfach Identitätsdiebstahl beging und seine (Ex-)Frau Kathy, die ebenfalls im Buch auftaucht, auf offener Straße beinahe mit einem Bügeleisen totprügelte. Später soll er ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt haben. Diese Behauptungen entsetzen mich gerade sehr. Ich fürchte, dass ich meine Meinung zu diesem Buch überdenken und für die ausstehende Rezension eine Einordnung vornehmen muss. Deshalb kann ich zwar aktuell berichten, dass ich „Zeitoun“ bisher für das interessanteste Sachbuch 2020 hielt, aber ich weiß noch nicht, in welche Richtung sich meine Einschätzung entwickeln wird, wenn ich die dringend benötigte Recherche vorgenommen habe. Unter Umständen muss ich sogar die Bewertung nachträglich ändern. Ein so außergewöhnlicher Fall ist mir noch nicht untergekommen.

 

 

10. Schlimmster Buchmoment – Welcher war für Euch der schlimmste Moment in einem Buch? Entdeckung eines Betrugs? Tod eines Lieblings? Eine herzergreifende Trennung?

Der Protagonist Weylyn aus „Beasts of Extraordinary Circumstance” von Ruth Emmie Lang ist kein gewöhnlicher Mensch. Er ist etwas Besonderes, beinahe magisch. In jedem Leben, das er berührt, hinterlässt er etwas von Bedeutung. Umso ungerechter erscheint es, dass sein eigenes Leben kompliziert, schwierig und gefährlich ist. Deshalb verlässt er seine große Liebe Mary, obwohl es Jahre brauchte, bis sie endlich zusammenfanden. Diese Entscheidung brach mir schier das Herz. Er tut das, um sie zu schützen, aber es ist himmelschreiend unfair, dass einem Menschen, der so viel für andere bewirkt, die Chance auf ein wenig Glück verwehrt wird.

11. Enttäuschendstes Ende – Das Buch war toll, aber das Ende einfach Mist? Welches Ende hat Euch am meisten enttäuscht?

Beim Ende von „Splitter“ schoss Sebastian Fitzek meiner Ansicht nach zugunsten der Dramatik weit übers Ziel hinaus. In dem Thriller geht es um das menschliche Gedächtnis und die Frage, ob wir traumatische Erlebnisse gezielt vergessen können. Obwohl die absichtlich verwirrende Geschichte beeindruckend konzipiert ist, fand ich das Szenario, das erklären sollte, warum der Protagonist Marc von schmerzhaften Bruchstücken seiner Erinnerungen heimgesucht wird und was eigentlich mit ihm geschehen ist, unglaubwürdig. Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, dass sich ganz normale Menschen so skrupellos und eiskalt verhalten würden, unabhängig davon, was auf dem Spiel steht. Da ich ihm nicht glaubte, verfehlte Fitzek seinen Auftrag als Autor und „Splitter“ blieb weit weniger positiv in meinem Gedächtnis, als das Buch es eigentlich verdient.

 

 

12. Liebster Held – Wer war Euer liebster Held?

Ich wünsche mir Lazlo Strange aus „Strange the Dreamer“ (Strange the Dreamer #1) von Laini Taylor in die Realität. Lazlo ist eine wundervolle Person, die ich gern ständig um mich haben würde. Er ist der lebende Beweis dafür, dass Anstand eine vernachlässigte Tugend ist. Sein Herz und sein Verstand bezauberten mich, weil sein gesamtes Wesen vor Wärme, Fantasie und Aufrichtigkeit nur so strahlt. Ich möchte mit ihm befreundet sein, ich möchte in seiner Nähe sein, weil ich den Eindruck gewann, dass seine bloße Anwesenheit die Welt in einen besseren Ort verwandelt. Er trägt keinen einzigen bösartigen Gedanken in sich, würde den leichten nie dem richtigen Weg vorziehen oder jemandem absichtlich schaden. Er ist ein Leuchtfeuer der Hoffnung und des Guten in einer verkommenen, düsteren Welt.

Wer mag und kann, darf gerne auch noch angeben, welcher Held Euch
– nur vom Charakter

Für 2020 muss ich dieselbe Antwort geben, die ich bereits für 2019 bei dieser Frage genannt habe, der Kontext hat sich jedoch verändert. Es ist erneut Jalan Kendeth aus der Trilogie „The Red Queen’s War“ von Mark Lawrence, dieses Mal beziehe ich mich allerdings auf das Finale „The Wheel of Osheim”. Im dritten Band zeigt sich endlich deutlich und unmissverständlich, wie sehr sich Jalan seit dem ersten Band „Prince of Fools“ weiterentwickelt hat. Meinem Gefühl nach erobert er sich die Handlung mit wehenden Fahnen zurück, nachdem sie lange von den Wünschen, Zielen und Bedürfnissen seines Freundes Snorri ver Snagason bestimmt war. Er wächst über sich hinaus und beweist, dass er auch ohne Snorris Anwesenheit heldenhaft und mutig agieren kann. Angesichts des professionellen Tunichtgutes, der er zu Beginn der Geschichte war, ist das ein enormer Fortschritt, den er sich mühsam erkämpfen musste und den ich respektvoll anerkenne.

– nur vom Äußeren

Für diese Frage muss ich einen alten Bekannten bemühen, den ich 2020 in einem völlig neuen Licht kennenlernen durfte. Der körperlich stark eingeschränkte Inquisitor Sand dan Glokta ist eine der beliebtesten Figuren in Joe Abercrombies „First Law“-Universum, der mir vor vielen Jahren erstmals in „Kriegsklingen“, der deutschen Übersetzung von „The Blade Itself“, begegnete. Schon damals faszinierte mich sein bitterer, selbstironischer Humor, der daher rührt, dass Glokta als junger Kavallerieoffizier im Krieg der Union gegen das gurkhisische Imperium gefangen genommen, zwei Jahre lang gefoltert und schwer deformiert wurde. Seither leidet er jede Sekunde schlimme Schmerzen. Doch bevor er in den Kerkern der Gurkhisen zu dem wurde, der er heute ist, war er eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Union: Gut aussehend, agil, vital, bewundert und beneidet, ein meisterlicher Schwertkämpfer. 2020 durfte ich Glokta zum ersten Mal treffen, bevor er ein Opfer der Folter wurde. In der Kurzgeschichten-Anthologie „Schattenklingen“, in der Geschichte „Ein bewundernswerter Dreckssack“, stellte Abercrombie mir den jungen Glokta vor, den umwerfenden Kavallerieoffizier und Meisterfechter, der glaubte, unbesiegbar zu sein. Der äußerliche Kontrast zu dem galligen, erbarmungslosen Inquisitor voller Selbsthass, der bereits Schwierigkeiten hat, allein aufzustehen und auf eine Krücke angewiesen ist, war so gewaltig, dass mir beinahe der Mund offen stehen blieb. Diese Erfahrung trug dazu bei, dass ich mir die „First Law Trilogy“ Ende 2020 noch einmal auf Englisch kaufte und mich kopfüber in einen spontanen Reread stürzte.

so richtig angesprochen hat.

13. Liebste Heldin – Welche Heldin hat Euch am besten gefallen?

Ich mochte Starr aus „The Hate U Give“ von Angie Thomas 2020 am liebsten. Der Mut, den Starr aufbringt, um eine Veränderung in ihrem fiktiven Viertel Garden Heights zu bewirken, unter Einsatz ihres eigenen Lebens, ist inspirierend. Für mich als weiße Europäerin war das gesamte Buch lebensverändernd, weil Angie Thomas die Thematik von institutionellem Rassismus in den USA vom Abstrakten ins Greifbare hebt. Ihretwegen konnte ich mir zum ersten Mal wirklich vorstellen, was es bedeutet, als Schwarzes Mädchen in einem US-amerikanischen Ghetto aufzuwachsen und wie die systematische Diskriminierung von People of Color ganze Generationen in Kriminalität und Armut treibt. Ich begriff, wie schwer es ist, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und wie real, unverzeihlich und belastend rassistisch motivierte Polizeigewalt für Menschen ist, die nicht ähnlich privilegiert sind wie ich. Diese immense Horizonterweiterung gelang Angie Thomas nur durch die Integrität, Authentizität und Nahbarkeit, die sie über ihre Protagonistin herstellt. Starr war für mich der Schlüssel zu einer Welt, die ich nie am eigenen Leib erfahren werde. „The Hate U Give“ trägt wahrhaft zur globalen kulturellen Verständigung bei und sollte quer durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten gelesen werden.

Wer mag und kann, darf gerne auch noch angeben, welche Heldin Euch
– nur vom Charakter

Daleina aus „The Queen of Blood” (The Queens of Renthia #1) von Sarah Beth Durst hat alles, was eine gute Königin braucht. Sie erhält ihren Heldinnenstatus durch ihren integren Charakter, nicht durch ihre Abstammung, ihr Äußeres oder ihre Fähigkeiten. Sie trägt keinen Funken Eitelkeit in sich, weshalb man ihr wirklich glaubt, dass sie den Menschen ihres Heimatlandes Aratay einfach nur helfen möchte. Eine so aufrichtig selbstlose Protagonistin, die trotzdem nicht langweilig wirkt, ist mir schon lange nicht mehr begegnet. Ich habe gern Zeit mit Daleina verbracht.

– nur vom Äußeren

Emika Chen aus „Warcross“ (Warcross #1) von Marie Lu hat regenbogenfarbene Haare. Die Geschichte erinnerte mich sehr an „Ready Player One“ und ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich das nun mochte oder zu unoriginell fand, aber Emikas bunte Haare waren definitiv ein Pluspunkt!

so richtig angesprochen hat.

14. Liebstes Paar – Manchmal stimmt die Chemie einfach, welches Paar hat Euch am besten gefallen? Hier zählt das Paar als Ganzes, ein noch so anbetungswürdiger Held kann seine unwürdige Partnerin nicht rausreißen!

Von Lazlo Strange aus „Strange the Dreamer“ (Strange the Dreamer #1) habe ich euch bereits vorgeschwärmt. Daher sollte es nicht allzu sehr überraschen, dass er auch die eine Hälfte meines Lieblingspaares 2020 ist. In der Fortsetzung „Muse of Nightmares” werden er und seine große Liebe Sarai mit unmöglichen Entscheidungen und Herausforderungen konfrontiert und finden trotzdem einen Weg, zusammen zu sein. Sie vermittelten mir, dass Liebe wirklich unbesiegbar ist und keine Hürde zu groß ist, wenn man so stark füreinander empfindet wie Lazlo und Sarai. Hach, es war schön.

15. Nervigster Held / Nervigste Heldin: – Welche_r Protagonist_in hat Euch am meisten genervt? Bei wem konntet Ihr nur noch mit den Augen rollen? Gab es vielleicht einen besonders schlimmen / peinlichen Moment?

Wie würdet ihr reagieren, würdet ihr herausfinden, dass eine uralte Kreatur des puren Bösen in eurer Heimatstadt für eine blutige und grausame Mordserie verantwortlich ist? Würdet ihr euch darum sorgen, dass diese Bestie weitere Unschuldige angreifen könnte? Oder würdet ihr euch darüber den Kopf zerbrechen, wie sich diese Vorfälle auf euren eigenen Schlaf auswirken? Dr. Thomas Bond aus „Mayhem” (Dr. Thomas Band #1) von Sarah Pinborough wählt Option B. „Mayhem” handelt von den historisch belegten, nie aufgeklärten „Thames Torso Murders“, die London 1888 zusätzlich zu den parallel begangenen Morden von Jack the Ripper in Angst und Schrecken versetzten. Eigentlich eine spannende Ausgangslage, aber leider konzentriert sich dieser historische Thriller mit übernatürlichem Dreh fast ausschließlich auf den Protagonisten Dr. Bond. Er ist ein furchtbarer Egoist und ein Feigling, der, obwohl er mit der Obduktion der Leichen betraut ist, maximal einen Funken Mitgefühl für die Opfer aufbringt. Ihn beschäftigt nur, inwieweit er selbst von den Morden betroffen ist. Seine ich-zentrierte Persönlichkeit brachte mich richtig auf die Palme, weil ich es unmöglich fand, dass er andere Menschen durch seine Gleichgültigkeit in Gefahr bringt. Er war mir zutiefst unangenehm und ich hoffe inständig, dass sein reales Vorbild nicht ansatzweise so unsympathisch war.

16. Fieseste_r Gegenspieler_in – Wer hat Euren Buchheld_innen am schlimmsten zugesetzt?

Ich fand die Drachen aus „False Idols“ (The Dragon Lords #2) von Jon Hollins wirklich fies. Bereits im ersten Band „Fool’s Gold“ etablierte Hollins seine Drachen als richtig miese Tyrannen, die gierig, arrogant und boshaft über das Kondorra Tal herrschen. Im zweiten Band öffnet er das Worldbuilding und illustriert, dass Drachen auch außerhalb dieses Landstrichs unverträgliche und problematische Zeitgenoss_innen sind. Dieses Mal greifen sie nicht auf Gewalt zurück, um ihren Ehrgeiz zu befriedigen und eine Machtposition zu ergattern, nein, sie verlegen sich auf emotionale Manipulation und setzen dreiste Polemik ein. Diese systematische, strategische Beeinflussung, die die Menschen bei ihren Ängsten, Unzufriedenheiten und Sehnsüchten packt, erinnerte mich verdächtig an die teuflische Propagandamaschinerie der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Es gruselte mich, wie gut diese Taktik aufgeht, weil ich weiß, dass dieser Verlauf vollkommen realistisch ist. Es ist so viel schwieriger, einen Krieg zu gewinnen, der sich in den Köpfen der Menschen abspielt. Deshalb ist diese Verschiebung des Schlachtfeldes in „False Idols“ ein äußerst kluger Schachzug, durch den die Drachen in meiner Vorstellung gleich noch bösartiger und gefährlicher wirkten.

17. Liebster Nebencharakter – Auch Charaktere, die nur am Rande vorkommen, kann man ins Herz schließen. Welcher Nebencharakter ist Euch besonders in Erinnerung geblieben?

Es wird keine Kleinigkeit, „Foxfire: Confessions of a Girl Gang” von Joyce Carol Oates zu rezensieren, weil es die Geschichte hochkomplexer Dynamiken innerhalb einer Mädchengang in den 1950er Jahren ist. Die Ich-Erzählerin Madeleine resümiert als Erwachsene, wie und warum sich die Bande FOXFIRE gründete und welche Ereignisse zu ihrem Untergang führten. Die interessanteste Persönlichkeit ihrer Erzählung ist meiner Meinung nach die Anführerin Legs. Wählen wir eine strenge Definition von „Nebencharakter“, dürfte ich Legs hier eigentlich gar nicht nennen, weil sie zweifellos eine tragende Rolle einnimmt. Doch da Oates sie bewusst lediglich von außen aus Maddys Perspektive zeigt, so gut wie keine Innenansichten ihrer Person bietet und dadurch meiner Ansicht nach absichtlich Distanz wahrt, will ich mal nicht so sein. Legs ist eine äußerst verschlossene Figur, aber genau deshalb empfinde ich sie auch als sehr spannend. Sie lässt sich kaum in die Karten schauen und wacht eifersüchtig über ihre Emotionen. Ich konnte lediglich anhand ihres Verhaltens mutmaßen, was FOXFIRE ihr bedeutet. Die Beweggründe der anderen Mädels waren leicht zu lesen, aber Legs… Legs ist mir noch immer ein Rätsel, weil ich nicht glaube, dass ihr Zorn auf die strikt patriarchalische Gesellschaft der 50er ihre einzige Motivation war, FOXFIRE ins Leben zu rufen. Da ist noch mehr. Vielleicht finde ich es heraus, bis die Rezension ansteht. Vielleicht auch nicht.

 

 

18. Bester Kuss – Habt Ihr bei einem Kuss so richtig mitgefiebert, erleichtert aufgeseufzt, richtig Lust aufs Küssen bekommen?

Argh, diese Frage ist so spoileranfällig. Okay, ich werde nicht verraten, welcher Kuss in „The Rest of Us Just Live Here“ von Patrick Ness mein Herz höherschlagen ließ oder wer involviert ist, aber ich möchte euch erklären, warum dieser Kuss meiner Meinung nach etwas ganz Besonderes ist. Die Situation ist nicht außergewöhnlich heiß, eigentlich ist sie objektiv betrachtet insgesamt überhaupt nicht außergewöhnlich, doch es ist eine Situation, die sehr ehrlich und zärtlich ist und die Quintessenz von Freundschaft auf den Punkt bringt. Sie thematisiert Unsicherheiten, die während des Erwachsenwerdens belastend wirken und zeigt, dass die Figuren im Kampf mit diesen Hürden nicht allein sind. Das fand ich sehr berührend.

19. Beste Liebesszene – Wenn es nicht beim Küssen bleibt, welche Liebesszene hat Euch am meisten angesprochen?

Stellt euch vor, ihr seid alt. Wirklich alt. Rentenalter. Was würde euch bewegen, euren Lebensabend als Soldat oder Soldatin in einem intergalaktischen Krieg zu verbringen? Die Aussicht auf Ruhm und Ehre? Patriotismus? Ich denke, die wenigsten ließen sich davon überzeugen. Aber wie sähe es aus, wenn euch versprochen würde, dass ihr wieder jung sein könntet? Das ändert die Sache, nicht wahr? Dieses Versprechen motiviert John Perry, den 75-jährigen Protagonisten aus „Old Man’s War“ (Old Man’s War #1) von John Scalzi, sich dem CDF anzuschließen. Das CDF ist eine private Militärfirma, die darauf spezialisiert ist, die Erde als Kolonialmacht im Weltall zu etablieren. Dafür will sie Soldat_innen, die auf mehrere Jahrzehnte Lebenserfahrung und Wissen zurückblicken und macht sie wieder jung. Wie genau, möchte ich hier nicht verraten, weil es mir großen Spaß bereitete, genau das herauszufinden, aber ich kann euch versichern, nach diesem Prozess ist John Perry erneut das blühende Leben. Und wie feiert man, dass man wieder jung ist? Richtig, man lässt es krachen und testet die Grenzen der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit aus. Es ist nicht ungewöhnlich, dass neue Rekrut_innen jegliche Zurückhaltung ablegen und wild durch die Betten hüpfen. John ist da keine Ausnahme. Ich fand die Szene, in der er zum ersten Mal seit vielen Jahren Sex in einem jungen, gesunden Körper hat, erotisch, weil ich mir vorstellen kann, wie stimulierend und erregend es sein muss, wenn plötzlich alles wieder funktioniert, wie es soll, nichts weh tut und alle Sinne höchst sensibel sind. Das muss eine berauschende Erfahrung sein.

20. „Lachkrampf“ – Bei welchem Buch konntet Ihr am herzhaftesten lachen?

Die Dialoge der Zauberer in „Schweinsgalopp“ (Scheibenwelt #20) von Terry Pratchett sind zum Brüllen komisch. Das gesamte Buch ist äußerst amüsant, schließlich springt Tod darin für den Schneevater ein, die Scheibenwelt-Version des Weihnachtsmannes, aber mit den Gesprächen zwischen den Mitgliedern der Unsichtbaren Universität erheiterte mich Pratchett am meisten. Wusstet ihr, dass Bananen in Wahrheit Fische sind, weshalb man sie besser nicht in Schreibtischschubladen aufbewahrt?

21. „Heulkrampf“ – Bei welchem Buch habt Ihr am meisten geweint bzw. hättet am meisten heulen können?

Ich hätte ins vergangene Jahr nicht besser starten können als mit „A Closed and Common Orbit” von Becky Chambers. Der zweite Band der „Wayfarers“-Trilogie war das erste Buch, das ich 2020 gelesen habe. Es bescherte mir einen wundervollen, äußerst emotionalen Jahresauftakt. Die zweigeteilte Geschichte von Lovelace bzw. Sidrah und Pepper bewegte mich, streichelte meine Seele und hätte ich meine Tränenkanäle nicht fest unter Kontrolle, hätte ich vor Rührung wahrscheinlich mehrfach Rotz und Wasser geheult.

22. Bestes / liebstes Setting – Euer Lieblingsland / Eure Lieblingsstadt, eine wundervoll gestaltete Fantasywelt – Welches Setting hat Euch besonders beeindruckt?

Obwohl ich mich 2020 in zahlreichen faszinierenden Welten herumgetrieben habe – darunter das Malazanische Imperium von Steven Erikson, Terry Pratchetts Scheibenwelt und Sarn, der Kontinent, auf dem Jen Williams‘ „Winnowing Flame Trilogy“ spielt – muss ich den enormen mentalen Aufwand, den Christopher Nuttall in „The Very Ugly Duckling“ investierte, einfach anerkennen. Nachdem der erste Band der „Bookworm“-Reihe, „Die Wissende“ (den ich noch auf Deutsch gelesen habe), eher ein magischer Abenteuerroman ist, geht Nuttall im zweiten Band ernsthaft der Frage nach, wie Magie eine Gesellschaft beeinflussen könnte und welche Faktoren sie aus dem Gleichgewicht brächten. Wenn einige Menschen mit magischen Fähigkeiten geboren werden, diese Fähigkeiten unterschiedlich stark ausgeprägt sind und andere Menschen hingegen gänzlich ohne magisches Talent zur Welt kommen – was bedeutet das für eine Gesellschaft? Nuttalls Antwort fällt plausibel und äußerst vorstellbar aus: Die Magie wäre das Zentrum dieser Gesellschaft und würde Machtstrukturen und Hierarchien ausnahmslos bestimmen. Das Schlimmste, das so einer Gesellschaft passieren könnte, wäre das Auftauchen einer Kraft, die magische Fähigkeiten willkürlich nehmen und geben kann. Nuttalls Bereitschaft, dieses analytische Gedankenspiel in aller Konsequenz zu verfolgen und ein tatsächlich realistisches Szenario für die Implementierung von Magie zu entwickeln, imponierte mir ungemein. Schade, dass die Geschichte dazu eher schwach gelang, was meiner Ansicht nach der Grund dafür ist, dass die Reihe nach dem ersten Band nie weiter übersetzt wurde.

23. „The big screen“ – Welches Buch würdet Ihr am liebsten verfilmt sehen?

Ich bleibe dabei: Ich finde Verfilmungen uninteressant. Ich sehe mich selten genötigt, mir eine Adaption anzusehen, weil ich meist nicht verstehe, wieso ich mir Zeit für eine Geschichte nehmen soll, die ich bereits kenne. Ich lese (fast) immer zuerst das Buch und bin nur in Ausnahmefällen neugierig, wie es filmisch umgesetzt wurde, weil das Buch in der Regel sowieso besser ist. Eine solche Ausnahme wäre allerdings vielleicht „Senlin Ascends“ (The Books of Babel #1) von Josiah Bancroft. Der gigantische Turm, in dem sich der Protagonist Senlin physisch wie mental und emotional verirrt, ist ein faszinierendes Setting. Ich kann mir vorstellen, dass ich durchaus gespannt wäre, herauszufinden, wie dieser spezielle Mikrokosmos auf der Leinwand wirkt. Außerdem hatte ich mit der literarischen Vorlage so meine Schwierigkeiten; ich fand das Buch zäh und brauchte unheimlich lange zum Warmwerden. Eventuell wäre das in einer Verfilmung besser, weil die langatmigen Passagen höchstwahrscheinlich zusammengestaucht würden.

 

 

24. Liebste_r Autor_in – Welchen Autor / Welche Autorin habt Ihr in diesem Jahr am liebsten gelesen?

Anlässlich des Jahresrückblicks 2019 habe ich letztes Jahr entschieden, diese Frage künftig nur noch hinsichtlich der technischen Kunstfertigkeit meiner gelesenen Autor_innen zu beantworten. Also, wer hat sich im Jahr 2020 denn durch herausragende schriftstellerische Qualität hervorgetan? Da hätten wir natürlich Steven Erikson. Ich habe seine hochkomplexe High Fantasy – Reihe „The Malazan Book of the Fallen“ 2020 noch einmal von vorn angefangen, dieses Mal auf Englisch. Ich hoffe, sie 2021 endlich abschließen zu können. Da ich euch von Erikson in der Vergangenheit jedoch schon zur Genüge vorgeschwärmt habe, geht die Auszeichnung an jemand anderen. „The Girl on the Train“ brachte mich völlig aus dem Gleichgewicht, weil die Autorin Paula Hawkins die Subjektivität ihrer unzuverlässigen Erzählerinnen geschickt einsetzt, um ihre Leser_innen zu verwirren und auf falsche Fährten zu schicken. Es ist ein extrem effektiver Thriller, der bezüglich des Nervenkitzels keine Wünsche offenlässt und darüber hinaus tabuisierte, kontroverse Themen wie häusliche Gewalt, Alkoholismus und Selbsthass ungeniert anspricht. Das Buch hätte beinahe fünf Sterne von mir bekommen, hätte Hawkins ihre Geschichte ein bisschen wärmer gestaltet. Nichtdestotrotz ein hervorragender Roman, der von außergewöhnlichem schriftstellerischen Talent zeugt.

25. Autor_innen-Neuentdeckung 2020 – Habt Ihr eine_n Autor_in in diesem Jahr für Euch entdeckt, von dem_der Ihr nun am liebsten alles verschlingen würdet?

Wohin gehen Vampire, wenn sie unter Depressionen leiden? An wen wenden sich Mumien mit Knochenbeschwerden? Wer hilft Banshees bei Halsschmerzen? Vivian Shaw liefert die Antwort in ihrem Reihenauftakt „Strange Practice“: Dr. Greta Helsing. Dr. Helsing leitet eine Arztpraxis in London, in der sie im Geheimen übernatürliche Patient_innen behandelt. Die Annahme, dass auch Supras medizinische Versorgung brauchen, fand ich herrlich naheliegend und nachvollziehbar. Wir gehen gern davon aus, dass die Wesen der Urban Fantasy niemals krank werden, aber das ist eigentlich völlig unrealistisch. Shaw formuliert für jede Spezies Erkrankungen, die wie die Faust aufs Auge zu ihren Eigenheiten passen. Dadurch entsteht eine wunderbar nerdige alternative Realität, in der ich mich sehr wohlfühlte. Die originelle Geschichte des ersten Bandes riss mich mit; die Figuren waren mir äußerst sympathisch und weckten meine Neugier. Ich freue mich wirklich auf die Folgebände der „Dr. Greta Helsing“-Reihe und bin begeistert, dass dieses ausgenudelte Genre immer noch Autor_innen hervorbringt, die uns frische Ideen vorstellen. Vivian Shaw zählt auf jeden Fall zu meinen Neuentdeckungen des Jahres 2020.

25b. Autor_innen-Enttäuschung 2020 – Ein_e Autor_in, von dem_der Ihr bisher alles verschlungen habt, der_die Euch aber arg enttäuscht hat in diesem Jahr?

2020 illustrierte sehr deutlich, dass meine Beziehung zu Laurell K. Hamilton wohl immer eine Achterbahnfahrt sein wird. Ich danke ihr von Herzen dafür, dass sie mir die „Anita Blake“-Reihe schenkte, die ich seit meiner Teenagerzeit verfolge und die meinen Lesegeschmack entscheidend prägte. Anita zählt definitiv zu meinen großen Heldinnen der Urban Fantasy. Aber weder meine Dankbarkeit noch meine Liebe zu Anita können verhindern, dass ich mittlerweile reif genug bin, um zu erkennen, wann Hamilton als Autorin Mist baut. 2020 enttäuschte sie mich mit „Narcissus in Chains“ auf verschiedenen Ebenen maßlos. Der zehnte Band der Reihe ist einfach schlecht. Wirr, unfokussiert und ein unangenehmes Spiegelbild der Ängste und Unsicherheiten der Schriftstellerin. Wahrscheinlich verlor sie mit keinem Band mehr Leser_innen als mit diesem. Das liegt meiner Ansicht nach daran, dass ihr Anitas indirektes Outing als polyamouröse Frau gründlich misslang, weil sie die völlig umnachtete und nicht nachvollziehbare Entscheidung traf, parallel dazu Anitas Ardeur einzuführen. Die Ardeur ist ein übernatürlicher Hunger nach Sex, Lust und Leidenschaft, den Anita durch das Triumvirat von Jean-Claude übernimmt. Anfangs kann sie sie nicht kontrollieren, weshalb sie im Grunde jeden Mann besteigt, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Abgesehen davon, dass Hamilton damit eine sehr radikale und abrupte Neuausrichtung der Reihe forciert, die viele Fans mächtig vor den Kopf stieß, finde ich es nahezu fahrlässig, welchen Eindruck sie dadurch von Polyamorie erweckt. Dieses Beziehungsmodell basiert auf Ehrlichkeit und Offenheit, es bietet einen Rahmen für Menschen, die fähig sind, sich in mehr als eine Person zu verlieben. Versteht ihr, es geht dabei um Liebe, nicht um Sex. Doch da Hamilton eine Assoziation zwischen mehreren Beziehungspartner_innen und häufig wechselnden sexuellen Kontakten herstellt, sieht es in „Narcissus in Chains“ aus, als sei Polyamorie nicht mehr als ein Synonym für Sexsucht. Ich kann nicht verstehen, wie ihr dieser gravierende Fehler unterlaufen konnte, schließlich ging sie um die Zeit herum, in der dieser Band entstand, selbst eine polyamouröse Ehe ein. Zusätzlich dichtet sie Anita metaphysische Fähigkeiten und Empfindungen an, für die es keine plausible Erklärung gibt und vernachlässigt die Krimielemente der Handlung sträflich. „Narcissus in Chains“ stimmt vorne und hinten nicht und war auf ganzer Linie eine Enttäuschung.

 

 

26. Bestes Cover – Welches Cover hat Euch im Jahr 2020 am besten gefallen? (Hier müsst Ihr das Buch nicht gelesen haben, jedes Cover, das Euch im Jahr 2020 beeindruckt hat, zählt.)

Komplementärkontraste funktionieren, das beweist das Cover von „The Bitter Twins“ (The Winnowing Flame Trilogy #2) von Jen Williams. Ich könnte es stundenlang anstarren. Die Drachen-Illustration ist eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Der Bildausschnitt ist brillant gewählt. Mir gefällt am besten, dass es ein Drache mit Federn ist, weil das einfach eine andere Herangehensweise ist, die man nicht so oft findet. Und natürlich passt es auch zum Inhalt des Buches, denn eine der Kriegsbestien, die Sarn gegen das Wurmvolk verteidigen, ist ein Drache mit Federn.

27. Schlimmstes Cover – Gibt es ein Cover, dass Euch fast davon abgehalten hätte, das Buch zu lesen? Oder ein Buch, dass Ihr tatsächlich aufgrund des Covers nicht lesen wollt? (Zu hässlich, zu grausam, zu kitschig?) Gab es ein Buch, dessen Cover unpassend zur Geschichte / Stimmung war oder schon zu viel gespoilert hat?

Meine Heyne-Ausgabe von „Die fließende Königin“ (Merle-Zyklus #1) von Kai Meyer finde ich persönlich fürchterlich. Ich mag an diesem Cover überhaupt nichts, obwohl die Elemente einzeln eigentlich gar nicht so schlecht gewählt sind. Nur in dieser Kombination sind sie meiner Meinung nach eine absolute Geschmacklosigkeit. Als hätte man einen Photoshop-Laien beauftragt, das fantasievollste, kitschigste Cover zu entwerfen, das ihm oder ihr zu dieser Geschichte einfällt. Fehlt nur noch der Glitzer.

28. Allgemein schönste Gestaltung – Welches Buch ist Euch wegen der Verarbeitung, Illustrationen, Kapitelunterteilungen etc. besonders in Erinnerung geblieben?

Seit ich festgestellt habe, dass in allen drei Bänden der „Grisha“-Trilogie von Leigh Bardugo dieselbe Schriftart verwendet wird, frage ich mich, ob sie extra für die Bücher entwickelt wurde. Ich habe sie bisher in keinem anderen Buch vorgefunden. Falls das so ist, war das ein ziemlich cleverer gestalterischer Marketingtrick, durch den sich die Trilogie definitiv von anderen abhebt und im Gedächtnis bleibt. Die Schriftart passt nämlich hervorragend zum Inhalt und greift die russisch angehauchte Atmosphäre des Settings auf. 2020 habe ich die Trilogie abgeschlossen und „Siege and Storm“ sowie „Ruin and Rising“ gelesen. Tatsächlich hat mir das Finale „Ruin and Rising“ mit Abstand am besten gefallen, weil Bardugo darin mit einigen spannenden Überraschungen aufwartet, aber insgesamt muss ich resümieren, dass diese Young Adult High Fantasy für mich etwas zu flach und zu stark auf die emotionale Ebene konzentriert ist. Bardugo hätte sehr viel mehr rausholen können, besonders aus ihrem soliden und gut durchdachten Worldbuilding, hätte sie sich weniger auf das Innenleben ihrer Protagonistin Alina fokussiert. Schade.

 

 

29. Gemeinsam lesen – Gab es eine Leserunde / einen Buddy Read, die Euch besonders gut gefallen hat?

Alle Jahre wieder gibt es hier dieselbe Antwort: Die Montagsfrage, die mittlerweile von Antonia von Lauter&Leise veranstaltet wird. Diese wöchentliche Aktion ist eine interessante Gelegenheit, sich über buchbezogene Themen mit anderen Blogger_innen auszutauschen und ich nehme noch immer gern teil. Durch meinen neuen Job muss ich in Zukunft ein bisschen schauen, wie ich meine Beiträge zeitlich organisiere, denn wenn die Frage nicht pünktlich um 7 Uhr online geht, habe ich vor der Arbeit meist nicht mehr genug Puffer, um sie zu beantworten. Beantworte ich sie nach der Arbeit, habe ich aber selten Lust, bei den anderen Teilnehmer_innen vorbeizuschauen, weil ich dann bereits den ganzen Tag vor dem Rechner gesessen habe und mich lieber auf der Couch zurücklehne. Das ist nicht Sinn der Sache. Vielleicht plane ich dafür künftig fest ein, eine ausgedehnte Stöberrunde am Dienstagmorgen zu drehen und Kommentare zu hinterlassen. Nicht ideal, aber immer noch besser als gar kein Austausch.

30. Bester Tipp – Gab es eine Leseempfehlung, für die Ihr besonders dankbar seid?

Wer verstehen will, wieso sich die EU als politische Institution oft selbst blockiert, lege ich „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse ans Herz. Mir wurde das Buch 2020 von meinem Papa empfohlen und wie erwartet hat es mir sehr gut gefallen. Menasse erklärt darin äußerst anschaulich am Beispiel der Europäischen Kommission, wie europäische Politik funktioniert und sich die Mitgliedsstaaten aus nationalen Interessen heraus gegenseitig aushebeln. Das Besondere daran ist, dass er einen tragikomischen Ansatz verfolgt, sowohl rein politische als auch wirtschaftliche sowie kulturelle Aspekte einbezieht und dadurch zeigt, dass nicht einmal ein positiver Anlass wie eine Jubiläumsfeier ohne langwierige Abstimmungsprozesse, die schlussendlich im Sande verlaufen, realisiert werden kann. Zusätzlich deutet er an, dass die Zusammenarbeit, die in den Ausschüssen unmöglich erscheint, in dunkeln Ecken bei Behörden, die sich niemals dazu bekennen würden, durchaus real ist. Er verdeutlicht, was die EU sein sollte und was sie tatsächlich ist: Ein schwerfälliger, fußlahmer, störrischer, sabotageanfälliger loser Staatenbund, der den Einheitsgedanken, der in der Asche von Auschwitz geboren wurde, nie verinnerlichte. Das Buch ließ mich nachdenklich und traurig zurück, weil meine Sehnsucht nach einem wahrhaft vereinten Europa sehr stark ist und ich das Gefühl habe, dass wir davon aktuell weiter entfernt sind als je zuvor. Gerade deshalb erkenne ich in „Die Hauptstadt“ eine brillante Analyse, die schonungslos demaskiert und uns daran erinnert, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, wollen wir dafür sorgen, dass eine Tragödie wie Auschwitz wirklich nie wieder geschieht.


Ihr Lieben, wir haben es geschafft. Ich beglückwünsche euch zu eurem beeindruckenden Sitzfleisch, euch mit mir gemeinsam durch volle 12 Lesemonate zu arbeiten. Jetzt bleibt mir nur noch, ein kurzes Fazit zu ziehen, mir darüber klar zu werden, was ich aus 2020 mitnehme und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

Ich nehme aus 2020 viele schöne Erinnerungen an gute Bücher mit und die damit verbundene Erkenntnis, dass ich definitiv kein Problem mit meiner Begeisterungsfähigkeit habe. Die Tatsache, dass ich von 80 gelesenen Büchern lediglich neun unzureichend fand, folglich 71 Büchern eine gute, sehr gute oder sogar fantastische Bewertung ausstellen durfte und darüber hinaus zu den meisten auch eine emotionale Bindung aufbauen konnte, sagt mir, dass ich keineswegs zu streng bin. Ich bin keine Meckertante. Ich habe nur hohe Ansprüche. Ich finde, uns wird häufig vermittelt, für hohe Ansprüche müsse man sich entschuldigen und die Erwartungen gefälligst anpassen, doch ich sehe keine Veranlassung dazu. Wieso sollte ich mich dafür entschuldigen, dass ich das Beste für mich selbst anstrebe und von Literatur erwarte, dass sie mich so gut wie möglich unterhält? Ich bin durchaus fähig, in Büchern, die sich vielleicht nicht für eine Spitzenwertung qualifizieren, positive Aspekte ausfindig zu machen. Gleichermaßen finde ich aber eben auch das sprichwörtliche Haar in der Suppe. Es ist kein charakterlicher Mangel, dass ich so genau hinschaue und exakt benennen kann, was mir an einer Geschichte gefällt und was nicht. Nein, ich glaube, das ist meine große Stärke und der Grund, warum ich Rezensionen schreiben kann, die meinen persönlichen Qualitätsansprüchen genügen. Ich kann nachsichtig sein, ich kann großzügig sein, aber wenn mir etwas auffällt, das man hätte besser machen können, wenn ich feststelle, dass ich gewisse emotionale Hürden überwinden musste oder über Logiklöcher stolperte, werde ich das immer offen mitteilen. Meine wie eure Zeit ist zu kostbar, um sie mit beschönigenden Urteilen über Bücher zu verschwenden, bloß um zu vermeiden, dass ich zu kritisch wirke. Wem es nicht gefällt, ist herzlich eingeladen, an anderer Stelle nach Rezensionen zu stöbern. Und Autor_innen, die sich auf den Schlips getreten fühlen, kann ich nur raten, bessere Bücher zu schreiben, dann gibt es auch bessere Bewertungen.

In diesem Sinne habe ich mir für 2021 vorgenommen, künftig wieder bewusster und aufmerksamer zu lesen. Sicher lag es an meinem chaotischen Privatleben, doch 2020 saß ich zu häufig ratlos vor meinem Notizbuch, ohne zu wissen, wie ich meinem Kopf brauchbare Gedanken entlocken sollte. Ich habe 2020 nicht so reflektiert gelesen, wie ich es von mir selbst erwarte. Ich mache mir deshalb keine Vorwürfe. Ich weiß, dass dieses Jahr mir nicht gerade ideale Voraussetzungen bot, um jede einzelne Lektüre fein säuberlich zu sezieren. Es ist in Ordnung, dass ich 2020 vergleichsweise oft einfach nur konsumierte, denn auch dafür sind Bücher da. Nichtsdestotrotz fehlt mir die intensive Auseinandersetzung mit dem Gelesenen und ich möchte dahin zurückfinden. Falls die Sternevergabe beim Jahresrückblick im nächsten Jahr dadurch wieder etwas durchwachsener ausfällt, nehme ich das gern in Kauf.

Ich freue mich darauf, in den kommenden 12 Monaten herauszufinden, wie sich mein neugestaltetes Leben im Alltag anfühlt und wie es sich auf meine Leseerfahrungen auswirkt. Ich kann es kaum erwarten, mein höchst reflektiertes Bücherhirn zurückzuerobern und möchte unbedingt erleben, ob eine höhere Grundzufriedenheit in meinem Leben auch zu besseren Lektürebewertungen führt. Außerdem hoffe ich natürlich, dass der „Corona-Effekt“ 2021 keine Wiederholung erfährt, denn obwohl ich absolut kein schlechtes Gewissen habe, dass ich 2020 auch mal anderen Freizeitgestaltungsoptionen den Vorzug gab, wünsche ich mir, dass die Pandemie ihren Griff um Deutschland lockert und wir wieder mehr Freiheiten genießen können. Bleibt bloß alle gesund und haltet euch brav an die Beschränkungen, dann dürfen wir dank der neuen Impfstoffe vielleicht bald vorsichtig optimistisch sein.

Ich bin gespannt, was 2021 für mich bereithält, welche Themen mich bewegen werden und ob ich mich erneut in ein inhaltliches Mammutprojekt stürzen werde, weil ich einfach das Gefühl habe, nicht anders zu können. Ich freue mich auch auf die Umgestaltung und den Umzug meines Blogs, denn dieser Schritt ist meiner Meinung nach längst überfällig und ich denke, nach all den Jahren, die ich hier nun schon blogge, haben wir uns alle einen frischen Anstrich redlich verdient. Hach, es wird aufregend und spannend, davon bin ich fest überzeugt.

Ihr seht, ich blicke der Zukunft neugierig entgegen und habe keine Angst. Seit langer Zeit habe ich zum ersten Mal keine Angst. Ich fühle mich so friedlich und im Einklang mit mir selbst wie schon ewig nicht mehr. Ich glaube daran, dass wir Corona unter Kontrolle bekommen, ich glaube daran, dass 2021 ein tolles Jahr wird und ich glaube daran, dass wir gemeinsam jede Schwierigkeit meistern können. Mit einer Community wie der unseren im Rücken – was kann da schon schiefgehen?

Ich danke euch, dass ihr mir 2020 durch eine sehr schwere Zeit geholfen habt, von der ich am Anfang des Jahres noch gar nicht ahnte, dass sie mir bevorsteht. Ich habe nicht geplant, mein Leben umzukrempeln. Das ist einfach passiert. Eure Präsenz, eure lieben Worte, eure Anteilnahme, Scherze, Diskussionen und die Leidenschaft, die wir teilen, halfen mir dabei, meinen Kurs nie aus den Augen zu verlieren. Ihr wart mir ein Anker im Sturm und habt mich geerdet, während ich mich selbst neu erfunden habe. Danke. Von Herzen.

Bevor ich euch nun endlich in ein niegelnagelneues Jahr entlasse, das hoffentlich und ganz bestimmt Unmengen wunderbarer Lesestunden mit hervorragenden Büchern enthält, möchte ich aber noch einen Moment innehalten und eine große Portion Liebe in den Hundehimmel schicken. Hallo, mein Schatz. Schau her. Schau, was ich deinetwegen geschafft habe. Es ist dein Mut, der jetzt in meinem Herzen schlägt, deine fröhliche Furchtlosigkeit. Du bist der Grund, dass ich nicht aufgegeben habe. Warte noch ein bisschen länger auf mich. Wenn wir uns wiedersehen, erzähle ich dir von meinen Abenteuern. Ich liebe dich.

Alles Liebe,
Elli ❤️

Das Kleingedruckte: Bildnachweise
Um die Grafiken für die Infografiken (zum Teil kostenlos) verwenden zu können, habe ich mich bereit erklärt, folgende Links einzubauen und Bildnachweise anzugeben:

Folie 1 (gelesene Bücher & Seiten)
– Bücherwirbel & Trennlinien: Designed by Freepik

Folie 2 (Seitenweise)
– Rahmen: Designed by Freepik
– Origami-Vögel: CharlieNati – stock.adobe.com
– Plaketten: Designed by rawpixel.com / Freepik
– Unterstreichung: Designed by Freepik

Folie 3 (Monatsverteilung)
– Unterstreichung: Designed by Freepik
– Sternzeichenkreis: Designed by macrovector / Freepik
– Mond: Designed by Freepik

Folie 4 (SuB-Abbau)
– Bücherstapel: Tartila – stock.adobe.com
– Einkaufstüte: Natalya Levish – stock.adobe.com
– Münzen: Olena – stock.adobe.com
– Unterstreichung: Designed by Freepik

Folie 5 (Genreverteilung)
– Unterstreichung: Designed by Freepik
– aufgeschlagenes Buch: Tartila – stock.adobe.com
– Doodle Rakete: Designed by Freepik
– Doodle Strichlinien: Designed by Freepik
– Doodle Schwert: Designed by Freepik
– Doodle Mütze, Herz & Sonne: Designed by 0melapics / Freepik
– Doodle Heißluftballon: helen_f – stock.adobe.com
– Doodle Ballons: Designed by macrovector_official / Freepik

Folie 6 (Autor_innen)
– Unterstreichung: Designed by Freepik
– Schreibmaschine: Vector Tradition – stock.adobe.com
– Alphabet: bogadeva1983 – stock.adobe.com

Folie 7 (Sternevergabe)
– Unterstreichung: Designed by Freepik
– Waage: Olena – stock.adobe.com
– Sternchen: Designed by Freepik

Folie 9 (Challenge Fortschritt)
– Unterstreichung: Designed by Freepik
– Checkliste: Designed by macrovector / Freepik
– Taschenuhr: Designed by rawpixel.com / Freepik

 
7 Kommentare

Verfasst von - 19. Januar 2021 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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7 Antworten zu “Jahresrückblick 2020: Ein Buchjahr zwischen Pandemie, radikalen Veränderungen und Wertschätzung

  1. Der Büchernarr

    19. Januar 2021 at 9:36 am

    Hi Elli,

    und da dachte ich, ich schreibe lange Rückblicke – weit gefehlt 😉 Ein interessanter Blick in Dein Lesejahr, auch wenn ich den ein oder anderen Abschnitt quergelesen habe – Du siehst es mir bestimmt nach.

    Auf ein neues Lesejahr und viele Grüße
    Frank

    Gefällt 1 Person

     
  2. _tirilu

    19. Januar 2021 at 10:38 am

    Du hast dir wie immer so viel Arbeit gemacht. Der Rückblick ist toll. Ich habe letztes Jahr mehr gelesen als sonst, muss aber auch sagen, dass das nichts mit dem Lockdown zu tun hatte.
    Ich wünsche dir ein gutes (Lese-)Jahr 2021, Elli, und bin jetzt schon gespannt, wie dein Rückblick dann nächstes Jahr ausschaut. 😉

    Gefällt 2 Personen

     
  3. Horus

    19. Januar 2021 at 4:10 pm

    Toller extensiver und intensiver Überblick. Du machst mich auf so viele Sachen neugierig, dass ich voller Verzweiflung auf den sich daraus ergebenden, noch imaginären SuB schaue.

    Gefällt 1 Person

     
  4. amaunet0101

    19. Januar 2021 at 4:28 pm

    Das war mal wieder toll! Ich weiß, dass du Spaß dabei hast, diese Art von Analyse eines ganzen Jahres in Worte zu fassen. Trotzdem ist es viel Arbeit; deshalb Danke für deine Zeit.

    Weil du das Thema angesprochen hast: Deine Rezensionen sind die besten, also mach so weiter.
    Und ich bin sehr gespannt darauf, wie dein Blog nach dem Neustart aussehen wird.

    LG

    Gefällt 1 Person

     
  5. aleshanee75

    25. Januar 2021 at 8:37 am

    Schönen guten Morgen!

    Heute konnte ich mir endlich Zeit nehmen, deinen ausführlichen Jahresrückblick zu lesen! Das ist wirklich ein mega Projekt muss man schon fast sagen und ich bewundere deine Ausdauer, das alles so explizit aufzulisten!

    Zum Genre „Die flüsternden Seelen“, also ich kenne das Buch nicht, aber alleine vom Klappentext her klingt es nach „fiktivem Roman“ oder „magischem Realismus“. Diese beiden Begriffe hab ich mal irgendwo aufgeschnappt und hab sie sogar selber bei zwei-drei Büchern verwendet. Einfach vom Bauchgefühl heraus, man kann das echt schwer definieren.

    Dass du nicht mehr so an der Zahl der gelesenen Bücher festhängst ist doch super! Ich nehme mir ja auch jedes Jahr eine gewisse Anzahl vor, aber auch eine, die ich erreichen kann *g* So hab ich ein Ziel und damit Motivation und erreiche es eigentlich auch immer. Falls ich es mal nicht erreichen sollte, ist das eben so. Ich hab momentan noch nicht das Verlangen, anderes zu machen als zu lesen – trotz pandemischem Zuhausebleiben … aber das kann sich ja auch noch ändern. Momentan bin ich zum Beispiel motiviert, wieder mehr Sport zu machen. Aus gesundheitlichen Gründen – ich hoffe, dass es klappt ^^

    Welche Reihen ich angefangen, weitergelesen und beendet habe, wollte ich in meine Statistik auch einbringen, habs dann aber auch gelassen. Das war mir zu kompliziert *lach* Vor allem mach ich das alles handschriftlich mehr oder weniger für den Jahresrückblick, da hatte ich dann einfach keine Lust 😀

    „…dass ich mich bemüht habe, das absolut Beste aus meinem Leben herauszuholen. Ich will keine Lebenszeit mehr darauf verschwenden, mich nicht gut zu fühlen.“
    Ein sehr schönes Statement und Resummee für das Jahr 2020. Freut mich sehr, dass du soweit gekommen bist. Zu wenige Menschen beschäftigen sich intensiv mit sich selber, weil es schwierig und Kräfte zehrend ist, umso mehr Respekt, dass du das geschafft hast!

    Von deinen Büchern kenne ich „Die Arena“, fand ich mega gut und „Schweinsgalopp“ – als Pratchett Fan natürlich auch sehr begeisert davon! ❤
    Die KLingenreihe von Joe Abercrombie steht auf meiner Leseliste für dieses Jahr, Band 1 wartet auch schon 😀
    Oh, und der Charakter von Daleina in die Königinnen von Renthia! Im ersten Band mochte ich sie auch noch, das hat aber leider nachgelassen, vor allem im letzten Teil. Ich mag dich jetzt nicht spoilern, aber da fand ich einiges wirklich total überzogen und überhaupt nicht sympathisch…

    Vor allem freut es mich, dass es dir jetzt so gut geht und du positiv auf das neue Jahr blickst. Eine schöne Einstellung ❤ Ich nenne mich ja selber immer einen hoffnungslosen Optimisten *lach* ich denke, das trifft es bei mir am besten xD

    Liebste Grüße, Aleshanee
    Mein Jahresrückblick

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      26. Januar 2021 at 7:46 am

      Huhu,

      ich gehe mit, dass „Die flüsternden Seelen“ wahrscheinlich zum magischen Realismus zählt. Das Problem ist, ich sehe das eher als Subgenre, nicht als Hauptgenre, aber ich weiß nicht, was das Hauptgenre dazu ist. 😀

      Oh, ich drücke die Daumen, dass du es schaffst, Sport fest in deinen Alltag zu integrieren! An welche Sportart hast du denn gedacht? Ich habe festgestellt, dass ich so ein „Ganz oder gar nicht“-Typ bin. Entweder, ich mache jeden Tag etwas oder ich mache es gar nicht. Ohne Routine bin ich verloren. Deshalb stehe ich jeden Morgen auf der Yogamatte und kombiniere das mit drei Mal die Woche joggen. 🙂

      Wie gesagt erschien mir das auch lange zu kompliziert, aber da ich meine Buchdatenbank penibel bei Goodreads führe und es die Möglichkeit gibt, sich daraus eine Excel ausspucken zu lassen, sollte das durchaus machbar sein. Ich habe da nämlich extra Regale für Reihe, Trilogie, abgebrochene Mehrteiler und beendete Mehrteiler. Das heißt, die Infos habe ich schon, ich muss sie nur noch von Excel auseinander rechnen lassen. 😉

      Selbstreflexion ist mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, weil ich eine Vorgeschichte mit Depressionen habe und vermeiden will, wieder in dieses Loch zu stürzen, nur, weil ich nicht auf mich geachtet habe. 🙂

      Keine Sorge, du spoilerst nicht, weil ich die Trilogie 2020 komplett gelesen habe. Ich müsste jetzt in meine Notizen schauen, ob sich mein Eindruck von Daleina verändert hat, ich bin mir aber sicher, dass ich den ersten Band auch am stärksten fand.

      Warum auch nicht, nach einem Jahr Pandemie, was soll schon noch kommen? 😉 Wir sind zusammen optimistisch! 😀

      Liebe Grüße,
      Elli

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      • aleshanee75

        26. Januar 2021 at 9:26 am

        Ah, ok, ja das sehe ich natürlich auch als SuB-Genre, bei den Büchern, die ich dazu kenne und zähle, würde ich sie tatsächlich schlicht als „Roman“ einordnen. Eben mit phantastischen Elementen, aber nicht Fantasy.
        Aber das ist oft ein Streitpunkt mit den Genres, da hab ich schon so viele unterschiedliche Meinungen gehört, auch was Science Fiction, Dystopien und Fantasy betrifft, ich weiß nicht, ob es da DIE EINE endgültige Lösung gibt … hauptsache, man findet für sich selber eine 😉

        Ich fang langsam an mit dem Sport – 10 min Aufwärmen, Dehnübungen, ein paar für den Bauch und dann für Rücken- und Nackenmuskeln. Insgesamt ca. eine halbe Stunde. Das reicht erstmal für den Anfang. Wenns wieder schöner wird kommt ein Fußmarsch dazu 😀

        Bei goodreads bin ich auch, aber so akribisch hab ich das dort nicht eingeteilt.

        Ah ok, na Daleina war doch im letzten Band so eine extrem nervige Hubschrauber – Mutter O.O Das war echt nicht mehr schön zu lesen, fand ich, da hat sie mich extrem aufgeregt ^^

        Hm, also es kann schon noch einiges auf uns zukommen, ich hab da schon einiges im Hinterkopf, was mir Bauchschmerzen macht … aber ändern kann ich es eh nicht, also mach ich das beste draus. Und lenke mich mit lesen ab, viel anderes bleibt mir ja nicht übrig.

        Ich hab da so ein kleines optimistisches Wesen in mir, wo immer es auch herkommt, dass ich immer, wenn ich in ein Loch zu fallen drohe, es mich irgendwo erwischt und wieder rauszieht. Zum Glück. Und ich bin ein Meister im Verdrängen – wobei das natürlich ein Bumerang ist, aber ich verarbeite nach und nach und es wird besser.Das ist ja die Hauptsache 🙂

        Liebste Grüße, Aleshanee

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