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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Chronologien

28 Okt

Ordnung in Robert E. Howards Geschichten zu bringen und besonders Conan in einer schlüssigen Chronologie zu organisieren, ist aus verschiedenen Gründen fordernd und kompliziert. Aspekte wie Reihenfolge oder Kohärenz hatten für Robert als Pulp-Autor keine Priorität, weil er wahrscheinlich gar nicht damit rechnete, dass irgendjemand versuchen könnte, seine Conan-Erzählungen zusammenhängend am Stück zu lesen. Pulp Magazine erschienen meist monatlich oder mit größeren Zeitabständen und veröffentlichten ausschließlich abgeschlossene Geschichten. Jede Ausgabe bot den Leser_innen neue literarische Abenteuer, die vielleicht wiederkehrende Figuren enthielten, grundsätzlich aber selten intensive Verbindungen zu früheren Publikationen herstellten. Daher konnte sich Robert vermutlich nicht vorstellen, dass seine Beiträge eines Tages, lange nach dem qualvollen Tod des Pulp Marktes, zusammengetragen und gebündelt veröffentlicht werden würden und gab sich keine Mühe, eine offensichtliche Chronologie einzuarbeiten.

Außerdem muss sein schriftstellerisches Konzept für Conan in Betracht gezogen werden. Er hatte gar nicht vor, Conan eine abgeschlossene, lückenlose Biografie auf den Leib zu schneidern. Für ihn gab es im Werdegang des Cimmeriers lediglich drei feste, nicht verhandelbare Säulen, die er in den ersten drei Geschichten „The Phoenix on the Sword“, „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“ definierte: Conan sollte gegen Ende seines Lebens König von Aquilonia sein, er sollte bereits sehr früh in seiner Karriere mit dem Übernatürlichen in Kontakt treten und er sollte als Barbar von dem Moment an, da er mit ihr konfrontiert wurde, in permanentem Konflikt mit der angeblichen Zivilisation stehen. Alle Stationen, die Conan zwischen diesen Stützpfeilern absolviert, waren Roberts persönliche schriftstellerische Spielwiese. Durch den Verzicht auf eine konkret umrissene Biografie gestattete er sich selbst maximalen Freiraum und konnte sich nach Lust und Laune Abenteuer einfallen lassen, da er nicht gezwungen war, zeitliche oder geografische Logik herzustellen. Die Schlüsselphrase lautet „Irgendwann in seinem Leben“. Conan konnte als Söldner, Dieb, Pirat, Rebellenführer, Soldat und König quer durch das hyborische Zeitalter ziehen, weil Robert nur andeutungsweise festlegte, wann er wo welche Position einnahm. Er war in der Lage, ihm jede Rolle zuzuschreiben, weil niemand beweisen kann, dass Conan aufgrund temporärer oder räumlicher Beschränkungen keine Gelegenheit hätte, eine oder mehrere davon zu erfüllen. Selbst wenn er ihn als Koch, Henker oder Schmied hätte inszenieren wollen, wäre das prinzipiell möglich gewesen.

Meiner Meinung nach war diese Unverbindlichkeit ein brillanter Schachzug, der die Darstellung von Conan als fleischgewordenem Mythos optimal unterstützt. Lesen wir heute über legendäre Figuren der Historie, akzeptieren wir vorbehaltlos, dass unter Umständen nicht alle Fakten überliefert oder belegt sind und einige ziemlich fantastisch anmuten. Wir können zum Beispiel anhand weniger, unbewiesener Anekdoten nur vermuten, wie Alexander der Große seine Jugend verbrachte. Conan ist mit derselben Einstellung zu behandeln. Roberts Geschichten sollten mündlichen Überlieferungen ähneln, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch auf inhaltlichen Wahrheitsgehalt erhoben. Kämpfte Conan tatsächlich gegen einen Affenmenschen? Wer weiß. War er vor seiner Eroberung des Throns von Aquilonia zuletzt als Söldner unterwegs? Vielleicht. Die Unkenntnis der genauen Abläufe unterstreicht seinen mythischen Status und ich bin mir absolut sicher, dass Robert das beabsichtigte. Es ist bezeichnend, dass beispielsweise keine Geschichten existieren, die beschreiben, wie und wann Conan König wurde oder er seine Diebeslaufbahn einschlug.

Es muss Robert amüsiert haben, als Conan-Fans begonnen, den Lebensweg des Barbaren anhand der spärlichen Hinweise in seinen Geschichten nachzuzeichnen. Den Anfang dieser Bemühungen erlebte er nämlich noch mit; der erste Vorschlag für eine Chronologie wurde bereits 1936 von den beiden Science-Fiction-Autoren P. Schuyler Miller und John D. Clark in dem Essay „A Probable Outline of Conan’s Career“ vorgelegt, die ihn Robert vor seinem Tod zur Korrektur schickten. Nachdem sich Conan als Franchise etablierte und über die Jahrzehnte immer mehr Erweiterungen der Saga erschienen (unter anderem natürlich von L. Sprague de Camp), wurde die Chronologie zunehmend kompliziert, weil auch andere Schriftsteller_innen den gewaltigen inhaltlichen Spielraum seiner diffusen Biografie für sich nutzten, um ihre eigenen Adaptionen zu ergänzen. Soweit ich weiß, hielten sich alle an die grundlegenden Eckpunkte seines Lebens und Charakters – beispielsweise hat wohl nie jemand versucht, aus Conan einen Koch zu machen – aber innerhalb dieses Rahmens schrieben sie zahlreiche Abenteuer. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, zumindest die wichtigsten und populärsten Neuveröffentlichungen in die Chronologie zu integrieren, was wiederum zu einer Revision der Version von Schuyler Miller und Clark sowie zu gänzlich neuen Vorschlägen führte. Bis heute gibt es allerdings keine Chronologie, die jede einzelne Conan-Geschichte (Original und Franchise) sinnvoll berücksichtigt.

Die Energie, die Fans investierten, um Conans Stationen in einer logischen Ereigniskette zu organisieren, ist außergewöhnlich. Ihr müsst euch bewusst machen, dass dies mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist: die Basis mussten zwangsläufig Roberts originale Texte bilden, die penibel auf mehr oder weniger aussagekräftige, versteckte Details durchsucht wurden, um sie in Relation zueinander zu setzen. Das ist alles andere als einfach, wenn der Autor absichtlich vermied, konkret zu werden, seine Geschichten unsortiert schrieb und diese darüber hinaus auch noch wild durcheinander veröffentlicht wurden. Nach Roberts Tod wurden in seinem Vermächtnis Geschichten entdeckt, die er nie verkaufen konnte und die dann ebenfalls integriert werden mussten. Die Chronologien, die neben Roberts ursprünglichen Erzählungen Neuerscheinungen enthalten, mussten diese zusätzlich unterbringen. Kurz: das gesamte Material, das um Conan herum existiert, ist ein unübersichtliches Chaos und dieses zu ordnen, ist definitiv keine Kleinigkeit. Kennt ihr die Anekdote, dass Wirtschaftsstudent_innen einer US-amerikanischen Universität errechneten, dass der Bau eines Todessterns aus den „Star Wars“-Filmen aufgrund der benötigten Menge Stahl das 13.000-fache des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten und 800.000 Jahre dauern würde? Das Erstellen einer Conan-Chronologie ist vermutlich ähnlich nerdig und aufwendig wie diese Berechnung und die Anstrengungen, die dafür unternommen wurden, gehen – wie der Wikipedia-Artikel zu den Chronologien bemerkt – weit über das normale Maß an Fanaktivität hinaus, was dazu führte, dass sich Conan abseits der Geschichten zu einem unabhängigen Diskussionsgegenstand entwickelte.

Deshalb ist die Entscheidung für eine Chronologie bzw. eine Lesereihenfolge keineswegs trivial, sondern trifft eine Aussage darüber, wie man Robert E. Howard und Conan betrachtet, wovon wiederum abhängt, wie man die Lektüre fokussieren will. Wie Edward A. Waterman, der die Website The Barbarian Keep betreibt und sicher als Howard-Experte bezeichnet werden kann, beeindruckend klug bemerkt, kommt es ganz darauf an, ob man sich auf den Charakter konzentrieren möchte oder auf den Autor und sein Werk. Wer sich ausschließlich für Conan interessiert, kann eine Chronologie als hilfreich erachten, weil sie dessen Lebensweg in den Mittelpunkt stellt. Wer hingegen nachvollziehen möchte, wie Robert Conan entwickelte, wie dessen Figur wuchs und Robert seine Formel für Weird Tales entschlüsselte, ist mit der Entstehungsreihenfolge besser beraten.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Frage, ob man das zusätzliche Material, das nicht von Robert stammt, als legitim anerkennt und in die eigene Lektüre aufnehmen will. Für euch bedeutet das, ihr solltet euch vorher überlegen, ob ihr euch auf die originale Reihe beschränken möchtet oder nicht.

Ich werde euch heute neben der Entstehungsreihenfolge der originalen Geschichten sechs verschiedene Chronologien vorstellen, nach denen ihr Conan lesen könnt – drei, die ausschließlich auf Roberts Erzählungen basieren und drei, die Ergänzungen anderer Autor_innen einbeziehen. Da wir viele der ursprünglichen Abenteuer besprochen haben, solltet ihr über einen groben Überblick der wichtigsten Erlebnisse des Barbaren verfügen und einschätzen können, welche Reihenfolge eurer Meinung nach die sinnvollste ist.

Entstehungsreihenfolge der Conan-Geschichten nach Mark Finn (inklusive „Cimmeria“ und „The Hyborian Age“)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Anmerkung

1

„Cimmeria”

 

„Cimmerien“

Gedicht

2

„The Phoenix on the Sword“

 

„Im Zeichen des Phönix“

3

„The Frost-Giant’s Daughter”

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“

4

„The God in the Bowl”

 

„Der Gott in der Schale“

5

„The Hyborian Age“

 

„Das hyborische Zeitalter“

Essay

6

„The Tower of the Elephant“

 

„Der Turm des Elefanten“

7

„The Scarlet Citadel“

 

„Die scharlachrote Zitadelle“

8

„Queen of the Black Coast“

 

„Die Königin der Schwarzen Küste“

9

„Black Colossus“

 

„Natohk, der Zauberer“

10

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon“

„Schatten im Mondlicht“

11

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

12

„The Pool of the Black One“

 

„Der Teich der Riesen“

13

„Rogues in the House“

 

„Der Rote Priester“

14

„The Vale of Lost Women“

 

„Das Tal der verlorenen Frauen“

15

„The Devil in Iron“

 

„Der Eiserne Teufel“

16

„The People of the Black Circle“

 

„Der Schwarze Kreis“

17

„The Hour of the Dragon“

 

„Die Stunde des Drachen“

Roman

18

„A Witch Shall Be Born“

 

„Salome, die Hexe“

19

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

20

„Beyond the Black River“

 

„Jenseits des Schwarzen Flusses“

21

„The Black Stranger“

 

„Der Schwarze Fremde“

22

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

23

„Red Nails“

 

„Aus den Katakomben“

Entstehungsreihenfolge der originalen Conan-Geschichten nach Mark Finn als PDF (zum Download)

Die erste Chronologie, die für die Conan-Geschichten vorgeschlagen wurde, stammt von den beiden Science-Fiction-Autoren P. Schuyler Miller und John D. Clark. Die ursprüngliche Version ihres Essays erstellten sie 1936, als Robert E. Howard noch am Leben war und bezogen sich demzufolge ausschließlich auf die Erzählungen, die in Weird Tales erschienen waren. Sie konnten damals ja nicht wissen, dass in Roberts „Trunk“ weitere, unveröffentlichte Geschichten lagerten. Ihren Entwurf schickten sie Robert zur Korrektur, der kleinere Änderungen vornahm und sich mit ihrer Reihenfolge grundsätzlich einverstanden erklärte. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass er in seinem Urteil recht großzügig war, weil er sich geschmeichelt fühlte, dass sich jemand die Mühe machte, Conan zu sortieren, was durch sein Antwortschreiben an Miller vom März 1936 belegt ist. Dieser Brief ist sowohl in den englischen Del Rey- als auch in den deutschen Festa-Ausgaben der Conan-Reihe enthalten; man kann ihn aber auch auf Edward A. Watermans Website The Barbarian Keep nachlesen. Ich empfehle die Lektüre dringend, weil Robert darin einige interessante Aussagen zu Conans Wurzeln und seiner Karriere trifft, die über die Fakten in seinen Geschichten hinausgehen.

Ich muss davor warnen, seine höfliche Zustimmung als eine Art legitimierenden Richterspruch zu bewerten. Tatsächlich schrieb Robert kein einziges Mal, dass Millers und Clarks Chronologie das Nonplusultra oder vollkommen korrekt ist. Er nutzte Formulierungen, die recht viel Interpretationsspielraum zulassen und im Grunde aussagten „Ihr seid dicht dran“, was jedoch keinesfalls dasselbe ist wie „Ihr liegt richtig“. Auch genehmigte Robert niemals die Publikation der Chronologie – dazu hatte er wahrscheinlich keine Gelegenheit mehr, weil er sich am 11. Juni 1936 erschoss. Es ist reine Spekulation, ob er sie genehmigt hätte.

„A Probable Outline of Conan’s Career“ wurde 1938 erstmals in dem Fanzine „The Hyborian Age” publiziert. Eine Abschrift des originalen Manuskripts kann ebenfalls auf The Barbarian Keep eingesehen werden. Nach Roberts Tod überarbeiteten Miller und Clark ihre Chronologie mehrfach, um die vormals unveröffentlichten Geschichten zu integrieren. Ich zeige euch eine Version, die alle originalen 21 Geschichten enthält. Ich möchte betonen, dass ich diese selbst erstellt habe; ich weiß nicht, ob sie jemals so veröffentlicht wurde, aber um euch eine Hilfestellung zur Lektüre aller Originalgeschichten ohne die späteren Franchise-Ausgaben zu geben, war es notwendig, eine Variante herzuleiten, die irgendwo zwischen der ersten und finalen Revision angesiedelt ist.

Chronologie nach Miller & Clark (1938)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Anmerkung

1

„The Tower of the Elephant”

 

„Der Turm des Elefanten“

2

„The God in the Bowl”

 

„Der Gott in der Schale“

3

„Rogues in the House“

 

„Der Rote Priester“

4

„The Frost-Giant’s Daughter“

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“

5

„Queen of the Black Coast“

 

„Die Königin der Schwarzen Küste“

6

„The Vale of Lost Women“

 

„Das Tal der verlorenen Frauen“

7

„Black Colossus“

 

„Natohk, der Zauberer“

8

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon“

„Schatten im Mondlicht“

9

„A Witch Shall Be Born“

 

„Salome, die Hexe“

10

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

11

„The Devil in Iron“

 

„Der Eiserne Teufel“

12

„The People of the Black Circle“

 

„Der Schwarze Kreis“

13

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

14

„The Pool of the Black One“

 

„Der Teich der Riesen“

15

„Red Nails“

 

„Aus den Katakomben“

16

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

17

„Beyond the Black River“

 

„Jenseits des Schwarzen Flusses“

18

„The Black Stranger“

 

„Der Schwarze Fremde“

19

„The Phoenix on the Sword”

 

„Im Zeichen des Phönix“

20

„The Scarlet Citadel“

 

„Die scharlachrote Zitadelle“

21

„The Hour of the Dragon”

 

„Die Stunde des Drachen“

Roman

Conan-Chronologie nach Miller & Clark als PDF (zum Download)

Miller und Clark reagierten stets gewissenhaft auf alle neuen Entwicklungen im Conan-Kosmos und integrierten Stück für Stück alle entdeckten unveröffentlichten Conan-Geschichten sowie auch viele der neuerschienen Franchise-Ausgaben in ihre Chronologie. In den 1950er Jahren übernahm L. Sprague de Camp die Rolle von P. Schuyler Miller, nachdem John D. Clark von Gnome Press engagiert worden war, um die Veröffentlichung ihrer Hardcover-Ausgaben zu unterstützen. Warum Miller ausmanövriert wurde oder zumindest nicht mehr in die folgenden Revisionen involviert war, konnte ich nicht herausfinden. Möglicherweise ordneten sich seine Prioritäten neu, als er 1952 den Arbeitgeber wechselte.

Die Überarbeitungen von De Camp und Clark bildeten in den kommenden Jahrzehnten die Basis für die wichtigsten Conan-Veröffentlichungen. Sowohl die Gnome Press-Ausgaben als auch die Lancer- bzw. Ace-Ausgaben und die Bantam-Ausgaben bezogen sich auf die verschiedenen Stadien ihrer Revisionen und druckten Auszüge aus dem Essay, das nun als „An Informal Biography of Conan the Cimmerian“ betitelt war, um Lücken zwischen den Geschichten zu schließen. Es sollte jedoch nicht verschwiegen werden, dass die Chronologie ab den 1980er Jahren kritisiert wurde, weil innerhalb der originalen Geschichten von Robert inhärente Hinweise auffielen, die eine abweichende Reihenfolge implizieren und später entdeckte Erzählungen überarbeitet wurden, um die Chronologie zu bestätigen (Ratet mal, von wem). Wikipedia verweist hier auf den außergewöhnlichen Fall von „The Black Stranger“, die Robert erst in die Black Vulmea – Geschichte „Swords of the Red Brotherhood“ umschrieb, als er sie nicht verkaufen konnte und die L. Sprague de Camp dann für die Gnome Press-Ausgaben erneut in die Conan-Geschichte „The Treasure of Tranicos“ umwandelte.

Die finale Version „Conan the Indestructable“ von 1984 (veröffentlicht 1986), die ich euch vorstellen möchte, beanspruchte L. Sprague de Camp für sich allein. Edward A. Waterman bemerkt, dass sich de Camp wieder einmal mit fragwürdigen Mitteln ins Rampenlicht drängelte, denn obwohl er behauptete, „Conan the Indestructable“ sei allein sein Werk und die Namen von Miller und Clark aus der Autorenzeile entfernte, konnte er nicht verschleiern, dass große Teile seines Essays schlicht von den früheren Versionen abgeschrieben waren. Er änderte die Chronologie jedoch grundlegend, indem er die Bücher zu den beiden Conan-Filmen „Conan the Barbarian“ und „Conan the Destroyer“ aufnahm und sie als „offizielle“ alternative Darstellung von Conans früher Karriere anerkannte. Doch wie wir mittlerweile wissen, schaffte es de Camp trotz solcher offensichtlicher Schnitzer immer, sich durchzumogeln. „Conan the Indestructable“ wurde später von Conan Properties, Inc. als „einzig wahre“ Chronologie akzeptiert, die alle Ergänzungen im Rahmen des Franchise berücksichtigen müssen. Keine neue Geschichte darf den bereits erschienenen hinsichtlich Conans Lebensweg widersprechen.

Ich habe die Auflistung, wie sie bei Wikipedia verzeichnet ist, um ein paar zusätzliche Informationen ergänzt. Wenn möglich, habe ich Alternativtitel sowie die deutschen Titel angegeben, für den Fall, dass ihr euch auf die Jagd nach diesen Geschichten begeben möchtet und auf die deutschen Übersetzungen angewiesen seid. Leider konnte ich nicht für alle Franchise-Erzählungen deutsche Titel ausgraben, was einerseits daran liegt, dass diese heute längst nicht mehr verlegt werden und andererseits, dass offenbar nicht alle auf dem deutschen Buchmarkt erschienen sind, was ich allerdings nur vermuten kann. Es ist erstaunlich schwer, online umfassende, verlässliche Quellen zu so alten Veröffentlichungen zu finden, obwohl man sie über den Antiquariatshandel durchaus kaufen kann. Vielleicht habe ich mich auch dumm angestellt, ich weiß es nicht. Aus dieser Recherche muss ich außerdem schlussfolgern, dass es weitere Franchise-Geschichten gibt, die nicht in die Chronologie aufgenommen wurden, aus welchen Gründen auch immer (Ja, es gibt noch mehr).
Darüber hinaus habe ich die Autor_innen aller ergänzenden Geschichten verzeichnet und vermerkt, wenn eine Geschichte auf Material von Robert basiert, zum Beispiel bei beendeten Fragmenten. Das Ergebnis seht ihr hier (zum Ausklappen):

Chronologie nach Miller, Clark & de Camp (1984)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Autor_innen (falls nicht Robert E. Howard)

Anmerkung

1

„Legions of the Dead“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

2

Conan the Barbarian”

 

„Conan der Barbar“

L. Sprague de Camp, Catherine Cook de Camp & Lin Carter

Roman zum Film

3

„The Thing in the Crypt”

 

„Begegnung in der Gruft“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

4

„The Tower of the Elephant”

 

„Der Turm des Elefanten“

5

Conan the Destroyer”

 

„Conan der Zerstörer“

Robert Jordan

Roman zum Film

6

Conan the Magnificent”

 

„Conan der Prächtige“

Robert Jordan

Roman

7

Conan the Invincible”

 

„Conan der Unbesiegbare“

Robert Jordan

Roman

8

„The Hall of the Dead“

 

„Im Saal der Toten“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

9

„The God in the Bowl”

 

„Der Gott in der Schale“

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

10

„Rogues in the House“

 

„Der Rote Priester“

11

Conan and the Sorcerer”

 

„Conan und der Zauberer“

Andrew J. Offutt

Roman

12

Conan the Mercenary”

 

„Conan der Söldner“

Andrew J. Offutt

Roman

13

The Sword of Skelos”

 

„Conan und das Schwert von Skelos“

Andrew J. Offutt

Roman

14

Conan the Victorious”

 

„Conan der Glorreiche“

Robert Jordan

Roman

15

Conan the Unconquered”

 

„Conan der Unüberwindliche“

Robert Jordan

Roman

16

„The Hand of Nergal“

 

„Nergals Hand“

Fragment, beendet von Lin Carter

17

The City of Skulls”

 

„Die Stadt der Schädel“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

18

„The People of the Summit”

 

 

Björn Nyberg

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

19

„The Curse of the Monolith”

„Conan and the Cenotaph“

„Der Fluch des Monoliths“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

20

„Conan and the Spider God”

 

„Conan und der Spinnengott“

L. Sprague de Camp

Roman

21

The Blood-Stained God”

 

„Der blutbefleckte Gott“

L. Sprague de Camp

Ehemals „The Curse of the Crimson God”, ein Kirby O’Donnell-Abenteuer von Robert E. Howard

22

„The Frost-Giant’s Daughter“

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“ ODER

„Die Tochter des Frostriesen“

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

23

„The Lair of the Ice Worm”

 

„Die Eisraupe“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

24

„Conan the Defender”

 

„Conan der Verteidiger“

Robert Jordan

Roman

25

„Conan the Triumphant”

 

„Conan der Siegreiche“

Robert Jordan

Roman

26

„Queen of the Black Coast“, Part 1

 

„Die Königin der Schwarzen Küste“

27

„Conan the Rebel”

 

„Conan der Rebell“

Poul Anderson

Roman, zwischen Kapitel 1 & 2 von „Queen of the Black Coast“

28

„Queen of the Black Coast“, Part 2

 

„Die Königin der Schwarzen Küste“

29

„The Vale of Lost Women“

 

„Das Tal der verlorenen Frauen“

30

„The Castle of Terror”

 

„Die Ruine des Schreckens“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

31

„The Snout in the Dark”

 

„Dämon aus der Nacht“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp & Lin Carter

32

„Hawks over Shem”

 

„Der wahnsinnige König“

L. Sprague de Camp

Ehemals „Hawks over Egypt“ von Robert E. Howard

33

„The Road of Kings“

 

„Conan und die Straße der Könige“

Karl Edward Wagner

Roman

34

„Black Colossus“

 

„Natohk, der Zauberer“

35

„Shadows in the Dark“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

36

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon“

„Schatten im Mondlicht“

37

„The Road of the Eagles”

 

„Die Straße der Adler“

L. Sprague de Camp

38

„A Witch Shall Be Born“

 

„Salome, die Hexe“

39

„Black Tears“

 

„Das Schwarze Auge“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

40

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

41

„The Star of Khorala“

 

 

L. Sprague de Camp & Björn Nyberg

42

„The Devil in Iron“

 

„Der Eiserne Teufel“

43

„The Flame Knife“

 

„Der Flammendolch“

L. Sprague de Camp

Ehemals „Three-Bladed Doom“, ein El Borak-Abenteuer von Robert E. Howard

44

„The People of the Black Circle“

 

„Der Schwarze Kreis“

45

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

46

„Drums of Tombalku“

 

„Die Trommeln von Tombalku“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

47

„The Gem in the Tower”

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

48

„The Pool of the Black One“

 

„Der Teich der Riesen“

49

„Conan the Buccaneer”

 

„Conan der Bukanier“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

50

„Red Nails“

 

„Aus den Katakomben“

51

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

52

„The Ivory Goddess“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

53

„Beyond the Black River“

 

„Jenseits des Schwarzen Flusses“

54

„Moon of Blood“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

55

„The Black Stranger“

„The Treasure of Tranicos“

„Der Schwarze Fremde“ ODER

„Der Schatz des Tranicos“

Von Robert E. Howard in Black Vulmea-Abenteuer „Swords of the Red Brotherhood”, dann von L. Sprague de Camp in Conan-Abenteuer „The Treasure of Tranicos” umgeschrieben

56

„Wolves Beyond the Border“

 

„Wölfe jenseits der Grenze“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

57

„Conan the Liberator“

 

„Conan der Befreier“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

58

„The Phoenix on the Sword”

 

„Im Zeichen des Phönix“

59

„The Scarlet Citadel“

 

„Die scharlachrote Zitadelle“

60

„The Hour of the Dragon”

„Conan the Conqueror“

„Die Stunde des Drachen“

Roman

61

„Conan the Avenger“

„The Return of Conan“

„Conan der Rächer“

L. Sprague de Camp & Björn Nyberg

Roman

62

„The Witch of the Mists”

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

63

„Black Sphinx of Nebthu“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

64

„Red Moon of Zembabwei“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

65

„Shadows in the Skull“

 

 

L. Sprague de Camp & Lin Carter

66

„Conan of the Isles“ 

 

„Conan von den Inseln“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

Conan-Chronologie nach Miller, Clark & de Camp als PDF (zum Download)

Der Name Robert Jordan sollte euch an diesem Punkt der Beitragsreihe bereits geläufig sein. Der Fantasy-Schriftsteller, der heutzutage hauptsächlich für seine Saga „Das Rad der Zeit“ bekannt ist, wird häufig in einem Atemzug mit Größen wie Tad Williams oder George R.R. Martin genannt. Doch bevor er seine eigenen Geschichten schrieb, schrieb er Conan. In der Chronologie nach Miller, Clark und de Camp von 1984 taucht er als Autor diverser Franchise-Erzählungen auf und ich bestätige euch, der Mann war fleißig. Was ihn bewegte, 1987 selbst den Versuch einer Conan-Chronologie zu wagen, kann ich leider nur mutmaßen. Möglicherweise war er mit einigen Details der Miller/Clark/de Camp – Reihenfolge nicht einverstanden oder hatte das Gefühl, dass sie drei Jahre später nicht mehr aktuell war. Jordan, der 2007 im Alter von 58 Jahren verstarb, äußerte sich kaum zu seiner Chronologie und erklärte demzufolge auch nicht, wieso er einige Geschichten anders platzierte als seine Kollegen.

„A Conan Chronology“ erschien erstmals in dem Conan-Roman „Conan the Defiant“ von Steve Perry. Man will es kaum glauben, aber das gute Stück ist tatsächlich noch umfangreicher als die Variante von Miller, Clark und de Camp. Sie enthält über 70 Geschichten, weil sie später erstellt wurde und Jordan auch die bis dahin erschienenen Franchise-Ausgaben des Verlags Tor integrierte. Edward A. Waterman schreibt auf The Barbarian Keep, dass Jordan sich mit der Reihenfolge nicht immer sicher war und ein paar Erzählungen deshalb mehrfach mit unterschiedlichen Zeitangaben einsortierte. Er belegt diese Aussage unglücklicherweise nicht, sodass ich nicht nachvollziehen kann, ob sie stimmt. Alle Abschriften der Jordan-Chronologie, die ich gesichtet habe, enthalten jede Geschichte nur je einmal. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Wikipedia eine minimal andere Reihenfolge vermerkt als Waterman, was eine Folge dessen sein könnte. Eine andere mögliche Erklärung verbirgt sich im Quellenmaterial, denn während sich der Wikipedia-Artikel auf „A Conan Chronology“ wie sie in „Conan the Defiant“ erschien bezieht, basiert Watermans Tabelle auf einer Adaption der Chronologie für ein Conan-Rollenspiel. Das könnte ebenso der Grund dafür sein, dass Jordan laut Wikipedia den Roman „Conan the Valorous“ von John Maddox Roberts ausließ, dieser bei Waterman aber durchaus auftaucht. Im Namen der Vollständigkeit habe mich entschieden, ihn hier mit anzugeben.

Erneut habe ich wenn möglich zusätzliche Informationen ergänzt, die euch helfen sollen, euch im Dschungel des Conan-Franchise zurechtzufinden (wieder zum Ausklappen).

Chronologie nach Robert Jordan (1987)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Autor_innen (falls nicht Robert E. Howard)

Anmerkung

1

„Legions of the Dead“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

2

„The Thing in the Crypt“

„Begegnung in der Gruft“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

3

„Conan the Defiant“

„Conan der Herausforderer“

Steve Perry

Roman

4

„The Tower of the Elephant“

„Der Turm des Elefanten“

5

„Conan and the Sorcerer“

„Conan und der Zauberer“

Andrew J. Offutt

Roman

6

„Conan the Mercenary“

„Conan der Söldner“

Andrew J. Offutt

Roman

7

„The Sword of Skelos“

„Conan und das Schwert von Skelos“

Andrew J. Offutt

Roman

8

„Conan the Destroyer“

„Conan der Zerstörer“

Robert Jordan

Roman zum Film

9

„Conan the Magnificent“

„Conan der Prächtige“

Robert Jordan

Roman

10

„Conan the Invincible“

„Conan der Unbesiegbare“

Robert Jordan

Roman

11

„The Hall of the Dead“

„Im Saal der Toten“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

12

„Conan the Fearless“

„Conan der Furchtlose“

Steve Perry

Roman

13

„The God in the Bowl”

„Der Gott in der Schale“

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

14

„Conan the Warlord“

„Conan der Kriegsherr“

Leonard Carpenter

Roman

15

„Conan the Champion“

„Conan der Champion“

John Maddox Roberts

Roman

16

„Rogues in the House“

„Der Rote Priester“

17

„Conan the Victorious“

„Conan der Glorreiche“

Robert Jordan

Roman

18

„Conan the Unconquered“

„Conan der Unüberwindliche“

Robert Jordan

Roman

19

„The Hand of Nergal“

„Nergals Hand“

Fragment, beendet von Lin Carter

20

„The City of Skulls“

„Die Stadt der Schädel“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

21

„The People of the Summit”

Björn Nyberg

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

22

„The Curse of the Monolith”

„Conan and the Cenotaph“

„Der Fluch des Monoliths“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

23

„Conan the Valiant“

„Conan der Wagemutige“

Roland Green

Roman

24

„The Blood-Stained God“

„Der blutbefleckte Gott“

L. Sprague de Camp

Ehemals „The Curse of the Crimson God”, ein Kirby O’Donnell-Abenteuer von Robert E. Howard

25

„Conan the Valorous“

 

„Conan der Tapfere“

John Maddox Roberts

26

„The Frost-Giant’s Daughter“

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“ ODER

„Die Tochter des Frostriesen“

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

27

„The Lair of the Ice Worm”

„Die Eisraupe“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

28

„Conan and the Spider God”

„Conan und der Spinnengott“

L. Sprague de Camp

Roman

29

„Conan the Defender“

„Conan der Verteidiger“

Robert Jordan

Roman

30

„The Road of Kings“

„Conan und die Straße der Könige“

Karl Edward Wagner

Roman

31

„Conan the Triumphant“

„Conan der Siegreiche“

Robert Jordan

Roman

32

„Queen of the Black Coast”, Part 1

„Die Königin der Schwarzen Küste“

33

„Conan the Rebel“

„Conan der Rebell“

Poul Anderson

Roman, zwischen Kapitel 1 & 2 von „Queen of the Black Coast“

34

„Queen of the Black Coast”, Part 2

„Die Königin der Schwarzen Küste“

35

„The Vale of Lost Women”

„Das Tal der verlorenen Frauen“

36

„The Castle of Terror”

„Die Ruine des Schreckens“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

37

„The Snout in the Dark”

„Dämon aus der Nacht“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp & Lin Carter

38

„Hawks over Shem”

„Der wahnsinnige König“

L. Sprague de Camp

Ehemals „Hawks over Egypt“ von Robert E. Howard

39

„Black Colossus“

„Natohk, der Zauberer“

40

„Shadows in the Dark“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

41

„Conan the Renegade“

„Conan der Renegat“

Leonard Carpenter

Roman

42

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon“

„Schatten im Mondlicht“

43

„The Road of the Eagles“

„Die Straße der Adler“

L. Sprague de Camp

44

„A Witch Shall Be Born“

„Salome, die Hexe“

45

„Black Tears“

„Das Schwarze Auge“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

46

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

47

„Conan the Raider“

„Conan der Angreifer“

Leonard Carpenter

Roman

48

„The Star of Khorala“

L. Sprague de Camp & Björn Nyberg

49

„The Devil in Iron“

„Der Eiserne Teufel“

50

„The Flame Knife“

„Der Flammendolch“

L. Sprague de Camp

Ehemals „Three-Bladed Doom“, ein El Borak-Abenteuer von Robert E. Howard

51

„The People of the Black Circle“

„Der Schwarze Kreis“

52

„Conan the Marauder“

„Conan der Marodeur“

John Maddox Roberts

Roman

53

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

54

„Drums of Tombalku“

„Die Trommeln von Tombalku“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

55

„The Gem in the Tower“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

56

„The Pool oft he Black One“

„Der Teich der Riesen“

57

„Conan the Buccaneer“

„Conan der Bukanier“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

58

„Red Nails“

„Aus den Katakomben“

59

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

60

„The Ivory Goddess“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

61

„Beyond the Black River“

„Jenseits des Schwarzen Flusses“

62

„Moon of Blood“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

63

„The Black Stranger“

„The Treasure of Tranicos“

„Der Schwarze Fremde“ ODER

„Der Schatz des Tranicos“

Von Robert E. Howard in Black Vulmea-Abenteuer „Swords of the Red Brotherhood”, dann von L. Sprague de Camp in Conan-Abenteuer „The Treasure of Tranicos” umgeschrieben

64

„Wolves Beyond the Border“

„Wölfe jenseits der Grenze“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

65

„Conan the Liberator“

„Conan der Befreier“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

66

„The Phoenix on the Sword“

„Im Zeichen des Phönix“

67

„The Scarlet Citadel“

„Die scharlachrote Zitadelle“

68

„The Hour of the Dragon“

„Conan the Conqueror“

„Die Stunde des Drachen“

Roman

69

„The Return of Conan“

„Conan the Avenger“

„Conans Rückkehr“

L. Sprague de Camp & Björn Nyberg

Roman

70

„The Witch of Mists“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

71

„Black Sphinx of Nebthu“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

72

„Red Moon of Zembabwei“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

73

„Shadows in the Skull“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

74

„Conan of the Isles“

„Conan von den Inseln“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

Conan-Chronologie nach Robert Jordan als PDF (zum Download)

Mittlerweile bluten euch wahrscheinlich die Augen, weil ich euch mit so vielen Titeln und Autor_innen bombardiert habe. Kaum zu glauben, wie sehr das Conan-Universum über die Jahrzehnte mutierte, wenn man bedenkt, dass Robert E. Howard lediglich 21 Geschichten schrieb. Haltet durch, eine Version einer umfassenden Chronologie inklusive aller Franchise-Veröffentlichungen habe ich noch für euch. Die letzte Variante, bevor wir uns den minimalistischeren Ansätzen an eine Chronologie widmen, umfasst exakt 99 Geschichten und Romane. Solltet ihr wirklich vorhaben, alle zu lesen, werdet ihr eine ganze Weile beschäftigt sein. Der Vorteil dieser Auflistung besteht darin, dass sie die aktuellste und somit vollständigste Variante ist.

William Galen Gray erstellte seinen Vorschlag einer Conan-Chronologie 1997; eine überarbeitete Version veröffentlichte er 2000. Bei Wikipedia steht, dass es eine weitere Revision von 2004 gibt, die konnte ich aber nirgendwo auftreiben und da diese Angabe nicht durch Quellen belegt ist, weiß ich nicht, ob das überhaupt stimmt. Wie dem auch sei, als Gray seine Chronologie vorlegte, hatte die puristische Bewegung, die verlangte, Roberts originalen Conan zu veröffentlichen und alle späteren Erscheinungen nicht auf dieselbe Stufe zu stellen wie sein ursprüngliches Werk, längst Momentum und Lautstärke gewonnen. Erste puristische Chronologien waren entstanden (siehe weiter unten, Chronologie nach Joe Marek) und Gray erkannte die Argumente dieser Fans durchaus an. In den einleitenden Anmerkungen seiner Chronologie schrieb er, dass er sie respektiert, aber dennoch eine Zeitskala präsentieren möchte, die sowohl alle originalen Geschichten wie auch die Franchise-Veröffentlichungen enthält. Seine Intention besteht nicht darin, die puristische Idee abzulehnen, sondern Schriftsteller_innen, die eigene Conan-Erzählungen verfassen möchten, eine Orientierungshilfe zu bieten, um Konflikte mit bereits bestehenden Geschichten zu vermeiden (wie es von Conan Properties, Inc. verlangt wird) und Leser_innen, die den Werdegang von Conan nachvollziehen möchten, darin zu unterstützen, ihren Lesespaß zu erhöhen. Er verspricht außerdem, seine Chronologie regelmäßig zu überarbeiten – dass dies offenbar seit 20 (oder mindestens 16) Jahren nicht geschehen ist, liegt wahrscheinlich einfach daran, dass das literarische Conan-Franchise aus der Mode gekommen ist und heute eher Roberts originale Geschichten veröffentlicht werden.

Bezüglich der Positionierung der Geschichten, die er einzeln begründet, bewegt sich Grays Chronologie irgendwo zwischen Miller/Clark/de Camp und Robert Jordan, manchmal folgte er auch seinen eigenen Ansichten. Eine Abschrift seiner Tabelle inklusive aller Anmerkungen kann auf The Barbarian Keep eingesehen werden. Von den Argumenten der Purist_innen ließ er sich kaum beeinflussen; zum Beispiel sortiert er „The Slithering Shadow“ („Xuthal of the Dusk“) ebenfalls nach „The Devil in Iron“ ein, obwohl Conan sich in „The Devil in Iron“ an das vergessene Xuthal erinnert fühlt, was nicht möglich ist, wenn er Xuthal zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht besucht hat, was bereits aufgefallen war. Allerdings entschied er, alternative Darstellungen von Conans früher Karriere, die den Geschichten von Robert E. Howard widersprechen, auszuschließen. Diese bezeichnet er als Legenden oder Apokryphen, ein Begriff aus der christlichen bzw. jüdischen Religion, der sich auf Schriften bezieht, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden. Darum verzichtet seine Chronologie auf die Bücher zu den beiden Filmen, „Conan the Barbarian“ und „Conan the Destroyer“, sowie auf den Roman „Conan the Bold“ von John Maddox Roberts. „Conan of Venarium“ von Harry Turtledove integrierte er hingegen zuerst, strich den Roman jedoch wieder für die 2000er Version. Ich wünschte, er hätte seine Argumentation für diesen Schritt irgendwo dokumentiert, denn auch in der neueren Variante seiner Chronologie verzeichnet er, dass Conan im Alter von ca. 15 Jahren an der Belagerung von Venarium teilnahm. Wieso er den Roman, der genau diese Phase in Conans Leben beschreibt, in der Revision trotz dessen nicht nennt und auch nicht bei den Apokryphen auflistet, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich habe auf eine Abschrift von Grays Begründungen für seine Chronologie abgesehen, stattdessen verlasse ich mich erneut auf die bereits etablierte tabellarische Struktur (zum Ausklappen):

Chronologie nach William Galen Gray (1997)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Autor_innen (falls nicht Robert E. Howard)

Anmerkungen

1

„Conan of Venarium“

Harry Turtledove

Roman

2

„Legions of the Dead“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

3

„The Thing in the Crypt“

„Begegnung in der Gruft“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

4

„Conan the Defiant“

„Conan der Herausforderer“

Steve Perry

Roman

5

„Conan the Hunter“

„Conan der Jäger“

Sean A. Moore

Roman

6

„Conan the Indomitable“

„Conan der Unbezähmbare“

Steve Perry

Roman

7

„Conan the Free Lance“

„Conan der Landsknecht“

Steve Perry

Roman

8

„Conan the Formidable“

„Conan der Schreckliche“

Steve Perry

Roman

9

„The Tower of the Elephant“

„Der Turm des Elefanten“

10

„Conan and the Sorcerer“

„Conan und der Zauberer“

Andrew J. Offutt

Roman

11

„Conan the Mercenary“

„Conan der Söldner“

Andrew J. Offutt

Roman

12

„The Sword of Skelos“

„Conan und das Schwert von Skelos“

Andrew J. Offutt

Roman

13

„Conan the Outcast“

„Conan der Ausgestoßene“

Leonard Carpenter

Roman

14

„Conan the Magnificent“

„Conan der Prächtige“

Robert Jordan

Roman

15

„Conan the Invincible“

„Conan der Unbesiegbare“

Robert Jordan

Roman

16

„The Hall of the Dead“

„Im Saal der Toten“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

17

„Conan the Fearless“

„Conan der Furchtlose“

Steve Perry

Roman

18

„The God in the Bowl”

„Der Gott in der Schale“

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

19

„Conan the Warlord“

„Conan der Kriegsherr“

Leonard Carpenter

Roman

20

„Rogues in the House“

„Der Rote Priester“

21

Conan the Victorious”

„Conan der Glorreiche“

Robert Jordan

Roman

22

Conan the Unconquered”

„Conan der Unüberwindliche“

Robert Jordan

Roman

23

„The Hand of Nergal“

„Nergals Hand“

Fragment, beendet von Lin Carter

24

The City of Skulls”

„Die Stadt der Schädel“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

25

Conan the Hero”

„Conan der Held“

Leonard Carpenter

Roman

26

„The People of the Summit”

Björn Nyberg

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

27

„The Curse of the Monolith”

„Conan and the Cenotaph“

„Der Fluch des Monoliths“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

28

„Conan the Valiant“

„Conan der Wagemutige“

Roland Green

Roman

29

„Conan and the Spider God”

„Conan und der Spinnengott“

L. Sprague de Camp

Roman

30

The Blood-Stained God”

„Der blutbefleckte Gott“

L. Sprague de Camp

Ehemals „The Curse of the Crimson God”, ein Kirby O’Donnell-Abenteuer von Robert E. Howard

31

Conan the Valorous”

„Conan der Tapfere“

John Maddox Roberts

Roman

32

„The Frost-Giant’s Daughter“

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“ ODER

„Die Tochter des Frostriesen“

Überarbeitet von L. Sprague de Camp

33

„The Lair of the Ice Worm”

„Die Eisraupe“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

34

Conan the Relentless”

„Conan der Gnadenlose“

Roland Green

Roman

35

Conan the Savage”

Leonard Carpenter

Roman

36

„Conan the Defender”

„Conan der Verteidiger“

Robert Jordan

Roman

37

„Conan the Triumphant”

„Conan der Siegreiche“

Robert Jordan

Roman

38

„Conan the Guardian”

„Conan der Beschützer“

Roland Green

Roman

39

„Queen of the Black Coast”, Part 1

„Die Königin der Schwarzen Küste“

40

„Conan the Rebel“

„Conan der Rebell“

Poul Anderson

Roman, zwischen Kapitel 1 & 2 von „Queen of the Black Coast“

41

„Queen of the Black Coast”, Part 2

„Die Königin der Schwarzen Küste“

42

„Conan at the Demon’s Gate”

„Conan at the Devil‘s Gate”

„Conan am Dämonentor“

Roland Green

Roman

43

„The Vale of Lost Women“

„Das Tal der verlorenen Frauen“

44

„The Castle of Terror”

„Die Ruine des Schreckens“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

45

„The Snout in the Dark”

„Dämon aus der Nacht“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp & Lin Carter

46

„Conan the Gladiator”

„Conan der Gladiator“

Leonard Carpenter

Roman

47

„Conan and the Emerald Lotus”

„Conan und der Smaragd-Lotus“

John C. Hocking

Roman

48

„Hawks over Shem”

„Der wahnsinnige König“

L. Sprague de Camp

Ehemals „Hawks over Egypt“ von Robert E. Howard

49

„Black Colossus“

„Natohk, der Zauberer“

50

„Shadows in the Dark“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

51

„The Road of Kings“

„Conan und die Straße der Könige“

Karl Edward Wagner

Roman

52

„Conan the Renegade“

„Conan der Renegat“

Leonard Carpenter

Roman

53

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon“

„Schatten im Mondlicht“

54

„Conan of the Red Brotherhood“

Leonard Carpenter

Roman

55

„Conan, Scourge of the Bloody Coast“

Leonard Carpenter

Roman

56

„Conan the Champion“

„Conan der Champion“

John Maddox Roberts

Roman

57

„The Road of the Eagles”

„Die Straße der Adler“

L. Sprague de Camp

58

„A Witch Shall Be Born“

„Salome, die Hexe“

59

„Black Tears“

„Das Schwarze Auge“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

60

„Conan and the Manhunters“

John Maddox Roberts

Roman

61

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

62

„Conan the Raider“

„Conan der Angreifer“

Leonard Carpenter

Roman

63

„The Star of Khorala“

L. Sprague de Camp & Björn Nyberg

64

„Conan and the Death Lord of Thanza“

Roland Green

Roman

65

„Conan and the Amazon“

„Conan und die Amazone“

John Maddox Roberts

Roman

66

„The Devil in Iron“

„Der Eiserne Teufel“

67

„The Flame Knife“

„Der Flammendolch“

L. Sprague de Camp

Ehemals „Three-Bladed Doom“, ein El Borak-Abenteuer von Robert E. Howard

68

„Conan and the Shaman’s Curse“

Sean A. Moore

Roman

69

„The People of the Black Circle“

„Der Schwarze Kreis“

70

„Conan the Marauder“

„Conan der Marodeur“

John Maddox Roberts

Roman

71

„Conan and the Mists of Doom“

Roland Green

Roman

72

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

73

„Drums of Tombalku“

„Die Trommeln von Tombalku“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

74

„The Gem in the Tower”

L. Sprague de Camp & Lin Carter

75

„Conan and the Grim Grey God“

Sean A. Moore

Roman

76

„The Pool of the Black One“

„Der Teich der Riesen“

77

„Conan the Buccaneer”

„Conan der Bukanier“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

78

„Red Nails“

„Aus den Katakomben“

79

„Conan and the Gods of the Mountain“

Roland Green

Roman

80

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

81

„The Ivory Goddess“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

82

„Conan and the Treasure of Python“

John Maddox Roberts

Roman

83

„Conan, Lord of the Black River“

Leonard Carpenter

Roman

84

„Conan the Rogue“

„Conan das Schlitzohr“

John Maddox Roberts

Roman

85

„Beyond the Black River“

„Jenseits des Schwarzen Flusses“

86

„Moon of Blood“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

87

„The Black Stranger“

„The Treasure of Tranicos“

„Der Schwarze Fremde“ ODER

„Der Schatz des Tranicos“

Von Robert E. Howard in Black Vulmea-Abenteuer „Swords of the Red Brotherhood”, dann von L. Sprague de Camp in Conan-Abenteuer „The Treasure of Tranicos” umgeschrieben

88

„Wolves Beyond the Border“

„Wölfe jenseits der Grenze“

Fragment, beendet von L. Sprague de Camp

89

„Conan the Liberator“

„Conan der Befreier“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

90

„The Phoenix on the Sword”

„Im Zeichen des Phönix“

91

„The Scarlet Citadel“

„Die scharlachrote Zitadelle“

92

„The Hour of the Dragon“

„Conan the Conqueror“

„Die Stunde des Drachen“

Roman

93

„The Return of Conan“

„Conan the Avenger“

„Conans Rückkehr“

L. Sprague de Camp & Björn Nyberg

Roman

94

„Conan the Great“

„Conan der Große“

Leonard Carpenter

Roman

95

„The Witch of the Mists”

L. Sprague de Camp & Lin Carter

96

„Black Sphinx of Nebthu“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

97

„Red Moon of Zembabwei“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

98

„Shadows in the Skull“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

99

„Conan of the Isles“ 

„Conan von den Inseln“

L. Sprague de Camp & Lin Carter

Roman

Conan-Chronologie nach William Galen Gray als PDF (zum Download)

Joe Marek ist (oder war, ich konnte nicht herausfinden, ob er noch am Leben ist) ein Conan-Purist und war einer der ersten Fans, die die Miller/Clark-Chronologie für die unlogische, widersprüchliche Sortierung der originalen Geschichten von Robert E. Howard offen kritisierten. Über REHupa (Robert E. Howard United Press Association) nahm er bereits 1983 Kontakt zu L. Sprague de Camp auf, der damals seit Jahren in die Weiterentwicklung der Chronologie involviert war und hinterfragte die Platzierung von „The Slithering Shadow“ („Xuthal of the Dusk“) nach „The Devil in Iron“. De Camps Reaktion fiel unbefriedigend aus. Obwohl er in seiner Antwort an Marek durchaus anerkannte, dass dessen Argumentation gerechtfertigt ist und ihm zu seinem scharfen Auge gratulierte, änderte er die Platzierung der beiden Geschichten nicht und verwies stattdessen darauf, dass dieser offensichtliche Fehler ja auch Robert selbst entgangen sei, als dieser die Chronologie absegnete. Es waren Aussagen wie diese, durch die de Camp sein Verhältnis zu den puristischen Conan-Fans ruinierte.

Neben der inkonsistenten Positionierung von „The Slithering Shadow“ und „The Devil in Iron“ störte sich Joe Marek vor allem daran, dass die offizielle Chronologie von Miller, Clark und de Camp unterstellt, dass Conan in mörderischem Tempo kreuz und quer durch die hyborische Welt reist. Bei der Lektüre des ursprünglichen Essays von P. Schuyler Miller und John D. Clark ist mir das bereits aufgefallen; beispielsweise schickten die beiden Conan scheinbar willkürlich oft zurück nach Cimmeria, wofür es meiner Meinung nach keine Veranlassung gibt. In den späteren Versionen ihrer Chronologie, die viele der Franchise-Veröffentlichungen enthalten, wirkt dieses rasante Hin und Her endgültig unglaubwürdig, denn wie Marek vollkommen richtig bemerkt, ist Conan häufig zu Fuß oder zu Pferd unterwegs und muss sich an jedem neuen Ort erst mit den lokalen Begebenheiten und der Sprache vertraut machen, bevor er sich überhaupt in Ärger verstricken kann. Es ist unrealistisch, dass er dennoch in einer einzigen Lebensspanne über 70 Abenteuer (legt man die finale Version der Miller/Clark/de Camp – Chronologie zugrunde) erlebt haben soll, was Edward A. Waterman übrigens als Argument einsetzt, um sich gegen eine chronologische Gleichstellung der originalen und Franchise-Geschichten auszusprechen. Joe Marek sah sich daher genötigt, 1997 in dem Essay „Some Comments on Chronologies in regard to the Conan Series“ eine plausiblere Reihenfolge der originalen Conan-Erzählungen vorzuschlagen, durch die seine Reisen durch das hyborische Zeitalter weniger unwahrscheinlich erscheinen.

Marek respektierte, dass Robert E. Howard sich mit der ursprünglichen Miller/Clark-Chronologie einverstanden erklärt hatte und wich nur dann von ihr ab, wenn inhaltliche Hinweise innerhalb der Geschichten eine alternative Reihenfolge suggerierten. Die Positionierung der Geschichten, die den Anfang von Conans Karriere beschreiben, nahm er anhand Roberts Antwortschreiben an P. Schuyler Miller vor. Diese Vorgehensweise führte zu vier Hauptunterschieden zwischen seiner Chronologie und der Miller/Clark-Chronologie.

Er erfasste „The Frost-Giant’s Daughter“ als Conans initiales Abenteuer. Er war nicht der Erste, der diese Ansicht vertrat; bereits 1973 argumentierte Kevin Miller in seinem Essay „Another Chronology“ für diese Platzierung. Er war meines Wissens nach jedoch der Erste, der basierend darauf eine gesamte Chronologie erstellte (Miller diskutierte lediglich eine alternative Platzierung von „The Frost-Giant’s Daughter“ und „The God in the Bowl“).
Im Verlauf der vier Geschichten, die Conan als Dieb zeigen („The Tower of the Elephant“, das Fragment „The Hall of the Dead”, „The God in the Bowl“ und „Rogues in the House” – es herrscht Einigkeit darüber, dass letztere ebenfalls zu dieser Phase gezählt werden sollte, obwohl sich Conan darin nicht als Dieb verdingt), folgt der Cimmerier ihm zufolge einer eindeutigen Ost-West-Route. Streng genommen war das keine neue Erkenntnis; alle bis zu diesem Zeitpunkt erschienenen Chronologien ordnen die vier Abenteuer in dieser Reihenfolge, teilweise natürlich unterbrochen von Franchise-Veröffentlichungen. Bisher hatte jedoch niemand explizit die Ost-West-Achse benannt, auf der sich Conan bewegt, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass Marek sie als Abweichung interpretierte.
Selbstverständlich korrigierte er außerdem die Reihenfolge von „The Slithering Shadow“ („Xuthal of the Dusk“) und „The Devil in Iron“, erstere taucht in seiner Chronologie vor der letzteren auf.
Zu guter Letzt postulierte er, dass „The Vale of Lost Women“ sehr viel später einzuordnen ist als bisher angenommen. Diese Positionierung beruht fast ausschließlich auf Conans Charakter, inhärente Hinweise sind spärlich. Marek erklärt, dass Conan in dieser Geschichte seiner Meinung nach eine ältere Ausstrahlung hat als in „Queen of the Black Coast“, weshalb sie weiter auseinander liegen sollten als in den anderen Chronologien. Er sieht stattdessen Parallelen in Conans Entwicklungsstand zwischen „The Vale of Lost Women“ und „The Pool of the Black One“ und sortiert sie daher direkt nacheinander ein.
Zusätzlich zu diesen Änderungen organisierte Joe Marek die Geschichten in fünf „Bücher“. Jedes dieser potenziellen Bücher umfasst etwa 250 Seiten einer Taschenbuchausgabe.

Die Marek-Chronologie hat eine gravierende Schwäche: sie kann den gewaltigen Zeitsprung zwischen „Beyond the Black River“ und „Wolves Beyond the Border“ nicht erklären. Inhärente Details in „Wolves Beyond the Border“ suggerieren, dass seit den Ereignissen in „Beyond the Black River“ etwa 10 Jahre (oder sogar mehr) vergangen sind. Bedenkt man, dass zwischen diesen Abenteuern laut Marek lediglich die Geschichte „The Black Stranger“ liegt, kommt man nicht umhin, sich zu fragen, was Conan in dieser langen Zeit eigentlich sonst noch trieb. Prinzipiell ließ Roberts Arbeitsweise solche Lücken zu, das heißt, wir können möglicherweise einfach nicht wissen, was geschehen ist, weil er keine Geschichte schrieb, die diese Phase abbildet, aber Marek gesteht, dass es ebenso möglich ist, dass diese Lücke auf die Notwendigkeit einer radikalen Neusortierung aller Geschichten hinweist. Eine solche wollte er nicht vornehmen, weshalb er den Zeitsprung als gegeben akzeptierte.

Wie ihr sehen werdet, betrachtete Joe Marek das Gedicht „Cimmeria“, die Essays „The Hyborian Age“ und „Notes on Various Peoples of The Hyborian Age“ sowie Roberts Briefe ebenfalls als Bestandteile der Conan-Chronologie. Die Integration dieser peripheren Schriften war ein völlig neuer Ansatz, durch den Marek als erster anerkannte, dass das Worldbuilding des hyborischen Zeitalters und die zusätzlichen Informationen, die Robert in seinen Briefen preisgab, entscheidend zur Modellierung der Biografie des Barbaren beitragen. „The Hyborian Age“ splittete er, gab aber leider nicht an, an welchem Punkt er die Teilung vorsah. Ebenso wenig erklärte er, welche Briefe aus Roberts umfangreicher Korrespondenz er als wertvoll für die Chronologie bewertete. Ich empfehle „The Hyborian Age“ daher als einleitende Lektüre ohne Splittung und rate dazu, zumindest Roberts Antwortschreiben an P. Schuyler Miller vom März 1936 zu lesen.

Eine vollständige tabellarische Abschrift der Chronologie von Joe Marek findet ihr hier (zum Ausklappen):

Chronologie nach Joe Marek (1997-1998)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Anmerkung

The Coming of Conan

1

„The Hyborian Age“, Part 1

 

„Das hyborische Zeitalter“

Essay

2

„Cimmeria“

 

„Cimmerien“

Gedicht

3

„The Frost-Giant’s Daughter“

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“

4

„The Tower of the Elephant“

 

„Der Turm des Elefanten“

5

„The Hall of the Dead“

 

 

Fragment

6

„The God in the Bowl”

 

„Der Gott in der Schale“

7

„Rogues in the House“

 

„Der Rote Priester“

8

„The Hand of Nergal“

 

„Nergals Hand“

Fragment

9

„Black Colossus“

 

„Natohk, der Zauberer“

10

„Queen of the Black Coast“

 

„Die Königin der Schwarzen Küste“

11

„The Snout in the Dark“

 

Fragment

12

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon”

„Schatten im Mondlicht“

Conan the Barbarian

13

„A Witch Shall Be Born“

 

„Salome, die Hexe“

14

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

15

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

16

„The Devil in Iron“

 

„Der Eiserne Teufel“

17

„The People of the Black Circle“

 

„Der Schwarze Kreis“

The Sword of Conan

18

„Drums of Tombalku“

Fragment

19

„The Vale of Lost Women“

„Das Tal der Verlorenen Frauen“

20

„The Pool of the Black One“

„Der Teich der Riesen“

21

„Red Nails“

„Aus den Katakomben“

22

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

King Conan

23

„Beyond the Black River“

 

„Jenseits des Schwarzes Flusses“

24

„The Black Stranger“

 

„Der Schwarze Fremde“

25

„Wolves Beyond the Border“

 

„Wölfe jenseits der Grenze“

Fragment

26

„The Phoenix on the Sword“

 

„Im Zeichen des Phönix“

27

„The Scarlet Citadel“

 

„Die scharlachrote Zitadelle“

Conan the Conqueror

28

„The Hour of the Dragon“

 

„Die Stunde des Drachen“

Roman

29

„The Hyborian Age“, Part 2

 

„Das hyborische Zeitalter“

Essay

30

Notes on Various Peoples of The Hyborian Age

 

„Anmerkungen zu verschiedenen Völkern der hyborischen Ära“

Essay

31

Letters

 

Briefe

Chronologie nach Joe Marek als PDF (zum Download)

Dale Rippke ist der einzige, der eine Conan-Chronologie erstellte, die keine offensichtlichen Inkonsistenzen oder Widersprüche enthält. Seine Dark Storm Conan Chronology umfasst die originalen Geschichten von Robert E. Howard sowie die erhaltenen Fragmente. Sie erschien 2003 als dreiteiliges Essay in REHupa. Danach veröffentlichte er außerdem (ebenfalls in REHupa) einen Artikel namens „Musings on the various Chronology issues“ (Originaltitel: „Blurring the Lines Between the Reality and the Dream“), in dem er sowohl seine Arbeitsweise als auch seine Schlussfolgerungen erklärte. Rippke nahm Abstand von allen bisher vorgelegten Chronologien und konzentrierte sich ausschließlich auf die inhärenten Hinweise in den Geschichten, bezog allerdings Roberts Antwortschreiben an P. Schuyler Miller vom März 1936 mit ein. Er stellte fest, dass eine logische Ordnung der Erzählungen mit diesem Ansatz weniger problematisch war, als er befürchtet hatte. Er berichtete, dass die größte Herausforderung darin bestand, sich nicht von den bestehenden Chronologien beeinflussen zu lassen und noch einmal ganz von vorn anzufangen. Obwohl es ihn viel Zeit und Arbeit kostete, der Spur aus Brotkrumen zu folgen, die Robert hinterlassen hatte, gelangte er zu der Überzeugung, dass der Schriftsteller eine recht genaue Vorstellung davon hatte, in welcher Reihenfolge Conan seine Abenteuer erlebt und die angeblichen Widersprüche, die so vielen Fans Kopfschmerzen bereiten, lediglich eine Folge der falschen Platzierungen und der Überarbeitungen von L. Sprague de Camp in der Vergangenheit sind.

Rippke lehnt die Auffassung, dass Robert Conans Karriere während des Schreibens seiner Abenteuer entwickelte, daher grundheraus ab. Er glaubt, dass Robert sich bereits im Voraus eine exakte Vision seines Lebenswegs zurechtgelegt hatte, denn er geht davon aus, dass die Geschichten andernfalls weit mehr Inkonsistenzen enthalten würden. Diese Theorie halte ich für fraglich, weil ich einerseits der Meinung bin, dass die Freiheit, die der Verzicht auf eine konkrete Biografie implizierte, für Roberts kreativen Schaffensprozess essenziell war und ich andererseits nicht glaube, dass sich durch eine beiläufige Entwicklung seiner Biografie zwangsläufig Inkonsistenzen ergeben mussten. Wir wissen heute durch zahlreiche Interviews mit Autor_innen, dass viele ihren Schreibprozess mit einer Mischung aus Planung und Flexibilität gestalten und einige, wie zum Beispiel der gefeierte Low Fantasy – Schriftsteller Mark Lawrence, überhaupt nicht planen und dennoch kohärente Geschichten über mehrere Bände schreiben können. Wieso sollte Robert dazu nicht ebenfalls in der Lage gewesen sein? Rippke unterstellt, dass er keine Übersicht darüber gehabt hätte, was er bereits geschrieben, welche Punkte in Conans Karriere er bereits definiert hatte und das halte ich für eine Unterschätzung seiner Fähigkeiten und seines Intellekts. Dass Robert Conans Biografie möglicherweise Stück für Stück ohne einen punktgenauen Ablaufplan füllte, heißt nicht automatisch, dass sich seine Geschichten widersprechen mussten.

Ich stimme Rippke hingegen zu, dass Robert sicherlich eine äußerst lebhafte und detaillierte Vorstellung des hyborischen Zeitalters hatte. Wenn die Conan-Geschichten eine schlüssige Sortierung zulassen, obwohl Robert seine Karriere nicht vorausplante, dann nur, weil er das Setting wie seine Westentasche kannte und genau wusste, wann eine Involvierung seines Protagonisten in die zahlreichen auftretenden Konflikte Sinn ergab. Ich vermute sogar, dass Robert das hyborische Zeitalter klarer vor Augen hatte als Conans Biografie. Diese Schlussfolgerung basiert darauf, dass Conan meiner Meinung nach bis zu seiner Krönung als König von Aquilonia so gut wie keinen Einfluss auf die hyborische Geschichte nimmt. Im kleinen Rahmen haben seine Handlungen und Entscheidungen natürlich Auswirkungen, doch für die großen Entwicklungen macht sein Auftreten keinen Unterschied. Kriege, Aufstände und Eroberungen finden statt, ob mit ihm oder ohne ihn. Beispielsweise sorgt sein Eingreifen in „Beyond the Black River“ dafür, dass weniger aquilonische Siedler_innen sterben, aber er kann nicht verhindern, dass der Frontier von den Pikten verteidigt und zurückgedrängt wird. Wäre er nicht dort gewesen, das Ergebnis wäre dasselbe gewesen, nur mit mehr Toten. Daher bin ich davon überzeugt, dass Robert sich die politischen Konflikte des hyborischen Zeitalters akkurat zurechtlegte und Conan dann lediglich ergänzend und nach Belieben in Szenarien hineinschrieb, die in seinem Kopf bereits existierten. Er gab Conan Rollen, die zu ihm passten und die ihm selbst erlaubten, aufregende Abenteuer zu inszenieren, die ihm Spaß machten. Dafür spricht auch, dass er „The Hyborian Age“ laut Mark Finn verfasste, bevor er begann, Conans Biografie zu füllen.

Die Argumentation, die Dale Rippke anführte, um die Reihenfolge der Geschichten in seiner Chronologie zu begründen, empfinde ich als vollkommen überzeugend. Obwohl er zwischen einigen Geschichten recht große Zeitabstände überbrücken und spekulieren musste, was in der Zwischenzeit passiert, ergeben seine Überlegungen Sinn und zwingen Conan weder kreuz und quer durch die hyborischen Nationen zu reisen noch postulieren sie eine Zeitachse, die unmöglich zu realisieren wäre. Mir gefällt vor allem, dass er auch Conans Verhalten als Hinweis deutete, daraus seinen Entwicklungsstand ablas und die Geschichten entsprechend platzierte, früher oder später in seiner Karriere. Vielleicht hat er das Rätsel geknackt. Meiner Meinung nach ist er der heißeste Anwärter auf diesen Titel, aber urteilt selbst.

Auch diese Chronologie habe ich euch in Tabellenform übersichtlich abgeschrieben (zum Ausklappen).

Chronologie nach Dale Rippke (2003)

 

Position

Titel

Alternativtitel

Deutscher Titel

Anmerkung

1

„The Frost-Giant’s Daughter“

„The Gods of the North”

„Ymirs Tochter“

2

„The God in the Bowl”

„Der Gott in der Schale“

3

„The Tower of the Elephant“

„Der Turm des Elefanten“

4

„The Hall of the Dead“

Fragment

5

„Rogues in the House“

„Der Rote Priester“

6

„The Hand of Nergal“

„Nergals Hand“

Fragment

7

„Black Colossus“

„Natohk, der Zauberer“

8

„Shadows in the Moonlight“

„Iron Shadows in the Moon”

„Schatten im Mondlicht“

9

„Queen of the Black Coast“

„Die Königin der Schwarzen Küste“

10

„The Snout in the Dark“

Fragment

11

„The Slithering Shadow“

„Xuthal of the Dusk“

„Der wandelnde Schatten“

12

„A Witch Shall Be Born“

„Salome, die Hexe“

13

„The Devil in Iron“

„Der Eiserne Teufel“

14

„The People of the Black Circle“

„Der Schwarze Kreis“

15

„Shadows in Zamboula“

„The Man Eaters of Zamboula“

„Die Menschenfresser von Zamboula“

16

„Drums of Tombalku“

Fragment

17

„The Vale of Lost Women“

„Das Tal der Verlorenen Frauen“

18

„The Pool of the Black One“

„Der Teich der Riesen“

19

„Beyond the Black River“

„Jenseits des Schwarzes Flusses“

20

„The Black Stranger“

„Der Schwarze Fremde“

21

„Red Nails“

„Aus den Katakomben“

22

„The Servants of Bit Yakin“

„The Jewels of Gwahlur“ ODER „The Teeth of Gwahlur“

„Die Diener von Bît-Yakin“

23

„Wolves Beyond the Border“

„Wölfe jenseits der Grenze“

Fragment

24

„The Phoenix on the Sword“

„Im Zeichen des Phönix“

25

„The Scarlet Citadel“

„Die scharlachrote Zitadelle“

26

„The Hour of the Dragon“

„Die Stunde des Drachen“

Roman

Conan-Chronologie nach Dale Rippke als PDF (zum Download)

Ich kann mir vorstellen, dass sich einige von euch nach dieser Tabellen-Parade verwirrter und unentschlossener denn je fühlen und vielleicht schon jetzt keine Lust mehr haben, Conan überhaupt zu lesen, wenn das bedeutet, sich mit verschiedenen Chronologien auseinandersetzen zu müssen. Deshalb möchte ich euch noch etwas mit auf den Weg geben: Nein, ihr müsst euch nicht zwangsläufig für eine Chronologie entscheiden und schon gar nicht sofort. Ich habe euch versprochen, dass ihr am Ende dieses Beitrags fähig seid, es mit Conan aufzunehmen und das seid ihr. Die Chronologien sind dafür keine Voraussetzung. Nichtsdestotrotz fand ich es wichtig, euch darüber aufzuklären, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Conan zu lesen und euch zu vermitteln, dass die Reihenfolge, in der ihr seine Abenteuer erlebt, eure Leseerfahrung beeinflussen wird. Es macht einen Unterschied, ob ihr ihn zuerst in „The Phoenix on the Sword“ oder in „The Tower of the Elephant“ trefft. Deshalb ist es von Belang, dass ihr euch vorher überlegt, wie ihr die Lektüre gestalten wollt, denn wie wir gelernt haben, könnt ihr euch nicht blind darauf verlassen, dass alle Verlage die Geschichten schon in der „richtigen“ Reihenfolge drucken. Es gibt keine „richtige“ Reihenfolge, das ist der Punkt. Es gibt Vorschläge zu Chronologien, die Entstehungsreihenfolge und die Veröffentlichungsreihenfolge (von der ich vehement abrate und daher nicht auf sie eingegangen bin). Robert E. Howard hat nie konkret definiert, welches Conan-Abenteuer wann gelesen werden sollte. Selbst Dale Rippke, der annimmt, dass ihm eine spezifische Abfolge vorschwebte, konnte lediglich Vermutungen anstellen. Wir werden nie erfahren, ob Robert überhaupt wollte, dass seine Leser_innen Conan in einer bestimmten Reihenfolge kennenlernen. Vielleicht war ihm das vollkommen egal. Daher müsst ihr selbst entscheiden, wie ihr vorgehen möchtet und dabei ein paar Faktoren berücksichtigen.

Wollt ihr wirklich tief in die Thematik eintauchen, euch intensiv mit Conan auseinandersetzen und der Figur mehr Aufmerksamkeit schenken als ihrem Autor und dessen schriftstellerischer Entwicklung, ist die Orientierung an einer der Chronologien hilfreich. Welche ihr auswählt, hängt davon ab, ob ihr die Franchise-Veröffentlichungen einbeziehen möchtet oder nicht. Versteht ihr euch als Purist bzw. Puristin, kommen die Chronologie nach Miller und Clark von 1936, die Chronologie von Joe Marek von 1997 und die Dark Storm Conan Chronologie von Dale Rippke von 2003 in Frage. Wollt ihr hingegen auch die Conan-Abenteuer anderer Autor_innen lesen – zum Beispiel, weil ihr große Fans von Robert Jordan seid – könnt ihr euch zwischen den Chronologien von Miller, Clark und L. Sprague de Camp (1984), Robert Jordan (1987) und William Galen Gray (1997) entscheiden. Um eine Wahl zu treffen, rate ich euch, die Argumente der verschiedenen Chronisten zu vergleichen und die Tabellen mit den Chronologien nebeneinander zu legen, um die unterschiedlichen Platzierungen der Geschichten direkt vor Augen zu haben. Dafür habe ich jede Tabelle als PDF-Dokument exportiert und euch zum Download zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise solltet ihr fähig sein, eure Conan-Lektüre genauso zu organisieren, wie sie euch sinnvoll erscheint.

Gehört ihr hingegen zu denjenigen, die Conan einfach nur kennenlernen und/oder ihn vielleicht als Einstieg in Robert E. Howards Werk nutzen wollen, empfehle ich, auf die Entstehungsreihenfolge zurückzugreifen. Durch diese werdet ihr Conan nicht nur so begegnen, wie er durch Roberts Fantasie marschierte, sondern auch einen Eindruck davon gewinnen, wie er dessen Figur und das Konzept der Reihe weiterentwickelte, um den Vorlieben der Leser_innen von Weird Tales und seinen eigenen Präferenzen gleichermaßen gerecht zu werden. Wer die Del Rey – Ausgaben erwirbt, ist hier leicht im Vorteil, weil der Verlag die Geschichten für diese Sammlung bereits nach ihren Entstehungsdaten sortierte. Wer die Festa- oder Splitter-Ausgaben auswählt, muss diese Sortierung selbst vornehmen, doch da ich euch die Entstehungsreihenfolge ebenfalls als PDF-Dokument zum Download verlinkt habe, sollte das kein Hindernis darstellen. Diese Herangehensweise eignet sich vor allem für Purist_innen; sollten einige von euch Franchise-Veröffentlichungen ergänzen wollen, rate ich dazu, deren Lektüre nach den originalen Geschichten zu planen, um zu vermeiden, dass sie diese überschatten und besser vergleichen zu können, wie andere Autor_innen Conan interpretierten.

Ich habe euch eine Leseanleitung versprochen, ich möchte jedoch noch einmal betonen, dass ich ausschließlich Empfehlungen zur Lektüreorganisation ausspreche. Es bleibt euch selbst überlassen, ob ihr diesen folgt oder eure ganz eigene Strategie entwickelt. Beispielsweise wäre es auch möglich, Conan erst nach der Entstehungsreihenfolge und später noch einmal nach einer (oder sogar mehreren) der Chronologien zu lesen. Seid ihr ganz heiß darauf, Robert Jordans Conan-Abenteuer zu erleben, könntet ihr diese nach der Gray-Chronologie zusätzlich zu den originalen Geschichten lesen und alle anderen auslassen. Euch sind keine Grenzen gesetzt. Wie gesagt, eine „richtige“ Reihenfolge existiert nicht – Conan ist das, was ihr daraus macht. Aus meiner Sicht gibt es nur ein Tabu: ihr solltet davon absehen, die Franchise-Geschichten zu lesen, ohne Roberts Originaltexte zu lesen. Dadurch würdet ihr die ursprüngliche Beziehung zwischen Schöpfer und Schöpfung respektlos mit Füßen treten und die popkulturelle Verzerrung, unter der Conan ohnehin leidet, weiter vorantreiben – und das wollen wir doch nicht. Ich wünsche mir, dass der berühmteste Barbar der Fantasy eines Tages nicht mehr mit Arnold Schwarzenegger im Lendenschurz assoziiert wird, sondern wieder mit demjenigen, der ihm wirklich Leben einhauchte: Robert E. Howard.

Meine Lieben, ihr habt es geschafft. Ihr seid bereit. Ich gebe euch hiermit die Garantie, dass ihr hervorragend darauf vorbereitet seid, Conan zu lesen. Ausgestattet mit all dem Wissen, durch das wir uns in den letzten Wochen gemeinsam gearbeitet haben, sollte bei eurer Lektüre nichts mehr schiefgehen können. Ich bin unendlich stolz auf alle, die durchgehalten haben. Morgen werde ich noch ein (verhältnismäßig) kurzes Fazit zu diesem Blogprojekt veröffentlichen, in dem ich zusammenfasse, welchen Einfluss diese intensive Beschäftigung mit Robert E. Howard und Conan für mich hatte und was ich daraus gelernt habe, aber das soll euch nicht davon abhalten, Conan jetzt sofort euren ersten Besuch abzustatten. Geht, meine Schüler_innen. Zieht hinaus in die hyborische Welt, erlebt Abenteuer mit dem Cimmerier und kehrt erst zurück, um mir von euren Erfahrungen zu berichten. Bei Crom, ich wünsche euch Spaß und viele spannende Lesestunden!

Quellenverzeichnis (PDF)

Header-Bildquellen
Wild West – Landschaft: Seita/Shutterstock.com
Schwert im Felsen: KUCO/Shutterstock.com

 

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3 Antworten zu “[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 6 – Leseanleitung: Wie man Conan liest – Chronologien

  1. Horus

    28. Oktober 2020 at 12:30 pm

    Wir sind unendlich stolz auf dich, dass du diese Blogserie verfasst hast, von der ich mir nur wünschen würde, dass sie die Art, wie Blogs geschrieben werden, beeinflusst.
    Großartig. Ich habe alles mit großem Interesse verschlungen.
    Mehr davon!

    Gefällt 2 Personen

     
  2. amaunet0101

    28. Oktober 2020 at 1:25 pm

    Ich kann mich dem Kommentar von Horus nur anschließen – großartig!

    Gefällt 2 Personen

     

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