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[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 4)

22 Sep

Hallo und herzlich Willkommen zu einem weiteren Tag in meinem großen Blogprojekt „Robert E. Howard & Conan der Barbar“. Heute werden wir uns einem tragischen Abschnitt in Roberts Leben stellen…

Ist euch aufgefallen, dass ein Thema in dieser biografischen Abhandlung bisher verdächtig abwesend war? Richtig. Romantische Partnerschaften. Robert E. Howard hatte in seinem kurzen Leben lediglich eine Beziehung. Als Teenager schrieb er einige ironisch-humoristische Gedichte, die darauf hinweisen, dass ihn das weibliche Geschlecht mental durchaus beschäftigte. Diese Texte zeigen aber auch, dass er Mädchen gegenüber unsicher und – das ist meine persönliche Interpretation – irgendwie misstrauisch war. Sie lesen sich, als habe er Frauen tatsächlich als Wesen eines anderen Planeten wahrgenommen, nicht gewusst, wie er mit ihnen umgehen oder sich ihnen nähern sollte und als wäre er auch nicht sonderlich daran interessiert gewesen. In seinen späteren Geschichten finden wir Frauen vor allem in zwei Rollen: entweder, sie sind typische Damen in Nöten, leicht (oder gar nicht) bekleidet und hilflos, oder sie sind feurige Kriegerinnen. Dazwischen gibt es nicht viel, weshalb ich es schwierig finde, aus diesen extremen, gegensätzlichen Beispielen seine persönliche Einstellung Frauen gegenüber abzuleiten. Er war ein Südstaatler, der von seiner Mutter in Südstaatenmanier erzogen wurde, das heißt, er war bestimmt darauf gedrillt, Frauen respektvoll, höflich und als Kavalier zu behandeln, aber ob er sich nach einer romantischen Beziehung sehnte, kann man nur vermuten. Fakt ist, er ließ außer seiner Mutter nur eine einzige Frau nahe an sich heran: Novalyne Price.

Novalyne Price (vermutlich 1930er Jahre), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

1932 hatte sich Robert einen Wunsch erfüllt und sich ein Auto gekauft. Der gebrauchte, grüne Chevy war nun nicht gerade eine Luxuskarosse, aber er erlaubte ihm, mobil zu sein. Mit seiner neuen Mobilität ging allerdings eine Verpflichtung einher: er übernahm die Aufgabe, seine tuberkulosekranke Mutter zu ihren Arztterminen zu fahren. Im Frühling 1933 brachte er sie zur Klinik in Brownwood. Während sie behandelt wurde, besuchte er seinen (vielleicht besten) Freund Tevis Clyde Smith. Gemeinsam fuhren sie herum und holten eine alte Freundin von Smith ab, die dieser seit der High School kannte. Diese Freundin war Novalyne Price. Novalyne war zwei Jahre jünger als Robert, eine lebhafte, dunkelhaarige Schönheit, leidenschaftlich und klug, die neben ihren Collegekursen als Lehrerin arbeitete. Sie konnte fluchen wie ein Kesselflicker, wenn sie wütend war, liebte ihre Unabhängigkeit und wollte selbst Schriftstellerin werden. Von Robert, Clydes erfolgreichem Autoren-Freund, hatte sie selbstverständlich schon gehört. Für Robert war es das erste Mal, dass ihm eine Frau begegnete, die seine Begeisterung für das Schreiben nicht nur verstand, sondern auch teilte. Sie vertrugen sich gut und verabschiedeten sich mit einem Händeschütteln. Es verging mehr als ein Jahr, bis sie sich wiedersahen.

Bevor Novalyne Price wieder in sein Leben trat, freute sich Robert im Frühling 1934 erst einmal über einen Besuch seines Kollegen E. Hoffmann Price und dessen Ehefrau Wanda. Hoffmann hatte im selben Jahr wie Robert angefangen, seine Geschichten an die Pulps zu verkaufen (1924) und gehörte ebenfalls zu Lovecrafts Zirkel. Der Aufenthalt des Ehepaares in Cross Plains verlief unspektakulär, Robert war jedoch sehr stolz darauf, sie in seiner kleinen Heimatstadt herumführen zu können. Noch immer nagte die mangelnde Anerkennung seiner Nachbar_innen an ihm und er schätzte es, ihnen seinen Erfolg indirekt durch die Anwesenheit eines weiteren erfolgreichen Schriftstellers, der hunderte von Meilen gefahren war, nur um ihn zu sehen, unter die Nase reiben zu können.

Novalyne Price zog im Herbst nach Cross Plains. Sie hatte das College abgeschlossen und eine Stelle als Lehrerin an der Cross Plains High School angenommen, die ihr von ihrem Cousin verschafft wurde. In einer Kleinstadt ist es natürlich nahezu unmöglich, der Familie des beliebten lokalen Arztes nicht zu begegnen, doch da Robert und Hester beide eher selten das Grundstück verließen (sie teilte Roberts Abneigung für ihre Mitmenschen und war gesundheitlich oft nicht in der Lage, aus dem Haus zu gehen), kreuzten Novalynes Wege zuerst nur Dr. Howard. Befreundete Lehrerinnen klärten sie auf, wer er war und sie stellte die Verbindung zu dem jungen Mann her, den sie im vergangenen Jahr kennengelernt hatte. Ihre Kolleginnen hatte keine hohe Meinung von Robert, den sie als Freak betrachteten. Novalyne war es egal. Sie versuchte trotzdem, Kontakt zu Robert aufzunehmen. Mehrfach rief sie bei den Howards an, aber immer war es Hester, die ans Telefon ging und Robert reagierte nicht auf die Nachrichten, die sie seiner Mutter für ihn hinterließ. Irgendwann reichte es ihr. Sie überredete ihre Freundinnen, sie beim Haus der Howards vorbeizufahren. Isaac öffnete die Tür. Zuerst schien es, als würden sie Roberts Eltern einfach wieder wegschicken, doch glücklicherweise tauchte dieser noch rechtzeitig auf und lud sie ins Haus ein.

Sie unterhielten sich im Wohnzimmer. Privatsphäre gab es für sie nicht, weil es in den 1930ern sicherlich als unschicklich empfunden worden wäre, wären sie allein in Roberts Zimmer gewesen. Vielleicht, Gott bewahre, auch noch mit verschlossener Tür! Sie redeten, bis Hester Robert höflich hüstelnd darauf aufmerksam machte, dass es Zeit sei, Novalyne nach Hause zu bringen. Sie verabredeten sich für den nächsten Abend.
Ihr erstes Date zeigt für mich unmissverständlich, dass Robert Novalyne zuerst nicht wirklich als Frau wahrnahm und eine Romanze deshalb nicht in Betracht zog. Denn während Novalyne ihr bestes Kleid anzog und sich hübsch machte, tauchte Robert in ganz normaler Alltagskleidung bei ihr auf, ohne irgendwelchen Aufwand betrieben zu haben. Er hatte nicht geplant, sie auszuführen, er wollte einfach in seinem Chevy mit ihr herumfahren und reden. Er behandelte sie, wie er auch jeden seiner männlichen Freunde behandelte. Novalyne war verständlicherweise wütend, ließ sich jedoch trotzdem auf den Abend ein. Robert entschuldigte sich, sie verbrachten ein paar angenehme Stunden zusammen und am Ende setzte er sie zu Hause ab, ohne sie zu küssen oder ein weiteres Treffen zu verabreden.

Nun, Robert scheint ein bisschen schwer von Begriff gewesen zu sein, doch bei ihrer nächsten Verabredung war der Groschen offenbar gefallen. Er lud Novalyne ins Kino in Brownwood ein (eine unschuldige Vorstellung am Sonntagnachmittag) und war herausgeputzt wie ein Pfau, als er sie abholte. Ab diesem Tag waren sie ein Paar. Mit 28 Jahren hatte Robert seine erste und einzige Freundin. Ihre komplizierte Beziehung ist erfreulich gut dokumentiert, weil Novalyne zuverlässig Tagebuch führte und ihre Notizen verwendete, um die Denkschrift „One Who Walked Alone“ zu verfassen, die 1986 erschien und ihre Zeit mit Robert E. Howard rekapituliert. Robert war ein rücksichtsvoller, aufmerksamer Partner, der sich ihrer Familie gegenüber manierlich und freundlich verhielt. Mark Finn mutmaßt, dass er Novalyne sogar ein literarisches Denkmal setzte.
Die Figur Agnes de Chastillion, eine heißblütige Kriegerin im Frankreich des 16. Jahrhunderts, weist erstaunlich viele Parallelen zu Novalyne auf, sowohl charakterlich als auch äußerlich. Es ist nicht bekannt, wann genau er die zwei Geschichten „Sword Woman“ und „Blades for France“ sowie das halbfertige Fragment „Mistress of Death“ verfasste, weil er sie nie zur Veröffentlichung anbot, aber kann es Zufall sein, dass er eine Kopie von „Sword Woman“ an Catherine L. Moore schickte, die 1934 erstmals eine Geschichte an Weird Tales verkaufte und im Januar 1935 veröffentlicht wurde? Es scheint, als sei Agnes de Chastillion geboren worden, als er mit Novalyne ausging, was den Rückschluss zulässt, dass sie als reales Vorbild fungierte.
Darüber hinaus schrieb er im Oktober 1934 die Breckenridge Elkins – Geschichte „War on Bear Creek“, in der Elkins einer Lehrerin schöne Augen macht. Robert integrierte solche Details nicht versehentlich oder unbewusst. Interessanterweise brennt die Lehrerin in dieser Geschichte mit einem Mann durch, der mit Elkins befreundet ist.

So viel Robert und Novalyne gemeinsam hatten, es gab auch Reibungspunkte zwischen ihnen. Er war schnell eifersüchtig und ließ hin und wieder den texanischen Chauvinisten heraushängen, was die eigensinnige Novalyne mit einem Schwall hitziger Worte unterband. Sie debattierten oft über das Zeitgeschehen, Politik, Gesellschaft, Philosophie und Literatur und bekamen sich einige Male in die Haare, vertrugen sich jedoch schnell wieder. Anders sah es mit Novalynes Bemühungen aus, Robert dazu zu überreden, sich mehr auf die Gemeinschaft von Cross Plains einzulassen. In diesem Punkt gab er niemals nach, da er ohnehin annahm, dass die Zivilisation kurz vor ihrem Zusammenbruch stand. Doch all diese kleinen Konflikte verblassten vor dem schwerwiegendsten Hindernis ihrer Beziehung: Hester Howard.

Hester und Novalyne kamen nicht gut miteinander aus. Man darf wohl annehmen, dass es Hester gar nicht behagte, dass sie die Aufmerksamkeit ihres Sohnes plötzlich mit einer anderen Frau teilen musste und sie sich sorgte, dass der Junge vielleicht doch noch das Haus verlassen könnte. Das Ehepaar Howard hatte ihn nicht grundlos niemals ermutigt, sich ein eigenes Leben aufzubauen, auszuziehen, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Hester wollte ihren Sohn bei sich behalten, verließ sich auf ihn und Isaac begrüßte die Verantwortung, die Robert für seine kranke Mutter übernahm, weil es ihm dadurch freistand, weiterhin den weiten Kreis seiner Patient_innen zu versorgen und der Kälte seiner unglücklichen Ehe zu entkommen. Novalyne war Hester ein Dorn im Auge und sie ließ keine Gelegenheit für kleine Gemeinheiten aus. Sie fing Anrufe ab, übermittelte Novalynes Nachrichten für Robert nicht und diskreditierte die junge Frau bei ihrem Sohn, wann immer sie konnte. Den Aufwand hätte sie sich sparen können. Roberts Pflichtgefühl seiner Mutter gegenüber war völlig ausreichend.

Robert E. Howard (etwa 1932), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Man muss sich bewusst machen, dass Hester 1935 bereits seit 45 Jahren an Tuberkulose litt. Die gesamte Familie Howard kämpfte mit Zähnen und Klauen seit Jahrzehnten gegen die Krankheit, aber was sie auch taten – sie begannen, zu verlieren. Robert wusste das. Etwa Mitte des Jahres musste sich Hester im einige Meilen entfernten Temple einer Operation unterziehen, bei der ihr die Gallenblase entfernt wurde. Robert begleitete sie selbstverständlich. Komplikationen nach der OP führten dazu, dass sie einen Monat in Temple blieben, viel länger als geplant. Währenddessen arbeitete sich Novalyne in Cross Plains fast zu Tode. Sie nahm so stark ab, dass sie ins Krankenhaus nach Brownwood gebracht wurde. Als Robert zurückkehrte, wurde ihm gesagt, dass sie laut ärztlicher Anordnung leider keine Besucher_innen empfangen durfte. Aus dieser Zeit berichtete Novalyne von einem seltsamen Gespräch mit ihrem Hausarzt Dr. Daugherty. Daugherty machte keinen Hehl daraus, dass er weder Robert noch Hester mochte, obwohl er eng mit Isaac befreundet war. Er riet ihr von der Beziehung zu Robert ab und ermutigte sie, sich außerhalb von Texas nach einem Job umzusehen. Novalyne versprach, ein Studium an der Universität von Louisiana in Betracht zu ziehen. Seine Einmischung scheint unangemessen und grenzüberschreitend genug, wirklich merkwürdig wurde das Gespräch aber erst, als der Arzt sie fragte, ob Robert ihr gegenüber jemals geäußert habe, dass er nach dem Tod seiner Mutter nicht mehr weiterleben wollte. Novalyne tat diesen Gedanken ab.

Sobald sie entlassen und endlich wieder zu Hause war, wollte sie Robert sofort sehen. Sie trafen sich, doch Robert war in schlechter Stimmung. Der Zustand seiner Mutter machte ihm große Sorgen. Ihr Gespräch verlief deshalb nicht so, wie Novalyne es sich gewünscht hatte. Sie wollte nicht über seine Mutter reden. Sie hatte erkannt, dass sie Robert liebte und sehnte sich danach, dass er ihr ebenfalls seine Liebe gestand. Robert war offenbar blind für ihre Gefühle, was für mich persönlich allerdings vollkommen nachvollziehbar ist. Statt ihr seine Liebe zu schwören erklärte er Novalyne, dass er niemals frei sein würde, solange seine Mutter ihn brauchte. Novalyne war enttäuscht und verletzt. In der Folge distanzierte sie sich von Robert und begann, mit seinem Freund Truett Vinson auszugehen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ihr Verhalten ziemlich daneben finde. Robert hätte sie gebraucht, ihre emotionale Unterstützung, um die Sterblichkeit seiner Mutter, der mit Abstand wichtigsten Person in seinem Leben, verarbeiten zu können. Sie war entweder nicht fähig oder nicht willens, diese zu gewähren und ließ ihn mit seiner Trauer allein. Das war nicht in Ordnung. Novalyne wusste wohl auch, dass sie sich illoyal benahm. Sie wollte Robert gern reinen Wein einschenken, traute sich jedoch nicht, mehr als Andeutungen zu äußern. Die Situation klärte sich ohne ihr Zutun. Im Juni unternahm Robert eine Reise mit Truett, von der er Novalyne noch Postkarten schickte. Als er zurückkam, war er ihr gegenüber hingegen deutlich reserviert. Entweder, Truett hatte ihm die Wahrheit gesagt oder er war selbst dahintergekommen. Dennoch wollte Novalyne die Freundschaft gern aufrechterhalten, was Robert mit einem bitterbösen Brief quittierte, in dem er ihr und Truett vorwarf, ihn unfair behandelt zu haben.

Mitte des Sommers hatte er sich einigermaßen beruhigt, aber der unrühmliche Ausgang ihrer Beziehung beschäftigte ihn und fand selbstverständlich Eingang in seine Literatur, wenn auch anders, als man es vielleicht von ihm erwarten würde. Er stellte mehrere Beckenridge Elkins – Geschichten zu einem Roman zusammen, der letztendlich 1937 in Großbritannien als „A Gent From Bear Creek“ veröffentlicht wurde. Was die einzelnen Erzählungen verband, war eine Romanze zwischen Elkins und einer gewissen Glory McGraw. Natürlich ist die Liebelei von einigem humoristischen Hin und Her gekennzeichnet, doch im letzten Kapitel, das Robert in dieser Zeit extra für das Buch schrieb, setzen sie sich zusammen, erkennen, wie dumm sie waren und verloben sich. Es ist ein Happy End. In Roberts Gesamtwerk weisen nur sehr wenige Einzelstücke ein ähnlich optimistisches Ende auf. Es macht mich unendlich traurig, dass er sich damit literarisch offensichtlich einen Wunsch erfüllte, der in der Realität niemals wahr werden würde. Er schrieb für Elkins das Happy End, das er sich selbst mit Novalyne wünschte. Da blutet mir das Herz.

Im folgenden Jahr gingen Novalyne und Robert noch ein paar Mal als Freunde miteinander aus, doch ihr Verhältnis blieb angespannt. Zu viel Ungesagtes stand zwischen ihnen und Roberts äußerliche Veränderung, der angefangen hatte, erst einen Schnurrbart und später einen schwarzen Sombrero, ein rotes Halstuch und schwarze Cowboyhosen zu tragen, war Novalyne peinlich. Sie ging ihm so weit wie möglich aus dem Weg. Ende Februar 1936 tauchte Robert bei ihr auf, mitten in einer depressiven Phase. Es ging ihm schlecht; seine Mutter baute immer weiter ab und ihre Pflege zehrte an ihm. Scheinbar platze Novalyne da der Kragen. Sie forderte ihn heraus, hinterfragte seine Opferbereitschaft für Hester und sagte ihm, dass niemand erwarten könne, dass er ihretwegen sein ganzes Leben aufgab, inklusive des Schreibens. Robert reagierte wütend. Er fuhr sie an, dass all seine Arbeit ohne einen geliebten Menschen nichts wert sei. Novalyne war erschüttert. Den Tränen nahe gestand sie ihm, dass sie im Sommer für ein Lehramtsstudium auf die Universität in Louisiana gehen würde. Robert gratulierte ihr – nicht nur zu ihrem Studienplatz, sondern auch dazu, dass sie herausgefunden hatte, was sie mit ihrem Leben anstellen wollte. Er hätte so etwas nicht.

Ende Mai 1936 verabschiedeten sie sich voneinander. Novalyne zog nach Louisiana und Robert blieb in Cross Plains. Sie schwor sich, den Kontakt und die Freundschaft aufrechtzuerhalten. Sie schwor sich, Robert zu schreiben. Sie tat es nie. Sie sprachen nie wieder miteinander.

Ich kann nicht beurteilen, wie tief Roberts Gefühle für Novalyne tatsächlich waren. Er offenbarte ihr definitiv mehr von seiner Seele als irgendjemandem sonst. Aber liebte er sie? Da bin ich mir nicht sicher. Ich bin nicht mal sicher, ob er überhaupt verliebt in sie war. Ein Teil von mir vermutet, dass er die Idee einer Beziehung mehr liebte als Novalyne als Person. In ihr hatte er einen Freund gefunden, der ihn verstand, viele seiner Leidenschaften teilte, ihm zuhörte – ich habe den Eindruck, dass Robert spät aufging, dass dieser Freund eben zufällig eine Frau war und dies bedeutete, dass er eine romantische Beziehung haben konnte, was in seinem Leben eine absolute Neuheit war. Ich denke, er schätzte Novalyne am meisten für die Möglichkeit, die sie repräsentierte: eine Zukunft außerhalb des Einflussbereichs seiner Eltern, vielleicht sogar eine Zukunft außerhalb von Cross Plains. Als sie ihn verließ, nahm sie auch seine Hoffnung auf Unabhängigkeit und persönliches Glück mit sich. Ich ahne, dass ihn dieser Verlust mehr schmerzte als die Trennung an sich. Wieder war er allein mit seinen Eltern und dem Elend, das im Haus der Howards wohnte.

Als sich Novalyne und Robert voneinander verabschiedeten, wussten sie wahrscheinlich nicht, dass er nur noch wenige Wochen leben würde. Bevor wir uns der kurzen Zeit, die ihm noch blieb und den mutmaßlichen Gründen für seinen Selbstmord widmen, möchte ich für uns alle noch einmal eine Pause einlegen. Lasst die Informationen sacken und wappnet euch für den letzten Abschnitt seines Lebens, den wir morgen gemeinsam durchstehen.

 

Quellenverzeichnis (PDF)

Header-Bildquellen
Wild West – Landschaft: Seita/Shutterstock.com
Schwert im Felsen: KUCO/Shutterstock.com

 

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2 Antworten zu “[Robert E. Howard & Conan der Barbar] Kapitel 2 – Robert E. Howard: Der tragische König der Kurzgeschichte (Teil 4)

  1. Der Büchernarr

    23. September 2020 at 10:48 am

    Ich frag mich, ob man heutzutage tatsächlich jedes Detail aus dem Privatleben von Howard in Erfahrung bringen kann (was auch für andere Biografien anderer Persönlichkeiten gilt). Allerdings passt es zu seimer öffentlich bekannten Sozialstruktur …

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      23. September 2020 at 10:52 am

      Kann man nicht, es gibt vieles, was nicht bekannt ist. Über bestimmte Dinge hat Robert nicht gesprochen oder die Menschen, mit denen er gesprochen hat, haben ihr Wissen mit ins Grab genommen.

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