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Brian McClellan – Blood of Empire

15 Apr

„Blood of Empire“ ist das Finale der „Gods of Blood and Powder”-Trilogie von Brian McClellan. Es ist außerdem der vorerst letzte Band, der im „Powder Mage“-Universum spielt. So sehr ich das bedauere, habe ich für alle Fans gute Nachrichten: McClellan hat kürzlich einen Vertrag für eine neue High Fantasy – Reihe unterschrieben. Der erste Band wird voraussichtlich „In the Shadow of Lightning“ heißen und ist für Frühling 2022 geplant. Leider ist das noch ganz schön lange hin. Wie wäre es für die Wartezeit mit Urban Fantasy? Seit 2019 veröffentlicht McClellan nämlich im Selfpublishing die Reihe „Valkyrie Collections“, deren zwei Bände für kleines Geld als E-Books erworben werden können. Mit diesen Aussichten fällt der Abschied von Michel, Styke und Vlora in „Blood of Empire“ doch gleich leichter.

Die Pläne der Dynize stehen kurz vor ihrer Vollendung. Ganz Fatrasta ächzt unter der Besatzung, die bereits viele Leben kostete. Doch noch ist nicht alles verloren. In Landfall bemüht sich der Spion Michel Bravis mithilfe der Widerstandsbewegung der Palo, die Herrschaft der Dynize von innen zu destabilisieren. Ben Styke und seine Mad Lancers wagen eine verrückte Mission und dringen als kleinste Invasionstruppe der Geschichte ins Feindgebiet vor, um den letzten Götterstein zu zerstören. Die schwer verletzte und ihrer Kräfte beraubte Lady Vlora Flint, ihre Riflejacks und das Heer aus Adro kämpfen sich auf dem Landweg zurück nach Landfall, um zu verhindern, dass Ka-Sedial den Götterstein in seinem Besitz aktiviert. Ihnen allen bleibt nicht mehr viel Zeit. Wollen sie das Vorhaben der Dynize vereiteln, müssen sie sich beeilen. Denn niemand kann vorhersagen, welche Konsequenzen die Wiedererweckung eines Gottes hätte – für Fatrasta und für die ganze Welt.

Was für ein Finale! Brian McClellan lässt kaum Wünsche offen. Ich hatte viel Spaß mit „Blood of Empire“, das mich erneut mit jeder Menge Nervenkitzel, dem kreativen Worldbuilding und der Entwicklung der Charaktere überzeugte. Es war ein Genuss, weil McClellan in diesem Trilogieabschluss so viel mehr tut, als nur zu Ende zu bringen, was er in den beiden Vorgängern begann. Seine unermüdliche Erweiterung aller Aspekte seiner Geschichte begeisterte mich schon damals in „The Autumn Republic“ und beeindruckte mich auch jetzt wieder. Er begnügt sich niemals mit dem Status Quo, sondern bemüht sich redlich, neue Elemente hinzuzufügen und zu vertiefen, was bereits vorhanden ist. Das finde ich grandios, weil es dadurch selbst im Finale so viel zu entdecken gibt. In „Blood of Empire“ faszinierte mich vor allem die differenzierte Ausschattierung des Feindbildes der Dynize. Die drei Hauptfiguren Michel, Styke und Vlora, deren Erzählstränge McClellan weitgehend getrennt und autark hält, bieten unterschiedliche Perspektiven auf die Nation, die Fatrasta zu unterwerfen gedenkt. Während Michel in Landfall den Verwaltungsapparat und Vlora im Feld die militärische Organisation der Dynize als Besatzungsmacht beleuchten, stellt Styke durch seine Mini-Invasion einen Bezug zu den Dynize als Volk und Kultur her. Dank dieser interessanten Mischung verflüchtigt sich der Eindruck der Bösartigkeit, der die bisherige Charakterisierung prägte. Ich begriff, dass die Dynize unter den Auswirkungen des desaströsen Bürgerkriegs leiden, der ihr Land jahrzehntelang spaltete und der Überfall auf Fatrasta den Versuch einer einenden Genesungskur darstellt. Ein gemeinsamer Gegner eignet sich hervorragend als gesellschaftlicher Klebstoff. Den Menschen in Dynize wurde die Invasion Fatrastas propagandistisch verkauft, in ihrem Alltag spielt dieser ferne Krieg allerdings kaum eine Rolle. Auf diese Weise entdämonisiert McClellan das Volk und lastet die Verantwortung demjenigen an, der sie tatsächlich trägt: Ka-Sedial, dessen Beweggründe ich ebenfalls besser zu verstehen lernte. Zweifellos ist Sedial ein blutrünstiger, verblendeter Tyrann, aber seine grundlegende Motivation war für mich absolut nachvollziehbar. Er wünscht sich Stabilität für Dynize. Das ist nicht verwerflich und könnte sogar als edel bezeichnet werden – glaubte er nicht, er sei der Einzige, der dies erreichen könnte und bräuchte dafür abscheuliche Methoden. Es dauerte lange, bis ich in der Lage war, auszuformulieren, was Michel, Vlora und Styke konkret zu verhindern versuchen. Erst im letzten Drittel von „Blood of Empire“ wurde mir klar, wogegen genau sie kämpfen. „Wiedererweckung eines Gottes“ klang abstrakt, weil McClellan leider so gut wie nichts über diesen Gott verrät und nicht erläutert, inwiefern der Imperator der Dynize in diese Mission involviert ist, wodurch ich auch dessen Beziehung zu Sedial nicht durchschauen konnte. Deshalb erschloss sich mir die Signifikanz des durchaus spannenden finalen Showdowns nicht vollkommen. Das ist schade, letztendlich zählte das Ergebnis jedoch mehr als der detaillierte Verlauf. Und mit diesem bin ich rundum zufrieden.

„Blood of Empire“ ist ein würdiger Abschluss der „Gods of Blood and Powder“-Trilogie. Die Lektüre hat mich sehr glücklich gemacht. Ich bedauere, in dieser Rezension nicht auf alle bemerkenswerten Aspekte eingehen und besonders der Ausarbeitung der Hauptfiguren nicht mehr Aufmerksamkeit schenken zu können. In meinen Notizen habe ich umfangreiche Analysen ihrer Charaktere angefertigt, die hier leider jeden Rahmen sprengen würden.
Ich finde es sehr traurig, dass Brian McClellan vorerst nicht plant, in sein „Powder Mage“-Universum zurückzukehren. Ich hoffe von Herzen, dass er lediglich eine Pause einlegt, denn nach „Blood of Empire“ bin ich fest überzeugt, dass diese Welt zahllose weitere Geschichte bietet, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Es wäre wunderbar, würde McClellan das genauso sehen. Ich freue mich auf „In the Shadow of Lightning“ und werde auch den „Valkyrie Collections“ einen Besuch abstatten. Aber den einzigartigen Geschmack von Magie und Schießpulver werde ich nie vergessen.

 

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