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Montagsfrage: Erfahrungen mit Selfpublishern?

12 Aug

Hallo ihr Lieben! 🙂

Kennt ihr das Gefühl, ewig in einem Buch festzustecken? So ergeht es mir mit meiner letzten Lektüre „The Red Wolf Conspiracy“ von Robert V.S. Redick, die ich heute Morgen endlich beendet habe. Ich weiß gar nicht, was genau das Problem war. Darüber muss ich noch mal nachdenken, bevor ich die Rezension schreibe. Ich mochte das Buch, aber irgendwie kam ich nur sehr langsam voran. So langsam, dass ich mich jetzt wirklich darauf freue, ein neues Buch aussuchen zu können. Bevor ich meine Bibliothek nach der nächsten Geschichte durchforste, beantworte ich aber erst einmal die Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise!

Was sind eure Erfahrungen mit self-publishing Autor_innen?

Hmm, wie fasse ich das am besten zusammen? Über die Jahre, die es meinen Blog nun schon gibt, habe ich definitiv einige Erfahrungen mit Selfpublishern gesammelt, über ganz verschiedene Kanäle. Ich habe Autor_innen kennengelernt, die mir ihr selbstveröffentlichtes Buch persönlich per Mail zur Rezension angeboten haben, ich fand Bücher bei Netgalley, die im Selbstverlag erscheinen sollten (Netgalley ist eine Plattform, die Vorabexemplare zur Rezension anbietet) und ich bin durch Buchcommunities wie Goodreads selbst auf Selfpublisher aufmerksam geworden. Außerdem helfe ich gerade meiner lieben Schwester im Geiste, DarkFairy, ihr erstes Buch im Selbstverlag auf den Markt zu bringen – ich habe mich als Testleserin angeboten und unterstütze sie mit Korrektorat/Lektorat. Dazu wird es in absehbarer Zukunft natürlich einen ausführlichen Bericht geben. 😉

Grundsätzlich bin ich Selfpublishern gegenüber folglich aufgeschlossen, obwohl ich Antonia zustimme, dass es nicht immer ganz einfach ist, mit dieser speziellen Nische des Buchmarktes in Kontakt zu treten. Das liegt meiner Ansicht nach schlicht daran, dass Selbstverleger_innen normalerweise nicht dieselben Mittel für Werbemaßnahmen zur Verfügung stehen, auf die Verlage zurückgreifen können. Wer Lust hat, mal ein bisschen in die Möglichkeiten selbstorganisierter Autor_innen hineinzuschnuppern, sollte unbedingt mal auf der Website von Laura Newman vorbeischauen, die dort sehr detaillierte und offene Dokumentationen ihrer Werbestrategien veröffentlichte (HIER). Ich fand ihre Berichte äußerst interessant. Aber zurück zum Thema. Letztendlich begegnen mir selbstverlegte Bücher auf denselben Wegen wie Bücher, die von einem großen Verlag veröffentlicht wurden. Der Unterschied besteht in der Frequenz. Verlagswerke haben es zweifellos leichter, weil sie mehr oder weniger aggressiv beworben werden, in Verlagsvorschauen auftauchen und die Autor_innen meist einfach bekannter sind. Ein kleines Selfpublishing-Exemplar muss schon verflixt gut sein, um sich daneben behaupten zu können.

Deshalb finde ich das Konzept von Netgalley genial. Dort werden alle Bücher gleichberechtigt angepriesen und man kann sich mit ein bisschen Zeit nach Lust und Laune für eine bunte Mischung von Vorabexemplaren bewerben. Ich gönne mir den Spaß in unregelmäßigen Abständen,  klicke mich durch ihr Angebot und bewerbe mich, wenn Genre, Cover und Inhaltsangabe mein Interesse wecken. Was leider nicht funktioniert, ist, sich ausschließlich Selfpublisher anzeigen zu lassen. Man muss hier also genauso viel Geduld aufbringen wie auf anderen Seiten, zum Beispiel Amazon. Ich kenne keine Plattform, auf der man gezielt nach Büchern im Selbstverlag stöbern kann. Vielleicht wisst ihr da mehr?

Widmen wir uns nun der Qualität. Ich habe dazu natürlich keine Statistik aufgestellt, aber ich denke, rechne ich es hoch, sind selbstveröffentlichte Bücher ebenso oft schlecht oder gut wie Bücher, die bei einem Verlag eine Qualitätsüberprüfung absolviert haben. Das Vorurteil, dass Selfpublisher den Markt sowieso nur mit Mist überschwemmen, der lediglich von Blutsverwandten für gut befunden werden kann, kann ich nicht bestätigen. Einige populäre Autor_innen begannen ihre Karriere als Selbstverleger_innen, darunter Andy Weir, dessen Roman „The Martian“ mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt wurde und Becky Chambers, deren Debüt „The long way to a small, angry planet“ für unzählige Preise nominiert wurde. Beide kamen letztendlich bei Verlagen unter. Die Art der Veröffentlichung sagt überhaupt nichts über die Qualität der Geschichte aus. Es mag sein, dass selbstverlegte Bücher weniger Feinschliff besitzen und sicher gibt es die berüchtigten Schundromane, die von der Mutti über den grünen Klee gelobt wurden, in Wahrheit allerdings kaum als Brandmaterial taugen, aber es lohnt sich dennoch, sie nicht grundsätzlich abzulehnen. Diamanten findet man nun mal im Dreck. Ich würde jetzt gern konkrete Beispiele nennen, da ich jedoch wenig darüber nachdenke, wie ein Buch erschienen ist, will mir dummerweise nichts einfallen. Ich bin schließlich nicht grundlos stolz darauf, jedem Werk erst einmal dieselbe Chance einzuräumen.

Nichtdestotrotz muss ich zugeben, dass ich Rezensionsanfragen von Selfpublishern mittlerweile sehr kritisch beurteile, vielleicht kritischer, als ich es bei Angeboten von Verlagen tue. Ich nehme diese Anfragen nur noch sehr selten an. Einige ignoriere ich von Vornherein, weil es mich ärgert, wenn mein Blog in diesen Mails gelobt wird, mir dann aber beispielsweise ein Liebesroman angedreht werden soll. Hätte die betreffende Person meinen Blog nämlich aufmerksam gelesen, wüsste sie, dass ich Liebesromane meide. Wer etwas von mir will, sollte sich zumindest die Mühe machen, herauszufinden, ob ich die richtige Adresse dafür bin. Das kommt in den letzten Jahren glücklicherweise nicht mehr oft vor. Allzu ambitionierte Projekte sortiere ich ebenfalls aus, denn ich habe wirklich keine Lust, nach Ankündigungen, man würde „die Fantasy neu erfinden“, enttäuscht zu werden. Ich bin misstrauisch, weil meine Logik mir sagt, wäre das Buch tatsächlich so revolutionär, hätte es doch einen Verlag gefunden. Das ist vermutlich ein bisschen unfair, aber meine Lesezeit ist mir zu kostbar, um sie mit pseudo-originellen Geschichten zu verschwenden. Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher kristallisiert sich heraus, dass mir wirklich selten selbstverlegte Bücher per Mail angeboten werden, die mein Interesse wecken. Also lehne ich den Großteil ab oder mache mir gar nicht erst die Mühe, zu antworten – immer dann, wenn ich glaube, dass es sich dabei sowieso nur um eine Rundmail handelt, in der lediglich die Anrede angepasst wurde. Ich habe mit Selfpublishern, die ich selbst entdeckt habe, wesentlich bessere Erfahrungen gemacht.

Welche Erfahrungen konntet ihr mit Selfpublishern sammeln?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen grandiosen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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4 Antworten zu “Montagsfrage: Erfahrungen mit Selfpublishern?

  1. theRealDarkFairy

    12. August 2019 at 4:49 pm

    Sei gegrüßt Elli!

    Ich freue mir hier grad nen Ast und nen Keks und überhaupt, dass du mich und mein Buch erwähnt hast ^^‘
    Ach, was sag ich: Ein ganzer Baum und eine ganze Keksdose materialisieren sich hier gerade 😀

    In das von dir Verlinkte Werbe-Experiment habe ich gerade schon mal rein gelesen. Super interessant. Dass schau ich mir nochmal in Ruhe an.

    Und jetzt werde ich erstmal selbst die Montagsfrage beantworten.

    Liebe Grüße
    Marina

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      12. August 2019 at 4:55 pm

      Huhu,

      ach wie schön! Wurde ja eigentlich auch mal Zeit, dass ich erzähle, was wir hinter den Kulissen so treiben. 😉

      Laura Newman dokumentiert insgesamt ziemlich ausführlich, wie Selfpublishing funktioniert. Ihr Blog ist garantiert interessant für dich.

      Dann schau ich nachher noch mal bei dir rein! 🙂

      LG
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  2. Der Büchernarr

    12. August 2019 at 5:06 pm

    Hallo Elli,

    ich mache mir immerhin oftmals die Mühe und sende den Rundmail-Anfragen eine Standard-Antwort-Absage. Allerdings kommen solche Anfragen mittlerweile nur noch selten. Die meisten schauen sich tatsächlich ganz gezielt die Blogs an und schauen, ob ihr Buch passt.

    Netgalley versteh ich jetzt nicht unbedingt als Plattform für Vorab-Exemplare. Viele Verlage stellen dort auch Bücher zur Verfügung, die schon seit ein paar Monaten auf dem Markt sind. Ist vermutlich verlagsabhängig …

    Viele Grüße
    Der Büchernarr

    Gefällt 1 Person

     
  3. Emma Escamilla

    12. August 2019 at 11:36 pm

    Hallo Elli,

    interessant, welche Erfahrungen du mit Selfpublishern gemacht hast. Wir scheinen uns da wirklich sehr zu ähneln und ich würde (fast) alles so unterschreiben. Das mit den Rundmails ist mir auch schon aufgefallen. Mir wurde z. B. mal ein historischer Roman von einer Autorin angeboten (ich glaube, der stammte aber sogar aus einem Kleinverlag), obwohl ich gar keine historischen Romane lese. Aber sowas kommt selten vor.

    Ein bisschen gestolpert bin ich über die Aussage: „Ich bin misstrauisch, weil meine Logik mir sagt, wäre das Buch tatsächlich so revolutionär, hätte es doch einen Verlag gefunden.“ So kann man das nicht sagen. Damit würdest du ja behaupten, dass alle Selfpublisher ihr Manuskript zuerst einem Verlag anbieten und nur wenn sie dort abgelehnt werden, das Buch selbst veröffentlichen. Das ist aber bei vielen, die ich kennengelernt habe, gar nicht der Fall. Gründe für das Selfpublishing wären z. B. dass man die Kontrolle über und die Rechte an seinem Manuskript behalten möchte. Viele Selfpublisher bieten ihr Manuskript also nie einem Verlag an.

    Ich bin bei solchen Aussagen wie „Fantasy neu erfunden“ allerdings grundsätzlich skeptisch, auch wenn sie von einem Verlag kommen. Das hört sich für mich einfach „zu gut um wahr zu sein“ an, wenn du verstehst, was ich meine. Vielleicht bin ich auch einfach schon zu oft auf solche Aussagen (auch von Verlagen) hereingefallen. Man lernt ja auch mit der Zeit dazu. 🙂

    Warme Sommergrüße,
    Emma

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