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Montagsfrage: Grusel, Gänsehaut und emotionale Intensität?

29 Jul

Hallo ihr Lieben! 🙂

Das Drama nimmt kein Ende. Ich sags euch, als Hundemutter macht man was mit. Bei Chilli wurden letzte Woche durch einen routinemäßigen Bluttest Blutparasiten festgestellt. Blutparasiten! Dieser Hund muss auch wirklich jeden Quatsch mitmachen. Vermutlich wurden sie durch einen Zeckenbiss übertragen. Seltsam, denn natürlich ist sie gegen Zecken und anderes Ungeziefer geschützt und ich habe ihr in der letzten Zeit keine entfernt, obwohl ich ihre Haut ja beinahe jeden Abend einer Faszienmassage unterziehe. Woher auch immer das Mistvieh kam, ihre Blutergebnisse ergaben eine akute Anämie, also einen Mangel an roten Blutkörperchen, was ein Anzeichen für eine Infektion ist. Wir fuhren also sofort wieder zum Arzt und ich ließ einen weiteren Bluttest machen, um herauszufinden, welche Parasiten das sind und welches Medikament sie bekommen muss. Es stellte sich heraus, dass sie tatsächlich eine leichte Infektion hat, die glücklicherweise mit einem Antibiotikum behandelt werden kann. Wir hatten unglaubliches Glück. Solches Glück, dass ich noch immer daran knapse, die ganze Situation zu verarbeiten. Chilli hätte sterben können. Wird so eine Infektion nicht therapiert, verläuft sie tödlich. Normalerweise fällt eine Anämie durch Verhaltensveränderungen auf. Der Hund ist schlapp, möchte sich nicht bewegen, die Schleimhäute sind blass, Gliederschmerzen können auftreten. Alles Punkte, die bei einem gesunden Vierbeiner sofort die Alarmglocken schrillen lassen. Aber bei einem Hund wie Chilli, die sowieso permanent Schmerzen leidet, stark bewegungseingeschränkt ist und von Hause aus dunkle Schleimhäute hat, ist es sehr schwer, diese Symptome korrekt zu deuten. Ich dachte, ihr Rücken quält sie, denn das ist bei ihr immer die naheliegende Antwort. Sie hat so viele Symptome, so viele Baustellen, dass ich sie nicht mehr auseinanderhalten kann. Wären wir nicht genau jetzt zum jährlichen Checkup gegangen, hätte ich vermutlich erst viel zu spät gemerkt, dass mit ihr etwas anderes nicht stimmt. Im schlimmsten Fall wäre sie gestorben. Das Timing war schicksalhaft. Der Routine-Bluttest hat ihr das Leben gerettet. Also Leute, ich weiß, Blutuntersuchungen sind teuer, aber spart daran nicht. Dabei können Erkrankungen festgestellt werden, die wir als Mamas und Papas aus verschiedenen Gründen einfach nicht sehen. Und bitte, bitte, verzichtet nicht auf einen Ungezieferschutz. Chillis wird auch noch einmal aufgefrischt, sobald die Infektion ausgestanden ist.
Nun wollen wir dieses ernste Thema aber hinter uns lassen, uns freuen, dass Chilli rechtzeitig behandelt werden kann und uns endlich der Montagsfrage von Antonia von Lauter&Leise widmen, dafür sind wir schließlich hier. 😉

Können Bücher bei euch das Blut in den Adern gefrieren lassen?

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mit der Frage heute nicht viel anfangen kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, worauf Antonia hinauswill. Ich glaube, eigentlich fragt sie nach emotionaler Intensität; danach, inwieweit wir uns auf eine Geschichte einlassen können. Ich muss darauf frustrierend unspezifisch antworten: das hängt von der Geschichte ab. Grundsätzlich bin ich immer bereit, alle Gefühle der Figuren zu teilen und mich von der Atmosphäre einsaugen zu lassen. Die besten Bücher sind diejenigen, die die Grenzen zwischen mir als Leserin und der Handlung überwinden, in denen ich mich als Teil der Geschichte empfinde und keinerlei emotionale Barriere mehr existiert. Diese Bücher bringen mich zum Weinen, zum Lachen und ja, auch mal zum Fürchten. Aber das schaffen eben nicht alle Autor_innen. Ich glaube, für diese Leseerlebnisse muss einfach alles harmonisch passen: die Thematik, die Identifikation mit den Figuren, der Schreibstil, das Worldbuilding (falls nötig), die Stimmung und viele Kleinigkeiten mehr. Erst dann vergesse ich, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. Schriftsteller_innen, denen das bei mir gelang, waren zum Beispiel Laini Taylor, Patrick Ness und Nicholas Eames. Das heißt nicht, dass das betreffende Buch tatsächlich perfekt sein muss und keine Fehler oder Mängel haben darf, nein, es geht um das berühmte Gesamtpaket. Ich verzeihe kleine Logiklöcher gern, wenn ich trotzdem so richtig in der Geschichte drin bin. Ich glaube, für mich wird es intensiv, wenn meine Gefühlsebene meine Verstandesebene überstimmt. Dann mag es sein, dass meinem analytischen Ich Patzer auffallen, aber weil mein emotionales Ich befriedigt wird, ist es mir egal.

Demzufolge bin ich durchaus fähig, mich richtig zu gruseln und das Blut in meinen Adern gefrieren zu lassen. Da wir hier allerdings explizit über Horror und Nervenkitzel sprechen, muss ich an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass Schauerliteratur immer einen besonders schweren Stand hat. Angst ist äußerst persönlich und individuell. Damit ich während eines Horrorromans eine Gänsehaut bekomme (im übertragenen Sinne, buchstäblich konnte ich das bei mir noch nie beobachten), muss dieser meine Angstfantasien gezielt ansprechen. So funktionieren Entitäten wie Geister bei mir zum Beispiel sehr gut, paranormale Wesen wie Werwölfe und Vampire oder ganz profane menschliche Serienkiller hingegen nicht. Das ist bei Horrorfilmen der Fall und bei Büchern eben auch.
Außerdem habe ich festgestellt, dass die Herangehensweise des Autors oder der Autorin für mich eine große Rolle spielt. Je länger man mir verschweigt, was eigentlich vor sich geht, welches Monster da im Dunkeln lauert, desto aktiver arbeitet meine eigene Fantasie. Weiß ich früh, wovor ich mich fürchten soll, geht für mich ein entscheidender Anteil des Nervenkitzels verloren. Andeutungen, subtile Hinweise und Anspielungen jagen mir eher Schauer über den Rücken als konkrete Ansagen. Mir macht das, was ich nicht sehen oder greifen kann, weit mehr Angst als das, womit ich schwarz auf weiß konfrontiert werde. Nichts ist so unheimlich wie die eigene Vorstellungskraft. Jemand, der das wirklich verstanden hat, ist natürlich Stephen King. Von „ES“ hatte ich tatsächlich Albträume und ein ziemliches mulmiges Gefühl im Bauch, als ich Nachts allein mit Chilli Gassi gehen musste… Das Geräusch des Windes in den Bäumen klang wie die Schwingen eines riesigen Vogels… Brrr. Ein interessanter Fall ist auch Thomas Finn. Sein Roman „Weißer Schrecken“ hat alle meine Knöpfe gedrückt. Ich genoss den Schauder, den mir die gruselige, atmosphärische Geschichte um den düsteren Knecht Ruprecht bescherte. „Dark Wood“ dagegen sprach meine Ängste nicht an, weshalb ich es zwar spannend und aufregend, aber nicht wirklich unheimlich fand. Da sieht man, wie wichtig individuelle Faktoren sind.

Oh und noch ein Funfact über mich zum Abschluss: Horror gehört für mich in die dunklen Jahreszeiten. Ein Buch, das versucht, mir trotz Beschreibungen von knalligem Sonnenschein Angst zu machen, wird höchstwahrscheinlich scheitern. Ich brauche Kälte, Nässe, Wind, Nebel und Dunkelheit, gerne auch Schnee und Eis. Bisher gab es von dieser Regel nur eine Ausnahme – das bereits erwähnte „ES“. Aber mal ehrlich, dabei sprechen wir schließlich über den Meister des Horrors, der braucht eben keine saisonale Hilfe.

Lasst ihr euch von Büchern so richtig Angst einjagen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen hervorragenden Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

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6 Antworten zu “Montagsfrage: Grusel, Gänsehaut und emotionale Intensität?

  1. Torsten's Bücherecke

    29. Juli 2019 at 12:31 pm

    Hallo Elli,

    da ging es dir wie mir. Ich hatte erst auch leichte Schwierigkeiten mit der Frage, bis ich mir die Ausführungen von Antonia angesehen habe. 😉

    Ja, vermutlich muss wirklich das Paket stimmen. Wichtig ist, dass ich eine gewisse Bindung zu den Charakteren aufbaue. Sonst kann ich auch nicht mit ihnen Leiden oder mich mit ihnen freuen.

    LG

    Torsten

    Gefällt 1 Person

     
  2. amaunet0101

    29. Juli 2019 at 1:21 pm

    Im Gegensatz zu Filmen jagen mir Horrorszenarien in Büchern im allgemeinen keine Angst ein. Klar, auch ich gehe nach so einem Buch lieber bei Licht nachts auf die Toilette, aber die Wirkung von Filmszenen ist bei mir viel stärker.

    Die berühmte Ausnahme hast du schon angesprochen: ES war dieses eine Buch, das mir wirklich Angst gemaacht hat. Ich konnte dieses Meisterwerk (und das ist es in meinen Augen unbedingt) nicht abends lesen, weil ich danach Albträume hatte.

    Alles Gute für Chilli. Ich drück die Daumen, dass die Therapie anschlägt

    Gefällt 1 Person

     
  3. Caroline

    29. Juli 2019 at 3:10 pm

    Huhu! Gute Besserung für die liebe Chilli. Mit den Hunden hat man ordentlich zu tun, was? Meine ist ebenfalls nicht ohne Leiden und Zipperlein, tatsächlich wurde bei ihr Morbus Cushing festgestellt, was bei ihrer Größe eher ungewöhnlich ist – normalerweise kriegen das eher kleine Hunde. Naja, aber sie hat es, es ist zum Glück medikamentös momentan wieder gut eingestellt. In der letzten Zeit hatten wir da einiges an Problemchen und Beschwerden, weil es ihr einige Tage richtig schlecht ging, mit Schwächeanfall und allem Drum und Dran. Die arme Maus. Aber gerade geht´s ihr wieder richtig gut, zum Glück. Hoffe, Chilli bald auch wieder.
    Zum Thema: Wenn du dich gut auf Geistergeschichten einlassen kannst, kennst du dann denn schon die „Lockwood & Co“-Reihe von Jonathan Stroud? Ich LIEBE diese Reihe, ganz ehrlich. Im ersten Moment mag sie einem wie eine Jugendbuchreihe erscheinen, aber eigentlich finde ich sie ziemlich erwachsen. Und vor allem hat diese Reihe es bei mir wirklich geschafft, dass ich völlig gefangen war von den Geisterbeschreibungen und den Versuchen von Lockwood & Co., dem Herr zu werden. Manchmal lag ich abends echt im Bett und habe mich erstmal umgesehen, ob nicht irgendwo etwas helles leuchtendes herumsteht… 😀 Also, hier somit ein Lesetipp von mir, wenn du die Reihe noch nicht kennst.
    Viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

     
  4. sanne1978

    29. Juli 2019 at 6:55 pm

    Hallo Elli,

    alles Gute für Chilli. Glücklicherweise ist die neue Erkrankung früh genug erkannt worden und eine Behandlung möglichl. Gute Besserung. Auch für Deine Nerven.

    Ich hab die Montagsfrage ähnlich wie Du gedeutet. Als verdammt emotionaler Mensch fühle ich in vielen Büchern auch sehr intensiv mit. Aber ich lese ja auch viele Biografien oder Zeitgeschichtliches. Da ist das wohl nochmal was anderes als bei Fantasy und ähnlichem.

    Liebe Grüße
    Susanne aka Wortgestalten

    Gefällt 1 Person

     
  5. Kirsi

    29. Juli 2019 at 7:52 pm

    Das Buch welches Dich zum Gruseln brachte war genau das bei welchem ich mich auch immer irgendwie verfolgt fühlte. Pennywise war einfach immer bei mir so kam es mir vor. Durch dieses Buch bin ich auch ein großer Fan von ihm geworden und habe viele seiner Bücher verschlungen.

    Deinem Hund gute Besserung, gut dass das so schnell erkannt worden ist. Und Dein Hund genießt die Massage unsere Coco hält zwar still, aber so ganz ist es nicht ihr Ding,
    schönen Abend
    Kirsi

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