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Montagsfrage: Bist du ein Borger?

22 Okt

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wir haben unsere erste Anschaffung als Ehepaar getätigt! Am letzten Freitag sind wir losgezogen und haben uns eine neue Couch gekauft. Das ist dringend nötig. In diesem Augenblick sitze ich auf einer gefalteten Decke, damit mich die Federn, die aus der alten Couch herausschauen, nicht in den Po pieksen. Ich glaube, ich saß am Freitag auf jedem einzelnen Sofa, das das Möbelgeschäft anzubieten hat. Nach zahllosen Sitzproben wollte ich schon aufgeben – und dann sah ich sie. Ich setzte mich und war sofort verliebt. Ein Traum. Wie sie dort stand, hätte die Couch nicht in unser Wohnzimmer gepasst, aber glücklicherweise konnten wir die Module nach Belieben kombinieren. Der Spaß wird deutlich teurer, als wir ursprünglich veranschlagt hatten und ich gebe zu, dass ich deswegen immer noch mit einem schlechten Gewissen kämpfe. Ich versuche, mir zu vergegenwärtigen, dass die Couch zu Hause unser absoluter Lebensmittelpunkt ist. Wir essen, arbeiten, schlafen und faulenzen darauf. Ich verbringe dort mehr Zeit als im Bett. Und was noch viel wichtiger ist: ich lese darauf! Ich will es bequem haben und ich möchte, dass mein Lebensmittelpunkt meiner Wunschvorstellung so weit wie möglich entspricht. Die neue Couch kommt dem sehr nahe und darum weiß ich rational, dass sie jeden Cent Wert sein wird. Emotional verliere ich meine Gewissensbisse vermutlich erst, wenn wir sie aufgebaut haben. 😉 Es gibt bisher keinen Liefertermin, weil sie vom Hersteller erst gebastelt werden muss. Möglicherweise kommt sie in der Woche vor Weihnachten bei uns an. Das wäre großartig, denn ein besseres Weihnachtsgeschenk kann ich mir nicht vorstellen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten und wenn es soweit ist, versorge ich euch bestimmt mit Fotos von meinem neuen Leseplatz. 😀
Bis Weihnachten ist es allerdings noch ein bisschen hin, daher widmen wir uns jetzt ganz traditionell dem Wochenstart und schauen mal, was Antonia von Lauter&Leise im Rahmen der Montagsfrage heute von uns wissen möchte.

Leihst du Bücher aus Bibliotheken aus? Wenn ja, warum – wenn nein, warum nicht?

Obwohl meine Heimatstadt Berlin ein Paradies ist, was Bibliotheken betrifft, nutze ich sie nicht. Ich besitze einen Bibliotheksausweis. Habe ich mal in einem Anflug guter Vorsätze erworben. Ich habe ihn noch nie verwendet. Ich weiß, dass Bibliotheken großartige Einrichtungen sind und für einen Vielleser wie mich deutliche Vorteile bieten. Zu leihen ist günstig, umweltbewusst, platzsparend und irgendwie sozial, weil man sich ein Buch teilt und aus dem Haus gehen muss, um es auszuborgen. Es ist toll. Wirklich. Ich weiß das. Leider interessiert das den Neandertaler in mir nicht. Jedes Mal, wenn ich daran denke, mal eine Bibliothek zu besuchen, steht er (aus irgendeinem Grund ist mein innerer Neandertaler maskulin) drohend an meiner Seite und schwingt grunzend die Keule. Er hat nur einen Lebensinhalt: Jagen und Sammeln. Seine Beute sind Bücher. Ein Buch nur zu borgen, statt es zu besitzen, ist für ihn unvorstellbar. Mir ist bewusst, wie dämlich das ist und ich winde mich unter dem Einfluss der vorwurfsvollen Stimme meines schlechten Gewissens, wenn ich überlege, wie nachhaltig und antikapitalistisch die Nutzung einer Bibliothek ist. Aber ich komme nicht gegen mein Bedürfnis, Bücher zu sammeln, an. Ich will sie haben. Nicht nur zeitweise, für immer. Ich will, dass sie mein sind. Ich liebe meine vollen Bücherregale. Sie versetzen mich in Entzücken und ich möchte nicht darauf verzichten. Das ist der Hauptgrund, warum mein letzter Bibliotheksbesuch vermutlich um die 20 Jahre her ist (außer diesem kleinen Ausflug, um mir einen Ausweis zu besorgen, den ich nicht nutze).

Mit meinen Büchern kann ich umgehen wie ich will. Ich neige dazu, außergewöhnlich tollpatschig zu werden, wenn ich besonders darauf achten will, Gegenstände sorgsam zu behandeln. Vor einiger Zeit habe ich mir „Der goldene Handschuh“ von einem Kollegen ausgeborgt. Ich musste ihm das Buch neu kaufen. Ich habe es geschafft, ein Brandloch hineinzubrennen und Avocadomatsche auf die Seiten zu schmieren. Und das, obwohl ich mir vorgenommen hatte, extra vorsichtig zu sein, weil er seine Bücher penibel pflegt. Aber hey, jetzt habe ich es hier und der Neandertaler ist glücklich.

Mein nächster Grund ist kaum sinnvoller: ich bin faul. Jap. Ich bin zu bequem, um loszufahren und eine Bibliothek zu besuchen. In meiner Stadt ist das Jammern auf hohem Niveau, weil ich lange nicht dieselben Entfernungen auf mich nehmen muss wie jemand, der/die auf dem Land lebt. Nichtsdestotrotz ist das die hässliche Wahrheit. Es ist so viel einfacher, mal eben in Schlumpelhosen mit Gummizug von der Couch aufzustehen und die fünf Schritte zu meinem eigenen Regal zurückzulegen, als mich innerhalb der Öffnungszeiten präsentabel anzuziehen, meinen Rucksack zu schnappen und mich in die öffentlichen Verkehrsmittel zu schwingen. Meine Bücher lasse ich mir mit wenigen Ausnahmen liefern. Ich habe kaum Aufwand mit der Erweiterung meiner Privatbibliothek. Die Nutzung einer öffentlichen Bibliothek würde von mir einen Aktivitätsgrad verlangen, den ich nicht bereit bin, aufzubringen. Tja. So ist das eben. Ich schäme mich, aber ich bin wenigstens ehrlich genug, um zu bekennen, dass meine Gründe beschämend sind.

Ein Punkt, den Antonia nennt, möchte ich hier abschließend ebenfalls noch anbringen. Sie schreibt, sie weiß oft nicht, wann sie ein Buch, das sie sich besorgt hat, lesen wird. Das ist bei mir genauso. Zwar lese ich konsequent und es vergeht kein Tag, an dem ich meine aktuelle Lektüre nicht zumindest aufschlage, aber ich verlasse mich in der Auswahl des nächsten Buches voll auf meinen Bauch. Er weiß, was gut und richtig ist. Unglücklicherweise ist er jedoch auch ziemlich unberechenbar. Ich kann nicht garantieren, dass ich ein ausgeliehenes Buch innerhalb der vorgeschriebenen Frist lese. Tatsächlich würde mich diese Frist unter Druck setzen, was wiederum meine Lust auf das jeweilige Buch massiv schmälern würde. Ein Teufelskreis. Hier würden sich schnell ungelesene Bücher türmen, deren Frist verstrichen ist. Um diese zurückzubringen, müsste ich wieder durch die Gegend fahren, was ich nicht will. Überziehungsgebühren, Mahnungen, Inkasso, Insolvenz, Obdachlosigkeit. Nein, das lassen wir lieber.

Nutzt ihr Bibliotheken?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fabulösen Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

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11 Antworten zu “Montagsfrage: Bist du ein Borger?

  1. Buchperlenblog

    22. Oktober 2018 at 5:52 am

    Guten Morgen!
    Da habe ich doch herzlich schmunzeln müssen! Das kenne ich auch zu gut von mir, dieses besitzen-müssen. Obwohl ich genau wie du weiß, wie viele Vorteile eine Bibliothk bietet und ich diese Einrichtungen unglaublich schätze. Früher war ich jede Woche in einer, als Kind, habe mir viel zu viele Bücher mitgenommen und musste sie immer wieder verlängern und hab am Ende doch nie alle gelesen bekommen. 😅

    Herzlichr Grüße auch an deinen Neanderthaler!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

     
  2. Susanne Remm

    22. Oktober 2018 at 9:39 am

    Die Schlumpelhosen hab ich auch 😀
    Und ja, die eigene Bibliothek zuhause ist halt doch nochmal was anderes.

    Liebe Grüsse
    Susi

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      22. Oktober 2018 at 10:50 am

      Hey Susi,

      ich glaube, jeder hat für zu Hause bequeme Schlumpelhosen. Schlumpelhosen sind ein Heiligtum! 😀

      LG
      Elli

      Gefällt mir

       
  3. Kira☆DeKira 🐖 (@Kirie_Pie)

    22. Oktober 2018 at 11:04 am

    Hallo^^

    Was das Besitzen von Büchern angeht, bin ich da wohl das komplette Gegenteil XD
    Wenn ich nicht gerade ein Leihbuch lese, dann habe ich zu 70-80% rum den Fall, dass ich sage: Das Buch hat mir gefallen, aber ich muss es jetzt nicht nochmal lesen oder noch länger besitzen. Sprich, die meisten Bücher werden nach dem Lesen wieder aussortiert – vermutlich fällt mir das Ausleihen daher leichter.

    LG,
    Kira

    Gefällt 1 Person

     
  4. amaunet0101

    22. Oktober 2018 at 12:14 pm

    Als Kind war ich eifriger Bibliotheksbesucher. Meine Eltern waren absolut damit überfordert, meinen Lesehunger durch Bücherkäufe zu stillen, obwohl sie dennoch den Grundstock für meine Bücher-Sammelleidenschft gelegt haben.

    Wann ich das letzte Mal eine Bibliothek von innen gesehen habe, kann ich inzwischen beim besten Willen nicht mehr sagen – es ist Jahrzehnte her. Ich sehe z.Zt. auch keine Notwendigkeit, daran etwas zu ändern. Mein Regal hält noch jede Menge ungelesenes parat und ich habe gerade erst mal wieder meine WuLi um etliche Exemplare verlängert. Außerdem gibt es ja die Bücherschätze meiner Tochter, von denen viele noch darauf warten, auch von mir gelesen zu werden.
    Also Nein, ich besuche keine Bibliotheken und habe das auch nicht vor.

    Schöne Woche für dich

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  5. Aequitas et Veritas

    22. Oktober 2018 at 12:51 pm

    Irgendwo zwischendurch hat dein innerer Gollum gesagt: „Mein Schatzzzzz!“ Glaub mir, ich hab’s gehört! 😉

    Und danke für den Hinweis, dass Du mit Büchern u. U. nicht so pfleglich umgehst. Ich gehöre zu den Leuten, bei denen ein Buch auch nach dem Lesen noch fast neu aussieht. Und die es deshalb hassen, Bücher zu verleihen.

    Gefällt 1 Person

     
  6. Caroline

    22. Oktober 2018 at 3:06 pm

    Oh nein, also eine drohende Obdachlosigkeit nur wegen ein paar ausgeliehener Bibliotheksbücher – das würde ich auch auf keinen Fall in Kauf nehmen! Schon gleich gar nicht, wenn doch in absehbarer Zeit so ein wunderbares Traumsofa bei dir einzieht! 😀
    Aber Scherz beiseite, dein innerer Neandertaler und ich könnten beste Freunde sein, denn wir denken GENAU GLEICH. Genau aus den gleichen Gründen zieht es mich auch schon seit Jahren in keine Bibliothek mehr. Bei mir kommt allerdings auch noch ein weiterer hinzu, für den ich mich durchaus auch ein bisschen schäme, aber naja. Ich ekele mich manchmal vor benutzten Büchern, das muss ich zugeben. Im Laufe der Zeit habe ich leider so schlechte Erfahrungen mit ausgeliehenen und geborgten Büchern gemacht (merkwürdige undefinierbare Flecken, die wirklich – nun ja, eklige Entstehungsgeschichten vermuten lassen, zerrissene Seiten, unangenehme Gerüche (und damit meine ich nicht diesen alten Bücher-Mief, den alte Bücher an sich haben) und und und). Kurzum, ich hab mich manchmal schon echt geekelt bei benutzen Büchern, daher ist mein innerer Neandertaler besonders schlimm drauf, denn der will nicht nur alle Bücher für sich allein besitzen, nein, der will auch noch zwingend alle Bücher NEU für sich allein besitzen. 😮

    Gefällt 1 Person

     
  7. Der Büchernarr

    22. Oktober 2018 at 4:21 pm

    Hallo Elli,

    ich musste ganz spontan an Gollum denken: „Mein Ssschaaatzss“ 😉

    Viele liebe Grüße
    Der Büchernarr Frank

    Gefällt 1 Person

     
  8. Jay (Bücher wie Sterne)

    24. Oktober 2018 at 9:12 pm

    Huhu,

    du sprichst mir aus der Seele. Auch ich muss die Bücher besitzen und der lange Weg zur Bibliothek ist immer ein Grund nicht dort hin zu gehen. Wir haben jedoch eine nette kleine Schülerbücherei an unserer Schule, und da gehe ich eh regelmäßig vorbei. Vielleicht nehme ich dort mal ein Buch mit, das mich interessiert. 🙂
    Meinen Kommentar zur Monatsfrage findest Du in meinem Blog. Freue mich sehr über Besuche. 🙂

    Liebe Grüße
    Jay von Bücher wie Sterne

    Gefällt 1 Person

     

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