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Montagsfrage: Unerträgliche Autor_innen?

28 Mai

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist vollbracht! Das neue Bücherregal ist an der Wand! Wir haben am Samstag fleißig geschuftet und jetzt hängt es in voller Pracht. Ich bin sehr glücklich, warte nun allerdings noch auf den letzten Akt der ganzen Umgestaltungsaktion: morgen kommen die Kommode und das Low-Board. Wenn die neuen Möbel stehen, werde ich auf jeden Fall Fotos machen und einen Beitrag schreiben, damit auch ihr euch daran ergötzen könnt, wie es ab sofort hier aussieht. Ich sage nur: Bibliothek. 😀
Heute starten wir jedoch erst einmal in die neue Woche, die offenbar brütend heiß wird. Wie könnte das besser funktionieren, als mit der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja?

Gibt es Autor_innen bei denen ihr im Zwiespalt seid sie zu lesen, weil ihr mit ihren Ansichten/Handlungen oder gar Aspekten ihres Werks nicht übereinstimmt?

Ja, die gibt es. Ich glaube, wenn man so viel liest wie unsereins, kann man gar nicht vermeiden, über Autor_innen zu stolpern, die man persönlich oder professionell ablehnt. Mir sind spontan zwei Beispiele eingefallen, obwohl es sicher weitere Schriftsteller_innen gibt, an denen ich mich aus verschiedenen Gründen stoße.

Der erste ist James Frey. Die Geschichte dieses Autors hat mich so schockiert und angewidert, dass ich 2016 eine vierteilige Beitragsserie über ihn und seine Literaturschmiede Full Fathom Five geschrieben habe. Titel: „Die Chronik der Skrupellosigkeit“. Da ich bereits ausführlich berichtet habe, warum ich nie wieder ein Buch lesen möchte, bei dessen Entstehungsprozess Frey und/oder Full Fathom Five ihre Finger im Spiel hatten, möchte ich hier gar nicht allzu weitschweifend werden. Ich verlinke euch stattdessen die Beiträge und sage so viel: bei Literatur sollte Profitorientierung niemals an erster Stelle stehen. James Frey beschmutzt alles, was ich an dieser Kunstform schätze und liebe.

James Frey & Full Fathom Five | Die Chronik der Skrupellosigkeit – Teil #1: Münchhausens Erbe
James Frey & Full Fathom Five | Die Chronik der Skrupellosigkeit – Teil #2: Literatur vom Fließband
James Frey & Full Fathom Five | Die Chronik der Skrupellosigkeit – Teil #3: Full Fathom Five – Ein Ausbeuterbetrieb?
James Frey & Full Fathom Five | Die Chronik der Skrupellosigkeit – Teil #4: Die Raches eines Bad Boys

Der zweite Autor, zu dem ich ein sehr schwieriges Verhältnis habe, ist Günter Grass. Ich habe bisher kein einziges Buch von ihm gelesen. Ich habe daher kein Recht, mich über sein Schaffen zu äußern und ich möchte nicht in Frage stellen, dass er möglicherweise ein hervorragender Schriftsteller ist. Ich habe allerdings keinerlei Interesse daran, herauszufinden, ob das der Wahrheit entspricht, weil ich nicht über seine Vergangenheit bei der Waffen-SS im Alter von 17 Jahren hinwegkomme. Ich bin dermaßen voreingenommen ihm gegenüber, dass die Lektüre seiner Werke für mich vollkommen sinnlos ist. Ich könnte nicht vergessen, dass er Mitglied einer Bande der schlimmsten Kriegsverbrecher war, die die Welt je gesehen hat. Ich kann ihm nicht vergeben. „Jung und dumm“ kann ich hier einfach nicht gelten lassen. Dass er eingezogen wurde, kann ich nicht gelten lassen. Dass er angeblich an keinerlei Kriegsverbrechen beteiligt war, kann ich nicht gelten lassen. Ich schaffe es nicht. Ich weiß, dass das unfair ist. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Ich bezweifle, dass ich es jemals hinbekomme, seine Person und sein Werk getrennt voneinander zu betrachten. Man soll niemals nie sagen, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass ich irgendwann einmal zu einem seiner Bücher greife.

Welche Autor_innen lehnt ihr ab und warum?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Beiträge und Kommentare und wünsche euch allen einen fabelhaften Start in die neue Woche!
Alles Liebe,
Elli ❤️

 

 

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11 Antworten zu “Montagsfrage: Unerträgliche Autor_innen?

  1. amaunet0101

    28. Mai 2018 at 10:07 am

    Guten Morgen Elli,
    bin schon sehr gespannt auf deine „Bibliotheks“-Fotos.

    Mir fällt auf die Schnelle kein_e Autor_in ein, die ich ablehne. Vielleicht bin ich einfach noch über keinen gestolpert… Klar gibt es welche, an die ich mich nicht rantraue, wie z.B. die russischen Klassiker oder James Joyce, aber das hat nichts mit den Autoren selbst zu tun sondern nur mit mir.
    Deine Haltung zu Grass, von dem ich übrigens auch noch nichts gelesen habe, kann ich nachvollziehen und werde mich deiner Meinung in Bezug auf ihn anschließen.

    Wünsch dir ne schöne Woche und viel Spaß beim Möbelaufbau

    Gefällt 1 Person

     
  2. msmedlock

    28. Mai 2018 at 10:59 am

    Hallo, Elli!
    Uuuui, gratuliere! 😀 Ich bin schon ganz gespannt auf deine Bibliothek-Fotos. 😀
    Ich kann mich an diese FullFantom-Beiträge gar nicht mehr erinnern. Sind die schon länger her? Ich werd sie auf jeden Fall noch lesen.
    Auf die schnelle fällt mir jetzt auch gar kein Autor ein. Das muss ich mir noch genau überlegen, bevor ich meinen Beitrag schreibe. 😉
    LG, m

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      28. Mai 2018 at 2:22 pm

      Huhu,

      ich freue mich auch, weil die Buchblogger-Community die einzigen Menschen außer meinen Eltern sind, die wirklich verstehen, WARUM das so toll ist, ganz unabhängig davon, wie schön es aussieht. 🙂

      Ich habe sie 2016 veröffentlicht, also ja, ist schon etwas länger her.

      Ich komm dann bei dir schmulen! 😀

      LG
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  3. laberladen

    28. Mai 2018 at 11:00 am

    Ich habe auch ein paar Autoren bzw. Autorinnen, bei denen mir der Spaß an den Büchern vergangen ist, seit ich bestimmt Dinge aus ihrem Leben weiß. Manche sind einfach charakterlich unter aller Kanone, beschimpfen kritische Rezensenten, schreiben ihre Bücher von anderen ab, äußern sich homophob etc. Da kann ich Buch und Person einfach nicht trennen und fühle mich nicht wohl dabei, die Bücher zu lesen und vielleicht sogar noch zu genießen.

    Deine Beispiele kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich habe von beiden Autoren noch nichts gelesen, und das werde ich wohl auch nicht ändern.

    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      28. Mai 2018 at 2:23 pm

      Ich habe ein bisschen Sorge, dass meine persönliche Liste geächteter am Ende des Tages durch diese Montagsfrage massiv angewachsen ist…

      LG
      Elli

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  4. Der Büchernarr

    28. Mai 2018 at 4:44 pm

    Hallo Elli,

    natürlich ist es besser zu wissen als nicht zu wissen. Nur, möchte ich wirklich immer die politischen Hintergründe eines Buchs/Autors ergründen? Ich für meinen Teil nicht – zumal mir oftmals der Buchinhalt zwar noch im Gedächtnis bleibt, die Autoren eher nicht.

    Viele liebe Grüße
    Der Büchernarr Frank

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      28. Mai 2018 at 4:55 pm

      Hey Frank,

      danke für deine Antwort! 🙂
      Natürlich kann ich nachvollziehen, dass du nicht immer über jeden politischen Pups eines Autors oder einer Autorin Bescheid wissen möchtest – geht mir ja nicht anders. Aber ich finde es wichtig, wenn es um grundsätzliche Ansichten geht. Ich möchte niemanden unterstützen, der menschenverachtende Einstellungen vertritt.

      LG
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  5. N. Bendzko

    28. Mai 2018 at 5:23 pm

    Ui, kontroverses Thema! Manchmal kann man als LeserIn einfach nicht über das eigene Gefühl hinweg, dann ist das so. Die Begründungen, warum die besprochenen Autoren nicht lesen bzw. unterstützen kannst, sind für mich gut nachvollziehbar 🙂

    Ich selbst nenne jetzt keine Namen, da betroffene AutorInnen teils wieder veröffentlichen und die Fans hier schnell Streit vom Zaun brechen. Aber ich kann es eh generell schreiben: Ich lese und kaufe nichts von Autorinnen und Autoren, bei denen man Plagiate nachgewiesen hat.

    Das ist für mich unverzeihlich. Ich schreibe selbst und weiß daher, dass das nicht aus Kavaliersdelikt passiert – zu plagiieren ist stets eine bewusste Entscheidung über einen langen Zeitraum. Die Industrie ist schon so hart und korrupt genug, da mache ich persönlich bei dem Thema keine Ausnahmen. Außerdem kann ich AutorIn dann auch nicht länger „vertrauen“. Wenn ein Buch oder Teile eines Buches einmal kopiert waren, könnte es doch auch woanders nicht mit rechten Dingen zugehen? Da fühle ich mich als Leserin zu sehr hintergangen.

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      28. Mai 2018 at 5:28 pm

      Hey Nora,

      die Plagiats-Antwort habe ich heute schon mehrfach gelesen – ich gestehe, daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Ich kann allerdings verstehen, dass dich das speziell als Autorin massiv aufregt. Als Leserin möchte ich auch nichts Wiedergekäutes konsumieren, bin mir aber nicht sicher, ob es mir klar wäre, sollte es so sein. Wie kriegt man sowas mit? Wo wird darüber berichtet?

      LG
      Elli

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      • N. Bendzko

        28. Mai 2018 at 9:10 pm

        Hallo Elli! Ich schreibe ausdrücklich von Plagiaten, die als solche bewiesen wurden. Nicht Bücher, wo das nicht klar ist bzw. man das Gefühl hat „hmmm, nicht sehr originell, hab ich schon mal gelesen“ … sondern wirklich bewiesen. Bei großen Autorinnen und Autoren findest du das immer zumindest auf Wikipedia. In der Regel gibt es bei solchen Fällen nämlich immer einen Aufschrei in der Branche, LeserInnen verreißen entsprechend auf Amazon, Medien (besonders Zeitungen) berichten darüber. Sehr oft ist es auch die Buchblogger-Szene, die so was aufdeckt. Es reicht meist schon, den Namen von AutorIn zu googeln, oder die Rezensionen auf Amazon zu lesen. Bei einem überführten Plagiat gibt es in der Regel immer 1-Sterne-Rezensionen, die das ansprechen.

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  6. Torsten's Bücherecke

    28. Mai 2018 at 7:06 pm

    Ich muss sagen, dass ich mich vorher über einen Autor in der Regel nicht informiere. Es kann sein, dass es andersrum ist. Ich lese eine Buchserie und danach interessiere ich mich für den Autor.

    Das Nazi Thema ist bei uns in Deutschland historisch bedingt ja eh immer ein großes (sicherlich auch zurecht). Ich tue mich immer etwas schwer damit vorzuverurteilen. Fakt ist, dass man in der besagten Zeit wohl nur begrenzt Einfluss hatte darauf wo man gelandet ist (klar, wenn man sich irgendwo freiwillig gemeldet hat dann schon!). D.h. man ist teilweise von außen in irgendwas hineingedrückt worden. Klar gab es Leute, die sich dagegen geweht haben und teilweise sind sie wegen simplen Sachen erschossen worden oder im KZ gelandet. Will sagen: Ich weiß nicht wie es einem selbst in der Zeit ergangen wäre. Ich will nicht Grass verteidigen (ich habe maximal in der Schule mal was von ihm gelesen) aber tue mich auch immer sehr schwer damit das Urteil zu fällen über Dinge die >60 Jahre zurück liegen und bei denen ich nicht überprüfen kann was davon stimmt oder nicht.

    Ein anderes schönes Beispiel ist Gregor Gysi, dem ja auch immer wieder eine zweifelhafte Vergangenheit vorgeworfen wird. Gegen die Vorwürfe hat er sich mehrfach gewehrt. In Talkrunden finde ich persönlich, dass er ein sehr interessanter Gast ist.

    Oder auch Jörg Kachelmann – das Leben zerstört – die Vorwürfe waren nicht haltbar – war jetzt was dran oder nicht?

    Das Plagiatsthema ist auch schwierig. Als ich Eragon gelesen habe musste ich sofort an Herr der Ringe denken, weil mich die Rassen sofort daran erinnert haben. Die Geschichte empfand ich aber vollkommen eigenständig. Zumal ich echt beeindruckt war, dass jemand in dem Alter so eine Buchserie schreibt. Somit hatte das Ganze einen leicht faden Beigeschmack aber ich fand die Serie trotzdem toll.

    LG

    Torsten

    Gefällt 1 Person

     

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