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Nicholas Eames – Kings of the Wyld

06 Jun

Wisst ihr, wie ich auf „Kings of the Wyld“ von Nicholas Eames aufmerksam wurde? Auf dem Cover steht „The Boys Are Back In Town“. Ich dachte sofort an den berühmten Thin Lizzy – Song. Assoziationen von Sex, Drugs and Rock’n‘Roll schwirrten wild durch meinen Kopf und als ich las, dass die Geschichte von einer gealterten Söldnertruppe handelt, die sich auf eine letzte selbstmörderische Mission durch ein monsterverpestetes Land begibt, kannte ich kein Halten mehr. Ich bestellte das Buch, zählte die Stunden bis zu seinem Eintreffen, riss das Paket auf (vielleicht waren Zähne im Spiel) und begann die Lektüre, ohne auch nur daran zu denken, es auf meinen SuB zu legen.

Clay Cooper ist alt geworden. Seine Knie schmerzen, seine Blase treibt ihn peinlich oft aus dem Bett und er wird dafür bezahlt, tagein tagaus als Wache auf der Stadtmauer die Berge anzustarren. Früher, ja früher, war er ein Mitglied der besten und berüchtigtsten Söldnerbande im Heartwyld: Saga. Seite an Seite kämpfte er mit Gabriel, Arcandius Moog, Ganelon und Matrick Skulldrummer. Legenden, allesamt. Doch das ist so lange her, dass er sich nicht mehr erinnern kann, wie er all ihre irrwitzigen, mörderischen Abenteuer eigentlich überlebte. Die Erinnerung überfällt ihn eines Abends, als Gabriel persönlich auf seiner Türschwelle hockt. Sein alter Freund ist ein abgerissenes, verdrecktes Häufchen Elend. Vom Glamour vergangener Tage keine Spur. Verzweifelt bittet er Clay um Hilfe: seine Tochter Rose ist in der schwer belagerten Stadt Castia eingeschlossen. Castia wird nicht standhalten. Eine Rettungsmission wäre dumm, gefährlich, vollkommen aussichtslos – und genau Sagas Stil. Es ist Zeit, die Jungs zusammenzutrommeln, eine letzte Tour durch den Heartwyld zu unternehmen und dem Alter den Mittelfinger zu zeigen.

Ich habe mich unheimlich auf die Rezension zu „Kings of the Wyld“ gefreut. Ich konnte es kaum abwarten, euch endlich von diesem phänomenalen Buch vorzuschwärmen. Ich bin verliebt! Meiner Meinung nach hat Nicholas Eames‘ Erstling alles, was ein hervorragender High Fantasy – Roman braucht: Herz, Humor und jede Menge Action. Eames‘ Schreibstil erinnert mich an Joe Abercrombie, doch seine Geschichte ist leichter, lockerer, weniger grimmig. In seiner Essenz, unter all den Schichten aus Dreck, Monstern und Witzen, ist „Kings of the Wyld“ ein wundervolles Buch über Freundschaft, das eine subtile Tiefe aufweist, die vom Leben selbst geschrieben sein könnte. Im Mittelpunkt steht selbstverständlich die Söldnertruppe Saga, die ihre besten Zeiten eigentlich längst hinter sich hat. Ihre Mitglieder haben sich mehr oder weniger zur Ruhe gesetzt, sind alt, fett und bequem geworden. Trotzdem folgen sie Gabriels Ruf, als er sie braucht, um seine Tochter aus Castia zu befreien. Er wendet sich zuerst an Clay, weil dieser nicht nur sein bester Freund, sondern auch das Herz von Saga ist. Er hält sie zusammen. Er ist ihr moralischer Anker; der große, bescheidene, schweigsame Typ, der gar nicht bemerkt, dass sich alle nach ihm richten. Clay Cooper ist definitiv ein Mann, mit dem man befreundet sein möchte, obwohl das auf sie alle zutrifft. Harte Schale, weicher Kern, das ist Saga. Jeder für sich mögen sie Katastrophen sein, aber zusammen sind sie eine Macht, mit der man rechnen muss. Sie ergänzen sich perfekt. Daher ist es nicht überraschend, dass Nicholas Eames nicht die Rettungsmission an sich fokussiert, sondern die Interaktion seiner unheimlich liebenswerten, realistischen Figuren, die bis zum unbedeutendsten Nebencharakter lebendig ausgearbeitet sind. Die finale Schlacht am Ende des Buches ist nicht unausweichlich und im Grunde auch gar nicht so wichtig. Der Weg ist das Ziel. Die alten Herren sind seit Jahrzehnten Freunde, sie kennen sich in- und auswendig. Ihre Gruppendynamik berührte mich und weckte in mir den Wunsch, gemeinsam mit ihnen durch Eames‘ kreative, vielschichtige Welt zu ziehen und mich der originellen Flora und Fauna zu stellen. Sein Universum ist die reinste Freakshow. Denkt an ein Monster. Irgendeins. Im Heartwyld findet ihr es garantiert. Es gefiel mir, dass Eames sich offenbar kaum Gedanken darüber machte, wie er seine Welt bevölkern möchte, sondern einfach alles hineinstopfte, was ihm in den Sinn kam. Von den unsterblichen Druin, die Elben mit Häschenohren ähneln (hihi), über wandelnde Bäume bis hin zu Chimären, Trollen und Kobolden – jede Art hat ihren natürlichen Platz, ohne dass das Buch überladen wirken würde. Schließlich muss es einen Grund haben, dass Söldner dort wie Rockstars gefeiert werden.

„Kings of the Wyld“ ist genau wie seine Protagonisten: älter, härter, besser! Während der Lektüre war ich voll drin; ich lachte herzhaft, kicherte albern, kämpfte verzweifelt mit den Tränen und habe wahrhaft mitgefiebert. Ich wollte nicht, dass es endet. Leider muss jedes Buch irgendwann ein Ende haben, aber wisst ihr was? „Kings of the Wyld“ ist ein Reihenauftakt. Nicholas Eames wird in den Heartwyld zurückkehren, im zweiten Band von „The Band“, „Bloody Rose“, der die nächste Generation Söldner_innen beleuchten wird. Ich vermute anhand des Titels, dass Gabriels Tochter Rose eine zentrale Rolle spielen wird und freue mich bereits darauf, zu erleben, wie Eames sein ohnehin erfreulich variables, facettenreiches Frauenbild tiefer ausarbeitet und seinen Leser_innen weitere Ecken seines verrückten Universums zeigt. Hach, ich kann es kaum abwarten und möchte ungeduldig auf und ab hüpfen! Meine Begeisterung will sich verselbstständigen!
Ihr müsst „Kings of the Wyld“ lesen. Wirklich. Ihr müsst. Ich bete dafür, dass es irgendwann übersetzt wird und den deutschen Markt im Sturm erobert, weil dieses Buch den Erfolg einfach verdient. Es ist großartig, mitreißend, berührend und irrsinnig lustig. Ich sehe es schon auf dem Thron meines Jahreshighlights 2017 stehen, auf rotem Samt, von einem einzelnen Spot angestrahlt. Das würde den alten Knackern von Saga sicher gefallen.

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9 Kommentare

Verfasst von - Juni 6, 2017 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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9 Antworten zu “Nicholas Eames – Kings of the Wyld

  1. fraggle

    Juni 6, 2017 at 8:16 am

    Schon wieder eines dieser Bücher, bei denen ich mich wirklich ärgere, dass sie (noch) nicht auf deutsch erschienen sind, das klingt nämlich richtig gut! Alleine der Name „Skulldrummer“ hat es mir schon angetan! 😉

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Juni 6, 2017 at 9:25 am

      Mich ärgert das auch, aber es kann noch werden, das Buch ist noch ziemlich frisch auf dem Markt und muss sich natürlich erst in den englischsprachigen Ländern etablieren, bevor an einen Vertrag mit einem deutschen Verlag zu denken wäre. Also geben wir dem Ganzen einfach noch etwas Zeit. 😉

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  2. lari heldenlama

    Juni 6, 2017 at 8:47 am

    schade dass es nicht auf Deutsch ist, sonst würde ich mich gerne infizieren lassen 😉 Mein Englisch reicht gerade für superleichte Jugendbücher und noch nichtmal da hab ich die Geduld das in Englisch zuende zu bringen 😦 Solltest Du mitbekommen, dass es eine Übersetzung gibt, dann darfste mir gerne nen Zaun an den Kopf werfen 😉

    LG Lari

    Gefällt 2 Personen

     
    • wortmagieblog

      Juni 6, 2017 at 9:16 am

      Hey Lari,

      Das mach ich natürlich gern, dieses Buch ist es echt Wert, es im Auge zu behalten 😉

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  3. Nenatie

    Juni 6, 2017 at 9:11 am

    Ich hab das Buch bei dir entdeckt, das Cover und den Klappentext gelesen und war auch Feuer und Flamme. Söldner, Action und Fantasy, da werd ich doch gleich hellhörig. Und nun deine tolle Rezension. Freundschaften, eine tolle Welt und ein erfreuliches Frauenbild? Jetzt rate mal was zu mir unterwegs ist? 😀 Leider habe ich noch keine Lesezeit dafür, aber die findet sich sicher.

    LG

    Gefällt 2 Personen

     
    • wortmagieblog

      Juni 6, 2017 at 9:14 am

      Ich würde dich ja gern zwingen, da sofort zu lesen, wenn es eintrifft, aber da hab ich wohl leider keine Handhabe 😆

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  4. kitsune_miyagi

    Juni 6, 2017 at 4:07 pm

    Hey Elli.

    Was für eine mitreißende Rezension! Du hast dich damit wieder einmal übertroffen. Ich lese gerne auf englisch, nur bei Fantasy habe ich hin und wieder Verständnisprobleme. Daher weiß ich noch nicht so genau, ob ich mich ran wagen soll, werde es aber im Auge behalten. 🙂

    Liebe Grüße,
    Nise

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Juni 6, 2017 at 4:25 pm

      Huhu,

      ich fand das Englisch nicht allzu schwer, es gibt nicht so viele neu entwickelte Begriffe. Aber im Zweifelsfall kannst du dir ja auch einfach eine Leseprobe besorgen 😊

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  5. amaunet0101

    Juni 8, 2017 at 11:02 am

    Bitte, bitte, gib mir Bescheid, wenn du mitkriegst, dass das Buch auf deutsch erscheint! Ich muss das unbedingt lesen!

    Gefällt 1 Person

     

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