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George R.R. Martin – A Clash of Kings

09 Jun

2016-05-20 - Martin A Clash of Kings

Westeros erbebt unter Kämpfen um den Eisernen Thron. Der Anspruch des Kindskönig Joffrey wird von seinen Onkeln Stannis und Renly Baratheon angefochten, da er angeblich nicht der rechtmäßige Erbe des verstorbenen König Robert Baratheon ist. Die Baratheon-Brüder kämpfen allerdings auch gegeneinander, weshalb Joffreys Berater die größte Bedrohung in Robb Stark sehen, der sich zum König des Nordens ausrufen ließ und den Truppen der Lannisters herbe Verluste zufügt. Unterstützt wird er von seiner Mutter Lady Catelyn, die sich im Stillen um Robbs Geschwister sorgt, die seit der Hinrichtung ihres Ehemannes über ganz Westeros versprengt sind. Arya konnte aus King’s Landing fliehen und reist nun unerkannt Richtung Norden. Sie hofft, sich nach Winterfell durchschlagen zu können. Dort herrscht derzeit ihr 8-jähriger Bruder Bran, der sein Bestes gibt, um der Verantwortung gerecht zu werden und sich um ihren jüngsten Bruder Rickon zu kümmern. Einzig Sansa befindet sich noch in King’s Landing, als Geisel von König Joffrey und seiner Mutter Königin Cersei Lannister.
Der Krieg der Häuser fordert die Aufmerksamkeit aller Beteiligten und Unbeteiligten. Niemand rechnet damit, dass die größte Gefahr für Westeros nicht vom Kampf um den Thron ausgeht, sondern außerhalb der Grenzen lauert…

Es ist eine undankbare Aufgabe, eine Rezension zu einem der Bände der Reihe „A Song of Ice and Fire“ von George R.R. Martin zu schreiben. Es ist einfach unmöglich, alle Handlungslinien und Charaktere in „A Clash of Kings“ zu besprechen. Diese enorme inhaltliche Komplexität kündigte sich bereits im ersten Band an und setzte sich nun fort. Es gibt Autor_innen, die es kaum schaffen, 300 Seiten zu füllen, ohne sich zu wiederholen oder die Ereignisse künstlich zu strecken, doch George R.R. Martin nutzt die knapp 1000 Seiten der Fortsetzung effektiv aus und verleiht seiner Handlung geballte inhaltliche Substanz. Kein Satz, keine Zeile, keine Szene ist überflüssig. Alles fügt sich nahtlos zusammen, ohne jemals ungelenk oder uninspiriert zu wirken. Ich liebe seinen Schreibstil und sein Worldbuilding, was mich jedoch am meisten begeistert, sind seine realistischen, lebendigen Figuren, die trotz der hohen Anzahl niemals austauschbar wirken. Martins Charakterisierungen gehen weit über eine Unterteilung in Gut und Böse hinaus. Er nötigte mir selbst für Figuren, die ich nicht mag, Respekt und Verständnis ab, allen voran für Königin Cersei Lannister, über die ich intensiv nachgedacht habe. Im ersten Band „A Game of Thrones“ wirkte Cersei wie eine egoistische, skrupellose Schlange, die Westeros als Schauplatz ihrer Machtspielchen missbraucht. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass Cersei primär ein Produkt der gesellschaftlichen Umstände ist. Sie ist wütend, weil sie niemals die gleichen Möglichkeiten wie ein Mann haben wird. Es wurmt sie, dass sie als Frau stets auf einen Mann an ihrer Seite angewiesen ist, und sei es nur, um den Schein zu wahren. Ich denke, sie neidet es ihren Brüdern, ihrem Vater und auch ihrem Sohn, dass sie eine Macht in sich vereinen können, die sie niemals erreichen wird. Sie hasst es, indirekt vorgehen zu müssen, zu manipulieren, zu verführen und dabei selbst nichts anzubieten zu haben außer ihrem Einfluss auf den König. Ich kann ihre Frustration absolut nachvollziehen. Es wundert mich nicht, dass sie ihre Wut an Sansa Stark auslässt, die Cersei in ihrer Naivität an das Frauenbild erinnert, das Cersei verabscheut. Sansa selbst ist ein schwaches, bemitleidenswertes Ding. Sie ist nicht stark genug, um sich selbst zu retten. Ihr fehlt der Schneid, für sich selbst einzustehen. Wäre sie nicht so bedauernswert, würde sie mich wahrscheinlich schrecklich langweilen. Ich wünschte, sie würde sich ein wenig mehr auf den Hund einlassen, denn zwischen den beiden herrscht eine spannungsgeladene, knisternde Beziehung, die ich wahnsinnig aufregend finde. Ich bin gespannt, was Martin mit den beiden vorhat.
Gespannt bin ich auch bezüglich der Einführung einer neuen, monotheistischen Religion, die erstmals durch Stannis Baratheon in Erscheinung tritt. Er stützt sich auf die Hilfe der roten Priesterin des Gottes R’hllor, eine gefährliche Frau, die mit Kräften arbeitet, über die Martin bisher nur wenig verrät. Nachdem es in Westeros seit langer Zeit keine Magie mehr gibt, könnte ich mir vorstellen, dass sie diejenige ist, die sie wiederaufleben lässt. Außerdem wittere ich einen gewaltigen, hässlichen religiösen Konflikt. Stannis ist ein harter, unnachgiebiger Mann – wer wäre besser zum religiösen Fanatiker geeignet? Umso mehr hoffe ich, dass er den Eisernen Thron niemals besteigt, obwohl ich ihn für den rechtmäßigen König halte. Ehrlich gesagt sehe ich aber in keinem der Anwärter einen passablen Regenten. Renly ist ein Schnösel, Robb fast noch ein Kind und Joffrey wäre zu Zeiten der französischen Revolution geköpft worden. Ich wünsche mir Tyrion Lannister auf den Thron. Er gehört eindeutig zu meinen Lieblingscharakteren, ist meiner Ansicht nach der gefährlichste Mann in Westeros und scheint einer der wenigen zu sein, denen das Wohl des Landes wirklich am Herzen liegt, was angesichts drohender Gefahren aus Norden und Osten Gold wert sein könnte.

Ich könnte noch seitenweise über meine Gedanken zu „A Clash of Kings“ schwadronieren, muss mich an dieser Stelle allerdings zügeln, weil andernfalls vermutlich niemand mehr bereit ist, meine Ergüsse zu lesen. Letztendlich sollte euch die Fülle meiner Gedanken alles über das Buch verraten, was ihr wissen müsst. Es ist fabelhaft. Die Atmosphäre ist dicht und greifbar, der Schreibstil eingängig, die Handlung hält unzählige kleinere und größere Überraschungen bereit und die Figuren sind so wundervoll tief ausgearbeitet, dass es mir schwerfällt, sie als fiktiv anzusehen. Die Reihe ist ein Muss für High Fantasy – Fans und alle, die es werden wollen. Eines Tages wird darüber als Klassiker und in einem Atemzug mit Tolkiens „Der Herr der Ringe“ gesprochen werden.

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11 Kommentare

Verfasst von - Juni 9, 2016 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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11 Antworten zu “George R.R. Martin – A Clash of Kings

  1. fraggle99

    Juni 9, 2016 at 8:27 am

    Ich finde, Du hast die undankbare Aufgabe sehr gut gemeistert und eine sehr lesenswerte Rezension voller interessanter Gedankengänge geschrieben – auch wenn wir unterschiedliche Sichtweisen zu Sansa Stark haben! 😉

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Juni 9, 2016 at 8:30 am

      Danke! 🙂
      Bei so vielen Figuren bleibt es vermutlich nicht aus, dass verschiedene Leser_innen verschiedene Meinungen zu ihnen entwickeln. 😉

      Gefällt 1 Person

       
  2. Nomnivor

    Juni 9, 2016 at 9:34 am

    Ich wünschte, sie würde sich ein wenig mehr auf den Hund einlassen, denn zwischen den beiden herrscht eine spannungsgeladene, knisternde Beziehung, die ich wahnsinnig aufregend finde. Ich bin gespannt, was Martin mit den beiden vorhat.

    Diese Beziehung fand ich auch ganz spannend und toll.

    Die neue Verlobte von Jeoffrey (Name vergessen. Marjorie?) Und deren Sippe sind ja auch sehr interessant und da kommt bestimmt noch viel. Auf die freue ich mich schon 😀

    Gefällt 2 Personen

     
    • wortmagieblog

      Juni 9, 2016 at 9:57 am

      Hey,

      ich hab in die Vorschau zum nächsten Band am Ende von „A Clash of Kings“ reingelinst, da lernt man ja die Oma der Verlobten (irgendwie so heißt die, aber ich traue mich nicht, den Namen zu schreiben ^^) kennen. Die erscheint mir ebenso gefährlich wie Cersei. Immer schön darauf bedacht, das Beste für ihre Familie rauszuholen. Ich bin mal gespannt, wie Sansa sich mit denen schlägt. 😉

      Viele liebe Grüße,
      Elli

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      • Nomnivor

        Juni 9, 2016 at 11:12 am

        Das man verschlagen und intelligent ist braucht man wahrscheinlich, um an den Höfen von Westeros zu überleben.

        Caitlyn (oh Gott, diese Namen) z.B. ist kein bisschen manipulativ, und die zieht immer den kürzeren. Das selbe gilt für Sansa. Die beiden versuchen immer den Weg einer Lady zu gehen, und das funktioniert schlicht nicht. Wenn man gegen die Regeln spielt (oder, genau genommen, seine eigenen aufstellt) bringt man es in diesen Büchern viel weiter.

        Und ist für den Leser auch viel interessanter 😀

        Bei den Männern ist es genau so. Nur, dass diese schneller den Kopf verlieren, wenn sie die Spiele nicht mitspielen oder zu streng auf die Etikette achten.

        Gefällt 1 Person

         
      • wortmagieblog

        Juni 9, 2016 at 11:19 am

        Absolut richtig, deswegen halte ich Tyrion ja für den gefährlichsten von allen. Ihm ist es völlig egal, welche Mittel er anwenden muss, um seine Ziele zu erreichen, außerdem wird er gemeinhin aufgrund seiner Körpergröße unterschätzt. Ich hoffe sehr, dass Martin ihn nicht irgendwann umbringt… 😀

        Viele liebe Grüße,
        Elli

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      • Nomnivor

        Juni 9, 2016 at 12:25 pm

        Haha, ja, Tyrion sollte professioneller Schachspieler werden 😀

        Und wenn Schach in Westeros noch nicht erfunden wurde, dann wird es höchste Zeit. Vielleicht sehen sie mit diesem neuen Hobby mal davon ab, sich gegenseitig abzuschlachten.

        Gefällt 1 Person

         
  3. Evanesca Feuerblut

    Juni 9, 2016 at 3:31 pm

    Hach, ich liebe diese Reihe ❤ und stimme dir einfach in allen Punkten zu. Bin gespannt, wie du die nächsten Bände findest!

    Gefällt 1 Person

     
  4. Anna

    Juni 16, 2016 at 5:47 am

    Deinen Gedanken über Cersei kann ich nur zustimmen. Hast du super ausformuliert. Ich sollte auch dringend mal wieder weiterlesen… Die Reihe ist zu schade, als dass sie auf dem SuB liegen sollte.. 😀

    Liebe Grüße! (:

    Gefällt 2 Personen

     
  5. jaytiii

    September 14, 2016 at 2:09 pm

    Ich finde, gerade Sansa hat noch enormes Entwicklungspotential, eben weil sie so viel durchmachen muss. 🙂

    Gefällt 1 Person

     

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