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Amber Benson – Lieber Tod als Teufel

29 Dez

2015-12-17 - Benson Lieber Tod als Teufel

„Lieber Tod als Teufel“ habe ich bereits vor einigen Jahren schon einmal gelesen. Ich weiß noch genau, wie sehr ich mich darüber freute, dass meine Mutter es mir schenkte; nicht nur, weil die Inhaltsangabe vielversprechend klang, sondern auch, weil die Autorin Amber Benson jahrelang die Figur der Tara Maclay in der Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ verkörperte und dadurch bei mir einen besonderen Stein im Brett hat. Mir gefiel das Buch damals wirklich gut, doch die Fortsetzung „Einmal Tod ist nicht genug“ aufzutreiben, stellte sich als schwierig heraus. Die Zeit verging und meine Erinnerungen an den ersten Band der „Jenseits GmbH“ verblassten. Da der zweite Band mittlerweile in meinem Regal steht, sollte mich das Reread auf eine Entscheidung hinsichtlich dieser Reihe vorbereiten, die ich ab dem dritten Band in Englisch lesen müsste. Weiterverfolgen oder abbrechen?

Die Tochter des Todes zu sein ist weitaus schwieriger, als es klingt. Deswegen wandte sich Calliope Reaper-Jones von ihrer Familie ab und begann ein normales Leben in New York. Langweilig, ja, aber zumindest weit entfernt vom übernatürlichen Chaos. Doch als ihr Vater samt dem kompletten Aufsichtsrat der Jenseits GmbH entführt wird, bleibt ihr nichts Anderes übrig, als sich erneut in eben dieses Chaos zu stürzen. Um ihre Familie zu schützen, muss sie die Leitung der Firma übernehmen – und ihren Vater als Tod vertreten. Unglücklicherweise ist eine einfache Unterschrift dafür natürlich nicht ausreichend. Callie ist gezwungen, durch die Erfüllung dreier mörderischer Aufgaben ihre Würdigkeit zu beweisen. Als wäre das nicht bereits Herausforderung genug, macht ihr der unverschämt attraktive, charmante Protegé des Teufels auch noch Konkurrenz und scheut sich dabei nicht, fiese Tricks anzuwenden. Einmal Hölle und zurück – wird Callie die Aufgaben meistern und ihre Familie retten?

Als ich „Lieber Tod als Teufel“ das erste Mal gelesen habe, habe ich diesem Reihenauftakt vier Sterne zugestanden. Heute reicht es nur noch für gute zwei Sterne. Erstaunlicherweise kann ich aber verstehen, warum es mich damals begeisterte. Ich habe mich zu dieser Zeit weniger von Makeln stören lassen, war weniger anspruchsvoll. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass mir viele Punkte damals gar nicht erst aufgefallen sind. Wenn ich ehrlich bin, habe ich durchaus damit gerechnet, dass mich Callies Geschichte heute nicht im gleichen Maße anspricht wie vor ein paar Jahren. Die erwachsene, zumeist weibliche Urban Fantasy hat meiner Meinung nach einfach ein großes Problem: die magere Umsetzung toller Ideen. Auch „Lieber Tod als Teufel“ wirkte auf mich an einigen Stellen zu gewollt, zu übertrieben und unbefriedigend ausgearbeitet. Amber Benson hat das Potential ihrer Ideen nicht vollständig ausgenutzt. Das Ergebnis ist eine Lektüre, die flüssig geschrieben, unterhaltsam, temporeich, abwechslungsreich und nicht allzu vorhersehbar ist, mich aber trotz dessen nicht wirklich überzeugen konnte. Ich wunderte mich darüber, dass mir beim ersten Lesen offenbar nicht auffiel, wie stereotyp und anstrengend die Protagonistin und Ich-Erzählerin Callie ist. Amber Benson würde sie vermutlich als starke Heldin mit einem großen Herzen charakterisieren (was UF-Autor_innen so ziemlich immer über ihre Heldinnen sagen), doch ich sehe in ihr eher ein naives Dummchen. Sie ist begriffsstutzig, oberflächlich und erschreckend unreif. Heulkrämpfe und Wutanfälle sind bei ihr keine Seltenheit, wenn sie gerade mal nicht über ihren liebsten Zeitvertreib faselt: Shopping. Es fliegen so viele Markennamen durch das Buch, dass ich mich fragte, ob Amber Benson möglicherweise einen zusätzlichen Obolus für Produktplatzierungen erhielt. Darüber hinaus manövriert sie Callie immer wieder in absurde Situationen, die mich an den Humor alter Slapstick-Filme erinnerten. Füße hoch, die Flachen kommen!
Faszinierend wäre das Konzept der Jenseits GmbH gewesen, hätte ich denn etwas über die Firma erfahren. Man mag es Callies Desinteresse am Familiengeschäft anrechnen, dass sie kaum eine Silbe darüber verliert, aber sie muss doch wissen, wie die Firma funktioniert. Es wäre sehr schön gewesen, wäre ich eingeweiht worden. Allerdings bezweifle ich, dass Benson die Idee der Jenseits GmbH überhaupt im Detail zu Ende gedacht hat.
Zu guter Letzt möchte ich noch meinem Gefühl Ausdruck verleihen, dass die Übersetzung des Buches aus dem Englischen ins Deutsche nicht gut gelungen ist. Mir sind einige seltsame, unsinnige Vergleiche aufgefallen, die für mich klangen, als seien sie einfach Wort für Wort übersetzt worden. Außerdem empfand ich die Wortwahl zum Teil als recht ordinär und niveaulos. Ich will nicht hoffen, dass Amber Benson tatsächlich so schreibt, denn das hat nichts damit zu tun, die Dinge beim Namen zu nennen. Das ist einfach nur vulgär.

Es überrascht mich nicht, dass ich beim Reread nicht die gleiche Begeisterung für „Lieber Tod als Teufel“ aufbringen konnte wie noch vor einigen Jahren bei der ersten Lektüre. Mein Geschmack hat sich eben entwickelt, ist gewachsen, differenzierter und anspruchsvoller geworden. Ich glaube nicht, dass ich die Reihe über den zweiten Band hinaus weiterverfolgen werde. Vermutlich würde ich nicht mal diesen lesen, wäre es nicht so schwierig gewesen, ihn zu bekommen. Es geht ums Prinzip.
Lest ihr gern weibliche Urban Fantasy, liegt ihr mit „Lieber Tod als Teufel“ sicher nicht allzu weit daneben. Mir ist das Buch persönlich einfach etwas zu girly, es passt nicht (mehr) besonders gut zu mir. Aber das kann bei einem Reread eben immer passieren.

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Ein Kommentar

Verfasst von - Dezember 29, 2015 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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