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Cornelia Funke – Tintenherz

27 Dez

2015-12-14 - Funke Tintenherz

Gibt es eine deutschsprachige Autorin, die den Titel „Bestsellerautorin“ wirklich verdient, dann ist es Cornelia Funke. Seit Ende der 80er Jahre im Geschäft, lag ihre Gesamtauflage 2012 bei Sage und Schreibe 20 Millionen Büchern. Ihre Romane wurden bislang in 37 Sprachen übersetzt und 2005 wählte sie das TIME Magazine unter die 100 weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten.
Trotz Funkes enormen Erfolgs und jahrelanger, euphorischer Schwärmerei seitens meiner Mutter brauchte ich sehr lange, bis ich bereit war, „Tintenherz“ endlich eine Chance zu geben.

Meggie und ihr Vater Mo führen ein ungewöhnliches, aber ruhiges Leben. Als Buchbinder ist Mo viel unterwegs, um Büchern überall auf der Welt ein neues Kleid zu schenken. Seine Tochter begleitet ihn oft auf seinen Reisen, denn die Liebe zu den Büchern verbindet sie. Niemals hätte Meggie erwartet, dass ausgerechnet ein Buch ihr Leben völlig durcheinanderbringt. In einer besonders ungemütlichen Nacht klopft ein mysteriöser Gast an ihre Tür. Seltsamerweise scheint Mo den Mann zu kennen, doch sein Besuch ist ihm offenbar unangenehm. Am nächsten Morgen brechen sie Hals über Kopf zu Meggies verschrobener Tante Elinor auf. Bevor sie abfahren, beobachtet Meggie Mo dabei, wie er ein merkwürdiges kleines Buch einpackt, das Meggie noch nie zuvor gesehen hat. Bei Elinor angekommen, bittet Mo sie, eben dieses Buch in ihrer gewaltigen Bibliothek zu verstecken. Warum will Mo das Buch verbergen und wieso weigert er sich, Meggie zu erklären, was es damit auf sich hat? Als böse Männer in Elinors Haus einbrechen, das Buch stehlen und Mo entführen, stürzen Vater und Tochter in das Abenteuer ihres Lebens – voller Magie, Geheimnissen und Gefahren.

„Tintenherz“ ist für mich ein Rezensionsschreckgespenst. Selbst während ich hier sitze und tippe, weiß ich eigentlich nicht, was ich schreiben soll. Ich gebe das ganz ehrlich zu, denn ich glaube einerseits, dass das allen Rezensent_innen ab und zu passiert und andererseits, dass die Tatsache, dass mir nichts einfällt, bereits einiges darüber aussagt, wie ich das Buch fand. Deswegen wird dies hier keine reguläre Rezension, denn ich bin nicht in der Lage, „Tintenherz“ wie jedes andere Werk zu analysieren. Stattdessen möchte ich euch erklären, was mich blockiert und warum.
Nach der Lektüre von „Tintenherz“ habe ich mich mit meiner Mutter über Erwartungsmanagement unterhalten müssen. Es tut mir unheimlich leid um das Buch, doch aufgrund ihres jahrelangen Überschwangs waren meine Erwartungen astronomisch, unrealistisch hoch. Sie hat das Buch in meinem Kopf größer werden lassen, als es eigentlich ist, wodurch mich die tatsächliche Erfahrung des Lesens enttäuscht hat. Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass all das Spektakuläre, das ich in die Worte meiner Mutter hineininterpretierte, passierte. Ich konnte nicht wissen, dass meine Erwartungshaltung unmöglich zu erfüllen war. Darüber hinaus wurde mir klar, dass sie mir bereits lange vor der Lektüre das wichtigste Detail der Geschichte verriet. Sie hat mich heftig gespoilert. Das ist das erste Mal, dass sich meine Kenntnis eines entscheidenden Bausteins unbestreitbar auf mein Lesevergnügen auswirkte.
Ich kann „Tintenherz“ nicht objektiv bewerten, weil ich nicht weiß, wie es auf mich gewirkt hätte, wären meine Erwartungen nicht total übersteigert gewesen. Meine Enttäuschung ist so dominant, dass sie jedes andere Gefühl überdeckt und unterdrückt. Der Versuch einer normalen Rezension wäre deswegen äußerst unfair, denn es liegt nicht an der Geschichte selbst, dass ich unzufrieden bin. Glaube ich zumindest. Ich denke schon, dass sie mir hätte gefallen können, obwohl ich überzeugt bin, dass ich den allgemeinen Hype trotz dessen nur schwerlich nachvollziehen könnte. Dafür hätte ich sie vermutlich wesentlich eher lesen müssen, nicht erst mit Mitte 20.
Ich hoffe nun stark auf die Fortsetzung der Trilogie, über die ich rein gar nichts weiß. Ich fand den Auftakt ja nicht schlecht, er war nur nicht das, was ich erwartet hatte. Ich möchte mich nicht damit abfinden, dass sich alles, was ich für „Tintenherz“ empfinde, durch ein Schulterzucken ausdrücken lässt. Für mich ist diese Situation nicht akzeptabel, denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich so viele Leser_innen weltweit irren sollen. Nein, ich bin das Problem, dessen bin ich sicher.

Manchmal ist die Beziehung zu einem Buch durch äußere Faktoren kompliziert. Erwartungen sind eine heikle Angelegenheit. Wie ihr seht, ist die begeisterte Schwärmerei über ein Buch in diesem Fall mächtig nach hinten losgegangen. Ich möchte noch einmal betonen, wie leid es mir um „Tintenherz“ tut. Ich laste es weder Cornelia Funke noch der Geschichte an, dass mich die Lektüre nicht so glücklich gemacht hat, wie ich es mir gewünscht hätte. Es tut mir auch leid, dass ich euch dieses Mal keine richtige Rezension anbieten kann, aber ich komme an meinem Gefühl der Enttäuschung einfach nicht vorbei. Ich würde euch gern einen Eindruck von Schreibstil, Handlungskonstruktion und Charakterkonzipierung vermitteln, doch ich dringe nicht zu meinem analytischen Ich hindurch. Für mich ist das eine unangenehme Erfahrung, allerdings ist es auch eine wichtige Lektion, die ich bereits an meine Mutter weitergereicht habe. In Zukunft wird sie sich bestimmt etwas besser beherrschen und sich auf die Zunge beißen, bevor sie mir ein entscheidendes Detail verrät. 😉
Wenn ihr „Tintenherz“ bereits gelesen habt, verratet mir doch, was euch daran begeisterte. Vielleicht brauche ich einfach eine andere Perspektive, um zu sehen, was an der Geschichte so wundervoll ist, dass sie weltweit geliebt wird.

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7 Kommentare

Verfasst von - Dezember 27, 2015 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy, Young Adult

 

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7 Antworten zu “Cornelia Funke – Tintenherz

  1. sanne1978

    Dezember 27, 2015 at 10:45 am

    Hallo liebe Elli,
    es ist immer schade, wenn ein Buch in das man so hohe Erwartungen hatte, diese nicht erfüllt bzw. erfüllen kann. Wenn man während und nach der Lektüre nicht die gewünschte Begeisterung verspürt. Das tut mir leid für Dich.
    Ich kann es nachvollziehen, dass Du daher keine Rezension nach dem bekannten Muster schreiben konntest. Das wird sicherlich nicht das letzte Mal sein. Und ich finde so etwas auch nicht schlimm. Wer viel liest, der kann nicht immer nach dem bewährten Muster arbeiten. Hin und wieder weicht man aus den verschiedensten Gründen ab.
    Ich selbst habe Tintenherz noch nicht gelesen, aber es steht auf meiner Liste. Andererseits habe ich auch nicht so hohe Erwartungen an das Buch, da mir noch niemand davon vorgeschwärmt hat.
    Wenn ich es gelesen habe, dann geb ich Bescheid, wie ich es fand. 😉
    Liebe Grüße
    Susanne

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Dezember 27, 2015 at 12:03 pm

      Huhu,

      ich bin gespannt auf deine Meinung und hoffe, dass es dir besser gefällt als mir. 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt mir

       
  2. lanee1987

    Dezember 27, 2015 at 12:00 pm

    Also, ich hab den Hype auch immer so mitbekommen und es dann endlich gelesen.

    Ich fand es fürchterlich. Langweilig. Nichtssagend. So ganz ohne nennenswerten Höhepunkt und ohne Message für mich.

    Die anderen Teile habe ich auch gelesen, enthalte mich jetzt aber einfach 😂

    Liebe Grüsse

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Dezember 27, 2015 at 12:02 pm

      Huhu,

      oh, okay. oO Na ich hoffe doch einfach mal, dass mich die Fortsetzungen überzeugen können. 😉

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt mir

       
  3. Jery Schober

    Dezember 27, 2015 at 7:34 pm

    Ich habe „Tintenherz“ nicht gelesen, aber ich kann das mit der nicht zu erfüllenden hohen Erwartungshaltung nachvollziehen. Mir ging es bei Lynchs „Die Lügen des Locke Lamora“ so – von allen Seiten wurde mir erzählt, wie genial das Buch sei, und nach 90 % wartete ich noch immer darauf, dass ich diese Genialität finden würde. Wäre ich unbelastet und unbeeinflusst an das Buch herangegangen, hätte ich ihm sicher mehr abgewinnen können.
    Es war das erste Mal, dass ein Buch meine Erwartungen aufgrund des Hypes nicht hat erfüllen können, aber he, man kann nicht alles mögen 😀 Andere gehypte Bücher, so sie denn überraschenderweise auf meinem Lesestapel landeten, mochte ich irrsinnig gern, also bin ich anscheinend durchaus in der Lage, meine Erwartungshaltung dem Werk anzupassen und mir viel, aber nicht zu viel zu erwarten. Nur bei dem einen ging’s halt schief.

    Gefällt 1 Person

     
  4. msmedlock

    Dezember 28, 2015 at 11:58 am

    Hallo, Elli!
    Ich habe das Buch damals, als es rauskam, zum Geburtstag gewünscht und auch bekommen. Das ist jetzt viele Jahre her und es war neu und spannend und niemand hatte es gelesen. Ich habe das blaue Exemplar bekommen, obwohl ich doch eigentlich das rote wollte. (Heute bin ich so stolz auf das blaue Ding, weil es das so heute nicht mehr gibt. Ich weiß, das hab ich schon mal erzählt.) Damals war das eine ziemliche Enttäuschung für ein kleines Mädchen wie mich. Ich habe das Buch natürlich trotzdem gelesen. Ich habe Lavendel zwischen den Seiten gepresst und den einen oder anderen Schokofleck auf den Seiten hinterlassen. Ich kenne heute noch den ersten Absatz des Buches auswendig. Ich glaube, was mich so fasziniert hat, war, dass in dem Buch Bücher so wahnsinnig geliebt werden. In letzter Zeit kommen immer mehr Bücher heraus, die von Büchern handeln, aber das hier, das war das erste. Ich glaube, ich liebe das Buch deshalb so, weil ich so viel damit verbinde, so viele Emotionen und Erinnerungen. Die beiden Fortsetzungen kamen niemals an dieses Buch heran.
    Ich kann verstehen, warum du jetzt nicht weißt, was du mit der ganzen Sache anfangen sollst. So viel Erwartungshaltung, das konnte wohl nicht gut gehen. Schade, dass es dir mit diesem Buch passiert ist. Aber wer weiß? Vielleicht liest du das Buch ja in zehn Jahren noch einmal und kannst dann anders an das Buch heran gehen? 🙂
    LG, m

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