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Archiv für den Monat Juli 2015

K.J. Parker – Sharps

2015-07-17 - Parker - Sharps

K.J. Parker ist ein Pseudonym. 17 Jahre schrieb der britische Autor Tom Holt unerkannt unter diesem Namen. Im April dieses Jahres wurde das Geheimnis gelüftet. Der Autor historischer Romane Tom Holt erfand K.J. Parker, um vorurteilsfrei schreiben zu können. Er wollte ernst genommen werden, weil seine Karriere mit humoristischer Fantasy begann. Dieser Schritt war sehr erfolgreich, denn er gewann mit seinen Fantasy-Romanen zwei Awards und wurde für zahlreiche weitere nominiert. „Sharps“ war mein erster Berührungspunkt mit der Arbeit K.J. Parkers, den ich gern als vollwertige, wenn auch fiktive Persönlichkeit akzeptiere.

40 lange, blutige Jahre lagen die Nationen Scheria und Permia im Krieg. Nun wird nicht mehr gekämpft, von Einigkeit sind die beiden Länder jedoch weit entfernt. Um den Frieden zwischen ihnen zu stabilisieren, wird ein Fechtteam aus Scheria nach Permia geschickt. Vier FechterInnen, ihr Teambetreuer und ein politischer Offizieller sollen dem ehemaligen Feind die Hand reichen und durch den populären Sport zur Völkerverständigung beitragen. Die Tour bietet dem Team allerdings weder Spaß noch die Möglichkeit, wirklich mit dem Volk Permias in Kontakt zu kommen. Es häufen sich Ungereimtheiten und unliebsame Zwischenfälle, Blut wird vergossen. Die FechterInnen werden zu Spielbällen der Politik beider Länder, deren Mächte die Friedensmission zu korrumpieren gedenken. Können sie ihre Mission trotz dessen zum Erfolg führen und so einen erneuten Krieg verhindern?

Wow, was für ein anspruchsvolles, intelligentes Buch. „Sharps“ muss sich hinter all den komplexen Fantasy – Reihen definitiv nicht verstecken – obwohl es ein Einzelband ist. Die Brillanz dieser Geschichte liegt eindeutig in der detailreichen Darstellung politischer und wirtschaftlicher Umstände, Konsequenzen und Intrigen. Die tatsächliche Handlung spielt sich im Hintergrund und oft im Geheimen ab; was K.J. Parker schwarz auf weiß niederschrieb, sind die Folgen dieser versteckten Handlung. Auf diese Weise ergibt sich ein äußerst spannungsgeladenes Gesamtbild, das ich in seiner Struktur ungewöhnlich und beeindruckend finde. Ich glaube nicht, dass ich schon einmal einen ähnlich weitsichtigen, erwachsenen Low Fantasy – Roman gelesen habe. „Sharps“ war eine Herausforderung; nicht nur hinsichtlich der englischen Sprache, sondern auch bezüglich der beschriebenen politischen Situation. Der noch immer schwelende Konflikt zwischen Scheria und Permia ist kompliziert, da es in beiden Ländern verschiedene Strömungen gibt, die völlig entgegen gesetzte Interessen verfolgen. Die Wirtschaft wünscht sich Frieden, weil Krieg ein teures Unterfangen ist, das den Zugriff auf wichtige Rohstoffvorkommen verhindert. Die alte Militäraristokratie hingegen möchte die Macht der Wirtschaft beschneiden und selbst erneut die Führung übernehmen, die sie im Laufe des Krieges an Banken und Minenbesitzer verlor. Beide Länder sind so gut wie bankrott und durchleben eine Phase der Schwäche und Unsicherheit, solange der Frieden nicht bindend festgeschrieben ist. Aus dieser Ausgangslage heraus wird das Fechtteam aus Scheria ins ehemals feindliche Permia geschickt, als Zeichen des guten Willens. Das Team selbst ist ein zusammengewürfelter Haufen von Menschen, deren patriotische Gefühle keinesfalls ausreichend sind, um für den Traum der Einheit Scherias und Permias mit dem Degen zu kämpfen. Sie alle wurden mehr oder weniger in den Dienst gepresst und ungenügend auf die Mission vorbereitet. Von Anfang an hatte ich den Eindruck, dass das ganze Vorhaben unweigerlich zum Scheitern verurteilt sein musste und je mehr Hindernisse sich den FechterInnen in den Weg stellten, desto deutlicher wurde, dass undurchsichtige Kräfte im Hintergrund an Schräubchen drehten, die Scheria und Permia erneut in einen Krieg stürzen könnten. Es entstand eine Atmosphäre, in der ich das Gefühl hatte, niemandem mehr trauen zu können, nicht einmal dem Autor. Geheimnisse und Intrigen in Hülle und Fülle lenkten die Szenen in Richtungen, die ich unter keinen Umständen vorhersehen konnte. Immer wieder war ich bis ins Mark erschüttert und überrascht, meine Erwartungshaltung wurde alle paar Seiten gekippt, bis ich überzeugt war, der ungläubige Ausdruck habe sich in mein Gesicht gebrannt. Es ist nicht ganz einfach, sich gedanklich durch eine Geschichte zu bewegen, in der man sich nicht sicher fühlt – aber mir hat das einen Heidenspaß gemacht. Es war eine neue, extravagante Erfahrung, weil meine Beziehung zu „Sharps“ dadurch von gänzlich anderer Natur war, als ich es sonst gewohnt bin. Ich sollte mitdenken und zusehen, aber nicht teilnehmen, sondern verstehen lernen. Ich war Gast; ich musste mich nicht um Identifikation mit den zwiespältigen, ambivalenten Charakteren oder um ein fundiertes Wissen der dargestellten Welt bemühen. Mein Fokus sollte sich auf das Durchschauen des politischen und wirtschaftlichen Tanzes richten, den Scheria und Permia aufführen und ich denke, das ist mir durchaus gelungen.

„Sharps“ ist eigenwillig, aber exzellent. K.J. Parker ist kein gutmütiger Märchenonkel, der eine Geschichte voller Mantel und Degen – Romantik erzählt. Sein Verstand und seine Fantasie sind rasiermesserscharf, mit einem Hang zu Bissigkeit und Zynismus. Ich fand diesen Roman fabelhaft, obwohl er mir einiges abverlangt hat, weil er nach seinen eigenen Regeln spielt. Er ist unkonventionell und fordernd; es gibt keinen Anker, an dem sich die LeserInnen festhalten oder orientieren könnten. Es gibt ja nicht einmal Kapitel. Das macht es schwierig, „Sharps“ zu empfehlen, denn diese Form der recht experimentellen Fantasy ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Daher möchte ich euch raten, vor dem Kauf unbedingt in die Leseprobe von Orbit Books reinzuschnuppern. Für mich ist „Sharps“ ein Geheimtipp, doch ich kann einfach nicht einschätzen, ob andere das genauso empfänden.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. Juli 2015 in Fantasy, Low Fantasy, Rezension

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Da habe ich mich gestern doch glatt zu früh gefreut, ich muss heute doch noch arbeiten. Aber was soll’s, Gemeinsam Lesen können wir ja trotzdem. 😉 Diese tolle Aktion wird jede Woche von Schlunzen-Bücher veranstaltet; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Bild!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Stark: The Dark Half“ von Stephen King und befinde mich auf Seite 154 von 472.

Stark

 

 

„Thad Beaumont hat jahrelang unter dem Pseudonym George Stark sehr erfolgreiche Horrorromane verfasst. Als das Pseudonym eine immer eigenständigere Persönlichkeit anzunehmen droht, beschließt Beaumont, sich von ihm zu rennen. Doch kurz nach der öffentlichen ‚Beisetzung‘ Starks versetzt eine unheimliche Mordserie die Bevölkerung in Angst und Schrecken. An allen Tatorten hinterlässt der Mörder Thad Beaumonts Fingerabdrücke. Als Thads Familie entführt wird, muss der Schriftsteller erkennen, dass seine dunkle Seite Stark nicht so einfach zu beerdigen war…“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Ein paar Sekunden – er hatte keine Ahnung, wie viele es waren – steckte Thad im Klammergriff einer so überwältigenden und grenzenlosen Panik, dass er buchstäblich außerstande war, auf irgendeine Art zu reagieren.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Diesen 26 Jahre alten Stephen King lese ich genau deswegen: weil er 26 Jahre alt und somit in meinem Geburtsjahr erschienen ist; eine Aufgabe, die ich für das Lesebingo von i am bookish erfüllen muss. Außerdem wurde das Buch bereits verfilmt, wodurch ich es mir gleichzeitig für die zweite Juli-Monatsaufgabe der Disney-Challenge anrechnen kann. Irgendwie finde ich es witzig und schicksalhaft, dass gerade dieser Roman von Stephen King mir bei meinen Challenges helfen wird, denn das gute Stück stand nie auf meiner Wunschliste. Ich wollte es nie haben, ja, ich wusste nicht mal, dass es existiert. Dieses Buch habe ich auf der Straße gefunden und mitgenommen, weil ich der Meinung bin, dass man einen King nicht einfach herrenlos auf der Straße herumliegen lässt. Wer weiß, was mit den Dingen, die er darin beschreibt, passiert, wenn man sie allein und unbeaufsichtigt lässt. Nee nee nee, wir fordern das Schicksal nicht heraus, selbst wenn es abergläubisch und vielleicht ein bisschen idiotisch ist. Jedenfalls gehört „Stark“ deswegen mir und bisher bin ich recht zufrieden. Ich fand es schon eklig, gruselig, unheimlich und mysteriös – auf nicht einmal 200 Seiten. 😀 Stephen King weiß eben einfach, wie man die Leute aus ihrer Wohlfühlzone holt. Der deutsche Titel verrät eigentlich schon eine Menge über die Thematik, mit der sich der berühmte Horrorautor in diesem Werk beschäftigt: mit der dunklen Seite eines Menschen. In Kings Fall wird diese Auseinandersetzung allerdings garantiert über Hypothetisches oder rein Psychisches wie eine multiple Persönlichkeit hinaus gehen, davon bin ich fest überzeugt. Ich bin darauf eingestellt, in bizarre, verdrehte Ideen abzutauchen, mit denen der Mann mit der unheimlichen Fantasie seinem Ruf alle Ehre macht. 😀

4. Wie macht ihr es wenn ihr 10 Bücher habt, und euch einfach nicht entscheiden könnt, was euer nächstes Buch wird?

10 Bücher? Das wäre mir viel zu wenig. Ich habe stets einen SuB im dreistelligen Bereich, weil AUSWAHL einfach alles für mich ist. Wie ich mich bei dieser (relativ) hohen Anzahl entscheide, wisst ihr bereits, weil wir gerade erst letzte Woche darüber gesprochen haben. Mein Bauch entscheidet das. Er weiß es. Er hat die Ahnung. Er hat den Plan. Ich vertraue ihm, weil er in 98% der Fälle goldrichtig liegt. Wie er das macht, könnte ich nicht sagen, aber er findet einen Weg, mir seine Entscheidung mitzuteilen. Er zupft an meinem Bewusstsein, könnte man sagen. Alles, was ich tun muss, ist, ihm die zur Auswahl stehenden Bücher vorzuführen. Den Rest erledigt er dann schon.
Tja und mehr kann ich dazu auch nicht sagen, denn bei mir gibt es keine komplizierten, taktischen Überlegungen oder Strategien. Ich spiele keine SuB-Auswahl-Spielchen und lege nicht bereits Monate vorher fest, wann welches Buch gelesen wird. Leseentscheidungen sind bei mir in höchstem Maße intuitiv und spontan. Ich kann euch also nur schwer Tipps geben. Wenn ihr unentschlossen seid, würde ich euch raten, ebenfalls mit eurem Bauch Kontakt aufzunehmen. Irgendetwas in euch weiß sehr genau, was ihr als nächstes lesen möchtet. Hört auf euren Instinkt, vertraut euren Empfindungen und zerdenkt die Entscheidung nicht. Es ist nicht immer der Kopf, der die besten Entscheidungen trifft. Es ist das Herz. Oder eben der Bauch. 😉

Was lest ihr im Moment und wie entscheidet ihr euch zwischen mehreren Büchern?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Ansichten und Kommentare und wünsche euch allen einen zauberhaften Dienstag! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Bevorzugte Verlage?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ist es nicht unfassbar, dass der Juli schon wieder fast vorbei ist? Ich habe das Gefühl, dieses Jahr fliegt die Zeit nur so dahin. Heute beginnt schon wieder eine neue Woche, die für mich hoffentlich recht entspannt wird. Ich muss nämlich nur heute und am Samstag arbeiten, den Rest der Woche habe ich frei. Im Idealfall bedeutet das, dass ich mal dazu komme, ein paar Beiträge vorzubereiten. Bevor ich mich nachher auf den Weg ins Büro mache, möchte ich aber noch schnell die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja beantworten:

Hast du bevorzugte Verlage, bei denen du dich gerne nach neuem Lesestoff umsiehst?

Jein. Ich suche eigentlich nicht direkt in Verlagsprogrammen nach neuer Lektüre, aber es gibt durchaus Verlage, die ich lieber mag als andere. Bei deutschen Büchern ist es mir meistens ziemlich egal, weil sich deutsche Verlage meiner Meinung nach kaum unterscheiden. Es gibt zwar ein paar Ausreißer, die sich durch ein bestimmtes Design auszeichnen (z.B. Reclam oder Diogenes), aber bestimmte Präferenzen habe ich nicht. Für englische Bücher hingegen bevorzuge ich Del Rey. Del Rey ist ein Zweig von Ballantine Books, ein Verlag, der zur Random House Gruppe gehört, die wiederum ein Teil von Penguin Random House ist. Ich gestehe, ich finde die Verlags- und Zweigzugehörigkeiten ziemlich kompliziert, doch worauf es ankommt, ist, dass ich Del Rey deswegen so gern mag, weil sie hauptsächlich Science Fiction und Fantasy verlegen und sich auf diese klitzekleinen, süßen Formate spezialisiert haben. Ihre Taschenbücher sind günstig, leicht und im Alltag einfach praktisch. Bevor ich ein englisches Buch kaufe, schaue ich daher immer erst einmal nach, ob es vielleicht eine Del Rey-Ausgabe gibt. Ich bin auch bereit, auf diesen Verlag zu warten, wie z.B. beim vierten Band von Peter V. Bretts Demon Cycle, „The Skull Throne“. Das Buch gibt es bereits zu kaufen, ich möchte jedoch unbedingt die Mini-Ausgabe. Also warte ich darauf, dass Del Rey / Ballantine Books aus den Puschen kommt. 😉

Welche Verlage mögt ihr besonders gern?

Ich freue mich wie immer auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen wundervollen Wochenstart! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Susan Ee – End of Days

2015-07-09 - Ee - End of Days

Die Entscheidung, die Trilogie Penryn & the End of Days erst weiterzulesen, wenn auch das Finale veröffentlicht ist, war weise. Ich bin richtig stolz auf mich, dass ich so geduldig war, denn das hat sich wirklich ausgezahlt. So konnte ich direkt nach „World After“ herausfinden, wie Penryns und Raffes Geschichte endet. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie schlimm es gewesen wäre, nach diesem Cliffhanger warten zu müssen.

Nachdem Raffe und Penryn Raffes Flügel retten konnten, ist er die letzte Hoffnung, die die Menschheit noch hat. Die beiden müssen einen Arzt finden, der Raffe hilft, wieder er selbst zu werden und vielleicht auch Paiges einzige Chance auf ein normales Leben ist. Nur dann kann er zu den Engeln zurückkehren, um Uriel daran hindern, sich zum Boten Gottes wählen zu lassen und die Apokalypse auszurufen. Während sich Menschen und Engel für die letzte alles entscheidende Schlacht um alles Irdische rüsten, haben Raffe und Penryn keine andere Wahl, als einen Ausflug in Gefilde zu unternehmen, die kein Mensch je betreten sollte – und somit auch in Raffes Vergangenheit. Sie hoffen, hier eine Möglichkeit zu finden, Penryns Welt zu retten. Doch werden sie auch einander retten können?

Wollt ihr wissen, wie gut „End of Days“ ist? Es ist so gut, dass ich meine Haustür nicht aufschließen wollte. Ich stand davor und hatte den Schlüssel in der Hand, aber zum Aufschließen musste ich meine Augen vom Buch losreißen. Das hat mir sowas von nicht gepasst, dass ich den Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht habe, einfach draußen stehen zu bleiben. Wenn mir schon so kleine Tätigkeiten zu viel sind, weil ich nicht aufhören möchte zu lesen, sollte euch das eine Menge darüber verraten, wie großartig ich „End of Days“ fand. 😉 Nach der Lektüre von „Angelfall“ und „World After“ hatte ich fast schon unverschämt hohe Erwartungen, doch Susan Ee erfüllte sie spielend. Bisher fügte sie ihrer fantasievollen Dystopie in jedem Band eine weitere Ebene hinzu und auch in „End of Days“ erhält das Auftauchen der Engel eine weitere Facette. Sie arbeitet die Apokalypse in einen größeren Kontext ein und lässt ihre LeserInnen erahnen, was aus unserer Welt werden könnte, wenn die Engel nicht verschwinden. Durch Penryns Augen durfte ich sehen, welches Schicksal der Erde bevorstünde. Mutig bringt die Autorin damit eine philosophisch-religiöse Streitfrage zum Höhepunkt, die die ganze Geschichte über bereits anklang: könnten Engel eher Zerstörer denn Bewahrer sein? Penryn erlebt hautnah, dass die Engel alles zu Grunde richten, was sie berühren und zu unfassbarer Grausamkeit fähig sind, nicht nur den Menschen gegenüber, sondern auch ihrer eigenen Art gegenüber. Diese eiskalte Härte machte Raffe zu einem Einzelgänger und zerfraß Beliels Seele, dessen Geschichte in „End of Days“ endlich offenbart wird. Ich habe nicht damit gerechnet, doch ich habe tatsächlich Mitgefühl mit ihm. Ich verstehe jetzt, warum er alles dafür tat, wieder zu den Engeln zurückkehren zu können. Wieso er nicht einmal davor zurückschreckte, Raffe seiner Flügel zu berauben. Er erhält von Susan Ee keine Absolution, aber sie erklärt seine Motivation eingängig und nachvollziehbar, sodass ich mich davor nicht verschließen konnte. Ich empfinde Beliel gegenüber nun definitiv anders. Weicher. Sanfter. Sein Schicksal ist eng mit Raffes Vergangenheit verknüpft, die ich einfach nur als tragisch bezeichnen kann. Kein Wunder, dass er solche Probleme hat, Penryn an sich heran zu lassen. Das ändert jedoch nichts daran, dass er ein gütiges, gerechtes Herz hat. Ich denke, ich habe in den Rezensionen zu den letzten beiden Bänden nicht deutlich genug beschrieben, wie sehr ich Raffe mag. Ich wäre mit ihm genauso gern befreundet wie mit Penryn, denn er hat so viele gute Eigenschaften, auch wenn er sie meist hinter einer Maske aus Distanz und Abwehr versteckt. Er trägt Umengen uralten Ballasts mit sich herum, weswegen er viel Wert darauf legt, stets kontrolliert und stark zu erscheinen. Penryn und er ergänzen sich gegenseitig fabelhaft, weil sie miteinander loslassen können. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit haben sich zwei Seelen gefunden, die einfach zusammen gehören. Gemeinsam sind sie die personifizierte Hoffnung.

„End of Days“ ist der stimmige, würdige Abschluss einer hervorragenden Trilogie. In diesem Buch entlud sich explosionsartig all die Spannung, die sich über die vorangegangenen Bände in mir aufgebaut hatte. Es war, als hätte ich nur auf ein Ventil gewartet – Susan Ee hat es mir auf dem Silbertablett präsentiert. Ich war überwältigt von all den Emotionen, die über mich einstürzten. Natürlich bin ich traurig, vor allem Penryn nun gehen lassen zu müssen, aber ich finde auch, die Autorin hat genau den richtigen Zeitpunkt gewählt. Penryn kommt zurecht, davon bin ich überzeugt. Ein Teil von mir hofft allerdings ein bisschen darauf, dass Susan Ee Penryn noch einmal einen Besuch abstattet. Vielleicht, wenn 20 Jahre vergangen sind. Ich würde unheimlich gern erleben, was für eine Frau aus ihr wird.
Penryn & the End of Days ist eine der besten YA-Dystopien, die ich je gelesen habe. Sie überzeugt mit starken, individuellen Charakteren, die alles andere als Stereotypen sind und zeichnet das Bild einer runden, spannenden und kreativen Apokalypse. Völlig egal, wie enttäuscht ihr bisher vielleicht von Young Adult-Literatur wart – ihr müsst Penryn einfach eine Chance geben, denn sie wird euch den Glauben an und die Begeisterung für das Genre zurückgeben.

 

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[Getaggt] 10 Wünsche für meinen Sommer

Summer-Bucket-Lis

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ich wurde wieder einmal getaggt, dieses Mal vom lieben Alex vom Blog Lies-Diers. Beim Summer-Bucket-List-TAG geht es darum, 10 Wünsche für meinen Sommer zusammenzustellen. Also ausnahmesweise mal keine Fragen, die es zu beantworten gilt. 😉 Eigentlich bin ich für diesen TAG ja fast schon ein bisschen spät dran Ende Juli, aber was soll’s, Spaß macht es trotzdem. 😀

1. Arbeiten

Ja, ich weiß, das klingt ganz schrecklich, aber ich möchte diesen Sommer wieder mehr arbeiten, als ich es während des Semesters darf. Im Sommer häufen sich in meinem Haushalt die jährlichen Rechnungen, sodass ich eigentlich kein Geld übrig habe, um mich beispielsweise mit neuen Büchern zu versorgen. Das finde ich inakzeptabel, also wird mehr geschuftet.

2. Hund bespaßen

Ich möchte versuchen, so viel wie möglich mit meiner Hündin draußen im Park zu sein. Natürlich nicht, wenn das Thermometer auf 35° und mehr klettert, aber solange es erträglich ist, will ich das schöne Wetter genießen. Wenn schon nicht für mich, dann für sie. Ginge es nur um mich, könnte ich mich auch den ganzen Sommer über in meiner Bude verkriechen und die Hitze einfach aussitzen. Geht es aber nicht. Also raus in die Natur. Mit Buch und Wasser in rauen Mengen. 😉

3. „House of Cards“ gucken

Ich glaube, dass diese Netflix-Serie mit Kevin Spacey in der Hauptrolle genau das richtige für mich ist. Ich kam nur nie dazu, sie mir endlich mal anzugucken. Es wird sich zeigen, ob jetzt im Sommer was draus wird. Ich habe es zumindest fest vor. 😀

4. Beiträge regelmäßiger vorbereiten

Es nervt mich total, dass ich es nicht schaffe, meine Blogbeiträge regelmäßig vorzubereiten. Ich will eigentlich jeden Tag irgendetwas posten, aber ich will nicht jeden Tag irgendetwas schreiben. Also muss ich mir vielleicht mal eine Woche Blog-frei nehmen, um einen gewissen Vorlauf zu schaffen. Oder noch fleißiger Rezensionen schreiben, damit zumindest das wegfällt. Mal sehen. Ich weiß noch nicht, wie ich das Problem löse, aber irgendwas wird mir schon einfallen.

5. Einmal mit dem Lieblingsmenschen frühstücken gehen

Ich esse ja insgesamt sehr gern auswärts, aber auswärts frühstücken hat für mich bis heute den Reiz des Exotischen, weil ich das noch nicht sehr oft gemacht habe. Da mein Bezirk sich langsam von gefährlich und verrucht zu hip und angesagt mausert (was ich davon halte, ist ein anderes Thema), schießen hier Stück für Stück immer mehr kleine Restaurants, Bistros, Cafés und Bars aus dem Boden. Auf meiner morgendlichen Hunde-Runde laufe ich jeden Tag an einem speziellen Restaurant vorbei und wenn ich sehe, was die Gäste dort so auf ihren Tellern haben, läuft mir regelmäßig das Wasser im Mund zusammen. Also möchte ich diesen Sommer dort unbedingt einmal mit dem Lieblingsmenschen frühstücken gehen.

6. Anfangen, „A Song of Ice and Fire“ von George R.R. Martin zu lesen

Ich habe es satt, offenbar die letzte Person auf der Welt zu sein, die weder die Bücher gelesen noch die Serie gesehen hat. Ich will endlich mitreden können. Den ersten Band „A Game of Thrones“ habe ich ja sogar schon hier, bisher hat es mir nur einfach an Motivation gemangelt, die Reihe anzufangen. Ich weiß schließlich, dass ich unter Umständen an einen Punkt komme, der mich zwingt, auf die Veröffentlichung der nächsten Bände zu warten. Was Mist ist. Trotzdem möchte ich jetzt nicht mehr länger unwissend sein und endlich auch zu den coolen Kids gehören. 😀

7. Meine externe Festplatte reparieren oder ersetzen lassen

Meine externe ist schon ewig kaputt. Ihr kennt das vielleicht, diesen Hinweis, dass das Gerät erst formatiert werden müsste, um es verwenden zu können? Tja, schön und gut, aber dann sind meine Daten weg. Alle Daten. Musik, Fotos, Texte. Wertvolle Fachliteratur, die ich niemals wieder so zusammenstellen könnte. Eine umfangreiche Sammlung subkultureller Musik, an die man zum Teil gar nicht mehr herankommt. Tausende Fotos von den schönsten Momenten meines Lebens. Das kommt nicht in Frage, also muss ich sie unbedingt zu einem Fachmann bringen (der seinen Laden um die Ecke hat). Ich weiß allerdings, dass es ziemlich lange dauern wird, bis ich mal eine Rückmeldung von ihm bekomme. Was ich nicht weiß, ist, was der Spaß kosten wird. Ganz billig wird das sicher nicht, denn entweder wird die externe Festplatte repariert (was ich nicht glaube), oder die Daten werden extrahiert und auf eine neue Festplatte gespielt, die ich erst kaufen muss. Ich weiß, was die für solche Aufträge bei MediaMarkt nehmen. Mein Fachmensch ist natürlich VIEL günstiger, nichtsdestotrotz ist das allerdings eine Ausgabe, die mir eigentlich gegen den Strich geht. Na ja. Gemacht werden muss es trotzdem.

8. Erwachsen sein und endlich zum Augenarzt gehen

Ahhh, ich hasse Arztbesuche. Ich muss aber dringend mal zum Augenarzt, weil meine Brillenstärke nicht mehr ausreicht. Meine Augen haben sich über die Jahre verschlechtert und ich merke, dass ich wieder häufiger mit Kopfschmerzen zu kämpfen habe. Von den Problemen, etwas in der Ferne zu erkennen, mal ganz zu schweigen. Ich habe mir fest vorgenommen, das dieses Jahr endlich in Angriff zu nehmen – mittlerweile ist Juli und ich habe noch nichts unternommen. Mir läuft die Zeit davon, wenn ich mich an meinen Vorsatz halten will.

9. Die Vorbereitungen für meine Bachelor-Arbeit treffen

Ich plane, im nächsten Semester endlich mein Studium abzuschließen. Dafür muss ich noch ein paar E-Mails schreiben, weil ich erstens zwei Hindernisse bezüglich der Leistungserfassung aus dem Weg räumen muss und zweitens einen Betreuer brauche. Ich habe zwei Themen im Kopf, über die ich mir vorstellen könnte zu schreiben, die allerdings völlig verschiedene Fachrichtungen betreffen: Phonologie oder Typologie. Beides interessiert mich, also werde ich mich mit zwei verschiedenen Dozenten unterhalten, um auszuloten, was besser zu mir passt und überhaupt im Rahmen des Möglichen liegt.

10. Dinge tun, die mich glücklich machen

Das klingt total banal, oder? Für mich ist es sehr sehr wichtig, dass ich mich regelmäßig belohne, um mich nicht überarbeitet, gestresst oder abgespannt zu fühlen. Sonst bekomme ich schnell den Eindruck, für nichts Zeit zu haben, nur zu arbeiten (wobei da alles reinzählt, was nicht freie Zeitgestaltung ist, also z.B. auch Hausarbeit) und niemals zur Ruhe zu kommen. Ich muss mir Momente schaffen, auf die ich mich richtig freuen kann. Plane ich, mich selbst glücklich zu machen, kann ich nämlich auch noch die Vorfreude auskosten. Meistens sind das Kleinigkeiten: der Vorsatz, am Abend beim Fernsehen mein Lieblingseis zu löffeln; ein Zeitfenster, das ich mir extra zum Lesen oder vielleicht auch zum Zocken frei gehalten habe; vor der Arbeit noch schnell ein paar Folgen meiner aktuellen Serie gucken (hoffentlich ist das diesen Sommer „House of Cards“ *hust*); einige Stunden im Park mit meiner Schnecke. Es geht einzig und allein darum, meine Zeit FÜR MICH zu nutzen und mir etwas Gutes zu tun, ohne darüber nachzudenken, was eigentlich alles noch erledigt werden sollte oder müsste.

 

Diese 10 Dinge plane und/oder wünsche ich mir für meinen Sommer. Hmm… ein bisschen langweilig, oder? 😀 Ich kann es nicht ändern, etwas Aufregenderes habe ich mir nun mal nicht vorgenommen. Im Zweifelsfall hole ich mir Aufregung aus Büchern. Wozu hat man die Dinger denn sonst? 😀
Eigentlich müsste ich jetzt noch taggen. Aber ehrlich gesagt habe ich dazu weder Lust, noch weiß ich überhaupt, wer diesen TAG schon gemacht hat und wer nicht. Lasst es uns also ganz einfach handhaben: wer immer das hier liest, fühle dich getaggt! Wenn du Lust hast, mach mit, falls nicht, lass es sein. Solltest du den TAG schon beantwortet haben, kannst du gern deinen Beitrag in den Kommentaren verlinken. 😉
Ich wünsche euch allen einen wundervollen Rest-Donnerstag und natürlich einen großartigen Sommer!
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Susan Ee – World After

2015-07-06 - Ee - World After

Endlich, endlich, endlich. Endlich konnte ich die Trilogie Penryn & the End of Days von Susan Ee weiterlesen. Im Mai letzten Jahres war ich hemmungslos und überschwänglich begeistert vom ersten Band „Angelfall“, wollte aber unbedingt die Veröffentlichung des Finales abwarten, um die Geschichte in einem Rutsch auslesen zu können. Der Cliffhanger am Ende von „Angelfall“ lehrte mich, geduldig zu sein. Ich hatte sehr hohe Erwartungen an „World After“, denn der Auftakt der Trilogie war vermutlich die bisher beste YA-Dystopie meiner Lesekarriere.

Der Engel-Horst ist zerstört. Der Angriff des Widerstands war ein voller Erfolg. Auch für Penryn, denn sie konnte ihre kleine Schwester Paige aus den Fängen der Engel befreien. Doch ist Paige überhaupt noch Paige? Die Experimente der Engel gaben ihr zwar ihre Beine zurück, sodass sie wieder laufen kann, aber sie verwandelten sie auch in etwas, das nicht mehr völlig menschlich ist. Ihr monströses Äußeres und seltsames Verhalten machen den Rebellen des Widerstands Angst. Wenn Menschen Angst haben, tun sie fürchterliche Dinge. Die Situation eskaliert, Paige läuft davon und Penryn sieht es als ihre Pflicht an, sie zu finden. Währenddessen jagt Raffe noch immer seinen Flügeln nach, die ihm der Gefallene Beliel gestohlen hat und ohne die er nicht zu den Engeln zurückkehren kann. Im denkbar unwahrscheinlichsten Moment treffen Penryn und Raffe wieder aufeinander. Können sie gemeinsam die entsetzlichen Pläne des Erzengels Uriel vereiteln und so die Menschheit retten?

„World After“ ist eine fantastische Fortsetzung, anders kann ich es einfach nicht ausdrücken. Schon im ersten Band „Angelfall“ war ich ein Riesenfan der Protagonistin Penryn und nun wurde ich in meiner Begeisterung erneut bestätigt. Sie ist eine unheimlich starke Figur, die die spannende, packende Geschichte rund um diese kreative Version einer Apokalypse mit Leichtigkeit trägt und vorantreibt. Obwohl zwischen der Lektüre des Auftakts der Trilogie und „World After“ über ein Jahr lag, hatte ich keine Probleme mit dem Wiedereinstieg. Susan Ees Schreibstil ist direkt und gradlinig, sodass ich mich schnell in die Geschichte einfand und das Gefühl hatte, wirklich in Penryns Kopf zu sein. Ich sah, was sie sah; fühlte, was sie fühlte. Diese intensive Nähe kam auch deshalb zu Stande, weil ich Penryn verstehe. In jeder Situation, in jedem Moment, in jeder einzelnen Emotion. Sie ging mir nicht ein einziges Mal auf die Nerven, was mir sonst mit YA-Protagonistinnen sehr oft passiert, unabhängig davon, wie gut mir das Buch gefällt. In Penryn entdecke ich einige meiner eigenen Wesenszüge; wir sind uns ähnlich. Sie ist rational, handelt niemals überstürzt und hat absolut keinen Hang zum Selbstmitleid. Sie tut, was getan werden muss, mutig und selbstlos. Sie hat immer einen Plan und gibt niemals auf. Klingt zu gut, um wahr zu sein und fast ein bisschen langweilig, richtig? Falsch. Natürlich zweifelt auch diese starke Heldin und erliegt der einen oder anderen unschönen Emotion. In „World After“ wird das vor allem durch den Handlungsstrang mit ihrer kleinen Schwester Paige deutlich. Penryn ist sich ihrer Gefühle ihr gegenüber seit Paiges… Veränderung nämlich keineswegs mehr so sicher. Ihre Schwester ist monströs und obwohl sie nichts dafür kann, tut sich Penryn sehr schwer damit, das zu akzeptieren und zu erkennen, dass Monstrosität stets im Auge des Betrachters liegt. Ich fand das äußerst realistisch und nachvollziehbar, denn was die Engel aus Paige gemacht haben, ist wirklich unheimlich. Mir wäre es auch schwer gefallen, damit klarzukommen. Ihre verletzliche Seite zeigt Penryn darüber hinaus auch im Umgang mit Raffe und vor allem mit ihrer Mutter. Ihre Beziehung ist viel komplizierter, als es den Großteil der Geschichte über den Anschein hat – in „World After“ konnte ich einen Blick hinter Penryns starke Fassade werfen. Ihre Mutter geht ihr unter die Haut; ich konnte erahnen, wie Penryn aufgewachsen ist und wie viel Schmerz sie seit so vielen Jahren aushalten muss. Sie ist vermutlich die Einzige, die Penryn wahrhaft zu verletzen vermag, denn sie trifft zielsicher ihre wunden Punkte. Nicht einmal Uriel, der diabolische, katastrophale Pläne für die Menschheit und die Erde verfolgt, dringt dermaßen durch ihre Mauern. Ich fand es sehr interessant, dass ein Engel so verdorben sein kann und musste darüber schmunzeln, dass der fieseste Bösewicht, den Susan Ee sich ausgedacht hat, im Grunde nur ein außerordentlich skrupelloser Politiker ist. Wenn man will, kann man darin sicher einen reichlich bissigen Kommentar zu unserer Gesellschaft sehen.

Ich fand „World After“ mindestens genauso gut und mitreißend wie den ersten Band der Trilogie. Susan Ee hält ihr Niveau und führt ihre Geschichte in eine überzeugende Richtung weiter. Ich liebte die Einblicke in die Politik der Engel und kann von Penryn einfach nicht genug bekommen. Ich wünschte ein bisschen, sie wäre eine reale Person, denn ich wäre so gern mit ihr befreundet. Nicht nur wegen ihrer zahlreichen positiven Eigenschaften, sondern auch, um ihr eine Schulter zum Ausweinen zu bieten. Meiner Meinung nach hat sie das dringend nötig. Meine Güte, das Mädchen ist 17. Sie hat nur keine Zeit, sich auch dementsprechend zu verhalten. Ich drücke ihr von ganzem Herzen die Daumen, dass im Finale „End of Days“ ein Happy End auf sie wartet. Vielleicht sogar mit Raffe. Ich möchte sie glücklich sehen.
Ich kann nur allen LeserInnen, die den ersten Band „Angelfall“ gelesen haben und mochten, empfehlen, die Trilogie weiterzuverfolgen. Es ist kreativ, es ist frisch, es ist aufregend. Kein Gejammer, nur faszinierende Ideen voller Action und genau dem richtigen Maß an Gefühl. Soll die Apokalypse nur kommen. Penryn zeigt uns, wie man sie in ihre Schranken weist!

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese tolle Aktion findet wöchentlich bei Schlunzen-Bücher statt; die Fragen dieser Woche findet ihr durch einen Klick aufs Bild!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Daughter of Smoke & Bone“ (Daughter of Smoke & Bone #1) von Laini Taylor und befinde mich auf Seite 92 von 419.

Daughter of Smoke and BoneAround the world, black handprints are appearing on doorways, scorched there by winged strangers who have crept through a slit in the sky.
In a dark and dusty shop, a devil’s supply of human teeth grown dangerously low.
And in the tangled lanes of Prague, a young art student is about to be caught up in a brutal otherwordly war.

Meet Karou. She fills her sketchbooks with monsters that may or may not be real; she’s prone to disappearing on mysterious „errands“; she speaks many languages – not all of them human; and her bright blue hair actually grows out of her head that color. Who is she? That is the question that haunts her, and she’s about to find out.
When one of the strangers – beautiful, haunted Akiva – fixes his fire-colored eyes on her in an alley in Marrakesh, the result is blood and starlight, secrets unveiled, and a star-crossed love whose roots drink deep of a violent past. But will Karou live to regret learning the truth about herself?“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„If the language was alien to Karou, it was not so to Akiva.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich lese „Daughter of Smoke & Bone“ für die erste Juli-Monatsaufgabe der Disney-Challenge. Ich muss gestehen, für mich fühlt sich diese Aufgabe wie ein Freifahrtschein an, denn sie lautet:

Lies einen Auftakt zu einer Trilogie

Eigentlich versuche ich dieses Jahr, nicht ständig neue Reihen, Serien und Trilogien anzufangen und stattdessen Mehrteiler weiterzulesen oder im Idealfall sogar zu beenden. Deswegen waren Auftakte bisher eher tabu. Aber dass ich es nun tun „muss“, um die Extrapunkte einzuheimsen, ist die perfekte Ausrede, um mit meinem eigenen Vorsatz mal ein Weilchen auszusetzen. 😀 Daher habe ich mir ziemlich genau überlegt, für welche Trilogie ich diesen Freifahrtschein benutze. Ich habe mich für „Daughter of Smoke & Bone“ entschieden, weil ich einerseits keine Lust auf eine Dystopie hatte und ich andererseits gerade erst bei Weltenwanderer wieder einmal darüber gelesen hatte, was meine Neugier richtig entfacht hat.
Ich habe jetzt ja etwa 100 Seiten gelesen und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich mich in diese Geschichte mit Leib und Seele und aus tiefstem Herzen verlieben werde. Sie hat diese ganz spezielle, besondere Aura, die man in nur wenigen Büchern findet und ich fühle mich darin unheimlich wohl. Wir passen zusammen, das spüre ich. Laini Taylor hat eine Fantasie, die mit meiner eigenen Vorstellungskraft grandios harmoniert. Es ist, als würden wir gemeinsam ein komplexes, wundervolles Musikstück spielen und es zum Leben erwecken. Von der ersten Seite an war ich verzaubert. „Daughter of Smoke & Bone“ bringt mich zum Träumen und füllt meinen Kopf mit Magie. Könnte ich mich beim Lesen doch immer so fühlen. Diese Momente sind es, warum ich ein Buch nach dem anderen lese, immer auf der Jagd nach dieser unvergleichlichen Magie, die dann entsteht, wenn AutorIn und LeserIn während einer Geschichte eins werden und eine Verbindung aufbauen, die die Schranken aller Größen dieser Welt überwindet. Dieses Buch ist eine Perle, kostbar und selten.

4. Plant ihr euren Lesemonat (oder z.b. Lesesommer) und erreicht ihr eure Ziele dann auch, oder lest ihr immer das, worauf ihr gerade Lust habt?

Ach, diese Frage hatten wir doch nun schon so oft in den unterschiedlichsten Schattierungen… Aber gut, ich wiederhole mich gern noch einmal. Nein, ich plane nicht. Ich kann nicht planen, weil mein Bauch die Leseentscheidungen für uns trifft und er schlicht und ergreifend unbestechlich ist. Der lässt sich nicht hetzen, übergehen oder austricksen. Er will immer das letzte Wort haben.
Planung setzt den Einsatz des Kopfes, der Vernunft, voraus. Obwohl ich sonst ein großer Fan von Struktur und Ordnung bin, funktioniert das bei Büchern für mich überhaupt nicht. Mein Kopf trifft lausige Lektüreentscheidungen, weil er Faktoren mit einbezieht, die meinen Bauch nicht die Bohne interessieren. Mein Bauch wählt rein intuitiv und lag damit bisher so gut wie immer goldrichtig. Manchmal braucht er ein wenig länger (wobei das relativ ist), aber dafür weiß er mit 98 %iger Gewissheit, worauf ich gerade Lust habe. Mein Kopf hingegen denkt einfach zu viel dabei. Er überlegt, welches Genre ich als letztes gelesen habe und strebt Abwechslung an. Er sieht Bücher, die schon lange auf meinem SuB liegen und versucht, mir diese schmackhaft zu machen. Er zieht in Betracht, dass ein schweres Hardcover unter Umständen transportiert werden muss. Er geht vernünftig an die Sache heran, rational und logisch. Das ist der völlig falsche Ansatz. Leseentscheidungen sind keine logischen Entscheidungen, sondern entstehen irgendwo in der Nähe meines Herzens. So stelle ich es mir zumindest vor. Mein Bauch ist dichter an meinem Herzen als mein Kopf (ausgemessen habe ich das natürlich nicht), daher empfinde ich es als naheliegend, spontan und intuitiv zu entscheiden, eben aus dem Bauch heraus.
Eine Liste bzw. Planung würde mich total unter Druck setzen. Nicht nur, was die Auswahl angeht, sondern auch, was den Zeitrahmen betrifft. Ich hätte das Gefühl, für jedes Buch nur eine bestimmte Anzahl an Tagen zu haben und könnte mich beim Lesen nicht einfach treiben lassen. Das wäre Stress; ich würde immer wieder denken „Noch X Tage, dann musst du fertig sein und mit dem nächsten Buch anfangen“. Nein, das tue ich mir nicht an. Ähnlich wäre es bei der Auswahl, ich würde denken „Eigentlich will ich das jetzt gar nicht lesen, aber es steht auf der Liste, also muss ich es trotzdem lesen“. Grauenvoll.
Ehrlich gesagt habe ich diese Form der Planung auch nie verstanden. Wozu macht man das noch gleich? Welchen Effekt soll das erzielen?

Was lest ihr Moment? Legt ihr Leselisten an?

Vielleicht könnt ihr mir ja erklären, welche positive Wirkung ihr euch von der Planung euer Lektüre erhofft. Selbst wenn es für mich keine Option ist, würde mich doch interessieren, inwiefern Leselisten für euch eine Bereicherung sind. 🙂
Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare und wünsche euch allen einen tollen Dienstag!
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Älteste SuB-Leiche?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Schon wieder Montag. Wärgs. -.- Ich habe den Fehler gemacht und konnte mich in der letzten Nacht einfach nicht vom Monster-Schlachten wegreißen. Ich zocke momentan so selten und es hat solchen Spaß gemacht und da waren so viele Monster und überhaupt hatte ich gerade eine Glückssträhne. Den Preis dafür zahle ich jetzt – ich bin müde. Nun gut, aber wer nachts Monster metzeln kann, kann am nächsten Tag auch arbeiten. Also lasst uns gemeinsam in eine neue Woche starten, wie immer mit der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja:

Welches Buch liegt aktuell am längsten auf deinem SuB?

Okay, Butter bei die Fische: ich kann diese Frage unmöglich beantworten. Ich weiß es nicht. Wisst ihr, mein SuB ist so riesig, dass ich einfach irgendwann den Überblick verloren habe. Das muss schon einige Jahre her sein. Vermutlich hat es damit zu tun, dass ich streng genommen gar keinen SuB habe. Ich horte meine ungelesenen Bücher nicht irgendwo gesondert, sondern sortiere sie mit ins Regal (viel zu unregelmäßig, weil ich dann immer ALLE Bücher schieben muss, aber na ja, anderes Thema *hust*). Viele meiner Bücher besitze ich auch schon seit vielen, vielen Jahren. Erbstücke meines Großvaters, Bücher, die ich meinen Eltern aus dem Kreuz/Regal geleiert habe, Bücher, die ich als Kind oder Teenager geschenkt bekam. Ich könnte nicht einmal mit einer gewissen Verlässlichkeit schätzen oder raten. Möglicherweise ist es ein Hohlbein, der mir durch die Lappen gerutscht ist. Vielleicht ist es auch ein Kinderbuch, das ich immer mal lesen wollte, es aber bisher nie getan habe. Eventuell ist es „Der Alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway, das meiner Ansicht nach eines der ersten Bücher war, die mir mein Opi vermacht hat, als er noch am Leben war. Ich weiß es wirklich nicht. Goodreads ist für mich zwar ein tolles Hilfsmittel, um einigermaßen zu wissen, was mein Regal so hergibt, aber ich bin überzeugt, dass ich längst nicht alle Bücher eingetragen habe, die ich besitze. Ich müsste eben wirklich mal mit dem Lappi im Arm davor herumkraxeln und jedes Buch einzeln überprüfen. Allerdings würde mir das hinsichtlich der heutigen Frage auch nicht weiterhelfen, weil ich mir nicht notiere, wann ich ein Buch kaufe.
Ehrlich gesagt spielt das für mich aber auch keine Rolle. Es ist nicht wichtig, wie lange ein Buch ungelesen in meinem Regal steht, weil das überhaupt nichts darüber aussagt, wie sehr mich selbiges interessiert oder neugierig macht. Es bedeutet einzig und allein, dass der richtige Zeitpunkt für diese Lektüre noch nicht gekommen war. Ob ein Buch einen Monat, ein Jahr oder zehn Jahre in meinem Regal auf mich wartet… was macht das schon für einen Unterschied? Es ist da, wenn ich bereit bin und es lesen möchte. Das ist alles, was zählt. 🙂

Welches Buch ist eure älteste SuB-Leiche?

Ist es für euch wichtig, wie lange ein Buch ungelesen bei euch herum liegt oder steht? Ich bin sehr gespannt, was ihr zu dem Thema zu sagen habt und freue mich wie immer auf eure Meinungen und Kommentare! Ich wünsche euch allen einen wundervollen Wochenstart! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Ray Bradbury – Fahrenheit 451

2015-07-04 - Bradbury - Fahrenheit 451

„Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury – zur Abwechslung mal eine Dystopie für Erwachsene. Das Buch entstand aus der Kurzgeschichte „The Fire Man“ und wurde 1953 das erste Mal veröffentlicht. Für mich stand schon seit vielen Jahren fest, dass ich das Buch irgendwann einmal lesen würde, weil meine Mutter es mir nachdrücklich ans Herz legte. Trotz dessen wollte ich es mir nicht von ihr borgen, da ich entschieden hatte, es mit der englischen Originalversion zu versuchen. Eines Tages entdeckte ich es dann in einer Buchhandlung; in einer süßen, winzig kleinen Ausgabe, kaum größer als meine Hand. Einem Klassiker, der sich so praktisch und bequem lesen lassen würde, konnte ich nicht widerstehen und nahm ihn mit nach Hause.

Nichts ist vergleichbar mit der alles verzehrenden, reinigenden Schönheit von Feuer. Es bewahrt die Gesellschaft vor der beängstigenden Macht der Bücher, denn es sind Feuerwehrmänner wie Guy Montag, die dafür sorgen, dass all die Werke, die die Menschen verwirren und überfordern könnten, im Feuer verbrennen. Montag liebt seinen Beruf; zu beobachten, wie Dinge vom Feuer gefressen, geschwärzt und verändert werden, bereitet ihm Freude. Nie schenkte er seiner zerstörerischen Arbeit mehr als einen kurzen Gedanken. Erst seine Nachbarin Clarisse öffnet seinen Geist und lässt ihn hinterfragen. Warum müssen Bücher brennen? Warum ist es für Menschen wichtiger, sich zu amüsieren, als Zeit zum Nachdenken zu haben? Als Clarisse plötzlich verschwindet, ist Montag mit seinen Zweifeln völlig allein. Mit seiner Frau Mildred kann er nicht sprechen, lebt sie doch nur für ihre Fernseh – „Familie“. Impulsiv beginnt er, Bücher vor dem Feuer zu retten und versteckt sie in seinem Haus. Doch sein Tun bleibt nicht unbemerkt und Montag muss fliehen – vor dem System, das er selbst jahrelang unterstützte.

„Fahrenheit 451“ wurde über die Jahre immer wieder analysiert und interpretiert. Meist mit dem Konsens, dass das Buch eine brillante, feinsinnige Kritik an staatlicher Zensur darstellt. Wie überrascht war ich, als ich erfuhr, dass Ray Bradbury nach eigener Aussage ein anderes Thema im Sinn hatte, als er das Buch schrieb. Tatsächlich wollte er mit „Fahrenheit 451“ auf die seiner Meinung nach drohenden Gefahren eines steigenden Fernsehkonsums und das daraus resultierende, sinkende Interesse an Literatur hinweisen. Ich muss zugeben, ich finde das fast ein bisschen schade und bin nicht sicher, ob ich dieses Missverständnis an seiner Stelle richtig gestellt hätte, denn meiner Meinung nach fiel es durchaus zu seinen Gunsten aus und ist darüber hinaus nicht völlig aus der Luft gegriffen. Man kann die Gesellschaft, die Bradbury beschreibt, definitiv als Ausdruck einer totalitären Politik interpretieren. Nichtsdestotrotz wollte er in Wahrheit eine Gesellschaft abbilden, die sich selbst zu dem machte, was sie ist. Das Volk wollte die Abschaffung von Büchern. Sie wollten sich ganz dem Fernsehen und anderen Vergnügungen hingeben, um sich vor selbstständigem Denken zu „schützen“. Die Menschen halten sich selbst und freiwillig dumm. Ich war schockiert von ihrer Ignoranz und Abgestumpftheit. Ich war buchstäblich sprachlos, wie gleichgültig sie die wichtigsten Themen des Lebens behandeln, gänzlich ohne jegliche emotionale Resonanz. Anfangs gehört auch Guy Montag zu ihnen, denn er ist so beschäftigt mit seinem Leben, dass er keine Zeit hat, es zu leben. Seine Nachbarin Clarisse zerrt etwas in ihm zum Vorschein, das schon jahrelang unbemerkt in den Tiefen seines Seins gärte: eine überwältigende Unzufriedenheit, die ich nur allzu gut verstehen konnte. Eine Welt ohne Bücher, könnt ihr euch das vorstellen? Wenn ich ehrlich bin, ich will es mir gar nicht vorstellen und es fiel mir während des Lesens schwer, diesen Gedanken zu akzeptieren. Das hatte allerdings nichts mit Ray Bradbury als Autor zu tun, sondern nur mit mir als Leserin. Bradbury schreibt sehr pointiert und zielgerichtet, in einem Stil, der je nach Situation zwischen kristallklar und blumig poetisch wechselt. Seine Worte trafen mich genau da, wo es mir am meisten wehtat: in meinem freiheitsliebenden Bücher-Herzen. Das war nicht leicht zu ertragen, aber das sollte es sicher auch nicht sein. Er bleibt sehr dicht an seinem Protagonisten Montag, was mich überraschte, da ich erwartet hatte, dass er seine Zukunftsvision in größeren Dimensionen inszenieren würde. Erstaunlicherweise stellte ich jedoch fest, dass Montags Geschichte so repräsentativ ist, dass sie eine umfangreichere Schilderung der gesellschaftlichen Umstände überflüssig macht. Vieles klingt nur an; so sucht man den Satz „Wir sind im Krieg“ beispielsweise vergebens, obwohl es den Tatsachen entspricht. Der Krieg wird lediglich am Rande thematisiert. Mir gefiel das sehr gut, weil es die Lebensrealität der Menschen widerspiegelt und es auf gewisse Weise biblisch ist. Etwas, das sie ignorieren, wird zu ihrem Verhängnis.

Mich hat „Fahrenheit 451“ sehr berührt und aufgewühlt, so sehr, dass ich gegen Ende sogar geweint habe, weil Ray Bradbury es trotz all der grauen Trostlosigkeit und schrillen Reizüberflutung seiner dystopischen Gesellschaft nicht versäumt, seinen LeserInnen einen Funken Hoffnung zu vermitteln. Es ist ein Buch, das mich zweifellos noch lange beschäftigen wird, da ich nicht umhin kam zu erkennen, dass wir von Bradburys bedrohlicher Vision heute nicht mehr allzu weit entfernt sind. Wir leben immer schneller, immer komprimierter, immer leerer und immer unpersönlicher. Wenn uns „Fahrenheit 451“ eins lehrt, dann ist es das: wir müssen selbst auf die Bremse treten und uns Räume für unsere Persönlichkeit, unsere Individualität schaffen. Niemand wird das für uns übernehmen; wir formen die Gesellschaft, in der wir leben möchten.
„Fahrenheit 451“ ist meiner Meinung nach wieder mal ein Buch, das jeder Mensch auf der Welt gelesen haben sollte, weil es uns vor uns selbst warnt und uns zwingt, zu reflektieren. Ich denke, Bücherwürmer wie mich trifft dieser Roman besonders hart, denn er bringt eine empfindliche Saite in uns zum Klingen. Brennende Bücher – welches Bild könnte schmerzhafter sein?

 

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Joe Abercrombie – Heldenklingen

2015-07-01 - Abercrombie - Heldenklingen

Dass ich eine Lesung von Joe Abercrombie besucht habe, hat meine Begeisterung für diesen Autor neu entfacht. Nach fast einem Jahr Pause wurde es für mich mal wieder Zeit, in seine düstere, ehrliche High Fantasy abzutauchen. Aus seinem First Law – Universum fehlten mir noch zwei Romane: „Heldenklingen“ und „Blutklingen“, die beide in sich geschlossene Einzelbände sind, allerdings in lockerer Verbindung mit seiner hoch gelobten First Law – Trilogie stehen. Ich hatte das Glück, beide Bücher günstig bei Medimops erstehen zu können. Als diese hier eintrafen, wollte ich nicht mehr länger warten, beendete meine angefangene Lektüre und widmete mich danach sofort und voller Vorfreude „Heldenklingen“.

Seit der Schwarze Dow den Blutigen Neuner tötete und sich selbst zum Bewahrer des Nordens berief, herrscht Krieg zwischen der Union und den Nordlanden. Der König der Union will den Mord an seinem alten Weggefährten nicht einfach hinnehmen. Doch ein Krieg ist teuer und verschlingt Ressourcen, die an anderer Stelle dringender gebraucht werden. Besonders jetzt, da Monza Murcatto, die Schlange von Talins, in Styrien auf dem Thron sitzt, kann es sich die Union nicht leisten, an mehreren Fronten zu kämpfen. Der Geschlossene Rat strebt daher eine schnelle Beendigung des Konflikts im Norden an. Auf einem unbedeutenden Stück Land nahe eines alten Steinkreises, den man Die Helden nennt, soll eine finale Schlacht die Entscheidung über das Schicksal des Nordens erzwingen. Drei Tage des Kämpfens tränken das Schlachtfeld in Blut und am Ende gibt es nur einen Sieger: den Tod.

„Heldenklingen“ ist für Fans großer High Fantasy – Schlachten die Erfüllung eines Traums. Es geht um nichts anderes als blutigen, brutalen Kampf – ehrlich, spannend und brillant konstruiert. Es mag eindimensional klingen, doch wer Joe Abercrombie kennt, weiß, dass er selbst den scheinbar banalsten Ansatz in eine vielschichtige, hintergründige Handlung verwandeln kann. Die dreitägige Schlacht, die er auf fast 900 Seiten beschreibt, ist nur Ausdruck und Gipfel einer vertrackten, politischen Situation. Die Nordlande und die Union haben sich in eine Lage gebracht, aus der es kein Zurück mehr gibt und die sie zwingt, eine Stärke und Entschlossenheit zu demonstrieren, die keine der beiden Seiten noch empfindet. Ihr Krieg ist sinn- und aussichtslos, denn es geht um nichts. Es geht nicht um Ressourcen, es geht nicht um Religion oder Land. Zwar kann ich verstehen, dass Jezal dan Luthar, König der Union, nicht gerade erfreut darüber ist, dass der Schwarze Dow Logen Neunfinger ermordete, doch es ist kindisch und kleinlich, deswegen einen Krieg zu führen, der Logen nicht zurückbringen wird. Der Schwarze Dow und Jezal nehmen billigend in Kauf, dass tausende Soldaten für ihre Feindschaft mit dem Leben bezahlen. So erschütternd das ist, es ist auch realistisch, ebenso wie Abercrombies ungeschönte Darstellung des Krieges insgesamt. Krieg ist nicht heroisch oder romantisch. Er ist zerstörerisch und nährt das Elend. Für Heldentaten ist dort kein Platz; heldenhaftes Handeln ist oft nur ein Kind des Zufalls. Mir gefällt der englische Originaltitel des Romans („The Heroes“) daher wesentlich besser als die deutsche Version, denn dieser ist ein typisches Abercrombie-Wortspiel: er bezieht sich auf das Setting, nicht auf die Figuren, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte. Keine der Figuren, aus deren Perspektive Joe Abercrombie die Schlacht erzählt, ist ein Held. Der Unionssoldat Bremer dan Gorst beispielsweise wirkt nach außen vielleicht heldenmütig, doch innerlich verrottet er; er wird von Bitterkeit, Wut, Enttäuschung und Demütigung regelrecht zerfressen. Kropf, ein vergleichsweise ehrenwerter, anständiger Nordmann, ist ein Relikt einer anderen Zeit und hat seinen Zenit vermutlich längst überschritten. Er würde gern aus dem blutigen Geschäft aussteigen, hat jedoch keine Alternativen. Er hat außerhalb des Krieges kein Leben, keine Familie und keine Freunde. Der Kampf bestimmt sein Leben. Damit ist er das genaue Gegenteil des ehemaligen Prinzen Calder, der meiner Ansicht nach eine neue Generation Nordmänner repräsentiert. Er ist kein guter Kämpfer; feige, manipulativ und intrigant, allerdings auch erstaunlich intelligent. Er ist ein Denker, ein raffinierter Diplomat, dessen eigene Ziele für ihn stets an erster Stelle stehen. Jemand wie er kann kein Held sein und manchmal fragte ich mich, ob er sich als Edelmann in der Union nicht wesentlich wohler fühlen würde.
Diese drei sind zwar nicht die einzigen POV-Charaktere, doch sie nehmen eindeutig den meisten Raum in der Geschichte ein und sind auch diejenigen, zu denen ich die intensivste und stabilste Verbindung hatte. Es verblüfft mich immer wieder, wie lebendig Joe Abercrombies Charaktere sind.

Meines Erachtens nach ist „Heldenklingen“ eine epochale Geschichte über das schmutzige, unbarmherzige Antlitz des Krieges, geschildert aus den verschiedensten Perspektiven. Trotz des ernsten Themas wirkt sie niemals schwer oder verbissen, weil Joe Abercrombie es unnachahmlich versteht, seinen derben, unanständigen, makabren Galgenhumor einfließen zu lassen, der hervorragend in diese Welt des Kämpfens passt. Wenn man nicht heulen kann, muss man eben lachen. Abercrombie wedelt nicht mit dem moralischen Zeigefinger vor den Nasen seiner LeserInnen herum; er lässt sie selbst begreifen, was Krieg den Menschen antut, indem er ihnen die Wahrheit zeigt. Krieg bedeutet Tod. Krieg bedeutet Leiden. Krieg bedeutet Blut. Dazu passt sogar das für mich recht unbefriedigende Ende, das nicht wie ein Abschluss wirkte, sondern eher, als würde man die Handlung nur verlassen. Das Buch hört einfach auf – vielleicht fühlt sich so ein Friedensschluss für Soldaten an. Es gibt kein fulminantes Finale, weil es niemals wirklich vorbei ist. Poo-tee-weet?[1]


[1] Googelt es. 😉

 
6 Kommentare

Verfasst von - 15. Juli 2015 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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