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Stephen Chbosky – The Perks of Being a Wallflower

03 Jun

„The Perks of Being a Wallflower“

The Perks of Being a Wallflower

Autor: Stephen Chbosky

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 231

Verlag: Simon & Schuster

Sprache: Englisch

ISBN: 147111614X

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 08.05.2015

Bewertung:

„The Perks of Being a Wallflower” von Stephen Chbosky streifte lange Zeit immer wieder meine Aufmerksamkeit, bevor ich endlich entschied, es zu lesen. Ähnlich wie der Protagonist Charlie flog es sozusagen unter meinem Radar. Der endgültige Impuls, dieses Buch meiner Bibliothek hinzuzufügen, habe ich tatsächlich der Verfilmung „Vielleicht lieber morgen“ zu verdanken, denn ich wollte den Film nicht sehen, bevor ich das Buch kannte. Interessanterweise war Stephen Chbosky maßgeblich an der Produktion des Films beteiligt; er schrieb das Drehbuch und führte Regie. Bis heute ist „The Perks of Being a Wallflower” Chboskys einziger Roman. Er arbeitet in der Filmbranche als Drehbuchautor und Regisseur, hat aber meines Wissens nach nie wieder ein Buch geschrieben, was mich ein wenig wundert. Schließlich schaffte es „The Perks of Being a Wallflower” 1999 sogar auf die New York Times Bestsellerliste.

Charlie ist nicht populär. Er ist nicht beliebt. Er ist ein Mauerblümchen, jemand, der nur zusieht, während andere ihr Leben leben und genießen. Das war schon so, bevor sein bester Freund Michael Selbstmord beging. Jetzt, ohne Michael, ist Charlie ganz allein. Doch man sagt nicht umsonst, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Denn während er noch mit seinem Verlust kämpft, begegnet Charlie Sam und Patrick. Die Geschwister öffnen ihm ihre Herzen und fangen ihn auf, ziehen ihn weg von der Seitenlinie seiner Existenz und zeigen ihm, was es wirklich bedeutet, zu leben. Charlie betritt die unbekannte Welt der Dates, Partys und Familiendramen und merkt gar nicht, dass er auf dem besten Weg ist, erwachsen zu werden.

„The Perks of Being a Wallflower” ist ein wundervolles, berührendes Buch. Für mich kam es nur leider etwa 10 Jahre zu spät. Damit meine ich nicht, dass ich mit der Thematik des Erwachsenwerdens nichts mehr anfangen kann. Ich weiß diesen Briefroman auch heute noch durchaus zu schätzen. Aber ich bin überzeugt, das Buch hätte mir weit mehr geben können, hätte ich es mit 15, 16 Jahren gelesen. Es hätte meinen eigenen Selbstfindungsprozess unterstützt. Es hätte mir das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein. Ich bedauere dieses Versäumnis sehr, denn auch für mich war die Teenagerzeit nicht einfach. Ich wünschte, Charlie und ich hätten uns schon viel früher kennengelernt und wären gemeinsam erwachsen geworden. Von ihm hätte ich mich verstanden gefühlt, weil er ein so süßer, intelligenter und sensibler Junge ist. Vielleicht hätte ich mich sogar ein bisschen in ihn verknallt. Durch die Jahre und die Lebenserfahrung, die ich Charlie heute voraushabe, fiel es mir schwer, nicht ständig über seine psychische Verfassung nachzudenken. Diese spielt natürlich eine Rolle und ist einer der Gründe für sein Außenseiterdasein, aber es ist nicht fair, ihn darauf zu reduzieren. Ich musste mich anstrengen, ihn so zu nehmen, wie er eben ist und ihn nicht permanent zu analysieren. Trotzdem konnte ich es nicht völlig vermeiden, weil er, ungeachtet seiner positiven Eigenschaften, kein Charakter ist, in den ich mich mir nichts, dir nichts hineinversetzen konnte. Das lag daran, dass Charlie unglaublich distanziert ist. Gegenüber der Realität, anderen Menschen und sogar sich selbst. Er steht immer irgendwie außerhalb, schwebt über allem und wirkte auf mich häufig verträumt und nicht richtig präsent. Daraus resultierend ist er jedoch ein sehr aufmerksamer Beobachter. Er nimmt selbst nicht (immer) teil, aber er sieht Dinge. Er nimmt die Menschen um sich herum genau so wahr, wie sie wirklich sind. Das ist eine kostbare und beeindruckende Fähigkeit. So wenig er in Kontakt mit seinen eigenen Gefühlen steht, umso talentierter ist er darin, die Gefühle anderer zu lesen und zu deuten. Für Charlie existieren die Masken, die Menschen Tag für Tag aufsetzen, um den Schein zu wahren, nicht. Es ist nahezu paradox, wie empathisch er ist, angesichts dessen, dass er sich selbst meist nicht versteht. Ich habe mir sehr oft für ihn gewünscht, dass er nur einmal richtig in sich geht und seine Emotionen erkundet. Dass er herausfindet, wieso er tief in seinem Inneren so traurig und das Bedürfnis, mit jemandem zu reden, der ihn versteht, so stark ist, dass er Briefe an einen Fremden schreibt. Obwohl er neue Freunde findet, die er fast schon vergöttert, vertraut er niemandem von ihnen genug, um sein Herz auszuschütten. Auch mit seinen Eltern und seinen beiden älteren Geschwistern kann er nicht reden, denn für sie spielt er nur eine untergeordnete Rolle. Charlie schreibt es nicht nieder, aber ich denke, er fühlt sich oft überflüssig und manchmal sogar unerwünscht.
All seiner sozialen Tollpatschigkeit zum Trotz erlebt Charlie eine wahrhafte Entwicklung, die so sanft und allmählich passiert, dass er sie selbst wohl kaum bemerkt. Es spricht stark für Stephen Chboskys schriftstellerisches Talent, dass sich diese Entwicklung auch auf mich übertrug. Mein Gefühl für Charlie veränderte sich. Den Großteil des Buches über empfand ich eine diffuse, beklemmende Traurigkeit; ich hatte das Gefühl, Charlie beschützen und an die Hand nehmen zu müssen. Am Ende des Romans hingegen hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, ihn gehen zu lassen, weil ich davon überzeugt war, dass er sein Leben meistern wird.

„The Perks of Being a Wallflower” macht seiner Kategorisierung als Young Adult – Roman alle Ehre. Selten habe ich einen Vertreter der Initiationsliteratur gelesen, der so perfekt auf Jugendliche und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Natürlich kann man dieses Buch auch als erwachsener Mensch lesen; seine besondere Wirkung erzielt es meiner Meinung nach aber tatsächlich nur bei der Zielgruppe. Denn sich an seine Teenagerzeit zu erinnern ist etwas völlig anderes, als wie Charlie mittendrin zu stecken.

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10 Antworten zu “Stephen Chbosky – The Perks of Being a Wallflower

  1. Caroline

    Juni 3, 2015 at 8:54 am

    Oje, dann habe ich den optimalen Zeitpunkt, das Buch zu lesen, wohl auch verpasst… Mir geht´s ähnlich wie dir; das Buch schwirrt schon ewig um mich herum, die Verfilmung hat mich auch neugierig gemacht – trotzdem habe ich Charlies Geschichte noch nie gelesen. Mal sehen, ob ich es irgendwann schaffe.
    Hast du den Film denn schon gesehen? Das finde ich echt toll, dass der Autor selbst Regie führt und das Drehbuch geschrieben hat – so kann er sicher sein, dass sein Buch tatsächlich so verfilmt wird, wie er das haben möchte. Da müssten Film und Buch ja dann wirklich nahezu 1:1 sein…

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Juni 3, 2015 at 8:55 am

      Huhu 🙂

      Nein, ich habe den FIlm noch nicht gesehen. Hat sich noch nicht ergeben. Aber es steht auf meiner Lebens-To-Do-Liste. 😀

      Viele liebe Grüße,
      Elli

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      • Caroline

        Juni 3, 2015 at 12:31 pm

        Eine Leben-To-Do-Liste… Ich traue mich nicht, so etwas zu entwerfen. Da werde ich nur irgendwann depressiv, weil ich merke, dass ich soviel davon ja letztlich doch nicht mache. Obwohl … eine DVD anschauen erscheint mir durchaus als machbares Ziel 😀

        Gefällt 1 Person

         
      • wortmagieblog

        Juni 3, 2015 at 12:33 pm

        Die ist auch mehr abstrakt und existiert ausschließlich in meinem Kopf, ich habe die nicht aufgeschrieben oder so 😀

        Gefällt mir

         
  2. Anna

    Juni 3, 2015 at 9:15 am

    Huhu (:

    Ich habe das Buch vor drei Jahren gelesen aber kann mich noch genau daran erinnern wie ich mich dabei gefühlt habe.
    Diese Traurigkeit hat sich richtig auf mich übertragen aber ich habe das Buch trotzdem auch toll gefunden.
    Und auch die Verfilmung gefällt mir richtig gut. ( Aber nicht nur weil Logan Lerman und Emma Watson mitspielen 😀 )
    Zum Teil hat mich der Film aber emotional mehr gepackt, was im Normalfall andersherum ist 😀
    Wenn du ihn gesehen hast würde mich deine Meinung dazu auch sehr interessieren (:

    Liebe Grüße, Anna (:

    Gefällt 1 Person

     
  3. Charlotte Cole

    Juni 3, 2015 at 4:59 pm

    And in that moment, I swear we were infinite.
    einer meiner absoluten lieblingssätze ❤ so perfekt!

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  4. elizzy91

    Dezember 6, 2016 at 10:19 pm

    Eine tolle Rezension! Bin gespannt wie das Buch auf mich wirken wird – aber muss wohl den richtigen Moment dafür abwarten, denn ich Moment mag ich melancholische Bücher nicht so…

    Gefällt 1 Person

     

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