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Archiv für den Monat April 2015

May Harmony and Sausage find you: Mein Abend mit Kevin Hearne

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wenn ich auf Arbeit sitze und gerade mal nichts zu tun habe (was recht häufig vorkommt, Leerlauf gehört quasi zum Job), stöbere ich gern bei Twitter. Die meisten Likes und Retweets, die ihr von mir bekommt, entstehen, weil ich mich langweile. Neben all den tollen BloggerInnen da draußen (ja, das seid ihr ^^) folge ich auch einigen AutorInnen. Sie posten mal mehr, mal weniger interessantes Zeug; manche AutorInnen gehen mir schnell auf die Nerven (wie z.B. Laurell K. Hamilton, die Dame retweetet einfach obsessiv), bei anderen freue ich mich über jeden Tweet. Zu letzteren gehört auch Kevin Hearne, Autor der Iron Druid Chronicles. Am Dienstag entdeckte ich während des Scrollens einen Tweet von ihm, bei dem mir fast die Augen aus dem Kopf ploppten:

Kevin Hearne - Tweet Berlin 1

Kevin Hearne? In Berlin? Halt, halt, halt, es gibt auf der Welt und gerade in den USA mehrere Städte, die Berlin heißen. Ich musste sicher stellen, dass er tatsächlich von meinem Berlin sprach (okay, das wäre durch das Wort „Buchhandlung“ vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber hey, ich war aufgeregt und hab nicht daran gedacht). Ich scrollte weiter und fand lauter Fotos aus meiner Heimatstadt: die Neue Synagoge, die Goldelse (offiziell bekannt als Siegessäule, aber das sagt kein Berliner), den Berliner Dom, das Rote Rathaus am Alex. In meinem Kopf lief sofort eine Endlosschleife: ohmeingottohmeingottohmeingotteristinberlin! Denkt euch ein paar Quietsch-Geräusche dazu. Es brauchte einen Moment länger, bis ich richtig begriff, dass er an diesem Abend eine Lesung in einer Buchhandlung halten würde. Als es dann soweit war, folgte auf pure Euphorie die frustrierende Ernüchterung. 20 Uhr? Meine Schicht geht bis 19 Uhr. Jede/r BerlinerIn weiß, dass eine Stunde ziemlich knapp sein kann, um von A nach B zu kommen. Außerdem wusste ich, dass ich dann direkt von meinem Arbeitsplatz aus hinfahren musste, denn noch einmal nach Hause zu fahren, würde ich nicht schaffen. Was bedeutete, dass ich dann den Lieblingsmenschen den ganzen Tag nicht zu Gesicht bekommen würde. Ich resignierte und schrieb dem Lieblingsmenschen eine traurige SMS. Während ich auf seine Antwort wartete, recherchierte ich aus Neugierde, ob ich den Weg zur Otherland Buchhandlung innerhalb einer Stunde schaffen könnte. Definitiv machbar, denn so weit entfernt ist der Buchladen gar nicht. Nicht mal umsteigen müsste ich. Als ich mit meiner Anfrage fertig war, hatte der Lieblingsmensch bereits geantwortet. Lange Rede, kurzer Sinn – er hatte nicht dagegen, wenn ich spontan doch hinfahren wollte. Der Entschluss stand dann recht schnell fest. Ab diesem Moment konnte ich nicht mehr still sitzen, denn ich war wirklich aufgeregt. Ich würde Kevin Hearne treffen! 😀 Meine Unruhe wurde nur noch schlimmer, weil ich per Twitter parallel mit Kevin kommunizierte und er unheimlich nett zu mir war:

Kevin Hearne - Tweet Antwort

Wie ich es hinbekommen habe, weiß ich nicht mehr, aber ich habe meine Schicht tatsächlich hinter mich gebracht und das sogar ohne Fehler oder Versäumnisse. Die Zeit verging langsam, aber unaufhaltsam. Als sich die Uhr dann endlich bis 19 Uhr vorgequält hatte, hielt mich nichts mehr. Ich rauschte aus dem Gebäude und zur Bushaltestelle. Nicht mal der grummelige Busfahrer (Dauerzustand bei Berliner Busfahrern, muss zur Stellenbeschreibung gehören) konnte meine Laune trüben. Otherland fand ich dann auch recht schnell und war begeistert, dass sich nicht bereits Massen davor drängten, wie ein Teil von mir erwartet hatte. Ich bin direkt reingegangen, weil ich nicht nur auf Kevin Hearne neugierig war, sondern auch auf den Laden selbst. Einige von euch wissen ja, dass ich immer noch nach der einen kleinen Buchhandlung suche, die es wert ist, meine literarische Oase zu werden. Ich bewertete die Chancen von Otherland als sehr gut, denn ihr Sortiment umfasst Fantasy und Science Fiction in Deutsch und Englisch. Eigentlich perfekt für mich, oder? Im Nachhinein betrachtet muss ich noch einmal hinfahren, wenn es ruhiger ist, um eine Entscheidung zu treffen, ob uns eine langfristige Beziehung bevorsteht.

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Als ich durch die Tür trat, war es ein bisschen, als hätte ich eine Parallelwelt betreten, in der es nur Dinge gibt, die ich mag. Otherland ist klein und voll gestellt, nichtsdestotrotz ordentlich und übersichtlich. Der Geruch, der dort in der Luft hängt… herrlich. Beim Anblick der vielen, vielen Bücher fiel mir jedoch eines wieder siedend heiß ein: ich hatte keine Bücher von Kevin Hearne dabei, die ich signieren lassen könnte. Als ich morgens das Haus verließ, wusste ich ja noch nicht, wo ich abends hinfahren würde. Ich hatte die Hoffnung, dass ich den fünften Band einfach auch vor Ort kaufen könnte.
Erst mal war mir aber wichtiger, einen Sitzplatz zu bekommen, von dem aus ich gut sehen und hören konnte (wir erinnern uns: die Elli ist eher kurz geraten). Die Lesung fand im hinteren Bereich des Geschäfts statt (englische Literatur und Antiquariat); Kevin Hearne war schon da. Ich bin sehr stolz auf mich, denn ich habe es geschafft, nicht völlig auszuflippen. Ich war cool. Ich bin nicht zu ihm gerannt und quietschend um ihn herum gesprungen. Ich fand einen passenden Platz und war sofort total eingenommen von Kevins offener, freundlicher, lockerer Art. Er stand da, mit einem Bier in der Hand (Wernesgrüner, was er wohl wegen des Umlauts ausgesucht hat) und unterhielt sich ganz entspannt mit den Leuten. Er fragte in die Runde, was wir denn so lesen würden.
Ich gebe es zu, ich bin nicht gut in solchen Situationen. Ich weiß nie, was ich sagen soll. Ich höre lieber zu und halte den Mund. Zum Glück gibt es genug Menschen auf der Welt, die diese Probleme nicht haben. Die sich auch in solchen Situationen ganz normal verhalten können und denen haufenweise Fragen einfallen. Ich lauschte den Gesprächen und harrte der Dinge, die da kamen.
Ursprünglich war der Abend wohl durchaus als Lesung geplant, es zeigte sich jedoch schnell, dass das sinnlos wäre. Kevin war darauf vorbereitet, über den siebten Band der Iron Druid Chronicles zu sprechen, „Shattered“. Die wenigsten der Gäste hatten allerdings schon so weit gelesen, mich eingeschlossen. Auf Deutsch sind auch erst drei Bände erschienen. Kevin wusste das vorher nicht, weil er von seinen ausländischen Verlagen nur sehr wenig Rückmeldung erhält. Also wurde das Programm des Abends kurzerhand umgestellt und aus einer Lesung wurde eine Frage-Antwort-Runde. Einerseits fand ich das schade, weil Kevin ein begnadeter Stimmenimitator ist und ich gern erlebt hätte, wie er sich die Stimmen der verschiedenen Charaktere vorstellt. Andererseits war die Veranstaltung dadurch natürlich wesentlich informativer.

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Kevin hat verraten, dass seine aktuelle kleine Tour durch Europa (Polen, Deutschland, Italien, Tschechische Republik) nicht ausschließlich für Lesungen und den Autoren-LeserInnen-Kontakt gedacht ist, sondern vor allem auch für die Recherche für den achten Band der Iron Druid Chronicles. Ja, Atticus kommt nach Berlin! 😀 Da am Dienstag der einzige Tag der Woche mit schlechtem Wetter war, wird Atticus wohl ebenso wie Kevin nass werden. Anscheinend hat ihn meine Stadt sehr inspiriert, denn er hat wie verrückt geschrieben. Ich bin gespannt, welche Orte, Plätze und Sehenswürdigkeiten ich dann in „Staked“ wieder erkenne, das voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen wird.
Insgesamt wird es wohl neun Bände in dieser Reihe geben, weil die Neun in der irischen Mythologie eine besondere Bedeutung hat. Kevin kann sich allerdings ein Spin-Off mit einem Charakter kennenlernen, den alle, die ihn bereits kennenlernen durften, liebten. Er taucht wohl in „Shattered“ erstmalig mit einer eigenen Stimme auf, das heißt, früher oder später werde ich wissen, wer es ist. Das wollte Kevin nämlich nicht verraten. 😉
Neben den Iron Druid Chronicles arbeitet er zur Zeit an einer Epic/High Fantasy Trilogie. Er hat den Titel genannt; aus Angst, diesen aber falsch wiederzugeben, verzichte ich darauf, ihn hier zu nennen. Es gibt dazu sowieso noch keine konkreten Informationen, weil Kevin den ersten Band erst zur Hälfte geschrieben hat. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis dieser auf den Markt kommt. 😉
Verfügbar ist hingegen Kevins letztes Projekt, das dafür verantwortlich ist, dass sich seine Arbeit an den Iron Druid Chronicles verzögert hat und mit dem er sich eine Art Kindheitstraum erfüllen konnte – er durfte für die Star Wars – Saga schreiben. Sein Roman „Heir to the Jedi“ deckt genau die Zeit in Luke Skywalkers Leben ab, die man in den Filmen nur oberflächlich zu sehen bekommt: die Zeit zwischen der Zerstörung des Todessterns und Lukes Ausbildung bei Meister Yoda. Ich bin ein Fan der Filmreihe (wie könnte ich anders, ich bin damit aufgewachsen), habe aber bisher noch kein einziges Buch dazu gelesen. Vermutlich sollte ich das mal nachholen. Sollte ich das wirklich tun, wird Kevin Hearnes Beitrag zu dieser epischen Saga definitiv auch auf meiner Wunschliste landen.

Heir_to_the_Jedi

Doch zurück zu den Iron Druid Chronicles. Ich hatte den Eindruck, dass Kevin seine eigene Reihe sehr am Herzen liegt. Also wirklich. Sie ist nicht nur das, womit er sein Geld verdient. Sie ist sein Baby. Obwohl sein Hauptanliegen sicher ist, seine LeserInnen zu unterhalten, wies er gestern auf einen tieferen Sinn in den Büchern hin, der mir so noch nicht aufgefallen ist: religiöse Toleranz. Religiöse Toleranz ist der rote Faden, denn Atticus befindet sich in einer Situation, in der er alle anderen Glaubensrichtungen akzeptieren muss. Er ist der letzte lebende Druide. Er ist der einzige auf der ganzen Welt, der an die Túatha dé Danann glaubt. Wäre er nicht in der Lage, über Glaubensunterschiede hinweg zu sehen, wäre er völlig isoliert. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich in einem gewissen Maße anzupassen. Ich finde, Kevin hat sich da ein wirklich sehr interessantes Grundthema ausgesucht, das in der heutigen Zeit darüber hinaus äußerst aktuell ist.
Ich fand es aufregend zu hören, wie er selbst seine Reihe sieht und mit welchen Charakteren er sich wie identifizieren kann. Aus seinem Blickwinkel ist Atticus‘ Schülerin Granuaile beispielsweise eine so spannende Figur, weil sie wie wir ist. Sie ist eine Sterbliche, ein normaler Mensch und wird plötzlich mit all dem magischen Kram konfrontiert. Plötzlich erhält sie selbst magische Kräfte und lernt, was eigentlich alles möglich ist in unserer Welt.
Kevins Liebe zu seinen Werken konnte man in jedem Satz hören. Das ist vermutlich auch der Grund, warum er sich nun entschieden hat, eine seiner Novellen rund um die Iron Druid Chronicles in einer Anthologie per Selfpublishing herauszubringen. Er wollte mehr Mitspracherecht, was mit seinem großen Verlagshaus Del Rey einfach nicht möglich ist. Dazu hat er sich mit den Fantasy-AutorInnen Delilah Dawson und Chuck Wendig zusammengetan. Jede/r der drei steuerte eine Novelle bei. Kevin fand laut eigener Aussage vor allem die Möglichkeit toll, über das Cover selbst entscheiden zu dürfen. Del Rey besteht für die vollwertigen Bände auf Foto-Cover, die nach dem Shooting kräftig durch Photoshop gejagt werden. Das Model heißt übrigens Mike. 😀 Kevin findet die Cover okay, aber eigentlich hätte er neben Atticus gern auch Oberon abgebildet gesehen. Anscheinend kann niemand einen irischen Wolfshund zu einem Fotoshooting überreden. Für die Anthologie „Three Slices“ konnte er nun auf eigene Kosten die Künstlerin Galen Dara (zur Website geht es HIER lang) engagieren, deren Hugo-Award-prämierte Kunst er schon lange bewundert. Erstmals wurden Atticus und Oberon gemeinsam und seiner Vorstellung entsprechend auf ein Cover gebracht. Mich freut das sehr für ihn und wenn ich den siebten Band der Serie gelesen habe, werde ich mir wohl dieses eBook zulegen. Nicht nur, um die Novelle „A Prelude to War“ zu lesen, die direkt an „Shattered“ anschließt, sondern auch, um die beiden anderen AutorInnen kennenzulernen, die laut Kevin großartig schreiben. 🙂

Three Slices

Insgesamt hat sich Kevin etwa eine Stunde mit uns unterhalten. Er erzählte von seinem Schreibprozess, von der Entstehungsgeschichte der Iron Druid Chronicles und lobte das deutsche Bier. Wusstet ihr, dass es die Iron Druid Chronicles gar nicht gäbe, wenn Kevins Frau das Manuskript des ersten Bandes nicht einfach ohne sein Wissen an seinen Agenten geschickt hätte? Er hatte nicht vor, es zu veröffentlichen! Ist das zu glauben?! Er hat das Buch nur geschrieben, um sich selbst zu unterhalten, während er darauf wartete, dass die Verlage auf ein anderes seiner Manuskripte reagierten. Als er „Hounded“ verkauft hatte, lehnte der gleiche Verlag dieses erste Manuskript ab. Er wäre abgelehnt worden! Ich danke seiner Frau auf Knien dafür, dass sie es erst ermöglichte, dass ich diesen wunderbaren, lustigen Autor kennenlernen durfte. Vielen, vielen Dank Mrs. Hearne! 😀
Nach dieser wirklich lustigen Frage-Antwort-Runde war es Zeit für die Signierstunde. Ihr erinnert euch? Ich hatte kein Buch dabei, weil ich direkt von Arbeit kam. Gerne hätte ich mir den fünften Band „Trapped“ vor Ort bei Otherland gekauft, leider war das aber nicht möglich. Anscheinend gab es vor der angekündigten Lesung einen so heftigen Run auf die Bücher, dass sie fast komplett ausverkauft waren. Grmpf. Na egal, dachte ich mir. Ich zückte mein Notizbuch (das ich sowieso die ganze Zeit auf dem Schoß hatte) und stellte mich in die Reihe. Als ich dran war, hätte ich natürlich ein Selfie mit Kevin machen können. Ich mag aber keine Selfies, weil ich mich selbst nicht gern auf Fotos sehe. Stattdessen zeige ich euch das Selfie, das Kevin selbst geschossen hat. Ob ich drauf bin? Wer weiß… 😉

Kevin Hearne - Tweet Selfie

Da stand ich also vor ihm, ohne Buch. Ich bat ihn, einfach das, was er in die Ausgabe eines seiner Bücher geschrieben hätte, in mein Notizbuch zu schreiben, denn so ganz ohne Autogramm wollte ich auch nicht verschwinden. Außerdem habe ich ihn gefragt, ob es möglich wäre, dass er mir für meinen Blog (also auch für euch, jey! ^^) ein Interview geben könnte. Er hat JA gesagt! 😀 Ich solle ihm einfach die Fragen mailen; er würde sie dann beantworten, sobald er Zeit dafür fände. Ich arbeite bereits daran, ein paar interessante Fragen zusammenzustellen. Wenn es etwas gibt, das ihr Kevin Hearne schon immer einmal fragen wolltet, schreibt mir, dann leite ich das an Kevin weiter. 😀
Tja und das war es im Grunde auch schon. Das war mein Abend mit Kevin Hearne. Ich bin so froh, dass ich spontan hingefahren bin, denn so durfte ich einen unglaublich freundlichen, offenen, lustigen und bodenständigen Autor kennenlernen, der es unnachahmlich versteht, seinen ZuhörerInnen ein gutes Gefühl zu geben. Es war ein wirklich toller Abend und solltet ihr jemals die Chance haben, Kevin Hearne selbst live zu erleben, nutzt sie! Er ist nicht nur ein großartiger Autor, sondern auch ein richtig toller Mensch.

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May harmony and sausage find you!
Alles Liebe,
Elli

(Bildquelle „Heir to the Jedi“)
(Bildquelle „Three Slices“)

 
 

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Stacey Trombley – Naked

„Naked“

Naked

Autor: Stacey Trombley

Format: Kindle Edition

Seitenzahl: 304 Seiten (Print-Ausgabe)

Verlag: Entangled Teen

Sprache: Englisch

ASIN:  B00QEJWVUS

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 21.04.2015

Bewertung:

Über Debüt-AutorInnen in einer Rezension zu schreiben, ist meist ein undankbarer Job. Die Informationen, die man über diese AutorInnen findet, sind oft wirklich mickrig und gehen selten über das hinaus, was der Verlag und die Schreiberlinge selbst zusammengestellt haben. Bei Stacey Trombley ist das nicht anders. Ihr Erstling „Naked“ wurde mir vom Verlag Entangled Teen als ARC zur Verfügung gestellt (es erscheint voraussichtlich am 07.07.2015), worüber ich mich sehr gefreut habe, weil mich der Klappentext ziemlich neugierig gemacht hat. Dieser Roman behandelt ein Thema, das in unserer Gesellschaft häufig tabuisiert wird – umso interessanter hätte ich es gefunden, wenn Stacey Trombley an irgendeiner Stelle erklären würde, warum sie ausgerechnet über dieses Thema in ihrem Debüt schrieb. Liebe Verlage, liebe AutorInnen, es wäre wundervoll, wenn ihr euren LeserInnen etwas mehr über die Person hinter einem Buch verraten würdet, auch dann, wenn diese noch ganz neu im Geschäft des geschriebenen Wortes ist.

Anna Rodriguez macht sich keine Illusionen darüber, was sie ist – sie ist eine New Yorker Prostituierte. Drei Jahre lang verdiente sie ihr Geld damit, dass sie ihren Körper an fremde Männer verkaufte. Schon oft hatte sie Kontakt mit der Polizei – aber noch nie mit Sarah, die Anna ihr altes Leben zurückgeben möchte. Ihr altes Leben, indem nicht nur ihre Eltern auf sie warten, sondern auch die Schule. Anna entscheidet sich für den Neustart, wohl wissend, dass sich vor allem die Probleme mit ihrem Vater durch ihr Fortlaufen verschlimmert haben und dass ihr die Gerüchte in der Schule auf Schritt und Tritt folgen werden. Womit sie allerdings nicht gerechnet hat, ist Jackson. Der freundliche Junge von nebenan, der nichts von ihrer Vergangenheit weiß und sie wie ein ganz normales Mädchen behandelt. Anna verliebt sich in dieses Gefühl von Normalität – und belügt Jackson. Doch so gern sie es würde, sie kann vor ihrer Vergangenheit nicht davon laufen. Denn sie ist ihr gefolgt…

Eigentlich verdient „Naked“ 3,5 Sterne. Ich vergebe allerdings keine halben Sterne, deswegen musste ich mich entscheiden. Die Wahl fiel auf eine Bewertung von drei Sternen und nicht vier, weil „Naked“ zwar ein gutes, unterhaltsames Buch ist, meiner Meinung nach aber noch einige Erstlings-Wehwehchen aufweist. Zu Beginn ist die Geschichte sehr verkopft; es spielt sich viel in Annas Gedankenwelt ab und wenig außerhalb. Einerseits verstärkte das natürlich den durchaus plausiblen Ansatz, dass sie total in sich zurückgezogen ist; andererseits fand ich diese absolute Fixierung auf Anna einseitig. Sie begegnet in den ersten Kapiteln mehreren Menschen, denen sie wichtig ist, darunter die mutmaßliche Sozialarbeiterin Sarah (ihr Beruf wird nie genannt) und ihre Eltern, die sie seit drei Jahren nicht gesehen haben – ich hätte mir einen genaueren Eindruck ihrer Gefühle gewünscht, nicht nur die oberflächlichen Reaktionen, die Anna sieht. Sie ist so mit sich beschäftigt, dass es ihr schwer fällt, sich in ihre jeweiligen Gegenüber hineinzuversetzen und daher meines Erachtens nach selten die richtigen Schlüsse zieht. Später verschiebt sich der Fokus von Annas Innerem etwas mehr nach außen, sie bleibt jedoch eine typische 16-Jährige, die strikt in Schwarz und Weiß unterteilt. Sie hat noch kein Gespür für die vielen Graustufen der Welt; muss erst lernen, dass ihre vorgefassten Meinungen sie nicht weiterbringen und ihr viel Gutes vorenthalten. Diese jugendliche Sturheit war manchmal ein wenig frustrierend, aber auch realistisch. Ich war mit 16 ebenfalls der Meinung, ich wüsste alles. Annas männlicher Gegenpart Jackson verhält sich weitaus erwachsener als sie, ist reifer und einfach hinreißend. Verständnisvoll, sanft, geduldig, ehrlich… zu gut, um wahr zu sein. Als Romanfigur mochte ich ihn sehr, weil er Anna stets ein Gefühl von Sicherheit vermittelt und ihr genau das gibt, was sie braucht, aber ich kann ihn mir beim besten Willen nicht als reale Person vorstellen.
Eine weitere männliche Figur, die in Annas direktem Umfeld sehr wichtig ist, ist ihr Vater. Ihre Beziehung ist stark vorbelastet, denn Martin ist ein Kontrollfreak, wie er im Buche steht. Er ist extrem streng und lebt in dem Glauben, er könne seine Familie mit eiserner Faust regieren. Im wahrsten Sinne des Wortes. Diesen Handlungsstrang hat Stacey Trombley meiner Meinung nach sträflich vernachlässigt. Den Großteil des Buches über ist Martin abwesend, nicht nur physisch, sondern auch in Annas Gedanken. Natürlich hat sie schon so genug Probleme, aber ihr Vater spielt in all dem Chaos, das ihr Leben ist, eine entscheidende Rolle. Trombley hätte dieser Beziehung weit mehr Aufmerksamkeit schenken müssen, wie auch Annas Freundschaften neben Jackson.

Insgesamt empfand ich „Naked“ als einen bittersüßen YA-Roman, der neben all den wunderschönen Entdeckungen des Erwachsenwerdens auch viel Schmerz und Dunkelheit offenbart. Ich bewundere Stacey Trombleys Mut, in ihrem Erstling ein so sensibles Thema wie Teenager-Prostitution anzusprechen und werde ihr weiteres Schaffen beobachten, weil es mich sehr interessiert, welche Themen sie in Zukunft in ihren Büchern verarbeiten wird. Ich sehe viel Potential, nicht nur in ihrem lockeren Schreibstil, sondern auch in ihrer Fähigkeit, sich in jugendliche Akteure hineinzuversetzen. Ich glaube fest daran, dass sich die Problemchen ihres Debüts in ihren weiteren Werken legen werden.
Lasst ihr euch auf Annas Geschichte ein, werdet ihr eine junge Frau kennenlernen, die neben den Herausforderungen des Erwachsenwerdens mit sehr realen Dämonen zu kämpfen hat und sich euch so präsentiert, wie sie wirklich ist: nackt.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 29. April 2015 in Realistische Fiktion, Young Adult

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wieder einmal ist Dienstag – Zeit für Gemeinsam Lesen! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Schlunzen-Bücher durch einen Klick aufs Bild! 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „The Desert Spear“ (Demon Cycle #2) von Peter V. Brett und befinde mich auf Seite 283.

the desert spear„The sun is setting on humanity. The night now belongs to voracious demons that prey upon a dwindling population forced to cower behind half-forgotten symbols of power. Legends tell of a Deliverer: a general who once bound all mankind into a single force that defeated the demons. But is the return of the Deliverer just another myth? Perhaps not. Out of the desert rides Ahmann Jardir, who has forged the desert tribes into a demon-killing army. He has proclaimed himself Shar’Dama Ka, the Deliverer, and he carries ancient weapons—a spear and a crown—that give credence to his claim. But the Northerners claim their own Deliverer: the Warded Man, a dark, forbidding figure. Once, the Shar’Dama Ka and the Warded Man were friends. Now they are fierce adversaries. Yet as old allegiances are tested and fresh alliances forged, all are unaware of the appearance of a new breed of demon, more intelligent—and deadly—than any that have come before.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„»I was apprenticed to an Herb Gatherer for six month as part of my Messenger training,« the Warded Man said.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Mich hat „The Desert Spear“ von Anfang an sehr überrascht. Nach dem ersten Band, den ich noch auf Deutsch gelesen habe („Das Lied der Dunkelheit“), konnte ich mir nicht so genau vorstellen, wie Peter V. Brett die Handlung weiterführen möchte. Nun ja, also DAMIT hatte ich nicht gerechnet. 😀 Ich bin total begeistert, dass Brett sich entschieden hat, die Perspektive einer Figur auszuarbeiten, der ich im ersten Band bereits kurz begegnete: die Perspektive von Ahmann Jardir. In „Das Lied der Dunkelheit“ habe ich ihn als Verräter kennengelernt; durch „The Desert Spear“ musste ich diese Meinung noch einmal überdenken. Nichts auf der Welt ist so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Niemand verrät ohne Grund, aus Spaß am Verraten. Ich mag Jardir mittlerweile sehr und muss sagen, ich finde seinen Charakter äußerst attraktiv. Er hat eine besondere Anziehungskraft auf mich, weil er sehr charakterstark, bestimmt, zielstrebig und aufopferungsvoll ist. Seine Frau hingegen… oh oh oh. Die Dame hat Gift im Blut. Jardir hat unglaubliches Glück, dass sie auf seiner Seite steht und nicht gegen ihn. Noch nicht jedenfalls. Wer weiß. Ich traue ihr so einiges zu. 😉
Außerdem wird direkt am Anfang eine neue Dämonen-Gattung integriert, die ich extrem spannend finde. Mir gefiel ihre Vielfalt ja schon im ersten Band sehr, doch jetzt wird es richtig interessant. Der Klappentext verrät es ja schon, diese neue Gattung ist intelligent. Und wie intelligent die sind! Brrrr, gruselig. Intelligente Monster sind immer eine besondere Herausforderung und ich freue mich wie Bolle auf den Kampf mit diesem neuen Gegner! 😀
Ihr merkt es, ich habe extrem viel Spaß an dem Buch, aber nach dem ersten Band habe ich auch nichts anderes erwartet. Das liegt übrigens auch daran, wie detailliert Peter V. Brett schreibt. Mir ist das am Wochenende aufgefallen, weil der Lieblingsmensch aus irgendeinem Anlass heraus behauptete, die Figuren in meinem Buch hätten bestimmt keine natürlichen Bedürfnisse, oder zumindest gäbe es solche Szenen nicht. Wir sind einiges durchgegangen: Toilette, Essen, Trinken. All das beschreibt Peter V. Brett auf die eine oder andere (aber niemals zu deutliche) Weise. Ich liebe es, wenn AutorInnen sich so viel Mühe geben, ihre Figuren lebendig und realistisch erscheinen zu lassen. Nur Übernatürliche müssen weder essen, noch trinken, noch atmen oder die Toilette besuchen. Peter V. Bretts Charaktere sind Menschen, also unterliegen sie auch zutiefst menschlichen Beschränkungen. Ich habe eine viel engere Beziehung zu ihnen, weil Brett mich fast überall dabei sein lässt, ohne geschmacklos zu werden. Vermutlich ist dieser Detailreichtum wirklich nur in der High Fantasy möglich. Und deswegen: High Fantasy – ich liebe dich! 😀

4. Wie steht ihr zu Seiten in denen Blogger Rezensionsexemplare anfragen können? Seid ihr selber auf solchen Seiten angemeldet? (bloggdeinbuch, Das bloggerportal von Randomhouse etc.)?

Ich nutze solche Möglichkeiten, aber nicht oft.
Ich bin seit einiger Zeit im Mail-Verteiler des Verlags Entangled Teen. Auf diese Weise trudeln regelmäßig Mails bei mir ein, in denen sie ihre neusten ARC-Versionen anbieten und anhand derer ich entscheiden kann, ob das eine oder andere eBook etwas für mich sein könnte. Ist etwas Vielversprechendes dabei, kann ich mich auf die entsprechenden Bücher bewerben. Bisher hat das für mich sehr gut geklappt; ich wurde jedes Mal ausgewählt (wenn das denn überhaupt so läuft, keine Ahnung). Ich bekomme dann von Entangled Teen eine weitere Mail, in der steht, bis wann ich das Buch gelesen und rezensiert haben soll (also das Erscheinungsdatum) und einen Netgalley-Link, über den ich es auf meinen Kindle laden kann. Netgalley selbst ist auch ein Blogger-/Rezensenten-Portal; dort bin ich natürlich zwangsläufig angemeldet, habe das Portal aber noch nicht wirklich genutzt. Könnte ich eigentlich mal tun… 😉
Blogg dein Buch habe ich hingegen schon mehrfach genutzt, für mich ist es aber nicht ganz das richtige Portal. Wenn man das Buch bekommt, soll man es ja innerhalb eines Monats gelesen und rezensiert haben. Man kann die Frist zwar verlängern, aber mich setzt das trotzdem unter Druck, weil ich die Ursprungsfrist einhalten möchte. Weder mein Kopf noch mein Bauch mögen zeitliche Vorgaben, es sei denn, sie sind ziemlich lang. Dann spielt es keine Rolle. Ein Monat ist dafür allerdings tatsächlich zu kurz und es ist für mich, als wäre das Buch ein Stachel in meinen Gedanken, der mir keine Ruhe lässt.Bird Box
Seit neustem bin ich auch im Bloggerportal von Randomhouse angemeldet. Auf die Idee kam ich dank der lieben Buchmacherin Melanie. Ich habe das Portal jetzt einmal auf gut Glück ausprobiert, indem ich ein älteres Buch und eine Neuerscheinung angefordert habe. Die Neuerscheinung war „Bird Box“ von Josh Malerman, auf das ich sowieso neugierig war und genau dieses lag dann letzte Woche am Freitagmorgen in meinem Briefkasten. Das fand ich ziemlich toll, weil ich nicht damit gerechnet habe. Randomhouse sagt einem ja nicht, ob man ein Rezensionsexemplar bekommt oder nicht, das heißt, es wird wohl jedes Mal eine Überraschung sein. 🙂

Prinzipiell finde ich, bei diesen Bloggerportalen kommt es weniger darauf an, ob man sie nutzt, sondern eher, WIE man sie nutzt. Maß halten ist angesagt, wenn ihr mich fragt. Fordert man ab und zu mal ein Rezensionsexemplar an, weil man zum Beispiel ein bestimmtes Buch sowieso haben möchte oder weil man vielleicht auch total ungeduldig ist und nicht das Erscheinungsdatum abwarten möchte, finde ich das völlig in Ordnung. Dafür sind diese Portale ja da. Letztendlich bieten sie einen Deal, von dem beide Seiten etwas haben: der Bücherwurm bekommt ein kostenloses (Vorab-)Exemplar; Verlag und AutorIn bekommen kostenlose Werbung. Aber nie, nie, niemals sollte man mehr ordern, als man A) wirklich haben möchte und B) bewältigen kann. Was bringt es, wenn sich die Rezensionsexemplare auf dem SuB häufen und man nicht mehr hinterher kommt? Ich weiß, dass es offenbar BloggerInnen gibt, die ihre Blogs nur führen, um kostenlos Bücher abzustauben. Das ist höchst unethisch, gierig und einfach daneben. Als ich mich in den Portalen angemeldet habe, bin ich ja sozusagen einen Vertrag eingegangen; ich habe versprochen, ehrliche Rezensionen zu schreiben. Ehrensache, dass ich dann auch genau das tue. Für eine ehrliche Rezension braucht es Zeit (sieht man ja an den ausstehenden Rezensionen rechts *hust*). Je mehr Rezensionsexemplare ich hier liegen habe, desto mehr setzt mich das unter Druck und Stress. Ich bin zwar definitiv Bücherjägerin und -sammlerin, aber ich tue das weder mir noch dem Verlag oder den AutorInnen an. Würde ich massenweise Bücher ordern, käme ich ja auch gar nicht mehr dazu, ältere Bücher auf meinem SuB abzuarbeiten. Ich wäre nur noch damit beschäftigt, Neuerscheinungen nach Zeitplan zu lesen und zu besprechen. Schon die Vorstellung ist mir zuwider.
Es ist gut, dass es diese Portale gibt, weil so auch BloggerInnen, die nicht bereits Millionen Follower haben, unkompliziert an Rezensionsexemplare herankommen. Wir lesen viel, um unseren LeserInnen viele Bücher empfehlen oder eben von ihnen abraten zu können. Da finde ich es sehr entgegenkommend von den Verlagen, dass sie uns unter die Arme greifen und das eine oder andere Buch spendieren. Aber ich bin auch überzeugt, man sollte niemals vergessen, dass das nicht selbstverständlich ist und man dankbar sein muss für jedes Buch, das man nicht bezahlen muss. Das System funktioniert nur dann richtig, wenn es mehr Leute gibt, die es verantwortungsvoll nutzen, als Leute, die es bloß ausnutzen. Sag NEIN zur Gier.

Was lest ihr im Augenblick? Nutzt ihr Bloggerportale und wenn ja, wie nutzt ihr sie?

Ich freue mich bereits sehr auf eure Meinungen und Kommentare und bin schon sehr neugierig, wie ihr auf euren Blogs auf die vierte Frage geantwortet habt. Auf die Plätze… Fertig… LOS! Das Stöbern kann beginnen! 😀

Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Bücher aus dem Ausland?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Es ist Montag, allerdings ein ziemlich verregneter Montag. Laut Vorhersage wird es heute in Berlin gar nicht mehr aufhören, also kann ich den Tag auch sinnvoll nutzen. Pläne für heute: Putzen, Lesen und vielleicht an einer Rezension arbeiten. Eventuell auch mal wieder eine Runde Zocken. Mal sehen. Ein bisschen Normalität kann nicht schaden nach all der Aufregung zum Welttag des Buches. 😉 Ich bin immer noch völlig überwältigt von der regen Beteiligung an meinem Gewinnspiel, das übrigens noch bis Donnerstag läuft. Während ihr euch überlegt, ob ihr vielleicht auch meine Gewinnspielfrage beantworten wollt, widme ich mich jetzt erst mal der Montagsfrage von Svenja aka Buchfresserchen:

Habt ihr schon mal Bücher aus dem Ausland bestellt?

Ja, sogar schon häufiger. Ich lese ja auch recht viel auf Englisch, da bot es sich einfach ab und zu mal an. Meistens habe ich dafür eBay genutzt, mittlerweile ist es aber schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal englische Bücher gebraucht ersteigert oder gekauft habe. Das liegt daran, dass die Nettopreise für die Bücher meist nicht ganz so günstig ist, wie es erst den Anschein hat, weil ja oft noch Versandkosten dazu kommen. Aus dem Ausland variieren die Versandpreise extrem, von knapp 2€ bis gern auch mal 20€ (z.B. aus den USA). Oft ist es deswegen bei Amazon trotzdem günstiger und ich bekomme ein neues, ungelesenes Buch. Außerdem ist das Einkaufen bei Amazon natürlich weitaus bequemer und meine Bücher sind wesentlich schneller hier, von ein paar Ausnahmen einmal abgesehen. Als Prime-Kundin zahle ich keine Versandkosten und bekomme meine Bestellung in der Regel 1-2 Tage später. Wenn man so ungeduldig ist wie ich, ist das ein unschlagbarer Vorteil.
Die Seite Book Depository, die Svenja genannt hat, ist mir völlig unbekannt. Eine kurze Stichproben-Recherche hat aber auch hier ergeben, dass die Bücher nicht unbedingt günstiger sind als bei Amazon.
Kurz gesagt bin ich also nicht abgeneigt, englische Bücher gebraucht im Ausland zu kaufen. Meistens verzichte ich mittlerweile dennoch darauf, weil ich über Amazon am Ende doch günstiger komme.

Kauft ihr eure Bücher (manchmal) im Ausland?

Kennt ihr vielleicht noch ein paar Websites, über die man günstig an gebrauchte englische Bücher herankommt, ohne Unmengen an Versandkosten zahlen zu müssen? Ich bin für jeden Tipp dankbar, weil ich eine begeisterte Schnäppchenjägerin bin! 😀

Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare und wünsche euch eine wundervolle, entspannte Woche!
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Katie Coyle – Vivian versus the Apocalypse

„Vivian versus the Apocalypse“

Vivian versus the Apokalypse

Reihe: Vivian Apple #1

Autor: Katie Coyle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 288

Verlag: Hot Key Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1471402177

Genre: Philosophie & Religion & Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 08.04.2015

Bewertung:

„Vivian versus the Apocalypse“ habe ich dem Rolling Stone zu verdanken. Genauer gesagt, der Young Adult Bestenliste des Rolling Stone. Ohne diese Zusammenstellung fabelhafter Jugendbücher wäre ich wohl nicht darauf gestoßen, denn ich hatte weder vom Buch selbst noch von der Autorin Katie Coyle vorher gehört. Die Entstehungsgeschichte des Buches erscheint mir ein bisschen wie ein Märchen: eine junge Amerikanerin voller Zukunftsängste bewirbt sich aufgrund eines Posts auf Neil Gaimans tumblr-Seite auf den Young Writers Prize des britischen Verlags Hot Key Books. Sie sendet eine Kurzgeschichte ein, die schon seit Jahren in ihrer Schublade lag; von der sie aber wusste, dass ihr Wesen viel größer ist, als ein paar Seiten erfassen könnten. Aus der Kurzgeschichte strickte sie einen ganzen Roman – und gewann. So kam es, dass eine amerikanische Autorin in Großbritannien ihr Debüt veröffentliche, das inhaltlich so amerikanisch ist wie Apple Pie.

Vivian Apple glaubte nie an die Lehren der Church of America. Selbst dann nicht, als ihre Eltern konvertierten. Sie glaubte nicht daran, dass Gott Amerika aufgegeben habe und auch nicht, dass die Rapture – die Entzückung – kurz bevor stehe, die alle wahren Gläubigen in den Himmel erheben würde, während Zweifler und Sünder auf ewig verdammt auf der Erde zurück bleiben würden. Vivian glaubte nicht. Bis sie am Morgen der Rapture von einer Party heim kommt und das Haus leer vorfindet. Ihre Eltern sind verschwunden und alles, was blieb, sind zwei Löcher in der Decke ihres Schlafzimmers. Plötzlich ist sie eine Waise. Doch sind ihre Eltern tatsächlich aufgestiegen? Was steckt wirklich hinter der Church of America? Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Harp und dem warmherzigen Peter wagt Vivian einen Roadtrip quer durch Amerika, auf der Suche nach der letzten Familie, die sie noch hat und auf der Suche nach der Wahrheit.

Ich finde, „Vivian versus the Apocalypse“ steht zurecht auf der YA-Bestenliste des Rolling Stone. Es überzeugte mich voll und ganz. Katie Coyle bewies mit diesem Roman einen kritischen, unvoreingenommenen Blick auf die amerikanische Seele, den ich in dieser Art bisher noch nicht erleben durfte. Ihre Auseinandersetzung mit dem amerikanischem Glauben durch die Church of America ist nicht nur äußerst differenziert, sondern auch überaus ehrlich. Es ist, als hätte sie – selbst US-Bürgerin – sich zwei entscheidende Fragen gestellt. Wie glauben wir? Wie ist das amerikanische Christentum charakterisiert? Möchte man „Vivian versus the Apocalypse“ als eine Antwort auf diese Fragen verstehen, kann diese nur lauten: kapitalorientiert, heuchlerisch und größenwahnsinnig. Nach den Lehren der Church of America sind die Amerikaner Gottes besondere Lieblinge und der Kapitalismus die einzig wahre Art, ihn zu ehren. Dass diese Ansichten nur schwer mit dem ursprünglichen christlichen Glauben vereinbar sind, spielt keine Rolle, denn passend zum neuen Glauben gibt es auch einen neuen Propheten, der eine neue Bibel geschrieben hat: Beaton Frick. Nahezu das ganze Land huldigt ihm und verteidigt seine Dogmen verbissen und notfalls mit Gewalt, vom Präsidenten bis zu den Eltern der Protagonistin und Ich-Erzählerin Vivian Apple. Die LeserInnen lernen Vivians Eltern (fast) nicht persönlich kennen, doch durch Vivians Erzählungen und durch die Wahrheiten, die sie im Laufe der Geschichte aufdeckt, erhielt ich trotzdem einen Eindruck ihrer Beziehung. Ich empfand diese als seltsam, weil es sich für mich anfühlte, als hätte Vivian nie richtig dazu gehört. Normalerweise sollte eine Familie eine Einheit bilden, aber im Fall der Apples konnte ich keine besondere emotionale Bindung der Eltern zu ihrem Kind erkennen; als wäre Vivian eher ein Eindringling in ihre Beziehung, als hätten sie sie nie wirklich hineingelassen. Im Nachhinein erklärte diese seltsame Beziehung ihre Entscheidung, sich ganz dem Frick’schen Glauben hinzugeben und ihre Tochter bewusst allein zurückzulassen. So negativ diese Erfahrung für Vivian war, war sie vermutlich doch das Beste, was ihr als Persönlichkeit passieren konnte. Nicht nur entwickelt sie sich während des Roadtrips unglaublich und wächst wahrhaft über sich hinaus, sie erkennt auch, was eine Familie eigentlich ausmacht: für einander da zu sein.

„Vivian versus the Apocalypse“ hat mir sehr gut gefallen, denn die Autorin Katie Coyle stellt sich darin unerschrocken den ganz großen Fragen des Lebens. Es ist gefühlsbetont, spannend und nachdenklich; zeigt, was fehlgeleiteter Glaube anrichten kann und betont, wie wichtig es ist, selbst herauszufinden, was es bedeutet, ein guter Mensch zu sein und nicht blind den Doktrinen anderer zu folgen. Trotz einiger actionreicher Szenen ist dieser Roman im Großen und Ganzen sanft und ruhig; Coyle schreibt nicht überhastet, sondern setzt auf leises, aber bedeutungsvolles Erkennen. Ihre mutige Protagonistin Vivian ist eine Art moderner Prometheus, bestrebt, den Amerikanern die Wahrheit zu offenbaren. Ihre Reise ist mit diesem Buch allerdings noch nicht abgeschlossen – es gibt einen zweiten Band „Vivian versus America“, den ich nun auch auf jeden Fall lesen möchte.
Ich denke, dass „Vivian versus the Apocalypse“ von LeserInnen jeder Altersklasse gelesen werden kann, obwohl es ein YA-Roman ist. Glaube, Liebe, Familie – das sind Themen, die uns alle beschäftigen, unabhängig vom Alter.

 

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Gewinnspiel zum Welttag des Buches: Blogger schenken Lesefreude

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Hallo ihr Lieben! 😀

Heute ist für alle Bücherwürmer ein freudiger Tag, denn heute ist der Welttag des Buches! Aufgrund dieses ganz wundervollen Anlasses gibt es eine ebenso wundervolle Aktion, an der ich mich dieses Jahr unbedingt beteiligen wollte: Blogger schenken Lesefreude. Lasst uns gemeinsam das Lesen, Bücher und die Literatur feiern! 😀 Was kann es Schöneres geben, als anderen Buchverrückten eine Freude zu machen?
Die Idee dahinter besagt ja eigentlich, dass Blogger ihre Lieblingsbücher verschenken; ich habe mich allerdings dafür entschieden, stattdessen einen Gutschein im Wert von 20€ zu verlosen. Das ist vielleicht ein bisschen uninspiriert, ich konnte mich aber einfach nicht entscheiden, welches Buch mein liebstes ist. Die Auswahl ist riesig und außerdem möchte ich euch die Chance geben, genau das Buch zu bekommen, das euch glücklich macht.

Blogger schenken Lesefreude groß

Das Gewinnspiel

Im Grunde ist es ganz einfach: beantwortet einfach meine Gewinnspielfrage und schon seid ihr im Lostopf! Ihr könnt eure Antwort in den Kommentaren hinterlassen, könnt mir aber auch per Twitter, Google+ oder E-Mail eine Nachricht schicken. Wichtig ist vor allem, dass ihr mir eure E-Mail-Adresse zukommen lasst, damit ich euch erreichen kann. Aus allen Einsendungen lose ich dann ganz fair den/die GewinnerIn aus und melde mich bei dieser glücklichen Person. Ich werde euch dann fragen, was ich von den 20€ für euch bei Amazon bestellen und an welche Adresse ich eure Bestellung schicken lassen soll. Da ich Prime-Mitglied bin, entfallen die Versandkosten. 🙂 Mir ist es völlig gleich, wie genau ihr die 20€ verballern möchtet (ob nun ein Buch für 20€ oder vier Bücher für je 5€), die einzige Bedingung ist nur, dass es sich um Bücher oder eBooks (Kindle) handeln muss.
Das Gewinnspiel läuft ab heute bis zum 30. April, also genau eine Woche. Ich werde den/die GewinnerIn direkt benachrichtigen, wenn feststeht, wer es ist. Eure Wunschbestellung sollte dann innerhalb von 1-3 Tagen bei euch ankommen; falls sich die Lieferung aus irgendeinem Grund verzögert, werde ich euch das natürlich mitteilen.

Bitte beachtet folgendes:
1. Um am Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr mindestens 18 Jahre alt sein, oder das Einverständnis eurer Eltern muss vorliegen.
2. Ich übernehme keine Garantie für den Versand.
3. Der Rechtsweg und eine Auszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen.
4. Das Gewinnspiel läuft bis zum 30.04.2015, ihr habt also eine Woche Zeit, mir eure Antworten mitzuteilen. Ausgelost wird dann am 01.05.2015 und ich werde den/die GewinnerIn sofort benachrichtigen, sobald feststeht, wer es ist.

Alles verstanden? Gut, dann kommt jetzt die Frage zum Glück! 😀

Welche Buchempfehlung war die bisher beste eures Lebens und wer hat diese Empfehlung ausgesprochen?

Da sich der heutige Tag ganz um das Thema „verschenkte Lesefreude“ dreht, möchte ich von euch wissen, welche Buchempfehlung euer Leben nachhaltig verändert hat. Welche Empfehlung war so gut, dass ihr dieser Person euer Leben lang dankbar sein werdet? Ist vielleicht sogar eines eurer Lieblingsbücher erst durch eine Empfehlung bei euch eingezogen? Wer war der/die WohltäterIn, der/die euch dieses Geschenk gemacht hat?
Ich weiß, dass diese Frage für einige von euch sicher nicht ganz leicht zu beantworten ist, denn auch für mich ist sie schwierig. Harry Potter, alle Bücher von Joyce Carol Oates und Dave Eggers, die Anita Blake – Reihe… sie alle waren einst Empfehlungen. Ich denke aber, ich entscheide mich für die eine Empfehlung, die mich zu meinem Lieblingsautor gebracht hat: „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Diese Empfehlung bekam ich von meiner Mutter und ich bin ihr bis heute sehr dankbar dafür, weil dieses Buch meiner Meinung nach im Grunde ein einziges Zitat ist. (Fast) Jeder Satz hat eine tiefere Bedeutung und lehrte mich etwas über das Leben, über Laster und Anstand. Es zeigte mir, dass jede Tat Konsequenzen hat, auch wenn man sie äußerlich nicht immer erkennen kann. Es ist ein wundervolles, tiefgründiges Buch und ich bin unglaublich froh, dass es zu meinem Leben gehört.

Nun seid ihr dran! Erzählt mir von der besten Empfehlung eures Lebens und lasst mich an eurer Freude darüber teilhaben! Ich drücke euch allen ganz fest die Daumen für das Gewinnspiel und bin irgendwie schon ganz aufgeregt, wem ich wohl ein Lächeln ins Gesicht zaubern darf! Wenn ihr selbst ebenfalls eine Verlosung veranstaltet, dürft ihr diese hier natürlich verlinken. Außerdem würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mein Gewinnspiel auf den verschiedenen sozialen Netzwerken verbreitet. 🙂

Ich freue mich, den Welttag des Buches mit euch feiern zu dürfen. Es macht mich sehr glücklich, dass es so viele Menschen gibt, denen an Büchern genauso viel liegt wie mir! ❤
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 😀

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild! 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Naked“ von Stacey Trombley. Es ist ein eBook, daher gibt es keine Seitenzahlen, aber ich befinde mich bei 62 Prozent.

Naked„The best place to hide is in a lie…

I could never fit in to the life my parents demanded. By the time I was thirteen, it was too much. I ran away to New York City…and found a nightmare that lasted three years. A nightmare that began and ended with a pimp named Luis. Now I am Dirty Anna. Broken, like everything inside me has gone bad.

Except that for the first time, I have a chance to start over. Not just with my parents but at school. Still, the rumors follow me everywhere. Down the hall. In classes. And the only hope I can see is in the wide, brightly lit smile of Jackson, the boy next door. So I lie to him. I lie to protect him from my past. I lie so that I don’t have to be The Girl Who Went Bad.

The only problem is that someone in my school knows about New York. Someone knows who I really am. And it’s just a matter of time before the real Anna is exposed…“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„I crawl back through my window and stand there, staring at my bedroom in the dark.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

„Naked“ ist wieder mal eine ARC-Version, die ich vom Verlag Entangled Teen zur Verfügung gestellt bekam. Das Buch erscheint voraussichtlich am 07. Juli dieses Jahres. Eigentlich hätte ich ja noch massig Zeit, diesen Debütroman zu lesen, aber da ich erstens ein Buch mit „N“ für DarkFairy’s Alphabet-Lesechallenge brauche und zweitens eine Protagonistin, deren Name mit „A“ beginnt für die April-Zusatzaufgaben der Disney-Challenge von Bows and Fairytales, bot es sich einfach an.
Ich finde ja, dass der Klappentext schon sehr viel von der Handlung verrät. Es gibt zwei Versionen; ich habe für euch diejenige ausgewählt, die meiner Meinung nach weniger Details offenbart. Einerseits ist es natürlich ein wenig schade, dass der Verlag seine LeserInnen irgendwie von vorne herein spoilert, andererseits muss ich aber sagen, ohne den Klappentext hätte ich mich wohl nicht für die ARC beworben. Ich lese ja gern von schwierigen Teenagern, deren Seelen zerbrochen oder angeknackst sind. Ich erlebe einfach so gern, wie sie ihre inneren Dämonen überwinden und sich selbst den Weg in eine glückliche Zukunft ebnen, allen Hindernissen zum Trotz. Dabei darf die Geschichte nicht zu kitschig sein und muss die Schwierigkeiten, mit denen diese Kids kämpfen, direkt und ungeschönt ansprechen. Mit dieser Art von YA-Roman habe ich bereits gute Erfahrungen gemacht, vor allem mit „Dissected“ von Megan Bostic. „Naked“ beinhaltet darüber hinaus eine romantische Ebene, die ich in diesem Fall allerdings wirklich ganz bezaubernd finde. Der männliche Protagonist Jackson ist ein sanfter, verständnisvoller, geduldiger junger Mann, der es ganz wundervoll versteht, Anna ein gutes, sicheres Gefühl zu geben, obwohl sie sonst große Probleme hat, zu vertrauen. Er drängt sie nicht und respektiert ihre Grenzen. Natürlich ist er ein bisschen zu perfekt und ich kann ihn mir überhaupt nicht als reale Person vorstellen, aber ich finde es zuckersüß, wie er auf Anna eingeht und ihr genau das gibt, was sie braucht, nicht mehr und nicht weniger.
Anna selbst… sie ist einfach 16. Eine 16-jährige, die in bestimmten Punkten unter Garantie frühreif ist/war, sich in anderen Punkten aber auch noch völlig kindlich, naiv und unerfahren verhält. Sie ist sehr verkopft, was sicher kein Wunder ist, reflektiert aber niemals wirklich ihre eigenen Gedanken und Verhaltensweisen. Beispielsweise hält sie sich selbst für „zu schlecht, zu schmutzig“, um ernsthaft eine romantische Beziehung mit Jackson in Betracht zu ziehen, fragt sich jedoch nie, wieso sie das eigentlich denkt. Sie glaubt nicht, dass sie eine glückliche Zukunft verdient hat. Ich warte nur auf den Moment, indem sie endlich denkt „Zur Hölle, wieso eigentlich nicht?!“.
Im Großen und Ganzen macht mir das Buch bisher ziemlichen Spaß, vermutlich gerade weil ich wohl eigentlich schon ein bisschen zu alt/erfahren für die Geschichte bin und weiß, worauf es hinausläuft. Ich denke, es ist besonders dieses Durchschauen, das den Spaßfaktor für mich ausmacht. Ich will eben nicht immer kalt erwischt werden. 😀 Manchmal fühle ich mich in einer Geschichte wohl, die nur wenig Überraschungen bereit hält und mich stattdessen in meinen Intuitionen bestätigt. Zumindest, solange sie deswegen nicht langweilig ist. 😉

4. Dass wir alle begeisterte Bücherwürmer sind und lesen, was wir so in die Finger bekommen, wissen wir ja… 😉 Aber gibt es auch (bestimmte, gewisse) Bücher, die wir niemals lesen würden? Wenn ja, welche sind das und warum?

Oh ja, da gibt es einen ganzen Haufen Bücher, die ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde. Ich habe ja schon einmal einen Beitrag zum Thema literarische Vorurteile geschrieben (HIER) und wie diese mein Leseverhalten beeinflussen. Ich habe mich dazu bekannt, dass ich weder Jenny-Mai Nuyen, noch Ken Follet jemals eine Chance geben möchte und dass ich wohl nie wieder einen Kafka anfassen werde. Es gibt aber auch noch viele weitere AutorInnen, deren Bücher ich aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht lesen möchte. Ein aktuelles Beispiel ist Günter Grass, der letzte Woche im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Normalerweise verfasse ich hier auf meinem Blog Nachrufe für verstorbene AutorInnen, doch in diesem Fall habe ich bewusst darauf verzichtet, denn mich stimmte sein Tod nicht gerade traurig und ich hätte mich demzufolge unehrlich und heuchlerisch gefühlt. Harte Worte, ich weiß. Ich weiß auch, dass Grass ein großer Literat war, der international viel Aufmerksamkeit erhalten hat, nicht zuletzt wegen seiner kritischen Äußerungen bezüglich der Politik Israels. Ich weiß das alles. Ich vermute, dass er sein Ansehen nicht umsonst erworben hat. Aber ich… ich kann seine Bücher nicht lesen, weil ich ihm einfach nicht verzeihen kann, dass er mit 17 Jahren freiwillig in die Waffen-SS eingetreten ist. Angeblich hat er nie ein Kriegsverbrechen begangen und insgesamt ist sein Eintritt wohl eher unter „jung und dumm“ zu verbuchen, doch ich kann das einfach nicht so sehen. Ich komme nicht darüber hinweg und höre/lese ich seinen Namen, kann ich an nichts anderes mehr denken. Wie konnte er nur etwas so falsches tun? Wie konnte er sich freiwillig einer Einheit von widerlichen Berufs-Mördern anschließen? Das ist nicht mehr mit einer jugendlichen Verfehlung vergleichbar, meiner Meinung nach. Ich bin vielleicht kleinlich und nachtragend, kann das aber nun mal nicht ändern. Es hätte überhaupt keinen Sinn, würde ich versuchen, seine Bücher zu lesen, weil ich so voreingenommen wäre, dass ich keinem seiner Werke eine faire Chance geben würde. Also lasse ich es sein.

Einen weiten Bogen mache ich darüber hinaus generell um die sogenannte Romantasy, Chic-Lit und erotische Literatur. Dieses ganze Gefühlsgedudel… ohne mich. Entschuldigt, ich weiß, dass einige unter euch diese Romane sehr gern lesen, aber ich kann damit einfach so gar nichts anfangen. Sie provozieren bei mir nur ein Gähnen oder schlimmstenfalls den Würgereflex. Wenn ich mich an romantischen Romanen versuche, dann maximal in der YA, weil der Charakter der beschriebenen Liebe reiner, unverdorbener und unschuldiger ist. Es erinnert mich daran, wie es war, als ich selbst noch verklärte, idealistische Vorstellungen von Liebe und Beziehungen hatte. Aber in der Erwachsenen-Literatur… nein, danke. Ich kann verstehen, wenn Jugendliche um einander herumschleichen und einen Affentanz aufführen, weil sie ja noch gar keine Erfahrungen mit ihren eigenen Gefühlen haben. Da kann ich das akzeptieren, tolerieren, hinnehmen und sogar putzig finden. Doch benehmen sich Erwachsene in Büchern so, nervt mich das nur. Ich finde das nicht süß, nicht magisch oder zauberhaft. Ich finde es übertrieben und kitschig. Ich habe keine stark ausgeprägte romantische Ader. Ich finde es romantisch, wenn der Lieblingsmensch mir geschmolzenen Käse gibt.
Für erotische Literatur kann ich mich überhaupt nicht begeistern, weil ich nicht so richtig weiß, warum ich sie lesen soll. Und ja, da zählt auch „50 Shades of Grey“ dazu. Wenn es um das Schwelgen in sexuellen Fantasien geht, dann schnappe ich mir doch lieber den Lieblingsmenschen und… na ja, ihr wisst ja, was ich meine. Lieber Praxis als Theorie. 😉

Außerdem gibt es da noch all die Romane, die ich nur unter Schmerzen als Literatur bezeichnen kann, die aber gefühlt jede/jeder Zweite gelesen hat. „Feuchtgebiete“ ist da das beste Beispiel. Was sollte das? Wozu hat Charlotte Roche diese Ansammlung von Obszönitäten geschrieben? „Guckt mal alle her, auch Frauen können pervers sein!“. Na ach. Quelle surprise. Große Offenbarung.
Jede „Promi“-Biografie gehört für mich auf den gleichen Stapel. Gedankenabfall, den die Welt nicht braucht, über Leben, die vermutlich nur die beschriebenen Personen selbst für wertvoll halten. Ich bin ja sonst sehr für „Lesen und Lesen lassen“, aber in diesen Fällen ärgere ich mich immer wieder darüber, dass mit so einem Schund richtig viel Geld gescheffelt wird. Dementsprechend tue ich genau das, was ich als Konsument tun kann: ich weigere mich, diese Bücher zu kaufen und zu lesen.

Kurz gesagt gibt es also viele Bücher, die ich nicht lesen möchte und die ich deswegen auch nie lesen werde. Habe ich so eine Entscheidung einmal gefällt, bleibe ich in der Regel auch dabei. Das liegt gar nicht daran, dass ich besonders konsequent bin, sondern eher daran, dass die Gedanken an dieses Buch dann aus meinem Kopf herausgefiltert werden. Es taucht auf meinem Radar nicht mehr auf. Um mich doch davon zu überzeugen, ein Buch, das ich bereits aussortiert hatte, zu lesen, braucht es dann einen äußeren Anreiz. Meine Mutter, die mir immer und immer wieder davon vorschwärmt. Eine begeisterte Rezension. Sowas eben. Dann bin ich auch gern bereit, mich umstimmen zu lassen. Und das ist doch alles, worauf es ankommt, oder? 🙂

Welches Buch lest ihr im Moment? Gibt es Bücher, die ihr unter keinen Umständen lesen werdet?

Erzählt mir davon! Ich bin wirklich gespannt darauf, welche Bücher auf eurer persönlichen „schwarzen Liste“ stehen und freue mich schon darauf, in euren Beiträgen zu stöbern! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Verleihst du deine Bücher?

montagsfrage neu

Guten Morgen ihr Lieben! 🙂

Montage sind Mist. Ganz offiziell. Ich bin heute ein bisschen knatschig und kam eher schlecht als recht aus dem Bett. Ich hoffe, das bleibt nicht die ganze Woche so.
Irgendwie muss ich wohl mal mein Lesetempo drosseln, denn ich komme mit den Rezensionen einfach nicht hinterher. Mal sehen, wie produktiv ich diese Woche sein werde. Heute beginnen wir aber erst einmal wie immer mit der Montagsfrage von Svenja aka Buchfresserchen:

Verleihst du deine Bücher?

Außer innerhalb der Familie? Nein. Auf keinen Fall. Ich habe ganz furchtbar schlechte Erfahrungen mit dem Verleihen von Büchern gemacht. Einige Bücher habe ich danach nie wieder gesehen. Andere waren beschädigt. Den Menschen liegt anscheinend nicht mehr viel daran, das Eigentum anderer mit Respekt zu behandeln. Werde ich heutzutage gefragt, ob ich ein bestimmtes Buch verborgen würde, lehne ich das kategorisch ab, unabhängig davon, wer mich fragt. Das ist nichts Persönliches. Es geht nur darum, dass meine Bücher für mich das Wertvollste sind, das ich besitze und ich sie offenbar vor fremden Fingern beschützen muss. Außerdem darf man da auch nicht vergessen, dass ich für fast jedes Buch bezahlt habe. Da steckt neben dem emotionalen Wert auch ein finanzieller drin.
Hätte meine Familie mir nicht über Jahre bewiesen, dass ich ihnen vertrauen kann, würde ich auch ihnen kein einziges Buch ausborgen. Man könnte sagen, ich verfolge da eine Null-Toleranz-Politik. 😉

Verborgt ihr eure Bücher? Wenn ja, an wen?

Erzählt mir von euren Erfahrungen, positive sowie negative. Ich freue mich auf eure Geschichten, Antworten und Kommentare und wünsche euch eine wundervolle Woche! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Robin Li – Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit

„Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“

Der Grendel

Autor: Robin Li

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 508 Seiten

Verlag: p.machinery Michael Haitel

Sprache: Englisch

ISBN: 3957650143

Genre: Humor & Science Fiction

ausgelesen am: 03.04.2015

Bewertung:

„Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ habe ich in einer LovelyBooks – Leserunde gewonnen, für die ich mich aufgrund einer wirklich sehr netten Einladung der Autorin beworben hatte. Ich bin froh, endlich mit einiger Sicherheit von einer Autorin sprechen zu können, denn lange Zeit wusste ich gar nicht, ob Robin Li männlich oder weiblich ist. Natürlich spielt es an sich keine Rolle, es war mir allerdings schon etwas peinlich. Kürzlich fand ich jedoch ein paar Forenposts, die recht eindeutig auf eine Schriftstellerin hinweisen. Sollte ich dennoch daneben liegen – ich entschuldige mich hiermit von Herzen für diese Fehleinschätzung.
Da Robin Li so freundlich zu mir war, freute ich mich sehr auf die Lektüre. „Der Grendel“ versprach eine absurde Geschichte in bester Pratchett-Manier zu werden, die mit den Genregrenzen Seilspringen spielt.

Der Grendel – die Geißel der Galaxie. Seit tausenden von Jahren setzen die Jungas alles daran, diese Bestie unter Kontrolle zu halten. Die ganze Nation zittert, wird nur sein Name genannt. Dabei erinnert sich eigentlich niemand mehr daran, warum alle Angst vor ihm haben. Sogar seine Akte im Archiv ist erstaunlich unvollständig. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen, verstreut in der Galaxie. Wenn der Grendel erwacht, wird dieses Wissen gebraucht werden. Doch wem wird es nützen? Wird es offenbaren, wie der Grendel zur Strecke gebracht werden kann? Oder… wird es beweisen, dass er nicht die furchtbare Bestie ist, für die ihn alle halten, sondern ein Opfer?

Manche Bücher sind nicht für alle LeserInnen bestimmt. So, wie man nicht mit jedem Menschen auf der Welt befreundet sein kann und will, kann und will man auch nicht jedes Buch auf der Welt mögen. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben; vielleicht ist das Thema nicht das richtige, vielleicht ist die Umsetzung einer Idee nicht spannend genug gelungen. Und manchmal hat man einfach keinen Draht zum Autor oder zur Autorin. Genau das ist mir bei „Der Grendel“ passiert. Ich kann erkennen, warum andere LeserInnen sich bestimmt vor Lachen kugeln würden und es gar nicht mehr aus der Hand legen könnten –  ich selbst gehöre nur leider nicht dazu. Robin Li und ich, wir passen schlicht nicht zusammen, befinden uns sowas von nicht auf einer Wellenlänge. „Der Grendel“ war für mich daher eher die Erfüllung einer Pflicht als tatsächlicher Lesespaß.
Schon der Einstieg fiel mir recht schwer. Nicht nur stieß mir Lis Schreibstil sauer auf, den ich als unnötig kompliziert und verschachtelt empfand, ich brauchte auch gute 100 Seiten, bis ich ansatzweise das Gefühl entwickelt hatte, zu wissen, worum es überhaupt geht. Mir fehlte Leichtigkeit und der lockere, absurde Witz, den ich erwartet hatte. Ich musste mich wohl oder übel damit abfinden, dass Robin Li eine andere Auffassung von Humor hat als ich. Ihre Komik erschien mir zu gewollt, zu gekünstelt, um darüber lachen zu können und auch insgesamt schlich sich der Eindruck des Verbissenen, Angestrengten ein. „Der Grendel“ war meines Erachtens nach keine Geschichte, die von selbst strömte, sondern kleinlich, verwirrend und langatmig. Für jedes Stückchen Hintergrundinformation musste ich kämpfen, als wäre dieser Roman ein unheimlich anstrengendes Puzzle. Die Teile waren alle da, wollten sich aber einfach nicht zusammen fügen.
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass sich das Buch zumindest über die Charaktere retten konnte – leider war das nicht der Fall. Ich konnte mit keiner der vielen Figuren etwas anfangen, weil ich sie nie wirklich kennenlernen durfte. Die häufigen Szenen- und Perspektivwechsel machten es mir unmöglich, eine Verbindung aufzubauen; jedes Mal, wenn ich dachte „Jetzt erfahre ich endlich mehr über diesen Charakter!“, musste ich ihn oder sie auch schon wieder verlassen. Dementsprechend sind die Kapitel häufig ebenfalls sehr kurz. Ich fragte mich ernstlich, warum Robin Li ihre Geschichte so oft unterbrach und habe bis heute keine Antwort darauf gefunden. Sicher gibt es LeserInnen, die diese Kürze schätzen, mich macht es allerdings eher misstrauisch, weil ich es nicht verstehe. Was ich hingegen sehr wohl verstanden habe, ist, dass Robin Li keine Umgebungsbeschreibungen mag. In diesem Punkt unterscheiden wir uns maßgeblich, denn ich empfinde das Aufbauen einer dichten, greifbaren Atmosphäre als unglaublich wichtig. Ich möchte gedanklich vor Ort sein, will quasi jedes Blatt an dem Baum zählen können, unter dem der Protagonist gerade sitzt. Dazu brauche ich die Hilfe des Autors oder der Autorin. Robin Li verzichtete bewusst darauf, die Geschichte von „Der Grendel“ in eine konkrete Umgebung einzubinden, wodurch ich erhebliche Probleme hatte, sie mir vorzustellen.

Es tut mir wahnsinnig leid, dass mir „Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ nicht sonderlich gefiel. Das Buch war ein Geschenk von Robin Li; ich hätte es wirklich gern gemocht und euch hier in den schillerndsten Farben angepriesen. Es ist nicht schlecht, aber es war einfach nicht die richtige Lektüre für mich. Niemand trägt Schuld daran, dass Robin Li und ich offenbar recht verschieden sind und zumindest als Autorin und Leserin nicht zusammen passen.
Ich möchte euch nicht von „Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ abraten, denn nur, weil es nicht mein Geschmack war, heißt das ja noch lange nicht, dass es euch ebenso ergeht. Deswegen habe ich zwei Sterne vergeben. Zwar ist „Der Grendel“ nicht mein Buch, aber eures könnte es ohne weiteres sein.

 
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Verfasst von - 17. April 2015 in Humor, Rezension, Science-Fiction

 

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Sebastian Fitzek – Amokspiel

„Amokspiel“

Amokspiel

Autor: Sebastian Fitzek

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 430

Verlag: Knaur

Sprache: Deutsch

ISBN: 3426637189

Genre: Krimi & Thriller

ausgelesen am: 23.03.2015

Bewertung: 

Ich finde es toll, wenn Geschichten in meiner Heimatstadt Berlin spielen. Tauchen konkrete Straßennamen, Sehenswürdigkeiten oder Plätze auf, muss ich mir die Umgebung nicht tatsächlich vorstellen, sondern greife einfach auf meine Erinnerungen zurück. Es bringt mich zum Lächeln. Vermutlich geht es Sebastian Fitzek da ganz ähnlich, denn genau wie ich ist er ein geborener Berliner. Viele seiner Thriller handeln in Berlin – so auch „Amokspiel“. Dieser Roman ist mein vierter Fitzek und da ich ihn als Meister des psychologischen Terrors kenne, hatte ich recht hohe Erwartungen.

Die Kriminalpsychologin Ira Samin möchte sterben. Alles ist vorbereitet. Der Revolver ist bereit, die Küche ist abgeklebt, die tödlichen Tabletten liegen im Eisschrank. Keinen Tag länger kann sie mit der Schuld leben, nicht den Selbstmord ihrer ältesten Tochter verhindert zu haben. Doch dann werden ihre privaten Pläne plötzlich vereitelt: sie wird zu einem Einsatz gerufen. In einem Berliner Radiosender hält ein Psychopath Geiseln gefangen und verlangt, dass seine Verlobte zu ihm gebracht wird. Bis es soweit ist, wird er während der Live-Sendung jede Stunde zufällige Telefonnummern anrufen. Meldet sich die angerufene Person mit der richtigen Parole, lässt er eine Geisel frei. Wenn nicht, muss eine Geisel sterben. Ira und das ganze Team müssen sich beeilen, um die Verlobte des Geiselnehmers zu finden. Bei ihren Nachforschungen stellt sich allerdings heraus, dass sie bereits vor Monaten einen tödlichen Unfall hatte. Die Verhandlung beginnt und Millionen von Menschen hören Ira dabei zu, wie sie einen verzweifelten Mann davon zu überzeugen versucht, dass seine letzte Hoffnung eine Illusion ist.

„Amokspiel“ in drei Worten? So la la. Stellt euch dazu bitte das charakteristische Wackeln der Hand vor. Wirklich viel kann ich zu diesem Thriller eigentlich nicht sagen, denn er hat kaum Eindruck bei mir hinterlassen. Ganz nett für Zwischendurch, aber mehr eben leider auch nicht. Ich bin definitiv Besseres von Sebastian Fitzek gewohnt. Ich hatte das Gefühl, dass diese Geschichte eine Art Experiment für ihn war, um sich einmal in eine etwas andere Richtung zu versuchen. Das sei ihm natürlich gegönnt, doch für mich ist dieser Versuch nicht vollständig geglückt.
Den Einstieg in „Amokspiel“ fand ich unheimlich schnell, wie bei allen anderen Fitzeks zuvor ebenfalls, denn sein Schreibstil ist unverändert flüssig, packend und locker. Er schreibt nah am Menschen; damit möchte ich sagen, dass er es seinen LeserInnen leicht macht, eine Verbindung zu seinen Charakteren aufzubauen, weil sie sich durch und durch menschlich verhalten. So auch zur Protagonistin Ira Samin. Ira ist… abgewrackt. Ich habe versucht, eines zu finden, aber ein netteres Wort gibt es für ihren Zustand einfach nicht. Sie ist völlig am Ende, getrieben von akuter Todessehnsucht und einem ernsthaften Alkoholproblem. Erstaunlich, dass ich trotz dessen recht gut mit ihr zurechtkam, obwohl ich nicht gerade behaupten kann, sie wirklich zu mögen. Ich bin der Meinung, dass Fitzek selbst einer größeren Sympathie im Weg stand, weil er ständig wiederholte, dass sie sich am Morgen des Tages noch umbringen wollte. Ich empfand das als störend, denn es vermittelte mir das Gefühl, dass sich Ira ungeachtet der Ereignisse nicht weiterentwickelt. Diese konstruierte Fitzek anders, als ich erwartet hatte. Ira verhandelt zwar mit dem Geiselnehmer, jedoch viel weniger, als ich dachte. Ich hatte angenommen, dass ihre Gespräche den Großteil des Buches einnehmen und vor allem, dass sie sich auf gewisse Weise gegenseitig therapieren würden, da der Geiselnehmer ebenfalls Psychologe ist. Ich hatte auf eine Art therapeutischer Patt-Situation gehofft; zwei Psychologen, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Ratschläge zu befolgen. Stattdessen widmete sich Fitzek intensiv den Abläufen um das Geiseldrama herum und offenbarte dabei eine überraschend politische Ebene. Ich mag politische Thriller gern, muss aber sagen, dass sich Fitzek hier nicht von seiner stärksten Seite zeigte. Für meinen Geschmack wirkten all die Faktoren, die in „Amokspiel“ zusammenspielen, übertrieben zufällig und verworren. Mir fehlte der rote Faden. Von der Hintergrundgeschichte, also von den Verwicklungen, die überhaupt erst zu der Geiselnahme führten, war ich dementsprechend nicht überzeugt.
Was mir hingegen sehr gut gefiel, war, dass Fitzek seine LeserInnen in eine Welt mitnimmt, die ihm sehr vertraut ist: die Welt eines Radiosenders. Er arbeitet seit Jahren bei einem Berliner Sender in der Programmdirektion – umso authentischer ist die Darstellung seines fiktiven Settings gestaltet.

„Amokspiel“ war für mich kein sonderlich herausragender Thriller. Natürlich las er sich schnell und spannend, konnte mich aber lange nicht so fesseln wie beispielsweise „Die Therapie“. Meiner Meinung nach sollte Sebastian Fitzek bei Psychothrillern bleiben und sich nicht an politischen Experimenten versuchen, denn das liegt ihm nicht. Ich werde keinesfalls aufhören, seine Bücher zu lesen, schätze aber, dass ich bald vergessen haben werde, worum es in „Amokspiel“ geht.
Ich bin der Meinung, dass dieser Fitzek hauptsächlich eine Lektüre für seine Fans ist, denen viel daran liegt, sein Gesamtwerk gelesen zu haben. Für alle anderen: es gibt bessere Thriller.

 
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Verfasst von - 15. April 2015 in Krimi, Rezension, Thriller

 

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