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10. 03. 2015 – Gemeinsam Lesen

10 Mrz

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 😀

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese wunderbare Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „My Sister, My Love“ von Joyce Carol Oates und bin auf Seite 55 von 562.

my sister my love „Little Bliss Rampike is an ice-skating superstar and just six years old when she is found brutally murdered in the furnace room of her affluent New Jersey home. The crime shocks America and sends the media world into frenzy. No one escapes suspicion, and everyone, it seems, is ready with a theory, an accusation – or a false confession. Now Bliss’s older brother Skyler, himself an early suspect, is determined to set the record straight in this raw account of his sister’s short life and horrific death. But can his memories really be trusted? Or is he hiding the truth of what happened to Bliss that night – even from himself?“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„It was noted, a few pages back, that my Rampike ancestors had originally lived in the north of England, and belonged to a „radical Calvinist sect“; in fact, my father’s most -sole?- distinguished ancestor was the celebrated/notorious Reverend Joshua Rampike who’d brought his small but fanatically devoted flock of believers („flock“ – sadly, a cliché! – is invariably the most appropriate word for such Calvinist/Christian ancestors of mine) to the newly established settlement at Philadelphia, in 1668; their hope was to escape religious persecution in the unfathomably dreary hills of Humberside, on the North Sea, and to establish a theocracy, under the thunderous leadership of Reverend Rampike, in which they might persecute other Christians.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich liebe Joyce Carol Oates. Sie schreibt so wundervoll. Ihre Art, sich in ihre ProtagonistInnen hineinzuversetzen und ihre Gefühls- und Gedankenwelt lebendig werden zu lassen, ist in meinen Augen absolut unerreicht. Ich kenne keine andere Autorin, die so sensibel, einfühlsam und psychologisch realistisch Geschichten entstehen lässt.

„My Sister, My Love“ hat, wie auch schon „Blonde“, einen Bezug zu tatsächlichen Ereignissen und Personen. Vermutlich ist es bei LovelyBooks deswegen unter den historischen Romanen abgelegt, obwohl ich das ja ein wenig übertrieben finde, schließlich spielt es im Jahr 1996. 😉
Vorbild ist der mysteriöse Fall der 6-jährigen JonBenét Ramsey, die 1996 ermordet im Keller ihres Elternhauses aufgefunden wurde. JonBenét war eine klassische Kinder-Schönheitskönigin. Am 26. Dezember fanden ihre Eltern im Treppenhaus einen Erpresserbrief, in dem stand, sie sei entführt worden und in dem ihnen angedroht wurde, das Mädchen werde getötet, sollten sie nicht 118.000$ (seltsame Summe, oder?) zahlen, ohne die Polizei zu rufen. Die Ramseys informierten die Polizei trotzdem; während diese auf den Anruf der Erpresser wartete, durchsuchte die Familie selbst das Haus. John Ramsey, JonBenéts Vater, fand die Leiche seiner Tochter im Keller. Der erwartete Anruf der Erpresser blieb aus.
Im Folgenden begann eine Hetzjagd der Presse gegen die Familie, obwohl es keine Beweise gab, die die Schuld der Eltern belegt hätten. Erst 2008, 12 Jahre nach der Tat, entschuldigte sich die US-Justiz und erklärte den Verdacht gegen die Ramseys als haltlos. Zu diesem Zeitpunkt war JonBenéts Mutter Patsy Ramsey bereits einer Krebserkrankung erlegen und verstorben. Bis heute ist nicht geklärt, wer für den Mord an JonBenét Ramsey verantwortlich war. 2009 wurde die Akte erneut geöffnet.

In „My Sister, My Love“ verarbeitet Joyce Carol Oates die Rolle der Medien in diesem Fall und portraitiert eine Familie, die bereits vor der Tragödie schwerwiegende Probleme hatte. Ich denke, das Buch wird ein ziemlich bewegender Ausflug in eine gestörte Familie. Oates schreibt aus der Perspektive von Bliss‘ älterem Bruder Skyler und bereits jetzt kann ich ihn soweit einschätzen, dass ich sagen kann, dass der arme Junge einige tiefe psychische Narben aus seiner Kindheit davon trug. Aufgrund des Mordes an seiner Schwester, aber auch aufgrund der Strukturen in seiner Familie. Betsey Rampike, Skylers und Bliss‘ Mutter, durfte ich auch schon kennenlernen. Sie ist… also ich würde auf bipolar tippen. Vielleicht hat sie auch „nur“ eine postnatale Depression – irgendetwas ist in ihrer Seele jedenfalls nicht in Ordnung. In den Szenen, die Skyler bisher beschrieben hat, ist er vier Jahre alt. Sie erzählt ihm Dinge, die völlig unangemessen sind und stellt ihm Fragen, auf die er keine Antwort geben kann. Sie behandelt ihn nicht wie ihren 4-jährigen Sohn, sondern wie einen gleichberechtigten Gesprächspartner. Das ist falsch. Er sollte nicht ihr seelischer Mülleimer sein.
Außerdem glaube ich, dass ich ein bisschen brauchen werde, um das Buch abzuschließen. Oates schreibt wundervoll, ist aber nicht ganz einfach zu lesen. Im Falle von „My Sister, My Love“ tritt das besonders zu Tage, weil Skylers Gedanken und Erinnerungen weder linear noch geordnet sind. Er schreibt einfach drauf los, was ihr im Zitat sicher schon festgestellt habt.

4. Welcher Charakter aus deinem aktuellen Buch ist dir am sympathischsten? Was würdest du gerne mit ihm/ihr unternehmen, wenn du ihn/sie treffen könntest?

Puh, schwer zu sagen. Bisher kenne ich ja eigentlich nur Skyler und auch über ihn weiß ich noch nicht viel. Ich kann diese Frage daher eigentlich noch gar nicht beantworten. Wie ich Oates kenne, ist es auch gut möglich, dass ich keinen ihrer Charaktere jemals so sympathisch finde werde, dass ich ihn oder sie treffen wollen würde. Ihre Figuren sind oft facettenreich und ambivalent, sodass es nicht so einfach ist, sich eine Meinung zu ihnen zu bilden. Sie sind wahre Persönlichkeiten, mit einigen guten, aber auch schlechten Eigenschaften.
Anhand dessen, was ich bis jetzt über Skyler weiß, würde ich nichts mit ihm unternehmen wollen. Ich würde wohl versuchen, ein sicheres Umfeld für ihn herzustellen; eine Atmosphäre und Situation, die es ihm ermöglicht, sich zu öffnen. Eine Umgebung, in der ich ihn in den Arm nehmen und ihm sagen könnte, dass er aufhören muss, sich zu bestrafen für das, was Bliss passiert ist. Ob er nun Schuld an ihrem Tod hat oder nicht, irgendwann muss er sich selbst vergeben, will er weiter leben. Wovon ich allerdings (noch) nicht überzeugt bin. Skyler ist ein zutiefst verstörter junger Mann, was könnte ich schon mit ihm unternehmen? Woran hätte er Spaß? In seinem Herz und in seiner Seele herrscht Dunkelheit. Er ist traurig und wütend. Ich würde ihm gern einen schönen Moment schenken, aber ich bezweifle doch sehr stark, dass ihn irgendetwas wahrhaft erreichen würde. Also würde ich nur versuchen, ihm zuzuhören.

Was lest ihr im Moment? Welchen Charakter aus eurer Lektüre würdet ihr gern treffen und was würdet ihr dann unternehmen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Antworten und Kommentare! 🙂
Alles Liebe,
Elli

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11 Antworten zu “10. 03. 2015 – Gemeinsam Lesen

  1. Dinchen

    März 10, 2015 at 9:16 am

    Hallo.

    Das Buch klingt wirklich toll, aber es ist englisch o.o Ich kann zwar englisch, aber ich muss mich immer erst aufraffen eines in die Hand zu nehmen. Außerdem verliere ich schnell die Lust wenn ich merke ich komme nicht voran … ich hatte letztens erst 2 Monate für ein engl. gebraucht, obwohl es soooo toll war 😀

    LG Dinchen

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    • wortmagieblog

      März 10, 2015 at 5:49 pm

      Hey Dinchen,

      das ist natürlich schade, vor allem, weil ich glaube, Oates muss man im Original lesen, sonst geht viel von ihrer sprachlichen Eleganz und Kraft verloren. Aber wer weiß, vielleicht kannst du dich ja doch eines Tages aufraffen. 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Elli

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  2. amaunet0101

    März 10, 2015 at 1:19 pm

    Von Joyce Carol Oates habe ich bisher nur die Kurzgeschichte „Where are you going, where have you been?“ gelesen. Ich bin eigentlich kein Fan von Kurzgeschichten, aber diese hat mich beeindruckt, weil die Autorin eine Atmoshäre geschaffen hat, die fesselt.
    Mein Problem liegt aber vor allem darin, dass ich für das Lesen in Englisch extrem viel Konzentration benötige… Deshalb wird es wohl noch eine Weile dauern, bis ich mich an die von dir so begeistert gelobten Romane von ihr heranwagen werde…

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  3. Tanja Buchinger

    März 10, 2015 at 4:47 pm

    Huhu Elli,

    kenne Dein aktuelles Buch noch nicht, hört sich aber sehr gut an.
    Bin leider immer so englisch lesefaul 😉 wünsche Dir noch viel Freude mit Deinem Buch!

    Liebe Grüße,
    Tanja

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  4. Laura

    März 10, 2015 at 7:19 pm

    Guten Abend, Elli!

    wow, das Buch ist ja der hammer o___o ich kann gut nachvollziehen, wenn man eine Weile braucht, um es ganz durchzulesen, die Thematik ist ja schon harter Tobak und wenn man dann noch weiß, dass es auf einer realen Familie basiert … Menno :/ Mir gefällt so etwas – also thematisch – aber ziemlich gut, deshalb werde ich es definitiv mal lesen. Es reizt mich sehr!

    Liebste Grüße

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    • wortmagieblog

      März 10, 2015 at 9:37 pm

      Hey Laura,

      also meiner Meinung nach liegt man mit Joyce Carol Oates niemals daneben, also wünsche ich dir ganz viel Spaß mit „My Sister, My Love“, wenn du es dir dann irgendwann zugelegt hast. 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Elli

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  5. J. F. Sebastian

    März 10, 2015 at 9:03 pm

    Hi,
    also ich kenne weder das Buch, noch die Autorin, aber die Geschichte klingt auf jeden Fall super interessant. Hab’s mir geich mal notiert 🙂 LG Sebastian

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    • wortmagieblog

      März 10, 2015 at 9:41 pm

      Hey,

      ich habe so langsam das Gefühl, dass Joyce Carol Oates in Deutschland lange nicht so populär ist, wie sie es verdient. Umso besser, dass du dir „My Sister, My Love“ aufgeschrieben hast, dann kannst du auch überall verbreiten, wie toll sie schreibt. 😀

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
  6. Hörnchens Büchernest

    März 10, 2015 at 11:03 pm

    Huhu Elli,

    oh ein englisches Buch. Ich glaube ich werde es in diesem Leben nicht mehr schaffen ein Buch auf Englisch zu lesen. Ich nehme es mir schon seit Jahren vor, aber es wird einfach nichts drauß 😀 Leider sagen mir weder die Autorin noch der Titel etwas.

    Liebe Grüße
    Sandra

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  7. Lady Moonlight

    März 11, 2015 at 11:57 am

    Dein aktuelles Buch klingt interessant, hört sich aber nach schwer verdaulicher Kost an. Bei solchen Büchern brauche ich auch meistens länger. Ich bin schon auf deine Rezension dazu gespannt. Vielleicht landet das Buch ja auf meiner Wunschliste.

    Liebe Grüße 🙂

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    • wortmagieblog

      März 11, 2015 at 12:01 pm

      Das kann ich bestätigen. Es ist schwierige Kost, vor allem, weil Oates sehr viel zwischen den Zeilen versteckt. Mal sehen, welche Bahnen meine Gedanken noch einschlagen werden. 🙂

      Viele liebe Grüße,
      Elli

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